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Full text of "Jahrbucher der wurttembergischen Rechtspflege"

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Saljrbüdjcr 

ber 

^ürtteinfieigil'cljen ^tedjtspffege 


berauägegeben 

non ben 


iHitgliebern bes (Dberlanbcsgericfyts 311 Stuttgart 


unb bei? 


Dorflattbes ber tufirttembcrgifdjett 2InrualtsFammer. 


<4 r ft er 98aub. 


ftübingen, 1888 . 

SBetlag bet |j. Saupp’fcfjen 39ucb^anbtung. 


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( ftLc/ . 



$rad uott 2 « u p p jr. in $übtnßett. 


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3nl)ttltsüberftd)t kß erftett ßattk. 


L ©nt)d)eibungen bes Dbertanbe£gerid)te. 

A. in Citnlfadjen. 

Seite 


1. 3ft ber Sollmachtgeber Berechtigt, ben Säiberruf ber Soll- 
macht geltenb ju machen, wenn biefetSßiberruf nicht jur Kennt* 

nte beä brüten Kontrahenten gefommen ift? .... 1 

2. Rechtliche Ratur be8 ©rfafcanfptuchä eine« DttäarmenuerbanbS 

für geleiftete 'Alimente gegenüber uon bem SUimentationäoer* 
pflichteten. Sorauäfefcung bet RlimentationSoerbinblichfeit bet 
ftinber 3 

3. ©ubfibiarität ber Setrugällage? ©rforberniä einer SermögenS-- 

oerminberung 5 

4. Auslegung eitteS lebten 3DBittenS. 3ft eine ©rbeinfefcung »on 
einer ©ebingung abhängig gemacht, metche nicht in bet Slbftdjt 

beS 2eftatorä lag, fo gilt fte für nicht beigefügt ... 7 


5. Grifft ber (Sertchtöftanb beä § 22 ober ber beä § 32 ber 

©.$£>. auf Klagen aue. § 1 bei $aftp flieh tgefefceä ju, welche 
gegen bie Jt. SBürttembergifche Staatsfinanjuermaltung, uer< 
treten burch bie Ä. ©eneralbireltton ber ©ifenbafjnen, erhoben 
werben ? 12 

6. Konluräorbnung § 3.5 u. 38. Ruäfonberungäanfpruch beSSer* 
täuferS an uon auäwärtä überfenbeten unb an ben Käufer 
abgelieferten 'Karen im Konlurfe beS leiteten. Sinrebe beä 
©igentumSübergangÄ burch Xrabition. Sebeutung ber Serfäu* 
mung rechtzeitiger 'JJtängelanjeige unb ber Klage auf Bezahlung 

beä Kaufpreifeä für bie grage oom ©igentumäübergang . . 16 

7. Serpfeinbung ber in einer Kunftiuoltfabril oorhanbenen Vorräte 

an fertigen, hcübfertigen unb in rohem guftanbe befinblichen 
'KoHroaren mit ben gabrifgebäuben nach Württemberg. Recht. 
Jpauptinftruttion § 66 u. 67 22 


/ 

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IV 


3n$altäüb«ftdjt. 


Seite 


8. ginben bie Borfchriften beä fünften SCitelö jroeiten Slbfchnittä 

beS erften ButhS bei ©ioilprojejjorbnung aud) auf Gntfdjeib» 
ungen über ben Roftenpuntt äinroenbung, reelle im 3 rcan 8® : 
ooUftredungSoerfahren ergeben? 29 

9. Sebenänerftdjetung ju ©unften einer ®t)efrau. gortbauer ber 

@fje biä jum Sobe beS Bet fieberten, BotauSfefcung beS gort» 
roirfenS biefet 3uwenbung ■ . . . . 31 

10. Seidjung oon 9llitnenten. Slbfic^t ber ®rfa|Ieifiung auS ben 

Umftanben gefolgert 35 


11. Verlauf ber testen oerfiigbaren ©adjen an einen ber ©läu» 

biger um roertentfprechenben ^Jreiö unter Stufredjnung feiner 
gotberung , be^ufä Sthraenbung ber brohenben 3 roan 8ä»oll= 
ftrecfung. 3ft bie ©enac^teitigunggabficfit auSgefchloffen burd) 
ben Umftanb, bafj ber ©laubiger burd) biefen Rauf ni(fjt mehr 
erlangt unb ben übrigen ©laubigem nidjt mehr entjogen |at, 
als wa8 er mittels 3 Toan f5 äDer ^ au f^ hätte erteilen unb ben 
@läubigetn entjUtjen lönnen? 9lnfed)tung$gefeb § 3 9tr. 1 38 

12. Seilt bie 6 tiefrau ben allgemeinen ©ericfjtsftanb beS G^emannS 

ober nur ben ©eridjtsftanb beS SBofinfi^eä beSfelben? 42 

13. ^Jflidjt jur Grftattung ber Roften, inSbefonbere ber SlnwaltS» 

gebüßten im amt3gerid)tlic$en GntmünbigungSoerfahren wegen 
Berfdjwenbung 43 

14. ®rlif(fit baä burd) bie Slntnelbung beS SBarenjeühenS erlangte 
Stecht, menn bie Slenberung bergirma, für welche baffelbe an» 
gemelbet worben ift, unb bie Beibehaltung beS 3 e '<h enä für 
bie geänberte girma nicht angemelbet wirb? 3Bie lange lann 
biefe Slnmelbung nachgeholt werben? 

ginben bie auf bie Gintragung ber girmen im §anbeläre» 
giftet ftch bejiehenben Beftimmungen be§ SDtarlenfdhufcgefebeS 
Inwenbung auf bie ffiarenjeichen oon ®ewerbetreibenben, welche 
im Qnlanbe eine fjanbelSnieberlaffung nicht befifcen? . . .133 

15. 3ft ein obligatorifch Berechtigter jur Slnfteüung ber Slquili» 

fchen Rlage legitimiert? 137 

16. Haftung nach bem Bquilifchen ©efefc. § 367. 3*ff et 12 beS 

SteichSftrafgefehbuchS 139 

17. Stegrefsflage gegen bie Unterpfanbabetjärbe wegen unrichtiger 

©djähung beS ^SfanbobjelteS. Urfädjlidier 3 u f ammen b on 8 
jwifchen biefer unb bem ©djaben be8 Bfanbgläu&igerä. fjat 
ber Iefctere bie 9tid)tig!eit ber ©chäfcung ber UnterpfanbSbe» 
h8tbe ju lontrollieren ? 149 

18. BermögenSrechtliche Berpflichtungen minberjähriger Rinber, beren 
Batet noch am "«ben ift, finb, wenn für bie Rinber ein befon» 


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FnhaltSüberfitht. 


y 


berer, baS Vermögen betreiben oerroaltenber SSorirmnb aufge= 
fietlt roorben ift, ofcne 3uftimmung beS SBorntunbS ungiltig . 

19. ®er öffentliche ©lauben beS ©üterbuchS in Sejug auf bie ©t- 
roetbung bereits beftefcenber SienftbarfeitSrecbte auf ®runb< 
ftücfen dritter. 2trt. 15 beS roürttembergifchen Sßfanbentroid= 
lungSgefefceö . 

2ü. ÄonlurSorbnung § 85 unb 38. 2luSfonberungSanfpruch beS 
SerfäuferS an von auSroärtö überfenbeten unb an ben Häufet 
abgelieferten SBaten im Stonlurfe beS Sefcteren. ©inrebe beS 
©igentutnSübergangS burcfc Itabition 

21. Setpfänbung ber in einer JtunftrooIIefabrit Dorfjanbenen SBor= 

täte an Sßolleroaren mit ben gabritgebäuben nacb roiirttemb. 
Secfct 

22. 3ft ein Slbjug oon 3mifcf)enjinfen geftattet bei Bejahung einer 

noch nic^t fälligen, ju niebrigerem, als bem gefehlten ober 
lanbläufigen 3*nSfufc oersinSlichen Forberung mittelft 3n>angS= 
oerfaufS ber für biefe fjorberung oerpfänbeten i'iegenfchaft 
außerhalb beS JtonhirfeS? 

23. 1. 3m 3™eifel ift anjunehmen, bafc ein fkolurift, roelcfcer ben 
gleichen 3iamen führt, roie bie uon ihm oertretene girma, 
burch Unterzeichnung feines SRamenS einen auf bie girma ge= 
jogenen Sßecfcfel für biefe auch bann acceptiert, roenn et baS 
Slccept ohne einen bie ^Srofura anbeutenben 3“fafc unter= 
jeichnet. 

2. Sefet § 16 2lbfafc 2 ber SBechfelorbnung nur baS SSorhan» 
benfein eines formgerechten ^rotefteS ober auch bie ©iltigfeit 
biefeS ^rotefteS oorauS? 

24. ©igentumSerroerb burch Stelloertreter 

25. fjaften bie griichte einer Mehreren oerpfänbeten Sache auS= 

fdjliefclicfc bemjenigen ^Jfanbgläubiger, ber oor Stbfonberung ber 
Früchte bie Schuld ober ^Ifanbflage erhoben hat? (ifSfanbgefefc 
»rt. 49, 3iff. 3; 2lrt. 112) 

26. 3afi*Hung burch bie $oft an einem anbern Drt als bem in 

ber 2lbreffe beS SriefS bejeid)neten 

27. 3u § 164 ber ©ioilprojefcorbnung 

28. 21nrufung ber meibUchen Freiheiten auch aufcerhalb beS fion= 

furfeS. SSorauSfefcungett berfelben 

29. Steht bem Setentor bie Spolienllage ju? 

3U. Siegt eine Qnterjeffton oor, roenn eine Frau, welche eine Fot= 

berung jebcert, ficfc für biefe Forberung als Bürgin haftbar macht ? 

Segrünbung ber ©inroenbung, eine llrlunbe auS 3 tr tum un= 
terjeichnet ju haben. 


©eite. 

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176 

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VI 


3n§a(täü6erfi$t. 


©eite. 


3ft ein Settag, melden bet ©Ifiubiger aus einet Sroons*’ 
uollftrecfung ober im ftonfurS erhält, öerbältniämäfsig auf Äa- 
pital unb 3infen abjuredjnen ? 

Sejieljt ftd) l'anbr. II. tit. 5 § 9 auch auf ben gaH einet 
blofs t!mt[äcf)lid)en 9?id|teinflagung nncf) SIblauf bcs 3°!)I un 8Ö’ 
terminS '? 257 

31 Sorauäfebungen bet ©eridjtSftänbe bet §§ 386 u. 29 ber 6itu[= 

ptojefjorbnung 267 

32. ®ie ©runblofigleü einet Slrreftanlage ift jur Segrünbung eines 

©rfabanfprucbS nitf)t genügenb 271 

33. Siebente üeftamentöform. Qft eS erforberlid), bafj bei biefer 

gorm baS Xefiament »etfdjloffen ben 3eugen jut Solennifation 
übergeben toirb ? 273 


34. 2>ie nach Ä. 3 u. 51 beä ^fanbgefefceS oerpfänbeten beroeg= 
litten 3 u Ö e P tun 9 en »on STUtnobiltert bleiben binfldjtlich ber 
3roangSooHftredfung im allgemeinen bewegliche Sachen unb 
ftnb nur gegenüber betn llnterpfanbSgläubiger als unberoeg» 


Iid)e Sachen anjufeljen 280 

35. Steht bet Antrag eines fPfanbgläubtgerS auf Slnorbnung bet 
3mangSooHftredung in baS il)m oerpfänbete unbewegliche Ver- 
mögen bet ©rbebung ber Vfanbflage gleich ? 3t. 49 3<ff- 3 

beS ^5fanbgefe|eS 286 

36. ffiitb butcb eine in einem öffentlichen gluf» »orgenommene 

©rabarbeit einem 'J!ad)6arn eine Quelle abgegraben, fo roirb 
bieburcb ber Unternebmer nicht fcbabenSerfafcpflicbtig . . . 290 


37. ©eticbtSftanb beS § 24 bet 6.^ 0 3)et (Sinjelfaufntann bat an 

bemjenigen Drt, an welchem et unter einer girma ein £anbelö= 
gefcbäft betreibt, ohne biefcn Drt als SJttttelpunlt feiner bäu*= 
lieben ober gefcbäftlicben Verbältniffe jutn regelmäßigen 3luf- 
entbalt ju nehmen, leinen SöobnfiS im rechtlichen Sinn . . 295 

38. SietentionSrecbt beS gauftpfanbgläubigerS 298 

89. Steht einem ©laubiger, roelcbem baS SlnteilSrecht feines Sd)ulb* 

netS an einer ungeteilten ©rbmaffe überroiefen roorben ift, baS 
Siecht ju, 9lachb olung ber ©oentualteilung ju «erlangen? . 305 

B. 3« Straffadjeu. 

1. Können bie in jrceiter 3nftanj bem Sßebenfläger erroachfenen 
notroenbigen StuSlagen bem Slngellagten aufgebiirbet roerben, 
roenn biefelben burch eine nur »on bev StaatSanroaltfchaft, 
roenn auch ju ©unften beS leiteten, ohne ©tfolg eingelegte Se= 
rufung entftanben ftnb? 52 


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Sfl^altSilberft^f. 


2. 1. enthält ein nach Ginreicfiung ber Slnllagefdjrift oom Ver> 

teibiger gefteHter Antrag, einen 9lngefcf)utbigten aufiet Verfol* 
gung ju fefcen, eine Verteibigung im Soroerfnhren im Sinne 
ber ©ebührenorbnung für 9lecj)t8anmälte § 67? 2. gft eine 
fot $e auch in ber gleidfjeitigcn Grflärung, bejüglich ber üb» 
rigen ängefdjulbigien eine« äntrag« fuf) ju enthalten, ju 
ftnben ? 

3. 1. ©eftatten bte §§ 325 unb 326 ber St.p.D. Verfügung 

oon VermBgenSbefchlagnaljmen auch n ach einem reffjtSlräfttgen 
Urteil? 2. Sann nad) eingetretener StectjtSlraft be« Urteil« 
eine redjtawirffam oerfügte VermBgenäbefchtagnahme noch wir!* 
fam o o 1 1 j o g e n werben ? 3. 3ft ba« Strafgericht juftänbig, 
Verfügungen jur Voll jie^ung einer oon if|m oerfügten 
VermBgenSbefchlagnahme ju erlaffen? 

4. 1. Sann eine Uebertretung be« § 14 2tbf. 2 be« Qmpfgefefje« 

burtf) Siidjtbeachtung einer 2luffotberung jur Qmpfung aufier= 
halb ber im § 6 2lbf. 2 beftimmten 3**1 begangen werben? 
2. Sann in Ginem gahre wieberijott auf ©runb be« § 14 
2lbf. 2 gegen biefelbe perfon Strafe oerfjängt werben ? 3. Schliefst 
eine Veftrafung au« bem erften 2lbfab be« § 14 eine fpätere 
Beftrafung berfelben Perfon au« bem jweiten 9lbfafse biefe« 
Paragraphen au« ? 

5. gätlt eine unfontrollierte SBeineinlage eine« ©irte« unter 

9lrt. 50 be? ©irtfchaftSabgabengefefse« nur bann, wenn fte 
jum 3ro*^ e be« äuSfdjan!« erfolgt? 

6. 3ft auch bie ohne polijeilicfje Grtaubni« erfolgte unentgelt = 

liehe Slbgabe oon Xrjneien, wenn ber Sanbel mit benfelben 
nicht freigegeben ifi, ftrafbar? 

7. Sann ein jum Stofien mit feiner Spitse oerwenbeter Stiefel 

al« eine 23 affe, bejieijungSweife ein gefährliche« Skrfjeug im 
Sinne be« § 223a be« St.©.V. gelten? 

8. 1. 3fi gegen bie Ablehnung be« Antrag« ber Staatsanwalt- 
fdjaft, bte Berufung eine« in ber §auptoerhanblung nicht er= 
fdjienenen, bejiehung«weife nicht oertretenen Slngellagten fo= 
fort ju oerwerfen, Vefchwerbe juläffig? 2. ginbet § 40 ber 
St.p 0. 2lnwenbung auf bie Sabung eine« Slngellagten jur 
§auptoerhanblung cot bem Berufungsgericht? . 

9. Sann eine jum Auftreten al« Siebenfläger berechtigte Perfon 

Vfteneinftcht für ihren Jledjtganwalt oerlangen, nachbem bie 
GtBffnung be® §auptoerfahren« burch einen nicht mehr an* 
fechtbaren Befchlujs abgelehnt ift? 

10. Steht einem freigefprocf)enen ÄngeHagten ein Siecht ju, oon 


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3nhalt8überflchl 


vm 


ben Unterfud)ungäa!ten ju bem 3 TOe df- gegen einen in bet Sache 

Sflte. 

oernommenen eine Slnzeige wegen SJteineibä unb an* 


bern Verbrechen anjubringen, burch einen Siechtäanroalt ©in* 


Mt *u nehmen? 

77 

11. ßängt in ^rioatHagefadjen bie Kechtägültigfeit ber Stellung 


beä Slntragä auf ftrafrec^tlie^e Verfolgung (St.©.®. 8 61) oon 


ber ©rlfebung einer juläffigen «rioatflage ab? . 

184 

12. 3ft nad) bem iCobe beä Vaterä bie eheliche SJtutter alä gefefc* 


liehe Vertreterin beä Kinbeä im Sinne beä § 65 beä St.©.®. 


anjufehen ? * 

187 

13. „Umftänbe", „gorm" im Sinne beä § 193 beä St.®. 33., geft» 


fteüung berfelben 

189 

14. gäDt ein Slmtägerichtäfchreiber , welcher mit einer bei bem 


Slmtägeridjt in Unterfuchungähaft befinblichen Verfon ben Sei» 


fchlaf ooUjieht, unter ben § 174 beä St. ©.33. ? .... 

192 

15. Siebftaht ober 33etrug? 

194 

16. Stechtmäfsigleit ber Slmtäauäübung bei bem SSetreten einer mit 


Vtilitäroerbot belegten 3GBirtfchafi behufä beren Seoifion burch 


eine ^Militärpatrouille ? — St.®.®. § 113. 2lbf. 3 

197 

17. „Verteibigung im Voroerfahren", ©ebührenorbnung für 9teci)tä« 


anwälte § 67. 70. (oergl. S. 55.) 

199 

18. Qur Sluälegung beä Slrt. 5 3'ff- 3 beä Sanbeägefeheä betr. bie 


Aufhebung ber befreiten ©eridjtäftänbe oom 17. Slug. 1849 . 

308 

19. 1. Sinb in ber Steoiftonäinftanj neue Veweiäerhebungen über 


bie rechtzeitige Stellung beä Strafantragä zuläfftg ? (Str.®r.D. 


§ 376. § 260.) — 2. ©eniigt zur Vegrünbung ber ©infteHung 


beä Verfahrenä gemäfi § 259 ber St.®.D. bie geftfteHung beä 


gnftanjrichterä, bofe bie ©inhaltung ber Slntragäfrift (§ 61 beä 


St.@.S.) nicht erwiefen fei? 

310 

20. geftnehmung jum 3 roec f ber Verhinberung oon SRechtäoerlefc« 


ungen. — Irrtum beä einem Voüftredungäbeamten in ber recht* 


mäßigen Sluäübung feineä Slmteä SBiberftanb Seiftenben bejüg* 


lieh ber Stechtmäfjigleit ber Slmtähanblung. — «ezuanafjme auf 


bie ©ntfcheibungägrünbe ber früheren Qnftanz. — 8§ 113. 


223a beä St.©.®. S§ 112. 127. 266. 380 ber St.V.D. . . 

313 

21. Söirb Verlegung einer Meehtänorm über baä Verfahren gerügt, 


wenn bie Steoifion fich barauf ftü&t, bafi burch baä Urteil bie 


Klage nicht erfchöpft werbe? — §§ 263 unb 264 b. St.^ß.D. 

318 

22. gagboergehen : gaUroilb. Schonjeit. ©injiehung beä ©ewehrä. 


St.®.«. 86 292, 293, 295 

320 


23. ginbet § 160, Sa(j 1 beä ®er.Verf.©ef. Slnroenbung auf ®e= 


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Qnfjaltbüberflcfit. 


IX 


Seite. 


fdftoetbert wegen Serroeigetung bet Se(f)tbl)ilfe in Sejiegung 

auf Sitte bet ©traf t> ollftr e <f un g? 322 

24. Sann bie ©taatbamoalifdfaft ju ©unften eineb 3eugen 
Sefcfiioerbe wegen ju nieberet Jeftfegung feiner ©cbüf)ren er= 
geben? ©trf.ifS.O. g§. 346. 888 ; ©eb.Drbitung für beugen ic. 

§ 17 323 


II. @ntfd)eibungen be3 3?erroaItungögi’ri<^t3t)of^. 

1. 3u § 30 lit. b. jroeiter gall beb Steidjsgefegeb über ben Un» 

tcrftügungbu'ognfig. Serufungbfacge beb £anbarmenoerbanbb 
Grailbgeün, Seflagten, Serufungbflägetb, gegen ben Drtbarmem 
uerbanb Sreffelgaufen , D31. ©eiblingen, Kläger Serufungö= 
bellagten, Hebernagme beb Slnton Sieffing unb Koftenerfag 
betreffenb 80 

2. Stuf ein auf ©runb beb Sri. 4 beb am 17. 9lpril 1873 er» 
laffenen n>ürttembergif<gen Sluöfügrungbgefegeb ;um Sieügbge-- 
feg über ben Unterftügungbtoognfig ergangeneb Urteil finbet 

§ 53 biefeb Seicgbgefegeb feine Slnroenbung 83 

III. Mitteilungen beä SltorftanbS ber Slnwaltsfammer. 

1. Seiorbnung bet am Sig eineb 3lmtbgericgtb roognenben, niegt 
bei bemfelben jugelaffenen 9tecgtbanroälte alb Slrmenanniälte 

in amtbgetitgtltdjen ^Jrojeffen 86 

2. geftftellung unb jroangbnoeife Seitreibung ber fioften ber 9ßar= 

teien im $rtoat!lag»erfagren unb ber Soften beb Siebenflägerb 88 

3. Sefcglüffe beb Sorftanbb ber Sluroaltbfamnier betreffenb bie 
ben SRitgliebern bebfelben obliegenben ^Jflicgten (3l.9l.SD. 

§ 49 3. 1.) 324 

IY. 3ur 5 ra 9 e ü ^ er We 33cljanbln«g itberfdgulbeter crb= 
lofer SBerlaffenfcgaften 93 

V. Stlternatioe Obligation, llebergang beä bem ©täu= 
biger bieäfaH^ jufte^enben Safjirecbtä auf ben 
©djulbner roegen SßerjugS bee- erfteren in Slu^iib- 
ung beä 2Bal)lred)t8 124 

VII. Qft gegen Sßerfonen, roeldje jut 3 e >l bet 93egel)ung 
ber 2f)at ba* adgtjefinte Üebenssja^r nod) niäjt uoH= 
enbet Ratten, bie ©tlaffung eineä amt$ri<$terlid)en 
Strafbefehle ftattf>aft? 200 


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X 


gnfjaltäüberfufit. 


Seite. 


VIII. 3 ft öffentliche Aufteilung amtsridjterticEier ©traf6e= 

fehle juläßig? 209 

IX. Aut Auslegung oom § 10 bes SteidjSgefeßeS über 

beit ©pielfartenftempel, com 3. $uli 1878 (9t.65.Sl. 
©.133) 219 


X. Äann ber bem 2lrbeiter ober SDienftboten bereite aus* 
bezahlte 2trbeitö= ober ©ienftloßn an bem Stag, an 
meinem berfelbe gefeßlidj oertragS* ober gerooljm 
ßeitsmäßig ju entrichten toar, gepfanbet toerben? 

S.tß.O. §. 749. A- 1- Steidjägefeß oom 21. Auni 
1869 betr. bie 33efd)lagnaf)me beS 2lrbeitS= ober 
SienftlolinS § 1 229 

XI. ©teilt ber in lanbredEjtlidier ©rrungenfd)aftsgefell= 
f<haft lebenbcn ©ßefrau mä^renb ber ®auer biefer 
OJefeHfcfjaft l)tnfid)tlid) ihres in ber gef etlichen Ver= 
roaltung bes ©ßemannS fteljenben betoeglidien ©on= 
beroermögenS ein bie Veräußerung ßinbernbes 9tecf)t 
im ©inne beS § 690 ber Steicbscioilprojeßorbnung 


ju? 237 

XE. A»r ißaternitätSllage 328 

XIII. lieber bie nach außen beftetjertbe gefeßUcße Haftung 

beiber ©begatten für ©ojialfchulben ber tanbredfjtlicben 
©rrungenfdbaftSgefeUfdbaft 340 

XIV. Veitreibung ber 65erid)täfoften 360 

XV. 2lrt. 14 beS SBürttemb. gorftftrafgefeßeS 

oom 2. ©eptember 1879 374 

XVI. Sitterarifdje Slnjeige: 

33 ö ßm, ^anbbucf) beS 9ie<$t$bilfeoerfal)ren3 im ®eutfcßen 

9tei<h unb gegenüber bem 2luSlanb 377 

3llpf)a6etifcbe8 <2acf)regiftet 379 


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I. 

&ntf4jeiöutujen öc» ©berlanöesgmdjtes. 

A. in Siuilfadhen. 

1 . 

3ft bcr SMmadjtgeber berechtigt, ben SBiberruf ber 5ßolt= 
macht geltenb ju machen, wenn biefer SBtberruf nicht jur 
Kenntnis bei britten Kontrahenten gefommen ift? 

$5er Seflagte h at feinem ^Beauftragten eine fc^rifttid^e 
Vollmacht aulgeftellt unb übergeben, worin er biefen pm S8er= 
tauf einer JReihe non ©runbftücfen ermächtigt bat. ®em Kläger 
gegenüber, welcher mit bem 33eooIImä<htigten einen Kauf ab= 
gefdjloffen hat, behauptet ber Seflagte, er habe jene Vollmacht 
wiberrufen, ehe jener Kauf abgefdjloffen worben fei. tiefer 
fei baher ungültig. 5Der (Sinwanb würbe oerroorfen. 

©rünbe: S)er bei ber actio institoria geltenbe, oonber allge= 
meinen Siegel abweichenbe 9ie<ht£fah, bafe berjenige, welker mit 
bem Snftitor nach bem SBiberruf bei Auftrags fontrahiert hat, ben 
©efchäftlljerrn belangen !ann, wenn er »or bem ©ef<häftlab= 
fchlui uon bem SBiberruf feine Kenntnis erhalten hat, f. L 11 
§ 3 — 5 D. de inat. act. 14. 3., ift jwar uon bem beutfchen 
^anbelögefebbuche inlbefonbere bezüglich bei SSerhältniffel ber 
$Profuriften, ber ©efeüfchafter, unb bet SSorftänbe uon Slftiem 
gefellfchaften aboptiert worben, f. 2lrt. 46. 115 233 

oergl. mit 31. 25. 129. 155, unb im ©egenfafc ju ber Siegel 
bei tömifchen Slecbtl hat ein beutfchel ©emohnheitlredjt, beu 

3<$rbttd)er b. gtiUrtteitibg. iRedjtepfUfle. 1. X 




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2 


Sntfäeibungen be« D6erlanbe8geric|t8. 


©ebürfniffen beg ©erfebrg entfprecbenb, bag ^ßringip ber nmfjren 
birctten ©telloertretung bei Eingebung tton fRedbtggefcbäften, 
wornacb ber ©rinjipal unmittelbar aug bem ©efdhäft Sedjte 
erwirbt unb roie bei ber actio institoria bem britten unmitteb 
bar »erpftii^tet wirb, anerfamtt unb eingefü^rt ; bennod) fann, 
infofern jene ©eftimmungen fidh auf befonbere ©erbältnifje be= 
jieben, ber oorangefteHte 5ted)tgfafc bejüglidh beg SBiffeng beg 
britten Äontrabenten nicht allgemein bei jebem Auftrag in 2tn- 
menbung gebraut werben. ^Dagegen ift eine analoge Slnwew 
bung nicht auggeftbloffen unb biefe Sinologie trifft bei bem 
©orliegen einer fcbriftlidben ©ottmacbt ju, wenn fie namentlich 
jum Slbfdhluff einer Steibe oon 9te<htggefcbäften beftimmter Slrt 
ermächtigt. Slebnliä) ber ©efieUung eineg institor enthält bie 
Slugftetlung unb Uebergabe einer fcbriftlidben ©oümacbt eine 
offene ©rflärung beg ©efdhäftgberrn an biejenigen, welche mit 
bem ©eooHmächtigten in ©efdhäftgoerfebr treten, baff er bie 
mit leffterem abgefdbloffenen ©efdjäfte alg bie feinigen anerfennen 
werbe; bie ©oümacbt gibt biefen SBiKen funb unb mit biefetn 
Sßillen »erfniipft fidb, nadbbem er in ber Offerte beg ©enolb 
mädbtigten feine nähere tbatfädblidbe ©eftaltung befommen b at / 
ber SBiHe beg Äontrabenten, inbem er mit bem ©eooHmächtigten 
bag ©efdhäft abfdhliefft. ®er britte ftontrabent ift berechtigt, 
auf ©runb ber ©ollmacbt in ©efcffäfte mit bem ©eoottmädbtigten 
ficb einplaffen unb bie burdh bie ©ollmachtgurfunbe repräfem 
tierte SßiHengerflärung beg Sflanbanten folange alg fortbauernb 
anjunebmen, big ihm bie Slenberung berfelben, beftehe fie in 
einem gänzlichen SBiberruf ober in einer bloßen ©infcbränfung, 
befannt geworben ift, gleichwie bei ber actio institoria ber 
©räponeng bie oom 3nftitor nach bem ©erbot mit dritten 
abgefchloffenen ©efchäfte anerfennen muff, wenn er bag 23er= 
bot nicht auf irgenb eine SBeife bem britten befannt gemacht 
bat. ©elbftoerftänblidh ift eg, baff bie ©odmadht bem 9ieoott= 
mädhtigten übergeben unb bem britten Äontrabenten pr Äennt= 
nig gefommen fein muff. 

©ntfdheibung beg Dberlanbeggeridhtg in ©adhen füllet 

c. ©amminger n. 2. Utooember 1882. 


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A. in (Stoilfacfjen. 


3 


2 . 

9techtlid»e 9tatur beä @rfafcanfpru<h3 eines Drt3armen»cr= 
banbs für geleiftete Alimente gegenüber »on ben 2tlimenta= 
tion^cerpflid^teten. VorauSfehung ber 2lIimentation3»erbinb= 
lid^feit ber Mnbet. 

®er DrtSarmenoerbanb ju Ä. f»at ben feit bem 3a^re 
1865 im ^rrenhauä befinblithen Johann X. non St. non beiti 
3afjre 1876 an mit einem jährlichen 2lufroanb »on 300—450 TI. 
unterftü|t nnb »erlangt nun ben Öetrag biefer ttnterftüfcungen 
ju jroei 2)ritteilen »on ber (S^efrau, ju einem ® ritteil oon 
ben Mnbern beS ttnterftüfcten erfefct. Von bem erften ERidjter 
rourbe bie ß^efrau jur Vejahlung »on 2009 2 Jl. »erurteilt, 
bie Mage gegen bie Mnber aber abgeroiefen. 3n ber jroeiten 
^ttftanj tourbe auch bie Mage gegen bie ©Ejefrau abgeroiefen 
unb bie Berufung gegen bie Slbroeifung ber Älage gegen bie 
mitbeflagten Mnber prüdgeroiefen aus nachfiehenben ©rünben : 

1. ©emäfc ber Vorfchrift be£ § 62 beS SteidjSgefeheS 
»ont 6. ^uni 1870 »ollgietjt fid^ ber ©rroerb beS 2lnfpruch3 
auf @rfa| für bie geleiftete Unterftü^ung gegenüber »on bem 
cioilredjtlid» jur Mimentation Verpflichteten ohne irgenb welche 
weitere VorauSfefcung mit ber 5C^atfadhie ber »on ©eiten beS 
unterftüfcenben SHrmenoerbanbS nach aftafjgabe beS § 62 ge- 
leifteten Unterftüfcung »on felbft in ber Söeife, bafs berfelbe 
in eben bem Sftafje unb unter benfetben VorauSfefcungen be= 
grünbet erfdjeint, als bem Unterftüfcten auf bie betreffenben 
Stiftungen ein Ülecht jufte^t ‘). 

2. 2BaS nun aber sunädjft ben gegen bie (Slrofrau beS 
X. erhobenen ©rfafcanfprudj betrifft, fo ermangelt eg folgern 

1) 33äf)r in bet frit. SSiertetjafjrSfdjrift 39. 25 ©. 552; SJtanbrp, ciiiilr. 
Snljatt, 3te Auflage 6. 367; b. 9ieicf)ög 33. 2. ©. 47. - Slnb. 

1t. : Dembutg, üetjtb. b. ißreuti ^kiuatredjtä 39. 2, ©. 805 5t. 16, 33. 3 
©. 13; ©<f in §otfcenbotff’S StecfjtSIej. Sie Stuft. 33. 2. ©. 860, f. aucf) 
©euff. Strdjio 33. 33 ©. 418. 

1 * 


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4 


©ntfdjeibungen beS DberlanbeSgeric^tS. 


an ber für jebe Alimentationspflicht erforberlidfjen SSorauSfefcun 
bet SeiftungSfähigfeit beS Verpflichteten J ), reelle näher balji 
ju befiimmen ifi, baß bem Verpflichteten tjieju, ohne buri 
feine Seiftung felbft in 9tot ju geraten, ober auch nur be 
©efaljr eigener Verarmung fi<h auSjufehen, genügenbe 3Jtitti 
ju ©ebot fielen müffen *). ©rroägt man nemlich , bah unte 
ber ju 6500 -Dt. tarierten Siegenfchaft ber Veflagten, auf roel 
<her 250 99t. ^fanbfdjulben haften, ficf» .fjauSs unb ©cheuei 
anteil tayiert ju 2399 9Jt. befinben, bejüglidf) melier nicht b( 
ftritten worben ift, bah fie anbem 9tufcen als 2B Ortung un 
Staum für bie gelberjeugniffe ber Seflagten nicht g ernähret 
roie auch ihre unbebeutenbe gahrnis im Sßert non circa 400 99 
einen (Srtrag nicht abroirft, bafs alfo nach Abjug biefer Söert 
ber Veflagten fdhulbenfreie gelbgrunbftüde nur im SBert oo 
nicht ganj 4000 99t. rer bleiben, welche fie in ihren oorgerücfte 
fahren ohne frembe Söei^ütfe nid^t bebauen fann, erroägt ma 
ferner, bah erfahrungSgemäh oon ©iitem nach Aöjug be 
Vaufoften faum 4% ihres ÄapitalroertS als ©rtrag ju ei 
jielen finb, fo muß angenommen roerben, baß ber SBeflagter 
roeldf>e bei ihren fahren auf anberroeiten (Srroetb burdjj Arbeite 
oerbienft nicht regnen fann, nach Veftreitung ihres eigene 
Unterhalts oon jenem (Srtrag nichts übrig bleibt, roaS fie ju 
2Uimentation if>reS ©hemannS oermenben fönnte. Sollte abei 
um ^ieju 99tittel ju erlangen, bie ©ubflanj ihres Vermögen 
angegriffen, b. h- irgenb meid)’ nennenswerter Seit ihre 
Siegenfdfjaft jum Verlauf gebracht raerben, fo roäre hiemit bei 
felben bie ©efaljr eigener Verarmung nahe gerüctt, ba e 
aisbann fef»r leicht ft<h ereignen fönnte, bah ber ©rtrag be 
ihr oerbleibenben StefteS für ihre eigenen Vebürfniffe nid 
mehr jureidhen mürbe, alfo fofort ju roeitern Verläufen gt 
fdhritten roerben mühte. 

1) 1. 5 § 18. 15. 26. Dig. 25. 3. 1. 2 Cod. 5. 25; ©ntfö. be 
SReidjSg. 33. 4. 91t. 44. 

2) §arppredjt, de fontibus jur. wörtt. ©. 109 ; §o[jfcE)u§er, ©afuift 
33. 1. S. 571. 3iff. 8.; SRanbnj, gamitiengüterrecbt SB. 1. @. 263; ®ntfd 
b. 9»ei$«g. 33. 5. ©. 160. 


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A. in Sinilfa^en. 


5 


3. 2lnbelangenb fobann bie ftlage, fotoeit foldje gegen bie 
beiben mitbeflagten ©.’fdjen ftinber gerietet ift, fo erfdjeint 
fold^e nadfj ber ©adflage gleidhfaUg als unbegrünbet. Stach 
ungejiriungencr Sluglegung ber SSorfd^rift beg £anbredf)tg %. 4 
$U. 14 ift foldfje bat) in p »erflehen, baff ben Geltem fein 3ln= 
fprudj auf Sllimentation burdE) i^re ftinber pfteht, roenn fie 
ihre Slrmut felbft oerfdfplbet ^aben. ©ie Sinnahme ber ftlä= 
gerin, eg feien bie SBorte beg ©efefceg „baran fie feine ©cf)ulb 
tragen" nur auf bie unmittelbar ooranftehenben SBorte „Uro 
glücf ober Unfall" p bejiefjen, erfd^eint alg eine oöHig toiUfür= 
lidhe unb fann roeber in ber Stellung ber SBorte im ©afce 
noch in innem ©rünben i^re «Rechtfertigung ftnben. 

©ie ber im SBiirtt. SlrcEjio 35. 3. ©. 405 mitgeteilten 
©ntfetjeibung beg Dbertribunalg oom 5. SJtai 1838 p ©runbe 
liegenbe Sluglegnng beg ©efegeg ift auch feiger oon bem f)öcf>= 
ften Sanbeggerid^t feftgehalten worben. ©aff nun im ootlie; 
genben ffiall bie ©eiftegfranf^eit beg SSaterg ber 33eflagten 
burd) feine ©runffucf)t herbeigeführt mürbe, ift ermiefen. 

©ntfdfjeibung beg Dberlanbeggericfjtg o. 29. Slpril 1886 in 
©adjen ber ©opf>ie ®. u. ®en. gegen bie Drtgarmenbe= 
hötbe ft. 


3. 

©ubfibiarität ber 33etruggflage? ©rforberaig einer 33er= 
mögengoerminberung ? 

I. ©ie rechtliche ©tatt^aftigfeit ber Söetruggflage ift roegen 
ihrer angeblich nur aug^ilflidjjen Statur nicht p beanftanben. 

©emt auch roenn man ben in 1. 1 § 8 — 1. 6 D. 4, 3 
auggefprodEjenen ©afs, bafj roenn oon einem ©ritten ©cfjabero 
erfafc oerlangt roerben fann, gegen ben Sietrüger felbft bie 
©etruggflage nicht angejteHt roerben bürfe, alg noch heut p 
Tag in ©eltung ftefienb anfehen wollte, ift berfelbe im oor: 
liegenben nid^t anroenbbar; benn nach bem flaren Slug-- 
fprud^ ber angeführten ©efefeegfteHen ift für bie SSerfagung 
ber Sßetmggflage oorauggefefct, baff fe ft ft ehe, baff oon bem 


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6 


©ntjdfeibungen be£ DberlanbeggericfitS. 


gaftpfliigtigen Dritten ber @rfag roirfltdg unb noUftänbig gu 
erlangen, inSbefonbere baff er giefür gaglungSfägig fei: 1. 4 
— 6 D. cit. Diejj trifft aber im norliegenben gall befjgalb 
nid^t gu, roeil nid^t nadggeroiefen ift, ba§ bie burdg baS 2$er; 
fäumniSurteil nom 19. 2luguft 1885 oerurteilten beiben Söriiber 
DeorieS über ben SBert ber non ignen bem Hläget in 3Ser= 
fag gegebenen, begiegungSroeife oerfauften, ©cgntuäfadgen ginauS, 
gaglungSfägig unb an bem non ignen angegebenen SBognort 
mit ©rfolg gu belangen feien. 

II. SBenn feftftünbe, ba6 Kläger burdg einfadgen, unb 
igm jebergeit möglichen Verlauf ber Sdgmucfroaaren im ©tanbe 
fei, nidgt blofj baS non igm auf ©runb beS Vertrags 2luS= 
gelegte, alfo foroogl bie besagten 2300 3J2. als audg bie 
gierauS , bis gutn Dag beS möglichen Verlaufs , alfo bis gu 
ber burdg 9tatgan DeorieS nerroeigerten 3luSlöfung ber ©adgen, 
gu entri<f»tenben 3inf en bedien, fonbern aucg bie nerfprocgene 
ißrooifion non 270 2)2. gu erlangen, fo mürbe Hläger aller- 
bingS eine SSerminberung feines Vermögens nicgt erleibeu ; 
eine folcl»e ift aber audg gur S3egrünbung eines Betrugs im 
cioitredgtlidgen ©inn nicgt unbebingt nötgig, es genügt, baß 
feftftegt, baf? Hläger ben Häuf beS ©cgmucls ogne jene Däu- 
fcguttg über bie beoorftegenbe ©intöfung (32ü<f{aufSauSübung) 
nid^t abgefdgloffen gaben mürbe, unb märe bie öetrugSflage 
nur bann auSgefdgloffen, roenn fidg ergäbe, baff Hläger an igr 
{einerlei Sfntereffe gäbe, baf? er burdg beit Vertrag in 
{einem SRecgte neriegt fei (2J2ommfen, Haftung ber 6ontra= 
Renten 3. ©. 156 f.; 92. D. £. ©. (Sntfcg. $Bb. 5 ©. 324); 
biefeS legtere tann aber gier, roie fdgon erroägnt, mit ©runb 
nidgt gefagt roerben, fofern filäger ein ergeblidgeS Qntereffe 
baran gat, mit Üluffucgung eines HäuferS für ben ©cgmudl 
ficg nidgt befaffen gu muffen, fonbern burdg einfadge 33aargag= 
lung gu feinem ©elbe roiebergutommen. 

Sßon ben ©adgoerftänbigen ift aber ber ©dgmudl nadg 
roiebergolter genauer llnterfucgung auf nur 2000 2)2. gefdgägt 
roorben, unb es liegt, roie fdgon bemerft, {ein gureidgenber 
©runb nor, au ber 9lidgtigfeit biefer ©cgägung gu groeifeln; 


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A. in ©ioiifo^en. 


7 


foUte fie aber je gu niebrig gegriffen fein, unb eine anbere 
Sdjäfcung etma 2300 ober 2500 9)1. als ben ridfjtigen SBert 
beS ©«JjmucfS begeidfjnen, fo mürbe felbft hieraus nic^t abgu^ 
leiten fein, bafc Kläger bei feinem Verlauf beSfelben — bei 
bem befannten großen Unterfd&ieb groifd&en £aben= unb£röbel= 
roert, begieljungSroeife groifdfjen „2Bert" unb toirflidjem ©rlöS, 
biefen Pieren ^reis erzielen mürbe unb l)ieburcl) fidj ooUftänbig 
fdf»abIoS galten fönnte. Ebenfalls ift ifjm , ber nur in 
©rroartung ber Erfüllung beS fftüäfaufSoerfpredljenS auf bas 
©efcijäft fid) eingelaffen f)at, nid^t gugumuten, baß er felbft 
mit ber 9Jiül>e unb ber ©efaljr ber Veräußerung beS ©d^mucfs 
fic^ befaffe, oielmefjr fein Verlangen gerechtfertigt, baß biefe 
ben V et tagten überlaffen bleibe. 

Urteil beS DbertanbeSgeridE)tS in Sachen £em unb Slodf) 
c. SJUdbel Dom 6. guli 1886. 


4. 

SluSlegung eines lebten SBiHenS. 3fi eine ©rbeinfetiuitg 
oon einer Vebingung abhängig gemalt, meld^e nidf)t in ber 
Slbfidljt beS £eftatorS lag, fo gilt fie für nid&t beigefügt. 


2tm 22. 9)lärg 1885 ftarb ber Sauer QoljanneS 9)1. oon 
Hegensberg, nad^bem i^m feine ©fjefrau fd^on im 3 Q f) re 1860 
im $obe oorangegangen mar. 9)iit berfelben ^atte er am 
19. Januar 1858 ein gemeinfd^aftliclieS Xeftament errietet, 
in beffen § 1 gefagt mar: „3u Srben feiner Vertaffenfd&aft 
„ernannt I, ber Seemann für ben galt feines VorabfterbenS : 
„A, feine ©^efrau fftofine Katharine geb. & gu einer Hälfte, 
„unb, in ©rmanglung oon Äütbern, B, ©eitenoerroanbte, (®e= 
„fdjroifterfinber unb ©efcfjroifterenfel) gur anbent Raffte." 3 U 
ben im Seftament eingelegten ©efdjroifterenfel gehören bie 
Kläger. 9 iadjj gnteftatgrunbfäfcen mären biefelben burdfj bie 
Veflagtcn als ©efdfimifterfinber auSgefdfiloffen. ®ie Kläger 
oerlangen bie Verteilung beS 9ta<ijlaffe3 beS gotjanneS 9 TI. 


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8 


<5ntfd)eibungen bes DberIanbe3gericE)tS. 


auf ©runb bes Xeftaments oont 19. Januar 1858. ®e 
dichter L 3 >nftang hat bie Älage abgewiefen, weil nach ben 
äBortlaut beS fEeftamentS bie Mager nur für ben nicht ein 
getretenen galt beS 93orabfterbenS beS teftierenben ©bemann! 
oor feiner ©hefrau eingefefct feien. S)aS Urteil nmrbe abge 
änbert aus nadjfteljenben ©rünben: 

I. 3 roar fann eS bem Stifter nicht äuftetjen, eine teftamen 
tarifdhe 2BiflenSoerorbnung ju ergäben, bejiehungSweife etroa! 
31 t fupplieren, was im Seftamente nicht auSgefprochen ift. ©eufj 
2trdb- 29 ?to. 248. 2luch beftimmt 1. 25 § 1 D. legatis III 
Quum in verbis nulla ambiguitas est, non debet admitt 
voluntatis quaestio. dagegen ift ber Stifter befugt, bei 
wirtlichen ©inn einer lebten SOBiUenSerflärung im SBege be 
Auslegung ju ermitteln. 2 lucf) ift ber ©egenbeweis nicht aus 
gefdjloffen, baß bie an fid) flaren uitb unjroeibeutigen 2 Bort 
beS SEeftiererS ben wahren SBiHen beffelben nicht hinter fid 
haben, ^ieju genügt aEerbingS nicht eine für ben gegentei 
ligen SBiflen beS £eftiererS beigebradbte Vermutung ; nielmeb 
fann biefer ©egenbeweis nur burcb ben EtachweiS erbrach 
werben, baß ber Xeftierer in feiner ©tflarung, bie Xeftaments 
utfunbe enthalte feinen wahren lebten SBiHen, fub geirrt, ba 
er etroa§, was er int SEeftamente gefagt, nicht gewollt habe 
©euff. 2tr<h. 15 9to. 31. Äann inSbefonbere bewiefen Werber 
baß eine Sebingung, »on welcher eine ©rbeinfe$ung bem SBorl 
laute nadh abhängig gemadht ift, nicht in ber 9lbft<ht bes %i 
ftatorS gelegen war, fo hat ber 3 u fa| als nicht beigefügt j 
gelten. 1. 9 § 5 D. 28,5 hered instit : si conditionem ad 
didit, dum nollet, detracta ea heredem futurum, nec nun 
cupatum videri, quod contra voluntatem scriptum est. ©ir 
tenis III § 171 bei Etote 45, ©. 386. ©lücf, ©otnm. 33b. 3! 
©. 441, 442. 

II. Snbem Johannes 9Jt. in bem non ihm am 19. $a 
nuat 1858 mit feiner bamaligen erften ©heftau errichtete 
reciprofen £eftamente für ben $aE feines 33orabfterbenS A 
feine ©hefrau unb B, ©eitenoerwanbte (lefctere mit ben au 
§ 1 beS SEeftamenteS erfichtlichen ©ubftitutionen) je 3 ur £älft 


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A. in <StmIfacf)en. 


9 


31t ©rben eingefefct b Q t, wie anbererfeits bie ©befrau für bett 
gaff ißreS VorabfterbenS ihren ©bemann jut einen Hälfte, 
ihre Verroanbten 3m anbern Hälfte entfette, ift afferbingS 
bem SBortlaute nach auch bie ©infefcung bcr Verroanbten je 
beS einen (teftierenben) ©atten non bem lleberleben beS anbern 
(honorierten) ©atten abhängig gemacht. Allein aus bem übrigen 
Inhalte beS SteftamenteS unb ben Umftänben ergibt fi<h, baß 
ber ©rblaffer nicht gerooHt hoben fann, bafi im gaffe er feinen 
©atten überlebe, baS SEeftament beftitut roerben, bie non ihm 
im SCeftamente eingelegten Verroanbten ihn nidjt aus bem 
£eflamente beerben foffen. 

1. ©eßt ber eine ©begatte, roie im oorliegenbetx gaffe 
gefaben ift , auf ben gaff feines VorabfterbenS ben anbern 
©atten ein, fo ift ber ©infefcung nidht eine eigentliche 93e= 
bingung beigefügt; eS hanbelt fidh oielmebr um eine not; 
menbige VorauSfefcung. Ueberlebt ber anbere ©atte ben %t- 
ftierer nicht, fo fann er gar nidht ©rbe roerben. 2Binbf<heib 
§ 87 a. ©. ®aß nun biefe felbftuerftänbliche VorauSfefcung 
ber ©infefcung beS anbern ©atten, welcher in reciprofen %t- 
ftamenten ber ©begatten mit ben bejeidhneten SBorten geroöbn; 
lieh noch auSbrüälidhe ©troähnung gefdhieht, im oorliegenben 
gaffe au<b in eine grammatifalifdhe Vesiebung 3U ber ©infeßung 
ber Verroanbten gebracht ift, läfet an fidh fc^on eine ftiliftifdhe 
Ungenauigfeit oermuten. ©S ift unntöglidh, baß ©begatten, 
roeldhe ein reciprofeS Xefiament errichten, nur für ben gaff 
beS SEobeS beS junädhft Verfterbenben, nicht auch für ben gaff 
beS SEobeS beS Ueberlebenben ihre SMSpofitionen treffen wollen 
unb treffen. $aben auch bie ©begatten feinen ©runb, für ben 
gaff beS UeberlebenS je^t fdhon unroiberru fliehe Verfügungen 
über ben 9ta<hlaß beS Ueberlebenben 3U treffen, ba fie bie @e; 
ftaltung ber Verbältniffe nicht im Voraus roiffen fönnen, inS; 
befonbere bie ÜJlöglidbfeit einer SBieberoerehclidhung beS lieber; 
lebenben in betracht fomrnt, (SBürtt. 2lrdh. 16 ©. 107), fo 
oerhält eS fidh bo<h anberS bejüglich roiberruflicher, teftamen= 
tarifcher Verfügungen. 

2. $>ie teftierenben ©begatten haben benn auch im ©in= 


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10 


Cntfdjeibungen be$ DberlanbeSgeridjtS. 


gange ihres SeftamenteS bie Slbfid^t erflärt, über ihre b 
einftige Verlaffenfchaft Verfügung p treffen, nicht blof? ül 
ben Stadjlah beS 3uerft-'Verfterbenben. 

2lm ©«bluffe beS Seftaments erllären fte fobann, b 
baffetbe ihren lebten Söilten enthalte , ben fie nach ihre 
Sobe [nicht: nach betn Sobe beS 3 ue rft=Verfterbenben] oc 
pgen wiffen wollen. 

3. @3 h^eit ferner bie ©begatten, unb jwar jeber ©a: 
pr |>älfte, Segate auSgefefct, welche auf äbleben beS ple 
2Ibfterbenben fällig fein fällten. ©ol<he Verfügungen finb no 
roiirtt. Stedhte nicht als »ertragfähig binbenbe Veftimmung 
p ©unften Sritter p betrachten, unb inSbefonbete auch j 
3eit ber SeftamentSerrichtung nicht fo betrachtet worben. ( 
wären biefe Segate alfo, falls auch bie eingelegten ©eite 
»erwanbten beS ©hemannS wegen Sefi§ienj ber Vebingung t 
©rbfdhaft aus betn Seftamente nicht erwerben tonnten, für bi 
2lnteil beS ©hemannS pfammengefaHen, fomeit fie nidht etn 
burch bie Älaufel omni meliore modo aufrechterhatten werbe 
tonnten. Sie SluSfefcung ber Segate ©eitenS beS ©hetnanr 
geigt alfo wenigftenS, bah er auch auf ben galt feines Uebe 
lebenS lefctwillige Sispofüionen p treffen beabftdjtigte ; wow 
fich bie Slbhängigmadjung ber ©infefpng ber Verwanbten »c 
ber in Siebe ftehenben Vebingung nicht reimen will. 

4. Veibe ©begatten haben bettn auch in bem am 8. Sie 
»ember 1860 (brei Sage »or bem Sobe ber ©hefrau) errid 
teten Stachtrage p ihrem Seftamente beftimmt: fte wünfchei 
bah biefer Stachtrag gleich bem Seftamente nach ihrei 
beiberfeitigen Ableben ungefchmälert unb unoerbrüchlic 
eingehalten werben foHe. Sieh geigt flar, bah audh für be 
gall beS UeberlebenS eines ©atten bie ©rbeinfefcuug feine 
Verwanbten gelten foHte, unb bah alfo bie berfelben beigefügt 
Vebingung bem wahren Sßilten ber Sefiierer nicht entfpracf). 

5. Ser ©bemann hat inSbefonbere feine ©eitenoerwanbte 
unter 2lbänberung ber Sfnteftaterbfolge in ber Sffieife honoriert 
bah er ftatt ber ©dhweftertochter Äatharine Äübter, geb. 2Bei)i 
beren eheliche Sefpnbenj eingefejst hat, unb bah er in 216 


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A. in Eimlfad)en. 


11 


roeicfeung cott gnteftaterbgrunbfäfeen oerfügte : 2ßenn einet ber 
eingelegten Serwanbten (©efdjwifter, refp. ©efcbroifterfinber 
unb ©efcfewifterenfel) cor ihm a6Ieben foEte, fo foHen beffen 
Tefjenbenten benjenigen Teil erhalten, ber bem nerftorbenen 
parens jugefatten märe. @S foUten alfo neben cottbürtigen 
©efcEnoiftem auch ©nfel cerftorbener cottbürtiger ©efcferoifter 
berufen fein ; wenn allein Itinber cottbürtiger ©efd)toifter cor= 
banben feien, foEten auch biefe nidjt nacfe Äöpfen, fonbern nach 
©tämmen teilen; ebenfo foEten bie ©nfel cottbürtiger ©e= 
fdbroifter, bie neben ©efcbwiftern unb ©cfdbmifterfinbem be= 
rufen finb, teilen. ©S läßt fid) fein ©runb abfeben, tcarum 
ber Teftator biefe SBeftimmungen nur für ben gatt feinet 93or= 
ablebenS cor feiner ©^cfrau getcoflt feaben foEte, unb nicht 
audb für ben gatt, baß er feine ©feefrau überlebte. ©S paffen 
bie in fRebe ftebenben ÜJeftimmungen beS TeftamentS audb für 
ben gatt, bafe ber ©bemann nach feiner Ehefrau fterben mürbe. 
Tie ©fünbe jur Säuberung ber gnteftaterbfolge ber Seitenoer= 
icanbten trafen für beibe gatte in gleicher SBeife ju. &ätte 
für ben gatt beS SSorabftcrbenS ber ©befrau ber ©bemann es 
beim gnteftaterbre^t feiner ©eitenoerwanbten bemenben taffen 
motten, fo batte biefe roofel irgenbroie SluSbrudE gefunben. 

Unter biefen Umftänben fann nicht bezweifelt roerben, bafe 
eS, als bie ©begatten in bem Teftamente con 1858 ficfe gegeit= 
feitig jur ^älfte als ©rben einfefeten, unb an ber anbern 
Hälfte, ju rceldber fie SSerroanbte als ©rben beriefen, bem 
Ueberlebenben ben Eliefebraucb fonftituierten (womit fie im me= 
fentlidben baffelbe bejmedten unb erreichten, was fie erreicht 
haben würben, wenn fie fidh gegenfeitig ju Unicerfalerben er= 
nannt, unb auf ben Tob beS Ueberlebenben bie beiberfeitigen 
Sermanbten fubftituiert hätten) nur auf einem ftiliftifcfeen 93er= 
fefeen beS TeftamentScerfafferS beruhte, bafe berfetbe bie bei 
reciprofen Tefiamenten ber ©begatten gebräuchliche gorntel: 
„für ben gatt beS ®orabfterbenS beS teftierenben ©atten" nidbt 
blofe mit ber ©infefeung beS anbern ©atten, bei welcher fie felbft- 
oerftänblidh ift, fonbern audb mit ber ©rbeinfefeung ber neben 
bem anbern ©atten berufenen Söerwanbten in grammatilalifche 


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12 


©ntfdjeibungen be8 OBerlanbeggeridjt«. 


SBejiehung brachte, unb fo biefer ©infefeung eine Sebingui 
beifügte, roelche oon bem ©eftierer fidler nidht beabficfjtigt roa 
uttb befe^alb für nidjt beigefügt ju gelten hat. 

©emgettxäh ftnb bie Äläger auä biefem ©eflament ju bi 
oon ihnen behaupteten Duoten erbberechtigt. 

©ntfdf). beä Dberlanbeiogerid)t3 in ©adhen beä ©hrifto) 
3H. c. ©p. oom 11. $uli 1886. 

5. 

grifft ber ©eridhtsftanb beS § 22 ober ber beä § 82 bi 
©.iJJ.D. auf Klagen aus § 1 be3 Ijaftpflidhtgefefceg ju, meid 
gegen bie ft. SBürttembergifche ©taatSfuianjoerroaltung, ne 
treten burdh bie ft. ©eneralbireftion ber ©ifenbahnen, erhobt 
roerben ? 

1. ©er thatfächlidhe unb redhtlidhe ©runb ber oom ftlägi 
geltenb gemadhten ©chabenäerfahforberung ift, foroeit biefe ai 
ben § 1 beä ,§aftpflichtgefe|ed geftügt toirb, ein anberer, ai 
foroeit fie aus ben Seftimmungen be3 § 2 beä lejstern unb be 
§ 120 ber @.D. abgeleitet roirb. ©a hienadh ber Rläger eoei 
tuell mehrere 2fnfprüche gegen bie Seflagte in einer Rlaj 
oerbunben hat, fo muh für jeben biefer 2lnfprüdE)e nadh § 23 
©.iß.D. ba§ oom Rläger angerufene ißrojehgeridht juftänbi 
fein, ©iefe 3uftänbigfeit ift nun, foroeit bie ftlage auf be 
§ 1 be3 |jaftpflidhtgefefce£ geftii^t roirb, nicht begrünbet. 

2. äflit Unredht hat tiftmlid^ ber oorige 9Hd&ter feir 
3uftänbigfeit für lefctere fttage nach 3Wahgabe beS § 22 ©.ißi 
als jutreffenb eradhtet. ©er @ericht$ftanb biefer Paragraph« 
fe&t eine 3lieberlaffung oorauS, „oon roeldher aus unmitte 
bar ©efdhäfte gefdhloffen roerben." ©dhon biefe SBorte roeif« 
barauf hi«/ bah baä ©efefc eine fßieberlaffung mit felbf 
ftänbigem ©efdhäftäbetrieb im 2tuge hot, b. h- eine folch 
an roeldher bie ©efdhäfte ber .ßauptnieberlaffung, faHä eit 
foldlje befteht, nidht bloh oermittelt roerben, an roeldher oie 
mehr bie Organe ber Sliebertaffung , roenn fie ©efdhäfte a 
fdhliefjen, auf ©runb ihrer freien 2Bitten3entf<hliehung , nid 


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A. in ©tDilfadjen. 


13 


Iebiglidj als Vertreter ber .gauptnieberlaffung Ejanbeltt. ©iefe 
Sluglegung tcirb betätigt burdj bie ©efcfpchte ber Entftchung 
jenes Paragraphen. ©erfelbe ift nämlich nach ben Ntotioen (£ahn, 
SDtater. II, 153) bem § 5 beS Nürnberger EntrourfS betreffenb bie 
in ben beutfd^en VunbeSftaaten in btirgerlidjen 9ted)tSftreitigfeiten 
gegenteilig gu geroährenbe 9te<htShülfe nadigebilbet. Nach bem 
gleichfalls in jenen NJoticen a. a. 0. citierten 93erid)t ber 
Äommiffion gur Beratung eines allgemeinen beutfdjen $an= 
belSgefe|bu<hS über ben ermähnten Entrourf ©. 35 ff. ift nun 
ber ©eridjtsftanb ber Nieberlaffung an bem com Sßohnft&e 
einer (p^pfifd^en ober juriftifd^en) Verfon entfernten Orte be= 
grünbet, an roeld&en biefc Verfon ben SJiittelpunft beS ^anbels- 
nerfebrS ober eines gemiffen feiner äußern Erlernung nach 
abgefonberten ÄreifeS beS geroerblidhen unb ©efd)äftSlebenS 
cerlegt hat, unb an roelcfjem ber ©efdhäftSbetrieb nic^t bloß 
in ber Vermittlung ber ©efdjäfte ber ^auptnieberlaffung be= 
fleht unb [ich als ein SluSflujj beS ©efchäftSbetriebS ber lefc= 
lern barfteHt. ©eht man con corftehenbem Vegriff ber Nieber= 
laffung aus, fo fallen bei einem con einer $entralftelle aus 
unmittelbar geleiteten (Sifenbabnunternchmen Eifenbahnftationen 
nicht unter benfelben. ©ie Beamten ber ledern fchliefjen groar 
TranSportcerträge mit bem Publifum unb ©ienftmietcerträge 
mit untergeorbneten Vebienfteten ab unb nehmen bie gradjt-' 
gelber für Veförberung con Perfonen unb ©üter in Empfang. 
Sie finb aber bei Eingehung jener Verträge an bie biefjbe- 
jüglidhen Slnorbnungeit ber ^auptoerroaltung gebunben, be= 
bienen fi($ gum .groecf ber SluSführung beS übernommenen 
Transports beS con biefer Vermattung gur Verfügung ge= 
ftellten VetriebSmaterialS unb ©ienftperfonals ; foroie ber Valjm 
ftrecfe beS gangen EifenbahnuntemehmenS. Ueberhaupt hanbeln 
bie Organe ber Eifenbahnftationen nur Namens ber Jpaupt; 
cerroaltung, unb eS fann biefe nur burdj biefelben ihren ©e= 
fchäftSbetrieb auSübeit, fo bafj ber ©efdjäftSfreiS ber Stationen 
fein äußerlich con bem ber ßauptcermaltung abgegrängter ift ’). 


1) ®ntf(§. b. Seidig. II. 389 ff. ; <Sntf($.b. 3».0.§.@. XIV. 402 ; 


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14 


©ntfäeibungen beä DberlanbeSgericfit?. 


Oie in 33or|'te^enbem gefchüberte Stellung nehmen m 
ourfj bie Stationen ber roürttembergifchen StaatSeifenbahn 
jufolge ber St. SSerorbnung oom 20. UJlärj 1881 betreffenb t 
Serroaltung unb SBeaufftdjtiflung ber SßerlehrSanftalten (91.3 
S. 99 ff.) ein, fofern bie R. ©eneralbireftion ber Staat 
eifenbahneti in Stuttgart nad) § 7 biefer SSerorbnung bie fei 
ftänbige Oireftiobehörbe für bie unmittelbare Leitung ui 
33eauffid)tigung beS Betriebs ber bent 3SerIe^r übergebem 
©ifenbafjnen, ber SBenoaltung beS für 33etriebSjtoecfe beftimmtt 
Staatseigentums unb ber Unterhaltung ber fämmtlidjen fi 
3roerfe beS ©ifenbahnbetriebs beftimmtcn 93aulid>feiten ui 
(Einrichtungen bilbet unb nach § 8 innerhalb ihres ©efdjäft 
treifcS bie Skrroaltung in allen StedtfShanblungen unb Stecht 
ftreitigfeiten oertritt. Oie hienach einer roürttembergifdn 
©ifenbahnftation jufommenbe Stellung änbert fich auch nich 
roenn an berfelben, toie bieg bei ber Station griebrichShafc 
ber galt ift, fich ber Sijs einer Setriebsinfpeltion unb eit 
@ifenbahnreparaturroerlftätte befinbet. Oenn bie Setriebsii 
fpeftion ift lebiglid» ein Organ ber ^auptoerroaltung, bur 
welches biefe bie Siuffidjt über ben betrieb einer großem, ba 
©ebiet ber ©ifenbahnftation überfchreitenben öahnftrede au* 
üben lägt, unb roeldieS baher nicht innerhalb eines ber b 
treffenben Station, an roeldjer jene 3nfpe!tion ihren Sijj h a 
jugetoiefenen ©efchäftsfreifes, fonbent lebiglid) jum 3>»ed bt 
görberung beS ©efchäftsbetriebs beS ganjen ©ifenbahnunte 
nehmenS auf jener Strede thätig ift. 2lnberS oerhält es fic 
bei ben preufsifchen SetriebSämtern , welchen jufolge einer b> 
fonbern organifatorifchen SBeftimmung bie Befugnis jur feil 
ftänbigen SSertretung ber Verwaltung in ben ju ihrer 3ufiät 
bigleit geljörenben Slngelegenheiten unb jur (Erwerbung oo 
Rechten unb Vegrünbung oon ißfUd)ten für bie Verwaltun 


SJötbernborff, ©otnm. jum I. S. 177 ff.; ^alfn, ßomm. 3. Stuf 

I 106.; (Soinm. jum £>.@.33. 3. 31. I. 53, 3 . 2; 3eitf^rift fii 

£>.3i. VIII. 548 ff. ; ÜBadj, §anb6. beS ßio.^Sr. ©. 426 ; fjeHmann, Sefirl 
be8 ©iu.^it. ©. 107; ©trucfmanmttod), 4. 31. ©. 19; SßilmoroSfy^e» 
4. Stuf. S. 47; Seuffert 3. Stuf. ©. 23; ©arm«? 1, 50. 


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A. in ©ioitfadjen. 15 

burdh i|te fRedbtghanblungen, Verträge, Sßrojeffe, SSergleic^e je. 
auäbrücflid^ eingeräumt ift *). 

SBag aber bie ©ifenbahnreparaturroerfftätte in griebridj^ 
£>afen anlangt, fo beschäftigt fidh biefe mit ber Snftanbhaltung 
unb SBieberfjerftellung eineg 'STeitS beg jutn Setrieb ber roürttenu 
bergigen ©taatseifenbafjnen notroenbigen Materials (Üofo-- 
motioe, Sßaggong, Schienen unb brgl.), unb eg ift atfo ber 
©efchäftgbetrieb biefer SBerfftätte nicht oon bemjenigen beg 
ganjen ©ifenbahnunternehmeng abgegränjt unb er hat aud) 
feinen bem le|tern fremben ©efdhäftgjroeig jutn ©egenftanb 1 2 ). 

©afi ber ©eneralbireftion ber roürttembergifdhen <3taatg= 
eifenbaljnen audh bie unmittelbare Leitung bes Se triebe ber 
©ifenbahnreparaturroerfftätten jufteht, läßt fid) gleichfalls aus 
obigen Seftimmungen ber Serorbnung t»om 20. 3Jfär$ 1881 
entnehmen. 

3. ®ie 3uftänbigfeit beS Sanbgeridhtg Staoengburg für 
bie auf ben § 1 beg haftpflichtgefe|eg gegrünbete Älage fann 
aud) nicht burdj eine anbere ©efe|egbeftimmung , ingbefonbere 
bie beg § 32 ©.p.D. gerechtfertigt roerben. ®enn bie Haft- 
pflicht beg Setriebgunternehmerg aug bem citierten Paragraphen 
beruht nicht auf einer unerlaubten ober roeuigfteng einer be= 
liftsähnlichen (obl. quasi ex delicto) fpanblung ber Organe 
ber ©ifenbahnoerroaltung. Sielmehr haftet, ba jene Serpflid) 
tung nur bann auggefdiloffen ift, menn ber Unfall burdf) höhere 
©eroalt ober burdh eigeneg Serfchulben beg ©etöbteten ober 
Seriellen »erurfadjt ift, ber Setriebgunterneljmer nadh § 1 
auch fto ben burdh ein jufättigeg ©reignig, melcheg nicht unter 
ben Segriff ber höhetn ©eroalt fällt, herbeigeführten Unfall, 
alfo nur fraft gefe|licher Seftimmung, nicht roegen eineg $eliftg 3 ). 

SBenn biegegen eingeroenbet roirb, baff audh im gall beg 
§ 2 beg ,§aftpflid)tgefe|eg ein Serfchulben beg haftpflichtigen 

1) Seuffert, Slrc^. XXXVII 9?o. 66. 

2) SntfcE). be3 SHeid^Sg. II. 391, »gl. mit VIII. 150 f. 

3) ©ntf<$. beS 3t.D..&@. XIII. 71 ; ©ntf<$. be« 9teity3g. VI. 384. XIV. 
83 unb bei ©ger, .'uaftpfltcfjtgefety, 3. 'Auf. ©. 3 unb 4; Seuffert, Auf). 
XXXI 9to. 281 ; Saupp, I, 104. 


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16 


©ntfdjeibungen beg Dberlanbeäqeridjtg. 


itid^t erforbert roerbe, unb oon befielt ©tanbpunft au$ ber 
Unfall ebenfo , roie im goß be3 § 1 , ein jufäüigeä ©reignis 
fein fönne, bafj baher ber Mangel einer SBerfdjulbung in lefc= 
terem gatt bie Sinnahme quaftbeliftifdjer Statur ber Obligation 
nid)t ^inbere, ba im Uebrigen bie Obligation nad) ©ntfteljung, 
Inhalt unb 3 roe ^ fi<$ an bie belittifdje Obligation anfcfjliefie, 
fo fann biefer Slnfidht nictjt beigepfli^tet roerben. Senn im 
galt be§ § 2 liegt ftetS eine unerlaubte |>anblung eineä ber 
bafelbft bejeidjneten Organe be«8 SetriebSunternehmerä oor, 
für roeldje ber teuere all cimlredjtliä) haftbar erflärt roirb, 
unb infofern rechtfertigt fid) ber ©eridjtsftanb be3 § 32 ber 
©.iß.D. für bie Älage aus § 2 beä .gaftpflidjtgefe&eä, ba biefer 
nur objeCtit? ein Selift ober Ouafibelift als ©runblage beS 
ÄlaganfprudjS erforbert. 

4) fpienadj mar bie tlage, foroeit folche auf ben § 1 beS 
.gaftpflichtgefeheS geftüfct roirb, roegen Unjuftänbigfeit beS an= 
gerufenen ©eridhtS abjuroeifen. 

©ntfdjeibung beS OberlanbeSgeridjtS oom 30. Septem- 
ber 1886 in ©a<$en ©taatafmanjoerroaltung c. Äaifer. 


6 . 

ÄonfurSorbnung § 35 unb 38. SluSfonberungSanfprud) be» 
SBerfäuferS an oon auSroärtS iiberfenbeten unb an ben 
Verläufer abgelieferten SBaren im Äonfurfe beS Sefcteren. 
©inrebe be$ ©igentumSiibergangS burd) Srabition. 23e= 
beutung ber SSerfäumuttg rechtzeitiger SJtängelanjeige unb ber 
Ätage auf Sejahlung beS ÄaufpreifeS für bie grage oom 
©igentumSiibergang. 

Sie Klägerin hat an bie $irma ©djro. unb f?. auf beren 
SJefteHung im SJtai 1885 15 fallen SBaren oon ©hemni| nadj 
geuerbad) überfanbt. Sie SBare rourbe oon ber öaljnuer: 
oerroaltung an bie Slbreffatin, roeldje in geuerbadh eine gabrif 
hatte, abgeliefert. Siefe reflamierten roegen angeblicher SJtängel 
ber SBare. Sie Klägerin erhob befchalb Älage auf Stejah 5 


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A. in Eitritfatfien. 


17 


lung beß Äaufpreifeä oon 2681 3W. 50 ißf. Ttcbft 3infen. Sie 
girma: S<hw. unb £., welche in biefern ©orprozeffe erflärte, 
fte weife fämmtliche non ber Klägerin gelieferte SBaren ju- 
rücf, weil biefelben nicht oon ber oertragSmäfeigen ©efchaffenheit 
feien, unb teilweife nicht baß fafturierte ©ewid)t haben, würbe 
auch burch Steilurteil ber Kammer für .ßaubelsfacfyen be§ 
Ä. £anbgerid)tß ju Stuttgart tiom 10. September 1885, weil 
bie SKängelanjeige nicht rechtzeitig erfolgt fei unb bie SBare 
beeholb als genehmigt gelte, jur ©ezahlung non 2605 2JI. 45 ©f. 
nebft oerurteilt, wogegen bezüglich bees Stefteä ber 

flägerifchen gorberung ein ©eweisbefchlufj wegen beä behaupt 
teten ©ewidjtSabmangelS erging. 2ltn 25. September 1885 
würbe über bas ©ermögen ber girma: Sdjw. unb ßj. ber 
Konfurä eröffnet. ©unmef)r erhob bie Klägerin ben 2lnfprudh 
auf 2lu3fonberung ber noch i m ©ewahrfame ber ©emein- 
fchulbnerin befinblühen 14 ©allen auß bem ©runbe beö Sigen- 
tum£. ©inen ©allen hotte bie ©eflagte zur ißrobe ganz ober 
teilweife oerwenbet. ®ie noch oorhanbenen 14 ©allen ljot 
fobann ber Konfuräoerwalter am 25. ganuar 1886 oeräufjert, 
nachbem bie Klägerin unter ©orbehalt aller ihrer Rechte ihre 
©inwiEigung hiezu erflärt hotte. 3)en ©rlöS oon 1654 3JI. 50 ©f. 
hat ber Konteoerroalter zur 3Jtaffe eingezogen. 

SDurdh Urteil oom 9. guni 1886 hot bie erfte ©ioilfammer 
beß K. SanbgerichtS z u Stuttgart — bem Klageanträge im 
gegenwärtigen Sßrogeffe entfprechenb — erfatmt : „SDer ©eflagte 
• ift fchulbig, auä ber Konhirsmaffe an bie Klägerin 1654 2JI. 
50 ©f. nebft 6°/o 3* n fen oom 2. gebruar 1886 an zu be= 
zahlen unb bie Koften beä fJtedhtSftreitiS zu tragen". 

®ie oom Konfuräoerwalter erhobene ©erufung würbe zu= 
rüdgewiefen mit folgenber ©egriinbung: 

®afe bie Klägerin unb zwar noch zur 3ett ber Slblieferung 
bet 2Bate in geuerbad) Eigentümerin berfelben war, ift oon 
bem ©eflagten nicht beftritten unb alä zugeftanben anzunehmen. 
SDenn er macht geltenb, bafj baß Eigentum an ber burch bie 
Ablieferung in geuerbacl) in ben ©ewahrfam ber girma : Sdpo. 
unb £. gelangten SBaare nunmehr burch SErabition auf bie 

jal^rbUdpr b. ägilruembg. 1 . 2 


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18 ©ntfdfeibungen beS DbertanbeSgeri^tS. 

leitete übergegangen fei. SDiefe Behauptung, welche als ©in= 
rebe gegen baS ßlagfunbament, als Einrede ber ©tlöfdhung 
beS an fidt) begrünbeten Eigentums ber Klägerin aufjufaffen 
ift, hat ber Bef tagte barjuthun unb ju beroeifen. 9?adh bem 
in biefer Beziehung in Württemberg geltenben gemeinen Siechte 
geht baS Eigentum burdh Xrabition nur bann über, wenn nidjt 
nur ber Betauterer bie 2Ibfidf)t, baß ©igentum ju übertragen, 
fonbern auch ber ©mpfängcr bie 3lbfi<ht, baS ©igentum ju 
erwerben, hatte. ® er ©igentumSfibergang burdh ^rabition 
fe^t einen ©igentumSiibertragungSoertrag torauS ’). Wenn, roie 
im norliegenben gatte, ©egenftanb beS Kaufes ein genus ift unb 
ber Berfäufer bie einfeitig non ihm auSgewälilten ober auSgefdfjie: 
benen ©adhen jum 3 rc ecf e ber Erfüllung beS ÄaufoertrageS bem 
Käufer überfenbet, fo fann in ber bloten Annahme ber abgelieferten 
Ware burdh ben Ääufer noch nicht ber SluSbrucf beS Willens, 
baS ©igentum ju erwerben, gefunben werben. Wenn atfo 
nicht aus befonberen ©rftärungen ober |)anbtungen beS JtäuferS 
heroorgeht, bat er bie ihm oom Berfäufer überfanbte Ware 
mit ber Stbfidht beS ©igentumSerwerbeS in Empfang nahm, 
gelangt in ber bloten Abnahme ber Ware ton bem mit bem 
Transporte Beauftragten junäc&ft nur ber WiHe beS ÄäuferS 
jum SluSbrucfe, bie Ware ju betinieren unb feiner Berpflidh= 
tung jut Abnahme ju genügen, um ju fonftatieren, ob biefelbe 
tertragSmähig fei s ). 3m norliegenben gatte Hegt nun junädhft 
mehr nicht tor, als bat an bie girrna : ©chw. unb |>. bie auf bem 
Bahnhofe in geuerbadh angelangte Ware ton ber Bahntet: * 
waltung am 16. ober fpäteftenS 18. 3Jlai 1885 abgeliefert 
würbe. Tat bie Empfängerin bie Slbjtd&t, ©igentümerin ber 
abgelieferten Ware ju werben, junädhft nodh nicht hatte, er: 
gibt fi<b fogar pofitit aus bem Briefe berfelben tom 18. ÜJtai 
1885, in welchem fie baS @emid&t jweier Ballen bemängelte 
unb fidf) im übrigen ben Stichtigbefunb ber Ware bis jur 
fRücffehr beS SJi. ber ben jfauf abgefdhloffen habe, torbe: 

1) SBinbföeib, $anb. § 171 Flöte 1. 

2) 3t ®. 8b. 12 ©. 80 - 82 unb Urteil beS 3t.®. o. 29. 3Jtai 1885 
in Sachen Sudel gegen Straub ut >b Äotnp. 


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A. in ©ioilfadjen. 


19 


hielt. Slber auch für bie gotgc^eit mußte ber Beflagte leine 
|>anblung ober Erllärung ber Empfängerin anpführen, in 
welker fid) bie Slbfid^t beS EigentumSermerbS bofumentiert 
hätte. ®iefe Ibfidjt würbe inSbefonbere aus ber ©enefimigung 
ber gelieferten 2Bare burcß bie Käuferin p folgern fein. 
ES mürbe aber auch jebe fonftige .ganblung, durch roelrfje biefe 
ben 2Billen, ben Befi| als EigentumSbefiß auSpüben, geäußert 
hätte, inSbefonbere jebe eigentumsmäßige ®iSpofttion über 
bie 2öare genügen. 9tidE)tS berartigeS ift gefdjel>en. Vielmehr 
hat bie Käuferin nicht nur in bem 'Briefe oont 27. 9Jtai 1885 
ber .Klägerin bie Slnjeige gemacht, baß bie ffiare nidht oer= 
tragSmäßig fei, alfo bie ©enehntigitng oerweigert ; fonbero fie 
hat auch int Borprojeffe, auf Bezahlung beS JtaufpreifeS be= 
langt, bie Berpflidhtung tjiep beftritten, weil bie SBare als 
mangelhaft pr SDiSpofition gefteUt fei unb bamit erflärt, baß 
fie bie SBare nicht als Erfüllung annehme, alfo nidht Eigen- 
tümerin werben motte. Ob bie Sflängelanpige in bem Briefe 
nom 27. Sttiai 1885 angefichtS ber Borfcßrift beS 3lrt. 347 
beS $.©.B. nadh ben in Betracht fotnmenben Berhältniffen 
eine oerfpätete mar ober nicht, fann bahingeftettt bleiben. 
®enn wenn fie audh als oerfpätet p betradhten fein mödhte, 
fo lann bodh aus bem Verhalten ber Käuferin, umforoeniger 
als fie in ben Briefen oom 18. unb 22. Biai 1885 fidß bie 
Unterfucßung unb fttfängelanjeige für fpäter oorbeßalten wollte, 
nidht bie Slbftdht entnommen werben, bie SBare p genehmigen 
unb fomit baS Eigentum p erwerben. ®enn ber Strt. 347 
Slbf. 2 beS £.©.B. ftettt nicht etwa bie Vermutung auf , baß 
ber mit ber Slngeige fäumige Käufer genehmigen wolle, 
fonbern er fagt, baß, wenn ber Ääufer mit ber SDtängelanjeige 
fäumig fei, bie SBare als genehmigt gelte. |>iemit 
ift beftimmt, baß bie Berfäumung rechtzeitiger ttttängelanjeige 
biefelbe SBirfung, wie bie ©eneßmigung fyabe, obwohl eine 
SBittenSäußerung nicht oorliege. ®tefe ©efeßeSbeftimmung 
bejießt ficß aber nur auf bie oertragStnäßigen Begehungen 
ber B ar * e i en untereinanber. ®ie bem Käufer na<h ^.©.B. 
Slrt. 342 Slbf. 3 unb 2lrt. 346 obliegenben Berpflicßtungen 

2 * 


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20 


Sntfcfjeibungen beS Cberlonbeägerid^tä. 


treten nunmehr ein. Sie ißm pfteßenbe Befugnis, bie ÜDtängel 
ber SBare im 2Bege ber Älage ober ©inrebe geltenb p ma= 
dßen, oerliert er. Stuf bie grage oom ©igentumSübergang 
ift bagegen biefe ©efeßeSbeftimmung nidßt oon ©influß. SaS 
#.@.B. enthält überhaupt feine Beftimmungen über bie ©rfor= 
bemiffe ber furiftifdßen Srabition; es ift alfo in biefer Be$ie= 
ßung baS SanbeSrecßt maßgebenb ’). Sas ßienacß pt 2lnroenbung 
fommenbe roiirttemb., bejteßungsroeife gemeine fftedjt forbert aber, 
roie angeführt, pm ©igentumSübergang burdß Srabition eine 
(auöbrü (fließe ober ftiUfcßroeigenbe) SBißensäußerung beS ©m= 
pfängetS, ©igentum p erwerben. ©S genügt alfo nicßt, baß ber 
Käufer, ofjtte baß aus ben fonftigen Umftänben feine Slbftcfjt, ©igem 
tümer p roerben, ßeroorgeßt, bie Btängelanjeige nid^t redßtjeittg 
madßt,unb baß beSßalb ^infic^tlid^ beS im |>.©.B. normierten 
obligatorifdßen BerßältniffeS pnfdßen bem Käufer unb Berfäufer 
bie SBare als genehmigt gilt. 

Sarin baß bie Käuferin einen Ballen ber überfanbten 
SBare probiert unb pr Prüfung ber Braucß6arfeit ganj ober 
teilroeife in ber gabrif oerroenbet ßat, erblicEt bie Beflagte 
felbft nidßt eine eigentumsmäßige SiSpofition über bie SBare; 
wie benn eine folcße ßierin fcßon beSßalb nidßt gefunben roerben 
fönnte, roeil nidßt bargetßan ift, baß ein größeres (Quantum, 
als pr B^obe erforberlidß roar, ßiep oerroenbet roorben fei. 

2tögefeßen oon bem ßiep oerroenbeten Ballen ließ bie 
Käuferin bie SBaare auf ein abgefonberteS Säger oerbringen 
unb bort liegen, aucß nadßbem fie burcß baS Seilurteil oom 
10. (September 1885 im Borprojeffe pr Bepßlung beS grö= 
ßeren Seiles beS ÄaufpreifeS oerurteilt roorben roar. SBenn 
nun audß bie Seilßaber ber fäuferifcßen girma, nadßbem fie 
oon biefem Seilurteile Kenntnis erhalten ßatten, ftdß gegen 
2 ißrer Bebienfteten |>. unb 21. unb jroar fpäteftenS in ber 
3eit jroifd^en bem 22. unb 25. September 1885, an roeldß 
leßterem Sage ber ÄonfurS über baS Bermögen biefer girma 
eröffnet rourbe, fidß baßin auSgefprodßen ßaben füllten: „fie ßaben 


1) 9».D §.®. S3b. 4 ©. 18. 


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A. in (JiDÜfad^en. 


21 


ben Sßrojefj oerloren unb muffen bie SBare bemalten;" „fie 
fönnen nichts machen unb miiffen bie SBare bemalten," fo fann, 
ba fie bie SBare gleichwohl unberührt liegen liefen, in biefen 
Steuerungen nidfjt bie ©rflärung beS ©igentumSerroerbSroiffenS 
gefunben werben ; biefe ihre Sleujjerungen fteHen fidE) oielmehr 
nur bar als eine Mitteilung bes Inhaltes unb ihrer 9luf= 
faffung ber $°f9 en biefeS UrteileS ober auch etwa noch als 
ein blofeeS Sieben oon ihrem SBoHen. ©S ift inSbefonbere feEjr 
wohl benfbar, bafj bie Seithaber ber gemeinf<hulbnerif<hen 
girma fid^ freuten, unmittelbar oor ber ©röffnung bes Äon= 
furfeS über eine SBare ju biSponieren, welche fie bisher refil= 
fiert Ratten. Unerheblich ift es nach bem 2luSgefül)tten auch, 
bafj bie Klägerin in bem Sßorprogeffe unter Slufrechthaltung 
i^rer SrabitionSofferte auf Bezahlung beS ÄaufpreifeS geflagt 
unb behauptet hat, bie SBare habe, weil bie Äauferin nidht 
rechtzeitig reflamiert habe, als genehmigt ju gelten, hierin 
lag nidht einmal bie Behauptung, baff bie Käuferin @igentü= 
merin geworben fei. Sin bem ©igentumSoerhältniffe mürbe 
hieburdh nidhts geänbert. SBenn bie Klägerin ihr @igentumS= 
recht geltenb macht, fo fann oon einem ®oluS berfelben feine 
Siebe fein. Sie fonnte, nachbem bie Käuferin erflärt hatte, 
bah Re bie SBaren nidht nehme, ihre SrabitionSofferte audh 
prüdfjiehen, roie in ben ©ntfcheibungen beS 91.©. in <3euff. 
Strdh- Bb. 40 Sir. 301 unb in ber ^urift. SBodhenfdhrift oon 
1886 Str. 29, 30 ©. 250 auSgeführt ift. @S haben biefelben 
feineSmegS ben Inhalt, ben ber Bertreter ber Beflagten in 
benfelben finbet. ©ntfdfeibenb ifl, bafj bie Käuferin oor ©r= 
Öffnung beS ÄonfurSoerfahrenS ben SBiHen, baS ©igentum 
an ben in ber Maffe noch oorlfanbenen 14 Ballen ju erwerben, 
meber auSbrüdflidh nodh ftiüfdhweigenb bofumentiert hat, unb 
alfo baS ©igentum ber Klägerin hieran nicht erlofdhen ift. 

Sie Klägerin hat beShalb auch mit ©runb nach ©röffnung 
bes ÄonfurfeS über baS Bermögen ber Käuferin in erfter l'inie 
ihren Slnfprudh als StuSfonberungSberechtigte geltenb gemacht. 
3hrea ©<habenSerfafcanfpru<h fich oorzubehalten fonnte ihr 
nicht oerwehrt werben. Sie geftftetlung ihrer ÄaufSfdhittingS= 


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22 


©ntfd&eibungen beä DberlanbeägeridjtS. 


forberung f)at fic nur für ben gaH, bafj fie mit bem 2luSfon; 
berungSanfprudje unterliege, beantragt, ©in biefen 2infpru<b 
elibierenbeS SInerfenntniS , bafj baS ©igentum ber Klägerin 
auf bie Käuferin übergegangen fei, liegt überall nidjt oor. 
Ob bie Klägerin bie geftftettung ihrer Srojefjtoftenerfabforbe: 
rung im Äonfurfe neben bem IbfonberungSrecbte beantragen 
wollte unb tonnte, berührt ben gegenwärtigen ^rose§ nid)t. 

®em Sorftebenben jufolge ift bie Älägerin, ba fie biena<b 
bie StuSfonberung ber 14 Sailen, roetdje ber Seflagte na<b 
ber ©röffnung beS ßonturSoerfabrenS oeräujjert bat, beam 
fprucben tonnte, gernäfj bem § 38 ber 5t. D. befugt, bie ,§erauS= 
jablung beS jur -Kaffe eingejogenen ©rlöfeS »on 165491t. 50 Sf- 
nebft ben oom Setlagten eoentuett anerfannten 3infen ju 6 % 
oom 2 . gebruar 1886 an ju ©erlangen. 

Urteil beS I. ©io. ©. beS D. 8 .®. oom 3. ®ejbr. 1886 in <5. 
beS SonturSocrwalterS ber 3-irma ©<bw. unb $., Sefl., 
SerfgStl., gegen bie girma ©. unb $., Älrin., SerfgSbefl. 

7. 

Serpfänbung ber in einer Äunftioottefabrif oorbanbenen 
Sorräte an fertigen, balbfcrtigen unb in robem 3uftanbe be= 
finbtidben SBoHewaren mit ben gabrifgebäuben nach roürttenlb. 
fRedbt. ^auptinftruttion § 66 unb 67. 

®ie girma: ©cbw. unb $. bat laut ©intragS im Unter= 
pfanbsbutfje ber ©emeinbe nom 14. Quni 1883 für einen 
ibr oon ber 5t. $ofbanf eröffneten Irebit bis jum Setrage 
oon 130000 9Jt. — mit jweitem Siechte ibr in gelegenes 
aus mehreren ©ebäuben beftebenbeS gabrifunwefen, in welchem 
fie bie ^abritation oon 5tunftwolle betrieb, unb aufjerbent ni<bt 
nur famtlidje in unb auf bem oerpfänbeten Slnwefen jeweils 
oorbanbenen jum Setriebe einer 5i'unfttooHefabrit bienenben 
Karinen, ©erätfcbaften, 2 B erzeuge unb ©inricbtungen , fon- 
bern audi bie fämtli<ben in unb auf bem oerpfänbeten 9ln= 
toefen jeweils oorbanbenen fertigen, balbfertigen unb in robem 
3 uftanbe beftnblicben SBoIIwaren, unb 3 war als Sacf)gefamt= 


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A. in ©inilfadjen. 


23 


beit, jum Unterpfanbe befteHt. ®abei rourbe im Unterpfanbs= 
bud^e bejitglicb ber gugehörungett auf befonbere auch bem 
Sßfanbfdjeine beigelegte Serjeichniffe ^irtgeroiefen. 

2lm 25. September 1885 mürbe über baS Vermögen ber 
Scbulbnerin ber KonlurS eröffnet. ®ie bamalS in bem oer- 
pfänbeten Inroefen oorbanbenen Vorräte an fertigen, fyalb-- 
fertigen unb in rohem 3«ftanbe befinblicben Sßolleroaren rour= 
ben oom Konlursoerroalter, mie feftftebt, um ben ^SreiS oon 
jufammen 17688 9JJ. 25 ißf. oerlauft. 2tuS biefem ©rlöfe 
beanfprudjte bie ßofbanl auf ©runb ber SJtitoerpfänbung ber 
3ugebörungen abgefonberte Sefriebigung. ®ie KonhirSmaffe 
bat Klage barauf erhoben, eS ftebe ber Sellagten, ber K. £of= 
banl, an biefem Grlöfe lein SlbfonberungSrccbt ju, roobei oon 
ber Klägerin lebiglicb beftritten mürbe, bap bie SJtitoerpfänbung 
ber Vorräte an SBoHeroaren als gugebörungen j, er jßiegeru 
fdjaft nadj bem roürtt. ^fanbgefefce oom 15. Slpril 1825 recbi 
lieb julä^ig geroefen fei 

®ie erfte ßioillammer beS K. SanbgeridjtS ju St. bat 
burdb Urteil oom 23. Quni 1886 bie Klägerin unter SSerfäb 
lung in bie Koften mit ihrer Klage abgemiefen, roeil nach bem 
roiirttemb. $ßfanbgefe|e bie SJtitoerpfänbung ber Vorräte an 
SBoHetoaren als 3ngebörungen ftattbaft geroefen fei, unb bie 
Sellagte beSbalb Sfafprudb auf abgefonberte Sefriebigung aus 
bem ©rlöfe habe. — 

2>ie Berufung ber Klägerin mürbe jurüdgeroiefen aus 
folgenben ©rünben. 

I. 3)aS roürttemb. ^fanbgefeß oom 15. Slpril 1825 2lrt. 3 
2lbf. 2, Slrt. 49, 51 unb 190 gebt oon bem nach bem 3«ag= 
niffe oon 

©önner, ©omnt. jum baper. «gppotbelengefeb 33b. I S. 

354 f., 

Siegelsberger, bas baper. $ppotbeIenre<bt <5. 203, 

Slömer, roürtt. UnterpfanbSredjt ©. 116 
in ber batnaligen 5C^eorie berrfebenben unb auch noch oon 
2Bää)ter, roürtt. ^rioatredjt II S. 257 unb ©rörterg. I S. 
46 feftgebaltenen begriffe ber 3ugebörungen aus, ber in bem 


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24 


Sittfctyeibungen beä Dberlanbe8gerid)t8. 


bat;ertf<^en .ßppothefengefefce t>om 1. 3uni 1822 Aufnahme 
gefurtbett hatte, utib ücrfte^t unter bcn beweglichen 3ugef)örun: 
gen, welche mit ber £icgenfd)aft junt Unterpfanb befieHt roerben 
fönnen, nicht blojf $ilf<3fad;en, roeldje fdjon nach ihrem dufferen 
Serhältniffe jur |jauptfadje, foferit fie jurn bleibenben ®ienfte 
berfelben belmfä beren ©ebrauchSerböhung beftimmt unb in 
bie tjieburd) nötige Sejiehung jur cgauptfacbe gebracht jtnb, 
als fßertinenpn erfdjeinen (natürlidje, präfumtiue, gefefclidje 
pertinenten), fonbern aud; fold^e ©neben, reelle nicht fdjon 
an ficb nach ihrem SSer^ältuifje pr anberit ©adbe ald &UQe- 
börung erfreuten, nielmeljr febiglicb in golge einer StfSpofition 
ber Setheiligten al^3 3ugel)örung bebanbelt roerben (geroiHfiirte 
ißertinenjen). G3 ergibt ficb bies nicht nur mit Goibenj auä 
ben §§ 66 unb 67 ber $auptinftruftion nom 14. SDejember 1825, 
roeldje oon bem ftänbifchen 2lu3f<huffe auf bie $rage geprüft, 
ob fie nicht eine neue nicht »erabfdiiebete, in ben Streik ber 
©efe^gebung gehörige Seftimmung enthafte, in ber in fRebe 
ftehenben 33egiehung nid;t beanftanbet worben ift, fonbern auch 
fchon au» ben Setbanblungen ber gefe$gebenben gattoren bei 
ber Beratung unb Gnbrebaftion be» ©efefseä, (wobei p be= 
merfen ift, bah bie erfte Kammer, ba fie auf bem ßanbtage 
oon 1823/24 nicht oerfammelt war, al£ einroittigenb in bie 
Sefchlüffe ber Kammer ber Stbgeorbneten anpfehen war. SSerf. 
lirf. § 161.) $n bem Gntrourfe bed fpfanbgefefced § 132 3- 5 
war gefagt: „3n bem {yaHe, wenn 3ugehörungen oerpfänbet 
„roerben, ift bie SBejeiehnung berfelben entroeber nach einjelnen 
„©tüden ober unter allgemeiner ^»inroeifung auf beren urfunb= 
„liehe Sefdjreibung [in ben Gintrag im Pfanbbud^e] aufju-- 
„ nehmen 

®ie Kammer ber Sdbgeorbneten brachte bagegen in bem 
^auptantrage XXIV folgenbe 2lbänberung p § 129 resp. 132 
in Sorfdjlag: „Sei allen Serpfänbungen ift p bemerfen: 

„3- 6, eine genaue Sefdjreibung ber ©ache, worauf bal 

1) 3. aujeerorb. 33eil.=§eft ju ben SJerlj. ber Sammet bet 2tbg. oon 
1824 ©. 38, 39. 


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A. in ©ioilfadjen. 25 

„Unterpfanb befteEt wirb, ingleWjen bie 3 u 3 e börungen welche 
„mit ber Jpauptfacbe oerpfänbet werben. 

„©oEen nur eingelne bewegte 3 uge|>örungen beS Unter; 
„pfanbeS mitoerpfänbet werben, fo werben biefe entweber in 
„betn UnterpfanbSbudfje ober in einer betnfelben beigelegten 
„Urfunbe oerjeidjnet *)." 

$n ber ^Beilage I ju bem ©eheimenratS^effripte »ont 
2. $uli 1824 würbe nun ju biefem Anträge bemertt : „§in= 
ttlidj ber auf bent iprioatwilten beru|enben 3 u 0 e; 
börungen (ba bie g e f e | t i dj e n ftets als mitoerpfänbet oorauS= 
gefegt werben) ift eS bei ber Seftimmung beS § 132 3 - 5 
beiaffen *)." 

Sei ber ©nbrebaltion erflärte ftd) bie ftänbifdfe Äom= 
miffion bagegen, bafj bie gefehlten 3wgebörungen oon felbft 
als mitoerpfänbet gelten unb baff nur bei anberen 3«0cbörungen 
eine auSbrihJt® Serpfänbmtg unb Sejeicbnung berfelben im 
ißfanbbudie nötig fei, weit jener ©ab ju 3 roe if e l n führen 
würbe, ber ©egenftanb beS ■ UnterpfanbeS aber möglicfift fieser 
unb befthnmt fein müffe. ©S würbe beSfjalb auf ben 2 lntrag 
ber Äommiffion ber nunmehrige 2 lrt. 190 angenommen : SBer; 
„ben mit einer unbewegten ©adje 3 u 0 e &örun0en irgenb 
„einer 31 rt mitoerpfänbet, fo ift bie Sejeid&nung berfelben 
„im UnterpfanbSbucfie entweber nach einzelnen ©tücfen ober 
„unter aEgemeiner ^inweifung auf beren urfunblidje Sef<|rei= 
„bung erforbert *)." 

SDiefe SBorfdjrift bezieht t alfo fowoljl auf bie gewifl; 
fürten, als auf bie gefeiten 3u0ehörungen; unb eS ift nicht 
juläfjig, bie Seftimmungen beS tßfanbgefe|eS über bie Ser= 
pfänbbarfeit beweglidher 3u0el)örungen 51t Immobilien gegen 
ben erfennbaren SBiEen beS ©efe|geberS nur auf bie fogenannten 
gefegten ißertinenjen ju begehen, wie Etömer, baS württ. 

1) a. a. D. ©. 402. 

2) a. a. D. ©. 446. 

8) cf. Sollen, ©ommentat I ©. 21, 22; Seeger in ©arroep, 

3)1. ©. 33b. 9 ©. 370; ÜBädjier, ©rört. 1 ©. 45 9loie 7. 


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26 


©ntfdjeibungen beä DberlanbeSgerid^tä. 


llnterpfanbsredbt, ©. 116 bieS tbut, wenn audb bie neuere 
X^eorie prinjipieH richtig oon bem römifdb rechtlichen ^Begriffe 
ber pertinenten (3ugel)örungen) im te<$nifdjen ©inne baS, roaS 
bie frühere Xijeorie geroiMürte 3ugebörungen nannte, barunt 
auSgefdbieben bat, weil bie Sefjre non ben ^ertinenjen auf einer 
Interpretation aus ber 9tatur ber ©aä)e beruht ’). 

2)ie richtige ßrfermtniS ber neueren Theorie oermag, 
n>ie 3tegelSberger a. a. D. gunäd^ft in 23ejiebung auf baS baper. 
,^i)potbefenred)t fagt, bie gefefslidje SBorfdbrift nicht untjuftofien. 

®ie Sachlage ift nach bem roürtt. pfanbgefe^e eine anbere 
als nach bem preufj. ©efefce oom 5. 3Wai 1872, in meinem 
bie ältere £tjeorie leine Aufnahme gefunben bat (cf. 31.©. 
a. a. 0.). 

@S bat benn auch bie ißrapis ber roürtt. UnterpfanbSbe= 
börben, foroie bie 9te<btSfpre<bung bis in bie jüngfte 3eit nicht 
baran gejroeifelt, bafj nach bem roürtt. ißfanbgefefce oont 
15. Sprit 1825 unb ber mit ibm in ©inflang ftebenben $aupk 
inftrultion bie 3uläfjigfeit ber 33erpfänbung beweglicher ©acben 
als 3u0ebörungen einer Siegenfdbaft nidbt befdbränft ift auf 
ben Kreis ber gefe|li<hen, natürlidben 3ugel)örungen *). 

2>a& mit einer Siegenfchaft mSbefonbere audb eine © e= 
fammtbeit oon beroeglidben 3 u S e ^brungen ber einen ober 
anbern Strt oerpfänbet roerben Eann ergibt fidb aus 2lrt. 190 
im 3ufammenE)a[t mit Slrt. 51 beS ^ßfanbgefe|eS. 

II. dagegen bat nun aber aHerbingS bie $ßrioatbiSpo= 
fition bei ber SSerpfänbung beweglicher ©acben, roeldbe nidbt 
natürliche, gef etliche 3ugebörungen ber Siegenfdbaft ftnb, innere 
halb geroiffer ©renjen fidb 8“ halten. ®ie Statur ber ©adbe 
meist fdbon hierauf bin- 3)afe beroeglidbe ©acben, roenn fte 
auch in gar feiner Sejiebung ju ber Siegenfdbaft fielen , bodb 
mit berfelben foHten oerpfänbet roerben lönnen, fann audb 


1) Unger, öfterreich. ^St. SR. I § 55; Stegeisberger, baper. 
§9P0tf|eIenre<$t 6. 204; SR.©. 15 ©. 214. 

2) Sang, Sachenrecht II § 166 Stote 58 unb bie bort angeführten 
©ntftheibungen roürtt. ©eric^te. 


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A. in €ioi!fa$en. 


27 


barum nidf)t angenommen roerben, roeil bieSfallS baS ©efefc, 
ftatt oon beweglichen 3 uge£)örungen, welche mit einer unbe- 
roeglidjen Sache oerpfänbet roerben fönnen, ju fpredfjen, roobl 
fcblecbtroeg beftimmt batte, baß mit einer i'iegenfdhaft auch be- 
roeglicbe ©adhen jumUnterpfanb beftellt roerben fönnen. SBädhter, 
©rört. I ©. 46 9lote 8 fagt: ,,©aS, roaS bie Parteien bei 
„ber SBerpfänbung für 3ugebörung erflären, unb roaS als fofdfte 
„ins ißfanbbudb eingetragen roirb, gilt als oerpfänbbare 3 uge= 
„börung, roenn es nur in irgenb einer Sejiebung 3 ur |>aupt= 
„fadhe fleht." ©aS baper. |>ppotbefengefeb non 1822 § 84 
bat eine folcbe ©renjbeftimmung ju treffen oerfucht, burdb bie 
SBeftimmung , bafe beroeglidbe Sachen burcb ißrioatroillfür nur 
bann als 3 u 0 e bömng erflärt unb als folcbe in baS ^ppo= 
tbefenbudb eingetragen roerben fönnen, „roenn fte mit ber bppo= 
„tbecierten unbeweglichen Sache in einer roefentlicben SOerbinbung 
„fieben." ©aS roürtt. tpfanbgefe| b a t eS unterlaffen, eine foldhe 
begriffliche ©renjbefiimmung aufjuftellen. ©agegen geben bie 
in ber Ä. Serorbnung »om 14. ©ejember 1825 (fog. &aupt= 
inftruftion) aufgeftellten Seifpiele SlnbaltSpunfte , um für ben 
einzelnen gaH ju beurteilen, ob bie ißrioatbiSpofition, jufolge 
welcher einzelne beroeglidbe ©adhen ober eine ©efamtbeit be= 
roeglidber ©adhen als 3 « 0 ebötungen einer £iegenf<haft mit ber= 
felben oerpfänbet roerben, innerhalb ber oom ©efefcgeber ge= 
wollten ©renjen fidb beroegt unb bie SJlitoerpfänbung ber 2 Jio= 
bilien giltig ifi. ©er ^auptinftruftion mufj, roenn ibr audh 
nidht ©efefceSfraft beigelegt roirb, bodh beSbalb, roeil bie ftän= 
bifdhe 3 uftimmung ju berfelben erfolgt ifi, ganj befonbere 99e= 
beutung für bie Auslegung beS ©efegeS beigemeffen roerben. 
©er § 66 ber ^auptinflruftion befagt: „Unter ben 3^0^ 
„börungen oon ©ütern finb namentlich begriffen: baS eiferne 
„3noentar; ©dhiff unb ©efdhirr; 3Jlüblgerätfdhaften unb ber= 
„gleichen." 9ladh § 67 fönnen unter Umftänben auch 3Saren= 
„lager, 3lpotbefengefäffe zc. als 3 “ 0 «hörungen eines Kaufes 
„ober eines auf einem .gaufe rubenben 9le<htS, äugleidh mit 
„bem |taufe ober ber ©eredhtfame oerpfänbet roerben." ©ine 
begriffliche ©renje aufjuftellen ift auch b* er oermieben. ©er 


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28 


©ntfctyeibungen be« Dbetlanbeägeric^t« 


oom fianbgericbt berbeigejogene ©ebraudb bed SBorted 3 u & e b ö r 
im oulgären Sinne, roenn er auch im gegebenen gatte jut 
richtigen Gntfdbeibuug geführt fjat , taugt bod) roegeit feiner 
Unficberbeit nidjt ald maßgebende Begriffdbeftimmung. 

III. 3m nortiegenben gatte fommt in Betragt : ®ie girma : 
Sdjro. unb £. bat mit intern aud mehreren ©ebäuben befte- 
benben gabrifanroefen auch bie in unb auf bem oerpfänbeten 
Slnroefen jeroeüd oorbanbenen fertigen, bußfertigen unb in 
robem 3 lt ft an ^ e befittblic^en SBoIleroaren ald Sadjganjed »er- 
pfänbet. ®ie in robem 3 u ftanbe beftnblid^en SBoIleroaren 
(tttobftoffe) bienten jur Verarbeitung unb bamit jur .ßerftettung 
ber in ber gabrif produzierten SBaren. Slußerdem bandelt 
ed fu| um bie teild bußfertigen, teild fertigen ißrobufte ber 
in ben ©ebäuben betriebenen Äunftroottfabrif. ®ie fämmtlidben 
SBaren roaren baju beftimmt, na<b oottenbeter Bearbeitung, 
bejiebungdroeife Verarbeitung an bie Äunben ber girma oer= 
lauft unb oerfenbet ju merben. ®abei banbeite ed ficb ju= 
gleid) um fotc^e ©egenftänbe bed |>anbeld, roelcbe unter ben 
Begriff ber SBaren im geroöbnlidben Sinne bed SBorted fatten, 
im ©egenfafce ju anbern beweglichen Sad»en unb ju 3Bert= 
papieren, roelc|e ber ftaufntann jur SBeiteroeräußerung anfd^afft. 
(Vgl. bezüglich bed Spradjgebraucbed $.©.B. Slrt. 271, 273, 
306). ®ie SBaren bienten alfo nid^t nur roie bad Slnroefen 
felbft bem in bemfelben betriebenen ©eroerbe, fonbern fie be= 
fanben ficb auch in derjenigen räumlichen Begebung ju ben 
©ebäuben, roelcbe ber § 67 ber Jpauptinftruftion ooraudfefct, 
inbem er fagt, ed fönnen nach Umftänben auch „SBarenlager" 
ald 3ugebörungen eined fjaufed oerpfänbet merben. 6d ift 
nad) biefem Beifpiele feinedroegd notroenbig, bafj berartige Vor= 
räte, um mit bem Slnroefen, bad ben 3wecfen ber gabrifation 
unb ber Veräußerung ber gabrifate gleidbfattd bient, ald 3 U = 
bebör oerpfänbet merben fönnen, auf ®auer in ber gabrif 
bleiben, ober bafj immer ein beftimmted Quantum ober Sor= 
timent foldber Vorräte oorbanben ift. SBad fobann oon bem 
Vorräte ber fertigen unmittelbar jum Verläufe an bie Äunben 
beftimmten SBaren gilt, muff aud> oon ben Vorräten foldber 


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A. in 6itrilfad)en. 


29 


äßaren gelten, welche erft nach »orgängiger Berarbeitung 
ober weiterer Bearbeitung neräuffett werben foEen. 

Xer in Siebe ftebenbe ©intrag im UnterpfanbSbudbe, beffen 
©ittigfeit nom ÄonfurSnerwalter beftritten nmrbe, f?ält fidj 
alfo innerhalb ber ©renjen, welche nach ber roflrtt. $fanbge= 
fefcgebung eingebalten werben müffen, wenn bewegliche Sachen, 
welche nicht gefefclidbe 3 ugebörung einer Siegenfdbaft ftnb, mit 
berfelben al« Buge^örmtg foHen nerpfänbet werben fönnen. 

IY. ®a bienad) bie Berpfänbung giltig ift, fo ift bie 
angefteEte negatioe geftfteflung«!lage, bereit Stattbaftigfeit 
aufjer 3® e ft e l ift/ materieE unbegrünbet absuweifen, wo= 
rau« bie 3utüdweifung ber Berufung unb bie Berfäflung ber 
Klägerin auch in bie Äoften ber Berufungäinftanj folgt. 

Urteil be« I. ßioilfenat« be« Ä. O.2.®. nom 3. ©ejbr. 

1886 in Sachen ber Äonfurimaffe ber 3'irma : ®cbw. unb 

£., Älrin., BerfglHrin., gegen $. Jpofbanl, Befl., Berfgäbefl. 


8 . 

ginben bie Borfchriften be« fünften Xitel« jweiten Slbfdjnitt« 
be« erften Buch« ber ©ioilprojefiorbnung audh auf ©ntfdheü 
bungen übet ben Äoftenpunft Slnwenbung, welche im 3 ro<mg 3 = 
»oEftredungloerfabren ergeben ? 

®ie grage würbe bejaht: 

Sludh auf ©ntfdheibungen über ben Äoftenpunft, welche im 
3wang«»oEftredung«nerfabren ergeben, finbet ber § 94 ber 
S.^p.D. Slnwenbung: „®ie Slnfechtung ber Gntfdjeibung über 
„ben Softenpunft ift unjuläffig, wenn nid)t gegen bie ©ntfcheü 
„bung in ber |>auptfadbe ein 9tedht«mittel eingelegt wirb". 6 « 
iE oor aflem nidht richtig, ben § 94 nur auf einen in einem 
Urteile enthaltenen 9tu«fpru<h über bie ißrojefjloften 5 U be- 
lieben, wie in bem in Seuff. Streb, Bb. 39 Str. 338 angeführt 
ten Befdjluffe gefdhiebt, auf ben ber Kläger jum Bachweife 
ber Stattbaftigfeit ber Befdhwerbe fi<h ftü|t. Xenit bajj ber 
§ 94 fidh auf bie im Befchwerbenerfabren in einem Befdhluffe 


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30 


(Sntfc^eibungen be$ D&erlatibeägetidüS. 


gegebene ©ntfdjeibung über ben Hoftenpunft bejieljt, ift nidjt ju be= 
jweifeln ’). ©obannfommtinSetradbt: beroonben„5ßroäe§foften 
banbelnbe Xitel 5 be3 bie a 1 1 g e m e i n e n S e fH m m u n g e n ent- 
baltenben Söud^eS I ber ßimlprojefjorbnung , fomit bie §§ 87 
—100 berfelben, ^aben auch auf bie Sofien ber 3wong§Doff= 
ftrecfung entfpredfjenbe 2Inroenbung ju finben, foweit nicEjt aus 
bem inäbefonbere in Such VIII „3n>ang3Dottftre<fung" enthalt 
tenen ©pejialbeftimmungen ficb 2tbroeicljungen ergeben. 2ludf) 
bie 3roang§ooHftredung ift ein iprojejjöerfafjren; fie bient eben- 
fattä jur jwangäroeifen gerid^ttidfjen ©eltenbmacfjung oon lßri= 
t>atredjt$anfprüdjjen. X)er »on Dr. ©ottfrieb ©cbmitt (ber 
baperifdje ©ioüprojeß Sb. I ©. 25) oertretenen gegenteiligen 
2lnfidbt fann nicht beigepfli^tet roerben *). 2tucb bie Höften ber 
gwangdoottftredfung finb baber ißrojepfoften. ®er Xitel 5 be3 1. 
Sudjjeä ber (LS-O. (§ 87 — 100) enthält, roie bie Sftotioe ©. 435 
fagen, nidbt alle Sorfdbriften über bie ^roje|Eoften ; oielmebr 
finb ©pejialbeftimmungen an ben betreffenben ©teilen beä be= 
fonberen Xeileä gegeben. 2llö fotdbe Eoftenredbtlidbe ©pejiab 
beftimmungen finb oon ben ttJlotioen a. a. 0. bejetdjjnet „bie 
§§ 697, 708, 719 für bie 3ro<*nß3oottftrecfung." 2ludb oer= 
weifen bie ttRotioe ©. 537 ju § 742 be3 ©efefceS bezüglich 
ber grage, wer im gatte be3 aSerjid^teS be§ ©läubigerä auf 
bie burdj ^fänbung non gorberungen unb beren Heber: 
weifung jur ©injief>ung erworbenen Sttecljte bie Höften ber 
3n>ang3oottftredfung ju tragen fyabe, auf ben § 87 im 5. 
Xitel be3 erften Sucres. Xafj ein HoftenfeftfefcungSbefdblufj 
gemäß § 99 auch bezüglich ber Höften ber 3roangsoottftrecfung 
juläffig, unb nur nach ber ©pejialbefiimmung beä § 697 über= 
flüßig ift, wenn bie Höften jugleidE) mit bem gur 3 roan ß3öott= 
ftrecfung fleljenben 2tnfprudbe beigetrieben werben, ergibt ficf 
aus ben Urteilen be3 Steicbägeridbtä in ©euff. 2lrd). Sb. 39 
Dir. 273 unb in ber gurift. SBocbenfdEjrift oon 1886 3tr. 18, 
19 3iffer 9 (©. 147). 

ßienadb finb gemäfi bem § 94 ber S.ip.D. audb im 3>»ang3: 

1) Seuffert, »rd). 36 9ir. 80; 3t ®. 6 340. 

2) Slrtf). füt cioitijt. $rajiä 8b. 62 ©. 409 f. 


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A. in ©totlfadjen. 


31 


ooHftrecEungSoerfahren ergangene ©nfdjeibungen über bie Äoften 
unanfechtbar, wenn nicht gegen bie ©ntfdjeibung in ber .fpaupfc 
fad^e ein Rechtsmittel eingelegt wirb. Solche ©ntfdheibungen 
über ben Äoftenpunft finb aber auch bann unanfechtbar, wenn 
in ber ^auptfadfe ein Rechtsmittel aus beitt ©runbe nicht ein- 
gelegt werben fonnte, weil eine ©ntfdfeibung über bie ^aupt= 
fache nicht ergangen war '). 

SBenn alfo auch gegen bie ©ntfcheibung über ben notn 
Kläger gefteUten Eintrag in ber ^auptfadje nach § 774, 776 
unb 701 S.ip.O. bie fofortige Vefchrcerbe an ft<h ftatthaft ge= 
wefen wäre, fo ift hoch ber taubgerichtlidje Vefchlufi oom 29. 
Slpril 1886, ba burdj benfelben nur über ben Äoftenpuntt ent= 
fchieben ifi, unanfechtbar, unb bie Vefdjroerbe hiegegen an fi<h 
unftatthaft. Sie erhobene Vefdjwerbe war beShalb nadh § 537 
ber ß.iß.D. als unjuläffig ju »erwerfen. 

©ntfch- beS DberlanbeSgerichtS oorn 5. guni 1886 in 

Sachen Stahl c. ^eibelmann. 

$ie Vefdjwerbe hiegegen ift burch Vefchlufj beS Reid)S= 
gerichtS nom 8. guli 1886 jurücfgewiefen worben. 

9. 

SebenSoerftdjerung ju ©unften einer ©hefrau. gortbauer 
ber ©he bis sum £obe beS Verficherten, VorauSfefcung beS 
gortroirfenS biefer $uroenbung. 

©aftwirt Ä. h^te fein Seben bei ber £ebenSoerfi<herungS= 
unb ©rfparnifebanl in Stuttgart für bie Summe non 10000 
3)t., welche nach feinem £obe bem Inhaber beS VerfidjerungS- 
fcheinS auSbejahlt werben foHte, nerfichert, unb bie gaf)res= 
Prämien bis ju feinem £obe fortbejahlt. 

Rach feiner Verheiratung hatte er bie genannte Van! 
unterm 29. ganuar 1878 fchriftlid) erfucht, „feine £ebenSner= 
„ficherungSpolice im gaff feines SlblebenS ju ©unften feiner 
„©hefrau fteffen unb ben betrag nur an fie felbft ober beren 
„Sbreffe gelangen ju laffett", unb es hatte bemgemäfe bie Van! 

1) »®. 10 ©. 309 (Seuff. 39 9lr. 139). 


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32 


©ntfäeibungen beä DfcerlanbeSgeridft«. 


auf bem 9?erficherung«f<hein unterm 30. Januar 1878 beur= 
funbet, ,,e« fei laut ©rflärung uom 29. Januar 1 8 '8 gegen; 
„roärtige 93erfid)erung ju ©unften ber ©hefrau be« 3?erfid>erten 
„abgefthloffen, roa« fie auf ihren 33ü<hern oorgemerft habe". 

Obwohl bie ©he be« $. roegen ©Ijebruth« feiner ©hefrau 
bem $anbe nadj gefd&ieben rourbe, hat berfelbe ber iöanf ge= 
genüber bie genannte ju ©unften feiner Ehefrau abgegebene 
©rflärung nidjt miberrufen, übrigen« biefelbe in feinem nodj 
nor ber ©Reibung mit Stüdficht auf beren Senorftehen errid)'- 
teten Seftamente enterbt, ©inige Sahre nad) ber ©Reibung 
ftarb Ä. 3n bem über feinen Dtadjlafc eröffneten Äonfutfe 
machte bie ipffegfdjaft feinet Äinber, melden feine geriebene 
©hefrau ihre Sterte au« ber SBerfitherung abgetreten hatte, 
gegen bie Äonfur«nennaltung biefeö diadjlaffe« einen 2lu«fon= 
bctung«anfpru<h auf bie non festerer bejogene unb hinterlegte 
33erfid)erung«fumme geltenb. ®ie ßonfurönerroaltung beftritt 
biefen Stnfprudj unb erhob gegen bie ipflegfdjaft Älage, in 
weither fie ju erfennen beantragte, baß biefer 3tu«fonberung«= 
anfpruth nitht ju 9ted)t befiele. 

®er I. ©inilfenat be« DberlanbeSgeridjt« erfannte biefem 
Anträge entfprechenb au« folgenben ©rünben: 

©aburcfj baf; ©aftroirt Ä. unterm 29. Januar 1878 an 
bie ^iefige £eben«nerfid)erung«banf ben Antrag, bie non ihm 
genommene 33erfi<herung für ben §aH feine« ®obe« ju ©unften 
feiner ©hefrau ju fteHen, gerichtet hat, unb non ber 5Berfidje= 
rung«banf biefem Anträge entfprodfen motben ift, hat berfelbe 
mit biefer 33anf an bem non ihm abgefthloffenen SSerficherung«; 
n ertrag eine Slbänberung nereinbart, nath melther biefer ju 
©unften feiner ©hefrau gefchloffen erfcheint. SOiit biefer 3lb- 
änberung, burth toeldje bie ©hefrau be« t. für ben gaH feine« 
Ibleben« gegenüber non ber 5Berfidberung«banf ein fetbftftän; 
bige« 9te<ht auf ben Sejug ber SSetfitherungäfumme enuarb, 
beabfithtigte St., roie fidj bie« au« ber regelmäßigen Söeftimmung 
eine« non einem ©bemann auf fein ißorableben ju ©unften 
feiner ©hefrau gefchloffenen Sebensnerficherung«uertrag« ergibt, 
bie ©piftenj feiner ©hefrau für bie 3 e U nad) feinem &obe 


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A. in ©unffacffett. 


33 


möglicffft fidffet $u [teilen, unb t{jt gu biefem Seffufe eine 9Ser= 
fotgung im SBittroenftanbe ju oerf (gaffen. ©ie ©rreicbung biefer 
Slbfid^t fegte, roie ß. nic^t oerfennen fonnte, oorau«, baff feine 
©ffe big ju feinem ©obe, mit meinem bie 93erfichetung«fumme 
fällig mürbe, fortbauerte, alfo feine ©ffefrau burch fein $or= 
ableben jur Sittroe mürbe, ©enn fall« biefe Sluftöfung ber 
©ffe fcffon oor feinem ©obe eintrat, fo fonnte, raenn bie« 
burdff igr SSorabjterben gefcfja^, eine SBittroenoerforgung nid^t 
me^r in grage fommen; roenn bieg aber burdff ©Reibung ge= 
fdffaff, fo mar jeber ©runb ju einer folgen Sßerforgung roeg- 
gefallen, unb e« liege ficff nidfft erflären, roie ß. hätte bagu 
fommen foUen, feiner ©ffefrau audff für ben gaß, baff fie jur 
3eit feine« ©obe« oon ihm gefcffieben, alfo nicht feine 2Bittroe 
fein foßte, eine Serforgung ju oerfdffaffeu. 3Jfan ift baher jur 
Annahme berechtigt, e« ffabe ß- bie Ibänberung be« SSerfidhe-- 
rung«oertrag« ju ©unften feiner (S^efrau nur für ben galt 
getroffen, baff feine ©ffe im 3 ei tpunft feine« ©obe« unb ber 
mit bemfelben eintretenben ^ättigfeit ber $erfidfferung«fumme 
nodh fortbefteffe, er habe aber für ben gegenteiligen $aU feiner 
©ffefrau bie $Berfidfferung«futmne nidht jufommen laffen mollen ; 
e« habe bemgemäff ber gortbeftanb feiner ©ffe nidht bloff ben 
Söeroeggrunb, fonbern eine 9Sorau«fegung ber ju ©unften feiner 
©ffefrau getroffenen Slbänberuitg gebilbet. 

©er Vertreter ber £eben«oerfidfferuitg«banf, mit roeldhem 
biefe Slenberung be« urfprünglidh abgefdhloffenen $8erfidfferung«= 
oertrag« oereinbart mürbe, fonnte über bie oon ß. geroollte 
33orau«fegung nadh bem Inhalt feiner ©rflärung oom 29. $a= 
nuar 1878 nicht im 3meifel fein; et muffte barau«, baff nach 
biefer ©rflärung auf Slbleben be« ß. feiner au«brüdfli<h al« 
foldher bejeidffneten ©ffefrau bie 2$erfidfferung«fumme jufommeti 
füllte, entnehmen, baff e« fug um eine 2Bittroen«SSerforgung 
hanble, baff baffer bie 3$erfibfferung an fie nur in ihrer ©igen= 
fcffaft al« SBittroe, fomit nur für ben gall be« gortbeftanb« 
ber ©ffe bi« ju feinem ©obe, gelangen foHe. ®ie in ber ©r-- 
flärung be« ß. oom 29. Januar 1878 enthaltene 3Sorau«fegung 

^a^rbüdjer b. üBfltlterabg. Stee^täpfitge. 3 


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34 


©ntfdjeibungen beä Dberlanbeägeric^tS. 


ift fortadf) bcr Verfi<hetung3banf gegenüber auf genügenb er= 
fennbare SBeife hernorgetreten. 

SBurbe nun auch fragliche Abänberung nicht auSbrücflich 
non bem fjfortbeftanb ber (Ehe be« Ä. bi« ju feinem Sobe ab= 
gängig gemalt, fo genügt bo<h jur ©ültigfeit biefer VorauS- 
fefsung, baff 5t biefelbe gerooEt hat, unb baff biefer fein SBiEe 
bem Vertreter ber Sauf jum Veroufftfein gefomtnen fein muff. 

Saß Ä. bei ber ju ©unften feiner (Ehefrau getroffenen 
Abänberung be« VerficherungSnertrag« non ber bejeichneten Vo= 
rauSfeßung angegangen ift, bafür fpridjt auch fein fpätere« 
Verhalten. (Sr fiat nämlich feine (Ehefrau in feinem gleich 
jeitig mit (Einleitung be« ©dheibungSprojeffe« unb in Vorauf 
ficht biefer ©Reibung errichteten Seftamente gänzlich enterbt, 
unb baneben, um ju oerljinbern, baß fie burch Vermittlung 
ihrer getneinfdjaftlidjen Äinber oon feinem Vermögen erroerbe, 
eine Steife hierauf abjielenber Veftimmungen ((Sntjiehung ber 
Slußniefcung unb Verroaltung be£ Erbteil« ber fiinber ; Verbot, 
non bem Vermögen ber Äinbet ober beffen (Srträgniffen ihr 
etwa« ju nerabfolgen ; ißupiEarfubftituüon) getroffen. Siefe« 
Seftament hat burch ben SeftamentSjettel nom gleichen Sage 
nur hinft<htli<h &er Slußniefjung am Vermögen ber Äinber, 
welche ihrer üDfutter unter Umftänben al« (Erfaß für ben (Er= 
jiehung«aufn>anb foUte überlaffen werben fönnen, eine Abän= 
berung erlitten; im übrigen aber hat St. fein Seftament auf= 
rec^t erhalten, foEte auch fpäter wieber eine Annäherung jwifchen 
ihm unb feiner gefchiebenen (Ehefrau ftattgefunben haben. SJlit 
ber im Seftamente auSgefprodjenen Abficht be£ 5t, feiner ©h e; 
frau non feinem Vermögen Sticht« pfommen $u laffen, ift ber 
SBiEe, an ber ju ihren ©unften getroffenen Abänberung be« 
SebenSoerficherungSnertrag« feftjuhalten, nicht nereinbar. Saß 
er aber unter biefen Umftänben non bem ihm unftreitig gufte= 
henben Siechte, ledere ju wiberrufen, feinen ©ebrauch gemalt 
hat, finbet eine genügenbe (Erflärung barin, bah er auSgeljenb 
non ber bejeidineten VorauSfeßung biefe Abänberung als burch 
bie ©cheibung aufgehoben angefehen hat. Auf biefe Anfchauung 
wei«t ferner hi« bie unter ben (Ehegatten abgefcßloffene Ver= 


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A. in ©ioilfacfjen. 


35 


einbarung über bie ©runblagen ihrer befxnitioert 2lu3einanber= 
fefcung, ingbefonbere bie Verabrebung über bie oon feiner 
©h*f*au beigebrachten unb berfelben augjufolgenben Wertpapiere; 
benn wenn K. nid^t oon obiger älnfchauung auggegangen fein 
würbe, fo wäre ju erwarten gewefen, baff in biefe Vereinba- 
rung auch eine Veftimmung über ben fraglichen Verfid&erungg; 
fchein Aufnahme gefunben hätte. 

War bie oon Ä. §u ©unften feiner ©h e f ra u getroffene 
aibänberung beg Verfnherunggoertragg an bie genügenb erlerne 
bar heroorgetretene Voraugfefcung beg gortbeftanbg ber ©h e 
beg Ä. big ju feinem %obe gefnüpft, fo hat bie erfolgte ©d&ei; 
bung nnb bet h^burd) bewirfte ÜRichteintritt biefer Voraug; 
fefcung jur golge, baff bie Wirffamfeit biefer Äbänberung aug= 
gefchloffen ift, weil jte bei bem s Jti<htjUtreffen fraglicher Vorauf 
fefcung bem wahren Willen ber Kontrahenten nicht entfpricht. 
®ie Äinber beg Ä. fönnen baher in ihrer ©igenfdfjaft alg 
3effionare ber gefchiebenen ©h e f rau begfelben fowenig alg bie 
le^tere fetbft aug biefer aibänberung 9te<hte für ft<h abteiten. 
@g hat oielmehr ber 2lnfpru<h auf bie Vetftdherunggfumme, 
wie wenn Ä. eine Verfügung ju ©unften feiner ©hefrau nicht 
getroffen hätte, nach feinem £obe einen Sefianbteü feineg 9!adj; 
laffeg, unb nachbem über biefen ber Äonfutg eröffnet ift, 
feiner Äonfurgmaffe gebilbet. ®er oon ber befl. ißflegfchaft 
erhobene Stugfonberungganfprudh ift baher weber bezüglich beg 
aug bem Verficherunggoertrage gegen bie Van! erwadhfenen 
3tnfprucf)g auf ben Vejug ber Verficherunggfumme, noch bejüg; 
lidh beg an feine ©teile getretenen, oon ber Klägerin erhobenen 
Verfidfjetunggoertragg begrünbet ; eg war folgeweife ber Klag; 
bitte gemä§ ju erfennen. 

Urteil beg I ©ioil ©. beg D.ßanbeg®. oom 11. Wätj 

1887 in ©. ber Äonfurgoerroaltung beg Ä. gegen bie 

ipflegfchaft feiner Äinber. 


10 . 


Steidjung oon 2llimenten. 
ben Umftänben gefolgert. 


3lbftdht ber ©rfafcleiftung aug 
3 * 


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36 


©ntföeibunflen beä DbertanbeägmcfjtS. 


®ie Klägerin, Stofine 2W., hatte ihre SJJutter, Söitroe Säf. 
in ihr .gauS aufgenommen unb ihr bort mäfjrenb eines QtiU 
raurnS »on einem Sabre unb ad^t SDtonaten Berföftigung unb 
SBohnung einfd&liefetich ber Regung unb Beleuchtung gemährt, 
ihr auch bie SBäfcEje beforgt unb fte oerpflegt. ®ie Söitrne 
Sch- h^te batb nach ih rer Aufnahme in bas £auS ber Älrin 
ein fEeftament errichtet, in raetchem fie ihre Tochter auSbrüdf= 
lieh jur ©ntfehäbigung für Äoft, SBohnung unb pflege mit einem 
namhaften Betrage lefetroiEig bebaute. Sn $olge entftanbener 
3miftigfeiten mit ihrer Smcfeter oerliefe fie jeboch baS |jauS 
berfelben, roiberrief baS genannte Xeftament unb errichtete ein 
neue§, in roelchem fie ihre beiben Sohne ju ©rben einfegte, 
bie Älrin bagegen enterbte. Stach ihrem Xobe erhob bie legtere 
gegen ben einen biefer ©rben, ben Bfl. Sch-, su feinem @rbS= 
betreff Älage auf (Srfag für bie ihrer SJiutter gemährte Ber= 
föftigung, SBohming unb Berpflegung. S)er Bfl. beftritt eine 
©rfafeoerbinblichfeit, inbem er geltenb machte, feine SJtutter fei 
oon ber Älrin aus fßietät unb nicht in ber Stbficht ber (£rfa{^ 
leiftung in ihr fpauS aufgenommen roorben unb habe burd) ihre 
in bem |jau}e ber Älrin geleiteten ®ienfte ben Slufroanb für 
ihre Berpflegung ausgeglichen. 

®ie Älage mürbe in 1 Snftanj abgemiefen. 3luf erhobene 
Berufung oerurteilte baS DberlanbeSgeridjt I Senat burch Urteil 
oom 21. San. 1887 ben Bfl. ber Älagbitte gemäfe unb führte 
in ben ©rünben auS: 

Älrin ift, mie ihr ©bemann gänzlich oermögenSloS unb 
eS liegt beiben ber Unterhalt oon fieben Äinbern im 2llter oon 
3 bis 16 fahren ob; Älrin mar baffer gar nicht in ber Sage, 
ihre SJtutter unentgeltlich in ihr |>auS aufjunehmen. 3lnberer= 
feitS roaren bie BermögenSoerhältniffe ber lefeteren nicht ber 
3lrt, bafe fie auf unentgeltliche Unterftüfeung ihrer ftoebter an= 
geroiefen gemefen märe ; fie mar oielmehr im Befig eines teils 
eigentümlichen, teils nufeniefelichen BermögenS oon mehreren 
taufenb SDtarf. Slucf) hatte Älrin bei biefer BermögenSlage 
ihrer SJtutter umforoeniger Slnlafe, fie unentgeltlich in ihrem 


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A. in ©hnlfad&en. 


37 


|jaufe su unterhalten, als neben ber Älrin noch groei Vrüber 
berfelben oorhanben waren, welche ftd& auf ben §aE ber Ve= 
erbung ihrer Vtutter su golge biefer unentgeltlichen Unterhalt 
tung berfelben auf Äoftett ber Slrin bereichert haben mürben. 
Schon biefe Umftänbe laffen es als gans unwahrfcheinlich er= 
fdheinen, bajj filrin ihre SJiutter unentgeltlich in ihr .fpauS auf= 
genommen unb fo lange 3«it unterhalten haben foltte. 

SH. felbft ftellt bie Slufnahme feiner SJtutter in baS .«pauS 
ber Strin nicht als eine unentgeltlidhe bar, miE oielmehr bie 
©egenleiftung für biefelbe in ben non feiner SJiutter bafelbft 
geleifieteit ©ienften ftnben. Stilein es mar biefelbe bei ihrem 
»orgerücften Stlter jur Seifiung oon ®ienften, roelche eine 
nennenswerte ©egenleiftung gegen biefe Stuf nähme hätten bilben 
fönnen, nicht mehr im ftanbe. «Sollte fie baher auch toährenb 
ihres StufenthaltS im |>aufe ber Klägerin häusliche SDienfte 
bei berfelben geleiftet, inSbefonbere beren Sinber beauffidfjtigt, 
oerpflegt, für fte geftricft unb geflicft haben, fo lönnte es ftch 
hiebei hoch nur um gelegentlich unb aus ©efäHigleit geleiftete 
SMenfte gehanbelt haben, welche ben Stufwanb für ihren Untere 
halt auSsugleichen nidht geeignet waren. 

©in weiterer Veleg ber auf Vergütung für bie Slufnahme 
ber SDtutter ber Slrin in baS fpauS ber lederen gerichteten Stb= 
ficht beiber liegt in ber genannten le|troilligen Verfügung. ®ie 
Slrin, welche ihre SOtutter sum 3n>ed ber XeftamentSerrichtung 
SU bem betreffenben Stotar geführt hatte, war, wie bei bem 
gegenfeitigen Verhältnis beiber nicht su besweifeln, oon biefem 
Inhalte beS UeftamentS unterrichtet. ®a in biefem SEeftamente 
bie ©ntfchäbigung für SBohnung, Verlöftigung unb pflege ber 
SJtutter ber Slrin auSbrücflich als 3 roe< * ber su ©unften ber 
leiteten getroffenen Verfügung beseitigtet ift, fo barf man h«= 
raus fdjliefjen, es habe oon Slnfang unter beiben über biefe 
Vergütung ©inoerftänbniS geherrfdfjt, unb baher nach bem 
SBitlen beiber auch für ben eingetretenen gall, ba§ s u tf°lge 
SBiberrufS biefer Verfügung bie Vergütung nicht auf bem ju= 
nächft beabfichtigten SBege (ehtwiHiger 3urortrbung geleiftet 
werben fottte, bet Älrin eine entfprechenbe Vergütung su SEeil 


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38 


©ntfdieibungen beä Dberlanbeägeri$t8. 


nieeben foHen. Durch bie angeführten Umftänbe ift erroiefen, 
bafs ber Butter ber Älrin non ihrer SCoc^ter SBofmung, Ser? 
föftigung unb pflege in ber beiberfeits funb gegebenen 2lbfid)t 
angenteffener Vergütung gemährt unb angenommen motben ift, 
morin ein ftiUfdjroeigenbeä Uebereintommen über bie Seiftung 
biefer Vergütung liegt *)• 


11 . 

Serfauf ber lebten nerfitgbaren ©adjen an einen ber 
©laubiger um roertentfprechenben $reis unter Aufrechnung 
feiner gorberung, behufs Slbroenbung ber brohenben 3^angS- 
oollftrecfung. 3 ft bie SenadjteiligungSabficht auSgefchloffen 
burd) ben llmftanb, baff ber ©laubiger burdj biefen Ä'auf nicht 
mehr erlangt unb ben übrigen ©läubigern nicht mehr entjogen 
hat, als roaS er mittels 3roangSoerfaufS hätte erreichen unb 
ben ©läubigern entziehen fönnen? AnfedjtungSgefeh § 3 5tr. 1. 

©eil. ^atte gegen feinen oon mehreren ©läubigern einge* 
flagten ©chulbner ©t. SoüftrecfungSbefehl ermirft unb ben 
©eti<htSoolIjieher mit gahratSpfärtbung beauftragt ; auf Sitten 
beS ©chulbnerS entfchlofi er fich, bie ganje oorhanbene pfänb? 
bare gahmiS, beftehenb in ben ^anbroerfSgeräten unb ber 
SabenauSftattung beS ©djulbnerS, um einen, angeblich roert- 
entfpredjenben, $mS }u laufen unb ben le|tem auf feine gorbe- 
rung aufjurechnen, in ber 2lbfi<ht, bem ©chulbner (feinem Ser- 
manbten) bie 2Jtöglichfeit pr SBiebererroerbung ber gahrnis 
p beiaffen. Als fpäter bie Älrin behufs Sefriebigung einer 
ooUftrecEbaren gorberung gegen ©t. pr ißfänbung fchreiten 
rooDte, fanben fich feine SolIfirecfungSmittel bei bemfelben uor. 


1) 3eitf<hrift für Gtnilrct^t u. ^ßtojejj 91. g. 33b. 7, ©. 1 ff. u. 
bort citierte Üttteratui. ferner SEßrhnbetg. 2lrcfj. 33b. 14, ©. 379; ©euffert, 
äCrt^it) S3b. 6 9!r. 36; 33b. 8 91r. 130 u. 259; 33b. 9 91t. 29; 33b. 12 
91t. 154; 33b. 20 91r. 126; 33b. 21 91t. 47 u. 49; 33b. 29 9lt. 232; 33b. 
31 91t. 225; 33b. 33 91r. 21 u. 33b. 34 9tt. 113; @ntfcf). be« 9»eid)S= 
geric^tS in Siotlfacfien Sb. 4 ©. 121. 


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A. in ©totlfo^en. 


39 


Sie erhob begatt) gegen ben 33efl. Älage auf Stnfechtung beS 
erwähnten ftaufS aus § 3 9lr. 1 beS SlnfechtungSgef. ®iefe 
Älage ift com Sanbgetidjt abgewiefen auf ©runb ber Sinnahme, 
baff auch im gaH ber 3roangSoerfteigerung ber gefauften ga^r= 
nis nic^t mehr als ber mit bem 33efl. cereinbarte unb oer= 
regnete Kaufpreis erlöst worben wäre, in biefem gaH alfo 
für bie übrigen ©laubiger gleichfalls nichts übrig geblieben 
fein würbe, biefe befjljalb burd) ben fraglichen Verlauf nicht 
benachteiligt feien. 

Stuf erhobene ^Berufung h at baS DberlanbeSgeridjt ben 
33efl., welker u. 21. auf bie in Seuffert’S Slrchio 33b. 39 
3tr. 15 unb im Sßürtt. Slrchio 23b. 23 S. 140 oeröffentlichte 
©ntfcheibung beS OberlanbeSgerichtS fi<h bejogen l jatte, jur 
Dtüdfgewähr cerurteilt. 

©rünbe: S5ie Anfechtung beS Vertrags com 19. SKärj 
c. $. aus § 3 3lr. 1 beS SlnfechtungSgefefceS ift begrünbet. 

®ie für bie ©läubiger beS St. benadjteiligenbe SBirlung 
biefeS Vertrags ift au§er ßroeifel. 

33efl. felbft hat angeführt, bafs ber oon ihm mit ber 
IfJfänbung gegen St. beauftragte ©erichtSooEjieher ihm gemelbet 
habe, baff er bei St. eine ipfänbung nicht wohl comehmen fönne, 
ba er nichts iJJfänbbareS bei bemfelben oorgefunben, als bie 
Sachen, welche ben ©egenftanb beS nachherigen Verlaufs an 
ben 23e!l. gebilbet haben unb welche nicht wohl, mit lßfänbungS= 
marfen cerfehen, im 33efifc beS St. beiaffen werben fönnen 
unb ba§ ber ©erichtSooEjieher ihm beshalb ben Anlauf biefer 
Sachen geraten habe, falls er bem St. bie 2Jtöglicf)feit ihrer 
SBiebererwerbung gewähren woEe. danach finb bem St. jur 
$eit beS Verlaufs, in welcher er, wie 33efl. gleichfalls einräumt, 
bereits mehrfach eingeflagt war, anbere 2Jtittel jur 33efriebi= 
gung feiner ©läubiger, als bie bem 23eK. »erfauften Sachen, 
nicht ju ©ebot geftanben, wie eS benn fonft auch gar nicht 
ju erflären wäre, bah ©t. biefe jur Fortführung feines ©e= 
fhäfts offenbar unentbehrlichen Sachen weggeben hat. 2Benn 
St. biefe ihm aEein noch oerfügbaren SJJittel einem einjigen 
ber mehreren anbringenben ©läubiger ju beffen 33efriebigung 


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40 


(Sntfctjeibungen beS DberlanbesSgeric^tä. 


überlaffen bat, fo mufjte et fidj Riebet notroenbig bemüht fein, 
baff bieS jutn 9la<hteil alter anbern ©laubiger gereiche, fofern 
biefe in golge hieoon baS leere Elachfehen haben mürben. ®ie 
hieraus [ich ergebenbe Abficht beS ©t., feine ©laubiger gu be- 
nachteiligen, tonnte aber auch bent Sefl. nicht oerborgen bleiben, 
ba er nach feiner eben ermähnten (Einräumung gur Qeit beS 
SerfaufS fdjon gemußt hat, baf? ©t. fonft nichts ^ßfänbbateS, 
überhaupt feine meitern BefriebigungSmittel, roobt aber noch 
anbre anbringenbe ©laubiger habe. 

Sie bena<hteiligenbe SDBirfung unb Abfidht biefeS ©efdjäfts 
ift aber burd& ben Umftanb allein, bafj Befl. bie ©adjeit nicht 
einfach an 3 a ^lungSftatt genommen oielmehr erfauft unb ben 
Kaufpreis auf feine gorberung oerrechnet hat, nicht auSgefchloffen, 
auch bann nicht, menn ber fefigefefcte Kaufpreis bem mähren 
Söert ber ©acfien entfprodhen haben foEte, ba Etieburd^ für bie 
roeggegebenen ©achen ein folcfjeS (Entgelt, an roelcheS bie ©läm 
biget behufs ihrer Sefriebigung fi<h hätten halten fönnen, 
nicht ins Vermögen beS ©djulbnerS gefommen ift (ogt. 9t.@. 
©ntfd). Sb. X ©. 8 unten, ©. 9 oben). 

©S mag immerhin fein, baff menn Sefl., raie er gu thun 
befugt mar, bie fraglichen ©achen hätte pfänben unb im SoE= 
ftrecfungSroeg oerfaufen laffen, gur Sefriebigung ber übrigen 
©läubiger beS ©t. gleichfaBS nichts übrig geblieben fein mürbe ; 
aEein felbft menn man unterfteEt, bah in biefem gaE bie ©lau- 
biger gur Anfechtung ber auf biefe Sßeife an ben Befl. ge= 
langten Sefriebigung nicht befugt geroefen fein mürben, (ogl. 
§ 6 beS AnfechtgSgef.) fo märe bie Anfechtbarfeit beS abge= 
fchloffenen ©efchäftS ^ieburdh nicht befeitigt, benn es hat bie 
ftltin jenen für ihre Sefriebigung offen ftehenben Sßeg thatfädp 
lieh nicht befdjritten unb für bie rechtliche Beurteilung beS roirf= 
lieh non ihr betretenen SBegS fann eS nicht in Betracht fommen, ob 
fie bie 2J?öglichfeit gehabt hätte, gu Befriebigung ihrer gorbe- 
rung auch in anberer unanfechtbarer 2Beife oorgugeljen, ober 
ob ber ©djulbner in ber Sage geroefen märe, bie fraglichen 
BefriebigungSmittel feinen übrigen ©läubigern auf anbere, für 
biefe unanfechtbare , Söeife gu entgehen (ogl. 31.®. a. a. D). 


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A. in Sioilfadjen. 


41 


©ie ben ©laubigem gegenüber redhtSroibrige SRatur beS 
norliegenben ©efdhäftS ift enbltd^ auch nid^t beSljalb auSge-- 
fdhloffen, roeil 93efl. btird> baäfelbe nur baSjenige erlangt habe, 
roaä er als ©laubiger beS ©t. restlich ju beanfprudhen hatte. 
®enn roenn bie 3Jtoti»e z u § 23 9tr. 1 ber Äonf.Drbnung 
(©. 119) unb ju § 24 9tr. 1 berf. (©. 131) bemerfen, baf? 
ber ©läubiger, welcher nicht mehr erhalte, als worauf er ein 
3roangsrerf)t t;at (qui suum recepit) burch älnnafjme beffen 
einer Dted&tSnerlefcung nicht ft cf) fc^ulbig mache, fo gilt bieS, 
im ©inn ber -Btotioe roie nach bem Qnhalt beS ®efe|eS, eben 
nur bann, wenn bem ©läubiger roirflidh nur baSjenige geleiftet 
wirb, roaä unb roie er es ju forbem hatte (si debitam pecu- 
niam recepit: 1. 6 § 7 Dig. 42, 8 unb &.D. § 23. 9?t. 2), 
nicht aber bann, wenn er ein 2lnbere§ ober SftehreteS ftdh oer= 
fdhafft, roie biefeS ba jutrifft, roo ihm ju Stbftnbung feinet 
©elbforberung gahrnis überlaffen — fei es an 3 a hfongSftatt 
übereignet, fei eS gegen Stufredjnung feiner gorberung oerlauft 
roirb, alfo bie 33efriebigung feiner $orberung burch baS -Kittel 
ber Segrünbung eines neuen 9te<htSoerhältniffeS befdhafft ift; 
benn in biefem galt lau« offenbar nicht mehr gefagt roerben, 
baff ber ©läubiger ftdh barauf befdjränlt habe, fein gorbetungS= 
redht auSjuüben (oergl. 9t.©. Entfdj). 33. 6 ©. 45 u. 46). 

®ie Erwägung, mit welcher bie abroeidhenbe Entweihung 
beS DberlanbeSgerichtS oom 13. 3uli 1883 in Sachen 9t. c. 91. 
(in ©euffert’S älrdhio 33b. 39 9tr. 15 unb im SBürtt. 2Ircl)iü 
33b. 23 ©. 140) geftüfct ift, nemlidh bie anfcheinenbe ttngeredh* 
tigfeit, baff ber 2tnfedhtungSfläger, ber baS 3 ur ßtf9 en, ährte 
ju feiner auSfdhliefjlichen 33efriebigung nerroenbet, ftdh Elieburdh 
ber nemlidhen Benachteiligung ber übrigen ©läubiger fdffulbig 
madhe, bie er bem 9lnfedf)tungSgegner oorgeroorfen — biefe 
Srroägung erlebigt ftdh burdh ben $inroeis auf § 13. 2lbf. 3 
beS 2lnfe<htgSgef. , wonach es ber 2lnfe<htungSgegner in ber 
§anb hat, burdh rechtzeitigen Antrag auf Eröffnung beS Äoro 
furfeS gegen ben ©cfjulbner zu beroirfen, bafj mittelft ber »om 
ftonfurSoerroalter gegen ben StnfedhtungStläger zu erhebenben, 
auf § 23 9lr. 1 unb § 28 Ä. D. geftüfcten SfofedhtungSllage 


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42 


@ntf$eibungen besS Dbetlanbebgeritf)iä. 


baS 3>ttü<fgemährte — nid^t etroa mit Umgebung ber übrigen 
©laubiger einfeitig jroifdjen AnfedjtungSlläger unb 2lnfedE)tungö= 
gegiter, fonbern — jmifdjen fämtlidjen am ÄonlurS fidj betei= 
Mgenben ©laubigem nad) gefeglid^er Stangorbnung , fomit in 
gerechter SBeife, pr Verteilung gebraut roerbe. 

Gntfdj. b. I GioikSenatS beS OberlanbeSgeridjtS in Sadjen 
V. c. ®. uom 25. Februar 1887. 


12 . 

£eilt bie Gljefrau ben allgemeinen ©eridjtSftanb beS Gl>e= 
tnannS ober nur ben ©eridjtSftanb beS SBohnftfceS besfelben? 

5Die Veflagte mürbe non intern ©bemann bei bem Sanb* 
geriet ju Stuttgart auf Verausgabe ber Äinber belangt, ©ie 
bat bie Ginrebe ber Unjuftänbigleit oorgefdjügt. ©iefelbe 
mürbe oermorfen aus nacfjfteljenben ©rünben: 

®ie ©djlufjfolgerung ber Veflagten, auf meldjer bie Güu 
rebe ber llnpfiänbigleit beS angegangenen ©eridjts beruht, 
nämlidj bafj fie ben allgemeinen ©eridjtSftanb ihres GbemannS 
teile, legerer aber in Stuttgart einen allgemeinen ©eridjtSftanb 
nicht b«be, ift in ihrem Vorberfafce unrichtig. 

SDie Ghefrau teilt nicht überhaupt ben allgemeinen ©eridjts= 
ftanb ihres GbemannS, fonbern nur ben ©eridjtSftanb beS 
SBofjnortS beSfelben, mie bieS aus SBortlaut unb 3Jtotioen 
beS § 17 ber G.^.O. unb aus ber mit Abfidjt geroäblten 
Stellung, roelche § 17 jroifdjen ben Veftimmungen über ben 
SBohnfib § 13 — 16 unb benjenigen über ben fubfibiären aU= 
gemeinen ©eridjtSftanb beS Aufenthalts § 18 einnimmt, her* 
oorgeht. ©ie teilt baher, roenn ber Ghemann leinen SBoljnfifc 
hat, nidjt audj beffen fubfibiären allgemeinen ©eridjtSftanb beS 
Aufenthaltsorts (§ 18), fonbern in biefem galle tritt als ihr 
allgemeiner ©eridjtSftanb ber Ort ihres eigenen SBotjnfiheS, 
falls fie einen foldjen geroäljlt hatte, ober in Grmanglung beffen 
ber Ort ihres eigenen Aufenthalts ein. 

2>a es nun ihren eigenen Behauptungen entfpricht , baff 


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A. in Sit>i(fa$en. 


43 


ber ©jjemann jur 3 c *t ber Älageerhebung einen aBohnfifc nidbt 
gehabt unb bis heute nid^t erlangt habe, unb ba au<h bic wan= 
bernbe ajefdhäftigung beS MägerS, feitbem er am 11. Januar 
1886 Stuttgart oerlaffen hat, jroar nid^t bie $cfthaltung eines 
etwa in Stuttgart oor feiner gortreife begrünbeten 2)omijilS, 
aber bie Aeuwahl eines außerhalb Stuttgarts gelegenen 3Bohn= 
ftfceS als auSgefdfjloffen erf feinen lägt, fo ift bie Seflagte mit 
ber in ihrem allgemeinen ©eridfjtsftanb anjubringenben Stage 
mit 9te<ht in Stuttgart belangt worben, an weld^em Orte, 
wenn nid^t ber aBohnfifc beS @h emanng / roeld^en fte nach § 17 
G.fß.O. teilt, ober ihr felbft gewählter aBohnfifc, fo {ebenfalls 
ihr Aufenthalt unb bamit ihr allgemeiner ©erid&tsftanb im Sinne 
beS § 18 G.iß.O. begrünbet ift. 

Urteil beS L GioüfenatS beS 5t. OberlanbeSgerichtS »om 
28. 2ttai 1886 in Sachen 5t. gegen M. wegen Verausgabe 
oon Äinbern, junäcijft 3uftänbigfeit beS ©erid&teS L Qnftanj. 


13. 

Pflicht }ur ©rftattung ber Äoften inSbefonbere ber An= 
waltsgebühren im amtsgericbtlidjen GntmünbigungSoerfahren 
wegen Serfchwenbung. 

®ie Slnna 2Jtaria 3B. §u Sulj h at flogen bie Goa Sath- 
®. unb ben Säuern 3ofjann Simon j). oon ba bei bem AmtS= 
geridht Aagolb Antrag auf ©ntmünbigung wegen Serfdhwen= 
bung geftettt. ®ie ju ©ntmiinbigenben haben mit ihrer Ser= 
tretung in bem Verfahren einen 3lnwalt beauftragt. ®er An= 
trag würbe burdh Sefäjlufe beS Amtsgerichts, gegen welchen 
Sefdhwerbe nicht erhoben würbe, unter Serfällung ber Antrag-- 
fteUer in bie Stoften junicfgewiefen , worauf ber Anwalt ber 
ju Gntmünbigenben ein ©efuch um geftfteüung feiner Soften-- 
redjmtng gegen bie Antragfteller eingereidht hat, welchem ©e= 
fu<h baS Amtsgericht entfprad;. äluf erhobene Sefdjwerbe 
würben bie beanftanbeten Anrechnungen oon bem Banbgerid&t 
geftridhen, inbem biefeS annahm, in bem amtSgeri<htli<hen <5nt= 


/ 


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44 


©ntfdjeibungen beä Dberlanbeggeridjtä. 


miinbigungSoerfabten gebe es feine Parteien unb eS fönne 
atfo auch oon ©rftattung non ißarteifoften nid^t bie Siebe fein, 
©urdb baS DberlanbeSgericbt rourbe ber Vefcbluf) beS 2tmtS= 
geriet jum 5Ceil roieber Jjergeftellt aus nadbftebenben ©tünben : 
©ie Vefdhroerbe gegen ben Vefdblufj ber ©ioilfammer beS 
SanbgeridbtS com 16. Oftober 1886 ift jum ©eil begrünbet: 
I. @S bebarf junäd^ft nicht beS ©ingeb enS auf bie $rage 
über bie Statur beS amtSgeridbtlidhen ©ntmünbigungSoerfabrenS 
unb ber ßeransiebung beS § 87 ber ©ioilprosejjorbnung. ©enn 
biefer enthält über bie Äoften bes ©ntmünbigungSoerfabrenS 
roegen Verfdhroenbung in § 622 bie Vorfdfjrift: „bie Äoften 
beS amtSgeridbtlidhen Verfahrens finb, roenn bie ©ntmünbigung 
erfolgt, oon bem ©ntmünbigten, anberenfatts non bem 2lntrag= 
fteHer ju tragen". 

©0 ift beSbalb nicht erheblich, ob man ben SlntragfteHer 
einer- unb ben ju ©ntmünbigenben anbererfeits als Parteien 
bejeitbnen rotE. @S genügt, bafj je nadbbem ber Antrag ©rfolg 
bat ober nicht, bie Äoften bemjemgen, gegen roelcben ber Antrag ge= 
richtet mar, ober aber bem 2lntragfteEer auferlegt roerben foHen. 

@0 fann fidb nur barum banbetn, roaS bie ©ioilpro jefjorbnung 
unter „ben Äoften beS amtSgeridbtlidhen Verfahrens "oerftanben bat. 

©er oorige Stifter grünbet feine ©ntfebeibung roefentlicb 
barauf, bafj nach bem ©ntrouf beS § 622, roelcber gelautet 
bat „bie Äoften bes amtSgeridbtlidhen Verfahrens finb, roenn 
„bie ©ntmünbigung erfolgt, non bem ©ntmünbigten, anbem- 
„ falls oon ber ©taatsfaffe ju tragen, ©ie fönnen u. f. ro." 
nicht angenommen roerben fönne, bafj ber ©taatsfaffe noch an= 
bere Äoften bei Verfahrens als bie ©eridhtSfoften (3eugen= 
gebühren u. f. ro.) hüben aufgebürbet roerben roollen. ©ieS 
roare etroaS aufjerorbentlidbeS unb auSbrüdflidb gefagt roorben. 
©iefe Vebeutung hübe aber bie Vorfcbrift auch nach ber oon 
ber Äommiffion oorgenommenen Slenberung nidht oerloren. 

2lHein bie ©ioilprojefjorbnung unterfcheibet nidht unb legt 
nidht blof) bie ©eridhtSfoften bes Verfahrens, fonbern allgemein 
„bie Äoften beS amtSgeridbtlidhen Verfahrens" ber ©taatSfaffe 
nun ben Veteiligten auf. 


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A. in ©tnilfac^ert. 


45 


Oanj abgefeben oon ber oon ber ©ubfommiffion beS 
SReidbStagS an § 622 oorgenomntenen Stenberung fann bie Slm 
nähme b es notigen StidbterS fd;on unter 3ugrunbelegung beS 
©ntrourfS ju § 622 unb nad; bem mit biefem übereinftimtnem 
ben unb für baS ©ntmünbigungSoerfabren roegen ©eifteSfranf* 
beit geltenben § 601 ber ©ioilprojefjorbnung nidbt gebilligt 
werben. 

SDemt eS ift nicht juläffig, unter bem StuSbrucf „ftoften beS 
amt§gericE)tli(ben Verfahrens" etwas anbereS ju oerftei)en, je 
ita^bem bie ©taatsfaffe biefelben ju tragen ^at unb mieber 
etwas anbereS, menn biefelben bem ©ntmünbigten ober bem 
SlntragfteHer auferlegt roerben. 

SBenn aber ein nach § 595 3lbf. 1 jum Slntrag auf @nt= 
münbigung Veredbtigter ben Slntrag gegen einen ©eifteSfranfen 
gefteEt bot unb biefem Slntrag gemäfe bie ©ntmünbigung er= 
folgt ift, fo fann nic^t jweifelbaft fein, bafs ber ©ntmünbigte 
nicht blofj bie ©eridjtsfoften, bie £ offen ber 3eagen u . f. m ., 
fonbern audb bie Soften beS SlntragS felbft ju tragen b a *- 
Denn ber Slntrag, ohne roeldben nach § 593 Slbf. 2 unb § 621 
2tbf. 2 ßioilprojefjorbnung überhaupt feine ©ntmünbigung er= 
folgen fann unb melier eine Slngabe ber ibn begriinbenben 
S^botfadben unb bie Vejeidbnung ber ^Beweismittel enthalten 
fott, gehört notroenbig jum amtSgeridbtlicben Verfahren unb 
bie but<b ben Slntrag oerurfacbten ftoften gehören ju ben ftoften 
biefeS Verfahrens. 

©benfo fönnen bem ju ©ntmiinbigenben burdb bie nadb 
§ 598 oorgefdbriebene perfönlidbe Vernehmung ftoften entfielen. 

SBenn baS ©ericbt nadb § 601 Slbf. 2 bem SlntragfteEer, 
roeldben ein Verfdbulben trifft unb welcher einen mutwilligen 
Slntrag geftellt hat, bie ftoften jufdbeibet, fo ift fein ©runb 
erfichtlidb , warum biefer SlntragfteEer nur bie ©eridjtsfoften 
folle tragen muffen, nicht aber bie bem ju (Sntmünbigenben 
felbft fdbulbhafter SBeife oerurfacbten ftoften unb warum ber 
Sefstere auf ben Umweg cioilrecbtlicber ft läge oerwiefen fein 
foE, roäbtenb baS ©ericbt fdbon wegen ber 3eugengebi'tbren 
u. f. w. über bie Sßflid£>t jur Prägung ber ftoften unb bar* 


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46 ©ntfdjeibungett beS Dberlanbeägeridjt«. 

über ju entfcheiben hat, ob ben Slntragfteller ein 9Serfd£>ut= 
ben trifft. 

®afür, baff bie Äoften beS 2lntragS unter ben ju erftat-- 
tenben begriffen ftnb, !ann au<h auf bie SDlotioierung ber ©ub-- 
fommiffton f. ^afjn, Materialien jut ©ioilprozefforbmmg I ©. 
894 oerwiefen werben. @S würbe angeführt: ber ©hnrafter 
eineä non Stmtsioegen ju betreibenben Verfahrens, fowie bie 
Gtwägung, baf; burci) bie ©efahr ber Äoftenüberbürbung man= 
djer berechtigte Antrag zurücfgeljalten würbe, ^aben baju ge- 
führt, baS in § i aboptirte ^rinjip aufjuftellen. $ienacf) fann 
nicht bie Stbfid^t gewefen fein, gerabe bie Äoften beS Eintrags 
felbft unter allen Umftänben bem SlntragfteUer ju überbürben. 

©S ift fobann nichts aufserorbentlidheS , baff ber ©taats= 
faffe bie fioften beS SlntragftellerS auferfegt werben, benn im 
lanbgeridhtlichen Verfahren, in welkem 3lnwaltSjwang gilt, 
hat bie ©taatsfaffe unzweifelhaft bie Sofien ber (Gegenpartei 
unb ihres Anwalts ju tragen. 

2luS § 614 2tbf. 1 ber ßioilprojefeorbnung fann nichts (Gegen- 
teiliges gefolgert werben. ®iefelbe Veftimmung finbet [ich in 
ben Vorfdhriften über baS Verfahren in ©hefacben f- § 591, 
in welchem eS fich nicht um ben ©egenfafc eines amtSgericht= 
liehen unb lanbgeri<htli<hen Verfahrens ^anbelt. § 614 hat 
ben 3mecf, auSjubrüdfen, baff obwohl ber Staatsanwalt nur 
im öffentlichen Qntereffe auftrete, bennodf) bie ©taatsfaffe wie 
eine Partei bem ©egner bie Äoften ju erftatten habe unb baff 
ber ©taatsfaffe unb nicht bem ©taatSanwalt bie Ä'often auf- 
erlegt werben foUen. 

4>ienadf) hat auch im amtsgerichtlichen Verfahren bie ©taatS= 
faffe, wenn ihr bie Äoften auferlegt werben, bie ben am Ver- 
fahren ^Beteiligten erwachfenen ftoften ju tragen. ©S ift aber 
oollenbs im amtSgerichtlidhen ©ntmünbigungSoerfahren wegen 
Verfdhwenbung, nach ber oon ber ©ubfommiffion oorgenomme- 
nen Slenberung, wornadh bie ©taatsfaffe nid^t mehr beteiligt 
ift, ein SlnhaltSpunft zu einer Unterfdheibung zwifchen ©erichts= 
foften unb ben ben Veteiligten erwachfenen Äoften nicht oor= 
hanben. 


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A. in &ioilfa$en. 


47 


@twa8 2lnbere<3 ergibt fid) auch nicht aus bem ^Sringip 
be8 Dfjästaloerf ährend. ®urtf) biefeö foHtc bie ÜRitwirfung ber 
beteiligten am berfahren nicht au3gef<hloffen unb fein fumma= 
rif<he3 berfahren eingeführt werben. 2)ie3 geht f<hon au8 ber 
borfchrift ber §§ 596 unb 597 ber Suntprojefjorbnung fjeruor, 
roornacE) ber 2lntrag bie Ingabe ber ihn begrünbenben £hat= 
fachen unb bie beseidmung ber bemeiämittel enthalten unb 
bad ©eri<ht unter benüfcung berfelben bie erforberlidjen ©r= 
mittlungen teranftalten foE. @8 ergeben bie berhanblungen 
ber Äommiffion, bafj bei ber hohen SBichtigfeit ber @ntmünbi= 
gung für ben baburch betroffenen auch im amt8geri<htli<hen 
berfahren bie audreidjenbfte berteibigung gegen ben Antrag 
pgelaffen fein müjfe unb e8 ift ba8 ©ertcht indbefonbere in 
bem @ntmünbigung8oerfahren wegen berfdjwenbung im wefenfc 
liehen lebiglidh an ba8 non bem 2lntragfteUer unb bem §u 
©ntmünbigenben beigebrachte SKaterial »ermiefen. @8 märe 
unjwecfmäfsig gemefen, bie ooEftänbige Srörterung ber ©a<h ; 
läge »or bem 2lmtägerid)t p erfdjmeren, roa8 burch äludfchlufc 
ber 6rfa|leiftung ber ben beteiligten erroadhfenen Äoften ge= 
fchehen mürbe, weil um fo geroiffer bie fraglichen Anträge im 
lanbgerM&tlichen berfahren gefteEt mürben. 

II. @8 ift aber auch bie Annahme nicht p biEigen, bah § 87 
ber (Lb-Sö. auf ba8 amtdgeridhtliche Sntmünbigungdoerfahren 
wegen berfchwenbung feine Sfaroenbung finben fönne. Qn bem 
erften buche bet (SioUprojehorbnung finb bie aEgemeinen be= 
ftimmungen oorangefteEt, welche für bie ^rojeburarten ber 
folgenben bücher p gelten hoben, foweit biefe feine abwei= 
«henben borfdjriften enthalten. ®a8 fechdte buch jweiter 2lb= 
fdpitt enthält bezüglich be3 amtdgerichtlichen berfabrend nur 
einjelne beftimmungen über bie Pflicht pr ftoftentragung unb 
hinfichtlich bed lanbgerichtlichen berfaljrend finb nicht einmal 
aEe $äfle ber Äoftentragungdpflidjt erfchöpft, fofern ber gaE, 
wenn bie 9lnfecbtung8flage gegen ben ©taatdanroalt gerichtet 
wirb unb biefer obftegt, nicht erwähnt wirb, ©onftige bor= 
fchriften bezüglich ber Äofienerftattung mürben ganj fehlen. 

@8 fagen auch bie 3Jlotiue pm cit. fünften Sitel be8 


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48 


Sntföeibungen be8 Dbetlartbe8geric§tä. 


©ntrourfS „2lber auch in biefer Sefdhränfung enthält ber fEüel 
nidht alle SSorfcfjriften beS GntrourfS über bie ißrojefjfoften, 
nielmebr finb sa^lreic^e ©pejialbeftimmungen beS 3 u i ammen; 
hangS roegen an ben betreffenben ©teilen beS befonberen üCeilS 
gegeben. Äoftenrec^ttid^e SSorfd^riften enthalten namentlich bie 
§§ 566, 574 beä ©ntrourfs, roeldhe bie gälle beS @h e: «nb 
(SntmünbigungSoerfahrenS regeln, in benen ber ©taatdanroalt 
als Partei auftritt unb unterliegt". 2Benn, roaS unjroeifelhaft 
ift, bie Sorfdhriften beS 5ten S^itel^, 2. Stbfc^n., 1. Such auf 
bie Soften beS lanbgerichtlichen ©erfahren? ju begehen finb, 
fo befteht feine Sßorfc^rift, baff fte für baS in bemf eiben 2lb- 
fdhnitt geregelte amtSgeric^tlic^e Verfahren auSgefdhloffen fein 
foHen. 

$Die grage fam fobann auch in ber Sommiffion beS 9leidhS= 
tagS ausbrücflidj jur Sprache. 3 U § 604 — § m beS 6nt= 
rourfS ber ©ubfommiffion — bemerfte ber Slbgeorbnete X^ito, 
f. .galjn, 1. c. II ©. 898 „er oermiffe eine Seftimmung roegen 
ber Soften in ber Sef<hroerbe=3nftanä. ©ntroeber fei bie aü- 
gemeine Seftimmung beS § 90 bei? ©ntrourfS f)itt anroenbbar, 
ober bie Seftimmung beS § i (§ 601 beS ©efefseS). SBenn 
in § m bejüglidh ber Soften nichts gefagt roerbe, fei eS nicht 
auSgefdhloffen, audh in ber Sefdhroerbeinftanj nach ber oon ihm 
prinzipiell mißbilligten Siegel beS § i ju entfdjeiben". ®er 
Sorftanb ber ©ubfommiffion erroiberte: „3)ie ©ubfommiffion 
fei baoon ausgegangen, bafj für bie Sefctiroerbe bie allgemeinen 
Seftimmungen beS § 90 gültig fein follen". Sine ©eftimmung 
über bie Soften mürbe hienach in § 604 nidht aufgenommen. 
©S herrfdhte aber ©inoerftänbnis barüber, bafj bie allgemeinen 
Seftimmungen beS § 90 beS ©ntrourfs jur Inroenbung ju 
fommen haben unb nicht § 601, roorin bie ainfcßauung ber 
ftommiffion über bie Slnroenbbarfeit ber allgemeinen Seftim= 
mungen ohne befonbern fMnroeiS auf biefelben auSgebriicft ift. 

©egen baS bisherige beweist audh ber SluSbrucf „Stecht^ 
ftreit" in § 87 nichts. @S ift hierunter nidht btofj baS orbent= 
lidhe fontrabiftorifdhe Verfahren oerftanben, fonbem audh bie 
^rojeburarten ber meiteren Sucher ber ©iuilprosefjorbnung. 


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A. in £iDtlfad)«tt. 


49 

Sluch bei bem amtägerichtlidhen berfahren liegt ein ÜRedjtSftreit 
not, inbetn wiberftreitenbe Qntereffen im SBege gerichtlichen 
berfahrenö jur ©eltung gebraut werben. $ieju ift ju uer= 
weifen auf § 3 unb 14 be§ ®inführung£gefe|se£ jur ©ioilpro= 
Zejjorbnung, § 13 be$ ©erichtaoerfaffungSgefefteS, § 2 unb 3 
beö ©inführung£gefe|e<S £)ieju , auf bie Sluffdhriften be$ ©e- 
ridhtöfoftengefejjeö unb ber SlnwaltSgebührenorbnung „©ebühren 
in bürgerlichen 9ie<ht3ftreitigfeiten", worin auch SSorfd^riften 
über bie Äoften be£ amtsgerichtlichen ©ntmünbigungsoerfahrenS 
enthalten finb, f. § 34 be£ ©eridhtäfoftengefefjes unb § 33 beö 
©ntwurfs ber 9te<ht3anwaltSgebühren=0rbnung. 

©ine Partei im ©inne bes EontrabiEtorif<f>en Verfahren! 
ift jwar nidht oorljanben, wohl aber in bem ©inne, bafj jwei 
©egner einanber gegenüber ftehen, oon benen ber eine ober 
ber anbere je nach bem luSgang beS berfahrenS bie Äoften 
ju tragen hat. ®ie beteiligten finb in ber ©ubfommiffion 
auch als Parteien bezeichnet worben, inbem ein Slbgeorbneter 
bemerfte: „ber begriff Dfftjialoerfahren enthalte boch nicht 
mehr, als baß ber Stifter bezüglich ber beweiSerhebung nidht 
an bie Anträge ber Parteien gebuuben fei". 

$iena<h h“t audh im amtsgerichtlichen ©ntmünbigungS* 
»erfahren ber ©runbfafc $la| ju greifen, baß ber Unterliegenbe 
bem Dbfiegenben bie zur jwecfentfprechenben SiechtSoerfolgung 
ober 9le<htSoerteibigung notwenbigen Äoften ju erftatten hat- 
$ieju gehören bie ©ebühren unb Auslagen beS beigezogenen 
bechtSanroaltS {ebenfalls, SReifetoften infoweit, als bie 3ujiehung 
notwenbig war. ©. hieju bie 2leufjenmg oon StmSbergS bei 
$ahn I ©. 1107, ©euffert, ©omm. ©. 691; blätter für s Jtecf)tS= 
anwenbung b. 47 ©. 209; ©aupp, ©omm. p § 622; Daube, 
©ntmünbigungSoerfahren ©. 33. 

III. @S ift anzunehmen, bafj für bie zu ©ntmünbigenben 
bie 3u§iehung eines SlnwaltS geboten war. ©ie felbft waren 
nidht im ©tanbe, baS zur 2Biberlegung ber behauptungen 
beS 9lntragS unb baS z“ ih rer berteibigung nötige SRaterial 
beizubringen unb bem ©eridht in braudhbarer gorm »orzulegen. 
Die Slntragfteller hatten einen Anwalt mit Durchführung beS 

CJabrb 4er b. SBürttembg. iHedjtöpflefle. I. 4 


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50 


®ntf$eibungen b ti DberlanbeägeridjR 


Slntrag« beauftragt, ©« ^anbette fi<h um ein gröfjere« S5etoet^= 
»erfahren, bei meinem auch ber gegnerifcfte Slnwalt, wie an= 
junebmen mar, erfdjien. ©in bei bem 2lmt«geri<ht Siagolb 
pgelaffener Anwalt aber ftanb ben p ©ntmünbigenben nicht 
p ©ebot. $iena<h fönnen bie Steifefoften be« pgejogenen 
Anwalt« nid^t beanftanbet werben. 

IV. 2Ba« bie ©ebübren beleihen betrifft, fo ift bie Pro-- 
sefjgebübr nicht angefochten. 3m übrigen lautete ber § 23 
be« ©ntwurf« ber 9te<ht«anmalt«gebübrenorbnung babin : „brei 
^ebnteile ber in ben §§ 13 bi« 18 beftimmten ©ebübren er= 
hält ber pm projehbeoollmäcbtigten befteUte 9?echt«anmalt, 
wenn feine $bätigfeit betrifft: 1) bie im ©ericbt«foftengefeg 
§ 27 Sir. 1 ; § 34 Sir. 1, 2 ; § 35 Sir. 2, 4; § 47 Sir. 1—12 
bejepneten 2tngelegenbeiten ; 2) bie 3wang«oollftre<fung. 

5Da« ©eri<ht«foftengefeg enthielt nadb feiner älteren gaf= 
fung in § 34 Sir. 2 bie ©ebübr für bie Anträge auf ©ntmün= 
bigung ober SBieberaufbebung ber ©ntmünbigung , foroeit bie 
2lmt«geridbte pftänbig finb. ®ie SJiotioe p § 23 ber 9lecbt«= 
anwalt«gebübrenorbnung bemerfen: „ber ©ntrourf pble eine 
9teibe oon gälten auf, in welchen eine §erabfegung ber ge= 
wohnlichen ©ebübren ber §§ 13 bi« 18 auf brei ^ebnteile 
erfolgen foUe. ®iefe SDiinberung bejiebe ficb nur auf bie £öbe, 
fo bah i* nach bem ©ange be« Projeffe« jebe Slrt ber @e= 
bübren in Slnwenbung tommen fönne". 

Mein bie Stommiffion be« 5teicb«tag« befeitigte in § 23 be« 
©ntwurf« bie Zuführung be« § 34 Sir. 2 be« ©erid)t«fofienge= 
fege« unb bie« würbe bei ber münblicben ©ericbterftattung im 
3teicb«tage f. Prot. oon 1879 S. 912 bamit begrünbet, „bie 
Slenberung, bie hier p bemerfen fei, beftebe in ber Streichung 
ber 3iffe* 2 be« § 34. $er SBegfaH biefer Ziffer bejwede eine 
Streichung be« fog. @ntmünbigung«oerfabren« , welche« al« 
nicht in bie niebrigen Säge be« Paragraphen einbegriffen oon 
ber ßommiffion erachtet unb beg^alb hier weggelaffen fei". 

®er Mtrag ber Äommiffion würbe angenommen unb ba« 
©efeg enthält bie Ziffer 2 be« § 34 @.Ä.©. nicht mehr. 

Semgetnäfc bemerten bie ©ommentare: in biefem gälte 


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A. in Ghülfadjen. 


51 


erhalte alfo ber StedhtSanroalt bie uotten ©ebüljren f. SBalter, 
SiedhtSanrnaltSgebührenorbnung ©. 119; BJteper ©. 51; ^ßfafs 
ferot ©. 42; SBillmoroSfp, Somm. jur ©inilprosefjorbnung ©. 
775 ju § 601. 

@3 ift nun audj nidht §u beanftanben, bajj bem 3tedht3= 
anroalt, welcher ben 2InttagfMer ober ben ju ©ntmünbigenben 
bei ber Slufnahme ber 33eroei3mittel nertreten i)at, ber ©afc 
beS § 13 $iffer 4, alfo bie halbe ©ebüljr jufteht, ba baS SBer= 
fahren nach § 597 2lbf. 1 unb 4, § 621 Slbf. 3 ein 33etoei3= 
aufnahmenerfahrcn im ©inne beS cit. § 13 ift. 

dagegen fennt bie Gtuilprojefjorbnung in bem amt3gericf)t= 
liehen ©ntmünbigungSnerfahren eine münbliche SSerhanblung 
nidht, auch nicht fafultatin. hieran tann auch ber Umftanb 
nichts änbern, wenn ber dichter eine münblidhe 33erhanblung 
anorbnet. @S fann baher bie ©ebtihr für eine münblidhe 33er= 
hanblung nidht fßla| greifen unb es muff ber ©afc ber 9Jto= 
tine , baff je nach bem ©ange beS fßrojeffeS \ e b e 2lrt ber 
©ebühren in Slnroenbung fommeit tonne, auf bie übrigen 3iff e * n 
beS § 23 StedhtSanroaltSgebührenorbnung bezogen merben, fo= 
roeit bei biefen eine münblidhe Serljanbtung uortommen fann. 

|jienad& mar bie 33efcf)roerbe ber SlntragfteÜer gegen ben 
amtSgeridhtlichen Hoftenfefife^ungSbefdhlufj f)infidhtlid^ ber burdh 
biefen jugelaffenen ©ebiiljr für bie münblidhe Serhanblung 
begrünbet. 

Y. ®ie Höften beS ^eftfe^ungSoerfahrenS finb nidht ein 
Seit ber Höften beS ©ntmünbigungSnerfaljrenS. ©rftere finb 
non festerem unabhängig f. ©euffert Slrdhin 33b. 41 ©. 357. 
Stuf bie Höften ber geftfefcung finben bie §§ 87 ff. ©itilpro-- 
jefjorbnung Slnroenbung. ®a beibe 5Teile teilroeife obfiegen, 
teilmeife unterliegen, fo finb bie Höften nerhältniSmäfjig ju 
teilen. 

©ntfdfjeibung beS I. ©inilfenats beS DberlanbeSgerichtS 
in ©adhen ber ©na 6ath- ®. c. 3lnna SJfaria SB. nom 
14. Januar 1887. 


4 * 


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52 


©niföetbuitgtn beä Obertanbe$gertd>t«. 


L 

(fntfdjeiiiungen bes B. ®berlanbeageridjts. 

B. 3« ©traffadljen. 

1 . 

Äönnen bie in ^weiter Qnftanj bern Sfcbenfläger erwad&fenen 
notwenbigen Auslagen bem Slngeflagten aufgebürbet werben, 
wenn biefelben burdf) eine nur non bet ©taat«anroaltfdf)aft, 
wenn aud^ ju (fünften be« leiteten, oljne ©rfolg eingelegte 
Berufung entftanben finb ? 

©tr.ip.D. § 437. 2lbf. 1. § 503. 3tbf. 1. § 505. 2lbf. 1. 
©tr. ©enat 7. Oft. 1885. U. ©. g. 31. Ä. in 31., wegen 
Beleibigung. s Jtr. 236. n. 1885. 

„S)urd(j ba« angefod&tene Berufung«urteil ift bie non ber 
©taat«anwaltfdl)aft ju ©unften be« 3lngeflagten eingelegte Be- 
rufung nerworfen unb im ftoftenpunfte erfannt worben, baß 
ber Slngeflagte bie bem s Jtebenfläger erwachsenen notwenbigen 
SluSlagen ber ^weiten 3nflanj ju erflatten Ijabe, unb im fibri* 
gen bie toften be« ©erfaßten« sweiter Qnftanj auf bie ©taat«= 
faffe übernommen werben. ®ie ©taat^anwaltfc^aft |at gegen 
biefe« Urteil, foweit burcl) baöfelbe bem Slngeflagten bie Ber= 
pfftd&tung auferlegt wirb, bem Dtebenfläger bie biefem in ber 
jweiten ^nftanj erwachsenen notwenbigen 3lu«lagen ju erftatten, 
fSenifion ju ©unften be« Slngeflagten eingelegt. — 

Bon bem Berufungsgericht wirb biefer f£eil feiner ©nt= 
Reibung bamit begrünbet, bajj 3. ©• 21., nadf)bem er in erfter 
Snftanj gewefen, burcl) bie ©inlegung ber Beru= 

fung feiten« ber ©taatSanwaltfd&aft o£)tte ©eitere« in bie 
Stellung eine« Stebenfläger« eingetreten fei unb at« fold&er 
bie Stedfjte be« ißrioatflägerS, fomit audf» nach § 503. 3lbf. 1. 
ber ©t.^.D. ben 3lnfprucf) auf @rfa| feiner (notwenbigen) 


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B. in Straftaten. 


53 


Auslagen gegenüber bem oerurteilten Slngeflagten habe. — 
®ie 9let)ijron toirb barauf geftüfct, bah jener SluSfprucb bie 
Rechtsnorm beS § 505. ber ©t.^5.0. terlefce, ttonadj bie Soften 
eines erfolglos eingeiegten Rechtsmittels benjenigen treffen, ber 
baSfelbe eingelegt ^at. 

®ie Sitten ergeben, baf? bie Berufung nur ton ber ©taats« 
anroaltfdjaft, nicht auch ton bem Rngellagten felbft, eingelegt 
ttorben, unb bafs ber jur |muptoerbanblung gefabene Sieben« 
tläger im Beiftanb eines RedjtSanroaltS erfcfjienen ift. öS wirb 
mit Recht nicht beftritten, bah bie bem früheren ißritatfläger 
unb nachberigen Rebenfläger burdj fein @rf<heinen in ber $aupt« 
oerljanblung tor bem Berufungsgericht unb babnreh, bah er 
jicb ^tebei bem ©taatSanroalt gegenüber, ber ju ©unften beS 
Ungesagten baS ^Rechtsmittel eingelegt hatte, eines RechtSan« 
toalts bebiente, erttachfenen Auslagen notroenbige unb nur 
burch baS Rechtsmittel ber ©taatSanroaltfchaft terurfachte 2luS= 
lagen ttaren. £)ie in bem angefochtenen Urteil auSgefprodhene 
©rftattungSpflicht beS Slngeftagten bagegen toirb ton ber Re« 
tifton in Slbrebe gefteHt. ©ie tann nicht, toie # tont Berufungs« 
gericht gefdhe^en, mit bem §. 503. 2lbf. 1. ber ©tr.fß.0. be= 
grünbet toerben. ®ie gemäfj § 417. Rbf. 3. unb §. 437. 2tbf. 
1. ber ©tr.Bt.D. auch auf ben Rebenfläger anttenbbaren Be« 
ftimmungen beS § 503., wonach in einem Berfahren auf er« 
hobene fßrioatflage ber Verurteilte auch bie bem Vtitatfläger — , 
ber Vritatfläger auch bie bem nicht terurteilten Befdhulbigten 
erttachfenen nottoenbigen Auslagen ju erftatten hat, beruhen 
auf bem ©ebanfen, bah bie Vritatflage fidh toefentlich bem 
Eioilprojeh nähere, in trelthem bie unterliegenbe Partei bie 
Äoften beS RechtSftreiteS ju tragen unb inSbefonbere bie bem 
©egner erttachfenen Äoften ju erftatten hat, fotteit biefelben 
jur jtoec!entfpre«henben RechtSterfolgung ober RedjtSrerteibi« 
gung notttenbig ttaren (Sit.^.O. § 87). ®iefe Beftimmungen 
fefcen alfo, ttaS im Verfahren ber höhnen ^nftanjen nicht 
immer ber $aH ift, torauS, bah ber ^rhmtfläger unb ber Be« 
fchulbigte es ftnb, toelche als ©egner fi<h gegenüberftehen. 
3)ieS trifft aber nicht ju, ttenn, wie hn gegenwärtigen gaHe, 


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54 


®ntfdjeibuitgen be8 D6erlanbe«gerid)t» 


bas besi'tglidje 93erfaßren blofj oon ber ©taatSanroaltfdßaft an= 
geregt roorben, unb formt bie ©ntfteßung ber weiteren SluS- 
lagen für ben bisherigen ^rioatfläger nur auf ißr ©ingreifen 
jurüdsufüßren ift. § 503 finbet roenigftenS ßinficßtlid) f o l cß e r 
burd) ein ^Rechtsmittel oeranlaßter Soften, bejießungSroeife 
notroenbigen SluSlagen feine Stnrocnbung. ©in §aH roie ber 
oorliegenbe fann nur nacß SJlaßgabe beS § 505 2lbf. 1 ber 
©t.lß.O. entfdjieben werben. Sßenn nun ßier beftimmt wirb, 
baß bie Soften eines erfolglos eingelegten ^Rechtsmittels ben= 
jenigen treffen, ber baSfelbe eingelegt ßat, — baß, wenn baS 
^Rechtsmittel non ber ©taatSanroaltfcßaft eingelegt war, bie 
bem 33efcßutbigten erroacßfenen notroenbigen Auslagen ber 
©taatsfaffe auferlegt roerben fönnen, — unb baß, roenn baS 
^Rechtsmittel teilroeifen ©rfolg hatte , baS ©ericßt bie Soften 
angemeffen oerteilen fönne: fo laffen aH’ biefe 33eftimmungen 
erfennert, baß bie ©trafprojeßorbnung au<ß bei ißten formen 
über bie Soften oon SftedjtSmitteln oon bem ©tunbfaß auSgeßt, 
baß bie Soften oon bemjenigen getragen roerben foUen, roelcßetn 
ßinficßtlidj berfelben ein SSerfcßulben jur Saft fäEt. föiernad) 
aber läßt fi<h ntc^t anneßmen, baß Soften eines nur oon ber 
©taatSanroaltfcßaft, roenn aueß $u ©unften beS 93ef<hulbigten, 
oßne ©rfolg eingelegten StecßtSmittelS bem leßteren aufgebürbet 
roerben fönnen; unb bieß muß aueß oon notroenbigen SluSlagen geb 
ten, roelcße einem Stebenfläger bureß ein folcßeS ^Rechtsmittel 
erroaeßfen finb. ©ine Seftimmung, baß folgen pattes bie bem 
Slebenfläger erroaeßfenen notroenbigen Auslagen gleich ben 
bem 93efcßulbigten erroaeßfenen ber ©taatSfaffe auferlegt roerben 
fönnen, ift nicht gegeben, ©ine auSbeßnenbe Auslegung ber 
bie notroenbigen SluSlagen beS SJefcßulbigten betreffenben S8e- 
ftimmung aber, roonadß biefelbe aud) ju ©unften eines Siebern 
flägerS angeroanbt roerben fönnte, ift nicht ftattßaft, roeil, roie 
bet ©traffenat bei einer früheren ©ntfdjeibung (roürttb. 0e- 
richtsblatt S3b. XIX ©. 395 ff.) auSgefüßrt ßat, bie ©traf: 
projeßorbnung bie einer Partei erroadjfenen SluSlagen bloß 
auSnaßmSroeife in ben SreiS ißter formen gejogen hat. 
demgemäß berußt baS Urteil, foroeit eS ben angefodßtenen 


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B tn ©ftaffad^ett. 


55 


Slu«fpruch enthält, auf einer Verlegung be« § 505 ber ©t.iß.0. 
unb ifl baher infoioeit unter llebernahme bet Äoften be« Stecht«* 
mittel« auf bie R. ©taat«faffe aufzuheben." 


2 . 

1. enthält ein nach ©inreidjung ber Slnflagefdhrift com 
Verteibiger geteilter Slntrag, einen Slngefdjulbigten aufcer Ver* 
folgung }u fefcen, eine Verteibigung im Voroetfahren im 
©inne ber ©ebitfytenorbnung für 9ted)t«amoäIte § 67? 

2. 3ft eine foldje auch in ber gleichzeitigen ©rflärung, be* 
pglidj ber übrigen 2lngefd)ulbigten eine« Slntrag« fidj ju ent* 
halten, ju finben? 

©ebührenorbnung für Stecht«amoälte §§ 67. 72. 

©tr.©enat 9. Januar 1886. U. ©. g. $. 21- ©4- »on 
.£>. unb ©en., wegen Staub«. Sir. 829 non 1885. 

„®er Vefdjwetbeführer fyat, nach ©inlauf ber nach bem 
©d»luffe ber Vorunterfuchung eingereichten Slnflagefdhrift jum 
SBerteibiger ber oier Slngefdhulbigten beftettt, nach erhaltener 
Slfteneinficht cor Raffung be« VefdE)luffe« über bie ©röffnung 
be« .^auptoerfahren« eine ©ingabe bei ber ©traffammer ein* 
gereicht, in welcher er ben Antrag, bie Slngefdhulbigte iß. SB. 
aufjer Verfolgung ju fefcen, fteHt unb begrünbet, bezüglich ber 
brei anbem Slngefdhulbigten aber eine« Antrag« fid) ju ent* 
halten erflärt. $iefüt fpricjjt er, geftüfet auf § 67 $iff. 8 
unb § 72 bet ©ebührenorbnung für Stecht«anwülte, eine ©e* 
bühr non 30 3R. an. — ®ie ©traffammer hat biefen Slnfpruch 
für unbegrünbet erachtet, weil bie bejeid^nete Xhätigfeit nid^t 
al« eine — nach § 67 ber ©ebührenorbnung zu oergütenbe — 
Verteibigung im Voroerfahren, at« welche« mit bem Slbfchluj} 
ber Vorunterfuchung, beziehung«weife ber ©inreichung ber Sin* 
flagefdhrift beenbigt toerbe, fonbern nur al« eine für ba« Jpaupt* 
oerfahren oorbereitenbe unb baher nicht befonber« in Stedhnung 
ju nehmenbe SChätigfeit fich barfteUe, für bie nur, fall« e« zu 
einer ©röffnung be« Zpauptoerfahren« nicht fommt, eine 2IuS* 


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56 


(Entf^etbungen beä DbetlanbeSgeri$t8. 


bilfbgebiibr ttadj § 89 ber ©ebübrettorbnung in Slnfafc gebraut 
werben fönnte. — ®iefe luffaffung fann nidbt als bem ©efefc 
entfprecbenb angefeben werben. ^nbem j,ie ©trafprojefjorb; 
nung gwifdjen Soroerfabren unb #auptoerfabren unterfcbeibet 
unb bie in ben §§ 201 unb 205 oorgefdbriebene ©ntfcbeibung 
als ben „Sefcblujü, burdb welchen bab |>auptoerfabren eröffnet 
wirb", bezeichnet, erflärt He biefelbe für ben ^Beginn beb |>aupt= 
»erfahrend, unb, ba fie eine bejonbere Benennung für ben 
äbfdbnitt beb 33erfabrenb jroifdbcn ber nach ftattgebabtem oor= 
bereüenbem Verfahren erfolgten ©rbebung ber Staffage, be^ie- 
bungbweife jwifchen bem ©dbfuf? ber SBorunterfudbung unb ber 
Eröffnung beb #auptoerfabrenb nidE>t bat, fo mu| eine xbätig= 
feit b es SBerteibigers, welche in bie 3eit oor biefer ©nfdlieibung 
fällt, alb im SSoroerfabren »orgenommen um fo mehr gelten, 
alb infolge ber SBeftimmungen beb § 195 2lbf. 2, § 199 3lbf. 
1 unb 3 unb § 200 ber ©t.lß.D. burdb bie ©inreicbung ber 
Staflagefdbrift gemäfj § 197 ober ben ©cfjluf 5 ber Worunter* 
fucbung gemäf? § 195 Hbf. 1 unb 3 eine wirflidbe Seenbigung 
beb syoroerfabrenb ni<bt mit rechtlicher Siotwenbigfeit berbei= 
geführt wirb, ©ine weitere erhebliche ©tüfce finbet biefe 3tab= 
legung in ber Seftimmung beb § 250 Stbf. 2 ber ©tr.iß.D., 
wo bie „©röffnung beb ^auptnerfabrenb" unb bab „2ioroer= 
fahren" einanber gegenübergeftellt werben. $u einer entgegen^ 
gefegten Sluffaffung nötigt audb bab nidbt, bafc bei berfelben 
ein SBiberfprudb jwifcben § 142 unb § 140 lefcter 3lbfa| ber 
©t.fß.D. gefunben werben fann. |iinfidbtlidb beb oorliegenben 
gaUb fommt itberbieb in betracht, bafj eine bie 3lbwenbung 
ber ©röffnung beb £auptoerfabrenb bejielenbe %bätigfeit beb 
Serteibigerb nidbt aib eine lebiglidb für bab §auptoerfabren 
oorbereitenbe beurteilt werben fann, unb eine fotd^e in befon= 
berem SDlaße burdb bie ©rflärung ber SRotioe ju § 66 beb ©nt= 
wurfb ber ©ebübrenorbnung für UtedbtbanwäUe (= § 67 beb 
©efefseb) getroffen wirb, bafe bie SSerteibigung im Soroerfabren 
alb ein oötlig abgefonberter Zeit ber SC^ätigfeit eineb 5Bertei= 
bigerb angefeben unb fie bebbalb audb befonberb oergütet wer= 
ben mitffe. ®ie Slnwenbung beb § 89 ber ©ebübrenorbnung 


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B. in ©traffadjen. 


57 


auf einen $all non ber 3Irt beS gegenwärtigen aber erfchiene 
auch barum unptreffenb, weil biefetbe, wenn eine Verteibigung 
foroohl not ©inreichung ber 2lnflagefdfjrift, bejiehungSweife bem 
©dhlufc ber Vorunterfuchung, al« au<h na<h SJJitteilung ber 
SKnflagefchrift an ben 2lngefct>ulbigtett ftattgefunben hat, p $8e= 
wiHigung einer hoppelten ©ebühr führen würbe, was bem SBefen 
ber für baS Voroerfahren, roie bet für bas |>aupt»erfahten 
feftgefefcten ©ebühren als Vaufdfjgebühten wibetfpräche (»etgl. 
§ 70 unb SDtotioe p § 69 b. ©.). — ®ie angefprodjene 
©rhöhung ber ©ebühr bes § 67 3ff- 3 gemafj § 72 ber @e= 
bü^renorbnung enblidjj ift beö£)alb für begrünbet ju erachten, 
weil in bem betreffenben ©chriftfatse bie glaubhafte Verfidjerung 
bes VerteibigerS p finben ift, baff er auch bepglidf) ber 
gefdhulbigten ©dl)., 9t. unb §8. bie ihm mitgeteilten Uten in 
ber Stiftung geprüft habe, ob nicht Anträge p ftcffen ober 
©inwenbungen gegen bie ©röffnung beS .£>auptoerfahrenS oor- 
pbringen feien, — roonadh anpneljmen ift, bah auch im Vor= 
»erfahren mehrere Vefdfjulbigte burdh ihn als ihren gemein= 
fchaftlidhen Verteibiger »erteibigt roorben finb. 

®emgemäh ift ber erhobene ©ebührenanfprudf) in feinem 
»ollen Umfange als berechtigt anperlennen unb baher ber ein= 
gelegten Vefdjwerbe abphelfen". 

3. 

1. ©eftatten bie §§ 325 unb 326 ber ©t.iß.0. Verfü= 
gung »on VermögenSbefchlagnahmen audh nach einem rechte 
fräftigcn Urteil? 

2. Äann nach eingetretener 9teci)tsfraft beS Urteils eine 
redhtsroirffam »erfügte VermögenSbefchlagnahme nodh roirffam 
»olljogen werben? 

3. Sfi baS ©trafgeridht pftanbig, Verfügungen pr V o l U 
jiehung einer »on ihm »erfügten VermögenSbefchlagnahme 
p erlaffen? 

©tr.gl.D. §§ 325. 326. 495. 36. 

©tr.Senat 31. ®e$etnber 1883. U. ©. g. ©. V. »on D. 


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58 


Gntfdjeiburtgen beä C&erlanb«8gertdf)t8. 


unb 9 . 3- 3- V- »on £., je wegen Verlegung bet 2 Beßrpflicht. 
9tr. 250 non 1883. 

„®ie St. ©taatSanroaltfdßaft 91. befdjtoert fiel) gegen ben 
Vefcßluß ber $erienfammer beS bortigen SanbgericßtS als 
©traffamtner nom 14. ©eptbr. b. 33-, burdß melden ißr Ein- 
trag, baS im beutfd^en fReicß befmblicße Vermögen beS 3immer= 
tnannS @. V. Bon D. gemäß § 326 ber St.iß.D. mit Vefcßlag 
Zu belegen, unb ißt gleichzeitiger Stntrag, behufs beS Vollzugs 
ber unter bem 17. 2lpril 1882 Berfiigten, aber noch nicht oolk 
jogenen Vefdjlagnaßme beS SRuttergutS beS ©teinßauerS 3- 3- V- 
Bon gemäß § 325 ber ©t.V-0. bie nach §§ 808, 810 2 lbf. 1 
unb § 730 ber ß.iß.0. erforberlid^ert weiteren Verfügungen 
ju erlaffen, abgelehnt tnorben ift. 

®ie 3uläffigfeit ber eingelegten Vefcßtnerbe läßt fuh un= 
geartet ber falultatioen Raffung jener §§ 325 unb 326 nicht 
bezweifeln, teils angefidjts beS § 346 Slbf. 1 ber ©tr.iß.0., 
fofern baS ©efeß Vefdßlüffe, welche auf ©runb ber genannten 
Veftimmungen ergehen, bezießungSweife bie Ablehnung folcher 
Vefcßliiffe einer Stnfechtung nicht entzieht, teils barum, weil 
mit bem ^Rechtsmittel ber Vefcßwerbe auch bie 2t n gern ef fern 
heit einer gerichtlichen ßntfdjeibung angegriffen werben fann. 

®ie 2 lblehnung ber angeführten 2 lnträge ift barauf ge= 
fließt, baß baS Urteil ber ©traffantmer Bom 17. Stprit 1882, 
welches jeben ber ©enannten wegen eines Vergehens ber Ver= 
leßung ber 2Behrpfticht — <5t.@.V. § 140 $iff. 1 — z u ber 
©elbftrafe non 400 9R. unb in bie Äoflen beS Verfahrens 
uerurtcilt hat, längft bie fRedßtSfraft befchritten habe, bie §§ 
325 unb 326 ber ©t.$.D. aber bie 3uläffig!eit einer Vefcßlag; 
nähme gegen einen 2 lngellagten nur für bie 3 eit tegele, eße 
ein recßtSfräftigeS ©rlenntnis Borliegt, unb, was ben 2lnge= 
llagten V. betrifft, bie gerienlammer als ©traffammer mit 
fRüdfidßt auf § 495 ber ©t.iß.0. zur Ülnorbnung einer Vefdßlag; 
nähme nicßt gitftänbig erfdßeine, in Vezießung auf ben 2lnge= 
flagten V- aber angenommen werben muffe, baß bie in jenem 
Urteil gegen benfelben erlaffene Vefdßlagnaßme, wenn recßtS= 


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B. in ©traffad>en. 


59 


roirffant t> er fügt, nach eingetretener 9le<htsfraft beS Urteils 
boch nid^t mehr roirffant oolljogen roerben fönne, fofern fie 
beim SBegfaH ber SSorauSfefcungen ber §§ 325 unb 326 ber 
©t.$.D. einer gefepcfjen ©runblage entbehre, baff übrigens, 
felbft roenn biefe SSeftimmungen an ftdj anroenbbar roären, bie 
beantragte SMjieffung ber 33ef<htagnahme beShalb unjulüffig 
erfd)iene, roeü bie nach § 325 mafsgebenben ©runbfähe ber 
©ioilproäefjorbnung (§ 796 ff.) ju ber 2lnnaf)nte nötigen, ein 
SicherungS arreft fei überall ba auSgefdfloffen, roo, roie im 
oorliegenben $aüe, beim SSorffanbenfein eines ohne roeitereS 
Dotiftrecfbaren Urteils ber fofortigen 3n)angSnoHftrecfung, fpejieü 
berSBollftrecfungSpfänbung fein ^inberniS im SBege ftelje. 

®iefe Begrünbung ift irrig. 2lnjuerfennen ift, baft ber 
getnäfj § 480 ber ©t.$.£>. auf bie in § 140 beS ©t.®.23. »or= 
gefe^ene Befdjlagnahme anjuroenbenbe § 325 ber ©t.?p.D. 
feinem Sßortlaute nach, fofern er non ®ecfung ber ben 
Sttngefdjulbigten möglidjerroeife treffenben p^ften ©etbftrafe 
rebet, nur non einer nor ©rlaffung eines Strafurteils ober 
bocf) nor ©intritt ber SRedjtSfraft eines folgen ju nerfügenben 
39ef<hlagnahnte hanbelt, unb baff baSfelbe auch non bem burd^ 
feinen Inhalt auf ben § 325 prücfroeifenben § 326 ber ©tr. 
iß.D. gilt. StUein nid^t abjufehen roäre, roeShalb ber ©efe|= 
geber bloff infolange, als es möglidb erfd^eirtt, baff gegen 
einen Slbtnefenben ein auf ©elbftrafe unb toftenjufcheibung 
lautenbeS Urteil ergebe, bie Sicherung non beffen SMftrecfung 
foUte ermöglichen — , biefe Sicherung aber bann nicht foUte 
julaffen roollen, roenn roirf lieh ein foldbeS Urteil gegen bem 
felben ergangen unb recfjtsfraftig geroorben ift, roäbrenb bodj 
auch ^iefiir — ber rechtlichen 3?oHftre<fbarfeit ungeadhtet — 
ein BebürfniS norliegen fann unb inSbefonbere in folgen fällen 
norliegt, in roeld&en entroeber eS jur 3«t an einem ©egenftanb 
für eine 3roangSooIlftrecfung überhaupt fehlt, ober alsbalbige 
Bornahme ber 3^angSnoIlftrecfung nicht ausführbar ift (etroa 
roegen UnfenntniS beS DrteS, roo ein foldjer ©egenftanb ftbh be= 
finbet) , ober als nicht angemeffen fich bar ft eilt, fofern fie 
roegen im $aH einer 3™angSoeräu§erung ju befürchtenben 


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60 


©ntfdjeibungen be« DberlanbeSgeridjt*. 


unoerhältniSmäßigen Minbererlöfes bem I^ntereffe ber forbe= 
rungsberechtigten ©taatsfaffe roiberfpräd^e ober für ben Sta= 
gesagten eine empfmbtidje .gärte enthielte. ®ie gemähte 
Raffung lägt fid; füglich barauS erflären, baß ber ®efe|geber 
auf @runb ber ©rwägung, baß eine Sefchlagnahme um fo 
eher ausführbar fein werbe, je weniger weit baS Verfahren 
gegen ben Slbwefenben oorgefchritten ifi, als ben regelmäßigen 
$eitpunft biefer Maßregel bie 3«t oor ergangenem Urteil 
in’S Sluge gefaßt unb mit 9tüdfid)t hierauf, wie er in ben 
SBorten „möglicherweife treffenben hofften ©elbftrafe" gethan, 
einen Maßftab für ben Umfang ber jugelaffenen 33efdhlagnaf)me 
hat beftimmen müffen. hiernach erfdjeint bie Sinnahme begrüw 
bet, baß ber § 325 lebiglidh ju eng gefaßt fei. UebrigenS 
fpridht für bie Auslegung, baß bie §§ 325 unb 326 bie 5Ber= 
fügung oon 33efcf)lagnahme auch na ch einem re^tsfräftigen 
Urteil geftatten, außerbem ber Umftanb, baß baSjenige Mit; 
glieb ber ^uftijfommiffton bes ffteidjstags, auf beffen 9ln- 
trag bie Seftimmungen ber §§ 325 unb 326 jurücfjuführen 
finb, felbft auch — unb jwar ohne 2Biberfpru<h ju ftnben — 
oon einer 33efchlagnahme jur Sicherung einer erlannten 
©elbftrafe rebet (£ahn, Materialien jur ©trafprojeßorbnung, 
2. Slbtlg. ©. 1480). 

inwiefern fobann ber bie 33 oll flr ecfung ber über eine 
aSermögenSftrafe ober eine 33uße ergangenen ©ntfcheibung be- 
treffenbc § 495 ber ©t.iß.D. bie 3uftänbigfeit ber ©traffammer 
jur Slnorbtiung einer nur zur Sicherung ber Urteils- 
oollftredung befiimmten unb führenben 33ef<hlagnahme auS= 
fließen, alfo bem geteilten Antrag auf 33efd)lagnahme gemäß 
§ 326 in ©ejiehung auf ben StngeHagten 33. entgegenfteßen 
foHte, ift nicht oerftänblicß, auch oon ber ©traffammer ni<ht 
begrünbet worben. 

SBeil fomit bie h*ofi<hHi<h biefeS Slngeflagten oon bem 
SBefcßmerbeführer beantragte Verfügung rechtlich nicht ju be- 
anftanben ift, unb, fofern bemfelben nach einem 3«ugniS feiner 
DrtSbehörbe ein SermögenSanfatt in SÄuSficht fleht, auch an ' 
gemeffen erßheint, fo ift bie bezügliche ©ntfcheibung aufzuheben 


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ß. in Straff ackert. 61 

unb burdj eine bem bieSfatlS geteilten Antrag entfpredjenbe 
ju erfefcen. 

®er Antrag, behufs beS Vollzugs ber gegen ben 2lnge= 
{tagten iß. unter bem 17. 2lpril 1882 oerfügten Vefchlagnahme 
feines VfuttergutS bie nach Maßgabe ber ©ioilprozefjorbnung 
erfor ber lieben weiteren Verfügungen ju erlaffen, fann nicht, 
wie gef d)eben, auS bem ©tunbe abgelebnt roerben, weil nach 
eingetretener StedjtSfraft biefe Vefchlagnahme infolge 2BegfaHs 
ber VorauSfefcungen ber §§ 825 unb 326 ber ©t.iß.D. 
einer gefefctichen ©runblage entbehre; benn eine Aufhebung 
ber oerfügten Vefchlagnahme, roeldfe im galt beS 2öeg= 
fallend i^reö ©runbeS erforberticb märe, bat nicht ftattgefunben, 
unb bieS mit Siecht, weil bem SluSgeführten zufolge burch ben 
©intritt ber StechtSfraft ber ©runb berfelben nicht roeggefaHen 
ift. — fDie Ablehnung beS 2lntragS . fann auch nicht burch bie 
Veljauptung gerechtfertigt roerben, baff bie nach § 325 ber 
©t.fß.0. mafjgebenben ®runbfä|e ber Sioilprojefjorbnung ber 
Verhängung eines ©icherungSarreftS roegen ber oorhanbenen 
StehitSfraft unb VoHftrecfbarfeit beS Urteils entgegenfiehen ; 
benn, felbft angenommen, eS wäre bieS ein ©ruttbfah ber 
©ioilproje|orbnung , fo fänbe er bo<h auf ben oorliegenben 
gaH barum feine Snroenbung, roeil nach § 325 ber ©t.iß.D. 
auf bie bafelbft oorgefehene Vefchlagnahme nur bie Veftim-- 
mungen ber ©ioilprojefjorbnung über bie Vollziehung 
unb bie 9B ir fun g en beS binglicfien 2lrrefteS entfprechenbe 
Slnroenbung finben. — ©leichtoohl ift bie bezügliche Ve= 
fdhroerbe ber ©taatSanroaltfchaft als unbegriinbet zu erachten, 
unb zwar beStjalb, roeil eS fich h‘nfiä)tli<b beS 2lngeflagten iß. 
nur um bie Vollziehung einer längft oom ©ericht oerfügten 
Vefchlagnahme haubelt, ^ux Vollftrecfung gerichtlicher @nt- 
fcheibungen aber nach § 36 ber ©t.fß.D. oon ber ©taats= 
anroaltfchaft baS ©rforber liehe z« »eranlaffen ift unb im 
|>inblicf auf bie eben bemerften engen ©renzen ber 3lnroenb= 
barfeit ber cioilprozeffualifchen formen über,3roangSooIlflrecfuug 
auf bie Vefdhlagnahmen im Verfahren gegen Slbroefenbe aus 
ben Veftimmungen ber ©ioilprojeßorbnung über bie $uftänbig= 


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62 


Gnt((f)eibungen beä Dberlanbeggericf|t3. 


feit für bie äfaorbnmtg eines StrrefteS, besiefeungSroeife für bie 
Pfänbung einer Sorberung bie 3uftänbigfeit beS S t r a f g e* 
r i cfe 1 1 ? jur @rlaffung ber non ber StaatSanroaltfdhaft bei ber 
Straffammer beantragten Verfügungen nicht feergeleitet werben 
fann. 

jpiernacf) ift ber eingelegten Vefcfewerbe in ihrem erften 
Seite ftattgugeben ; im jroeiten ift fie ju oerwerfen." 


4. 

1. Äann eine Uebertretung beS § 14 äbf. 2 beet 3mpf= 
gefefeeS burch Nichtbeachtung einer Slufforberung jur Impfung 
außerhalb ber im § 6 2lbf. 2 beftimmten 3«it begangen merben ? 

2. Äann in Sinetn Sabre roieberholt auf ©runb beS § 14 
3lbf. 2 gegen biefelbe Perfon Strafe oerbängt werben? 

3. Schliefet eine Veftrafung aus bem erften 2tbfafe beS 
§ 14 eine fpätere Veftrafung berfelben perfon aus bem jroeiten 
älbfafee biefeS Paragraphen aus? 

Sntpfgefefe nom 8. 2lpril 1874 § 14. Non bis in idem. 
Str.Senat 2. Slpril 1884. U.S. g. 3- P- in wegen Heber* 
tretung beS SmpfgefefeeS. 9tro. 79 non 1884. 

„SaS ^Berufungsgericht bat feftgefteüt, bafe ber 2lngef tagte 
ber ihm am 31. Dftober o. $S. jugefteHten Auflage beS 
DberamtS oorn 10. beffelben 9JfonatS, fein am 20. Suli 1880 
geborenes Äinb binnen jebn Sagen impfen ju laffen, nicht 
nachgefommen fei, raeil er ein ©egner beS SmpfettS fei; unb 
es bat auSgefprodhen , bafe berfelbe liefe feieburefe einer lieber* 
tretung im Sinne beS § 14 2lbf. 2 beS SmpfgefefeeS oom 
8. 2lpril 1874 fcfeulbig gemalt feabe unb beSfealb jur Strafe 
ju sieben fei. 

Ser SJtngeflagte bat ben UrteilSgrünben jufotge bie oon 
ihm eingelegte Berufung juoörberft auf bie ^Behauptung ge* 
ftüfct, bafe naefe § 6 beS SmpfgefefceS bie Slufforberung jur 
Smpfung nur in ber 3^it oom 3lttfang 9Jiai bis ©nbe Sep* 
tember jeben SafereS erfolgen bürfe, unb fefeon beSbalb bie an 


N 


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B. in Strafferen. 


63 


i^n ergangene 2lufforberung ber gefe$li<hen Berechtigung ent; 
behre. 3lffein ber angeführte § 6 fcfjreibt bie 2Bahl ber be= 
Zeichneten 3eit nur für bie oon bem ftaatlidh ju befteUenben 
3mpfarjt norjunehmenbe orbentlidje öffentliche Impfung oor. 
Der § 4 bei ^mpfßefe^eö/ meldet beftimmt, baff bie Impfung, 
wenn fie ohne geglichen ©runb unterblieben, binnen einer 
oon ber juftänbigen Beljörbe ju fefcenben griff nachzuholen fei, 
legt biefem feinem Wortlaute nach bielfalll ber Behörbe feinerlei 
Sefdhränfung auf, inbem er irgenb eine 3eit für aulgefcbloffen 
erflären mürbe; unb el liegt auch für eine foldje einfdhrän- 
fenbe ©efefjelaullegung überall fein ©runb oor, ba nach § 2 
bei ©efefjel ein gmpfpflichtiger, melier nach ärztlichem 3eug= 
nil ohne ©efafn für fein ßeben ober für feine ©efunbljeit 
nicht geimpft roerben fann, ber ^nipfung nicht zu unterziehen 
ift, fo lange biefe ©efahr befiehl. 

ferner hat ber 2lngeflagte bie Behauptung aufgeftellt, bafj 
bal Smpfgefefc, roelchel fich gufolge ber §§ 2 — 8, 10 unb 12 
immer auf einen jährlichen Durnul, bie Qmpfperiobe einel 
Sahrl, ftüfce, überhaupt nur höchftenl @ine jährliche Beftrafung 
beabftdjtige. 2ludh biefe Behauptung ift irrig. Bon ben ange= 
führten Paragraphen, inforoeit fie eine foldhe griftbeftimmung 
enthalten, hanbelt ber § 2 oon Untertaffung ber Impfung 
aul einem gefefclidjen ©runbe, bie §§ 3 unb 10 oon erfolglos 
gebliebener Impfung, § 6, mie bereite bemerft, oon ber orbent- 
lidhen öffentlichen Impfung, bie §§ 7 unb 8 2lbf. 2 fchreiben 
bie für bie Durchführung ber gmpfung, beziehunglmeife für 
bie Beauffidjtigung berfelben zu treffenben Slnorbnuttgen oor. 
2111’ biefe Paragraphen ftnb baher bei ber Berfcfpebenheit 
Zroifdhen ihrem Inhalte unb bem bei § 14 2lbf. 2, melier 
bie zur Snmenbung gebrachte ftrafgefe&lidje Beftimmung enthält, 
foroie bem jettel § 4, ber biefer zu ©runb liegt, nicht geeignet, 
bie oerfudjte einfehränfenbe 2lullegung bei § 14 2lbf. 2 zu 
rechtfertigen, unb biel um fo meniger, all biefe ber 2lbftdjt 
bei ©efefcel roiberfpräche, roelchel feinen SDtotioen zufolge burch 
bal allgemein fühlbar gemorbene Bebürfnil einer mir ff am eit 
Befätnpfung ber gefährlichen Blatternfranfheit h eroor ä eru f en 


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64 


Sntföetbungen b«8 D6erlanbe3gericf)iä. 


worben ift, uttb beffen § 4 non ben ÜJtotioen mit ber ©emerfung 
begrünbet wirb: 

„gür ben gaH, wo eine Qmpfung ohne hinlänglichen 
©runb unterlaffen ift, mar bie ©eftimmung ber lyrift ju beten 
Stadhholung bem ©rmeffen ber ©eljörbe oorjubehalten, welche 
in ber Sage fein mufj, einer etwaigen abftc&tlid&en Uebertretung 
ber gefehlten ©orfdjrift mit @ n t f <h i e b e nf) e i t ju begegnen". 

3ft hiernach anjunehmen, b afj bei fortgefefcter Steigerung 
gemäfj § 4 jur 3tad)^olung einer ohne gefefclichen ©runb 
unterbliebenen Impfung auch mehr als einmal im 3al)re 
eine ftrift gefegt werben fann unb foll, fo mufj audf) angenommen 
werben, bafj im $all ber Nichtbeachtung ber mit ber wieber= 
holten grift oerbunbenen Slufforberung gemäfj § 14. 2lbf. 2 
auch wieberholte ©eftrafung, wenngleich in einem Qahre, $u 
erfolgen h“t. 

®er ängeflagte h a t weiter gettenb gemacht, bafj feine 
Verurteilung auf einer Verlegung beö ©efefceg infofern beruhe, 
al£ bie ^Rechtsnorm, wonach wegen einer unb berfelben $anb= 
lung eine mehrmalige ©eftrafung nicht ftatthaft ift, nicht richtig 
angewanbt, bejiehungSweife aufier ©eachtung geblieben fei. 6r 
hat bieö burch bie Ausführung ju begrünben gefugt, bafj er 
wegen Uebertretung beS Smpfgefefceö bur<h oberamtliche ©traf= 
oerfügung oont 10/81. Dftober oor. 3$. beflraft worben, 
bafj feine Uebertretung aus einer ©inbeit ber fpanblung unb 
beS Stillens beftehe, unb eS nadf ben ©runbfäfcen beS ©traf= 
rechte unmöglich fei, ben wiberrechtlichen 3wftanb in oerfchie-- 
bene Sbfdhnitte ju zerlegen unb ihn, ben Angetlagten, wegen 
biefer nämlichen Uebertretung wieberholt jur ©träfe ju ziehen. 
Von einer Verlegung beS begegneten 9te<htSgrunbfabeS lann 
jebodh fchon barum leine Siebe fein, weil baS angefochtene 
©trafurteil unb bie biefem oorauSgegangene polizeiliche ©traf- 
oerfügung ÜeineSwegS eine unb biefelbe einen unb ben- 
felben gefehlten Shatbeftanb jum ©egenftanbe haben. $aS 
angefochtene Urteil beftraft ben Angeflagten aus § 14 Abf. 2 
beS ^mpfgefeßeS, weil er ohne gefehlten ©runb unb tro$ 
erfolgter amtlicher Aufforberung bie Impfung feineg ÄinbeS 


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B. in Straffadjen. 


65 


herbeizuführen unterlaßen ^abe ; bie «orljerige polizeiliche Strafe 
oerfügung aber hat ihn aus § 14 2lbf. 1 beftraft, weil er ben 
ihm als ©ater obliegenben UtachweiS ber erfolgten ober aus 
einem gefefcliC&en ©runbe unterbliebenen Impfung feines ÄinbeS 
ju führen unterlaßen habe. ®ie ihm jur Saß faßenbe Unter: 
laßung iß fonadj im erften 'gaße eine anbere, als im zweiten, 
unb bemgemäß iß bei berfelben auch bie jeher ju ©runb lie- 
genbe SBißenSrichtung eine oerßhiebene. @S fann auch bent 
©efefc gegenüber nicht non (Sinem wiberred&tlicben 3ußanb, 
inelcher burch eine zweimalige ©eftrafung auf unzuläfßge ©Seife 
in nerfchiebene 2lbf<hnitte jerlegt werbe, gcfprochen werben; 
benn, miß man baS Unterlaßen beS 2lnge!Iagten nach ber 
Sßirfung beSfelben in’S 2luge faßen unb biefe als einen 3u= 
ftanb bezeichnen, fo muß man non zmei burch bie beiberlei 
Unterlaßungen gefcßaßenen rechtSwibrigen 3ußärtben reben. 
®er erßeit ©eftrafung würbe ber 2lngeflagte auch bann n er- 
faßen fein, wenn bie Impfung feines ftinbeS nicht — , ober 
wenn fie aus einem gefefclidjen ©runb unterblieben märe, 
unb er lebiglich bie amtlich erforberte gührung beS SßachweifeS 
fchulbhaft unterlaßen hätte. ®ie bezüglichen ©orfchriften ber 
§§ 12 unb 14 2lbf. 1 bezwecfen unmittelbar nur, bie nom ©e= 
feß angeorbnete Ueberwadjung ber ©rfüßung ber gefefclidhen 
gmpfpßicht zu ermöglichen. SDie Uebertretung berfelben iß 
baher mit anberer, unb zwar leichterer ©träfe bebroht, als 
bie ßlidjterfüflung ber ^mpfpffidht felbß. 2)ie ©erfchiebenheit 
ber beiben Shatbeßänbe wirb baburch nicht aufgehoben, baß 
bie Unterlaßung ber 9ta<hweiSführung meiftenS aus ber Un= 
terlaßung ber gmpfpflichterfüBung mit 'Jlotroenbigfeit heroor= 
geht, noch auch baburch/ baß gemeiniglich beibe Uebertretungen 
in ber Slbneigung gegen baS gmpfen ober in bem SBiberßreben 
gegen ben Impfzwang, alfo in bem gleichen ©eweggrunb 
ihre Dueße haben. — $ie Slufßeßung beS ©efdjmerbeführerS, baß 
feine ©eftrafung aus bem 1. Slbfafc beS § 14 feine nochmalige ©e= 
ßrafung aus bem zweiten 2lbfafce biefeS Paragraphen auSfdjließe, 
erfcßeint auch aus bem weiteren ©runbe als unhaltbar, weil, 
wie auS ber ©orßhrift beS § 4 uitb weiterhin aus ber ©efamt- 
3a^rbücf)ft b. SBUrttembg. Ke^tbpfCege. I. 5 


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66 


(Sntfctieibungen beä D6ertanbe§geridjtä. 


heit bcr SBeftimmungen beS Qmpfgefe^eS unb beffcn ©ntftehungS= 
gefehlte fic^ ergibt (oergl. ©ntfcheibung beS ©traffenatS nom 
2. SDejember 1880 im mürttembergifcijen ©eridjtsblatt 33b. 
XVIII ©eite 285 ff.), felbft burch eine abermalige ©eflrafung 
eines 33aterS aus Stbfag 2 bei § 14 roegen Slicfjtbeachtung 
einer in 33ejie^ung auf ©in Äinb beSfelben auf ©runb beS 
gefehlten ©ebots roieberljolt an if»n erlaffenen amtlichen 2luf= 
forberung ber ©runbfafc, bah für eine unb biefelbe ftrafbare 
Jpanblung ober llnterlaffung nur einmal ©träfe erfannt werben 
barf, nicht oerlefct roirb. hiernach ift auch biefer Singriff hinfällig. " 


5. 

$ällt eine unfontroUierte SBeineiitlage eines SBirteS unter 
Slrt. 50 beS SBirtf^aftSabgabengefe^eS nur bann, wenn fie 
pm 3mecfe beS SluSfdjanfS erfolgt? 

©efefc »oni 9. iQuli 1827, bie SöirtfchaftSabgaben betreffend Slrt. 

50. 9. 15. 

©tr.©enat 30. ©eptember 1885. U.©. gegen ben ©djanb 
rairt 2)1. $. in ©t. 2lr. 234 non 1885. 


„Stach ben ©rünben beS angefochtenen SSerufungSurteilS 
ift als feftgefteUt p erachten, bah ber Slngeflagte in ber 3 eit 
oon $afobi 1884 bis in baS ©pätja^r 1884 nach unb nach 
in gortroirfung ©ineS ©ntfcEiluffeS neben orbnungSrnäfig ein= 
gelegtem unb pr 33 er ft euer ung gelangtem SBeine pm roenigften 
250 Siter aus einem beftimmten ßonfumoereinSlaben bezogenen 
Stotroein in fein ^auS eingebraiht ^abc , ohne benfelben bem 
©teuerbeamten pr Äontrolle p ftellen, unb baf? biefer »oH- 
ftänbig pr 33ertoenbung gefommene SBein non ihm nicht — 
roie er glauben machen wolle — auSfchliefflich für feine $rau 
unb ben fonftigen .{jwuShaltSbebarf bezogen, auch bah er roe= 
nigftenS pm Seil in ber SBirtfcfaft gegen ©ejahlung, unb 
jroar minbeftenS non 80 Ißf. für baS Siter, auSgefchenft toor= 
ben fei. 


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B. in Sitaffadjen. 


67 


35ie Sleoifton wirb auf Berlejmng beg 2Irt. 50 beg 2Birt= 
fdhaftgabgabengefefceg infofern geftüfct, alg gefefclidhe 33oraug= 
fefcung ber Sluroenbbarfeit biefeS »on bem Berufungggcridht 
jur Stnwenbung gebrauten ©traf gef e^eö bie thatfächlidhe ober 
beabfichtigte Beräufjerung unoerfteucrten Sßeing burdh einen 
Sßirt in feinem ©efdhäftgbetrieb fei, ber Unterrichtet aber mit 
StücE ficht auf bag Borbringen beg Slngeflagten, wonach biefe 
Boraugfejmng ber ©trafbarfeit nicht oorliege, einer beftimmten 
©ntfcijeibung biefer Beweigfrage fid^ nicht, roie er gethan, habe 
entziehen bürfen. @3 toirb auggefüljrt, bafj oom ©efefc mit 
Haren Söorten bie Boraugfefcung beg „Slugfdhanfg" aufgefieflt 
fei, unb ber gefefcgeberifdje gwecf ber betreffenben ©trafoor= 
fdhrift lebiglid) in ber Bertjinberung unbefteuerten SBirtfcljaftg; 
betriebe unb ©efdhäftgumfafceg befiele; ferner: baf? bie Be= 
rufung auf Slrt. 15 beg genannten ©efefceg unjutreffenb fei, 
roeil, abgefehen baoon , baff eine ©rljebung unb t^atfäc^lid;e 
geftftellung beg untgelbfreien $augbrau<hg gegenüber bem 2ln= 
gefragten überhaupt fehle, aber in jener Beftimmung bag an 
{ich felbftoerftänblidie ißrinjip, bafe bag ju ißrioatgenuf} tljat'- 
fädhlidh oerroenbete ©etränfe fteuerfrei fein foHe, auggefprodjen 
fei; enblidh: bafj bie Unhaltbarfeit ber Dledjtganficht beg Un- 
terridjterg aug ben Slugführungen erhelle, in welchen bie @r= 
mütelung beg oermeintlichen Slugfdhanfpreifeg oerfudht roerbe, 
nad)bem eine ©ntf Reibung ber grage beg erfolgten Slugfdhanfg 
überhaupt nidht erfolgt fei, unb baff bie Sinnahme eineg Sßreifeg 
oon 80 ipf., ju welcher ber Unterrichter nur auf bem SBege 
non ü)lutmafeungen unb aBahrfdheinlidhfeitgberechnungen gelange, 
feine genügenb fixere thatfächlidhe geftftellung enthalte, weg= 
halb bag Urteil audh in biefer Stiftung angefodhten werbe. 

®ag Serufungggeridht hat bem Slngeführten jufolge aller; 
bingg nidht feftgefleEt, ba§ ber Slngeflagte fämtlidhe in fein 
$aug eingebracljte 250 Siter Slotwein auggefdhenft ober jum 
3wecfe beg Slugfdhanfg eingebracht habe, «ab bennodh bei Be= 
meffung ber in ber „Äonfigfation beg Slugfdjjanfgerlöfeg" be= 
ftehenben ©träfe ben ganzen Betrag ju ©ruitb gelegt, ©g 
hat aber hieburdh nicht rechtlich geirrt. ®ie Behauptung ber 

5 * 


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68 


6ntf($eibungen beä D6erlanbeägerid)t«. 


fReoifion, b afj baä angeroanbte ©trafgefefc rtur bett auäfdhanf 
unoerfteuerten ©etränfeä ober beffen SJegug befjufä auäfdhanfä 
mit Strafe bebrohe, ift unbegrünbet. ®aäfelbe bebroht ohne 
jebcn befdhränfenben Seifag ben „SBirt, welcher ohne Söeifein 
beä acciferä SBein ober anbereä ©etränfe in fein $auä unb 
in feinen eigenen ober fremben fetter einbringt," unb fpridjt 
erft bei SSeftintmung ber Strafe, welche eä, je nacfjbem ber 
2Sein bereits auägefdhenft ober nodj oorhanben ift, oerf<hie= 
ben feftfefst, oon auäfdhanf beä ©etränfeä. 3)aff gleichwohl baä 
©inbringen oon SBein oon feiten eineg SBirtä, roenn unb fo= 
roeit eä gu feinem ober feiner Singet) origen ^rioatoerbraudb 
erfolgte, nicht unter eine ber fraglichen Strafbrofjungen falle, 
fann nicht angenommen werben. 6ä fleht bem entgegen fctjon 
ber S^aratter ber begiiglidhen SSorfdfjrift , burdh roeldbe bie 
oom ©efefc oertangte „genaue Kontrolle" ber SBeineinlagen ber 
äßirte ermögtidht unb fo Steuergefäljrbungen begegnet roerben 
fott, unb bie ©rwägung, baff folcfjen ££)tir unb Zfyox geöffnet 
märe, roenn bie Sluffaffung beä ©efdhroerbefiihrerä bem Sinn 
beä ©efefceä entfprädje, fobann aber inäbefonbere ber art. 15 
beä 2BirtfdE)aftäabgabengefe§eä , roonadh ber $auäbraudf) eineä 
SBirtä an SBein, foroie ber gewöhnliche abgang oom Umgelb 
freijutaffen ift, auä welcher Sfeftimmung folgt, bafj baä auä- 
gemittelte unb feftgefefcte 33la§ beä fogenannten |iauäbraudhä 
bereitä bei ^Berechnung ber Steuer beriicffidhtigt roirb, unb 
fomit ein SBirt nicht berechtigt fein fann, gum ^rioatoerbraudh 
beftimmten SBein ber Kontrolle gu entgiehen. ®aä Serufungä- 
geridht hat überbieä, inbern eä in feinen Urteilägrünben ange= 
führt hat, baff ber angellagte in bem betreffenben 3eitraume 
(fonftigen) SBein orbnungämäjfig eingelegt habe, unb baff ber 
wegen guläffigen |muäoerbtauchä gu bemefjenbe abgug fchon 
ooUftänbig oon bem fontrollierten ©etränle beä angeftagten gu 
machen geroefen fei, auägefptodhen, bafe eine Sterüdfficljtigung 
beä ^auäbraudhä beäfelben roirflidh ftattgefunben gehabt habe, 
inwiefern bie angebliche Unhaltbarfeit ber Siedhtäanfidht beä 
Unterrichterä auä ben auäfithrungen erhellen foH, in roeldhen 
bie ©rmittelung beä „oermeintlidjen" auäfdhanfäpreifeä »er= 


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B. in ©traffad&en. 


69 


fud^t roorben, nadhbem eine ©ntfdbeibung ber Frage beS er- 
folgten SluSfdhanfS überhaupt nicht gegeben roorben, ift nidf»t 
gefagt unb nicht oerftänbliclj. SJtit offenbarem Unrecht roirb 
behauptet, baff eS an einer ©ntfcheibung biefer grage fehle. 
35enn bie UrteilSgrünbe fagen roörtlidt) : „©er fyeftfteHung, bah 
oon bem 2Bein in ber SBirtfdhaft gegen Stählung auSgefcbenft 
roorben fei, bebarf eS inbes nur roegen ber Hälfe beS SluS= 
fdganfSpreifeS ; roieoiel baS fo SluSgefdgenfte unb roieoiel baS 
fonft Sßerroenbete betragen haben mag, fann bahin gefteHt 
bleiben." ferner : „Unter biefen Umftänben geht man mit 
ber Sinnahme nidht fehl, baf? einem foldhen Saft auch oon bem 

ÄonfumoereinSroein auSgefcbenft roorben fei." Unftatt= 

haft ift enblidh bie Slnfedhtung beS Urteils aus bem ©runbe, 
roeil bie Sinnahme eines SluSfdjfanfSpreifeS non 80 5ßf., als 
auf SJtutmafeungen unb SßahrfdheinlidhfeitSberedhnungen be= 
ruhenb, feine geniigenb fidlere tgatfädhlidhe Feftftellung enthalte ; 
benn bie ßnoerläfftgfeit ber einer thatfädhlichen Sinnahme ju 
©runb liegenben thatfädhlidhen SBorauSfegungen unb bie ©dhlüfftg- 
feit ber aus legieren gesogenen thatfädhlidhen Folgerungen fann 
mittels ber Steoifton nidht angegriffen roerben. 

Hiernach ift nidht ansunehmen, ba§ baS angefochtene Ur- 
teil auf einer Verlegung beS jur Slnroenbung gebrachten ©e= 
fegeS beruhe." 


6 . 

3 ft au<h bie ohne poliseitidfje ©rlaubnis erfolgte unent- 
geltlidhe Slbgabe oon Slrsneien, roenn ber $anbet mit bero 
felben nidht freigegeben ift, ftrafbar? 

©t.®.S3. § 367. 3ff. 3. 

©tr.©enat 24. ©ejember 1884. U.©. gegen ®h- in 
roegen unerlaubter Slbgabe oon Slrsneien. Sto. 264 oon 1884. 

$ie Sieoifion hat behauptet, baff, ba nicht feftgefteüt fei, 
baf? bie Slngeflagte bie oon ihr als Heilmittel abgegebenen 
homöopathifdhen ©treufiigelcben, Rillen im ©inne ber Slnlage A 
ber fReidgSoerorbnung oorn 4. Januar 1875, betreffenb ben 


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70 


(Sntfdjeibungen bei Dberlanbeägeridjtä. 


aSerfetjr mit Slrjneimitteln, feilgeboten ober oerfauft habe, ißr 
SSerleßung eines ©trafgefeßeS nicht jur Saft gelegt toerben 
fönne, fofern bie gebaute SteidjSoerorbnung, welche baS ©traf= 

, gefeß ju ergänjen, ju erläutern beftimmt fei unb baßer wie 
ein ©efeß wirfe, bloß auf baS geilbieten unb Verlaufen, nidEjt 
auch auf fonftigeS, auf unentgeltliches Ueberlaffen an Slnbere 
fich erftreefe, was nur ben ©inn haben fönne, baß leßtereS 
nicht oom ©trafgefefc betroffen, fonbern freigelaffen werben 
folle. ©iefer Angriff ift oerfehlt. gelte 33erorbnung hat, wie 
aus ber in ihrem ©ingang auSgebrücften Sejugnahme auf „bie 
Seftimmungen am ©cßluß beS § 6 ber ©ewerbeorbnung oom 
21. guni 1869" unb aus ihrem ©efamtinhalte erhellt, lebig= 
lieh ben groeef unb bie Sebeutung, ju „beftimmen, welche 2lpo= 
thefenoaren bem freien SSerfehr ju überlaffen finb," unb ju- 
gleich ber bezüglichen SBeftimmung beS §867 3ff- 3 beS ©t.©.33. 
bie für ihre Slntoenbbarfeit notioenbige Grgänjung $u geioähren, 
ba biefe Seftimmung, inbem fie benjenigen mit ©träfe bebrofjt, 
welcher ohne polizeiliche GrlaubniS Sfrjneien, foweit ber .ffanbel 
mit benfelben nicht freigegeben ift, zubereitet, feilhält, oerfauft 
ober fonft an 2lnbere überläßt, nicht auSfpricht, was fie unter 
„Slrjneien" oerfteht unb wie weit ber «ganbel mit Slrjneien 
freigegeben ift. SBäre bie Sluffaffung ber Sfteoifion richtig, fo 
müßte angenommen werben, baß burd; bie 9teid)Soerorbnung 
baS ©trafgefefc nicht ergänzt ober erläutert, fonbent — was 
felbftoerftänblidj unjuläffig wäre — abgeänbert worben fei. 
hiernach bebarf es faum noch ber Semerfung, baß eine Gr- 
läuterung beS ©trafgefefceS in bem behaupteten ©inne mit 
ber bemfelben zu ©runb liegenben 2lbft<ht, bem ^ublifum gegen 
bie golgen beS UJtißbrauchS oon Slrjneiftoffen , beren jweef: 
wibrige SBerwenbung Sehen unb ©efunbheit ju gefähtben ge= 
eignet ift, ©chuh ju gewähren, nicht im Ginflang wäre, ba 
biefer ülbfidjt eine Seftimmung, welche nur baS geilhalten unb 
bas Verlaufen oon 2lrjneien folcher 2lrt bei ©träfe oerböte, 
bloß unoollfommen entfpräche. 

5Son ber gleichen Slnficht ift ber ©traffenat am 26. ga; 


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B. in Strafferen. 71 

nuar 1887 in her UnterfudhungSfadhe gegen 3 . ©. 31. in Ö. 
ausgegangen. 3io. 17 nott 1887. 

7. 

Äann ein jum Stoßen mit feiner ©pifce oerroenbeter 
©tiefel als eine SBaffe, bejiehungSweife ein gefährliches 2ßerf= 
jeug im ©inne beS § 223a beS ©t.©.V. gelten? 

©t.©.V. § 223a. 

©tr.©enat 2. Vfärj 1887. U. @. gegen 3f. ®- in ©., 
wegen iförpetoerle^ung. 3to. 62 non 1887. 

®ie ©traffammer, bei ber bie ©röffnuitg beS .gauptoer* 
fahrenS roegen törperoerlefcung im ©inne beS § 223a beS 
©t.©.®. beantragt mar, hat «ach ben @rgebniffen beS 
norbereitenben Verfahrens ben oierjehn uttb ein halb Qahre 
alten Slngefdhulbigten hinreichenb oerbädjtig gefunben, norfäBltch 
einen elfjährigen Knaben förperlidh mifjhanbelt unb an ber 
©efunbheit befdfjäbigt ju haben, inbem er bemfelben mit ber 
©pifce feines mit einem ©Hefel belleibeten gufjeS einen ©tofj 
auf bie ©efchledhtsteile oerfejt habe, infolge beffen ber @e= 
ftofjene umgefallen fei unb eine Verlegung erlitten habe, burdh 
toelc^e er fedfjS Sfage lang oerhinbert worben, bie ©d^ule ju 
befudhen. ©ie hat jeboef) jenen Intrag mit ber Vegrünbuitg 
abgelehnt, bafj feine hinreichende VerbadjtSgrünbe bafür oor= 
liegen, bafj biefe Äörperoerlefcung mittels einer SBaffe ober 
eines gefährlichen Sßerfjeugä begangen fei, unb weiter auSge= 
fprochen, bie $anbtung fei wegen Mangels beS jur Verfolgung 
beS h^rnadh norliegenben Vergehens beS § 223 2lbf. 1 beS 
©t.©.V. erforberlidhen SlntragS auf ©trafnerfolgung nicht ju 
oerfolgen. 

©ie wiber jenen Vefdjlufj non ber ©taatSanroaltfchaft ein* 
gelegte fofortige Vefdhwerbe würbe aus folgenben ©rünben als 
unbegriinbet oerworfen. 

„3n ber burdh ©tofjen mit ber ©pifce beS mit einem 
©Hefel befleibeten gufjeS eines 14 1 /» Sjahre alten Knaben an 
bie ©efdhledhtsteife beS Verlebten nerübten SJtifjhanblung unb 


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72 


(Sntfdjeibungen beS Dberlanbeggertdjtä. 


©efunbheitsbefchäbigung fann eine mittels einer SBaffe, be- 
jiehungSweife eines gefähtlidfen SBertjeugS begangene ßörpet= 
oerlegung nicht gefunben werben, roeit ein folget p einem 
©tofj mit feiner ©pifce oerwenbeter ©tiefet nicht an fidh, 
nadf feiner beim ©ebraudj pm Stoffen auf einen menfdhlicben 
Äörper gewöhnlichen SBirfung, fonbern tebiglid) wegen ber 
llmftänbe beS befonberen gaHeS, nämlich wegen ber burch 
bie Stiftung beS Angriffs gegen einen befonberS garten £örper= 
teil bebingten gefährlichen 2lrt feiner $anbhabung, als ein 
SBevfjeug erfcheint, welches erhebliche Äörperoerlefcungen ^ 
oorpbringen unb alfo bie menfdjliche ©efunbheit p gefährben 
geeignet ift." 


8 . 

1. gft gegen bie Ablehnung beS Antrags ber ©taatSaw 
waltfdhaft, bie Berufung eines in bet .ßauptoerhanblung niä)t 
erfchienenen, bephmtgSweife nicht oertretenen Angellagten fo= 
fort p oerwerfen, Sefchwerbe pläffig? 

2. ginbet § 40 ber ©tr.ißr.D. Anwenbuttg auf bie Sabuitg 
eines Angeftagten pr ftauptoerhanblung oor bem $8erufungS= 
geriet? 

©tr.fßt.0. §§ 346, 347, 40, 370. 

©traffenat. Sefdjluf? oom 1. ©ejember 1886 gegen 
Sefchwerberegifter 59. 

,'q. h«tte gegen baS ihn wegen Äörpetoerle^ung unb 33e- 
brohung (©t.©.23. §§ 223a unb 241) oerurteilenbc fd)öffenge= 
ridhtlidhe ©rfenntnis wirffam Berufung eingelegt, herauf aber 
feinen bisherigen Aufenthaltsort oerlaffen, ohne bem ©eridjt 
oon ber Sßahl eines neuen ÄenntniS p geben. ®ie an ihn 
erlaffene Sabung pr ^auptoerhanblung oor bem ®erufungS= 
geriet tonnte ihm beSlialb nicht jugeftetlt werben. ©S würbe 
baher ein neuer Termin anberaumt, unb p biefem würbe er 
nadh 58orf<hrift beS § 40 Abf. 1 ber ©t.fß.D. gelaben. An 
bemfelben erfdhien er nidht, wohl aber fein SSerteibiger. ®ie 


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B. in ©traffadjen. 


73 


©taatSanwaltfchaft beantragte nun, bie Verufung beS Ange= 
flagten gemäfj § 370 ber ©tiß.D. ju oerwerfen, wogegen ber 
Verteibiger nichts einwenbete. ®ie ©traffammer jebocb fafjte 
in (Erwägung, bafj bie Vorfdfjriften beS § 40 ber St.^.D. auf 
Sabungen ju einer Hauptoerhanblung ftcfj nicht bejietjen, fo= 
mit ber gemäfj § 40 ergangenen fiabung beS Angeflagten 
in bie Hauptoerhanblung oor bem VerufungSgericht eine rec^t= 
liehe SBirfung nicht beigefegt werben fönne, ben Vefcfjlufj, bie 
ßauptoerhanblung bis auf weiteres ju oertagen unb ber ©taatS= 
anroaltfdhaft anheimjufteßen, weitere Vadhforfchungen naß» bem 
Aufenthaltsort beS Angeflagten anjufteßen, beziehungsweise 
feiner 3^it oorläufige (Einfteßung beS Verfahrens ju beantragen, 
©egen biefe (Entweihung legte bie ©taatSanwaltfchaft Ve- 
fchtoerbe ein. 

®er ©traffenat hat bie Vefdjwerbe für juläf fig erachtet, 
weil bie angefochtene (Entfcheibung als Ablehnung beS Antrags 
ber Staatsanwaltschaft, bie Berufung beS Angeflagten gemäB 
§ 370 ber ©t.$.D. ju oerwerfen, nid^t als eine zur Vorbei 
reitung einer nadfjfolgenben UrteilSfäßung bienenbe CSntfdfjeibung 
eines erfennenben ©eridjts fidj barfteße unb baher — oergl. 
Abf. 4 ber 9Jtotioe ju ben §§ 290. 291 beS (Entwurfs ber 
©tr.ifk-D. ©. 210 — nicht oon ber Ausnahmebestimmung beS 
§ 347 ber ©tr.^ßr.D. getroffen werbe, fonbem unter bie bie 
Siegel entljaltenbe Veftimmung beS § 346 faße, ber zufolge bie Ve= 
Wwerbe gegen aße oon ben ©eridjten in ber ^Berufungsinstanz 
erlaffenen Vefchlüffe juläffig ift, wie benn auch einleudfjte, bafj 
ber ©taatSanwaltfchaft gegen eine (Entfd&eibung , welche bie 
mögliche Herbeiführung ber enbgültigen ©rlebigung einer ©traf= 
fache oerhinbert, ein Rechtsmittel gegeben fein tnufj. 

Vejüglidh ber grage, ob bie Vefcbwerbe begrünbet ift, 
würbe juoörberft bemerft, bafj bie Vertretung beS Angellagten 

t burch ben erfchienenen Verteibiger bei ber Vefchaffenheit ber 
ihm jur Saft gelegten Vergehen nach § 373 unb 231 ber 
©t.V-£>- nicht juläffig gewefen fei unb baher, wenn bie 
Sabung beS Angeflagten als eine orbnungSntäjjige anjufehen 
wäre, ber Verwerfung feiner Verufung auf ©runb beS § 370 


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74 


Sntfdjeibungen beä DBerlanbeägericfjtS. 


bec ©t.fß.D. nid^t entgegen ftünbe. ©obann roirb folgenbes 
auSgefübrt. „®af3 bie Sabung eines Slngeflagten jur |mupt= 
oerfjanblung erfter n ft a rt g burcb 3ufteEung mittels öffent= 
lieber ©efanntmadbung gernäf? § 40 9lbf. 1 nid^t roirffam er= 
folgen fönne, erhellt aus ben ©eftimmungen ber §§ 229, 231, 
319—321 unb 327 ber ©t.©.0., toonadb felbft gegen einen 
Slngeflagten, ber auf eine if)nt in ben geroöbniidben formen 
jugefteEte Sabung auSgeblieben ift, eine $auptoerljanblung in 
in ber Siegel nidbt ftattfinbet gegen einen im ©inn beS 
§ 318 abroefenben Slngeflagten aber eine folcbe nur in ge-- 
roiffen geringfügigen ©traffäfien unb nur nadb ©eaebtung 
befonberer (in ben §§ 320 unb 321 beftimmter) Sabungs= 
formen unb griffen ftattfinben fann. ©iefe ©eftimmungen 
befcfjränfen alfo bie Slnroenbbarfeit beS § 40 Slbf. 1, inbem 
fie biefelbe im Verfahren erfter gnflanj für Sabungen gut 
•giauptoerbanblung auSfdjlie&en. — 3n ©ejtebung auf bie 3u= 
fteEung einer Sabung gut Jpauptoerbanblung oor bem © t- 
rufungSgeridbt fann blo§ bie Stnroenbung beS jroeiten 
SlbfafceS beS § 40 in grage fommen, weil hier nadb gaffung 
unb Qnljalt ber SJfotioe jum § 33 beS ©ntrourfS ber ©t.lß.O. 
(im Slbf. 3, ocrgl. mit Slbf. 2, ©. 140) unter ben SBorten 
„bie Sabung jur $auptoerf)anblung" nicht bie Sabung jur 
.gauptoerfjanblung ber betreffenben Snftanj , fonbern über= 
baupt bie — ober üietmejjr eine — Sabung ju irgenb einer 
in ber bezüglichen ©traffadbe oorgunebmenben fpauptoerbanb; 
lung gu nerfteben ift, unb, wenn ein gaE in ber ©eru= 
fungSinftang firf) befinbet, bem ©efdbulbigten bie Sabung 
gu einer «pauptoerbanblung bereits in gefefclicb oorgefdbriebener 
SBeife gugefteEt fein mufe. ®iefe gang aEgemein oon einer 
roeiteren 3ufteEung rebenbe ©eftimmung aber bat auf Sabungen 
gu einer ^auptoerbanblung in höherer gnflang Slmoenbung gu 
ftnben. ©ine anbere biefür antoenbbare Storni beftebt nidbt; 
unb eine ©eftimmung, welche bie Sticbtanroenbbarfeit beS § 40 
Slbf. 2 auSfprädbe ober folgern liefje, ift in ber ©tr.^r.Orb= 
ltuitg nidbt enthalten. gnSbefonbere treffen tyiev bie ©riinbe 
nidbt gu, meldbe für bie Storm beftimmenb waren, bafj gegen 


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B. in ©traffacfien. 


75 


einen nicht not bem erfennenben Öeric^t erfdfienenen Slngellagten 
in ber Siegel eine Icauptoerfjanblung ttid^t ftattfinbe. ®er 2lm 
geflagte ift in erfter Qnftanj über bie Slnflage gehört worben 
(Btotioe ju § 193—199 unb § 273 — 275 beS ©ntwurfs ber 
©tr.ifJ.D. ©. 181—182 unb 205—206), unb er ift, wenn er 
baS ©ericht in ber Äenntniä feines Aufenthaltes erhält, itt ber 
Sage, ftdj ttod) weiteres ©ehör ju oerfchaffen. SDer ©efeggeber 
mochte fidj be^tjalb für befugt erachten, trenn ber Ange= 
f tagte bie Berufung eingelegt, aus feinem Bid)terfd) einen 
auf ergangene orbnungSmäfjige Sabung, bejtefturtgötDeife aus 
feiner Biditoertretung feinen aSergidjt auf bie eingelegte Be= 
rufung ju folgern, unb, wenn »on bem Staatsanwalt bie Be= 
rufung etngewenbet worben, and) im $aHe beS SiidjterfdjeinenS 
beS in gefefelid^ oorgefchtiebener SBeife gelabenett Angeltagten 
bie Berljanblung über btefelbe ju geftatten. 2ludj fann es 
nid>t ber SBiHe beS ©efeggeberS gewefen fein, einen in erfter 
3nftanj oerurteilten Angeflagten burd) Bidjtjulaffung einer 
Sabung jur fjauptoerhanblung oor bem Berufungsgericht mittels 
öffentlicher Befanntmadfung in ben ©tanb ju fegen, burd) @in= 
legung ber Berufung unb fofortigeS ftd) ©ntfernett an einen 
bem ©ericht unbetannten ober an einen folgen auSlänbifdfen 
Ort, an weitem bie Befolgung ber für ßufteflungen im 2luS= 
lanb beftegenben Borfdfriften unausführbar erfchetnt, bie end- 
gültige ©rlebigung ber ©adje jum Bauteil ber 2BahrheitSer= 
mittelung ju oerjögera ober ganj ju oereiteln. — SBenn nun 
gleich bie 9Jtotioe jum § 33 beS ©ntwurfs ber ©tr.tßr.D. (im 
Abf. 3, ©. 140) bie im Abf. 2 beS nunmehrigen § 40 oor= 
gefdfriebene Art ber Befanntmadjung in Begleichung mit ber 
in beffen erftem Abfag beftimmten als eine einfacfje bezeichnen, 
fo wäre bod) im ^inblid auf bie beftehenbe gefeglidhe Bonn, 
wel^e unter einer BorauSfegmtg bie eine, unter einer anbern 
bie anbere ber beiben im § 40 oorgefehenen Arten öffentlicher 
Befanntmadjung oorfdfreibt, ber Schluß nicht gerechtfertigt, 
bah ber Btangel ber Anwenbung ber im betreffenben $all am 
juwenbenben, als einfache bejeidmeten gorm, burd; Slnwenbung 
ber anbern gorm gehoben werbe". — SDemgemäfj würbe, ba 


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76 (Sntfdjeibungett beä Dberlanbe8gerid)tä. 

hiernach eine £abung bei Slngellagten jur $auptüert)anb(ung 
oor betn ©erufunglgericht nach 9Jtaj3gabe bei § 40 2l6f. 2 ber 
©t.^.D. betn ©efefc unb ber Sachlage entfpreche, unb ba, 
roemt eine fotc^e erlaffen fein roerbe, bie 3ufteEung als erfolgt 
gelte, mithin im $aEe nicht gentigenb entfdjulbigten Slulbleibenl 
bei 2lnge!lagten bie Söefiintmung bei § 370 ber ©t.iß.D. $lafc 
griefe, bie angefodjtene ©ntfd&eibung aufgehoben, unb bie 2ln= 
beraumung einel neuen Termini jur ^auptoerljanblung, oer= 
bunben mit (Srlaffung einer nach § 40 2lbf. 2 ber ©t.ip.D. $u= 
jufieEeitben Sabung bei Slngeflagten, angeorbnet. 

9. 

Äann eine jum Auftreten all 9tebenfläger berechtigte 
ißerfon 3tfteneinftc§t für ihren 9te<htlanroalt oerlangen, nadjbem 
bie (Eröffnung bei &auptoerfahrenl burd) einen nicht mehr 
anfechtbaren Siefchlufj abgelehnt ift? 

§ 435 Slbf. 1, § 210 ber ©t.iß.D. 

Sie^tlamoalt 9?. bat all SßroäefcbeooEmcichtigter bei ©. 
in ©t. unb bei ©. ©t. in 31. um 6inftd)t ber Sitten in 
ber eingefteEten Unterfudjunglfadhe gegen 3. ©p. in ©t., roegen 
fahrläfftger Äörperoerlefcung. ©ein ©efuch würbe oon ber 
©traffammer jurfidgeroiefen, roeil bem Slnroalt einel 5öefdhä= 
bigten, tueld^er nidht all 'Jiebenfläget aufgetreten, na<h 9Jtafj= 
gäbe ber ©trafprojefiorbnung ein fHecbt auf Slfteneinfidjt nid^t 
juftehe. |>iegegen legte fRechtlanroalt 91. 99efd^roerbe ein unter 
Vorlegung oon iJkoäe&üoEmachten, burcb roeldhe g. unb ©t. 
ihm nicht nur für ihren 9ted)t!ftreit, Slnfprüd&e auf ©ntfchäbi= 
gung roegen fahrläffiger Äörpcroerle|ung betreffenb, ißrojefc 
ooHmadjt, fottbern auch Jur Stellung einel äfatragl nach SDtüfc 
gäbe bei § 210 ber ©t.iß.D., b. h- Jur ©teEung einel 
tragl auf SBieberaufnahme ber öffentlichen Älage, SSoflmacht 
erteilt hüben. 33er ©traffenat entfchteb: ®ie angefodhtene 
©ntfchcibung fei aufjuheben unb burd) eine ber SBefdjroerbe 
ftattgebenbe ju erfefcen. 


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B. in Straftaten. 


77 


2luS ben ©rünben: 

„Stidhtig ift, baff in bcm burdj ben baS .gauptoerfahren 
ablehnenben Vefdhlufj ber ©traffammer gefdhioffenen Verfahren 
toeber g. noch ©t. ber erhobenen öffentlichen ftlage als 9teben= 
Häger ftd^ angefchloffen hat. 2lucf) ift aufjer 3*oeifel, baff ber 
gebadete Vefchlufj nicht mehr anfechtbar ift. Mein nach § 435 
ber ©t.^p.D. fann ein foldher Mfdhlufi oon ©eiten eines ge= 
mäfj § 414 als ^rioatfläger aufjutreten Vereinigten, alfo and) 
non bem gefefclidhen Vertreter einer burdh eine fahrläfftge 
ßörpen>erle§ung oerlefcten ißerfon, in jeber Sage beS Verfaß 
renS gefdhehen; unb ein Verfahren, in roeldhem, roie in bem 
in grage fte^enben, ber Vefchulbigte nur aufier Verfolgung 
gefefct, nid^t redhtSfräftig freigefprodhen roorben ift, tann, roeil 
auf (Srunb neuer SC^atfadfen ober VeroeiSmittel bie öffentliche 
ßlage roieber aufgenommen ro erben fönnte, nidjt als ein unbe= 
bingt enbgtiltig erlebigteS gelten. ®a fonad) bie Sage beS 
gaUeS einer Mfchlufjerflärung noch dtaum läjft, fo fann bem 
Vefdhtoerbeführer, roenigftenS als VeooHmädhtigten beS 
beffen ©igenfchaft als gefehlten Vertreters jroeier ber oer- 
lebten ißerfonen nadh Inhalt ber 2lften nicht ju bejroeifeln ift, 
ein Mfprudh auf ©inficht ber Ütften beS bisherigen ©trafoer* 
fahrenS mit ©runb nicht abgefprodhen roerben". 

©ntfdheibung beS ©traffenats oom 10. Dft. 1883 in ber 
11.©. gegen $. ©p, in ©t. roegen fahrläffiger ftörper-' 
oerlefcung. 3tr. 220 oon 1883. 

10 . 

©teht einem freigefprodhenen Mgeflagten ein 9tedjt ju, 
oon ben UnterfudhungSaften ju bem 3 roecf, gegen einen in ber 
©adhe oernommenen 3^ugen eine Mjeige roegen 3RcineibS 
unb anberer Verbrechen anjubringen, burd; einen VedjtSamoalt 
©inficht ;u nehmen? 

®ie ©traffammer hat biefe $rage oerneint. 9luf bie 
roiber ben bejüglidhen Vefdjlufj eingelegte Vefdjioerbe hat fidh 
ber ©traffenat bahin auSgefprochen : 


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78 


Sntfdjeibungen be« D6erfanbe8geri$t8. 


„®ie angefodjtene ©ntfdheibung roirb barauf gegrünbet, 
baß einem früheren Slngeflagten ober einem oon ißm beauf= 
tragten StecßtSamoalt ein gefe^iit^eö Siedet, oon ben ltnterjm 
dßungSaften ju bem 3toedf ©infidht ju nehmen, gegen einen in 
jener Sad;e oernommenen 3 e ' l 9 e ” eine änjeige megen 9Jiein= 
eibs unb anberer Verbrechen ,ju machen, nic^t juftehe, er [ich 
oielmeßr barauf ju befcßränfen ^abe, es bei ©rftattung feiner 
ätnjeige ber juftänbigen ©taatSanroaltfdhaft anheünpgeben, oon 
ben fragilen Sitten ©infidht ju nehmen. 

[Nichtig ift, baff eine gefejjUdfje Veftimmung nid>t befielt, 
roeldje einem recßtsfräftig freigefprocßenen 2lngeflagten auS= 
brücflich bas Siedet einräumen mürbe, ju einem 3 roe cf roie ber 
bejeicßnete burcß einen 9te<htSanroalt bie älften einfeßen ju Iaffen. 
hieraus folgt jebocß noch nicht , baß eS bem ®efeß entfprecße, 
ißm foldje SlfteneinficEjt ju oerfagen. SBirb, roie bieS im oor- 
liegenben galt gunäd;ft all ptreffenb ju unterftetten ift, bie 
Slfteneinfidßt nacßgefucßt, um beßufs oollftänbigerer äöieberßerfteb 
lung ber ©ßre unb beßufs ©rlangung einer für geredet erachteten 
©cßabenSerfaßforberung inroirffamerSBeife eine SInjeige 
ftrafbarer «gianbluitgen ober einen Slntrag auf ©trafoerfolgung 
anjubringen, fo roirb ßiemit ein als berechtigt ju erfennenbeS 
3ntereffe roaßrgenommen, roaS auf jebe bem ®efe| nicht un= 
jroeifelßaft juroiberlaufenbe SXrt gefcßeßen fann. 3n folgern 
gälte nun muß bie ©ntfcßließung barüber, ob eine Slnjeige 
anjubrtngen fei, roie bie Slrt ißrer Slbfaffung eine ©adße um- 
fidßtigfter Prüfung fein, roelche nur bei genauer ÄenntniS beS 
SttfteninßaltS möglich ift. ®enn nach § 501 ber ©t.lß.D. fann 
baS (Bericht einem Slnjeigenben bie Äoften eines burdß feine 
auf grober gaßrläffigfeit berußenbe 3tnjeige oeranlaßten, roenn 
aud; nur außergerichtlichen, Verfahrens auferlegen; unb nach 
§ 169 ber ©t.lß.0. ift bie ©taatSanroaltfdhaft befugt, ohne 
Suoor ben SBeg ber ©rmittelungen ju betreten, einem bei ihr 
angebrachten Anträge auf ©rßebung ber öffentlichen ftlage 
feine golge ju geben, oon welcher VefugniS fte (Gebrauch 
machen roirb, roenn fidh ihr bie Slnjeige als eine foldße bar; 
[teilt, roelche nicht geeignet ift, ben angeregten Verbacht ju er* 


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B. fn Straftaten. 


79 


roecfen ober irgenb eine SluSficht auf ©rzielung eines beroeifeS 
für bie erhobene 2lnfd)ulbigung ju eröffnen. 2öie hiernach 
ein bringenbeS Sntereffe eines folgen beteiligten an ©eroah= 
rung ber 2lfteneinfid)t für feinen 9iedE)tSanroalt nicht zu be- 
Zroeifeln ifi, fo tonnte auch in berfelben ein berftoff gegen 
baS ©efefc bei ber anjuertennenben beredhtigung eines folgen. 
Zugleich bem ber SiedhtSorbnung bienenben QntereffeS um fo 
roeniger gefunben roerben, als bie SXfteneinficEjt burd) einen 
SledhtSanroalt eine ©ernähr gegen beläftigung ber ©taatSaro 
roaltfdhaft burdE) grunbtofe ober toenigftenS mangelhaft begrün= 
bete Sinzeigen bieten tann, unb bie borfd&rift beS § 170 Slbf. 2 
ber ©t.fß.D., baff ein Antrag auf gerichtliche entfdfjeibung 
bezüglich eines bie ©rlw&ung ber öffentlichen Älage ablehnend 
ben befdheibS ber ©taatSanroaltfdhaft oon einem SiedhtSanroalt 
unterzeichnet fein muff, bie Stuffaffung nahe legt, baff bas ©e= 
feg norauSfefce, eS werbe zu biefem 3roecf, alfo unter ähnlichen 
berhältniffen, in ber Siegel »on bem StedhtSanroalte beS 2lit= 
tragflellerS Slfteneinficht genommen roerben. ®a fomit bie 
erhobene befdhroerbe begriinbet erfdheint, roirb berfelben unter 
Aufhebung ber angefochtenen ©ntfdjeibung ftattgegeben". 

©ntfdheibung beS ©traffenats oom 16. SJiärz 1887 in 
ber U.©. gegen 6h- *§• iu 83- megen branbftiftung. Sir. 
67 oon 1887. 


II. 

Cfittfdjeiöungen Des PentJaltungsgeridjtsljofs. 

l. 

3u § 30 lit. b. zweiter beS SieidhSgefefceS über ben 
UnterftühungSroohnfih. 

berufungSfadhe beS SanbarmenoerbanbS 6railSljeim, be= 
flagten, berufungSflagerS, gegen ben DrtSarmenoerbanb Xreffeb 


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80 ©ntfd^eibungen be$ SßerroaItung8gericf)t3E)of3. 

baujen, D.31. ©eislingen, ftläger, BerufungSbeflagten, Uebet- 
naljtne beS 2lnton Söleffirtg unb ftoftenerfab betreffend 

33erurteilenbeS ©rfenntniS »om 28. gebruar 1887. 
©ntfcbeibungSgrünbe. 

$er erhobene Slnfprucb ift gefügt worben auf biejenige 
Söeftimmung ber §§ 30 unb 31 beS EteicbSgefebeS über ben 
UnterftiifcungSwobnfij}, wonach in bem gaHe, wenn eine lanb= 
arme ^erfon in ^ilfsbebürftigem 3uftanbe aus einer Strafe 
ftranfem Sewa^r- ober |>eilanftalt entlaffen würbe, berjenige 
Sanbarmenoerbanb, aus welkem beren ©inlieferung in bie 3lw 
ftalt erfolgt ift, jur ©rftattung ber Unterftübungsfoften unb bejw. 
jur Uebernatjme beS £ilfsbebiirftigen oerpflidjtet fein foH. 

Eladj ben ftattgefjabten ©Hebungen fann, wie audj oon 
bem Unterrichtet angenommen worben ift, fein $weifel barüber 
befielen, baß 31. Öleffing eines UnterftiifeungSwoljnfifceS ent= 
bebrt, fomit als lanbarm $u crfennen ift. 2lud^ barin ift ber 
ft. ftreiSregierung, wie biefelbe in ben ihrem Urteile beigefügten 
©ntfdjeibungSgrünben bes nähern bargelegt bat, burdjauS bei= 
jupftid^ten , baff baS SlrbeitSbauS in 3Saif)ingen, wo Öleffing 
untergebradit gewefen, als eine 23ewaf)ranftalt im ©imte ber 
oorbeseid)neten ©efegeSbeftimmungen anjuerfennen ift, unb eben- 
fo »erhält eS fiel) mit ber Slnnafjme, baß Öleffing wäbrenb 
feines 3lufentbaItS in biefer Slnftalt arbeitS; unb erwerbSun= 
fällig geworben ift, fowie baß er in folgern — uorauSfid)tIid) 
bleibenb — ^Üföbebürftigem aus bem Slrbeitsljaufe 

entlaffen würbe. ©S fragt fidj nur noch, ob ber Öellagte, öeru= 
fungSfläger als berjenige itonbarmenoerbanb anjufeben ift, aus 
welkem bie ©inlieferung ÖleffingS in baS 3lrbeitSbauS feiner 
3eit erfolgte? gür bie bieSfaEfige Slnnabme ift ber Umftanb 
aEein, baß Öleffing früher, als er wegen Sanbftreicberei in 
Unterfudjung gejogen werben muf?te, in ©railsbeim feftgenomnten 
unb »on bort aus in baS SanbeSgefängniS §u |>aE eingeliefert 
worben war, nodj nicht entf<beibenb. XEjatfädjlid^ ift S3lef- 


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©ntfdfeibungen be8 SetroaltungägertdjtSfjofS. 


81 


fing ber Verwaltung beS Strbeitöljaufes in Vaihingen non bem 
ft. Dberantte ©eiSlingen unter bem 24/27. 3Kai 1884 auf beut 
gewöhnlichen 2Bege beS Transport« jugefüljrt worben, wie 
ftcfe aus folgenbem ergibt. 

AIS Vleffing am 6. 3Jtai 1884 nach Erfteljung ber ihm 
com ©djöffengeri<ht p (SrailSfeeim juerfannten 6roöd)entlid)en 
©efängnisftrafe aus bem SanbeSgefängniS ju |mH entlaffen 
würbe, lag eine Entfdjliefeung ber juftänbigen Aeghninalbehörbe 
barüber noch nic^t »or, weldje golge ber t»on bem ©chöffen= 
geriet gemäS § 362 beS heutigen ©traf gef efebudjs zugleich 
auSgefprodjenen Ueberroeifung beS Verurteilten an bie 2anbeS= 
polijet ju geben mar. Dem Oberamte SrailSheim, welches 
nach Sage ber Verljältniffe bieöfaUS bas ©eeignete einjuleiten 
gehabt hätte, mar nemlidj eine rechtzeitige Venacfericfetigung 
»on jenem UebermeifungSbefdjluffe nid)t jugelommen, inbem fidj 
hinfidjtlich biefeS fünftes bas bortige Amtsgericht feiner $eit 
barauf befdjränft hatte, bem Dberamt ©eiSlingen bie etroa ju 
treffenbe Verfügung anheim ju geben, unb biefeS, nad&bem eS bie 
erforberli<benErh e & un 9 en »eranftaltet hatte, erft am 7. 2Rai 1884 
in bie Sage fam, bie Angelegenheit bem Dberamt ErailSheim 
als borthin gehörig ju übergeben. Qn fjolgc beffen fteHte nun 
baS Dberamt ßrailsheim unterm 10. 2)lai 1884 bei ber ft. 9te= 
gierung beS SagfttreifeS ben Antrag auf Verroeifung beS 
Vleffing in baS Arbeitshaus unb barauf erliefe bie ft. ft reis- 
regierung unterm 16. 2Rai eine bem Antrag entfpredjenbe Ver= 
fügung, inbem biefelbe zugleich baS Dberamt ßrailsheim mit 
ber Veforgung »on allem Söeiteren beauftragte. Dem erfeal= 
tenen Aufträge gemäS richtete SefetereS am 20. ÜJ?ai, unter 
■Mitteilung ber Alten unb eines »on ifem auSgefteUten @inlie= 
ferungSftheinS, an baS ft. Dberamt ©eiSlingen, in beffen Ve- 
jirt fi<h Vleffing bamals befanb (inbem er »on ber 2anbeS= 
©efängniS=Verroaltung in feinen ^eimatSort Dreffelljaufen oer= 
roiefen unb »on bem Dberamt angewiefen roorben roar, bort 
bie ©ntfchüefeung über feine Einweifung in baS Arbeitshaus 
abjuroarten) baS Erfucfeen um Eröffnung beS VefchluffeS ber 
ft. ftreisregierung an Vleffing unb um Veforgung ber Ein= 

3a$rbüd)et b. ÜBütttembg. iKrdjtcjpftegc. I. 6 


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82 ©ntfdjeibungen beS $erroaltungggeri(f)tg§ofg. 

lieferung beSfetbcn in baS Arbeitshaus, unb biefem ©rfuchen 
mürbe bann auch, wie fdjon oben erwähnt, fofort entfprodjen. 

3ft unter ©inlieferungim (Sinne auch ber Veftimmung 
beS § 30 bes llnterftüf}ungSs2Bohnftfj=©efe|eS berjenige 2lft 
ju oerftefjen, fraft beffen bie in eine ber bort beneidenden An- 
ftalten eingemiefenen ißerfonen in biefelbe überbrad)t unb non 
ber betreff enbcn Verwaltung übernommen worben, fo finb als 
mafjgebenb für bie Vornahme biefeS 2lfte§ bie bieSfallS oon 
ber betreffenben SCnftatt erlaffenen ober fonft für biefelbe er= 
gangenen Aormatio=Veftimmungen ju betrauten. (Solche Vor= 
fdjriften finb aber für bie nmrttembergifdjen ArbeitShäufer 
erteilt roorben burdj bie oon bem Verfahren nad) Uebetmeifung 
oerurteilter ^erfonen an bie SanbeSpotijei hanbelnbe VerfiU 
gung bes ft. Aiinifteriums beS Innern oom 2 . gebruar 1882 
(Regierungsblatt ©. 60 flg.). QnSbefonbere finbet fidj bort 
(§ 3) oorgefchrieben, baß in bem fj-alle, toenn ber Verurteilte 
eines SSohnfifceS ober ftänbigen Aufenthalts entbehrt, baSjenige 
Dberamt, in beffen Vejir! baS in erfter 3nftanj erfennenbe 
©ericht feinen <3i| hat, bie hinfidjtlid) einer etwaigen Einweü 
fung in baS Arbeitshaus erforberlidfien Erhebungen ju oeram 
ftaltcn unb je nach Umftänben ben Antrag auf ©inweifung bei 
ber ihm oorgefefcten ftreisregterung ju ftellen habe; baSfelbe 
Dberamt ift es nach ber Verfügung in ber Siegel auch, welches 
bie einem folgen Antrag entfpredjenbe Entfchliefeung ber ftreis= 
regierung ju ooUjiehen hat (§ 8 . 1 ). ©gesell bie Eintieferung 
beS Eingewiefenen in baS Arbeitshaus hat oon ihm auSjugehen 
(§ 12 Abf. 4 unb § 15 Abf. 1) unb ihm auch liegt bie AuS= 
fteHuug beS ©inlief erungSfdjeinS ob, mittelft beffen folchc 311 
bewerfftelligen ift (§ 16). Aße biefe ©efchäfte hat in bem hier 
oorliegenben gälte baS nach Sage ber Verhältniffe ju beren 
Verfehung berufene Dberamt EraüSheim oorfchriftSmäßig 
beforgt, wenn auch bie Inangriffnahme berfetben einigermaßen 
oerfpätet worben war, was oon ber ber ©a<he feitenS ber 
^uftiäbehörben ju Seil geworbenen VehanbtungSwcife herrührt. 
gnSbefonbere bie ©inlieferung VleffingS in baS Arbeitshaus 
tonnte aus bem foeben gebad)ten ©runbe nicht, wie es bet 


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®ntf$eibungen beö SBeri»attunßägerid)t§l}ofiS. 


83 


§ 4 ber SEtinifterialoerfügung oon 1882 als Siegel oorfdjreibt, 
in unmittelbarem 2lnfd)luffe an bie oon bemfelben erftanbene 
©trafljaft erfolgen. 2lud> mürbe bas Oberamt ©railsljeim — 
nad)bem Sieffing injmif^en an feinen Jpeimatort£reffelf)auien 
oerfdjubt roorben mar unb übrigens mäljrenb feines SCufentfjaltS 
bort bie erforberlid)en oorbereitenben (Anleitungen ftattgefun= 
ben fjatten, in beren golge oon einer Ueberfüljtung beSfelben 
junädjft nad) ©rails^eim Umgang genommen roerben tonnte 
bamit in bie Sage oerfefst, anftatt bie (Anlieferung SleffingS 
in baS 2trbeitSl)auS oon ßrailsljeim auS ju beroerffteEigen, ficb 
jum 3mede ber unter ben gegebenen Umftänben juläffigen, 
aud) burtb <Arfparni8=9tüctfid)ten geboten erfdjienenen bi retten 
Ueberfü^ rungSart beSfelben oon feinem bamaligen 2lufentl>altS= 
ort aus nad) Vaihingen ji<§ ber Vermittlung beS Oberamts 
©eisKngen bebienen p müffen. Stifts beftoroeniger mar es 
ba biefer Transport (oon ©eislingen nad) Vaihingen) lebiglid) 
im 51 amen unb Aufträge beS OberamtS ßrailSljeim ftatt- 
fanb, eben baS £ entere, meines in biefem fyafle als @in= 
lieferungSbe^örbe funftionierte, meS^alb benn aud) für bie gefc 
fteEung ber redjtlidjen folgen ber (Anlieferung anpneljmen ift, 
baf) foldje aus feinem, fomit auS beS 1'anbarmenoerbanbS 
(Srailsfieim Vehrte erfolgte. 

£iernad) mar ber .«läge Infprudj als ein begriinbeter 
auch nadj biefer ©eite f)in p ertennen unb baS im Uebrigen 
mobl motioierte Urteil ber 11. UreiSregierung p beftätigen. 


2 . 

Sluf ein auf ©runb beS 2£rt. 4 beS am 17. 9tpril 1873 
erlaffenen roiirttcmbctgifdjen 2toSfiif)rungSgcfefceS pm Sleidfs- 
gefe| über ben UnterftüfpngSiooffnjtfc ergangenes Urteil finbet 
§ 53 biefeS SteidjSgefefoeS feine Slnmenbung. 

Sefdfroerbefadje beS DrtSarmenoerbanbS (SEenberg 0.21. 
©Eroangen. ©rfenntniS oom 22. Slpril 1885. 

6 * 


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84 


©ntfdjeiburtgen bes 8erroaltungSgetidjt8f)of8. 


2ltn 22. ©ejember 1884 hat bie KreiStegierung ju (SD: 
wangen in ber bei ihr anhängigen 2JerwaltungSre<htSfache beS 
SölbnerS 21. Kopp non ©Eenberg gegen bie bortige DrtSarmem 
beerbe auf ©runb bes 2lrt. 4 bes am 17. 2tpril 1873 er^ 
gangenen mürttembergifchen 2luSführungSgefeheS über ben Um 
terftü£ungSroof)nn& „ber Klage mit bent 2lnfpruch auf erfaß 
ber burch bie Unterftüßung beS unehelichen KinbeS ber SSiftoria 
3-, non ©Uenberg eroadjfenen Koften im betrag non 34 fßf. 
täglich für bie 3eü üom 25. Januar 1883 bis ju anberroeb 
tiger SBerforgung beS KinbeS ftattgegeben" k. ©<hon bie Klage 
hatte unter anberem baS ^etitum enthalten, eS möge baS ju 
fäUenbe Urteil nach § 648 3ifi- 6 ber SieichScinilprojefeorb- 
nung für norläufig noEftrecfbar ertlärt werben, ©ine 93erhanb= 
lung über biefeS Sßetitum fanb in I. Snftanj jmifdhen ben $ar= 
teien nicht ftatt, auch mürbe berf eiben in bem Urteil ber ÄteiS= 
regierung nicht gebaut. 2lm 23/24 Januar 1885 trug ber 
Hägerifche 23enoEmä<htigte ber Kreisregierung nor: ©S roerbe 
baS Urteil auch auf ben 2lntrag wegen oorläufiger S8oHfkred= 
barfeit ju bejief)en fein, er bitte baher, burch 2MftrecfungS= 
nerfiigung bie SBoHftrecfung beS Urteils für bie 2llimente nont 
21. 2lpril 1884 ab unb bie golgejeit auS$ufpre<hen gemäfj 
2lrt. 2 beS württembergifchen ©efeßeS nom 18. 2luguft 1879 
über bie 3u>angSnoEftrecfung non öffentlichen 2lnfprüchen. 
aJJittelft Verfügung nom 27. geb. 1885 hat fobann bie KreiS= 
regierung auf ©runb beS 2lrt. 2 beS obenerwähnten ©efeßeS 
non 1879 in Sßerbinbug mit § 53 beS EteichSgefeßeS über ben 
llntcrftühungSroohnfih unb 2lrt. 47 beS ©efeßeS über bie 3Rer- 
roaltungSrechtSpflege nom 16. ©ejember 1876 baS ergangene 
Urteil für norläufig noEftrecfbar erflärt. |>iegegen erhob ber 
beflagtifche 2lnwalt fofortige 2fef<hwerbe. 

©er 23ermaltungSgerichtShof hat ber Üefchwerbe ftatt ge- 
geben unb bie Verfügung ber Kreisregierung auffer 2Birf= 
famfeit gefefct. 

2)tan ift hiebei, lautete bie SDlotioierung , non ber ©rwä 
gung ausgegangen, baft biejcnige SBeftimmung in § 53 2lbf. 1 
bes fHeichSgefeßeS über ben UnterftühungSmohnfifc nom 6. 3uni 


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©ntfdjeibungen beä Serroaltungsgeric^ts^ofä. 


85 


1870, roorauf oon ber JlreiSregierung bie gebaute Verfügung 
geftü^t roorben ift, eine Slnroenbung auf ben ijier oorliegenben 
gatt nid^t finbet. |>anbelt eS fid^ nemlidi) bei jener reicfjSge; 
fe^Kd^en S3eftimmung lebiglidf) um foldje gatte, in melden jroi= 
fdjjen mehreren, ^inftd^tlid^ einer öffentfidfjen Unterftü(png ttacf) 
§ 61 2 l£)f. 1 beS fReid^-Sgefe^eS beteiligten 3lrmenoerbiinbcit 
Streitfragen über bie burdf) biefeö ®efe(j geregelten 5>er£»ält= 
niffe pr Entfdfjeibung (in I. gnftanä) gelangt finb, fo liegt 
ein fold^er gaß in ber burcö b aS Urteil ber Äreisregierung 
oom 22 . ®ej. u. g. entfcfiiebenen ©treitfadje sroifdjen 21 . $opp 
unb bem Slrmenuerbanbe ©ttenberg in fofern nid)t oor, als 
biefer (Streit p feinem ©egenftanb f)atte nur ben auf bie ©pe= 
jialbeftitnmung beS 2Xrt. 4 beS roiirttembergifdjen 2lu?fül)rung3= 
gefefceS oom 17. 2lpril 1873 gefügten SlnfprudE) einer im ©inne 
biefer ©efefceSbeftimmung britten ijßerfon auf 6 rfa {3 besjenigen 
2lufroanbe3, welker berfelben burcfj eine freimittig übernommene 
$ilfeleiftung erroadjfen ift. 2 luf biefeu galt bie 2 luSnal)mebe= 
ftimmung beS § 53 beS DteidjjSgefefceS, roonaclj bie auf beren 
©runb ergangenen Entfdfjeibungen I. gnftanj fofort oottftreäbar 
fein foßen, offne SBeitereS anproenben, erfdfjeint fc^on in fo- 
fern unpläffig, als ber 2lrt. 4 beS roürttembergifcljen 2luS= 
fü^ruttgögefe^es auf irgenb einer gebietenben 2 ' 0 rfcE)rift bcS 
Steid&SgefefceS über ben UnterftiijpngSroolpfifc nidf)t beruht unb 
inSbefonbere in einem notraenbigen gufammenljang mit bem 
§ 53 beS lederen nid^t ftebt. gn Ermanglung audf) fonftiger 
©rünbe, beren efmaige ©eltenbmadjjung eine SluSfpredfpng ber 
oorläufigen SöottflrcdEbarf eit jenes Urteile? nadE) 2lrt. 1 2lbf. 2 
beS ©efejseS oom 18. Slug. 1879 über bie groapjSimliftrecfung 
öffentUdber Slnfprüd^e Ijätte rechtfertigen fönnen, formte eine 
SSoßftredungSoerfügung im ©inne beS 2lrt. 2 beS faunt ge= 
badeten ©efefceS, roie fie oon ber IreiSregierung erlaffen roor- 
ben ift, redfpnafjiger SBeife nid^t ergeben, ©pejieß ber oon 
©eiten beS Uägerifc^en Seoottmäd^tigten ftf)on bei ber 2lnbring= 
ung feiner Älage unb fpäter ftattgeljabten Berufung auf § 048 
3iff. 6 ber SteichScioilprosefjorbnung roar eine golge nicht p 
geben, ba biefe ohnehin nur auf bas cioilredhtlidhe $erf|ältnis 


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86 


SWitieilungen bes Sorftonbä ber Stnrooltsfammer. 


ber Slerpflidhtung jur Steigung oon UnterhaltSmitteln besieg 
bäte ©efetseSbeftiinmung unter benjenigen in 3lrt. 1 2lbf. 2 
bes oben ermähnten ©efefeeS oom 18. Slug. 1879 aufgefüfjrten 
^Paragraphen ber SteidhScioilprojefjorbnung nicht läuft, welche 
für bie 2luSfpre<hung ber oorläufigen SMftredbarfeit eines 
oerroaltungSridhterlidjen (SnburteilS entfpredhenbe Slnroenbmtg 
finben füllen. 


III. 

IHittciluntjcn Des Porftanbs Der ^nntaltshammer. 

l. 

©eiorbnung ber am ©ifc eines StmtSgerichtS rool)tienben, 
nicht bei bemfelbeit pgelaffenen 9ie<htSanroälte als Slrmenam 
roälte in amtSgerid)tlid)en ißrojeffen. 

Sion ©eiten oerfdjiebener Slmtsgerictjte finb fc^on öfters 
Slnmälte, bie am ©ifce beS SlmtSgeridjtS mohnhaft, aber nicht 
bei biefern, fonbern bei bem Sanbgeridjt jugelaffen finb, in 
©emäfil)eit beS § 34 ber StechtSanroaltSorbnung ju Slrmenan= 
malten beftellt morben, in ber ÜJtehrjahl ber gäHe ohne roeß 
tere '-Bemerfung, roäljrenb in einer SJiinberiahl bie „2JorauS= 
fe^ung" auSgefprodjen mürbe, baß ber Slnroalt bagegen nid)ts 
eiitjuroenben haben roerbe. SluS Slnlafj eines ©pejialfalls hat 
ber 33orftanb ber mürttembergifchen SlnroattSfammer [ich in 
feiner ©ifcung oom 27. gebruar 1887 mit biefer $ ra ge be= 
fagt unb auf ermatteten SSortrag einftimmig feine 2(nfi<ht ba= 
hin auSgefprochen, baß bei ben Sanbgeriditen resp. bem £)ber= 
lanbeSgeridht jugelaffene Slnmälte, auch bann, roenn fie am 
Sifc beS SlmtSgeridjtS mohnen, nicht oerpf littet feien, 
bei ben 2lmtSgerid)ten Slrmenprojeffe ju übernehmen, roobei 


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3RitteiIungen beö älorftanbe ber Imualtölammec. 87 

es übrigens bem pflidjtmäfjigen ©rmeffen bes einzelnen 2lnioaltS 
anheim gegeben bleibe, in einjelnen fallen nad) ber befonberS 
gearteten ©adjlage auf ergefjenbe^ ©rfudjen freiroülig fid) ber 
betreffenben gunftion ju unterbieten. 

®ie ©rünbe ju biefem Sefdtlufi finb folgenbe: 

5 ?ad) bem SBortlaut beS § 36 ber 9t.2l.0. t<d bie SHuSroatl 
eines» beijuorbnenben 3tedjtSanroaltS (in ben fällen beS § 33 uitb 
34 ber 3121.0.) burd» ben Sorfijjenben beS ©erid^tä aus ber 
3a|)t ber bei biefem bugelaffenen StedjtSanro alte 
ju erfolgen, Scton tiernad) in sBerbinbung mit bem § 8 (aud) 
§ 4, § 9—15) ber 9121.0. fann ein 3 roe tf e * barilber nid)t 
befte^en, baß ber Umftanb, bafj ber bei bem Sanbgeridjt (0ber= 
lanbeSgerictt) bugelaffene Slnmalt am Si{se beS 2lmtSgeridjtS 
rootnt, aber nidjt (jugleict) bei biefem jugelaffen ift, ooHfiän; 
big unerteblidt erfdjeint unb eine SSerpflidjtung beS 2InroaltS, 
fid) in amtSgeridjtlidjen fßrobeffen als 2trmenanroalt befteHen 
bu laffen, b« begriinben nidtt geeignet ift. — ®ieS fprecten 
audt bie SJtotioe b« bem § 34 beS ©ntrourfS ber 31.31.0. (@e= 
fefc § 36) beutlid) aus (SJtotioe <5. 64 abgebrudt bei Siegel, 
■äßaterialien bur 9ted)tS2L0. <B. 252). 2ludj ber (Sang , roel= 
dten bie 2?ertanblungen in ber 9teid)StagSfommiffion , bebie- 
tungSroeife im SieidtStag felbft in biefer Sejietung genommen 
taben, unterftüfct biefeS Stefultat. groar beantragte bie 3ieid)S= 
tagSfonuniffton eine oeränberte Raffung beS ©ntrourfs § 34 
(©efefc § 36) batin getenb : „bie 2luSioatl eines beibuorbttenben 
9tedttSanmaltS erfolgt bei ben Äollegialgerid)ten burct 
ben 93orfifcenben beS ©erictts aus ber $atl ^> er biefem 
bugelaffenen 9ied)tSamocilte, beiben2lmtSgerid)tenburdt 
ben StmtSrictter aus ber 3 a ^ ^ ^ et imöebtrfe beS 
SlmtSgeridttS rootntaften, bei bem 2anbgerid»t 
bugelaffenen 9t ed)t Santo eilte (bie gefperrt gebrudten 
SBorte enttalten bie oon ber Äommiffton beantragte 9JiobifU 
fation). Illein biefer 3lntrag, melier oorbugSmeife mit ber 
roeiteren, oon ber ffommiffion beantragten 2tenberung beS 6nt= 
tourfs bufammentieng, toornact im ©egenfafc b u biefem (Gnt- 
wurf § 7, ©efefc § 8) ..bie 3ulaffung nur bei ßollegialgertctten. 


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88 


SWitteüungen beä SorftanbS bet StnroaMlammer. 


nid^t aber bei Amtsgerichten ftattijaft fein follte, würbe mit 
bem Eintrag 311 § 87 beS (SntwurfS im Plenum bes SieichtagS 
abgeworfen unb bie urfprünglidje StegierungSoorlage roieber 
bergeftellt (v. hierüber Siegeth, Aed)tSanwatt3orbnung S. 86 
unb bie Gitate bafelbft, ferner Siegel, SJiateriatien S. 430 
unb 632). 3“ oergleicßen ift noch als im fJlefultat mit biefer 
Ausführung iibereinftimmenb ©aupp, Goinmentar jur G.iß.D. 
Bb. 1 S. 327. 


2 . 

geftfteUung unb jroangSroeife Beitreibung ber Ätoften ber 
Parteien im ^Jrioatflagoerfahren unb ber Äoften beS Aebew 
flägerS. 

SBäfirenb bezüglich einer Steife ftrafprojeffuaUfdf)er Streik 
fragen aEmä^lid^ eine ein^eittidje Behanbluug ber betreffenben 
9Jtaterien SJHaf} gegriffen bat, berrfdjen bei ben mürttembergifcben 
©ericbten no«b bie oerfd>iebenften Anfchauungen über bie Be= 
banblung ber ©efud&e um geftjtellung ber burch Urteil bem 
^ßrioatfläger ober bem Angeflagten jugefchiebenen Stoften beS 
^rioatflageoerfahrenS unb ber burch Urteil bem Angeflagten 
auferlegten Äoften beS AebenflägerS, foroie über bie jwangSrceife 
Beitreibung biefer Äoften, ohne baß bis je|t eine biefer Anfdjau= 
ungen in ber ^rajis entfdjieben bie Dberbanb gewonnen hätte. 

'JZad)bem mehrmals ber gall oorgefontmen mar, baß im 
«Prioatflagoerfabren eine Partei bie Sofien, ju beren Grfafc 
bie ©egenpartei oerurteilt worben war, überhaupt nid)t beb 
treiben fonnte, weil einerfeitS ber angerufene Strafrichter beim 
Schweigen ber jur 3 Q ht un 0 aufgeforberten jahtungSpflichtigen 
Partei bie Borausfeßungen einer Äoftenfeftftellung nicht für 
oorhanben ober [ich nicht für befugt erachtete, bem ergangenen 
$eft|MungSbef<htuß bie BoUftredungSflaufel ju erteilen, anbe- 
rerfeits aber ber bann angerufene Gioilrichter ftch für unju= 
ftänbig erflärte, liefen beim Borftanb ber AnroaltSfamtner ©e= 


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ÜJlitteilungen beä SJorftanbS ber Stmoaltsfammer. 89 

fudje ein, welche auf SBefeitigung biefess allerbingS für bie Se= 
teiligten ßöthft peinlichen 3 u f tan ^ cg hielten. ®ie eingeholtcn 
Seußerungen oerfcßiebener Anwälte beftätigten baS Slorßanbem 
fein biefer roiberfpredjenben ißrajis unb ber mißlichen ftonfe= 
quenjen biefeS 3uftanbS in einem SJlaße, baß ber iBorfianb, 
roenn er ft<h auch barüber Har mar, baß baS 3uftij=ÜJtinifterium 
btefe grage nid^t im 2Bege ber SBeifungen an bie ©eridßte 
erlebigen fönne, unb noch weniger eine foldje SBeifung oon fi<h aus 
prooojieren roollie, bo<h glaubte, wenigftenS auf biefe wiber= 
fpredjenbe Praxis unb ihre folgen ßinraeifen ju fallen, in ber 
Hoffnung, fdhon baburd) uieHeicßt eine einheitlichere Seßanb: 
lung anregen ju lömten. 

Gr h“t beSljalb unter’m 7. gebruar 1886 einen Eintrag 
beim Hgl. 3ufHj=3Winifterium eingereicht, in bem er auSfüßrte : 

„2luf faum einem ©ebiet ift bie ißrapis ber württembergifcßcn 
©eridhte eine fo fdhwanfenbe unb wiberfpredhenbe, als im 3?er= 
fahren jum 3 roec t ber geftftellung unb jwangSweifen 33eitrei= 
bung ber Höften im ^rioatflageoerfahren bejiehuitgSweife ber 
Höften beS StebenflägerS. 

33ei einzelnen unb roohl ben nteiften ©ericßten werben bie 
Höften ber Partei, welche im ^rioatflagoerfaßren Grfaß ihrer 
notwenbigen Justagen oom ©egner ju beanfprudhen hat, auf 
2lnfud)en befreiter! auf bie bloße 23emerfung im Hoftenfeftfeß= 
uitgSgefucß hin, baß ber ©egner, jur SBejahlung aufgeforbert, 
biefelbe oerweigert habe, alfo ftreite. Slnbere ©eridhte aber 
oerlangen oor ber ®efretur ben SladhweiS, baß bie erwähnte 
2tufforberung wirflidh ftattgefunben habe, burdh Vorlegung beS 
ÄonjeptS ber 3ahlnngiSaufforberung, währenb wieber anbere 
ben Stadhweis ber Weigerung beS 3 a hlwTtg^pfI idtjtigen burdh 
Vorlage eines im -Dlahnoerfahren erhobenen SBiberfprucbS for= 
bern. Söieberum anbere oerweigertt bie $>efretur, fo lange 
nicht erwiefen ift, baß baS paffioe Verhalten beS 3ahtwngS= 
pflichtigen ober fein SBiberfprudh feinen ©runb gerabe in einem 
Streit über bie ^öße ber Höften ober über bie Slotwenbigfeit 
ber unter ihnen begriffenen 2luSlagen hat, — was für bie Siegel 
beim «Schweigen ober nicht motioierten SBiberfpredhen bes 


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90 Sötttteilungen beä Sorftanbö bet ämoaltSlammer. 

3ahlung3flichtigen einet Verweigerung bet ®efretur überhaupt 
gleicßfommt. ®ie meiften ©eridjte taffen ferner bem oon ihnen 
gefaxten ÄoftenfeftftellungSbefdbluß bie VolIftredfungSElaufel er= 
teilen, roäßrenb roieber ba£ eine ober anbere biefelbe oerroeigert 
itnb fo bie geftftellung praftifdß ganj roertloä macht. Verfucßt 
bet mit feinem geftftellung^gefudb ober mit feinem Stntrag auf 
©rteilung ber VoHftredfungSflaufel abgeraiefene gorberungSbe* 
redßtigte auf bem SBege beä SioilprojeffeS oon bem @rfaßpflicb= 
tigen bie ftoften beijutreiben, fo ift bie fßrapis toieber oem 
fdßieben: in einjelnen gälten h a ben bie Senate fdßon bem 
Älagantrag gemäß oerurteiit, jiemlidb regelmäßig aber roirb 
bie ftlage abgeroiefen, raeit ber 2Beg be3 SioilprojeffeS nicht 
juläffig fei, — roährenb faft alle Slmtägerichte feinen Slnftanb 
nehmen, Saßlungäbefehle f üt foldhe Ä'oftenforberungen ju er= 
teilen. 

®ie Verfcbiebenßeit ber Sluffaffungen ift fo grell, baß 
nidfjt bloß bie tßrapiä eines unb beSfetben ©ericßtS fidß jeifc 
roeife in ißr ©egenteil oerroanbelt, je nadßbem bie Vefeßung 
ber Stifter — unb ©eridjtäfdjreiberftellen roedhfelt, fonbern 
baß fogar an einem unb bemfelben StmtSgeridbte bie einjetnen 
atmtörid^ter gleichseitig bie gerabeju entgegengefeßte ^raris 
befolgen. 

gaftifcß ift benn auch f<hon in einer Steiße oon gäEen 
in golge biefer StBiberfpriiche baö Siefultat erhielt roorbeit, 
baß einzelne gorberungSberecßtigtc, nacßbem fie mit nicht uro 
erßeblidjem Slufmanb alle gnftanjen burcßlaufen, roeil fie oom 
Strafridjter feinen ooüftrecf baren ÄoftenfeftftcEung^befdßtuß er= 
langen fonnten unb oom (Sioilricßter abgeroiefen würben, ge= 
rabesu redßtloS rourbeit, obrooßl ißnen ©rfaß ißrer Äoften redßt3= 
Eräftig jugefprodßen roar. 

Unfere Aufgabe ift eS junäcßft nicht, ein Urteil über bie 
Vereinigung ber oerfcßiebenen Sluffaffungen abjugebeit, aber 
ber ©ebanfe brängt fidß bodß auf, baß es nicht bie Slbfidßt ber 
©efeßgebuttg fein fann, über bie Äoftenfrage noch eine Äognition 
beS GioilrußterS ßerbeiäufüßren. ®ie Verpflichtung junt Äoftero 
erfaß felbft ß“t ja ber Strafrichter prinjipieH bereits rechts* 


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äRüieÜungen beä SCorftanbä bet 3lnn>altSlammer. 91 

gütig feftgefteEt unb über ben bann noch einzig möglichen Streit, 
ncmlich ben über ben Setrag ber floften, ju entfdjeiben, er= 
mächtigt ihn ba3 ©efefc auSbriicflich. ®af? feine Gntfcheibung 
aber an bas? Sorfjanbenfein unntöglid) nadhjuroeifenber SorauS- 
fegungen gebunben fei ober baff fte hhliehli<h , roeil nicht oofl- 
ftrecfbar, mertlos fein foE, fann man nur annehmen, meint 
man eine groffe £üdfe in ber ©efehgebung jugeben roiU. 

©ei bem übrigens, roie ihm moEe, b a& glauben mir l>et= 
oorheben ju muffen, bafi ber gegenmärtige 3 nftanb roeber bem 
^ntereffe beä recht^fudhenben ißublifumä noch bem Stnfehen ber 
Rechtspflege entfprid&t unb baf? eine ein^eitlidfje Regelung biefer 
Katerie mit aüen gefeglichen -Kitteln ju erftreben ift. 

SBtr finb auch ber Keinung, bah es, ohne in bie ©elb= 
ftänbigfeit bet 9U$ter einjugreifen, ber SanbeSfuft^oerroaltuug 
möglich fern untb, eine einheitlichere Sehanblung biefer ttoftem 
frage anjuregen, um fo mehr als unfereS SBiffenS bei ber 
Kehrjahl ber ©erichte neuerbingö ein geftfteEungägefuch, roentt 
es oon einer Sefdjeinigung ber erfolgten 3ahlung3aufforberung 
begleitet ift, fomohl besüglicf) ber geftfteEung felbft als bejüg= 
lid) ber Erteilung ber SoEftrecfungSflaufel auf feine 6 cf)mie= 
rigfeiten mehr ftofjt. ®ie fchlimmfteu Uebelftänbe mären fd>oit 
oerhütet, roenn es nur gelänge, eine Serftänbigung bahin ju 
erjielen, bah menigftenS bei einem unb bemfelben ©erichte 
nicht — geroih jum ©chaben bes Sttnfehenä ber Rechtspflege — 
bie oerhhiebenen Sluffaffuitgett fich befämpfen unb gegenfeitig 
lahm legen" 

Gr begrünbete batnit bie Sitte an bas Kinifterium: 

„in irgenb roeld>et geeignet fcheincnben SBeife ber f^rage 
einer Sefeitigung ber h^norgehobenen Kihftänbe nahe treten 
31 t rooEen". 

2 lu§ bem Sefdjeib beS ÄgI. 3 ufti 3 =KinifteriumS oont 9. ®e= 
3 ember oor. ift fotgenbe^ heroorjuhebcn : 

„®ie in ffalge ber Gingabe be£ Sorftanbs ber 2lnroaltS= 
fammer ootn 7. gebruar b. 3- oon bem $ufii 3 minifterium ge= 
machten umfaffenben Grhebungen hoben beftätigt, bah in Se= 
treff ber geftfteEung unb smattgSroeifen Seitreibung ber ifkr= 


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92 aJlitteifungen beä Sorftcmb« ber 2lmualt8!ainmer. 

teifoften im ißrioatflageoerfaßren (unb ber Sofien beS Sieben; 
HägerS) bie ißrapS ber ©ertöte eine ungleichmäßige ifl. 

Snbeffen lernen nur wenige ©eridfjte eine fteftftetlung biefer 
Äoften prinzipiell ab unb bie SJle^a^I berjenigen ©eridjte, 
welche als ©orauSfeßung einer Gntfcßeibung nach § 496 2lbf. 2 
ber ©tr.fßr.D. baS ©e ft eben eines ©t reit es über bie 
Höße ber Äoften ober ber barunter begriffenen SluSlagen an-- 
feßen, macht bie geftfteHung nicht uon einem firengen St a <h ro e i f e 
beS ©efteßenS eines foldhen ©treiteS abhängig. Sie große 
aJle^rga^r ber ©ericßte, inSbefonbere ber 2ImtSgeri($te, bean- 
fianbet es fobann nid^t, ber Gntfdßeibung nach § 496 Slbf. 2 
ber ©tr.©r.D. bie ©ollftrecfungSflaufel erteilen ju taffen. Sie 
^uftijoerroaltung ift nicht in ber Sage, ju Herbeiführung eines 
gleichmäßigen Verfahrens in ©etreff ber geftftellung unb ©ei; 
treibung ber fraglichen ßoften ben ©erraten in ©etreff ber 
2luSlegung beS § 496 Slbf. 2 ber ©tr.^r.D. foroie ßinfidhtlicf) 
einer etwaigen Slnwenbbarfeit beS § 495 ber ©tr.fßr.D. SEBei- 
jungen erteilen ju fönnert. Sagegen hat baS ^uftijminifterium 
bie Gingabe bes ©orftanbs ber SfowaltSfammer oom 7. ge; 
bruar b. 3. unb baS GrgebniS ber über baS ©erfahren ber 
©eridhte angeftettten Grhebungen bent SleicßSiufHjamte jur Jtennt= 
niSnahme mitgeteilt unb bei bemfelben bie Siegelung beS ©e; 
genftanbS im SBege ber SteicßSgefeßgebung mit bem Sfafügen in 
Anregung gebracht, baß auch * n ben üon ben ©encßten über 
biefen ©egenftanb an baS guftijminifterium erftatteten ©eridhten 
baS ©ebürfnis einer einheitlichen Siegelung beSfelben burdh bie 
SieichSgefeßgebung mehrfach §um SluSbrud gefommen fei." 

Saß bei einer Slbänberung ber SieicßSgefeßgebung über 
biefen ©egenftanb eine gaffung gewählt werben wirb, welche 
bie bisherigen ßweifel auSfdhließt, barf wohl mit Sicherheit 
angenommen werben, an ftdh aber ift ber ©egenftanb ju un= 
bebeutenb, als baß eine felbfiänbige Siegelung biefer SJtaterie 
burdh bie ©efeßgebung in StuSfidht ju nehmen wäre. 2Sie lange 
es aber noch bis ju einer allgemeineren Sieform ber ©traf; 
projeßorbnung anfteßen wirb, läßt fi<h nicht abfeßen unb fo famt 
bie SlechtSunficßerheit auf biefent ©ebiete noch lange fortbauern. 


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3u*$rage über bie SBefjanblung üfeerfc^ulbeter etbloferSerlaffenf haften. 93 

SBenn übrigens bis bortfjin bie roieber^olte ©rörternng 
ber Sadje, nie eS ber $aE ju fein fdjeint, nur 

roenigftenS baS ©ute t)at, bie ©eriäite non einer aE$u rigorofen 
Prüfung beS SSor&anbenfeinS eines Streites gerabe über bie 
•Späße ber ftoften ober ber barunter begriffenen 2tuSlagen ab= 
3 ußalten, fo roiirbe bie 3aßl bet Unpträglidffeiten ftdj fo feljr 
oerminbem laffen, baß bie Hagen fo siemlicß oerfdfwunben 
mürben. 


IV. 

$tir frage über bie Beljanbhmg iiberfdjulbeter erb* 
lofer ^erlaflenfdjaftett. 

3luS »eranlaffung ber im 3aßre 1883 ftattgeßabten $8i= 
fitation beS 3lmtSgeridjtS |>errenberg unb fobann roieber auf 
bie Sßifitation beS 3tmtSgeridßtS Nürtingen oom Qaßr 1885 
bat baS fcanbgeridft ju Tübingen in feinem 33ifitationSerlaß 
über baS Verfahren bei 3luSeinanberfeßung erblofer überfctnib 
betet SBerlaffenfcßaften nadfjfolgenbe Verfügung getroffen ’): 

1. ®ie SerpfTictjtung ber XeilungSbeßörben, fid) biefem 
2luSeinanberfe$ungSt>erfaßren ju untergeben, folgt aus ber 
SpfTidbt berfelben, für bie 33efriebigung ber ©rbfdßaftSgfäubiger 
Sorge ju tragen Slommun-Drbnung cap. II 9lbfd&n. 19. § 11 ; 
ißfanbgefefc 3lrt. 39 , Imuptinftruftion § 84 ; DtotariatSfporteb 
gefeß oom 8. 3uni 1883 3lrt. 23. 

2. ©S ift junäcßft gemäß 31. 17 beS 9totariatSgefe|eS ein 
iBermögenSoertoalter gu befteEen unb nacß SSorfdßrift ber 3n= 
ftijntinifterialoerfügung oom 6. ®ejember 1884 ;u oerpfficßten. 


1) 3)ie Ijtet mitgeteilte Raffung ift bem SSifttationSerlafi an baä 
tlmtSgeridjt ju Slütlingen entnommen, liefet meiefft in einigen fünften 
»on bemjenigen an baS SlintSgerid^t fjerrenberg ab. 


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94 


3«t Stage übet bie Befjanbluttg 


bem bie Sorge für ben 9tadf)taf! obliegt (f. 31. 22 beS roürtt. 
3luöfübrungggefe^eei gut ©inilprojefjorbnung). 

3. ©obann ift ein ©läubigeraufruf unb groar an bie bt- 
fannten ©laubiger fpegiell ba^in gu erlaffen, bafe, fattö nid^t 
innerhalb bes »on ber £eilung$bebörbe ju beftimmenben Xer- 
niinö ein Antrag auf bie ©röffnung be$ ÄonfurfeS gefteßt 
roiirbe, ber Nachlaß nach ben außerhalb be$ Äonfurfeä gelten: 
ben ©runbfägen jur Verteilung feinte. 3» e nach ber Sage ber 
Sadje fann mit biefem Slufruf bie 3lnberaumung eines 2er = 
minS gur Verbanblung mit ben ©laubigem oerbunben roerben. 
3rgenb ein materieller StecbtSnacbteil, roie ber bes 3luSf<hIuf)e§ 
ober ber 3lntial)me ber Buftimmung gu einem Vergleiche fann 
nicht angebrobt merben. 

4. SBenn fief) ©ebroierigfeiten ergeben, namentlich roenn 
eingelue ©laubiger mit ber 3 T0ait 9' äD0 ttf ltr ecfutig Borgeben, (31. 
23 beö roürtt. SlusfübrungSgef. jur ©ioiliß.D. finbet hier feine 
3lnroenbung), fo ift ber ÜJtacblafsocrtreter non ber 2eilung3be: 
börbe anguroeifen, ben Slntrag auf ©röffnung beS itonfurfes 
gegen bie Verlaffenfcbaft gu fteßen, roogu er nach § 205 ber 
AlonfurSorbnung befugt ift. 

5. ®ie Verengerung ber Verlaffenfcbaft bat nach ben bei 
VerlaffenfcbaftSteilungen geltenben ©runbfeiben burdl) ben ftu= 
rator unter Seitung ber 2eilungSbebörbe gu gefaben. 

6. ®ie geftftettung ber einzelnen Jorbcrungen erfolgt 
burcb'baS SHnerfentnis beS ÜuratorS, roobei jeboeb bie 2eitungö= 
bebörbe beredbtigt ift, bie Buftimmung gu nerfagen. ®afj bie 
einzelnen ©laubiger gegenfeitig über ihre ffforberungen gehört 
merben, ift nicht erforberlicb- 

7. ®a ber SßuSfdblujj nicht angebrobt roerben fann, ntiiffen 
nadbfommenbe ©laubiger, folange noch unoerteilteS Vermögen 
oorbanben ift, berücEficbtigt roerben. 

8. Vei Verteilung ber 3)?affe fommen nur bie außerhalb 
beö ÄonfurfeS geltenben ©runbfä|e jur Slnroenbung ; eS fönnen 
beSrocgen bie VorgugSrecbte beS § 54 ber ÄonfurSorbnung 
nicht beachtet roerben. ©3 finb bietrach bie ftoften guerft gu 
befriebigen; 3lbfonberungSrecbte unb 9tetentionSre<bte , welche 


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überfdjutbeter erblofer 3tertaf[enf<baften. 95 

bem ©laubiger nach roiirttemb. Aecbt auch außerhalb beS Äoro 
furfeS äufteljen, fönnen and) bei biefem Verfahren gcltenb gc^ 
macht werben »ergl. .fpobl, ÄonfurSD. ©. 200 ; Stiegli|, 6 . 308 d. 
3)ie perfönlidben ©laubiger finb nach bem Verhältnis bes Ve= 
tragS i£>rer $orberungen ju befriebigen. 

9. UebrigenS fte^t felbftöcrftänbUcb nichts im 2öege, baf? 
im VergleidbSroeg bie Verteilung nach ben ©runbfätjen ber 
ÄonfurSorbnung oorgenommen roirb, 100311 ftdb bie ©laubiger 
jur Vermeibung ber Soften beS Jftontursoerfabrens gerne her-' 
beilaffen roerben. 

©aS 3uftijminifterium bat bie betreffenbeu VifitationS= 
Sitten bem DberlanbeSgeridbt mitgeteilt unb bemfelbcn anbehm 
gegeben, ob baSfelbe nicht nach »orgängiger Vernehmung {amt- 
licher Sanbgericbte fidb ju ©rlaffuitg eines ©emeinbefcbeibS hie- 
rüber »eranlafjt finbe. ©iefe Veridbte finb eingebott morben. 
©aS DberlanbeSgeridbt glaubte jebo<b nicht in ber £agc ju fein, 
eine allgemeine Verfügung über bie »orliegenbe g rn 9 e tx ' 
laffen ju fönnen unb es bat fi<h bemgentäf? baSfelbe auch nicht 
über bie fRidbtigfeit ber oon bem Sanbgeridbt ju Tübingen auf- 
gefteüten ©ä|e unb ber im Aacbftebenben mitgeteilten AuSTüb- 
rungen feines VeridbterftatterS auSgefprodjen. 

@S mag jeboeb pr ÄlarfteEung ber grage unb jur An- 
regung weiterer (Srörterung sroeifelbafter fünfte bienlich er= 
febeinen, wenn aus bem Vortrag beS VericbterftatterS beS 
DberlanbeSgeridbtS baS ÜJlacbftebenbe veröffentlicht roirb. 

I. ©aff fidb bie groage erhoben bat, roie ju »erfahren fei, 
roenn beim Vorliegen ber Ueberfchulbung eines VacblaffeS bie 
Srbfdbaft nidbt angetreten roerbe, ift eine golge ber Vefthro 
mungen ber s JteichS=.ÜonfurSorbnung. 

SBäbrenb nämlidb nach ben ©runbfäfcen bes bisherigen 
roürttembergifdben DtecbtS bie ©eilungSbebörben verpflichtet 
waren, roenn fidb bei einer Verlaffenfcbaftsteilung eine lieber^ 
febutbung beS 9la<hlaffeS l;«auSftellte unb bie Grbfdjaft nidbt 
unbebingt, fonbern mit ber AedjtSroobltbat bes ^noentarS am 
getreten ober aber auSgefddageit würbe, bem ©antgeriebt »on 
AmtSroegen Slnjeige su madjen unb bemfelben bie Aften ju 


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96 


3ur grage über bte Sefjartblung 


übergeben, roelihe0 fobann ben HonfurS erfannte l ), fo fann 
nad) ben f3orf<hriften ber SieidhSfonf.D. § 95 baS Verfahren 
nur auf Antrag eröffnet roerben. ®ieö gilt auch bejüglich 
ber Eröffnung beS Konfurfes über einen 9?ad)tafi f. § 205 eod. 
3u biefem Antrag ift jeber 6rbe ober Vertreter beö SlacfjlaffeS 
unb jeber Stadjlafjgläubiger berechtigt. 

So fann fidj ber gall ergeben, baff fidj ju einem über» 
fdhulbeten Stadhlafj ein ©rbe nidjt pnbet, bajj aber aud) bie 
@r Öffnung beä £onfursoerfahren3 über bie SSerlaffenfchaft nicht 
beantragt roirb. 

2)ie roürttembergifdien SluöfühtungSgefefse jur 9teid)3cit>il= 
projegorbnung unb SteidhSfonfuräorbnung hoben im 3lnfd)lufs 
an baä geltenbe Stecht einjelne SBeftimmungen getroffen für 
ben bafe bie ©rbjdjaft mit ber 'Jteditörooblthat beä 3n- 
»entarä angetreten roirb, f. 3lrt. 9 beä 3luöf.©efe^eö jur SReidhs- 
fonf.ö. ; 3lrt. 23 beS Sluöf.Sef. jur SteuhScfoiliß.D. ; 35orfd)riften 
über ben oorbejeichneten galt, baff bie ©rbfehaft nicht ange» 
treten roirb, finben fid) aber nicht. 

$Da<3 Sanbgeridht ju Tübingen ift auf Gtrunb ber Äom» 
munotbnung oom 1. 3tuni 1758 cap. II, Slbfdhnitt 19 § 11.; 
beä ißfanbgefefceö 31. 39 unb ber $auptinftruftion baju § 84 ff. ; 
ferner 31. 23 bei ©efefjeS o. 8. Quni 1883 ber Slnfidht, bah 
bie SeilungSbeljörben ju Sinseinanberfehung foldjer überfdpib 
beter SBerlaffenfchaften oon 3lmtöroegen oerpflicfitet feien, ^ie- 
mit ftimmen bie übrigen Sanbgerid)te mit 2lu3nahme berjenigen 
ju ©ttroangen unb Stottroeil überein. 

®a3 üanbgeridit ju ©Hroangen hat ft<h bafu n auägefpro» 
d)en : Stach ber roürttembergifchen SluäführungSgefefcgebung 
befiele eine Sücfe in 'Ikjiehuttg auf bie oorliegenbe grage 
nicht. Slbfichttidh fei nur für ben Jfall beö ©rbfd)aft3antritt$ 

1) ©eneralrefcript ootn 14. Sprit 1781. 3<ff- 12; § 160 be§ IV. 
(SbifiS; §auptinftru!tion jurn ^fanbgef. § 97. Sbf. 2; Stein — §ot)l S. 
123; Süei8&aar, $riratrecf|t § 909; Setter § 437 S. 316, § 475 S 317.; 
Sofdfet, 3eitfdjrift 33. 9 S. 258, 8. 18 S. 259. 260; Äommiff.=»eri$t 
ber Kamnter bet Sbg. jum 3lu$füljrung8gef. jur 9teid|8fonl.D. S. 9 f. 
neue Suftijgef®. 33. 6 S. 446. 


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überfd&ulbeier etblofet 93erlaffenfd^aften. 97 

mit her SiedjtSrooljltfjat beS gnnentarS ein befonbereS fiiqui- 
bationSuerfaljren angeorbnet roorben unb jntar offenbar beS= 
fjalb, roeil nadj SWajjgabe ber ©itnlprojefjorbnung ein S3ebürf- 
niS Ijieju für ben gaff eine« erblofeti 9tact)laffeS nidjt norliege. 
2)ie VorauSfe{jung, baff bie non bem £anbgericE)t ju Tübingen 
angejogenen ©efegeSfteüen auf ben »orliegeitben galt 3tnroen= 
bung finben, treffe nid)t ju. 2Bie fcfion ber SBortlaut berfel= 
ben ergebe, bejietjen fie fid^ nur auf ben gaff, roenn bie Grb= 
feftaft angetreten roorben fei ’). 2lud) bie üffotioe jn bem an= 
geführten 2lrt. 9 erfennen nur bejügtid) beS gaffs beS Grb= 
fdljaftSantrittS mit ber 3tccf>tSroof)ltl)at beS gnoentarS ein 33e- 
bürfrtiö an, ein Verfahren ju beftimmen, in roeldjem ber ipaf= 
fioftanb mit ©idjcrljeit ermittelt, unb für bie gleidmtäjnge Ve= 
friebigung ber ©läubiger auS ber Grbmaffe auSreidfjenbc Vor* 
fefjr getroffen fei. Gbenfo fpreeffe fiel) ber ÄommifftonSberidfjt 
äu 9lrt. 18 beS ©ntrourfs aus. @S fei aber aud) ridfjtig, baf; 
fein VebürfniS norfwnben fei. $ie ^^ätigfeit ber 9fedl)tSpo= 
lijei beffyränfe fl djj in biefen fallen auf bie Sicherung ber 
Sftaffe unb bie .fperfteHung einer gefefdiefjen Vertretung ber- 
felben, erftreefe ftdfi aber nidfjt auf bie Vefriebigung ber ©läu= 
biger oon SlmtSroegen. 2Bie eö tagtäglidf) bei Sebäeiten ber 
©dffulbner norfontme, baf? beren Vermögen, ofjite baf 3 ein 2tn= 
trag auf ©röffnung be^ itonfurfeS geftefft roerbe, tiöEig auS= 
gepfänbet werbe, fo tnüffe bieS auefj jefet gelten, wenn einer 
nidfft angetretenen ©rbfdjaft ein Kurator befteüt roorben fei unb 
fein Slntrag auf ÄonfurSeröffnung gefteßt roerbe. 3m lederen 
gaff anbere ©runbfäfce eintreten ju taffen als bei Sebjeiten 
beS SdjulbnerS, feljle eS an allem ©runb. ©S finbe atfo un- 
befdfjränft bie Spejialeyefution nadlj SJtafsgabe ber ©ioilprojcfe- 
orbnung ftatt. UebrigenS fönne audt) bem Vermalter nid)t 
oerroeljrt roerben, einzelne ©läubiger aus ber 311 affe ju bejaljleu 
unb ^ieju einen ©läubigeraufruf ju erlaffen, gür ein Dffi- 

1) Dem £anbgerid)t gu ©Uroarigeri tag nur bet Sßifttationöertafi t>om 
7. SRai 1883 oor, n>eld)er eine SJejugnatjme auj 9t. 23 bes 9totariat3= 
fportelgefefeeä noef) nic^t enthielt. 

3a4rbil.l)et b. Sttrtlnnbfl. £We<b*bpflefle. I. 7 


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98 


3ur tjrage übet bie Skfjanbluttg 


jialnerfahren ber ©eilunggbef>örben fei ba§er fein Staunt, für 
eine Siegelung beS Verfahrens fein 33ebürfni0 norljanbeti, 
unb es fbnne fid^ nur barunt Rubeln, bie Siotare unb SBaifem 
geriete übet bie Sage ber ©efefsgebung ju belehren. 

©aS Sanbgericht ju Stottweil ift ebenfalls ber Slnfid&t, 
bafj ficb bie erwähnten ©efefceSftellen nur auf ben $all begießen, 
wenn bie ©rbfchaft angetreten worben fei, baf? es jeboch wegen 
ber ÄoftenerfparniS unb rareren ©rlebigung jwecfmäjjtg er= 
fdjeine, bie ©röffnung beS ÄonfurfeS ju »ermeiben. @S liege 
im ©inne unb ©eift ber württemb. ©efefjgebung, bafj bie 
©eilungSbefiörben oon SlmtSwegen für bie gleichmäßige S3efrie= 
bigung bet Stadjlafjgläubiger ©orge tragen, eS fehle aber bem 
bisherigen Verfahren ber ©eilungSbehörben an einer gefehlten 
©runblage unb es fei baher eine gefeßlidße Siegelung beS 
Verfahrens angejeigt. 

SlUein eS wirb ber Sinnahnte beS SanbgerichtS ju Tübingen 
beijutreten fein, bafj bie ©eilungSbeljörben burd) baS ©efefc 
berufen ftnb, bie SluSeinanberfefcung überfd&ulbeter Verlaffen- 
fchaften norjuneljmen, auch wenn bie ©rbfdjaft nicht angetreten 
worben ift. 

3u ben ©eilungSgefchäften unb ©rbteilungen, welche 2trt. 
5 unb 7 beS SlotariatSgefefäeS als jum ©efchäftSfreiS ber 
SBaifengerichte unb Siotare gehörig bezeichnet, ift auch bie Ver= 
teilung eines StadfjtaffeS unter bie ©laubiger ju rechnen, ju 
welchem ein ©rbe nicht norhanben ift. 

3war fprechen bie angeführten ©teilen ber Äommunorb= 
nung, beS ißfanbgefefjeS unb ber ^auptinftruftion ihrem 2Bort= 
laut nach aHerbingS nur non bem $all, bafj @rben oorhanben 
finb. ©ieS hat feinen ©runb barin, bafj fie ben anbern $all 
ju erwähnen, feine Veranlaffung hatten, ©enn wenn bie Ver= 
laffenfchaft überfchulbet war unb bie ©rbfchaft nicht angetreten 
würbe, fo hatten nicht bie ©eilungSbeljörben, fonbent baS ©ant= 
geriet bie Verteilung non SlmtSwegen ju beforgen. ©er gaH 
aber, bah eine jureichenbe Verlaffenfchaft nicht angetreten würbe, 
fam nicht nor. 

2>ene Vorfchriften finb aber nur ein SluSflufj beS ©runb- 


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ü&erfdjulbeter erMofer Sertoffenf^often. 99 

fafceä, baß bie ©cßulben als etroaS auf ber ganzen ©rbfcßaft£= 
maffe |>aftenbe3 betrautet rourben, baß oor ©ejaßlung ber= 
felbett oon einer ©rbfcßaft nicht bie Siebe fein fönne, unb baß 
es bie ©laubiger mit ben ©rben eigentlich gar nicht ju tßun 
haben füllen f. Sollen ©omm. 8. 1 ©. 207. 213. 

©d>on baS fianbrecßt %ß. 4 Sit 4 § 1 unb ff. ßot be= 
ftimmt, baß nach »orgenommener Obfignation unb 3n®entari= 
fation juoörberft bie ©dßulben bejaßlt roerben foKen. 

3m Slnfcßluß hieran fcßreibt baS ©eneralreffript o. 3. ©ept. 
1642, f. Stetßdßer ©efe|f. 33. II 6. 428, »or : eS füllen bie 33e= 
ftimmungen beS SianbrecßtS oom Dbfignieren unb 3noentieren 
beßer als bisher beobachtet roerben unb »ornämlich ben be- 
fanntlichen itrebitoren nimmer fo hoch präjubijiert, fonbern fie 
uor aller ©rbfcßaft fontentiert unb affefuriert unb biHi= 
germaßen nerroiefen roerben. 35aS ©eneralreffript nom 14. 
3uni 1643 roieberholt bieS unb oerfügt : es füllen fürberhin 
auf begleichen fich ereigitenbe XobeSfälle bie befunbenen $re= 
bitoren jebeSma l »or2lntretung ber@rbf<haften 
obangejogenen Sanbrechten gemäS mit ben ©rben oerglichen 
unb bie liguibierten ©cßulben ex rnassa hereditaria abgeftattet 
ober mit 33orroißen ber Ärebitoren billigen Gingen nach abge^ 
funben roerben, jn ro eich ent ©nbe bie Slmtteute bem ©tabtfcßtei^ 
ber nebft oerorbneten Xeil- unb äßaifenricßter feine Leitung 
eße unb benn bie barin befunbenen ©cßulben jur Stidßtigfeit 
gebraut unb beiberjeitS beliebigermaßen abgefunben, oorjuneß- 
men geftatten füllen, ©benfo beftimmt b aS ©eneralreffript 
ootn 13. ©ept. 1709, Steuer 1. c. 33. III ©. 233: obrooßl 
auä ben faifetlWßen Siechten unb bem Sanbrecßt ju erfeßen fei, 
baß auf begebenbe £obeSfäIle oon ben anmaßenbett ©r= 
ben bie ßinterlaßenen ©chulben gleich noch befcßeßener 3noentur 
unb Dbfignation oo r Slntretung ber ©rbfcßaft füllen 
abgeftattet roerben, fo roerbe bieö bocß roenig beachtet, fonbern 
insgemein bie ©rbfchaften angetreten, bas Vermögen unb bie 
©cßulben geteilt unb meßrenteilS oßne SBißen ber ©laubiger 
bistraßiert, rooburcß biefe oft baS Stacßfeßen haben; beSßalb 
füllen auf bergleidjen fid) ereignenbe SobeSfälle alle Ärebitoren, 

7* 


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100 


3ur Srage über bie SefjanMung 


fie mögen 9tamen fjaben, roie fie wollen, jebeSmal oor 3lntre= 
tung ber ©rbfdfjaften mit ben Gr&en nörgligen unb bie liqui- 
bierten ©Bulben ex massa hereditaria abgefunben rcerben, 
3 U meinem ©nbe feine Reifung geftattet roerben foffe, ef)e nnb 
benn alle batin befunbenen ©Bulben jur 9iidf)tigfeit gebraut 
feien, f. ferner bie ©eneralreffripte v. 27. gebr. 1717 unb 
24. Slpril 1724. 

Sin biefe ©eneralreffripte fdjjliefjt fiel) bie Kommunorbnung 
com 1. Quni 1758 ©. 56 — 57, fttepfd&er III ©. 595, an: 
„@3 foHe aber nadfj »erriditeter ^inoentur bei ©träfe nid&t 
eljer jur Teilung gefc&ritten roerben, cS feien benn »orberift 
unfere geift= unb roeltlidfje Beamte, roie aucE) baS ©teueramt 
unb anbere Korpora, Kommunen, ißffegfdjaften unb fßrioat 
perfonen um baS burd) SluSfe&ung baarer -Kittel ober 

anberer rooljl »erfäufltd^er ©tücfe oöUig oergniigt". 

©ejüglidf) ber ©teuern aber ift in Kap. 5, Slbfdjn. 11 
§13 nocf) befonberS norgef ^rieben „unb roie nadj Kajjgabe 
unfereS fürftlidjfen SanbredljtS niemanb erben fann, eS feien 
benn juoor beS ©rblafferS ©dfjulben bejaht, alfo foHen, im 
gall ber ©erftorbene etroaS an ©teuern fdjulbig geblieben, ber 
©tabsbeamte, roie audfj ©ürgermeifter unb ©eridEjt, fürnämlid) 
aber bie Xeilri^ter oon SfaitSroegen bafiir beforgt fein, bamit 
baS gemeine SBefen hierunter nidfjt ju ©d&aben fomme" f. 
auch 3lbf. 2 unb 3 beS § 13. 

Sin ben ©orfdfjriften ber Kommunorbnung ift burcl) 31. 39 
beS ©fanbgefcfseS nur in fofern eine 3lenberung getroffen, als 
ben GrbfcfjaftSgläubigern „inforoeit nid^t für bie alsbalbige 
baare ©efriebigung ber ©rbfdfjaftSgläubiger geforgt roerben 
fann '), ein ^fanbrec^tgtitel eingeräumt roorben ift. ©£ bleibt 
aber bie ipflid&t hefteten, in erfter Sinie für bie alsbalbige baare 
©efriebigung ber ©laubiger ju forgen. SfaS bem ©isljerigen 
folgt, bafj bie ^ürforge ber fEeitungSbeljörben für bie ©efriebi- 
gung ber ©laubiger auch bann einjutreten f)at, roenn bie ©rb= 


1) 3u oetgl. Soffer, 3 e >tfdjr. II ©. 16—23; Sang, ©adjenredjt II 
©. 195; SloUet), Eomnient. I 6. 213 ff. 


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iifierfdjulbeter erblofer SJerlaffenfd^aften. 101 

fd^aft überhaupt nicht angetreten roirb, unb Riebet Ijat es auch 
im gaU bei' UnjuIängtWhfeit beS ÜladjlaffeS ju oerbleiben, na<h= 
bem bie Obliegenheit ber £eilmtgSbehörben roeggefallen ift, 
beim 3utreffen biefer SBorauSfefcung bie 2lften bem ©antgericht 
non SlmtSroegen oorjulegen unb lefctereS nicht mehr non 2lmtS= 
roegen ben ©ant ju erfennen hat. 3“ m Antrag auf ©röffnung 
beS RonfurfeS ift bie £eilung3bel)örbe nicht befugt. 

©S beftimmt auch 21. 23 beS 9totariatsfportelgefe|eS oom 
8. ^uni 1883 : „roenti bie 2fo8einanberfe|ung eines überfd&ul* 
beten 2fa<hlaffeS non ber fEeilungSbehörbe ju beforgen ift, fo 
ift bie votte SfeafteifungSfportet aitjufehen". fjieju bemerfen 
bie Wlotive, 1. töeilagenb. o. 1883 @. 69, „wenn es trofc 
ber oorliegenben Ueberfchulbung eines 'JtacblaffeS nid^t ju einer 
fonfurSmafjigen 2luSeinanberfetsung fommt, roeil fein 2lntrag 
auf ©röffnung beS ÄonfurSoerfahrenS geftellt roirb unb roemt 
nun entroeber baS burdf 21. 9 cit. geregelte 2luSeinanberfehungS= 
oerfahren eintritt, ober, roeil ein ©rbe nicht oorhanben ift, bie 
SluSeinanberfefeung burd) bie SEeilungSbehörben nach SJfafegabe 
ber an 21. 39 beS ipfanbgefejseS fid) anfbbtiefsenben ©runbfähe 
erfolgt, fo ift bie 2Infefcung ber StealteilungSfportel gerechtfertigt, 
fofem bie ^hätigfeit ber XeilungSbehörbe ganj in berfelben 
Sfißeife in 2lnfprud) genommen roirb, roie bei einer anbern 9teal-- 
teilung". Uebereinftimmenb hiemit hat fidh bie Rommiffion 
ber Rammet ber 2lbgeorbneten ju 21. 23 geäußert, eod. ©. 96, 
„roenn ein 9tad)lafe überfchulbet ift, ein 2lntrag auf ©röff= 
nung beS RonfurSoerfahrenS aber nicht geftellt roirb, fo ift 
bie 2tuSeinanberfe|ung burd) bie SEeilmtgSbehörbe ju beforgen. 
3ft bie ©rbfchaft cum benef. invent. angetreten, fo ift baS 
burch 2L 9 beS 2luSführungSgefeheS oorgefchriebene Verfahren 
cinjuleiten. SBenn aber ein ©rbe nicht oorhanben ift, fo hat 
bie SeilungSbehörbe für bie 23efriebigung ber ©rbf<haftSgläu= 
biger oon 2lmtSroegen ju forgen 21. 39 b. fpfanbg." ®ie 
Rommiffion ber Ramnter ber ©tanbeSherrn hat hiegegen nidhts 
erinnert. 

gür bie ainfidht ber fbtehrheit ber ßanbgerichte fann noch 
23ejug genommen roerben auf 21. 9 2lbf. 2 unb 3 beS 2luS= 


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102 


3ur g tage ü&er bie '-Beljanblung 


fiihrungdgefeßed jur Sleichdfonfurdorbnung. .gienad) hat bie 
£eiluugdbehörbe bie Verteilung bed 9tadjlaffed auch in bem 
gatt oorjunehmen, roenn fich bie Unjulänglidhfeit be^felbett 
unjweifelhaft ergeben hat. $ier ift jwar ein @*6e formell 
oorljanben; allein materiell hanbelt ed fi<h lebiglidh um eine 
2ludeinanberfeßung unter ben ©laubigem unb um bie Vertei- 
lung bed 9tadjlaffed unter biefe. 3 U einer 2ludeinanbetfeßung 
unter ben ©rben ift lein Objeft oorhanben. gft bie £eilungd= 
beerbe troßbem jur ©rlebigung ber ©a<he berufen, fo barf 
and) auf bie 3nftänbigfeit berfelben in bent materiell gleiten 
gall gefdjtoffen werben. 

©emgemäß mar ed begrünbet, roenn bie Äommiffton ber 
Kammer ber 9lbgeorbneten in bem Veridjt ju bem angeführten 
21. 9 fid) bahin audgefprocben ^at (f. 9t. guftij®. V. 6 ©. 448): 
,,©d liegt aifo fein 2lnlaß oor, bie Ermächtigung ber £eilungd= 
beworben jur Verteilung foldjer 9tadjläffe, (b. h- uon 9tadjläffen, 
ju welchen ein @rbe nicht oorhanben ift), falld fein Konfurd 
entfteßt, feftjufteEen. ©ie befteljt fd)on gefeßlidi". ©d hat fi<h 
auch bie Äontmiffion ju 21. 18 bed Gntrourfd, 21. 9 bed @e= 
fe^eö , nicht foroohl bahin geäußert, baß bie Kommuttorbnung 
unb bad ißfanbgefeß ft<h nur auf ben gatt bed ©rbfchaftdan= 
trittst bejiehen unb baß bie Äommiffion nur für ben gatt bed 
Grbfdjaftdantrittd cum beneficio inventarii ein Vebürfnid ber 
Regelung bed Verfahrend anerfenne, nicht aber für ben gatt, 
roetm ein Grbe nidht oorhanben fei, weil für biefen bie gefeß= 
Udjen Vorfdjriften fcßon audreichen, fonbern fte hat biefed Ve= 
biirfnid oemeint, weil bie gälle ju feiten fein werben, in 
welchen ed ju einem außergerichtlichen 2ludtrag ber ©a<he 
fomnten werbe. 

II. ®ie Annahme ber Äommiffton ber Kammer ber 2lb= 
georbneten, ed werbe fein Vebiirfnid oorhanben fein, für 
bie feltenen gatte bed außergerichtlichen 2ludtragd ber ©acße 
bad Verfahren burdj eine Vefiintmung ju regeln, bie nur 
bahin gehen fönnte „bie Vefümmung bed 2lbfaßed 3 ßnbet 
auch bann 2lnroenbung, wenn bie lleberfdjulbung eined 9tad)= 
laffed, ju welchem ein ©rbe nidht oorhanben ift, fich heraud= 


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üi>erf$ulbeter erbtofer 33erlaffenfd^a{ien. 


103 


gefieHt fjat", weil bie 9Jfögli#feit gegeben fei, bie Sehanblung 
einer folgen überfd^ulbeten Oladjlaßfac^e in baS &onfurSoer= 
fahren iiberjuleiten unb bieö au# in ber Siegel gefd^e^en roerbe, 
bat fi# bur# bie ©rfahrung nicht als jutreffenb erroiefen. 

2luS ben Seri#ten ber £anbgeri#te h«l ft# ergeben, bafj 
bie gatte, in roel#en fi# eine Ueberf#ulbung beS 3ta#laffeS 
herauSgeftellt hat unb beShalb bie ®rbf#aft au$gef#lagen 
rourbe, ni#t feiten oorgefomnten finb. 3” einem 5Ceif ber- 
felben war bie lleberleitung in ba§ Ä'onfurSnerfahren f#on 
beS^alb auSgef#loffen, weil na# § 99 b. ÄonfuröD. bie 2lb= 
roeifung beS ÄonfurSeröffnungSantragS erfolgen fann, wenn 
na# bem @nneffen be£ ©eri#t£ eine ben Äojlen beS Serfaf|= 
rens entfpre#enbe ÄonEurSmaffe ni#t oorljanben ift, unb bei ber 
erfahrungSmäjjigen #öhe ber Äoften ber in 2IuSfi#t ju neb- 
menbe Setrag bie oorbanbene SDJaffe iiberftieg. SCttein au# 
ba, roo bie 3Jtögli#feit ber lleberleitung be£ Verfahrens in 
ben ÄonfurS »orhanben war, rourbe na# jenen Seri#ten nur 
in ganj oereinjelten fällen baoon ©ebrau# gema#t. 32ut 
in bem Sesirfe eines 2lmtSgeri#tS bilbete es bie Siegel, bajj 
ber 3la#laf5oerroalter bei erheblicheren 3ta#lajjmaffen ben $on= 
fürs beantragte. 

®ie Sthatfa#e, bafj ber ÄonfurS au# in benjenigen gatten, 
in roel#en bieS mögli# roäre, ni#t beantragt roirb, erllört fi# 
barauS, bafj bie ©laubiger bie Äoften beS ÄonfurSoerfahrenS 
ju oermeiben fu#en unb baS billigere unb raf#ete SluSeinam 
berfefcungSoerfahren bur# bie f£eilung3bel)örben, an roel#eS baS 
Ißublifum geroöfjnt ift unb bem es Vertrauen f#enft, oorsieljen. 

®ie unbeoorjugten ©laubiger retten bur# baSfelbe ben= 
jenigen Setrag, roel#en bie ftonfurSfoften in 2lnfpru# nehmen 
roürben unb f#on bet ltnterf#ieb ber StealteilungSfportel na# 
31. 23 beS Slot.Sportelgef. unb ber ©eri#tSgebiihren beS 5ton= 
furSoerfahrenS ift ein ni#t unerhebli#er, f. au# 21. 8 3lbf. 2 
jenes ©efefceS. 3lu# bie beoorjugten ©laubiger fitib ni#t 
ft#er, bafj ihnen ni#t bur# bie Äoften beS ÄonlurSoerfahrenS 
bie SefriebigungSmittel roeggenommen unb bafj fte ihren ftoftero 
oorf#ufj roieber erhalten werben. 


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104 


3ur grage ü6et bie SSefjaitblung 


Dbroofjl fobann 21. 23 beS 2luSführungSgefefjeS pr Gioif 
ptojefjorbnung nur bei einem ©rbfdjaftSantritt cum benef. 
invent. gilt, fomit ein ©laubiger nidjt geljinbert roerben fann, 
bie 3roang3»olIftrecfung in ben Sladjlafj fortpfejjen, § 693 
G.$.D., ober in bie ruljenbe ©rbfdjaft p beantragen, § 694 
eod., fo roerben in ben Berichten bodj nur jroei gäße angeführt, 
in melden baS beroeglidje Vermögen burdj einige ©laubiger 
auSgepfcinbet roorben ift. $er ©runb roirb barin p fudjcu 
fein, baff fielen nodj unbefannt fein mag, bafj ber ermähnte 
2lrt. 23 nur für bie fjälle beS ©rbfdjaftSantrittS cum benef. 
invent. gilt, fobann barin, bafj ber bie 3roangöooflftrecfung 
betrcibenbe ©laubiger p befürchten hat, bafj ein anberer 
©laubiger ober ber SJtaffeoerroalter bie ©röffnung beS $on= 
furfes beantragt, ^ieburc^ bie ©injelejefution befeitigt unb baf 
fobann bie Äoften bes ooßftrecfbaren Süitelö u. f. ro. bem 
©laubiger pr Saft faßen. 

III. ®a bie 2lusführungSgefefje p ben ßteidjSjuftijgefefjen 
Storfdjriften über baä 23erfaljren nidjt gegeben hoben, roenn 
bei oorljanbener Ueberfdjulbuttg bie ©rbfdjaft nidjt angetreten 
roirb, unb bie ©eftinunungen ber ÄonfurSorbttung, roeldje ein 
ritterliches Verfahren oorauSfefjen, nidjt übertragbar finb, fo 
föunen bie anproenbenben formen nur ben überhaupt für 
bie SBehanblung ber ©efcfiäfte ber ^eiluugSbeljörben geltenben 
©runbfäfjen entnommen roerben. 

•jMnproeifen ift pnädhft auf bie £utelarratSorbnung oom 
5. ©ept. 1781 2lrt. 6, bie ftommunorbnung o. 1. Quni 1758 
©. 57 § 12, unb bepglidj ber 2luSeinanberfefjung mit ben 
©laubigem auf baS ©eneralreffript oom 25. 9too. 1709. 
.fjienadj fann baS Verfahren ber £eiluug3bet)örben nur ein 
oertnittelnbeS fein, bap beftimmt. Streitigfeiten p oerhüten, 
roogegen fie ©treitigfeiten p entfdheiben ober 3iedjtSnadjteile 
aupbroljen nidjt befugt finb. tiefer Gfjarafter iljteS 3?er- 
faljrenS tritt bei ber 2luSeinanberfejpng erblofer 93erlaffen= 
fdjaften inSbefonbere baburdj Ijeruor, bafj audj roährenb beS= 
felben unb audj roenn basfelbe fdjon roeit uorangefdjritten ift, 
jeher ©laubiger, welcher bemfelben nidjt pftimmt, ben Koro 


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ii6erf<f)ulbeter erblofer Skrlaffenfdjaften 105 

fürs beantragen ober bie 3roang3ooHftrecfung in ben oorljaw 
benen s Jiad)Iafj betreiben fann. 

©obann ift e3 als ftattßaft ju eraci)ten, ba§ in 21. 9 be3 
atuäfü^rungägefe^esS jur .W'onfuräorbnung für ben JaU be$ 
GrbfdjaftSantrittä mit ber SRerfjtÄwotjtt^at be3 ^noentarö q C - 
orbnete Verfahren, foweit bie ©riinbe beweiben jutreffen, audj 
auf bie 2tu3einanberfeßung eiltet überfcßulbeten 9tad)laffe3 bei 
nid)t angetretener Erbfcßaft ju übertragen, unb enblicß fönnen 
2lnf)alt3punfte gewonnen werben aus bent 3t®ed ber 2lu$- 
citianberfeßung, bie Liquibation bes jiacfjtajjeä in georbneter, 
bctt ^Htereffen fämtüdjer ©laubiger gleidfmäßig bienenber Seife 
burdjjufüßren. 

IV. ^räjubiäieH für bie Ißätigfeit ber Xetlungäbeßörbeu 
ift bie 3*age, ob ber für ben 5iad)laß aufgefteUte Äurator be= 
jießungSroeife bie XeilungSbeßörbe überhaupt befugt ift, bie 
Veftanbteile beS 3tad)laffeä inSbefonbere Immobilien ju oer= 
äußern, eine grage, roeldje in bem Erlaße beö l'anbgeriditsi 
ju Tübingen ftülfdjroeigenb befaßt ift. Sirb bie Srbfdjaft 
mit ber SteWäwoßltßat be$ $noentar3 angetreten, fo ift ein 
Vertreter be$ 'Jlacßlaffeö oorßanben, roelcßer ber Veräußerung 
3 uftintmen fann. SBirb bie Erbfdfaft nicßt angetreten unb ber 
3iad)laß burd» ben äflaffeoerroalter ober bie Xeilungäbeßörbe 
oeräußert, fo liegt bie ©efaßr oor, baß burcß einen entfern- 
teren Verwanbten, an weldjen bie Srbfdßaft nadj bem 2lu^- 
fcßfagen ber junäcßft berufenen beferiert wirb, inSbefonbere 
bann, tuenn ber Sert eines} ©runbftüds erßeblicß geftiegen 
iß unb bie Ueberfdjulbung baburd) befeitigt erfdßeint, bie oor-- 
genommene Veräußerung wegen mangelnber Legitimation ber 
Veräußernben angefoeßten unb bie oerfauften ©runbftüde oon 
bem iläufer ß er auso erlangt werben. Einige 2lmt3gericßte unb 
'Notariate bezweifeln bie Verewigung beä tfuratorä unb ber 
£eilung$beßörbe jur Vornaßme ton Veräußerungen unb bie 
Notariate ju |>eilbronu, Sontßeim unb Äircßßaufen wünfdjen 
bie Verewigung fjicju awibrüdlicß au^gefprodßen , weil feine 
biefelbe ßieju legitimierenbe Veftiminung oorßanben fei unb 
biefe grage bie meiften 3«>eifel ßeroorrufe. 


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106 


3ur gtage über bie 8ef;anblung 


Diefe ©eredfjttgung wirb jebod) ju bejahen fein, ©dhon 
nad) gemeinem 3led)t mar ber Äurator einer ruf>enbeit Gtb= 
fdhaft jur SBeräufeetung non fRadhlaßgegenfiänben befugt, um 
bie ©djulbentilgung oorjunehmen *). 

Die 1. 7 Dig. 28. 8 geftattet bie ^eräufjerung , si qua 
pecunia sub poena debetur , ober ne pignora distrahantur, 
unb bie 1. 1 § 2 Dig. 42. 7 si grave aes alienuxn sit, quod 
ex poena crescat. Diefe 33orfd)riften finben unmittelbare 
Stnwenbung auf ben oorliegenben $atl, wo es fid) um bie 
33ermeibung ber mit einer 3 Il) angsoolIftrecEung oerbunbenen 
9tadhteile, bes mit einem Verlauf ber gepfänbeten ©egenftänbe 
im 3 ro angsuoHftrecfungSmege erfahrungsgemäß oerbunbenen 
KinbererlöfeS unb ber ßoften ber 3'oangSoolIftrecfung ^anbelt. 
Da bie 3roangSooIlftrec!ung in ben Nachlaß erfolgen fann, 
f. § 693. 694 G.^t.D., unb erfolgen muß, roenn bie ©laubiger 
nidjt befriebigt werben, fo ift fein ©runb abjufehen, warum 
ber Äurator genötigt fein foUte, bie Durchführung ber 3«>angS= 
ooUftredfung abjuroarten. 

SBenn fobann baS ©eneralreffript oom 25. Jloo. 1709, 
fowie bie oben angeführten ©eneralreffripte ben ©tabt=, 2lmts- 
ober ©erid^t^fd^reiber neben ben oerorbneten Deil= unb SJBaifew 
ricf)tent mit gebüEjrenber fdßarfer ©träfe unb mit Stegreßaw 
fpriichen bebroßen, wenn fie nicht alles baran finb, 

baß bie ©laubiger oor Slntretung bet Srbfchaften mit ben 
Gr ben oerglichen unb bie liquibierten ©chulben ex massa he- 
reditaria abgeftattet werben, unb wenn feine Teilung juge= 
taffen werben foH, ehe benn bie ©chulben jur fRicßtigfeit ge= 
bracht, fo müffen bie DeilungSbejjörben audh befugt fein, bie 
■Kittel jur Sejahlung ber ©dhulben ftüffig ju madhen. 2luch 
bie ÄommuwDrbnung 1. c. bebroht bie ©tabD unb 3tmtSfdhreiber 

1) Stell), beutfc^eS $rioalt. 8. II ©. 491 ; GSIücf, Somtnenl. 8. 33 ©. 
119 Stole 58 ; ©euffertS 9lrcf)io 8. 23 Sir. 40 ©. 74, 8. 30 S. 58; 
©euff. $anb. 8. 3 ©. 220 ; Söinbfdjeib, $anb. 8. II S. 684 Stole 7 u. 
{jieju 1. 1 § 4 Dig. 50. 4., 1. 8 Dig. 42. 4., 1. 23 § 2 u. 3 Dig. 28. 5, 
1. 3 Dig. 27. 10, 1. 22 § 1 Dig. 42. 5., 1. 48 Dig. 26. 7., 1. 1 § 2 Dig. 
42. 7., 1. 14 Dig. 42. 5., L 7 Dig. 28. 8. 


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itberfdjulbeter erblofer SSertaffenfdjaften 107 

foinie bie Xeitrichter mit empfinbticfjer ©träfe, roenn fie ttad) 
erlisteter ^noentur jur Leitung fdjreiten, ehe bie ©laubiger 
burd} SluSfefcung baarer 2Jtittel ober anberer rooht oerfäuflidher 
Stüde oöHig oergnügt feien unb bejüglidj ber Steuerforber= 
ungen toirb eod. ©. 131 § 13 oerfügt, eS fallen gteidj bei 
Anfang ber Teilung bie bereüeften Slittel auSgefefst unb ber 
lüirflidje Angriff biefer Mittel oorgenommeit roerben, roenn 
nicht bie Srben binnen einer grift bie Steuern bejahten. SS 
!ann auch roeiter oerroiefen roerben auf 31. 9 Slbf. 3 bes 2luS= 
fiifjrungSgef. }. Äonf.O. |>ienad) fann nach Iblauf oon groei 
SBod&en nadj ber betreffenben ©efanntmadjung bie Verteilung 
beS überfdjulbeten VadjlaffeS burcb bie SeilungSbebörbe erfolgen. 
®ieS fe^t bie VefugniS berfelben jur Verfüberung bes diad) : 
laffeS oorauS, ba nach Slbfab 4 ber (Srbe roährenb ber ®auer 
beS StuSeinanberfefcungSoerfahrenS erbfc^aftlidtje ©runbftiicfe 
nidjt oeräujjern unb oerpfänben barf. 

|)iemit bängt eine $rage jufammen, roeldje oon einem 2attb= 
geridjt berührt roorben ift. ®ie tneiften ber Veridjte fpredjett 
oon einem erbtofen 'Jladjlaji fahon bann, roenn bie junächft 
berufenen (Srben bie ©rbfdjaft auSgefahlagen haben. 3lHein in 
einem foldjen $aU roirb bie Srbfdjaft ben burd) bie ©rftberu- 
feneit auSgefchloffenett Srben beferiert ’). Von einem erbtofen 
Wacblafj fönnte alfo nur bann bie fftebe fein, roenn and) ber 
JiSfuS bie Srbfdjaft auSgefSIagen hätte z ). 

SS fragt fiä), roie roeit bie £eitungSbehörben mit 2Iuffu= 
Sung ber Srben, nadfaem bie Vorgehenben roeggefaHen finb, 
jurüdjugehen haben. SS roirb bieS bem oernünftigen Srmeffen 
ber SeilungSbeljörben überlaffen bleiben müffen, welche fpäteren 
Verroidlungen unb 2lnfed;tungen thunlid)ft oorjubeugen haben. 
Stuf roeitere Srben jurüdjugehen, roirb bie SteilungSbelfarbe 
nur bann uuterlaffen fönnen, roenn mit Sicherheit anjunehmen 


1) £anbr. 2t}. IV. tit. 19 § 1, tifc. 20 § 5 u. 7., tit. 21 § 2 u. 5; 
Stein=$o()I ©. 158 u. 10—13. 

2) lieber beffen ®rbrecf)t f. ©tein»$of)l ©. 38; 9tömer @rbred}t ©. 
80; ©ntfä. b. 9teich8g. 8. 7 @. 153, 23. 8 ©. 243; ®erid)t8blatt 23. 21 
6. 65. 


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108 3«t Stage über bie Sefjatiblung 

ift, baji auch bie rtadE>fotgenben ©rben bie (Srbfc^aft auSfditagen 
werben. 

V. SBaS baS Verfahren im ©injelnen betrifft, fo hüben 
ftd) bie Sanbgerichte, foweit fie fidj hierauf eingelaffen hüben, 
mit ben oon bem Sanbgeridjt ju Tübingen aufgefteHten ©äfcen 
int SBefenttichen einoerftanben erflärt. 

3n 3ift er 1- £>infid)tlicb ber fachliche« 3«Eänbigfeit ber 
SeilungSbehörben ift auf baS oben 2lu3geführte ju oerweifen. 
.fnetauS folgt, baff bie 2luSeinanberfej5ung erblofer Verlaffew 
fchaften jur ElmtSpffidjt ber £eitungSbef)örben gehört, gür 
bie örtliche 3«Eänbigfeit gilt nichts befonbereS. 

3u 3iffer 2. 2lacb ben Berichten ber Sanbgeridjte hat 
ftd; ^iebei eine erhebliche Verfchiebenheit ber VehanblungSweife 
ergeben'). ®iefelben finb aber bartiber im ©inoerftänbnis, 
bah ein Äurator in ©emäjibeit beS EtotariatSgef. 21. 17 auf= 
äufteEen unb ju oerpflichten fei. 2lrt. 22 beS 2tuSfübrungS= 
gefe^eS j. ßioil^-O. besieht fich im 2tnfd)luf3 an § 694 g.iß.D. 
nur auf bie Kuratoren, welche behufs Vornahme einer 3«>angS= 
ooEftredung auf Antrag beS ©laubigerS ju befteEen finb. 
dagegen wirb nach 1. 3 Dig. 27. 10, l. 22 § 1. Dig. 42. 5, 
1. 1 § 4 Dig. 50. 4 ber ruhenben Grbfdjaft aucf) «on 2lmtS= 
wegen ein Äurator befteflt *), unb es weist 21. 16 beS 9lot.©. bie 
SBaifengerid&te an, ju ben ©rbfdjaftSteilungen bie erforberlicheu 
VermögenSoerwalter ju befteEen unb mittelft 2litgelobenS ju 
oerpEichien. ©rforberlid» iE bie 2tuffteEung eines Verwalters 
jur Sicherung beS 9tad)IajfeS unb jur Vornahme oon Veräu- 
fjerungen. ®ie VefteEung unb VerpEidhtung hat in ©emäjp 
heit ber 2lrt. 16 unb 17 beS Etot.©. unb ber 3«E43Jt.Verf. 
o. 6. ®ej. 1884 ju erfolgen. ®er Verwalter oertritt ben 
Eiachlah im fßrojeh, f. § 220 @.$.0., u. ©ntfd). b. 9lei<hSg. 
V. 4 ®. 437, unb bei 3i«angSooEftredungett. 

3u 3iffer 3. 2lu<h bejiiglich biefeS ißunlts war bie ein* 

11 ®ie§ im (Sinjelnen mitjuteüen, mürbe ju roeit führen. 

2) 9tot(j, beuifö. ^ßrioatr. 33. II ©. 491; ©tüdf, Gomm. 33. 30. ©. 118; 
Seuff., 33anb. § 564 ; SBinbfdfjeib, $anb. § 447 ; i'ang, gamilienr. § 109. 
©. 656. 657; Saupp, Gomm. 1 ©. 553. 


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überfcßutbeter erblofer SJerlaffenfdjaften. 109 

gehaltene öeßanblungäweife eine oerfc^iebene. ®ie 2lnfidßt 

einiger Sanbgeridßte weicßt jum Seit non berjenigen be« £anb= 
geridßt« ju Tübingen ab. 

©« ift ju unterfdjeiben jmifdßen bem ©läubigeraufruf unb 
ber Sefanntmadßung ber ©adßlage an bie ©laubiger, welche 
beibe nerbunben werben fönnen unb ba, wo bie Unjulänglidß; 
feit be« Stadßlaffe« non Anfang an fcßon feftfteßt, jwecfmäßiger= 
weife nerbunben werben. 

®ie fpauptinßruftion jurn ißfanbgefeß § 92 fcßreibt nor, 
baß wenn bei einer ©rbfdßaftäteilung bie Vermutung begrünbet 
fei, baß außer ben angejeigten nod; anberroeite ©Bulben nor= 
ßanben feien, bie unbefannten ©laubiger jur Angabe ißrer 
2lnfpriidße öffentlid^ aufgeforbert werben füllen. ®a biefe 23er= 
mutung bei einer ©rbfdßaft, welche au«gefdßlagen wirb, woßl 
ftet« begriinbet fein wirb, fo wirb ein öffentlicher ©laubigem 
aufruf nid^t umgangen werben fönnen. ^ieju fommt, baß e« 
al« Aufgabe ber £eilung«beßörben erflärt ift, für Sefriebigung 
ber, b. ß. aEer ©laubiger ju forgen unb wenn 2lrt. 9 cit. bie 
©rlaffung eine« ©läubigeraufruf« unbebingt norfdjreibt in einem 
gaE, tuo ein 6rbe norßanben ift, welcher über bie uorßanbenen 
©dfiulben 2luffdßluß geben fann unb wo bie ©laubiger jutref= 
fenbenfaE« noch non ihrem 2lbfonberung«recßt ©ebraudh madßcn 
fönnen, fo muß bie ©rlaffung eine« folgen auch ba für geboten 
erachtet werben, wo nicht einmal bie lederen 23orau«feßungen 
jutreffen. @« iß baßer in biefer '-Begießung ber 2lnficßt be« 
Sanbgericßt« ju Tübingen beijutreten unb e« wirb eine foldße 
3lufforberung nur ba unterlaffen werben fönnen, wo bie nor- 
ßanbene SJfaffe bie Äoften nic^t bedft. ®er 2lbf. 2 be« § 92 
ber .ßauptinftr. wirb niößt entgcgenfteßen, baß jener Aufruf, 
wie nadß 21. 9 2lbf. 1 be« 2lu«f.©., burch bie Xeilung«beßörbe 
erlaffen wirb. 

©rgibt fidß auf ben ©läubigeraufruf eine Ueberfdßulbung, 
ober ßat ftch biefe non Anfang an ßerau«gefteEt , fo mfiffen 
aiidß hier, ba bie ©rünbe bie gleichen finb, bie ©laubiger non 
ber ©adßlage in Äenntni« gefeßt werben, bamit fie ben Äon= 
für« ju beantragen in ber Sage finb unb e« muß ißnen ßieju 


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110 


3ur $tage übet bie Sefianblung 


eine angemeffene ffrift gelaffen werben. ®iefe SRitteilung 
wirb bie SIngabe ber Shatfadje, bafi bie ©rbfcfjaft auSgefdhlagen 
worben, bie SIngabe beS 33ermögenSftanbS unb ber 2Iu3fid)ten 
ber ©laubiger 511 enthalten ^aben. $n Uebereinftimmung mit 
ber 2lnfidht beS SanbgeridhtS ju «Stuttgart ift aber anjunehnten, 
baff eine öffentliche Vefanntntachung genüge unb baf? eine fpe= 
jieHe SDlittcilung an bie einzelnen ©laubiger nicht crforberlidh 
fei. <3. bagegen Vofcfjer, Beüfdhr. 33. 24 ©. 5. ®er 3lrt. 9 
beS angef. ©efe^eS hält, wenn bie (Srbfdhaft cum benef. invent. 
angetreten worben ift, bie Qntereffen ber ©laubiger burch eine 
SJlitteilung »on ber Sachlage mittelft öffentlicher 33efanntma= 
chuitg für hinreichenb gemährt. SBurbe bie ©rbfchaft auSge= 
fdhlagen, fo liegt hierin fein ©runb, mehr ju oerlangen. ©0 
bemerft auch ber Veridht ber Hommiff. b. Hammer b. 3lbg. 
ju 21. 9, f. Bufthgef.©. 33. 6 ©. 448: „bie Siegelung beS 
Verfahrens bei nicht angetretener ©rbfchaft hätte hoch nur 
bahin gehen fönnen, in einem ©dhlufffafc ju fagen, bie 23eftini= 
mung beS 2lbf. 3 finbet auch 2lmoenbung, roenn bie Heben 
fchulbung eines SladhlaffeS ju welchem ein @rbe nidht oorhanben 
ift, ftdh herauSgeftellt h at "- ®ie Veftimmungen beS § 166 
Slbf. 1 beS IY (Sbifts unb ber ©oilproje&D. 0 . 3. Slpril 1868 
21. 908. 915 finb burdf) 21. 17 beS SluSführungSgefefjeS jitr 
Honf.D. aufgehoben. 3Bürbe jebodj eine fpe^ieHe 33enadhridh= 
tigung ber einjelnen ©laubiger, welche fich gemelbet h« 6 en, 
ober welche 311 berüdffidhtigen finb, weniger Höften oerurfadhen, 
fo fteht nidhts entgegen, biefen SBeg ju wählen. Bwar fann 
ein ©laubiger, welcher ben ©läubigeraufruf iiberfehen h«l 
burdh eine weitere öffentliche Vefanntmadhung möglidherweife 
jur 2tnmelbung feiner Slnfpriidhe oeranlafft werben; allein bieS 
ift nidht ber B^ect biefer 33efanntmadhung. 

Vejiiglidh ber 2lrt unb SBeife beS ©läubigeraufrufs unb 
ber Vefanntmadjung wirb auch hier aus ben gleichen ©rünben 
bie Vorfdhrift beS § 68 b. HonfurSD. als anwenbbar ju er 
achten unb bie grift beS 21. 9 ju beobachten fein. 9ta<h bem 
SBortlaut beS letzteren „barf nicht begonnen werben" fieht ber 
©efefcgeber bie ^ntereffen ber ©laubiger unb baS Siecht ber 


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überfäutbeter er&tofer Serlaffenfctyaften. 


111 


felben, ben ÄonfurS p beantragen, nur bann als genügenb 
gewährt an, roenn bie 3Jlajfe noch 2 2Bo<hen nach ber Vefannt^ 
macbung non ber Sachlage unoerteilt bleibt. ©3 erfdheint 
bafjer geboten, auch im oorliegenben $all ben Slblauf biefer 
$rift abproarten unb es roirb nidht gerechtfertigt fein, toegen 
brohenber ©injelefefutionen mit ber Verteilung halber p be= 
ginnen unb fo einem ©laubiger thatfädjlich pootpfotnmen. 
®er SBeg, um bem oorpbeugen, ift burdh § 205 b. ßonfD. 
gegeben. 

©in materieller Nachteil, roie ber beS SluSfdhluffeS oon 
ber fDtaffe, ober ber 3uftimmung p einem Vergleich ober ju 
ben Vefdfjlüffen ber 9Jtehrheit ber ©laubiger fann nidht ange= 
broht roerbcn. ®ie SPlitteilung an bie ©laubiger fann nur 
baljin gehen, baff roenn nidht innerhalb ber grift ber ÄonfurS 
beantragt roürbe, bie Verteilung beS 3ta<hlaffe3 oor ftch gehen 
roiirbe. 

SJlehrfach ift ber SBunfch auSgefprochen roorben, eS möchte 
feftgeftettt werben, roaS unter bem SluSbrudf beS 31. 9 cit. 
„befannte ©laubiger" p oerftehen fei. (Sine folcfje geftftellung 
fönnte nur burdh authentifdhe Interpretation erfolgen. ©3 
fann jebodh nidht angenommen roerbcn, baff Ijiemit an früheres 
angefnüpft werben füllte. ®ie Streitfrage, was bie SBorte 
„befannte ©laubiger" bebeuten, fdhlojf fidh an § 32 ber 3uftis= 
nooelle an. S. Satroep, 3lr<hio V. 6 S. 27, V. 10 S. 181 ; 
Vofdher, 3eitf<hr. V. 19 S. 139. tiefer Streit betraf eine 
grage beS ÄonfurSprojeffeS : roen ber SluSfchtufj oon ber 
•JJtaffe treffe. 3 ur SluSlegung beS 31. 9 fann berfelbe nicht 
herangepgen werben. @3 ergibt fidh aus ben SJfotioen p 
3lrt. 9, baf? bas ©efefc an ben beftehenben ©runbfäfjen über ba3 
©rbteilungSoerfahren unb bie Offijialfürforge für Veridhtigung 
ber ©rbfdhaftSfdhulben nichts änbern roiH, foroeit nicht befonbere 
Veftimmungen getroffen roorben finb, unb eS liegt fein 2lnhaltS= 
punft bafür oor, baff unter ben befannten ©laubigem beS 
3lrt. 9 baSfelbe oerftanben fein folle, roaS § 32 ber 3ujlij= 
nooelle bamit bejeidhnen wollte. ©3 ift oielmehr baoon au3= 
pgehen, bah m 31. 9 biejenigen ©laubiger gemeint finb. 


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112 


3ur grage über bie Seljanblung 


roclcße nacß ben geltenbcn ©runbfäßen in ba$ 9SertajTenfd^aft§= 
inoentar aufjune^men ftnb. ©. ©teirnfpoßl ©. 314. 315. 
319. ©ine ©orfcßrift aber, bie SDtaßnregifter unb früheren 
ÄonfurSaften ju burcßgeßen, befielt nid^t. 5Dlit 9tecßt bemerft 
ein 2 lmtögericßt : „bie fDfaßnregifter ber 2 Imtögeri<^te, bie ©cßulb= 
flagprotofoHe ber ©cßultßeißenämter unb bie Äonfur^aften 
fönnen itacß bet jeßigen 9ti<ßtung ber ©efeßgebuitg unmöglich 
mehr al3 Quellen ber geftfteHung be3 ©cßulbenftanbö in 33er: 
laffenfcßaftöfacßen bienen" f. aucß ©ofd^er, 3eitfcßr. ©. 19 ©. 
140. 141. 

3 u 3 iff er ® ft§ ^anbgericßt ju Tübingen ßat «R 
feinem erften erlaß infofern eine SJlobififation eintreten laffen, 
als biefer baßin gieng, es fönne ber 'Jladßlaßoertreter oon 
ber Seilungöbeßötbe angeroiefen roerben, ben Antrag auf Äon: 
furSeröffnung ju fteUen. 3« bem erlaß o. 17. Olt. 1885 
beißt es aber: „fo ift ber ’Jtacßlaßoerroalter ansuroeifen u. f. to.". 
2luS ber Aufgabe , für bie ©efriebigung aller ©laubiger ju 
forgen, folgt atlerbingS bie ip fließt, eine @?efution ju ©unften 
e i n e -S ©läubigerS ju oerbinbern. 3ebocß f ann bieä nießt fo 
unbebingt auSgefprocßen roerben. Senn es fann bie 9)taffe 
fo gering fein, baß bie 2lbroeifung beS ÄonfurSeröffnungSan: 
tragS oorauöjufeben ift, roobureß nur unnötige Äoften entfielen 
mürben, ebenfo fann bie gorberung beS ©läubigerS, melier 
bie 3roangöooHftrecfung betreibt, fo flein fein, baß fte gegen 
bie Äoften beS ÄonfurSoerfaßrenS gar nießt in ©etraeßt fommt. 
@S muß bieS bem oerniinftigen ©rmeffen beS ©erroalterS bej.= 
roeife ber SeilungSbeßörbe iiberlaffen bleiben. Sie anbern 
©laubiger fönnen ja felbft aucß ben ÄonfurS beantragen. 
Saßer roürbe eS rießtiger fein, bie ©orfeßrift fo 3 U faßen: 
bie Eröffnung beS ÄonfurfeS fei in bem fraglichen ffaH 3« 
beantragen, roenn nicht befonbere ©rünbe entgegen fteßen. 

3u 3iff er 5. Sie Sanbgericßte finb mit ber 2lnficßt beS 
SanbgericßtS 31 c Sübingen einoerftanben. ©emerft rourbe noeß: 
Sie Siealifierung ber ©acßlaßmaffe ßabe naeß ben fonft gelten: 
tenben ©runbfäßen im öffentlichen 2 lufftreicß (9tot.©ef. 21 . 20 ) 
3 u gefeßeßen. ©ei 3 ufügen roerbe fein, baß biefclbc erft erfolgen 


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fiberfdjulbeter erblofer SSerlaffenfdjaften. 


113 


biirfe, nadßbem bie grift jur Stellung beS ÄonfurSantragS nb= 
gelaufen fei, bamit nicht 2tt>fonberungs>redjte, bie nur im £on- 
furS wirffam feien, beeinträchtigt werben. Die SBorte „unter 
maifengerichtlidher Seitung *)" feien einer fDtißbeutung fähig. 
Ser Verlauf ber gahrnis werbe regelmäßig burcß ben Jtotar 
unter 3 u S^ e ^ un 9 e * neä 3noentiererS unb beS JtadhlaßfuratorS 
ooUjogen. Dagegen erfolge ber Verlauf ber Siegenfcßaft in 
ber Siegel nicht burd; ben Jtotar, (^uftijSJt.V. o. 20. Oft. 1853 
3iff. 4) fonbern werbe gemäß 31. 4 beS &ef. o. 23. 3uni 1853 
bem OrtSoorfteßer ober fRatfcßreibet übertragen. @S feien 
fobann bie Seifäße nicht überflüffig, baß bas gemeinbcrätlidje 
©rfenntnis nicht burd; bie oon ber maifengericbtlicßen Depw 
tation auSgeßenbe Veftätigung erfeßt werbe, Jtot.0. 31. 19, 
unb baß bie Verfügung über bie ißfanberlöfe nur ber $fanb= 
beßorbe jufteße. 

Die SluSführungen ber Sanbgerichte finb nicßt ju bean= 
ftanben. Sou einer 3«>ang3oolIftrecfung banbeit es fid; nid;t. 
Die Vorfdhrift beS § 116 ber Ä'onfurSO. fann feine 3lumen-- 
bung finben. ©S fann alfo auch oon einer Veräußerung ber Sie= 
genf<haft in ©einäßheit beS $roangSoolIftrecfungSgefeße3 nicht 
bie Siebe fein. DaS Verfahren fann nicht anberS aitgefehen 
werben, als eine burd) ben Kurator unter Seitung ber Veßörbe 
oorgenommene Siquibation beS JtadhlaffeS. Der 3lrt. 20 beS 
92ot.©ef. ^anbelt nur oon bem ©rfenntnis barüber, ob ber 
Veräußerung oon Vermögen 2Jtinberjäf)riger ober anberer 
unter Kuratel ftehenber ^etfonen ftattjugeben, bejießungSroeife 
ob oon bem öffentlichen 9lufftrei<h abjufeßen fei. ©S fragt 
fidh, ob bie hereditas jacens f. SBinbfcheib, IJJanb. 33. III ©. 
12 § 351 unter bie SBorte beS 31. 20 „unb anberer unter 
Kuratel fteßenbcr ißerfonen" falle. Diefe grage wirb ju bc= 
jähen fein. Denn auch bie 1. 1 Dig. 27. 9 bezieht fid; auf 
alle Kuratoren, alfo auch ben curator hereditatis jacentis, 
wie fidh au ^ ber Vergleichung ber 1. 8 § 1, 1. 4 Dig. 27. 9 
mit 1. 3 Dig. 27. 10 unb ber llcberfdhrift beS Ditelö 27. 10 

1) beä ©rtaffeg oom 7. 3Äai 1883. 

Ja^rMldjer b. IBttmembg. SRe^täpfCege. 1. 8 


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114 


3ur Stage übet bie öefjanblung 


ergibt; f. aud) bie Ueberfcßrift ber reoibierten SL<orf(^rift für 
Pfleger („2Bormünber unb VermögenSoerroalter"). hieraus 
folgt bie Votroenbigfeit ber 3uftintmung ber roaifengerid)tli<ben 
Deputation bejiebungSroeife, roenn bie SBorte beS 2lbf. 3 „ober 
jroifdjen ben @rben unb Dritten" ftreng auSjulegen mären, 
beS ©emeinberats ju Veräußerungen »on Siegenfcbaft unb be= 
beutenberem beweglichem Vermögen burd) ben Äurator. 2tber 
aud) jur Veräußerung fonftigen Vermögens roirb bie 3ufiint : 
mung ber DeilungSbebörbe erfotberlidj fein, ba fic für S9e- 
fricbigung ber ©laubiger ju forgen, alfo auch bereu $ntereffe 
gegen ben Äurator ju magren bat. Das getid^tlic^e ®rfennt= 
niS über bie Veräußerung bat nur ber ©emeinberat unb nid)t 
bie roaifengeridjtlicbe Deputation ju erteilen. 2t. 19 beS 9tot. 
©ef. fommt nicht jur Slnroenbung. Vei oerpfänbeter Siegern 
fdbaft finb bie Vorfdjriften beS 5fßfartb= unb ißfanbentroidlungS-- 
gefefceS einjubatten. Die Verroeifung beS ©rlöfeS einer oer= 
pfänbeten £iegenfd>aft !ommt regelmäßig nur ber Unterpfanbs= 
bebörbe ju. 2Benn ber ©djulbner, f)kx alfo ber Vadjtaßoer= 
matter, oon feinem VeräußerungSrecbt ©ebraucb machen unb 
eine öffentliche Verweigerung einleiten taffen miH, fo „bat baS 
roeitere Verfahren gemäß bem ©jefutionSgefefce mit ber in 
2lrt. 129. 131 ff. he? ißfanbgefefceS bejeid^neten SBirfung 
ftatt" (21. 34 b. ißfanbent.©.). „3« biefern ffatte tritt ber 
gleidje Verlauf roie bei ber 3n>angSuerfteigcrung ein" f. Vofdjcr, 
3eitfdhr. 23. 27 o. 1885 ©. 12 unten. ©S mirb baber aud) 
2t. 21 beS ©efeßeS über bie 3roangSüotlftre<fung in baS un= 
beroeglid)e Vermögen jur 2tnroenbung ju fommen haben unb 
in btefem galt auch ber ©rlös burd) bie 3roangSooKftrecfungS: 
bebörbe ju uermeifen fein. SEßenn ben ©läubigem eine grift 
gelaffen roerben muß, um ihre Sterte roabren unb ben ÄonfurS 
beantragen ju fönnen, fo folgt hinaus, baß auch mit ber 
Veräußerung ber SJtaffe, Notfälle ausgenommen, nicht »orber 
begonnen roerben tann. 

3u 3tffer 6. Die 2lnf«bauungen über bie grage, roie ber 
©djulbenftanb feftjufteüen fei, geben roeit auSeinanber. 3 roe * 
Notare hören ben ©d)ulbner felbft. 2Bie fte bieS beroertfteUigen, 


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ü6erfd)u[betet erbtofer SSertaffenfdjaften. 115 

wirb ni<ßt angeführt. ®er erfte (Srlaß bei üanbgeridjtl 51 t 
Tübingen batte ben ©aß enthalten „ben einzelnen ©laubigem 
ftef»t unter einanber ein 2Biberfprud)lred)t nic^t ju". SDetfelbe 
ift nun roeggelaffen. 

®a ein attberes Organ nidjt oorßanben unb bal in ber 
Konfurlorbnung georbnete Sßerfaßren nid)t anroenbbar ift, fo 
fann bie geftf^^ung ber gorberung ber ©laubiger nur burcß 
ben Kurator erfolgen. 33eftreitet ber SSerroalter eine $otbc- 
rung, fo entfprid^t el ben fonft geltenben ©runbfäßen, baß 
ber ©laubiger auf ben Siedftlroeg oerroiefen, unb ißm eine 
Jrift pr Klagerßebung erteilt, auch fein Setreff jupglicß ber 
Koften juriidbeßalten wirb. SBitt ber Verwalter eine $orbe= 
rung anerfennen, fo roirb nadj ben Seftimmungen ber £utela= 
ratlorbnung unb ber Kommunorbnung unb ba el Aufgabe 
ber £eilunglbeßörbe ift, für bie Sefriebigung ber ©laubiger 
ju forgen, nicht ju beftreiten fein, baß biefelbe befugt fein 
muß, einer unbegrünbeten 2 lnerfeimung bei Serroalterl bie 
3 uftimmung ju oerfagen unb bie Sefriebigung biefel ©läu= 
bigerl im ^ntereffe ber übrigen ju nerfjinbetn, roie fie aud) 
bie fDlaffe gegen fjanbluugen bei SBeneftjialerben unb gegen 
ßaßlungen belfelben an ©laubiger ju fidlem befugt ift f. 3){o= 
tioe j. Slulfg. }. KonfurlD. ?ieue Quftijgef.©. S. 6 ©. 417. 

2ßal bal fog. 2Biberfprucfjlred)t einel anbern ©täubigerl 
betrifft, fo fann über bie fVrage, ob ein ©laubiger burd; eine 
Klage nacß § 231 b. S.fß.O. eine ©ntfdjeibung über bie 9tid>t= 
epiftenj ber gorberung einel anbern ©läubigerl ßerbeifüßren 
fann, nur im ißro^eßroege entfdjieben roerben unb el bat ba= 
ßer bal Sanbgericßt in Tübingen ben betreffenben ©aß mit 
9ted>t roeggelaffen. 3 ™ ^eilungloerfaßren fann el fieß nur 
um bie grage ßanbeln, ob ber Serroalter auf einen foldßen 
SBiberfprudß ßin oerpftießtet ift, bie Sefriebigung bei ©läubigerl, 
beffen gorberung beftritten roirb, ju unterlaffen. ®ieß roirb 
tßatfädßlicß gefeßeßen, roenn ber SBiberfprucß begrünbet erfeßeint. 
(Sin 9tedßt barauf ßat ber roiberfpredjenbe ©laubiger nießt, 
foroenig roie ein ©laubiger einen ©cßulbner ßinbern fann, 
einen anbern ©laubiger ju befriebigen. 2)er betreffenbe ©Iäu= 

8 * 


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116 


3ur Jragc über bie Se^anblung 


biger fann burcb einen .Honfurleröffnunglantrag , burdh 23e= 
treibung ber 3n , angloollftre<fung, ober einen 2lrreftantrag, 
wenn bie Voraulfehungen oorliegett, feine Vefriebigung fichern. 

3u giftet 7. Sie £anbgeric^te finb barübet einnerftan- 
ben, baß auch nadhfommenbe gorberungen noch ju bcrürfficb- 
tigen finb, roie biel auch nach § 143 HonfO. int Honfurloer= 
fahren gilt. Sie Sftid&tigleit biefer 2lnnahme ift nicht ju be= 
jroeifeln. 

3u 3iff er 8 - Vei Verteilung bei nadfjlaffel ^aben einige 
Seilunglbehörben bie Vorfdhriften ber Honfurlorbmmg ange- 
roenbet, ein anberer Seil berfelben hielt biefe nicht für anroenb= 
bar. 2tach <Srfd»einen ber Sluffäfte in ber 3eitfd&rift f. frei«), 
©erichtlb. V. 24 ©. 2 unb V. 25 <S. 12 ff. folgte bie 3Jlehr= 
saßl ber Notare ber ledern Slnfd&auung; bo<h ba&en auch 
biefe in tf>unlicf)fter 2Beife für Slnerfennuitg roenigftenl bei 
Vorjugl ber ©teuerforberungen geforgt. @in 2tmtlgericht 
bagegen b at berietet, baff el barauf ^inroirfe, baß bie öffent- 
lichen Abgaben nur im 3roang!ooUftrecfung!t)erfaljten bei 
©efeßel oom 18. 2lug. 1879 einen Vorjug genießen. 

Sie Sanbgeridhte h a ^n fidh balfin aulgefprochen, baß 
bie Vorjuglrechte bei § 54 ber Honfurlorbnung in bem Slul- 
einanberfehungloerfahren nicht jur Slnrcenbung fommen. @ben- 
fo ift bie 3)ief)rjal)l berfelben bariiber einig, baß nur bie 216= 
fonberunglredbte bei § 41 3'ff- 1» 8. 9 ber Honl.D. fonüe 
etroaige netentionlredjte beriidlfichtigt roerben fömten. 

Ser Veridht ber Äommiffion ber Hammer ber 2tbgcorb= 
neten erörtert hinfidjftlich ber mit ber 9tedE)tlroohlthat bei $ro 
oentarl angetretenen ©rbfcßaften bie g ra 9 e / nach melden 
formen bie Seilunglbeljörbe bie Verteilung bei 9tacf)laffe! 
burd&jufüßren fyabe unb fommt abgefeljen oon ben §§ 35. 37. 
39. 40. 43 — 45 b. Honf.D. ju bem nefultat, baß nad> ben 
Veftimmungen ber GioilprojeßO. § 709. 710 ben Vorjuglredjten 
bei § 41 Honl.D. bie SBithntg außerhalb bei Honfurfel gleich 
ben gauftpfanbredhtcn nicht oerfagt roerben fönne, ju oergl. 
©trudmann, (Sotnm. ju § 709 unb 710. Stoberl oerhalte el 
fidfj bei ben eigentlichen Vorsuglredjten , bei ben beoorjugten 


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üßerföulbeter erblofer Serlaflenfdjaften. 


117 


2lnfpriichen ber ÄonfurSgläubigcr beS § 54 ber ÄonfurSD. 
Sie gelten nur im KonfurS, nicht aber außerhalb beSfelben, 
alfo auch nidjt in bern 9luSeinanberfeßungSoerfahren beS 91. 9, 
rote fie auch unzweifelhaft nicht gelten in bem oon ber 9teid)S= 
cittil^S.D. § 758 — 68 geregelten VerteilungSoerfahren. Schon 
tm ^inblict hierauf roerbe es bie SanbeSgefeßgebung ablehnen 
muffen, ben § 54 ber Äonf.D. foroie ben 21. 22 beS ©efeßes 
über bie ^mmobiliarepefution mit ihren 93orre<hten auf bie 
Verteilung beS 21. 9 für anrocnbbar ju erftären. |>ieju liege 
aucf) fein 93ebürfniS oor. 3eber beoorjugte ©laubiger fei 
flets in ber Sage, bie Konkurseröffnung z« beantragen unb 
fo fein Vorzugsrecht fidler zu fteßen. 

3fm 2Infcf)lufi h^ran fpredfjen ficß bie Kommentare oon 
Stieglifc, 6. 308; o. ©arroei) 2. 9tufl. V. 1. 6. 404 9tote a; 
£ot)l 3. 201 ; Breitling 3. 271 ; ©aupp III 3. 276. 257. 
263, foroie bie 2luffäge bei Vofdfjer V. 24 3. 2 ff., 93. 25 
3. 12 gegen bie Verücffichtigung beS § 54 Äottf.D. in bem 
SluSeinanberfeßungSoerfahren aus. SBegüglid^ ber 2lbfonberungS= 
redete gehen biefelben baoon aus, baß nur biejenigen zur ©el= 
tuttg fommen fönnen, bie fchott nach bürgerlichem Stecht ben 
ißfanbrecljten gleichgeftellt feien, alfo bie 2lbfonberungSrecf)te 
beS § 41 $iff. 1- 8. 9. 2tußerbem fönnen auch bie Stetem 
tionSredjte geltenb gemacht roerben. 

Sie 2lnftdht, baß bie 3ifi- 2 — 7 aufgeführten 2lbfonbe= 
rungsrechte auch außerhalb KonfurfeS burd) baS 9tei<hSred)t 
ben ißfanbrecßten gleichgeftellt feien, hat 3trudfmann in ben 
neuen 2luflagen feines Kommentars felbft nicht feflgefjalten 
f. 3trudfmann, Komm. 5. 2lufX. 3. 761. £ieju ©euffert. Komm. 
3. 784; ©euffert, 2lr^io 93. 37 3. 122. 

Db biefe 2lnfichten ftdh rechtfertigen unb bemgemäß auf 
baS 2luSeinanberfefcungSnerfahren bei erblofen Verlaffenfdhaften 
übertragen taffen, roirb zweifelhaft fein. 2BaS junächft 

a) bie gäUe beS KrbfchaftSantrittS mit ber StechtSroohk 
that beS QnoentarS betrifft, io l;at bie 2lnfdjauung ber Äom= 
miffion im ©efeßc feinen 2luSbrucf gefunben. 2Sie oerteilt 
roerben foH, ift in 2lrt. 9 nid;t gefagt. Sie 93erufutig auf 


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118 


3ur grage über bie Öefjanbtung 


bie §§ 758—768 b. G.^.D. ift nid^t jutreffenb, benn Ijier 
Ijanbelt es fid) um eine Verteilung , roenn eine 3wang3potU 
ftrecfuitg in ba* bewegliche Vermögen alfo eine Vfönbung ftatt-- 
gefunben §at. Unter ben ißfänbmtgiäpfanbredjten entfdfjeibet 
nad; § 709 2lbf. 3 G.ip.D. ba3 2llter unb bie VorjugSredjte 
bess § 54 fönnen beäljalb überhaupt nid>t in grage fornmen 
f. ©aupp III ©. 383. 384; ©trmfmann ju § 760 3lote 2. 
2lnd; bie Vemerfung ber Vtotine f. ^uftisgef. 33 . ß ©. 415 , 
„e$ tnüffe ein Verfahren gegeben fein, in meinem für gleidj; 
mäßige Vefriebigung ber ©laubiger Vorfeljr getroffen fei", 
fann jur Unterftüfsung ber uorerroäfjnten 2lnfidjt nid^t heran= 
gesogen roerben. 2 Bie ber Sufammenfjang jeigt, motten bie 
Vlotioe bie neu getroffenen Veftimmungen rechtfertigen. ®urdj 
biefe foll Vorfeljr getroffen roerben, baff ber ^affioftanb mit 
©idjerljeit ermittelt unb für bie gleichmäßige Vefriebigung ber 
©läubiger geforgt roerbe, forme baß bie ©läubiger gegen nacfj= 
teilige Verfügungen ber Grben au^reidjenb geftdhert feien. 
®en erften 3w>ecf erfüllt ber ©läubigeraufruf beä 31. 9 ; bem 
Streiten bient 21. 23 beä 2fu3f.@ef. jur GitrilprojeßO., roornaef; 
roäfjrenb be$ 2lu3einanberfefcung3oerfal)ren!o feine 3roang3oott= 
ftreefungen äu ©unften einjelner ©läubiger ftattfinben fallen ; 
ber britte 3t®ed roirb &ur<h 21- 9 cit. 2tbf. 4 erreicht. Von 
ber 2lrt ber Verteilung ift in ben Gntroürfen unb ben Viotioen 
nidjt bie 9tebe. G3 fann jene Vemerfung berfelben buher 
audj barauf niöfit bejogen roerben. SBeitere ©rünbe roerben 
nidjt angeführt. ®er ©<hluß aber: bie VorjugSredjte be3 
§ 54 finb nur für ben Äonfurä gegeben, alfo bürfert fie außer; 
halb be$ ÄonfurfeS nid^t angeroenbet roerben, ift nicht äutreffenb ; 
oiclntehr folgt barauä nur, baß bie Veredjtigung, bie VorjugS- 
red)te ber jfoitfurSorbnung auch außerhalb SonfurfeS ansro 
roeitben, nid^t auf bie Vorfdhrift ber ÄonfurSorbnung geftüßt 
roerben fann. 

dagegen fpredjen fich bie SJlotioe 1. c. ©. 416 auSbriicf; 
lid) bal;in au3: „bie befieljenben ©runbfäfee über baä Ver= 
fahren bei cum benef. invent. angetretenen Grbfdjafteit be; 
bürfeit einiger 9tad)hilfe burdj bas ©efe§". 2 )aä beftehenbe 


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ü&erfdjulbeter etblojet SBerlaffenfdjaften. 


119 


Siecht bleibt alfo oollftänbig unoeränbert unb mirb nur fo 
weit nötig ergänzt. Von biefen ©rgänpngen betrifft feine bie 
2lrt bet Verteilung. @3 ift alfo auf ba3 gettenbe Siedd p= 
rücfjugeben. 

®ie ©runbtage beS ‘^nftitutä beS ©rbfc^aft^antritt^ cum 
beneficio inventarii ift bie 1. 22 § 1 — 15 Cod. 6. 30. ,§ier 
ift unb äiuar für beibe $“tte, mag ber SJtadjlafj preichenb 
ober unpreidjenb fein, in § 4 unb 6 oorgefdfrieben, bafe ber 
©rbe, roeldjet mit ber SiechtSroohlthat beS ^noentarS bie (£rb= 
fchaft angetreten unb ein ^noentar »erfertigt l;abe, bie ©leite 
biger befriebigen fönne, toie fie fommen. 2Benn nid>ts mehr 
übrig ift, werben bie 9la<hfotmnenben prüdgeroiefen unb haben 
an ben Grben feinen StnfprudE» mehr. Qebod) fotten biejenigen 
©laubiger, roeldje uorgehenbe |>ppothefen haben, gegen bie 
nachgehenben ©laubiger mit ber hppothefarifchen Älage ober 
ber condictio ex lege auftreten unb ihnen roegnehnten fönnCn, 
roa^ fie erhalten haben. Heber bie gefefclichen ißfanbredjte 
f. SBinbfdjeib V. I ©. 231. 232. 2ln ©teile biefer Verteilung 
burd) ben @rben unb bie Sieoofationäflagen ift burcf) ®eroohn= 
heit^redht unb partifularredjtlich ein ©biftaloerfahren burd; 
bie Vehörbe getreten f. Vofdjer, 3^itfc&r. V. 9 ©. 258 ; £anb= 
recht III tit. 22 § 4. ßrgab fid) eine Ueberfdjulbung , fo 
mürben bie Slften bem ©antgericht oott 2lmt3roegen oorgelegt, 
meines ben ©ant erfannte. 3» biefem Verfahren fanten bie 
gefefclichen Vorpg3red)te pr ©eltung. Grgab fich feine lieber; 
fdplbung unb mar ber ltad;laft preichenb, fo mar bie grage 
ber Vor sugä rechte unpraftifd), f. 2Bei^haar, roürtt. $rio.9t. V. II 
©. 391. 392 § 909 ; ©riefüiger V. 6 ©. 518. $e$balb 
fehlt eä an fpäteren Vorfchriften , roie p oerteilen fei, mentt 
ein unpreidjenber dtaeblaf, außerhalb Monfurfeä pr Verteilung 
ju fontmen hat. ©£ ift baher, wenn nun ein folget fjall oor= 
fommen fann, auf bie 1. 22 Cod. cit. abi bas geltenbe Siedjt p= 
rücfpgehen. @3 beftehen herüber pteierlei 2lnfichten. ©nt= 
roeber hat bie Verteilung bem ©inne unb ©eift beä ©efe^es 
getnäf? unter Verücffichtigung ber Vorpgssrechte ber ©laubiger 
p erfolgen. 3« biefer SBeife fprid)t fid) aBinbf<heib~ au». 


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120 


3ur 'gtage üöer bie »eljanblung 


Vanb. 33. 3 S. 232 Slotc 11: „2Ba3 baS Verhältnis ber 
©laubiger unter fid^ angefjt, fo jietit .^uftinianö ©efefc auS= 
brüdlid) nur bie »orftefienben ^fanbgläubiger ben übrigen 
©laubigem »or; aber es ift offenbar in feinem Sinn, baff 
aud) bie privilegierten <hirograpf)arifd|jen ©laubiger baS 9led)t 
haben foHeit, »on ben gewöhnlichen dfirograptjarifdjeit ©laubigem 
baS ihnen gejaulte 3 urüdpforbern. lehnlidj: ipudlita, Sßorle- 
fungeti § 508 3'ff- 3; SinteniS, s f$anb. III S. 507 9lote 18, 
f. aud) S. 506 Stote 15. SBentt man fich aber an ben 3Bort= 
laut beS ©efefceS ^ält, f. Seuff. ißanbeften 33. III S. 241 
Stote 14 ; 33rinj, fßanb. S. 24. 212 ; ©lüd, i)Sanb. 33. 41 6. 
367—371, fo fii^rt auch bieS nicht ju einer mathematifclj glei- 
djen Verteilung unter bie ©laubiger. Stach § 4 cit. fann ber 
Grbe phlen, roie bie ©laubiger fomtnen unb ein nicht prurö 
legierter ©laubiger Ijat gegen einen gleidjfteljenben feine dlage. 
Gs ift alfo gerabe baS ^rinjip gleichmäßiger Verteilung »er- 
nenn unb eine matljematifdj gleite Verteilung h“t {ebenfalls 
feinen Voben im ©efeß. 

b. ®aS gleite Siefultat ergibt fich für ben $all, roenn bie 
Grbfdhaft auSgeicblagen wirb. 

2Bie in ben SJiotioen jur ßonfurSorbnung mehrfach an- 
erfannt ift, befielt außerhalb beS ÄonfurfeS eine par conditio 
creditorum nid^t; außerhalb ßonfurfeS gibt es fein Stecht auf 
gleichmäßige Vefriebigung ber ©laubiger, fonft fönnte ein ©lciu= 
biger, meldet feine 33efriebigung erlangen fann, f<hon auf biefe 
£f)atfad)e hin oon einem befriebigten feinen Sttnteil »erlangen. 
Solange ber tfonfursanfprueß noch nid^t entftanbeu ift, fann ber 
Schulbuer über fein Vermögen »erfügen unb jaulen roie er roill, 
»orbehältlidh ber ©runbfäße über bie 3Xnfed^tung »on StedjtS-- 
l)anblungen. GS fpred;en auch bie StedjtSlehrer, welche in Sar; 
roey, 2lr<hi» 33. II S. 470 angeführt roerben, fämtlidh »on bem 
gall beS llottfurfeS. 2Benn ber Sdßulbner bejiehungSroeife beffen 
Vertreter paßten fann, roie er will, fo fann er auch unter 
Vead)tung ber ©runbfäße ber ÄonfurSorbnung sollen. 

®ie .UonfurSorbitung bejeidbuet als bie VorauSfeßung ber 
lionfurSeröffnnng unb als ©runblage beS ßonfurSanfprucßS 


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überfdjutbeter ecblofer SSerlaffenfdjafien. 


121 


bie 3“^u n 9‘ 5uR fö^)igfeit beä ©dfjulbnerS unb bie Vermögens* 
unjulänglicEifeit beö VadjlaffeS. ©rft bamit entfteljt bie par 
conditio creditorum. ®iefer ÄonfurSanfprudl), bas 9ied;t aller 
SonfurSgläubiger auf gleidjjmäfjige unb gemcinfd;aftlid)e Ver= 
teilung beS ganzen Vermögens, ift jebod^ toteber nid^t ein s Jled)t 
auf oollftänbig gleite Teilung beS Vermögens, fonbern ein 
SHnfprud; auf Verteilung nadjj ber SJangorbnung ber Äonfurs* 
orbnung. ®ie ©laubiger l)aben alfo toeber nadj ben int Mon* 
fur§ nod) nacfj ben außerhalb besfelbeit geltenben ©runbfä&ett 
ein 9ted)t auf gleite Vefriebigung nad; ber ©röfie iljrer fyor= 
berung. 

3 ft es Aufgabe ber £eilungSbeljörben, (Streitigfeiten ju 
oerlpiiten, fo gefd&ie^t bieS am beften baburcf), baff fie bie Ver= 
teilung nad; ben ©runbfäfcen ber KonfurSorbnung oomefjmen. 
StabernfaUS stoingen fie bie beoorjugten ©laubiger, junt 9tadEp 
teil ber übrigen, bie ©röffnung beS KonfurfeS beantragen 311 
muffen. ©benfo fann eine Slnfed^tung ber 9iec()tSl)anblungen 
beS 9iad;lafduratorS , f. ©offaf, älnfedjtung ©. 97; ©tieglifc, 
ÄonfD. ©. 182 I 2 . 2lbf.; ©rucljot V. 29 ©. 423, bann nidt>t 
erfolgen, roenn eine Verteilung nad; ber 9tangorbnung ber 
KoitfurSorbnung ftattgefunben l;at. $urd) eine 3lnfed)tnng 
im KottfurS mirb ein anbereS ©rgebnis nid;t erreicht. Vei 
einer Vnfedbtung aufjerfjalb Konfurfes aber in ©emäfjljeit beS 
§ 3 3iff. 1 beS ©efefceS oom 21. Quti 1879 ftat ber beoor-- 
ptgte ©laubiger eine ©intoenbung aus feinem beffereit 9ted;t 
gegen bie SlnfedEjtung eines nidf)t beoorjugten. 

©ntfd;eibung beS DbertanbeSgerid;tS in ©adfjen ber 3lftien= 

brauerei S. c. V. oom 21 . 3lpril 1882. 

©3 ift ©ad^e beSjenigen ©läubigerS, toeldjer mit ber 
oom Kurator beabficbtigten Verteilung nicftf einoerftanben ift, 
bie erförberlidljen ©djritte bagegen ju tljun, inbent er ben 
JlonfurS beantragt ober bie 3roongSoollfiredung betreibt, toaS 
ifjm jeberjeit freifte^t, roie er bieS aud; gegenüber uon 3 a f)l ; 
ungen ober fonftigen 9iecl)tSl)anblungen anberer ©cftulbiter ju 
tl;un jjat. 

©5 fann nidf)t eingetoenbet tuerben, es fönne bie ©ntfdjei= 


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122 


3ur Jtage über bie »e^anblung 


bung, ob ein 2?orjugSre<ht begrünbet fei, nicht ber XeilungS; 
beljörbe unb einem aufjergeri^tlid^en Verfahren überlaffen 
bleiben. ®enn es h«t ber Vermalter (bejro. bie SeilungSbe; 
Ijörbe) audj bariiber ju entfdjeiben, ob er bie fforberung über= 
fjaupt anerfennen roiH; fobann aber ftnb bie Vertreter ber 
gegenteiligen Slnfidjt barüber einig, baff roenigftenS bie 2tb- 
fonberuugSred)te beS § 41 $iff. 1. 8. 9 ju beriidfid)tigen 
feien. 

2lud) bie praftifchen Äonfequenjen ber in bem ÄommifftonS= 
beridft oertretenen 2lnfdhauung führen ju feinem befriebigenben 
GrgebniS. @S bemerft bie Äommiffion jroar aud; ^ier, es 
liege faum ein 23ebürfniS oor, ben § 54 ber Äonf.D unb ben 
21. 22 beS ©efejjeS über Qmmobiliarejefution auf bie Sßertei= 
lungen beS 21. 9 für anroenbbar ju erflären. $eber beoor- 
öugte ©laubiger fei in ber Sage, bie ÄonfurSer Öffnung ju be= 
antragen unb fo fein Stecht ju magren. 

2tHein bieS trifft ba nid^t ju, roo eine bie Äoften becfenbe 
•Dtaffe nicht »orhanben ift. 3n biefen fällen roirb beit 23eoor= 
redjteten Ufr 2$oräugSred|t auch nicht freiwillig jugeflanben. 
tlnb auch ba, roo bie SRaffe bie Äoften beS ÄonfurfeS bedt, 
roirb in ben meiften gäHen ber ÄonfurS nicht beantragt, benn 
bei bem Sorrent ber Siebtöhne, Steuern, 2lerjte unb 2lpo= 
tljefer banbeit es fid) in ber Siegel um Heinere Summen. 
ÜBegen biefer rooHett bie beteiligten ber bamit oerbunbenen 
SJiiilje unb ber Äoften falber ben ÄonfurS nicht beantragen, 
aud; Ijaben biefelben $u befürchten, baff bie Äoften beS fioro 
furfeS bie ÜJlaffe abforbieren unb fie fo nichts erhalten. 3n 
biefer 2Beife fommen biefe beoorjugten ©laubiger gegen bie 
2lbfid)t beS ©efefjeS um ihr 3BorsugSred)t. ®ie XeilungSbe; 
jjörben oerfuchen jroar, auf gütlichem SBege bie ©laubiger jur 
2lnerfennung ber SorjugSredüe ju beroegen unb nad) ben 39e= 
richten gelinge bieS auch öfter, roeil baS ißubtifum an biefe 
Vorrechte geroöhnt fei unb fie als berechtigt anfelje. Slttein 
roenit nur ein ©laubiger nicht einroifligt, fo führen biefe 
58etl)anblungen ju feinem 3icl unb es roirb biefe Sage auch 
oon unbeoorjugten ©laubigem beuii^t , um ihre »olle söefrie- 


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ütevjdjulbeter er&lofer S3erlaf[enfd)aften. 


123 


bigung ju erzwingen. 2Ba3 inSbefonbete bie Steuern betrifft, 
fo tonnte, ba es ftdf> bei ber Veräußerung ber Siegenfcßaft 
um feine .ßwangSooEftrectung ßanbelt, auctj ber 2lrt. 22 bei ©e= 
feßeS o. 18. 3tug. 1879 über Qmmobiliarepefution nidjt jur 3tn= 
wenbung gebraut werben. (SS müßten alfo aucß bie Steuern 
unb VranbfcßabenSbeiträge fand Stüdftänben nur pro rata 
befriebigt werben, f. Vofdßer 35. 24 S. 12. V. 25 S. 12. 
GS ßaben fidß baßer meßrfacß bie SeilungSbeßörben oeraulaßt 
gefeßen, b aS Vorjug3rccßt ber Steuern burdß ben Vermalter 
ober bie erfdßienenett ©laubiger anertennen ju laffen, roogegeti 
für bie $orberungen ber 2lerjte unb Stpotßefer unb bie £ieb= 
lößite nidjt in gleidßer SBeife geforgt roirb, was nic^t geredßt= 
fertigt erfcßeint. 

Ueberwiegenb ift baßer oon Votaren unb 2lmtSgericßten 
ber Slnfidßt SluSbrud gegeben worben, roie wünfdßenSwert eS 
wäre, wenn bie Vorredßte ber ftonfurSorbnuitg jur 2lnmenbuttg 
gebrad;t werben fönntcn. Verftänbigungen fdßeiteru ßäuftg an 
bem Gigenmiflen eines ©läubigerS, ber fidj woßl befinnen 
mürbe, felbft ben itonfurS ju beantragen. SaS ißublifum fei 
fo jiemlicß allgemein ber lleberjeugung, es werben aEe im 
ÄonfurS geltenben Stecßte aueß im 2luSeinanberfeßungSüerfaßren 
beriidfidßtigt. SaSfelbe begreife eS ttidßt, warum bie Vorzugs; 
recßte ber ©laubiger, wetcße bas ©efeß begünftigen woEe, bei 
ben Amtsgerichten gelten foEen, bei ben SeihmgSbeßörben 
aber nidßt. Sie ißrayiS muffe notwenbig einen SCßeg finben, 
um bie Vorzugsrechte beS § 54 jur Anwenbung bringen ju 
tonnen, benn eS wäre feßr bebauerlidß, wenn ber Aadßlaß 
burdß bie Äoften beS ÄonfurfeS ßäufig aufgejeßrt würbe. Aud) 
bas Sanbgericßt zu Ulm bemerft, eS fei nicßt ju oertennen, 
baß bie »erfdßiebene Veßaublung ber ©läubiger, je nadßbem 
über eine überfdjulbete Verlaffenfdßaft ber ÄonfurS eröffnet 
werbe ober nidßt, eines innern ©ruitbeS entbeßre. 

Semgemäß ßaben aucß eine Steiße oon ©efeßgebitngen 
bie AbfonbenmgSredjte beS § 41 unb bie Vorzugsrechte beS 
§ 54 auf außergeridßtlidße Verteilungen für anwenbbar erflärt, 
wofür auf bie Sammlung ber AuSfiißrungSgefeße 3ur C£iuiU 


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124 




projefc unb ftonfutSorbnung oon SBilmoroSfi oerroiefen roerben 
fann. gür baS preufjifdbe 9ted)t f. SJlärfer, bie s Jlad)lafebe= 
banblung für baS preufjifdje StedRSgebiet ©. 3 Stote 2. ©. 32. 
134. 135, Wernburg, preufj. ißrioatr. 33. III ©. 269. 263. 
647. 652 ; unb für Deftreicf) : Unger, öftr. (Erbrecht, 93. 6 beS 
iprioatrecbts ©. 28. 178. 384. 


V. 

3Utcrnatu>e (Obligation. Hiebergang bcs km (Olanbiger 
bicsfalls ^ufUljcuktt tHaljlredjts auf kn j&djnlktcr 
wegen öerjugs beo erftercn in Ausübung ks tüaljl- 

ree^ts. 

3Jlitgeteilt »on. 

D.£.©.3tat ©tabt in Stuttgart. 

3n ber 9te<btsfad;e 33., Kläger, gegen ©djl., 93e!Iagten, 
Äaufforberung betreff., bie fdjliefflid) burcb Setgleid; erlebigt 
toorben ift, bat fi<b baS £anbgerid)t Stottroeil burdf eibbebingte 
Gntfdjeibung oom 5. Quni 1886 in beiben obigen ile^iebungen 
folgenbennafjen auSgefprodjen : 

I. Slnbelangenb bie Uebereinftimmung betreffs ber SBare, 
fo ift auch biefe oorbanben, inbent ein beftimmteS Quantum 
SRebl beftellt rourbe, nur bafi bie SBabl unter ben SJteblforten 
ber 33eflagte, ber ©laubiger ber SDteblforberung, haben füllte; 
bies ift aber nid^ts anbereS, als eine auf bie 9Babl beS ©läm 
bigerS gefteUte alternatioe Obligation, bie als folcbe 
bttrcbauS perfeft ift, unb jioar batte ber 33eflagte bie SBabb 
non einer ber uerfdjiebenen ÜJteblnummern (0 — 5) ober oon 
einem Xeile biefer Stummem ober oon allen Stummem jufantmen 
in einer matbematifcb überhaupt möglichen Strahl oon Atom-- 
binationen bieS ausgemachte Quantum SJtebl geliefert ju oer= 


illternalioe Obligation. 


125 


langen; bie $abl ber SeiftungSinbalte, unter benen bie 3Baf;l 
freifte^en foß, fann aber befanntlidj auch größer als §ioei fein, 
SBinbfcbeib, ipanb. II § 255 not. 2, unb ift noch barauf f)in}u- 
roeifen, baff in ben ©ntfcbeibungen beS 5H. £)..£>. ©S. 16 S. 204 f. 
unb beS 9letd^^gerid)tö 10 ©. 95 f. ein ganj ät;nti(^er gall 
(Verlauf einer Quantität SBaren nad) einem ©runbpreife mit 
ber 33eftimmung, baff ber Häufet bie formen unb ®imen= 
fionen ber ju liefernben 2Bare nach einer »orliegenben lieber^ 
preiiSffala }U beftimmen (fpejifijieren) habe mit einer gleichfalls 
reichen Slnjahl non Kombinationen) als burcbauS perfefter Kauf: 
nertrag erflärt tnorben ift ’)• 

II. £>er Kläger, toeldjer bie — roie er fagt — fefte 93e= 
ftellung am 20. 9tonember n. 3* erhalten bat, unb jtnar auf 
©nbe Januar ober Slnfang gebruar b. bat am 14. Januar 
ben SJeflagten aufgeforbert, bie Sortierung nunmehr ju be= 
ftimmen, unb bat, als ber iBellagte biefe Sortierung nicht nor= 
nahm, ihm am 25. Januar 10 ©öde non 9tr. 1 unb 10 
Säde non 9lr. 3 äugefanbt ; er nerlangt Ijiefür ben Iaufenben, 
enentueH nereinbarten fßreiS non 29 3)i. 25 $|}f. unb 25 3)1. 
25 5pf. pro Sad, alfo jufainmen 545 SW. famt ffkojeffjinfen. 
SWit bem |>erannaben ber nerabrebeten SieferungSjeit mar 
ber Kläger unjineifelljaft berechtigt, non bem SBeflagten bie 
SBeftimmung ber 9Jieljlforten ju nerlangen; ber 3)etlagte be- 
fanb ficb baber im 33er$ug, inbem er aud) bis jum 25. Januar 
biefe Sortierung noch nicht norgenommen batte, unb erbebt ficb 
nunmehr nor 2lHem bie ineitere grage, ob burch ben ä>erjug 
beS wahlberechtigten SBeflagten baS SBablred^t auf ben Kläger, 
ben Sdjulbner beS 3Kebls, übergegangen tuar, ob er alfo ju 
ber getroffenen 2luStnabl unb bamit ju ber geltenb gemachten 
HaufpreiSforberung berechtigt erfcheine? 

2Benn ber Schulbner ber Seiftung roaljlbereditigt unb 
im Serjuge bei 2luSiibung feineö 2ßablred)teS ift, fo nehmen 
niele SchriftfteHer an, baff burch ben llerjug an fidj ber 
Sdjulbner fein 2Bablre<ht nic^t nerliere, fonbern erft bann, 

1) SBmer, Stbfjaitblungen I S. 132 flgbe. 


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roenn et aud) ber (Srefution gegenüber Ijartnäcfig bleibe ’), unb 
biefer Stnftd^t bat fufi ba3 9tei($Sgerid)t (Entfcl). Sb. 12 91. 46) 
angefdjloffen , allein anbre namhafte ©djriftfteller laffen burd) 
ben Serjug beä ©djulbnerä beffen SBaljlredjt auf ben ©läu= 
Inger übergeben 1 2 3 * ), unb für biefe Slnfidjt bürften übern?ie= 
genbe ©tiinbe fprecfjen, benn roäljrenb if>r § 33 Qnft. 4, 6 
nidbt entgegen ftebt, fofern eine ßlage aud; ohne Serjug be3 
©diulbnerS angeftellt roerben tann, läßt fie fidb unmittelbar 
auf 1. 2 § 3 D. 13, 4 ftiißen, roeldje augenfd)einlid) einen Ser 3 ug 
be3 Sdjulbners oorausfeßt, unb fobann inäbefonbere auf 1. 11 
§ 1 D. de legat. II, welche ©teile für ben gall, baff ber 
©djulbner bie ibm für bie Ausübung beö 2Bal)lred)t§ non 
bem Deflator gefegte grift »erfciumt, baS 2Bal)lted)t auf ben 
©laubiger, ben legatarius, übergeben lägt, tuäbtenb fein innerer 
©runb oorliegt, es anberS ju galten, wenn ber ©äpilbner 
burd) ÜBiafjitmtg , anftatt burd» Serftreidjenlaffen bes gefegten 
Termins in Serjug gefegt roorben ift. Son Sebeutung ift es 
audb, baß bie ©egner 8 ) feine ©efeßeSftelle bafitr ansufübren 
roiffen, baß bas SBaljtredjt erft, aber auch allerbütgS bann ben 
©läubigern jufalle, roenn es ber ©cfjufbner jur ©pefution 
fommen laffe; biefe Sfonjeffton rourbe aber in bem ©efübl 
ber 9lotroenbigfeit gemalt, enblid) einmal gegenüber bem fort= 
bauernben Zögern bes ScEjulbnerS bem ©laubiger jur Ser- 
roirflidjung feinet SKedjteS ju nerbelfen, unb babei ift e£ no<b 
ungeroiß unb ftreitig, ob bas äBaljlredjt erft bann auf ben 
©laubiger übergeben foH, menn bie für bie (Srjroingung einer 
.fjanblung (Ausübung beS SBaljlredjtS) fiattljaften 6pefutionS= 
mittel (©elbftrafe unb |>aft, § 774 ber ß.fp.O.) junor fruchtlos 
angeroanbt roorben, ober fdion bann, roenn nadj Sied^tSfraft 
beS auf bie Ausübung beS 2Ba^Irec^t0 unb bemgemäß ge- 

1) SBinbfäeib, 1. c. § 255 not. 11 unb bie bort edierten; au$ 
Jßäcffter, Sßanb. TI 6. 282. 

2) ©tiief IV S. 417; ©cfjiueppe, £ef)tbu(b § 379; gimmertnann im 
cinilift. Sirrin I S. 326 f. 

3) SBinbfdjeib, l.c. § 255; SBäcfjter, ©rörterungen III 6. 118. 9(nm. 

64 ; K.0. Sanb 12 9?r. 46. 


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2Uternatwe Obligation. 


127 


fdjebene 3«blung ergangenen Urteils ber ©djulbner trofc einer 
ihm, fei eS feitenS beS GeridjtS, fei eS feitenS beS Gläubigers 
geroorbenen Slufforberung, bem Urteil nad) 3 ufommen , bennod) 
aud) je|t baS 5Bablred)t nidjt ausübt '). 

©djon an unb für fidj aber erfdjeint es naturgmäfr, 
fd)on mit bem 3 e üpunft beS ©erjugS, ber ja oudj fonftige 
SermögenSnadjteile im Gefolge bat, bas 2Bai)lredjt auf ben 
Gläubiger übergeben ju laffett, anftatt ben fpäteren, ^ubern 
in feiner näheren ©eftimmung beftrittenen 3*ityunft ber be»or= 
fteljenben ober fruchtlos burebgefübrten Gyefution als maffgebenb 
ju erflären, unb eS fpredien ^iefür aud) cntfcbieben bie 9iü<f= 
fisten ber ©inf a eit unb ©illigfeit, ba fonft ber 
Gläubiger nur nad) langer 3<üt unb nach Grftreitung non jroei 
Urteilen ju feinem Mect/te gelangen fönnte. 2Benn aber tyt- 
nad) baS 2Bal)lred)t beS ©djulbners burd) beffen ©erjug 
in Ausübung feines SSablredjtS auf ben Gläubiger übergebt, 
unb für biefen Uebergang nidjt blofs pofitin gcfe^lic^e 39eftim= 
mungen, fonbern aud) roidjtige innereGrünbe angeführt 
roerben fönnen, fo ift man fd)on nad) ben Grunben ber 9lnn= 
logie berechtigt, aud; im gall beS ©erjugS beS wahlberechtigten 
Gläubigers bie 2Bal)l auf ben ©chulbner übergeben ju 
laffen. 

2BoÜte man aber aud) ber älnfidjt fein, baff erft, tnenit 
eS jur Grefution getommen, ber ©djulbner fein 2Bablred)t ju 
gunften beS Gläubigers nerliere , fo märe barauS nod) nidjt 
ber non SBinbfdjeib in ber neueften Auflage ber ©anbeften, 
II § 346 2lnm. 10 gezogene ©d)lu{j gerechtfertigt, baff eS in 
gleicher SBeife au<b beim ©erjuge beS Gläubigers ju 
halten fei. 

®enn fdjon bie bernorgef)obenen inneren Griinbe ber 
Statur ber ©ad)e, ber ©infadjbeit unb ber biEigen SRücffidjt 
auf bie ftntcreffen beS Gegners gegenüber bem renitenten 
9öabtbered)tigten »erbieten jenen ©d)luff unb fpreeben umge- 
febrt auf bas bringenbfte bafiir, baff fdjon mit bem ©eräuge 


1) 6. bie eben Gitterten unb 3t. 93anb 8. 6. 354. 


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128 


Ste^t, 


beS ©läubigerS baS 28af)tred)t auf ben ©dbulbner übergebe. — 
$aS pofitioefRedbt fpridbt fidb über biefe grage bloß babin 
aus, bah bem ©dbulbner baS iftecfjt eingeräuiut fei, burdb baS 
©eridbt bem ©laubiger eine grift für bie Ausübung feines 
2Bal)lrecE)tS fefcen p laffen, beren 9iid)tbeacE)tung für ben ©läu= 
biger ben nölligen 33 er lu ft ber aus ber Obligation i^m 
pftebenben fftedbte pr Splge buben foH, falls nidbt mehr res 
Integra fei, b. b- falls f (f> o n SDiSpofitionen über ©egenftänbe, 
auf roeldje bie Obligation fidb bejiebt, uom ©dbulbner getroffen 
finb ’), allein biefe 23eftintmung ift für gegenwärtigen galt gar 
nicht anwenbbar, roo es fid; nicht um ein einfeitigeS gorberungS- 
recht beS iua^Ibered>tigten ©läubigerS, fonberrt um ein jmeU 
feitigeS 2*ertragS»erbältniS ber Partien banbeit, roo ber S3e= 
ttagte bie ibm gebübrenbe ifeiftung (3RebO gar nicht will, alfo 
aud) nidbt mit ibrent Serlufte beftraft roerbeit fann, oielmebr 
ber Äläger, ber ©dbulbner beS SJieblS, als ©laubiger beS 
St auf p reifes auftritt, unb bie 2Babl binftdbtlidb ber 9Jlebl= 
forten oorgenommen roerben muh, um ben bem Kläger pfoiro 
menben Kaufpreis ermitteln p fönnen ; audb ift man nidbt be= 
rec^tigt p fagen: ber Seflagte, ber burcb feinen $erpg bie 
il;m pfommenbe SDleblforberung oerroirft habe, fei fegt nidbtS 
befto weniger oerpflicbtet, ben Kaufpreis bafür ju sollen, benn 
foroeit gebt baS 2tedjt nidbt, bah es als ©träfe beS 33erpgS 
einen pofitioen ©dbaben am feitberigen Vermögen feftfefcte, 
bie fyolge besfelben foll nur eine SSerbinberung beS 33 er- 
mögenSjuroa^feS fein; ber Kläger roiH audb nicht, bah 
ber 33eflagte eine ©inbuhe an feinem feitberigen Vermögen er= 
leibe, inbem er ja fortroäbrenb bereit ift, bem 33eflagten baS 
2)iebl gegen ben uerabrebeten Kaufpreis p liefern unb enblidb 
wäre bamit audb ber 28 eg gar nidbt gezeigt, auf bem man 
pr ikftimmung beS ÄaufpreifeS gelangen fönnte. ®aS pofi- 
tioe Diecbt enthält alfo eine für gegenwärtigen gaH anwenb= 
bare 2teftimmung allerbingS nidjt, aber ben ©cbluh fann man 
aHerbingS barauS sieben, bah toenn im galt beS SerpgS beS 


1) 1. 6. 7. 8 pr. D. 33, 5, SWommfen mora <5. 153. 




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älternatioe Obligation. 


129 


wahlberechtigten ©läubigerä , bem eine einfeitige fforberung 
pfteht, unter llmfiänben bas ledere fogar oerroirEt wirb, 
um fo mehr e£ bem £>ier ftrengeren ©eifte be3 fftömifchen 
91e<htS entfpricht, bem ©laubiger f<hon mit bem SSerjuge, unb 
nicht erft mit beginn ber ©yefution baS Jßablredjt ju nehmen, 
unb eS auf ben ©djulbner ber betreffenben Seiftung p iiber= 
tragen. — 

2B achter in feinen Srörterungen III ©. 116 2lnm. 58a 
läßt aHerbingS, wenn bem wahlberechtigten ©laubiger ein 
$ er min für bie Ausübung feines 2Ba^lreähteS uon 3lnfang 
an gefegt ift, baS SBahlrecht bei frudhtlofem 2Iblauf beSfelben 
auf ben ©djulbner übergehen, unb ift roohl ber entgegengefe^ten 
Inftdht für ben galt, roenn es an einer £erminSb eftimmun g 
fehlte (unmittelbar fagt er bieS freilich nicht, bernt bas ©.117 
am ©djluffe tron a gefügte behanbelt ben ganj »erfchiebenen 
galt, ob ber ©laubiger, ber bie ihm pfomtnenbe Seiftung, 
hinfichtlidh bereu er roahlberechtigt ift, im 2öege ber Klage 
geltenb macht, fid) fd^on in ber Klage, bej. bei ber litis- 
contestatio binbenb für bie eine ober anbere Seiftung erflären 
müffe, ober ob er alternatiu Elagen, unb feine 93Ba£)l auf ben 
3eitpunEt ber ©refution uerf «hieben Eönne), allein es ift fchon 
oben bemerEt roorben, bafj wenn einmal bei frudjtlofem 3kr= 
ftreichen beS Termins ber Uebergang beS 2Bal)lrecbtS auf ben 
©chulbner angenommen roirb, Eein ©runb oorliegt, biefen Ueber= 
gang p oerfagen, roenn ber ©laubiger oergeblich an bie 2luS= 
Übung beS 2Bahlre<htS gemahnt rourbe, in beiben gälten liegt 
eben ein 33er jug oor. — ©nblid) aber Eann fi<h für bie hier 
oertretene 2tnfi<ht unmittelbar auf baS 9teic$Sgeric^t berufen 
roerben: ©djon in ben (Sntfdheibungen beS 3i.D.$.®. (33anb 
16 ©. 204) ift ein mit bem gegenwärtigen ganj ähnlicher gaH, 
roie oben bemerEt, behanbelt, unb pnächft auSgef proben, baf; 
ber Äaufoertrag als ein perfeEter fid) barftette ; bie Mage gegen 
ben Käufer roar aüerbingS bahin gerichtet, baf; lefüerer bie 
©pejifiEation oorpnehmen b. h- baS ihm pftehenbe SBaljlrecht 
auSpüben, unb ben fich nach ber ©pejififation ergebeuben 
Kaufpreis p phlen habe, unb baä ©eridjt Ejatte bemgemäf; 


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130 


Stahl, 


erfattnt, inbern eg in ben ©rünben bemerke , eine berartige 
Klage fei aßerbingg guläffig, unb and) non praEtifdjem erfolg, 
ba bei fortgefefcter Steigerung beg Öeflagten, bie ©pejifijie- 
rung oorgunehmen, gegen ihn mit 3n>onggmitteln oorgegangen 
roetben fönne, unb äufjerften gaßg beni Kläger bag diedjt 
oerbleibe, ©djabengerfafs wegen ber nicht geteifteten $anblung 
gu forbern ; aflein biefe @ntfd)eibung ft e f> t feinegfallg ber 
hier üertretenen Suffaffung entgegen, ba ber Berfäufer, 
wenn er nicht bag auf ihn übergegangene 2ßa^Ire^t felbft 
augüben miß, ungmeifelliaft and) berechtigt ift, junädhft auf 
Bornahme ber Stahl gegen ben K auf er gu flagen, unb bag 
3t.D..§.©. mit feiner ©ilbe fagt, baf? er fo flagen muffe, 
oielntehr bie grage, ob er nicht auch berechtigt geroefen fei, 
bag 2öahlre<ht felbft augguüben, überhaupt unerwähnt gelaffen 
hat, wie eg benn auch bur<h bag Klagegefuch gar nicht oer= 
anlafft war, fi<h herüber auggufpredhen. 3« ben reid)gge= 
ridfjt liehen (Sntfcheibungen \) fobann aber ift bezüglich eineg 
gang ähnlichen gaßeg, wie ber ootljer ermähnte, auggefprodhen, 
baf) wenn ber Käufer bie ihm obliegenbe ©pegififation nicht oor= 
genommen habe, ber Berfäufer berechtigt fei, einen ©elbfthilfc* 
oerfauf oorgunehmen, unb bie hienach fid) ergebenbe SÜffereng 
gmifdfen bem Berfaufgpreife unb bem ©rlög aug bem ©elbfthßfe- 
oerfauf gegen ben im Berguge befinblichen Käufer geltenb gu 
machen; ba aber ber ©elbfthilfeoerfauf notroenbig ooraugfefct, baf? 
ber Käufer beg ©elbfthilfeoerfaufg bie ©pegififation oorge- 
nommen hot/ wie benn auch ©• 100 1- c. augbrücflich gefaßt ift, 
„©egenftanb beg ©elbfthilfeoerfaufg fei, mie ber beg urfprüng= 
liehen Berfaufg, ein beftimmter ©toff in einer gor tu, bereu 
Beftimmung bem jebegmaligen Käufer für feine ißerfon 
unb in feinem eigenen gntereffe guftehe", fo muß nadh biefer 
(Sntfdheibung um fo mehr bem Berfäufer beg urfprüng= 
liehen Bertragg bag Stecht ber ©pegififation beim Bergug 
beg Käuferg guftejjen, ba feine Siechte nicht geringer fein fönnen. 


1) 33b. 10 ©. 95 (fielje auch K.D.§.®ericht3=©ntfcheibungen 15 
Sit. 45 unb Seuffert’ä 3trc£)iu J0b. 33 Sir. 256). 


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äUternatiöe Obligation. lgi 

S “* « im 3 cae 

ärt. 354 b e ä ß® «*”"*• btr Saitag bess Jtaufpreifeä 
Vertrags »u ocrfonnE u W . er ^ er ^' n ‘ e Erfüllung be3 

f n *W ©PCjififation ber^arf °° r " 

Äaufers »orauSfefct ÖUrc ^ ,tatt beS remtenben 

«*?* M« MW» 

«« Br 10 sSrhfJ 1 o?T 8 f ^,r^ ta ' »•* 
‘‘"Wet erfWnen ' 2 ° W fto 10 ‘ 25 » 25 ff. 




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VI. 

(Entfdjetimngen öes (Dbcrlanbcsgcndjts. 

A. in 6it)ilfacf)en. 

14. 

Crlifdjt bas burdj bie Anmelbung bts Parenjeidjens er= 
langte Jledjt, wenn bte Aenberung ber firma, für meldjt bas= 
felbe angemelbet roorben i(t, utib bte Peibeijaltung bes feidjens 
für bte geänberte f irma nidjt angemelbet wirb ? Pie lange 
kann btefe Jtnmelbung nadjgeljolt werben? 

linben bte auf bie Eintragung ber firtncn int |janbels= 
regifler ftdj bejieljenben Peftimmungen bes Plarkenfdjuljgefeiies 
Anmenbung auf bie Parenjetd)en non föerocrbetreibenben, weldje 
int 3nlanbe eine fjanbelsnteberlaffung nidjt befttjett? 

Plarkenfdjuljgtfetf §§ 5 3 . 1), 12 3 . 2), 20. 

SSorfte^cnbe fragen mürben non bent DberlanbeSgeridjt, 
roie folgt, beantmortet: 

®er nadj bem aftarfenfdjulgefejs (ju nergl. bie §§ 1, 4, 
5, 8, 11 unb 12 unb bie SJiotine ju ben §§ 5 unb 8) get= 
tenbe @runbfa§ ber 9tid)tübertragbarfeit bes für eine Jinna 
angetnelbeten SBarenjeidjenS auf eine anbere ginna erleibet 
insofern eine Einfdjränfung, als nadj §5 3-2) unb § 12 
3- 2) jenes ©efe^es eine geänberte girma baS für biefelbe 
nor Eintritt ber 3lenberung eingetragene SBarenäeidjen beibe= 

3 a^rl'üdjer b. SSürttembg. fltcdjtbpflegc. I. 10 


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134 


©ntfd&eibungen be8 DbertanbeSgertc^tä. 


galten fartn. ®ie ßöfchung be§ SBarenjeid^enä »on StmtS 
roegen unb ba£ ©rlöfchen be$ burdf bie Slnmelbung besfelben 
erlangten fRechtä erfolgt nämlich nach biefen Oefe^e^fteKen nur 
bann, roenn bie Slenberung ber gi rma u»b nicht gugleid^ bie 
Beibehaltung bes 3 e i c h en ‘ 5 angemetbet roirb *)/ unb jroar, roeil, 
roie bie SJtotioe ju § 5 bemerfen, in biefem galt ber Berjidjt 
auf ba3 Reichen nach betn SBiHen be3 Giefe^e^ ju unterfteHen 
ift. Unterbleibt baher bie Slnmelbung ber Slenberung ber $irma 
jutn ^anbef'jregifter, fo famt, ba biefe Slenberung nicht non 
3lmt3 roegen, fonbern nur auf bie gemäfj Slrt. 25 bes £.©.B. 
uorgefchriebene Slnmelbung ber Slenberung im ^anbeUregifter 
eingetragen roirb, ju melier Slnmelbung ba3 |>anbel3gericht 
nach Strt. 25 beö £.(3.B. bie Beteiligten burch Drbnungäfhrafen 
anjuhalten hat, baä fiir bie frühere gfauia angemelbete 2Ba= 
renjeichen roeber oon Slmts roegen gelöfcht roerben, noch er: 
löfchen 2 ). SlHerbingö fann ber Älage be§ Inhabers ber ge= 
änberten f^irina, wenn bie Slenberung ber gmna unb bie Beü 
behaltung beö 3 e ^ e n3 für biefelhe nicht angemelbet roirb, auf 
Schuf} bes lehtern nach ßltaftgabe bet ermähnten Beftimmungen 
be$ SJtarfenfchufjgefefse^ bie ©itiroenbung entgegengehalten roer-- 
ben, bah jener Inhaber nicht im .^anbeläregifter unter Bei= 
behaltung be§ SBarenjeichenö für bie geänberte f^irtna einge- 
tragen unb baher $u jener Älage nicht legitimiert fei. Sltteitt 
biefe ©inroenbung ift nur infolange begrünbet , als jene 3ln= 
melbung ber Slenberung ber fyirtna unb ber Beibehaltung be* 
SBarenseichens nicht erfolgt ift. SBirb baher bie fragliche Slm 
melbung ttorgenontmen, roa$, ba ba3 ©efefs hiefür feine bt- 
ftimmte 3 e 't oorfcljreibt, fo lange gefchehen fann, als baS be- 
treffenbe 2Baren5ei<hen nicht oou Slmts roegen gelöfcht ober 
nicht erlofchen ift, fo hat ber Inhaber ber geättberten girma 
Slnfprud) auf Schuh beS für bie frühere fyirata eingetragenen 
unb oott ihm beibehaltenen 3 e i$ e n3 mit SBirfung oon ber 
3eit ber Slnmelbung bes (extern burch ben Inhaber ber friih^ 


1) entfcfi. bei 91.®. XI, 141 f. 

2) Äofjler, 9ledjt be§ SJlarlenfdjufceä 300 f. 


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A. in 6imlfad|en. 14. 


135 


reit ^trtna *). Senn in biefer 2Birfung beftefjt gerabe bie 
Beibehaltung beS für eine girma eingetragenen SBarenjeicßenS 
burdj bie geänberte girtna int ©egenfaß ju ber neuen 2fntnel= 
bung beS 3eicßens, tneEdje er ft oom 3eitpunft biefer 2lnmel= 
bung Rechte für bie anmelbenbe erzeugt. 

UebrigenS finbet bie Borfdßrift bes Sftarfenfdßußgefeßes, 
baß nur ber Qnßaber einer int ^janbelSregifter eingetragenen 
girnta 2tnfprud) auf ©cßuß feines SBarenjeidjenS habe, auf 
bie in § 20 jenes ©efeßes ermähnten SBarenjeicßen feine '2n= 
roenbuitg. 3 TOar foHen für bie [extern bie Seftimmungen bes 
genannten ©efeßes maßgebenb unb ßienad) bie auSlänbifdßen 
SBarenjeidßen bejügticß ihres Schußes ben inlänbifcßen gleicß= 
gefteHt fein. Mein auf ber anbern ©eite oerleißt baS ©efeß 
in § 20 ben auslänbifchen SBarenjeidhen fcßon bann feinen 
©cßuß, trenn biefetben neben ber in 3- D bes § 20 oorge= 
fcßriebenen Slnmelbung ©d)uß in ihrem ^eimatftaat genießen, 
hieraus folgt, baß fotcße Borfdjriften bes 9RarfenfdjußgefeßeS, 
toclcße nur auf ben befonbern im ©eutfdjen äteicß geltenben 
Einrichtungen berußen, unb toelcße baßer nidjt oßne roeitereS 
non ben Qnßabern austänbifcßer SBarenjeicßcn beobachtet n>er= 
ben fönnen, auf leßtere nicht anroenbbar finb. 3 U biefen 93or= 
f^riften geßört aber unjioeifelßaft bie ber Eintragung einer 
gintta im öanbelsregifter, unter meldjem eben baS $anbels= 
regifter eines bem Seutfdßen ffteidß angeßörenben ©taats ju 
oerfteßen ift. MbernfaHS fäme man ju bem oom ©efeßgeber 
bei ©rlaffung bes § 20, burcß melden ein internationaler 
tDfarfenfcßuß gefcßaffen toerben fott, ficßerlicß nicht gerooHten 
Ergebnis, baß bie ftnßaber austänbifcßer Sßarenjeicßen, bercn 
.fjeimatftaat bie Eintragung einer girma im §anbelsregifter 
nid)t oorfcßreibt, in ®eutfcß(anb feinen ©cßuß für ißre 2Baren= 
äeidßen erlangen fönnen, ungeadßtet biefetben nacß betn ©efeß 
beS ^eimatftaats gefcßüßt finb 1 2 ). ©inb aber biejenigen 23 e= 

1) Stofjler a. a. D. S. 244. 

2) Rodlet a. a. D. 6. 435 f. (ju rergl. and) bie baf. ©. 532 ff. 
angeführte ©ntfcf). beS 2t.®. Seipjtg nont 16. Stpril 1878); ©n bemann, 
Diartenjchuß ©. 95; 2Jle»eS, äKarlenfdjußgef. ©. 84; Urteil beä D.Zr. 

10 * 


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136 


Entweihungen besä DbertanbeägericfitS. 


ftimmungen beS 3Jtar!enfd)uhgefe|e£, roeldje firf; auf bie <5in- 
tragung bet firmen im .ganbelsregifter beziehen, auf biejenigen 
©eroerbetreibenben , tuelcfje im 2luslattb ihre £anbelsnieber= 
iaffung haben, nidf)t anjuroenben, fo fönnen auch bet bereit 
2Barenjeid)en biejenigen £öfd)ungS= unb ErlöfchungSgrünbe beS 
aNarfenfchußgefeßeS, roeldje mit jener Eintragung jufammem 
Rängen, nicht ^utreffen, pielmehr genießen gebadete SBarem 
jeidfjen infofange, als biefelben in bem &eimatftaat ber er= 
wähnten ©eroerbetreibenben gefchüßt ftnb, nach § 20 3- 3) 
bes SJtarfenfchuhgefeßeS and) ben Schuß bes festem. 3)a(;et 
erlöfdht inSbefonbere baS 3 e ' < h enrec h t eines 2luSlänberS nicht 
ohne weiteres im gaff bes Eintritte eines bes in § 5 3- 1) 
unb 2) bejeidjneten nad) Maßgabe bes § 12 3- 2) J ). 
SBielmetjr bleibt baS nad) § 20 gefchüßte SBarenjeichen ber 
$irma eines ©eroerbetreibenben , welcher itn 2luStanb feine 
£>anbelSnieberlaffung hat, aud) im gaü einer Sfenberung ber 
girma unb Beibehaltung bes 3 e 'd)cnS ofjne Stnmelbung biefer 
ülenbetung unb Beibehaltung in 2)eutfd)lanb gefdfjü^t, oorauS= 
gefegt nur, baß ber ©d)tiß bes 3ei<h®nS für bie geänberte 
girnta aud) in beren ßeimatftaat fortbauert. 2lllerbingS ift 
ber Inhaber ber geäitberten $irma an bie bei ber 2Inmelbung 
bes SBarenjeiihenS bei bem £anbelSgeticf)t Seipjig gemäß § 20 
3- 1) feiner 3 e >t abgegebene Erffärung gebunben. SBiirbe 
man aber auch bie 2lnmelbung ber Beibehaltung bes 3eid)ettS 
für bie geänberte girma bei bem |>anbetSgeridht £eipjig oer^ 
fangen, fo fönnte bod) biefe 2lnmelbung bcnt oben Bemerken 
jufofge jeberjeit mit ber SBirfung gefächen, baß ber feitfjerige 
©d)uß beS für bie frühere ginna angemefbeten 3ei<henS auch 
für bie geänberte girma fortbauert. 

Urteil bes Dberlanbesgeridüs II. ©en. ootit 10. 2)Järj 1887 


SSertin oom 26. 3uni 1878 bei Dppenljof, SRedjtfpr. XIX, 3:14 f.; 
Entjd). beS SR.®, in ©traffadjen XIV, 64 f., ,oergt. auch baf. ©. 234 f[. 

1) Üofjler a. a. D. ©. 443, 471; Entfd). bei SR.®, in ©traffa^en 
a. a D. ©. 66. 


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A. in ßh>ilfad}en. 15 . 137 

in Sachen 2. Hiarme, gringS u. Cie. gegen 3Jle<hanifd)e 
groirnerei .^»eitbronn. 


15. 

3ft ein obligatorifd) Ueredjtigter jur ^nflellung bet £qui= 
lifdjen l&lage legitimiert? 

Ser ©elegraphenbote SB. mar bei einem bienftlidjen, jur 
HefteHung eine? SelegrammS gemalten ©ange über einen 
SBerfplag non einem bort angebunbenen iijunbe unter Umftän= 
ben, reelle beffen 33efiger für bie folgen ^ er hi e ^ urc § vtx ' 
urfachten Verlegung nach ben ©runbfägen bes Slquilifchen ©e= 
fegeS erfagpflicgtig malten, gebiffeit imb in $olge banon nor= 
übergegenb arbeitsunfähig getoorben. Seitens ber ©eneral= 
bireftion ber Ägl. ^Soften unb Setegraphen imtrbe für bie 3 e ^ 
biefer SIrbeitSunfäfjigfeit beS SB., welcher injtoifcben feinen 
©ehalt fortbejog, eine SlmtSnerroeferei beftedt. ©a berfelbe 
jebod) mä) Strt. 18 beS S3eamten=©efegeS nom 28. Suni 1876 
(9teg.=S}l. ©. 216 f.) bei feiner fedfS SDtonate nicht über-- 
fdfreitenben Herginberung ju ben Äoften biefer SlmtSoenoeferei 
einen Beitrag ju leiften nicht oerpflichtet mar, erhob bie ©e- 
neratbireftion Samens ber roürtt. ©taatsfaffe gegen ben S3e= 
figer bes ßunbeS Älage auf Gtfag ber ©tednertretungStofien. 

SaS DberlanbeSgerid)t mies aber biefe Älage ab unb be= 
grünbete feine @ntfd)eibung folgenbennaßen: 

Klägerin ftügt ben Slnfprucf; auf Grfag biefer ihr er= 
roadjfenen Sluslage bar auf , bafi biefelbe einen ihr burcb ben 
Unfall bes SB. mittelbar oerurfacgten Schaben bilbe, welchen 
Heflagter ihr als quasi ©eroalthaberin beS iß. unb SJJietherin 
feiner Sienfte ju erftatten habe. SlUein nach ben ©runbfägen 
ber aquitifdgen Älage fteht ein Grfaganfprud) toegen lulpofer 
©adhbefcgäbigung nur bem Cigentümer ber befchäbigten ©aäje, 
bem binglidh an berfelben Söereä>tigten unb bem gutgläubigen 
Hefiger berfelben ju, wogegen ein in betreff ber befchäbigten 


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138 


Sntfcfjeibungen b ti D6ertanbe8gertcf)t3. 


Sache blofj obligatorifc^ ©eret^tigter, abgefef;eit oott bcin Guten 
Slusmahmsfall be§ Pächters, roeldtjer toegen fulpofer 33ef<^ä= 
bigung bet Saat, biefe Klage anjuftetten berechtigt ift *), dei- 
nen Grfabanfprudh an ben fulpofen SBefdhäbiger bat 2 ). ®e3= 
gleiten ftefjt bet Gntfcbäbigungsanfprucf) roegen fulpofer Kör= 
peroetlebung für bie Stege! bem an feinem Körper Verlebten 
ju 3 ) unb eä ift biefer 2lttfprudh nur auf ben ^auöoater 
toegen Körperoetlebuitg am tfjausfinbe *) unb ttadh einem im 
©efe^e ootn 5. September 1839 Slrt. 13 jur Sttnerfennung 
gefotnmenen gemeinrechtlichen ©eri<f)t3gebraudE)e 5 ) auf bie 
ÜSittroe unb bie Kinber eineä ©etöteten, fotoie folche ^fßer- 
fonett, roelche berfelbe ju ernähren oerbunben toar, toegen 
beä ihnen burdh bie SEötung ent&ogenen Unterhalte auegebehnt 
toorbett. 3m oorüegenben gaHe h at zwar Klägerin zufolge 
bee bem 2B. «überfahrenen Unfälle beehalb, «teil fie nach bem 
ätoifchen ihr unb bem leiteten beftehenben ©ienfloerhältniffe 
bie burch feine Jüenftoerbinberung erroachfenen Stelloertre= 
tungefoften felbft ju tragen hat, in ihrer tSigenfdjaft ale ®ienft= 
herrfcbaft bee SB. einen SSennögenenachteil erlitten, fie er-- 
fcheint aber nicht ale erbberechtigte Verlebte im Sinn bee 
aquilifcbeit ©efebee. Gbenforoenig finbett bie ermähnten beiben 
roeiteren SBeftimmungen, burdh roeldhe bie Gntfchähigungsiberecfp 
tigung roegett fulpofer Körperoerlebung auf attbere fßerfonen 
ale bie Verlebten auegebehnt toorben ift, auf bie Klägerin 
Slnroenbung, unb audh eine analoge Sttuebehnung berfelbett auf 
einen gall, mie ber oorliegenbe, in roeldhetn burdh eine Korper-- 
oerlebmtg an einem 33ebienfteten mittelbar bie $ienftherrf<haft 
betroffen mürbe, ift auegefdhloffett, meil fidh aue biefen 23e= 


1) 1. 27 § 14 Dig. ad leg. Aq. 9, 2. 

2) ugt 1. 11 § 9 Dig. ad leg Aq. 9, 2; 1. 18 § 5 Dig. de dolo 
malo 4, 3; 1. 13 § 12 Dig. A.E.V. 19, lj ßntfdjeibungen bes Seid) 6* 
gericfits S5b. 9 9ls. 30 S. 158 ff. 

3) 1. 13 pr. Dig. ad leg. Aqn. 9, 2. 

4) 1. 5. 1. 7 pr. Dig. ad leg. Aqu. 9, 2 unb 1. 13 § 4 Dig. locati, 
19, 2. 

5) (Sntfdjeibungen be§ Seidiger. S3b. 7 91r. 44 6. 139. 


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139 


Ä. in (Eioilfadjen. 16. 

ftimmungen, namentlich ber auf bem ©ewaltoerhältnis jm^en 
bem Grfahbered)tigten unb Berieten beruf)enben aSorfctirift 
ber 1. 6 unb 7 P r. cit., ein allgemeinem Prinzip nicht abletten 
läfet, es namentlich au genügenben 2tnhattSpuntten für bie 
Innahme fehlt, bah *>amit allgemein bem burch eine fulpofe 
flörperoerlefeung mittelbar Befehligten ein ©rfafcanfpruch habe 
eingeräumt werben wollen >). Der Klägerin fleht fonach bet 
erhobene Slnfprud) auf Gr fab ber »on ihr aufgewenbeten ©teU= 
»ertretungSfoften an ben Befragten nicht ju. 

Urteil beS DberlanbeSgeridhtS, I. Giuilfenat t. ©. ®* aatl3= 
taffe gegen Bauunternehmer 3- oom 19. 'Jtoubr. 1886. 


16. 

Haftung nad) bem Jt<|uilifdjen ©efet|- § 367 Ziffer 12 
bcs Heidjsftrafgcfehbudjs. 

2lm 16. Dftober 1884 ging ber Salbmeifter ©. »on 
3 Illingen bei fefjr finfterer flacht »on bem $orfe SUjetm aus 
nach £aufe. Gr beniifcte hi e 5 u üt)er gingen W reni)e 
Bijinalftrafie unb hatte hiebei ben Salb „grofj Ggart" zu 
paffteren. 3n bemfelben tarn er »on ber ©trafee ab, folgte 
einem eingegangenen Holzabfuhrweg, »erlor auch biefen unb 
fam an ben 9tanb eines tiefen GinfctjnittS ber ben Salb bur<h= 
fdjneibenben Gifenbahnlinie. Gr trat auf bie »öfdmng, tonnte 
fidh nicht mehr halten unb ftürjte bie hohe unb feljr fteile Bo= 
fchung hinab, wobei er fidh fo »erlebte, bah er ftarb. Seme 
Sittwe unb .ilittber »erlangen eine entfpredjenbe Siente »on 

ber Sürttembergifchen 6taatSfinauj»erwaltung als bet Gigem 

tiimerin ber Gifeubaljtt, weit ber 9ianb beS Ginfchnitts nicht 
burchauS mit einer ©icherheitsfdjranfe »erfehen gewefen fei. 

Die Älage ift in 2. Snftanj abgewiefen worben unb 

1) Sgl. @ntfc§. beä 9t.D.§ ©. Sb. 13 3lr. 136 ©. 426 ff. ©euf* 
fett, 9lr<f>. Sb. 30 9tt. 146, 33b. 31. 5Rr. 36. 


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©ntfdjeibungen beS DBerlanbeSgeridjiä. 


baS 9leid)3geruf)t l;at baS ©efuch ber Kläger um 3ulaffuttg 
jum 2 lrmenredjt behufs ©rhebung ber 9teoifion oerworfett. 
©rünbe: 

I. Ser oon beit Klägern erhobene Grfahanfpruch wirb 
geflößt auf Strt. 13 beS ©efejteS »out 5. September 1839, 
welcher eine ShtSbehnung beS 2lquilifd)eit ©efejseS auf bie Sö= 
tung eines freien SKenfdfjen enthält '). 

©S ift nidE)t 51 t bejweifeln, baf? aud) burd) Unterlaffungen 
eine §aftbarfeit nach bem Slquilifdjen ©efefj begrünbet werben 
fann, wenn burd) eine ooraitgegangeite pofitioe ?£ätigfeit bie 
Verpflichtung 31 t einem weitern ßanbeln begrünbet, ober ein 
foldjeS öanbeln burd) befonbere Seftimmungen oorgefd) rieben 
ift, uttb bafj burcb baS ©raben oon ©ntben unb bie ^erfleh 
hing oon 2lbt)ängen bie ^flidjt jur Verwahrung berfelben ^er= 
beigeführt werben fann. 

SlUein ju ber Haftung nad) jenem ©efeh gehört, baft bet 
Schaben injuria datum ift, b. bah bie Verlegung objeftio 
reditSwibrig ift unb bie £anblung, bejiehungSroeife Uitterlaffung 
bem £mnbelnbett jur Schulb angercchnet werben fann, bah 
biefetbe auf Vernachläffigung ber Sorgfalt eines forgfältigen 
SJtanneS beruht. 

Sei ber $ ra 9 e aöer, wie weit ft<h biefe Sorgfalt ju er= 
ftrerfeit hot, bebarf ber Sah, welcher aufgefteüt ju werben 
pflegt, ber Shäter fei in Sdjulb, wenn er beti befdjcibigenben 
(Srfolg feiner £anblung als möglich h a & e oorauSfehen föttiten, 
einer notwenbigen ©infd)ränfung unb biefe ift bahin 3 U be= 
ftimmen, bah ber befdjäbigenbe (Srfolg unter Serüdfid)tigung 
beS gewöhnlichen Saufs ber Singe unb iitsbefonbete unter Se= 
rüdfichtigung ber Slttbern ebenfalls obliegenben Sorgfalt als 
möglich oorauSgefeheit werben fonnte. SaS Slquilifdje ©efefc 
legt bem ^anbelnbett feine fo weit gefjenbe Vorausfid)t unb 
$iirforge für 2 lnbere auf, bafj er jebeit möglichen Erfolg feiner 
4>anblung berechnen unb für 2lbwenbung jeber benfbaren 33e= 

1) ©. äJtotioe ju 9lrt. 8 bei ©ntrourfS unb KommiffionSBeridjt II. 
»eil. Staub oon 1838 6. 168 unb <3. 400. 


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A. in (Shnlfadjen. 16. 


141 


fdjäbigung forgeit müßte, fonbern ber fjanbelnbe barf aucß bei 
Slnbern bie gewöhnliche Sorgfalt oorauefeßen. 2ludj außer= 
geroölinlidje ©reigniffe unb ein faßrläffiges £anbeln Slnberer 
faffen fid^ als möglid) oorausfehen, allein foldje üJtöglidjfeüen 
in Serüdficßtigung ju jiehen, macht jenes ©efeß nicht pr 
«Pflicht. 

SBenn gernanb auf feinem gelbe Stoppeln ober Bornen 
an einem ftürmifdjen Sage abbrennt, fo fjaftet er für ben 
Schaben. SBemt er bieS aber an einem roinbftiHen Sag ge= 
tan unb ein plößlidier Söinbftoß bas geuer meiter fortgenom* 
men fiat, ift er außer Serantroortung, obwohl er fid; p)eifet= 
los als möglid) benfen mußte, es fönne aucß ein plößlidjer 
SBinbftoß fommen '). 

Sßer auf einem UebungSplaß mit Speeren mirft unb 
einen Sorübergeßenben trifft, fonnte fid) als möglid) benfen, 
baß jemanb über ben llebungSplaß gehen fönnte, ber Später 
aber ift außer Sdjulb, weil ber Serleßte non debuit per cam- 
pum jaculatorium iter intempestive facere. 2Ber Über einen 
foldßen ipiaß geljt, foH felbft bie nötige Sorgfalt anwenben, 
baß ißm fein Staben pgefügt wirb unb bie Söerfenben auf= 
merffam tnadjen 2 ). 

2Ber einen Saum auSpußt unb 2tefte ^erunterroirft, ßaftet 
für eine Serleßung, wenn er bieS auf einem öffentlichen ober 
ißrioatmeg ohne norangegangene Söarnung getan fiat, fjjat 
berfelbe bie Arbeit oorgenommen fern »om SEBege ober mitten 
auf einem ©runbftüd, fo haftet er nicht, obwohl er es auch 
hier als möglich norausfeßen fann, baß jemanb unter bem 
Saume oorübetgeßen fönnte. ©S ift Sadje beS anbern, roeitn 
er ein frembeS ©runbftüd betritt, fid) umjufeßen, ob ißm nidit 
©efaßr broßt unb ben Strbeitenben aufmerffam p machen 3 ). 

Ser gleicße ©ruitbfaß ift p entnehmen aus 1. 11 pr. 
1. 29, 1. 39 Dg. eod. 


1) 1. 30 § 3 Dg. 9. 2. 

2) 1. 9 § 4 Dg. 9. 2. § 4 Inst. 4. 3. 1. 52 § 4 Dg. 9. 2. 

3) § 5 Inst. 1. 3. 1. 31 Dg. 9, 2. 


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©ntfdjeibungen beü DbertanbeSgeri^tS. 


SpejieE oon ©ruben fprid^t bte 1. 28 Dg. eod. Senn 
jetnar.b ©ruben macht, um 23ären ober &irfdfie ju fangen, fo 
ift er oerantroortlich , roenn er bieS auf einem Sege gethan 
hat unb jemanb hineingefaEen ift. |>at er fie an einem an= 
bern Ort angelegt, roo bieS ju gefdhehen pflegt, fo haftet er 
näht, obroohl er fiöh als möglich oorfteHen famt, baf? ein 
Senfdh, fei eS nun ein $8etrunfener , SSerirrter, ^rrfinniger 
u. f. ro. bahin fommen fönne. Slnbere, welche fidh an Orte 
begeben, too folct»e ©ruben ju oermuten finb, foEen felbft bie 
nötige Slufmerffamfeit anroenben unb einen Drtsfunbigen nrit= 
nehmen. 

®iefe Seifpiele jeigen, bafi bei anbern ebenfaES bie ge= 
roöhnliche Sorgfalt oorauSgefefct toerben barf, unb baff eine 
^•ürforge für befonbere SSorfomnmiffe, toie Verirren, £runfen= 
heit u. f. ro. nach bem 2tquilif<hen ®efe| nicht oerlangt roirb. 

Sei ülnroenbung biefer ©runbfä|e läßt ftcE) eine Haftung 
ber 23eflagten nicht annehmen, benn eS fönnen bie StuSfü^r« 
ungen, bie 33eflagte habe im Salbe ber ©emeinbe Stlt^eim 
eine für bie ben Salb „grof? ©gart" begehenben ißerfonen 
IjödE)ft gefährliche Slnlage gefdhaffen, oon ber fie habe einfehen 
müffen, bafs ißerfonen, roelche ben Salb begehen, plöfclidh unb 
unoermutet an bie fteile SBöfdhung geraten unb beim Sauget 
einer Schranfe unaufgehalten unb rettungslos abftürjen föit= 
nen, nicht als jutreffenb errachtet roerben. ®iefetben finben 
in ben burch ben Slugenfdhein feftgefteEten thatfädhlidhen 5ßer= 
hältniffen feine 33egrünbung. 

©S ift jroar ridhtig, bafj ber ©infdhnitt unb bie Söfdtjung 
an ber fraglichen SteEe in fofern gefährlicher ift, als oiele 
fonftige SBöfd&ungen, roeil berjenige, roeldher einmal auf bie 
33öf<hung geraten ift, ber Steilheit unb beS felfigen ©runbeS 
wegen feinen |>alt mehr finbet, unb roeil bie folgen beS 2lb= 
fturjeS feht fdhroere finb. 

Etidht richtig aber ift, bafi roer ben Salb begeht, plö^lidh 
unb unoermutet an unb ooEenbS auf bie fteile Söfdfjung ge= 
raten fönne. ®er auf ber fraglichen Seite 4,5 Seter breite 
Sicherheitsftreifen ift abgeljoljt, er ift in ber fWidhtung gegen 


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A. in (£u>itfad)en. 16. 


143 


ben (Sinfdjnitt unb ben fltanb beweiben nidfl abfchüfftg unb 
ber ©ruitb unb Robert ift feft. ^Derjenige, roelcber aus bem 
Salb auf ben Sidberbeitäftreifen f)ernustritt , fief)t f<hon au§ 
angemeffener Entfernung ben (Sinfdjnitt unb roer nicht gerabep 
bliitb gegen biefen oorroärtä geht, gerät nid^t unoermutet an 
ben fRanb beleihen, fonbern tann ungefährbet anhalten unb 
juriidgefien. 

Stfjerbem befiehl ber (Sinfcfjnitt fc^on feit mehreren 
ren, er ift oon allen ©eiten, inäbefonbere ber ©trafle 2tlt= 
l)eint — Jtefingen aue mobl fidEflbar, e§ barf baljer oorau$= 
gefegt roerben, baff bie ben Salb begebenben ißerfonen ben= 
felbeit tennen unb beähalb in ber Sage finb, fidb oor ber 2ln= 
näberung an ben ©infdjnitt ju hüten. 

©obann ift e§ nicht richtig, bafj bie Setlagte bie ätalage 
in bem Salbe ber ©emeinbe Slltheim ^ergefteQt habe, ©ie 
hat bieä auf ihrem Eigentum getban unb befrei ' n Jeine 
frembe 9te<htäfphäre eingegriffen; neben bem Einfdjnitt ift ber 
im Eigentum ber Seflagten befinblidbe circa 4 Seiet breite 
©icberbeitsftreifen unb roenn berfelbe etwa auch nicht unter 
§ 54 beS 5üabnpolijeireglementS fallen foEte, roornach baS 
^Betreten beä flflanumS ber 33ahn, ber ööfdbungen, ®ämme, 
©räben, Srücfen unb fonftigen Stnlagen oerboten ift, fo 
haben bodj auch bie ju Ütetretung be3 SalbeS außerhalb ber 
Sege befugten ißerfonen auf biefem ©idjerbeitoftreifen nichts 
ju tbun unb ju fucbeu. Sürbe aber jeinanb bem alten ab- 
gegangenen Salbmeg folgenb, auf biefen SkberheitSftreifen 
tommen, fo mürbe er, oon bem oben SBemerften abgefeben, in 
auSreuhenber Seife burch bie hier befinblidbe ©dbranfe ge= 
roarnt. 

23ei ftarfer Suntelheit fann eä aEetbingS oorfommen, 
baff jcmanb, roeldber auf ben Einfdbnitt pgeht, unoermutet 
auf bie ööfdbung gerät unb ^inabftürst. 2lEein bei 9tacbt 
haben auch biejenigen flkrfonen, roefcbe ben Salb §u befudben 
pflegen, nichts in bemfelben ju thun unb begehen benfelben 
nicht unb noch roeniger ben SidherheitSftreifen. SaS aber 
bie Söglidbteit beS SSerirrenS betrifft, fo befielt für ben 93er- 


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144 


©ntfdjeibungen beä Cbertanbeägeridjtä. 


feljr oon Sllt^cim nach fRepingen ein SBijinalfträhdben, baS fo 
begaffen ift, bah man es felbft in ber ®unfelheit bei bet ex- 
forberlidjen Slufmerffamfeit nicht wohl oerlieren fann, ba ba3= 
felbe mit Äleingefdjläg eingeworfen unb ber ©trafienförper 
hart unb feft ift. 2 (ufserbem barf erwartet werben, bah, wer 
ben SBeg rtidbt fennt, entweber benfelben bei ßJadht nicht geht, 
ober fidh begleiten läßt unb bah berjenige, weichet fidh bei 
einer foldhen JJunfetheit, bah ein 2 lbfommen 3 U befürdhten ift, 
auf ben 2Beg madht, roenigftens eine Saterne mitnimmt. 

II. SDie Kläger berufen fidh nun auf § 367 3’ff er 12 
beS ©trafgefefsbudheS: „ 2 Ber auf öffentlichen ©tragen, SBegen 
unb flöhen, auf &öfen, in Raufern unb überhaupt an Orten, 
an welchen ßßenfchen oerfehren, ©ruhen ober Slbhänge ber= 
geftalt unoerbedft läfjt, bah barauS ©efahr für anbete ent* 
ftehen fann." $a§ Unterlaffen ber hier oorgefchriebenen 
©icherungSmahregeln fann eine |>aftbarfeit nach bem SlquÜb 
fdhen ©efefs begriinben. 

9tid;tig ift, bah fiel) biefe 33eftimmung nicht auf öffentliche 
$ßlä| 5 e unb SBege befdhränft, fonbern fidh auch au f Orte et: 
ftreeft , welche im Ißrioateigentum ftehen, falls bie weiteren 
SSorauSfefcungen jutreffen. Ob aud) Orte barunter faßen, bereit 
betreten uerboten ift, fann bahiu gefteüt bleiben *)• 

3tidht ju bejweifeln ift, bah ber Slltheimer ©emeinbewalb 
„groh Ggart" auch auherhalb ber 2 Bege in berechtigter 2 öeife 
oon 3JJenf<hen befudht wirb. ®r wirb begangen oon bem 2Balb= 
hütet, oon $ol 5 inachern, oon bem 3 agbbere<htigten, »on fob 
eben, bie Seeren unb ißilje fuchett, unb oon £efehol$fatnmlern. 
2Ißein als ein Ort, wo Sßtenfdhen oerfehren, fann berfelbe 
nicht bejeichnet werben. 

©djon nach bem allgemeinen Sprachgebrauch faßt ber 
2Balb auherhalb ber 28ege nicht unter biejettigen Orte, an 
welchen fDfenfdhen oerfehren. Qit Uebereinftimmung fhemit finb 
bie SBorte beS § 367 3iffet 12 gewählt worben. 

SDaS ipreuh. ©trafgefejsbudb h atte ‘ n § 345 9ir. 9 ge= 


1) 6. bagegen dintfdjeib. beS preufi. Dbertrib. 33. 65 S. 45. 


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A. in ©iüilfadjen. 16. 


145 


lautet „wer auf öffentlichen ©tragen, SBegen ober flöhen, auf 
-fjöfen ober überhaupt an Orten, too SDJenfdjen ^infommert, 
Brunnen je. ober Stbhänge je. unoerroahrt läfjt, baff barauä 
©efaljr für artbere entfteljen fann *)." 

3)iefe S9eftimmung rourbe wörtlich aufgenommen in ben 
erften (Sntrourf eines* ©trafgefefceä für ben uorbbeutfrfjen SBunb 
non 1869 § 353 3iff er 10. 

StUein in bem jtoeiten (Sntrourf oon 1870 *), ift bie 
©teile bal)in geänbert, f. § 363 3iff er 11/ «ober iiber= 
haupt an Orten, mo SJJenfdjen oerfehren". ®ie ÜDlotioe ju 
§ 363 fagett Ipeju, f. ©. 86, „bagegen roieberholt ber § 363 
im übrigen in ber |>auptfache bie ÜÖeftimmungen beä § 345 
be§ $preufj. ©traf gefe^bud)^ 3« biefer Raffung rourbe ber 
(Sntrourf angenommen, hieraus folgt, baff ber Sluäbrud „roo 
SReitfdjen hinfotnmen" als ju allgemein befeitigt unb abfidjtlidj 
eine befdjränftere Raffung geroal)lt rourbe. 

®arau3 fobann, baff bem umfaffenberen Sluäbrucf „Orte, 
ruo 3Renf<hen oerfehren" einjeltte Sfeifpiele oorangeftellt finb, 
geht h e roor, baft berfelbe auä jenen üBeifpieleit feine beftinum 
tere Segrertjung erhalten foH. ©iefe 33eifpiele jäljleix aber 
Orte auf, roeld;e beftimmungägemäfj bem SSerfehr ber SUtero 
fdheit bieneit. 

SBollte man ben SBalb, meil Sföenfdjen hinlommen, al3 
einen Ort betrachten, too ajlettfdjen oerlehren, fo toürbe bieö 
ebenfo oom gelb, 2lecfent, SBicfen, SBeinbergeit unb ©arten 
u. f. ro. gelteir, benn eä lomrnen an biefe Orte 9Jienfd)en in 
gleicher SBeife, roic in beit 2Balb. (Sä liejje fid) bann laum 
ein Ort benlett, ber nicht barunter fiele, unb eä hätte genügt, 
nid)t allein bie Seifpiele roeg 3 ulaffen, fonbern allgemein ju fa-- 
gen, „roer Srumten, Abhänge u. f. ro. berart unoerroahrt lägt, 
bah fie SWenfchen gefährlich roerben föiuten". 

3« gleicher SBeife ift § 367 Ziffer 12 oon ber ^reufj. 

1) <5. f)ieju bie @ntf(§. beg «preufs. Obertribunalg bei ©triettiorft 
33b. 45 ©. 210 f. 

2) f. Seitagenbanb ju ben SBertjartblungen be§ 3lei<f)gtagg oon 1870 
@. 25. 


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146 


©ntftfjeibüngen be8 £>6etIoftbe8gerid)t8. 


©efefcgebung aufgefaftt roorben, beim fic bat für erforberlicf) 
gebalten, in bent gelbpolijeigefeb oom 1. Slprit 1880 ju »er- 
orbnen: „3Jtit ©elbftrafe je. roirb beftraft, roer, abgefeben 

non ben gatten beä § 367 9ir. 12 beä ©trafgefe|sbucb§ , ben 
Slnorbnungen ber Sebörben -juroiber es unterlägt, ©teinbrücbe, 
Sebm=, ©anb=, $ieg-, SRergelgruben , Äalf= ober Tongruben, 
$8ergroertfdbäcbte, ©dbfirflöctjer ober bie burcb ©tocfroben ent= 
ftanbenen Söcber, ju beten ©infriebigung ober 3“roerfen er 
oerpflidbtet ift, einjuftiebigen ober jujuroerfen." ©ine ent= 
fpredjenbe 3lnorbnung jur SBerroabrmtg folcber Orte ift am 
6. fEtai 1882 erlaffen roorben. 

©olcber 5ßorfcbriften batte e§ ttidtjt mehr beburft, wenn 
fdlion unter § 367 3iff. 12 cit. alle Orte begriffen geroefen 
mären, mo ÜDJenfdben binfommen; aEe in bem preufj. ©efejs 
angeführten ©teinbrücbe, ©ruben u. f. ro. tonnten unter bie 
Ä'ategorieen beä ©trafgefej}budb§ „Deffnungen, Stbbänge unb 
©ruben" gebracht roerben. 

$>a3 ©efefc raiE ^icnac^ baä $ßublifum gegen ©efabr 
frühen, menn bie§ Orte betritt, bie, feien fie öffentliche ober 
prioate, oermöge ihrer 33eftimmung ober befonberer 3ulaffung 
bem SSerfebr be§ Ifhtblifumä bienen. SBeit an folgen Orten 
baä Vertrauen auf ungefäbrbeten SBerfebt berechtigt unb bei-- 
halb 3l<htfamfeit unb Söorfidjt ber fßaffierenben nidbt &u er= 
märten ift, forbcrt baS ©efe$ jum Schub oon Seben unb ©e* 
funbbeit bie SSermabrung oon Deffnungen, beren ©efabren, 
menn fie unoerbecft blieben, nur befonbere $8or ficht oermeiben 
fönnte *). ^iena<h erfdheint auch bie SegriffSbeftimmung Dp= 
penboff§ 10. 3lu3g. ©. 890 ju aEgemein *)• 

©ine bem preufstfcben ^elbpoügeigefefe entfprecbenbe 2ln= 
orbnung ift in ESürttemberg auf ©runb beö @efe|e$ oom 
27. ©eptember 1871 (Eteg.=33l. ©. 391) 31. 32 3 . 5 nicht er= 
Iaffen roorben. 


1) ©. Seic^D.fi.®. 33. 11 ©. 428. 

2) @. Ijieju 33erner, 14. Äufl. ©. 633 unb ©djroarje, Jtomm. 
©. 956 ;u § 367 yiffer 8. 


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A. in ©itnffac^en. 16. 


147 


derjenige Drt in bem Sßalbe „groß ©gart", an roetdjem 
SRenfdien uerfehren, nantlidh ber aSigtrtalrocg non Stltljeim nach 
9tepngen, ift aber 150 — 200 -Bieter oott bem ©infdjnitt ent= 
fernt, fomit foroeit, baff nidjt gejagt werben fann, ber @in= 
fcljnitt unb bie Vöfcfjungen befinben fidh an biejem 2ßege unb 
bamit einem Drte, wo -Btenfdhen oerfeljren. ©er frühere 
fpotjabfuhrroeg ijt ein alter, abgegangener SBeg, ein ©eil beS 
SBalbeS, unb mit gid)tenpflan 3 en auSgefefst. ©erjelbe bient 
nicht mehr bem Verfehr. Ueberbiefs ift berfelbe an ber ©teile, 
wo er auf ben ©infdjnitt ftiefs, mit einer ©cfjranfe uon ber 
Vöfdhung abgefdjranlt, roeldje breiter ift, als es ber 2Beg war. 
Vei ©ag genügt biefe Slbfdhranfung uoHfommen, ebenfo bei 
9lad)t für bie ben SBalbmeg ©inhaltenben. gür biejenigen, 
roeldhe audf) uon biefem abfontmen, mürbe auch eine etmaS 
breitere ober mehr an ben SBalb gerüdte ©cbranfe nicht ge= 
nügt haben, wenn nidjt ber ganje ©infchnitt oerroahrt roorben 
märe, rooju, wie auSgefühtt mürbe, bie Vellagte nidjt oer= 
pflichtet ift. 

SBäre eine Verpflichtung beftanben, nadibem bet $olj= 
abfutjrroeg als SBeg eingegaugen unb nidjt meljt benii^bar ift, 
bieS noch beffer fennbar ju machen unb bie ben Vijinalweg 
Venüfcenben uon bem betreten beS SBalbroegS abjuljalten, fo 
mürbe biefe Verpflichtung bie ©emeinbe 2tltheim als bie ©igen= 
tümerin beS SBalbraegS unb bie äur Unterhaltung beS Visinak 
megS Verbunbene getroffen haben J ). 

III. 2lud) auf eine Verfehlung gegen baS oom VunbeS= 
rat erlaffene Vahnpolijeireglement 2 ) fann bie filage nidht 
geftüfct werben. § 4 2lbf. 1 biefer Verfügung befdmmt ,,©in= 
friebigungen miiffen ba angelegt merben, roo bie gewöhnliche 
Vahnbewadjung nidht hin* e i<ht, um 2Jtenf<hen ober Vieh oom 
Vetreten bet Vat)n abjuljalten". Qn bem ©infdjnitt ber ©ifen= 
bahn bei SUtheim ift jebod) baS Vetreten ber Vahn burdh ben 


1) S. § 1 unb § 11 ber SBegorbnung uom 23. DftoBer 1808. 

2) f. tReg.-SBI. non 1875 <3. 104, non 1878 ©. 166 unb non 1881 
3. 368 (neuefte jjajjung f. Bfteg -93t. von 1885 ©. 289). 


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148 


(Sntfdjeibungen be3 0&erlanbe§gertdjt8. 


^öf)enunterfd)ieb ber Vöfdhungen unb beä 33ahnförper§ au3= 
gefcßloffen. ©emeint finb fotc^e Drte, an welchen ber Vetlehr 
non -Dienfdjen ein fo lebhafter ift, baß baä Verbot be§ § 54 
unb beffeit |ianbh abung burcE) bie Vabnroärter nidjt auäreidht, 
um ba3 ißublifum abjuhalteit, wie auf SBafjnfjöfen, ober roo, 
uite bei in ber 9tähe befindlichen SBaiben, ba3 Uebertreten non 
Sßiet) 3 U befürchten ift. 

©benforoenig tann 2Ibfaß 2 non § 4 2lnroenbung finben, 
bentt biefer handelt non betn gaH, tno unmittelbar neben ber 
Vaßn ein 2ßeg liegt. 

IV. 9)tit bem Ergebnis, bafs Drte rote ber fragliche ©üt= 
fdhnitt non ber Vetlagten nidjt einjufdiranfen finb, fteftt auch 
bie allgemeine Hebung int ©inflang. $ie tägliche ©rfa£»rung 
lehrt, baß »ielfach an ©teinbrüdhen, ÄroS* unb anberen ©ru= 
bett ©dhranfen nur ba angebracht roerben, roo fi<h SBege ben= 
felben nähern, ohne baß bie Vehörben nach § 367 3iff. 12 
einf freiten, ober bie DrtSpolijeibehörbe eine ßinfchtanfung 
xrorfcßreibt. $n ben äöalbungen gibt e$ geläabftiirje unb 
Vertiefungen, roelcße gefährlich roerben fömten. Obwohl § 367 
3tffer 12 beS ©trafgefeßbudh^ ntd^t jroifdjen natürlichen unb 
Hinftlidjen Abhängen unterfdheibet, macht bod) niemanb ben 
SBalbeigentnmer für Verwahrung berfelben nerantroortlidh. Stuf 
bem $elbe roerben bie jur Slufnahtne non ^elbergengniffen bt- 
ftimmten ©ruben unb in ben SBeittbergen bie Stauern nicht 
befonberS oerroahrt. ©oßte überall bafiir geforgt roerben, 
baß Verirrte nicht oerleßt roerben föntten, fo müßte nor allem 
bie ganje Vahnlinie eingefc^raitft roerben, benn in ber 2)unfeU 
Ijeit tarnt fentanb auf eine geroöhnlidhe Vöfdhung geraten, 
hinabftiirjen unb fidh, roettn audh nidht fo erheblich, »erleßen, 
ober auf bie Vahnlinie übertreten unb überfahren roerbett. 
@3 müßte feber gluß, ©raben, jebeS 2lltroaffer, beim ©raben 
cine'3 SleflerS bie Vaugrube, unb jebe Vöfcßung an ©traßcn 
unb SBegen mit Sidherheitäoorridhtungen nerfeßen roerben unb 
bie gewöhnlichen mürben nicht einmal genügen. 

©o haben auch bie mit ben fällen 91. uttb 933. bt- 
faßtcn Veljörbcn angefeßen. ®ie StaatSanroaltfdhaft ift nidht 


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A. in ©ioüfad&en. 17. 149 

roegen fahrläffiget Rötung emgejdjritten unb bie Drt8polijei= 

beerbe *). 

63 fjat auch ba3 Dberamt &orb ben Stanbpuntt bet 
SBeflagten, baß fie ju einer 6infcbranfung nid^t nerpftidjtet fei, 
nicht für einen unberechtigten erflärt, baSfelbe h“t »ielme^r 
ber ©enteinbe Stlt^eim bie Slbfchranfung beS alten SBegeS aufs 
gegeben. 63 ift felbftoerftänblich, baß eine ifjflidhtöetteßimg 
biefer S3el)örben bie S3eflagte nicht entlüften fönnte ; allein au§ 
bem Verhalten berfelben ift ju fdjtießen, baß auch fie eine fo= 
weit ge^enbe gürforge nicht für geboten erachtet haben. 

©ntfdßeibung be3 Dbetlanbe3geri<ht3 , 1. Senat, t>om 
1. Sipril 1887 in Sachen ber ©eneralbireltion ber 9Biirt= 
temb. Staat3=6ifenbahnen gegen bie SBittroe unb bie ftin= 
ber be3 SBalbmeifterS SB. 


17. 

JJegreßklage gegen bie llnterpfanbsbeljörbe wegen unridp 
tiger Sdjätfung bes JJfanbobjektes. Ilrfädjlidjer JSufammenljang 
gmfdjen biefer unb bem Sdjaben bes $!fanbglöubigers. Ijat ber 
Untere bie Jiidjtigkeit ber Sdjiiijung ber llnterpfanbsbeljörbe ju 
kontrollieren ? 

$nt 3)ejember 1882 bat ber 33auer Johann ©eorg fftapp 
oon ©ettingen bie DberamtSfparfaffe Stirchhcint, roelche nadh 
ihren Statuten ©elb nur gegen hoppelte unterpfänblühe Sicher- 
heit ausleihen barf , um ©eroöhrung eines SlnleßenS oon 
7000 9Jt. hiebei mürbe oon bemfelben ein Qnformatiounter= 
pfanbfdhein oorgelegt, in racldjem bie oont äutiinftigen Sdjulb= 
net ju oerpfänbenbe Siegenfdjaft oon ber ißfanbbehörbe $u 
14,025 9Jt. angefcßlagen unb jugleich angegeben mar, baß bie 


1) f. ßSefefc oorn 27. ®e?embet 1871 9(rt. 59 giffer 1, nicht nad) 
§ 367 3. 12. 

3<ü|rHt<l>er b. Bilrttcmbg. Sict^tbpflegt. I. 11 


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150 


©ntfd^eibungen beä Dberlanbeägeric§t8. 


frühem ^fanbanfdjläge biefer ßiegenfdjaft uon ben Sagten 
1875, 1878 unb 1879 — 10,755 2R. betragen haben. ®ie 
Dberamtäfpartajfe Äirdjheim erfucfjte nun bie Unterpfanbä* 
behörbe Bettingen um 2tuäfunft über bie tlrfa<he ber ©rhöhung 
ber ©djäjjung jener Siegenfdfiaft gegenüber ben früheren Sßfanb; 
anfd)lägen. hierauf antwortete ber ©djultheih oon ©ettingen 
9tamenä ber bortigen ttnterpfanbäbehörbe am 19. ©ejember 
1882, bah bie Siegenfdjaft nach ihrem gegenwärtigen Äauf= 
preiä tariert unb bah bie ©üterpreife im 3ahr 1875 nieberer, 
alä jefct, geftanben feien. 2luf biefeä hin netwilligte bie Dber= 
amtäfpartaffe .Uirchheim obige« 2tntehen. Qn bcm ißfanbfdjein 
würbe ber SBert ber nerpfänbeten ßiegenfdjaft beä 9tapp über= 
einftimmenb mit ber ©(bä^ung in obigem ^nformatiounterpfanb-- 
f<hein unb ber betrag jener frühem $fanbanfd)täge ange= 
geben. 2tud) würbe in betn ^nformatiounterpfanbfchein un b j n 
bem ^fanbfdhein uon ber Unterpfanbäbehörbe beurfunbet, bah 
bie $fanbobje!te nach ihrem bermaligen SBert, bejiehungäweife 
na<b ihren laufenben greifen pftidjtmähig gefd^ä^t worben 
feien. bem aitägangä beä ^ahreä *885 gegen Stapp einge= 
leiteten gwangäootlftrecfungäöerfahren würbe bie oon bemfetben 
ber Dberamtäfparfajfe Äirdhheim oerpfänbete iiiegenfcf>aft ju 
7845 2>t. angefdjlagen unb fobann um 7010 2Jt, oerfauft. 
SBegen beä bienadj an obiger ©artehenäforberung erlittenen 
2tuäfaKä nahm bie genannte Raffe bie Unterpfanbäbehörbe in 
^Dettingen in Stnfprudj, weit biefe bie ßiegenfdjaft beä zc. 9iapp, 
fei eä abfidjtlidj ober auä üftadjläffigfeit, oiel ju fjod) gefc^ä^t 
unb hieburdh jenen SXuäfaH oerfchulbet habe. 

Xtt Stidjter erfter Qnftanj nahm jwar an, bah bie ge= 
badete ^pfanbbehörbe bie ftaglidje ßiegenfchaft fdjutbhafter SBeife 
ju hod) gefdjäht habe, wieä aber gteidjwohl bie Silage mit ber 
33egriinbung ab, bah bie Ätägcrin fidh nach Sage ber Sache 
mit ber auä ben ^ßfanbanfchlägen bet Qaljre 1875 — 1879 fid) 
ergebenben Sicherheit oon 10,755 21t. 70 Sßf. begnügt habe, 
unb nid)t angejeigt fei, bah biefe Stnfdhläge auf einer 9t ach = 
täffigfeit ber ^Sfanbbehörbe beruhen. 

ße^tere 2lnfi<^t würbe oon bem Dbertanbeägeridit nicf)t 


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A, in 6it>ilfad>en. 17. 


151 


gebilligt, oielmep ber Silnfprudj her Klägerin für begrünbet 
erflärt unb bejüglid) bes urfäc^licfjen 3ufammenl)ang3 jmifdpn 
ber ber Unterpfanbäbeßörbe jur Saft faHenben ju ßoßen ©dfjäp 
ung ber Sßfanbobjefte unb bem ©djaben ber Klägerin au§ge= 
füpt: 

Ser urfädfjlidp ^ufammenßang ätoifd^en ber ju ßoßen 
©cßäjsung ber ^ßfanbobjefte burdf) bie Unterpfanbäbeßörbe Set= 
tingen unb pnfdpn bem burdE) bie nic^t oottftänbige 50efrie- 
bigung ber Älägerin bei bem 3 roan 9 2üer ^ u f biefer Bfanb= 
objefte eingetretenen ©cßaben fann mit bem oorigen s Jlid)ter 
nid^t bepalb beanftanbet roerben, weil bie Klägerin fid) mit 
ber aus ben Bfanbanfd&lägen ber Qaßre 1875—1879 fid& er= 
gebenben ©idprpit oon 10755,70 9Jt. begnügt fyabe unb nid^t 
angejeigt fei, baß biefe Ulnfcßläge auf einer 9(acf)läfngfeit ber 
Bfanbbeßörbe berufen. Senn bie Folgerung, bafj bie ÄlcU 
gerin mit le|terer Sßfanbfidprpit einoerfianben geroefen fei, 
roirb non bem Unterridliter barauS gesogen, baß bie Klägerin 
aus bem Sinformatiofdpin ben großen Unterfdjieb jioifdjen ben 
Sßfanbanfd&lägen non ben Qapen 1875 unb 1878 bejiefjungi3= 
roeife 1879 unb ber bebeutenb ppren ©djäjsung ber lßfanb= 
objefte im Qaljr 1882 Ijabe erfeljen müffen, unb obgteidf) fte 
gemußt f)abe, baf; bie (Mter greife feit bem Qafjt 1875 ftetig 
gefallen feien, unb obrooßl fie aus ber auf ißre Anfrage an 
bie Ißfanbbeprbe roegen jener Pieren ©dbäfwng erteilten 
3lntmort bes ©djjuttpißen Äräutle non Settingen teine ge= 
niigenbe Sluäfunft erhalten pbe, bas nacbgefuc^te ülnlepn non 
7000 3R. geroäßrt pbe. SlHeirt gegen bie llnterftellung, baß 
bie Klägerin bamalS fi<§ be§ bie hoppelte Bfanbfidprpit roeib 
au$ nic^t erreidljenben 2Bert3 beä Unterpfandes beroußt ge= 
roefeit fei, fpricßt fcßon bie (Srmägung, baß bie Beamten ber 
Klägerin, roeldje nacß ißren ©tatuten nur gegen hoppelte 
fßfanbftdptßeit ©elb auSjuteiljett beredjtigt ift, burd) bie 33e= 
roiüigung beS StnleßenS gegen eine bebeutenb nieberere ©icßer= 
pit eine grobe ^flidjttmbrigfeit fidli ßätten ju fcfjulben fommen 
laßen. Siefe .eanblungsroeife märe aucß bann ni<f»t entfcpl- 
bigt, roenn jene Beamten angenommen pben mürben, baß fie 

11 * 


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152 


Sntfdjeibungen beä DberlanbeägericfitS. 


neben ber Schaffung einer guten 1 V 2 fachen ©idjerbeit bureb 
bie auf obige Anfrage abgegebene ©rflärung bcS ©cbultbeijfen 
Äräutle eine ©arantie ber ^faitbbcljürbe für einen etwaigen 
2JlinbererlöS aus ben Sßfanbobjeften erlangt haben. Ueberbem 
tonnten bie Beamten ber Klägerin in jener ©rflärung mehr 
nicht finben, als ein öebarren auf ber Siidfitigteit ber »orge= 
nommenen ©d)ä§ung. ©aff nun aud) in ber ©bat bie Jftlä= 
gerbt mit einem geringeren ipfanbroert, als betn hoppelten, 
ftd) nidjt begnügt bat, erljeHt barauS, baff fie bie ermähnte 
Infrage an bie i}3fanbbef)örbe geftettt unb erft, nadf)bem Ufr 
bie fragliche ©«bäfsung roieberf)olt als bie rid)tige beftätigt 
roorbett ift, fidb jur ©eroäbrung bes SInletjenS entfd)loffen bat. 

2WerbingS finb meber in bem Qnformatiofdbein, noch in 
ber mebrgebadjten Antwort beS ©djultbeiffen firäutle bie 
©ritnbe bargelegt roorben, aus melden bie greife ber ju oer= 
pfänbenben Siegenfcbaft feit ben fahren 1875 unb 1878 be- 
5 iebungSroeife 1879 fo erheblich geftiegen fein fotlen. 3ldein 
es burfte fidj bie Klägerin barauf »erlaffen, baff bie fßfanb= 
bebbrbe ihre ©<bäj}ung ita<b pfticbtmäfjigem (Srmeffen unb itadb 
ben beftebenben SL<orf<briften »orgenommen habe, roie benn 
foldjeS auch »on berfelben in bem Qnformatiofdbein unb in bem 
^fanbfebein beurtunbet roorben ift. 3 U einer MontroHierung 
ber dtidjtigfeit ber ©dbäfjung ber ^fanbbebörbe ift aber ber 
fPfanbgläubiger nidbt »erpfliebtet, um fiel) feinen fRegrejf gegen 
bie lejjtere wegen ihrer dtaebläffigfeit beim fJlnfdjlag ber Unter= 
pfänber $u fiebern. ©ieS erhellt auch aus ber ©efebiebte ber 
©ntftebung bes 2trt. 223 beS ^fanbgefefjeS. ©er biefent 3lr= 
titel entfpre<benbe § 163 bes ©ntrourfs bat nämlich bie $af= 
tung ber 'ißfanbbebörbe für ben bur<b ihr pflidjtroibrigeS |>an= 
beln »erurfaebten ©(haben unter anberem baooit abhängig ge- 
malt, baff bie ^Beteiligten „ofjne eigene ©d»ulb" in 3tad)teil 
geraten feien *). ©ie Äontmiffion ber Äamrner ber 2lbgeorbneten 
ftettte nun aber ben 3lntrag, bieSBorte: „ohne eigene ©d)ulb„ 

1) ScrE). bet Kammer ber Stbgeorbneten oon 1823/24 3. a. 0 . Seil.* 
jjeft S. 48. 


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A. in ©ioitfadfjen. 17. 


153 


auä bent ©efe| wegsulaßen, weil biefelben gar leicht fo mißbeutet 
werben lönnten, baß ber beteiligte aller ©nfcßäbigungSanfprüibe 
fdjon baburcß beraubt werben fotte, bat? er unterlaßen habe, 
bie Unterpfanbsbehörbe 31 t fontrottieren , 3 . 33. felbft ©inßdjt 
non ben Unterpfanbsbüdßcrn 3 U nehmen, unb weil es in einem 
anbem (Sinn jenes gufaßeS nicht bebiirfe *). 3« bem S. 3te= 
ffript nom 2. ,‘3uli 1824 würbe biefer Slntrag genehmigt 2 ) 
unb ebenfo würbe berfetbe non ber Kammer ber Slbgeorbneten 
gebilligt 9 ). 

©ine Prüfung ber fftidjtigfeit ber ©rißätjung ber ßSfanbs 
befjörbe fann bem fßfanbgläubiger um fo weniger jugemutet 
werben, als berfelbe ben SSerhältnißen beS DrtS, an weldjem 
ftdh bie $u nerpfänbenbe Siegenfcßaft beßnbet, gar ßöußg ferne 
fteht unb bie für bie Sdßäßung betfelben tnaßgebenben ©e= 
ßdjtSpunfte nicljt 3 U beurteilen nermag, wäßrenb er bei ber 
fpfanbbeßörbe norauSfeßen barf, baß biefelbe entweber auf 
grunb ißrer eigenen Sacßfunbe ober gufolge ber non ißr an= 
georbneten Scbäßung burcß Sacßnerftänbige ben richtigen 2Bert 
jener Siegenfcßaft 3 U ermitteln im ftanbe fei. SBenn fobann 
aucß bie .Klägerin geltenb gemacht fiat, baß es ftabt= unb laitbs 
befannt fei, baß bie ©üterpreife feit fPtitte ber 1870er Qaßre 
im allgemeinen ftetig gefallen feien, unb wenn baßer bie Älö= 
geritt bieS gleichfalls gewußt haben wirb, fo burfte bodß bie= 
felbe mit jRücffiöht auf bie Scßäßung ber fpfanbbeßörbe aus 
Slnlaß ber Sßerpfänbung für bas non ber .Klägerin 5 U gemäß; 
rettbe Sünleßen annehmen, baß entweber bie greife ber ©iiter 
in Bettingen, 3 . 33. wegen größerer Stacßfrage, auSnaßmSweife 
hößere feien, als an anberen Drten, ober ber SBerfaufSwert 
ber Stapp’fößen Siegenfcßaft aus befoitberen ©riinben, 3 . 33. 
wegen ber feit bem leßten ipfanbanfcßlag eingetretenen 33er= 
beßerttng unb (Erhöhung ber ©rtragSfäßigfeit biefer Siegeiu 


1) a. a. D. ©. 282. 321. 407. 

2) a. a. D. <5. 448. 

3) a a D. 10. §eft <5. 863 f ; ju oergl. Sollen, Komm. II. 
551 f. 


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154 


©ntfdjeibungen beS DberlanbeSgeridjtä. 


fchaft, geftiegen fei. $u laterer älnnahme war aber bie Klä- 
gerin nach bem StuSgefiihrten berechtigt, ohne baf? fie über bie 
©riinbe ber SSertSerhöhung bei ber St’anbbehörbe weitere 
Stachforfdjungen anäufteHen J^atte. 

®a nun bie aus 2tnlaf? ber Serpfänbung ju gunften ber 
Klägerin »orgenomntene Schäftung ber Stapp’frfjen Siegenfdjaft 
einen bie hoppelte Sfanbfidjerheit für bas oon ber Klägerin 
ju gewäftrenbe ülnlcften erreieftenben Setrag ergeben hat, fo 
ift atijunehmen, bafc bie Klägerin, welche ftatutenmäfjig nur 
gegen jene Sicherheit (Selb auSleiften barf, eben mit Stitdficht 
auf bie erwähnte Schälung baS fragliche 2tnlehen gegeben hat 
unb folcftes nicht gethan haben würbe, wenn bie Unterpfänber 
oon ber ipfanbbehörbe nach ihrem wahren, bie hoppelte 5ßfanb= 
fidherljeit weitaus nicht gewährenben SBert angefchlagen wor= 
ben wären. 

2luf ber anbern Seite fann aus ben angeführten ©rün= 
ben ber Klägerin auch nicht ber Sorwurf ber eigenen Ser= 
fchulbung gemacht werben, wenn fie ber Siichtigfeit ber Schaft: 
ung ber Sfanbbehörbe unter ben oorliegenben Serljältniffen 
oertraut hat. 

•fpienach ift ber urfädjliche 3 u f ammen h a »g jwifchen ber 
auf einer Stadftläftigfeit ber ißfanbbehörbe ©ettingen beruhen: 
ben unrichtigen Sdjäftung ber 2 c. Stapp’fdfen Siegenfchaft unb 
bem burd) ben geringeren (SrlöS bei ber gwangSoerfteigerung 
berfelben erwachfenett, uubeftrittenermafjen auf 604,39 St. fi<h 
belaufenben Schaben ber Klägerin bargethan. 

Urteil beS DberlanbeSgeridjtS II. Sen. oont 16. Stai 1887 
in Sachen DberamtSfparfaffe Kirchheim gegen Steiner 
u. ©en. 


18. 

Vertnögensredjtlidje Verpflichtungen minberjähriger liinber, 
beren Vater nodj am i’eben ift, finb, wenn fiir bie $inber etn 


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A. in ©ioüfadjen. 18, 


155 


btfottkrer, bas Permögen öerfelben oermaltenber JJotmunb auf= 
gefleüt roorben ift, otjne Jtuftimmung bes Uormunbö ungiltig. 

®er SSater ift nad) ben auch in Sßürttemberg geltenben 
©runbfä|en bei heutigen ber gefefetic^e (natürlid^e) 

SBormunb feinet minberjäiirigen Äinbet '). Verträge ber [en- 
tern , burdj roeldje biefetben eine 23erpflid)tung übernehmen, 
ftnb baber nach Sanbrecfjt II, 26 § 2 ohne 3uftimmung bei 
Hateri unoerbinblidb a ). ©tebt aber bai Vermögen ber minbcr= 
jäbrigen Äinber nicht in ber SSerroaltung ibrei Sßateri, fonbern 
in bet einei befonbern für biefelben beftellten SSonnuitbi, fei 
ei, baf? ber Sßater feinei 2?ermaltungire<hti aui einem gefegt 
lieben ©runb oerluftig gemorben ift ober baf? er fi<h beifelben 
begeben b^t *), fo ift jener 33ormunb ber Vertreter ber Äinber 
in allen oermögenired)tticben Söejiebungen, unb ei bat baber 
berfelbe feine ^uftimmung ju benjenigeit $anblungen feiner 
SWünbel, burdb roelche bai oon ibm oerroaltete Vermögen ber= 
felben belaftet roetben foff, 311 erteilen. 2 BoHte man auch in 
einem folgen gatt bie ©teHung bei SSateri ali gefefclichen 
SOormunbi feiner minberjäbrigett Äinber mit ber SBirfung fort= 
bauern laffen, baf? bie oermögenirechtlicben |>anblungen ber= 
felben 3 « ihrer ©iltigfeit nur ber ©inroiUiguttg bei Sßateri 
bebürfen, fo mürbe man 3 U bem roiberfinnigen (Srgebnii ge= 
langen, baf? ber bai Sßermögen ber minberjäbrigen Äinber 
oerraaltenbe Sßormunb beten mit 3 uftimmuttg ibrei Sßateri 
eingegangene 23erbinbli<hfeiten, ungeachtet fte ali gittig ai? 3 u= 
feben mären, aui jenem Sßermbgen nicht 3 U befriebigeit hätte, 
rceil feine SUltinbel ohne feine (SinroiHigung fontraljiert haben, 
ober aber baf? ber gebaute Sßormunb, faüi er jene SSerbinb= 
liebfeiten aui bem Vermögen feiner fbtünbel erfüllen tnüfjte, 
bie Sßerantmortung für bie oon ben tejstern ohne feinen SJBitlen 


1) ®ntf<$. bei 9t.®., XV, 195, 200; «oürtt. Streb XVI, 338. 

2) TDÜrtt. Strd). XII, 388, XV, 419. 

3) ju oergl. Sri. bei ^ßupillenfenatS bei Dbertribunali oorn 31. Slug. 
1848 (II. 6rg.=S3anb jum 9teg.--33I. <3. 81). 


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156 


©ntfdjeibungen beä Dberlanbeägeridjtä. 


übernommenen Verbinblid)feiten $u tragen hätte. SBeber ba-3 
eine, noch baä anbere mürbe ber gürforge für bie Qntereften 
beä Sltünbelä entfpredjen, roeldje nach bem ©efeß burd) bie 
Sluffteffung eineä Vormunbä beljufä ber Vermattung beä Ver= 
mögenä beä SJtiinbelä bejmecft roirb. £>ienad) finb uermögenä= 
rechtliche Verpflichtungen beä leßtern, auc^ roenn fein Vater 
noch am £eben ift, ofjne (Sinroilligung beä mit jener Verroal= 
tung beauftragten Vormunbä red;tlid; unocrbinblich ’). 

Urteil beä D.3.@eri<htä II. ©eit. oont 16. 2Jtai 1887 

in 6ad)en £aible gegen (Spieß. 


19. 

Ber öffcntlidje (Blauben bes (üüterbudjs in pejug auf bie 
(Ürtuerbung bereits befteljenber Bienftbarkeitsredjte auf ©runb= 
ftiidten Britter. fUrt. 15 bes roUrttenibergirdjrn Pfanbcntmidi- 
lungsgefeljes *). 

5Der Veflagte nimmt für feine SBiefe baä 9iedjt in 2tn= 
fprucf), baä SBaffer einer auf bem ©runbftüd beä Älägerä ent 
fpringcnben Duelle burd) Slbteitung mittetä offenen ©rabenä 
ju beziehen, unb ben Kläger an ber anberroeiten Verfügung 
über biefeä Quettroaffer ju oerhinbern. 

®er gegen ifjtt erhobenen negatioen $eftftellungäflage 
gegenüber ftüßt er biefeä Stecht (außer auf unoorbenflidjen Ve= 
fißftanb unb ©rfißung) auch auf ben öffentlichen ©tauben beä 
©iiterbuchä, niimlid) auf ben burch 2Irt. 15 beä ipfanbentrokt 
lungägefeßeä gemährten Schuß, inbem im ©üterbudj bei Ve- 

1) $afi baä Söerfügungäredjt beä SBaterä in Sejieljung auf baä mit 
feinem Sinuerftänbniä unter befonbere pftegfd^aftlidße Serroaltung geteilte 
SBermögen feiner minberjät)rigen Äinbcr auägefdjloffen fei, ßat baä D.2.®. 
II. ©en. aueß in bem Urteil oom 13. Quli 1885 in Sachen Äupperte 
gegen StupperCe auägefprocfien. 

2) »gl. 2Bürttemb. Slrdji» S3anb 9 ©. 423 3. 10. 


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A. in ©totlfacfien. 19. 


157 


fdjreibung feiner 2Biefe ba! fragliche 2öafferleitung!rcd)t al! 
ein biefer Sßiefe juftehenbe! Srtec^t eingetragen unb ba! biefem 
SHed^t entgegenftchenbe fftedjt be! Kläger! nid^t gewahrt, fo= 
mit als „unbefannter Slnfprudj eiltet dritten" ju betrauten 
fei ; biefer forme gegenüber bem eingetragenen 2Bafferleituitg!= 
recht nicht gettenb gemacht werben, nad)bem auf ©runb jene! 
©iiterbucheintrag! bie SBiefe nom 33eflagten in gutem ©lau= 
ben erfauft unb ber Äaufoertrag non ber juftänbigen ©teile 
beftätigt unb beiberfeit! ooßftänbig »ottjogen worben fei. 

®er erfte dtidjter h fl t ba3 beanfptudjte 23afferleitung!= 
recht »ermotfeti wegen 2Wangef! ber 2Ibfi<ht ber fRe<ht!au!-- 
übung unb be! guten ©lauben! be! 23eflagten unb hat ben 
2lrt. 15 be! fßfanbentwidtunglgefeße! aul biefem ©runbe nicht 
für anwenbbar erflärt. ®ie Berufung be! 93eflagten ift $u= 
rücfgeroiefert. ®ie Sejugnahme auf 2lrt. 15 be! gebachten 
©efeße! mürbe für unftatthaft erflart au! nachftehenben 

©rünbetr : 

®er Sßerfucf» , ein 3)ienftbarfeit!re<ht be! 33eflagten auf 
SSerwenbung be! QueHmafferl jur SBiefenbewäfferung auf ben 
2lrt. 15 bei ißfanbentwidtunglgefejse! ju ftiifsen , geht fehl. 
®enn ber Schuß, welchen biefe ©efeße!beftimmung bem @r= 
Werber eine! 3)ienftbarfeit!re<ht! troß eine! Sftaitgel! in bet 
^Berechtigung feine! ÜJfitfontrahenten unter beftitnmten S8or= 
aulfeßungen gewährt, tritt nur in bem $aH ein, wenn ein 
früenftbarfeitlrecht non einem im ©iiterbuch al! Eigentümer 
be! ju belaftenben ©runbftücf! ©ingetragenen, ber aber in 
SBirflichfeit nicht ©igentümer belfelben ift, bem anbern 9Ser= 
tragfdfließenben eingeräumt worben ift. Reinelwegl aber be= 
fagt ber 2Irt. 15, baß mit bem ©rwerb be! ©igentum! an 
einem ©runbftücf auch alle beim 33efchrieb biefe! ©runbftücf! 
im ©üterbud) bentfelben jugefchriebenen ®ienftbarfeit!red)te 
miterworben werben, mögen fie in SBirflichfeit beftehen ober 
nicht. 

©! ergibt fidh bie!, wie au! inneren ©rünben (ber Se= 
benflidhfeit eine! folgen 3ted)t!faße!) unb ber @ntftehung!= 


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158 


(Sntfd^eibungen beg Dberlanbeggeridjtg. 


gefdhidhte biefer ©efefseSbeftimmung '), fo audh aus bem 2Bort= 
laut beS 2lrtifelS felbft. 23 on einem „unbeiannten Slnfptudj" 
eines dritten famt in einem gaH, roie bem oorliegenben, offen- 
bar nidht gefprodjen roerben ; benn bafj ber Kläger Eigentümer 
bes ©runbfttids ift, auf roeldjem bie Duette entspringt , mar 
bem SeElagten nicht unbekannt; nur auf biefeS Eigentum aber 
ift bie Ätage geftiifct, roeiäse eine 23efd)ränfung biefeS Eigen: 
tumS, roie fie baS oom S3eflagten beanfprudjte 9ied)t enthalten 
roiirbe, oerneint. 

SBenn fobann in 2Irt. 15 oon „burdj bie juftänbige ©teile 
beftätigten S3erträgen" bie Siebe ift, fo ift bamit offenbar auf 
baS jur oertragSmäfiigen ©egrünbung oon DienftbarfeitSrech= 
ten erforberlidje geridtjtlid^e ErfenntniS ^ingebeutet. 

Urteil beS I. SiuilfenatS beS &. DbertanbeSgeridjtS oom 
10. Quni 1887 in ©adhen g- geßen SnäfuS roegen 2ln= 
mafjung eines SBäfferungSredjtS. 


20 . 

Honkursorbnung § 35 unb 38. Ausfonberungsanfptudj 
bes Verkäufer« an oon auswärts überfenbeten unb an ben 
Käufer abgelieftrten Jöaren im $ottkutfe bes fetteren. ®in= 
rebe bes üigentumsttbergangs buräj irabition. 

Die ftteoifion gegen baS oben unter I. A. Sir. 6 ©. 16 — 22 
abgebrudEte Urteil beS I. EioilfenatS beS DbertanbeSgeridjtS 
oom 3. Dejember 1886 in Sachen bet gfanta Schro. unb £>. 
gegen bie girma ©• unb .§. ift oom SteidhSgeridht, VI. 6ioil= 
fenat, am 2. 2Jlai 1887 jurüdEgeroiefen roorben. 


1) »gl. Söerfjanblungen ber Sammet ber 3(bgeorbneten »om Qaljr 1828, 
IV. SBeilagenljeft, ©. 206—207; ^rotolotte S. 1795/96; 1898; 1907; 
1914/15. 


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A. in ©hnlfadjen. 21. 


159 


21 . 

ilerpfänbung bet in einer BunftrooUefabrik uorljanbenen 
Vorräte an JUoUtroaren mit ben fabritigebäuben nadj roiirttemb. 
Redjt. 

©egen ba3 oben unter I. A. Str. 7 S. 22—29 abge= 
brucfte Urteil beä I. ßioilfenatä beä Dberlanbeägerichtä oom 
3. SDej. 1886 in Sachen ber Äonfurämaffe ber girma Schro. 
unb £. gegen bie &\ $ofbanf bat ber ßonfuräoerroalter bie 
Sieoifion eingelegt. ®iefelbe ift oom 9teid)3geri<ht VI. ßioil= 
fenat , am 25. Slpril 1887 mit folgenber begri'mbung gurü(f= 
geroiefen roorben: 

(Streit befielt barüber, ob bie berpfänbung ber fraglichen 
SBottetoaren rechtlirf) pläfeig mar. 3n ben ©rünben beS an= 
gefodjtenen Urteile ift auägefüfjrt : unter ^ugefjörungen, welche 
mit einer Siegenfdiaft pm Unterpfanb befteHt werben fönnen, 
begreife baä toürtt. ißfanbgefefc oom 15. 2lpril 1825, oon ber 
bamaligen SCfjeorie über ben begriff ber ^ugebörungen au3= 
geljenb, auch fold^e (Sachen, welche nicht fdjon an fi<h nach ihrem 
berhältnia pr anbern Sache abs 3i<0ehörung erfdjeinen, oteb 
mehr lebiglich in golge einer SDtepofition ber beteiligten als 
3ugehörung bebanbelt worben (fog. geroiHfiibrte ißertinenjen) ; 
toemt nun auch bie neuere SCh eor t e prinzipiell richtig oon bem 
begriff ber 3ugeh°rungen im technifdhen Sinne baS, was bie 
frühere Sporte geroiUführte 3ugehörungen genannt hübe, au3= 
fcheibe, fo fei eS hoch nicht pläfeig, baS ©efefc gegen ben er= 
fennbaren SöiEen beS ©efefcgeberS nur auf 3ugehörungen ber 
erfteren 2lrt p begehen. Sntoiefern hiermit eine reoifible 
^Rechtsnorm oerle^t fein foH, ift nicht erftchtlich, unb ba auch 
fonft baS Urteil berle^ung einer folchen Storni nicht erfehen 
läfet, fo muhte bie Steoifion unter ßoftenfolge prücfgeioiefen 
roerben. 


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160 


Gntfdjeibungen beä Dbctlanbeägeri^tä. 


22 . 

M ein ütbjug non JSinifdjenfinfen gehottet bet Scjoljlung 
einer nod) nidjt fälligen, ju niebrigerem, als bem gtfe^lidjen 
ober Innbläufigen JJinefufj oerjtnslidjen forberung mittelft 
^nmngsoerhonfs ber fUr biefe forberung nerpfönbeten fiegen= 
fdjaft außerhalb bes Bonburfes ')? 

3n bem über ein ©ut abgef<^loffenen Kaufnertrag mürbe 
beftimmt, ber Kauffchitting non 16,000 fl., für meieren fidj 
ber Verläufen ba! Unterpfanb oorbeEjielt , fei non 9Jiartini 
1865 an ju 4 V» ^Srojent ju nerjinfen unb in beliebigen 3ta: 
ten non 100 fl. an aufroartl abjujalilen. Der Käufer fonnte 
bie 3inf en nidjt bejahen, roelhalb ba! ©ut im $ahr 1869 
im 3roang!ooHftrec!ung!roege neräufjert unb ber ©rlö! bem 
Sßerfäufer jugeroiefen tnurbe. Da biefer ©rlö! jur Rettung 
bei ganjen KauffchiHing! nid^t aulreübte, fo erhob ber 33er= 
laufet im Qaljr 1886 Klage auf Sejaßlung bei fReftl. Diefer 
Klage hielt ber ©eflagte unter anberem bie ©inrebe entgegen, 
ber 9teft fei nottfommen baburd) gebedt, baß ber Kläger burch 
ben ©rlöl rocit mehr erhalten habe, all bie forberung 3 ur 
3cit ber 3n)anglnottftredung inert getnefen fei. Der SBeflagte 
hätte ben Kauffchilling in 160 Sahrelraten 3 U 100 fl. ab= 
tragen bürfen unb roenn nun ber Kläger jeßt fd)on ben größten 
Deit feiner gorberung erhalten habe, fo mtiffe bie Differenj 
äroifdhen bem gefcßlichen, bejiehunglroeife lanbelüblidjen 3 ^- 
fufj non 5°/o unb bem in bem Kaufnertrag nerabrebeten non 
4Va°/o ju ©unften bei ©eflagten beregnet unb an bem Kauf: 
fdhißing abgesogen roerbeit. Schon burch baljenige, mal ber 
Kläger auf biefe SBeife non bem Qaljre 1869 bi! 1886 mehr 
erhalten habe, tnerbe bie eingeflagte Summe naheju erreicht. 

Der Seflagte mürbe sur 3ahfang bei Steftl bei Kauf: 
fchiUingl nerurteilt au! nachftehenben ©rünben: 

1) Sejüglid) bei ÄonturfeS f. S a r re e 9 , Streit) Sb. 12 S. 219; 
Sofdjer, 3eitfdjrift ®b. 13 ©. 97 ff. 


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A. in StDilfadjen. 22. 


161 


@1 bebarf feiner ©ntfdjeibung ber grage, ob beim 3mangl= 
»erfauf einer JGiegenfc^aft außerhalb bei ^onfurfel bie $e= 
jahlung einer noch nicht fälligen unuerjinlliChen llnter= 
pfanblforberung nur unter 21b§ug einel 3 ,D if<^enäinfe!S ju er* 
folgen hat. Denn im »orliegenben galt ^anbett el fidj nid;t 
um eine unoerjinlliChe gorberung bei Älägev#; bafe aber 
bei errungener oerfriihter öephlung einer — ju niebri* 
gerem, all bem gefefclidhen ober lanbläufigeit 
3inlfufj »erjinlliChen — gorberung ber 2lbjug einel 
3n)ifd;enjinfe5 ftattfin.be, fann nid^t anerfannt werben. Slug 
bem Slrt. 52 bei ^fanbgefefcel läfet fid) aderbinge bal ©egen- 
teil nicht mit Sicherheit ableiten, benn el ift nidjt erfiChtlidj 
ba& ber ©efefsgeber an ben goß/ baff bie heimpphlenbe gor* 
berung p einem niebrigeren, all bem gefe|lid)en ober lanbel* 
üblichen 3inlfufj oer^inslic^ ift, überhaupt gebaut fjat unb el 
ift baher jroeifelhaft, ob in ber Slort'djrift bei Slrt. 52 Sßfanb* 
gef. ber 2lulbrucf bei 2BiÜfenl, baß auf berartige gorberungen 
bie hinfiChtlid; bei Slbjugl einel 3roifd)enjinfel getroffene Se= 
ftiminung feine Slnroenbung finben foHe, ju fetien ift. 

gn ber „33egrünbung" ju § 58 fMdjIfonfurlorbnung 
wirb el rar all eine — nur aul 3roebEmäf?igfeit!rü<ffidjten 
nicht gezogene — golgerung aUlS ^ em »^Prinjip bei gnterufu* 
riuml" ^ingefteüt, baff ber 2lb3ug . einel 3 n> if < ^ en äinfeö auch 
eintrete bei oerfriihter SJejahlung oon gorberungen, welche 
ju einem geringeren, all bem gefef}lid»en 3^ n ^f u 6 ä u oeräinfen 
finb. (Sine folgerichtige Durchführung bei ©runbfafoel bei 
gnterufuriuml mürbe aber auCh bahin führen, ben 3 u f I a g 
einel 3J»ifChen3infel eintreten ju laffen bei erzwungener oer* 
frühter S3eäahlung oon gorberungen, melChe ju einem £; ö h e = 
r e n, all bem gefehlten ober lanbeliibliChen 3iit3fufi oerjinl* 
lid; finb: beim ber ©runbgebanf'e ber SBefiimmungen über 
3mifChenjinfe ift ber, baff ber ©laubiger eben bal, mal er 
ju forbern hat, nidjt mehr unb nicht weniger, erhalten foH ; 


1) ogl. SJertjanblungen ber Kammer ber Sl&georbneten von 1823 unb 
1824 III. au&erorbentlidjeg Seilagenljeft S. 458 ju XVII, 1. 


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162 


©ntfdjeibungen beä Dbetlanbe§geridjt8. 


er erhält aber offenbar weniger, als er ju beanfpruc^en bat, 
wenn ißm j. 33. eine fed)Sprozentige unfünbbate ©dmlb »iele 
gaßre nor SSerfaU zu einer 3 e *t ^eimbeja^It wirb, wo bet 
gefeßlicße unb lanbeSüblicße 3iu3fuß nur 4°/o beträgt. 3)ie 
3uläffigfeit eines folgen 3ufd)lagS jum Kapital in bem er= 
warnten galt finbet ftd) aber in bem für Sßürttemberg in @r= 
manglung lanbeSgefeßlidjet formen maßgebenben gemeinen 
9ted)t nirgenbs auSgefprocßen unb fann baßer, ba eine fotcße 
(Srßößung beS oom ©dßulbner ju bejaßtenben ÄapitalbetragS 
biefem unter Umftänben eine fernere Saft aufbürben würbe, 
nidjt als geltenbeS Necßt angefeßen werben. 2luS bem ©<ßmeU 
gen beS gemeinen Necßts über bie grrage beS 3nJif^enginfe^ 
bei erzwungener oerfrüßter Sezaßlung non gorberungen, welche 
Zu atiberem, als bem gefeßüdßen ober lanbeSüblicßen 3iuSfuß 
nerjinsiid) finb, ift »ielmeßr ber ©<ßluß ju sieben, baß ber 
gegenwärtige betrag folget gorberungen ißrem Nominalbetrag 
gleicßzuftellen ift '). 

®iefer NecßtSfaß rechtfertigt fidß baburdß, baß bei einer 
folgen 33erecßnung baS gntereffe ber ©läubiger unb ©cßulb= 
ner ebenfo gleichmäßig gewahrt wirb, als wenn im einen gall 
ein 3Ibjug am Kapital, im anbern ein 3ufcßlag ju bemfelben 
erfolgen würbe. $n äßitlidjer SBeife fdhreiben neuere ©efeße 
— j. 33. § 720 beS bürgerlichen ©efeßbudjS für baS $önig= 
reich ©adffen — bei oerfrüßter (erzwungener) 3 a ßtung einer 
unoerzinSlidßen ©djulb ben Slbjug eines in feiner .göße g e-- 
f e ^ l i dh beftimmten 3infaS oor, ohne Nüdficßt barauf, p 
welchem 3^ ng f u fe bei ©läubiger im einzelnen galt baS Kapital 
anlegen fann, fo baß ißm ber Slbjug biefeS gefeßlicßen 3i”f e ^ 
halb 33orteil, halb Nachteil bringt. 

©ntfcßeibung beS I. GioitfenatS beS $. DberlanbeSgericßtS 

»om 21. Qanuar 1887 in ©acßen n. N. c. 33. 


1) Sßergl. Sernburg, $reufj. ^rioatredjt (3. Stuft.) 83b. II, § 21. 


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A. in ©htilfadjen. 23. 


163 


23. 

1. 3tn jlroeifel ift anjuneljmen, baß ein ^roknrifl, tueldjer 
btn gleidjen Hamen füljrt, mit bie uon iljm ncrtrctene ?irma, 
burdj Hnterjeidjnung feines Hamens einen auf bie firma ge= 
jogtnen SBedjfel für biefe audj bann arceptiert, menn er bas 
3lrcept oljne einen bie H*°k ut0 «nbeutenben JJufalj unter= 
jeidjnet. 

2. $eßt § 16 jLbfai$ 2 ber lüedjfclorbnung nur bas Uor= 
Ijanbenfein eines formgeredjten ^roteflrs ober audj bie Öiltig= 
keit biefes |Jrotefles noraus? 

Snljaberiit ber flagenben $irma SouiS g. ift bie Gßefrau 
beS SouiS g., SDlina g. , tnäßrettb £ouis g. felbft Sprofurift 
ber 3'irma ift. ©er Älage ber girma SouiS g. tnurbe non 
bem SBeflagten 31. SB. eine ßompenfationSeinrebe entgegen^ 
geflellt aus einem non 3. ©t. auf „.gerat SouiS g. ©er= 
berei in 3Ji." gezogenen unb an ben SBeflagten 31. SB. inboffier= 
ten Sffiecßfel. ©er SEßedjfel trägt baS SIccept „SouiS g." ©aS 
3nboffantent an 31. SB. ift erfolgt, nadjbem roegen 3tid)tja^lung 
beS SGBed^felö Sßroteft erhoben tnar. $n ber Sßrotefturfunbe 
ift gefagt : ber mit ber Sßrotefterljebung beauftragte SJtotar ßabe 
fidj „in bie SEBoljnung beS gerat SouiS g., StotgerberS" be= 
geben, benfelben bort aber nidjt angetroffen, ©eine anroefenbe 
Gljefrau ßabe erflärt, iljr 9Jtann fei ausgegangen unb Ijabe 
ißr feine 2Jtittel jur ©ecfung beS 3Bed)felbetragS übergeben, 
©egen bie $ ompenfationSeinrebe tnurbe repliziert : ber SBecßfel 
fei nidjt SRamenS ber $fama SouiS g., fonbern non Couis g. 
in eigenem bauten acceptiert; fobann fei baS SIccept ein @e= 
fälligfeitSaccept , aus tneldjem ber ^nboffant S- 3- ©t* unb 
fjienad) and) ber Qnboffatar 31. 33. feinen 3lnfpru<b ableiten 
fönne. ®ie Slage nmrbe auf ©runb ber ÄompenfationSeins 
rebe abgentiefen. 

©riinbe : 

I. 3ur Gntfdjeibung ftegt lebigtid) bie Jrage, ob 33eflag= 
ter auf ©runb beS SlcceptS „£ouiS g." auf bem SBedjfel nom 


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164 


©ntfdietbungen beä Dberlanbesigeridjtä. 


20. ^uni 1885 unb beg ^nboffamentg oom 30. Slpril 1886 
beut an ft<h unbeftrittenen Klaganfprudl) bie ©inrebe bet Kom= 
penfation entgegenhalten !ann. 

Sßenn Klägerin bie ^uläfftgfeit ber Kompenfationgeinrebe 
äunädhft auö b e m ©runb befireitet, roetl bag Slccept non ihrem 
ißrofuriften Souig £. nur für feine Ißerfon, nicht für bie girrna 
auggefteHt worben fei, fo ift bieg nnjutreffenb. ©g befielt 
fein 3‘üeifel barüber, baß ein ißrofurift — troß bet nur als 
DrbnungSüorfdjtift gemeinten 33eftitnmung beg Slrt. 44 |j.©.33. 
— für bie girma mit beren tarnen offne Seifaß jeidhnen fann. 
$Da nun im norliegenben gatt bie Slbreffe beg SBechfelg „$err 
Souig ©erbere i", alfo an bie girma, lautete , fo muff 
angenommen roerben, baff bag ben Sfamen ber ffirma ent= 
haltenbe Slccept oom SBejogenen, atfo oom ißrofuriften 
Souig |j. 3t am eng ber ff irma, auggefteHt worben ift. ®aß 
ber SEraffant ©t. ein Slccept ber girma erhalten wollte, ba= 
für fpricßt fcßon ber Umftanb, baß er ben SBedßfel an bie 
ffirma abreffiert hat. ©g ift aber nunmehr auch non ber 
Klägerin fetbft angegeben, baff ber SBecßfel, um ihn furgfäfnger 
3 U machen, auf bie ffirma Souig «£). gezogen worben ift. ®a 
aber nicht bie Slbreffe, fonbern bag Slccept eineg SBecfjfelg 
beffen Kurgfäfjigfeit beeinflußt, fo ift bamit non ber Klägerin 
äugegeben, baß ber SBedhfel na<h ber Slbfidft beg ©t. unb £. 
non teßterem 3t a m e n g ber girrna ober wenigfteng in einer 
SBeife, baß bag Slccept fidh äußerlich alg Slccept ber $irma 
barfteHte, acceptiert werben foHte. @g fann nun bahingeftetlt 
bleiben, ob Klägerin bem Xraffanten ©t. gegenüber bie 
©inrebe ber Slrglift geltenb machen fönnte, wenn biefer fie 
auf ©runb beg Slcceptg belangen wollte; einem fraft eigenen 
Stedhtg llagenben ^nboffanten gegenüber — unb ein foldher ift, 
wie hie«a<h gegeigt werben wirb, ber Seflagte — muß fie 
bag Slccept alg Slccept ber girma gelten taffen , auch wenn 
unter „ben Parteien", b. h- ben SB echfelparteien, ©t. unb 
Souig £., wie Klägerin behaupten au woHen fdheint, oereiw 
hart war, baß auf ©runb beg Slcceptg ber ffinna biefe nicht 
in Slnfprudh genommen werben bürfe. SDaß Seflagter 


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A. in Sioilfadien. 22. J(j5 

oon einem folgen 2lbfommen Senntnt« gehabt l;ätte, ift niefjt 
behauptet. 

II. 35a ber SBed^fel auf bie gttma Soui« $. gesogen 
mar unb beren 2lccept trug, muffte er bie f er unb nitf)t, roie 
nadf) bem Qnljalt be« oorliegenben proteft« gefdjeljen, bem 
Soui« |). fiir feine perfon jur $al)lung präfentiert roerben. 
©aff if)m berfetbe nid)t in feiner Gigenfdjaft al« iprofurift sur 
3at)Iung präfentiert roorben ift, erhellt unjroeibeutig barau«, 
baß bie 5präfentation in feiner 2B o f) n u it g unb, otjne baß ein 
Perfud) gemalt mürbe, oon ber anmefenben Qnjjaberin ber 
girma 3 a fj>^ng ju erlangen, erfolgte. ®er oorliegenbe pro; 
teft ift baljer, raeil nic^t gegen bie richtige Petfon erhoben, 
ungütig, ber SBedjfel präjubijiert. 

93ei einem präjubijierten 2Sed)fel aber fann oon s Jted)teu 
au« bem 2Bed)fel „gegen ben 2lu«fteller unb biefenigen, roeldie 
ben 2Becf)fe[ bi« $ur protefterljebung inboffiert fjaben" (3lrt. 16 
Stbf. 2 2B.D.) feine 9lebe fein, hieraus folgt, baß ein SBedjfel 
nur bann als „oor bem Qnboffament mangelt 3 Q ^ un 3 pro= 
teftiert" (2B.D. a. a. D.) gelten fann, roenn ein gütiger 
Proteft oorliegt. Siegt bagegen, roie im gegenroärtigen gaH, 
ein u n g il t i g e r Proteft oor, fo ift ba« nad) Grabung biefe« 
sproteftö amSgefteUte $nboffament fein Snboffament nach p ro- 
te ft int ©inne be« 2lrt. 16 2t b f. 2, fonbern ein Qnboffament 
nad) 33 er fall im ©inne be« 2lrt. 16 2t b f. 1 RB.D. 

©eflagter tjat fonad) auf ©ruttb be« ©t.’fdien 3fnboffa= 
ment« oom 30. 2lpril 1886 nirf>t „nur bie Siedite feine« 
Snboffanten gegen ben Slcceptanten" erlangt, fonbern „bie 
Siebte au« bem oorfjanbenen Slccept gegen ben Pejogenen"; 
e« föntten il)m alfo feine Ginreben au« ber perfon be« ©t. 
entgegengeftellt roerben. Gben roeit e« für ben 2lcceptanten 
f)infid)tlid) feiner etroaigen Ginreben oon großer Pebeutung ift, 
ob ein 28ed)fel nad) proteft ober nad) Perfall inboffiert roor= 
ben ift, fann ber 9ted)t«faß, baff e« sur Grljaltung be« 2Bed)feU 
anfprud)« gegen ben 3lcceptanten feiner protefterfjebung be- 
barf, nid)t bal)in nu«gelegt roerben, bafi e« in Pejietjung auf 

3<tljrbU<§re b. SBUrtfembg. Siccbtopflcnc. I. 12 


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166 


6ntf(fjeibungen beö DBettanbeägeridjtS. 


ben 3lcceptanten gleid^gittig ift, ob ein erhobener ißroteft gütig 
ift ober nicht '). 

©emäfj § 82 3B.D. fann baher Klägerin bem auf ihr 
Stccept geftühten Slnfprud) beS 93eflagten gegenüber nicht eim 
roenben, baf? baSfelbe ein bem ©t. erteiltes ©efäEigfeitSaccept 
fei ; benn baff Veflagter hieoon ÄenntniS gehabt habe, ift nidjt 
behauptet. (Sbenforoenig fann fie gegen biefen Slnfpruch beS 
Veflagten eine ihr angeblich gegen ©t. jufteljenbe gorberung 
aufreebnen. 

©ntfebeibung beS I. ßioilfenats beS DberlanbeSgcrichtS 
oom 7. Januar 1887 in ©acben ber girma SouiS $. 
c. 31. SB. 


23. 

(jfigtntumaerroerb burdj SMoertreter. 

®er Kläger batte feinem Vater SB. 9Jt. senior ©enerab 
»oHmadbt jur Vermattung feines Vermögens unb jur Vor= 
nähme non <SrmerbS= unb VetäufierungShanblungen aEer 3lrt 
erteilt. ®er Vater taufte nun — roie entnehmen mar, aus 
ajiitteln feines ©obneS — einige ^ßferbe unb einen £eiter= 
roagen; biefe ©egenftänbe mürben bem Vater beS 5tls. ats= 
batb übergeben unb oon ihm baar bejalt; hiebei mürbe ber 
über ben ftauf aufgefefcten Urfunbe ein $ufa| beigefügt, roo= 
nach ber Verfäufer unb eine roeitere ißerfon bezeugten „Daft 
SB. 2Jt. junior (ber Ätäger) ben Kaufpreis bejalt habe." 

Vatb barauf mürben ißferbe unb SBagen bei einer im 
Sluftrag beS Veft. gegen ben Vater beS ftts. eingeleiteten 
3roangSooUftrecfung gepfänbet, mobei teuerer erflärte, biefe 
©egenftänbe feien Eigentum feines ©ofjnS. 

ÄI. erhob nun geftüfct auf § 690 ß.^.D. Älage gegen 
ben S3efl. auf (Sntlaffung ber ermähnten ©egenftänbe aus ber 


1) Sgl. ®ntf Reibung beS 3t.®. in ©ioil{ad)en I, Sic. 106. 


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A. in (Siotlfadjen. 23 


167 


Vfänbung, inbcm er geltenb machte, fein Vater habe bag 
Eigentum an benfelben für itin erroorben. Vefl. beftritt bieg. 

3n erfter Snftanj mürbe bie Xllage abgeroiefen, meil ber 
Veroeig nicht erbracht fei, baß ber Vater beg ftlg. bem Ver= 
fäufer in erfennbarer SBeife ben SöiHen funb gegeben { jabe, 
im Dtamen unb auf fRedjnung beg Älägerg ju hanbeln. 

5 Das Dberlanbeggerid)t hat bem Ätagantrag entfpredjenb 
erfannt. 

Slug ben ©rünben: 

Siadj bem in biefer Vejiehung in SBürttemberg geltenben 
gemeinen fRecht fann jemanb auch in bem gaU burcb einen 
©teUnertreter Eigentum erroerben, roenn er benfelben im 91H= 
gemeinen mit bet Verwaltung feineg Vermögeng beauftragt bat 
unb biefer Vermalter nunmehr ©egenftänbe für ben Vertrete^ 
nen erroirbt, ohne baff legerer Äenntnig baoon bat, bafe eine 
©a<he für ibn in Vefifc genommen roirb. 5Diefer bem heuti= 
gen fJtedjtgberoufttfein jmeifelloö entfprechenbe ©afe ergibt fuh 
foroobl aug augbrüdlidjen Slugfprüchen ber ©efeße (1. 49 § 2 
Dig. 41, 2), alg aug ber ganjen Stiftung, in roelcber ft<h bie 
£eljre non bem Ermerb burcb ©teHnertreter entroktelt bat *). 
©er Vater beg Älägerg tonnte baljer alg beffen Vermögeng= 
nermalter auch ohne SBiffen beg ftlägerg für biefen bag Eigero 
tum an ben in grage ftebenben ©egenftänben erroerben. 

Db bem Verläufer unb ©rabenten ber Vt er ^ e un ^ beä 
SBageng ber SBilfe beg Vaterg beg .tllägerg, für ben Älä = 
ger bag Eigentum an ben ertauften ©egenftänben ju erroer= 
ben, erfennbar mürbe, ift ohne Vebeutung. ©em ©rabenten 
iji eg im ßroeifel — un ^ )oar e g j m uorliegenben gaH fi<h er= 
Heb — gleicHgiltig , mer bag Eigentum an ben übergebenen 
©egenftänben erlangt. Entfcheibenb bafür, mer Eigentümer 
roirb, ift — in Ermanglung eineg augfchtiefjlich auf ben Eigero 
tumgerroerb beg Empfängerg gerichteten SBiHeng beg ©rabero 


1) SBgl. SB i n b f d) e i b , Baubeiten (6. Stuft.) I, § 73 hinter 9lote 9; 
§155 bei unb tu 9tote 9 unb 10 unb bie am teueren Drt in 9lote 9 
(Silierten ; SEernburg, Ijlanbeften I, § 180 S. 411 lit. c. 

12 * 


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168 


Sntfcheibungeu beä DbetlanbeSgeridjtS. 


ten — ber 2Bitle beS GmpfängerS ; es ift beö^alb, wenn ber 
Gmpfänger baS Gigentum ber übergebenen <Sadje für einen 
brüten erwerben will, feineSwcgS notwenbig, bafj er bieS aus= 
brücftich ober burcf) fdjliiffige £anblungen bcm Srabenten 
ju ertennen gibt. Sie gegenteilige Stnnatjme beS erften 3üd)= 
terS ift irrig, nur fooiel ift richtig, baf?, wenn bie Uebergabe 
auf ©rutib eines 3ted)tSgefd)äftS erfolgt, bas bem Gmpfänger 
3>erpflid)tungen gegen ben Srabenten auferlegt, alfo §. 23., wie 
int oorliegenben gall, auf ©runb eines ÄaufS, biefe Berpflich= 
tungen gegenüber bem Srabenten benjenigen, für welchen ber 
Gmpfänger Gigentum erwerben will, nur bann treffen, wenn 
baS 3techtSgefd)äft in — bem 3)titfontraf)enten erfennbarer 
SBeife im Flamen bes Sritteu abgefdjloffen worben ift. 

ftläger hat alfo, um barjuthun, baff er bas Gigentum an 
ben in grage fteljenben ©egenftänben erworben hat, nur ju 
bcweifen, baß fein SBater bei Gmpfangitahme biefer ©egenftänbe 
ben ariden gehabt hat, baS Gigentum für ihn (Kläger) ju 
erwerben '). 

Gs wirb nun auSgeführt, baff biefer Beweis erbracht fei. 
Gntfcheibung beS DbcrlanbeSgerid)tS (I. Gioilfenat) »om 
27. iDtai 1887 in Sachen 3)iönch g. Jpörler. 


24. 

Jjaften bie friid)tc einer Peljreren oerpfänbeten Sache 
ausfdjlie^ltdj bemfenigen |Jfanbgläubiger, ber oor ^bfonberung 
ber ^riidjte bie Sdjutb= ober |lfanbklagc erhoben hat? (|lfanb= 
©cfei{ M. 49 JJiff. 3; £rt. 112.) 


1) Sgl. gegen bie 2lnftcfit SB i n b f dj e i b’ä fanbetten (6. 9lufl.) § 155 
9iote 7 3iff- 2 unb bet ijier citietten 3 bering unb plagen ft ed)er 
bie in ben (Sntfdj. beS SKeidjägeridjiS in ©ioilfadjen XI, 9tr. 24 
6. 128 — 129 angeführten SdjriftfteHer (inSbefonbere Stemet a. a. D.), 
foroie SJernburg, Baubeiten I, § 180 @. 410; f. auch Söinbfdjeib 
felbft a. a. D. § 172 3'ff- 4. 


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A. in ©iDÜfad)en. 24. 


169 


SDen Klägern ftanb gegen ben ©pitalmitEer (Stimm in 
331. eine »erjinälidje unb mit erftem ^fanbrectjt auf färnt licket 
Siegenfdjaft beS ©dmlbnerS nerfießerte gotberung non 48,000 2Jf. 
ju. Auf berfclbcn Siegenfdjaft haftete fobann neben weiteren 
ißfanbforberungen aud) eine ber Sefiagten juftef^enbe, mit nier* 
tem 9ied;t nerfidierte ipfanbforberung im Setrag non 10,000 2)1., 
unb es mar ju ©unfteit biefer lederen gorberung auch baS 
bewegliche Qnnentar beS ©djulbnerS — biefeS mit erftem 
3?edf)t — mitnerpfänbet roorben. $n ber S°^9 e mürbe auf 
Setreiben ber Sefiagten, roeldje für ben Setrag ißrer gor* 
berung 3 a htungS* unb SoEftredungSbefeßl erwirft hatte, non 
bem juftänbigen Amtsgericht bie 3mangSnoEftredung in bas 
unbewegliche Sermögen beS ©cßulbnerS angeorbnet. gn AuS* 
führung biefer Anorbnung befdjlofj bie SoEftrecfungSbehörbe 
am 7. guti 1885, fämtliche nerpfänbete Siegenfdjaft, wie amh 
bie ber Sefiagten mitnerpfänbete gahrniS jum ßmangSnerfauf 
3 u bringen, ju wetdjem 3me<f fofort eine SerfaufSfommiffion 
unb ein 3mangSnerwalter befteEt unb ber SerfaufStermin be= 
ftimmt würbe, ohne baß febod) eine fpejieEe Senachridjtigung 
ber übrigen ißfanbgläubiger, inSbefonbere ber Kläger, norge* 
ttommen worben wäre. — gn SBirflidjfeit würbe nun aber 
ber angeorbnete 3mangSnerfauf nidht in bem non ber SoE* 
ftredungsbehörbe norgefehenen Umfang jur Ausführung ge* 
bracht. ©cf>on am 15. guti 1885 war nemlidj auf Anregung 
beS ©djulbnerS, weldher mit bem ©rtöS ber nerpfänbeten gaßr* 
ttis unb beS heurigen ©üterertragS bie gorberung ber Sefl. 
311 m größeren Steil beliebigen 3 U fönnen glaubte, unter 2 Jtit= 
wirfung beS DrtSnorfteherS eine Sereinbarung 3 mifd)en bet 
Sefiagten unb ihrem ©äjulbner 31 t ©tanbe gefotnmen, wonach 
3 unächft nur ber (Srtrag ber Aecfer unb bie nerpfänbete gaßr* 
niS nerfauft inerben unb weitere ©dritte injroifc^en auSge* 
feßt bleiben foEen. ©iefer Sereinbarung golge gebettb, unter* 
ließ bie SerfaufSfommiffion ben Serfauf ber fchulbnerifdjen 
Siegenfchaft, inbem fie fid) barauf befdßränfte, nur ben flehen* 
ben grudjtertrag biefer 2 iegenfdf)aft, wie auch bie nerpfänbete 
gafjrnis 3 um öffentlichen Serfauf 3 U bringen. 2ta<hbem baS 


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170 


©ntfcfieibungen beä Dberlanbe3gericf)tei. 


(SrgebniS biefeS VerfaufS ber Veflagten eröffnet worben war, 
erflärte biefe, „fie wolle bas 3wangSoollftrecfungS=Verfahren 
nicht weiter betrieben haben unb bitte um guweifung beS bis 
jeßt erhielten SrtöfeS". ^Demgemäß beföhloß bie VoHftrecfungS= 
beßörbe am 30. Stuguft 1885, baS Verfahren nunmehr einju= 
fteHen unb ben erhielten @rlös über 2lb$ug ber Äofien bem 
betreibenben Vfanbgläubiger jujumeifen ; unb eS mürbe biefer 
Vefcßluß benn auch auf ©runb einer non ber VottftrecfungS; 
behörbe gefertigten Verweifung jur 2luSfiihrung gebraut. 
3>ie Kläger, welche, nachträglich non jener Verfügung benadf)= 
ridhtigt, Verwäßrung bagegen eingelegt hatten, unterließen 
ämar bie gerichtliche Anfechtung ber Verweifung innerhalb bet 
ihnen ßieju non ber VoHftrecfungSbeßörbe anberaumten $rift; 
bagegen machten fie nunmehr, nachbem injwifcßen, wie unbe= 
ftritten, fämtliche grüble oom Voben abgefonbert waren, ben 
Verfucß, im 2Beg felbftänbigen VorgeßenS gegen ben ©dßulbner 
Vefriebigung ju erlangen, inbettt fie felbft einen VottftredungS; 
befehl gegen betreiben unb bie Aitorbnung ber 3roangSooH= 
ftrecfung in fein unbewegliches Vermögen erwirften. 3 n bw ; 
fern non ben Klägern betriebenen jweiten VolIftrecfungSnerfaß: 
ren würbe nun bie Siegenfcßaft jutn Verfauf gebracht; ba je= 
boch ber @rlös nicht ju ooüftänbiger Vefriebigung ihrer ißfanb- 
forberung ausreichte, oerlangten fie im SBege gerichtlicher Älage 
non ber Veflagten bie ©rftattung beSjenigen VetragS, welcher 
in bem erften VoUftrecfungSsVerfaßren bur<h Vertauf ber 
ftehenben ^riid^te erlöft unb non ber VoHftrecfungSbeßörbe ber 
Veflagten sugewiefen worben war. ®er SfecßtSgruub biefer 
©rfaßforberung würbe ooit ben Klägern in erfter Sinie barin 
gefunben, baß ber grücßteerlös ihnen, ben Klägern, nermöge 
beS gefeßlicßen Vorrangs ihrer Jpppothef jujuweifen gewefen 
wäre, baß baßer bie ju ©unften ber im ^Sfanbredßt nachfteßem 
ben Veflagten getroffene Verfügung ber VolIftrecfungSbehörbe 
wiber bie gefeßlicße Drbnung nerftoße, weshalb bie Vefl. jur 
Stücfgewäßr bes fo Empfangenen an bie benachteiligten illä- 
ger oerpfticßtet fei. 

®ie Silage würbe in erfter Qnftanj mit ber aus bem 


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A. in ©imlfadjen. 24. 171 

Stadjfolgenben erfidjtliChen S3egrünbung abgeroiefen, in jroeiter 
Qnflanj aber für begrünbet erflärt. 

Qn ben (SntfCheibungSgrünben ber 2ten ^nftanj wirb ju= 
nächft bie grage, ob ber Verlauf ber ^üd»te im SB eg ber 
Qtnmobiliar = @fefution erfolgt fei, erörtert unb bejaht. 
Stuf ©runb biefer ^eftftellung roirb fobann bie (Srfatjpftidjt ber 
Seflagten mit gofgenbem begrünbet: 

„3ft nacE) bem SluSgefüljrten anjunehmen, bafj bie frag= 
lid>en g rü( ^ te 3 ur 3dt ih* e 3 Verlaufs jum unbeweglichen 
Vermögen beS ©ChulbnerS gehörten unb im SBeg ber 3tm 
mobiliarejefution oertauft toorben ftnb, fo ift bamit freilich 
noch feineSwegS gegeben, bafj ber 6rlöS ohne weiteres jur 
Unt e rpf anb Imaffe ju regnen, unb innerhalb biefer ben 
Magern traft itjreö SBorredjtS jujuroeifen mar. $)enn ber 
Umfang ber ißfanbmaffe beftimmt fid; (ebiglidj nadf ben inner- 
halb beS jßfanbreChtS befteljenben eigentümlichen formen (9lrt. 
49 ff. beS ißfanb=@efeheS) , unb ift nidjt notroenbig ibentifd) 
mit ber bei ©ubhaftation beS ^fanbgrunbftüctä fiel) ergebenben 
3mmobiliar=9Kaffe. 2Bobl aber folgt aus ber an bie ©pifce 
gefteHten $eftfteUung junäChft fooiel, bafj ber fragliche grüd)te= 
erlös oon ber SSoEftredungSbehörbe ganj in berfelben SBeife 
unb naCh benfelben ©runbfäfcen ju oerroeifen mar, roie bieS 
beim 3 l »angSoerfauf beS ©runb unb S3obenS ju gefächen ge= 
habt hätte, bafj alfo nach bem Iper mafjgebenben 2Irt. 22 beS 
©efefceS oom 18. Slug. 1879 aus bem ©rlöfe junäChft bie 
Sloften unb bie in $iffer 1 — 4 bej. ffteatgtäubiger, fobann aber 
„bie SlnfprüChe ber burdh Unterpfänber oerfidjerten ©läubiger 
aus ben jebem berfelben oerpfänbeten ©runbftiiden naCh ber 
gefefslitben Drbnung (jßfanb--©efe§2lrt. 49 — 51, 53 — 55, 96 ff.)" 
berichtigt werben mufjten. SllS bie entfCheibenbe grage ergibt 
fiCh h'^naCh bie, ob festeres im oorliegenben gaE feitenS ber 
SSoEftredungSbehörbe wirtlich befolgt worben ift, m. a. SB. ob 
ber fragliche JrüChte^rtrag ju bem ben Magern oerpfän* 
beten unbeweglichen SSermögen beS SdjutbnerS gehörte unb 
hienad) audh ber ©rlös ben Klägern traft ihres fprioritätS= 
redhtS jusuweifen war? 


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172 


(Sntfdjeibungen b ei D&ertanbe8gäri<f)t3. 


$n notiger Qnftanj ift biefe grage nerneint roorben mit 
ber Segriiubung, baß baS binglidfje SRed^t beS ipfanb;©[ciu= 
tigert außerhalb eines ÄonfurfeS nur bann unb inforoeit auf 
bie natürlidjen grüßte beS Sßfanbobjeftä fid) erftrede, als er 
felbft nor Slbfonberung ber ^rüdjte bie ©d^ufb- ober i)Jfanb= 
flage erhoben gehabt ßabe. $iefe Sluffaffung beruht jebocf) 
auf einer Auslegung beS ipfanb=©efefseS , roelcßer nid^t beu 
gepflicßtet roerben fann. 

Slrtifel 49 3iff er 3 $fanb=©efe$e8 beftimmt, baß bas 
Unterpfanb neben ber |jauptfad)e aud) biejenigen natiirlidljen 
grüßte in fid) begreife, „roeldje 5 ur ber ©rljebung ber 
©$ulb= ober ißfanbflage nodj) nidfjt abgefonbert finb, foroie 
biejenigen, reelle von biefem 3 e dpuntt an erhoben roerben". 

®ie 3 u S el &örig£eit ber $rüd)te jur ipfaitbntaffe feßt baßer 
aHerbingS norauS , balg non ©eite eines $Pfanb-©läubigerS, 
benor es jur Trennung ber $rtid)te non ©runb unb Sieben 
gefommen ift, ber Stnfprud^ auf S3efriebigung ber ^ifanbforbe; 
rung geridßtlicß geltenb gemadjt roorben roar. ^Dagegen roäre 
eS unjutreffenb unb betn natürlichen SSerßältniS äroifdjen $rud)t 
unb ,£>auptfadfje roiberftreitenb , toenit man biefe norgängige 
Ülageerßebuitg als biejenige redßtserjeugenbe £tjatfad)e auf= 
faffen rootlte, burdß roelcße baS ^Sfanbredßt an ben grüdßten 
erft gefdßaffen roirb, unb jroar auSfdßließlidj für ben bie Älage 
©rßebenben. Siielmeßr finb bie $riid)te einer ©acße, fotangc 
fie mit berfelbeit nerbunben finb unb baßer als pars fundi 
gelten, oßne roeitereS bent redßtlidßen ©d;id£fal ber .ipauptfacße 
unb bamit aucß einem auf bicfer ßaftenben iJ3fanbred)t untere 
roorfen. SBäßrenb nun aber bei Trennung ber grudßt no» 
ber ^auptfadße infolge ber ßieburdß eintretenben SDiobilifierung 
bie §rüd)te regelmäßig aus bem SßfaitbnepuS auSfdßeiben, foH 
biefe golge im $aHe norgängiger Älageevljebung nidßt ein- 
treten; nielmeßr foH in biefem $all baS urfprüng ließe 
9ied)tSoerßältniS audß nod) über ben 3oitpun!t ber 2lbfonbe= 
rung ßinauS als fortbauernb angefeßen unb aud) bie getrennte 
$rud)t im SBerßättniS jum ißfanb=®täubiger nad) roie nor als 
baS ©dßicffal ber .yauptfadße teilenb beßanbelt roerben. Sion 


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A. in (Siüilfadjen. 24. 173 

biefem Stanbpunfte aus ift eS baber nidjt ju biEigen , wenn 
man bie EBirfuttg ber ftlageerljebuttg nur eben auf beitjenigen 
•^fanbglänbiger, welcher gerabe bie «läge erhoben bat, mit 
SluSfdjlujj aller attberen, auf baSfelbe Dbjeft oerfidberten ©läu= 
biger befd»ränfen woEte. Qft einmal burd) bie ©rbebuttg ber 
«läge bie golge eingetreten, baji bie ftrüdjte aud) im gaE 
itjrer älbfonberung immer nodj als Slccefforien ber .§auptfad;e 
gelten, fo muß ber burd) ben ißfanboerfauf erhielte @rlöS ofjne 
Etiicffidjt barauf, meiner ißfanbgläubiger bie «läge erhoben 
I;at, gerabe fo wie ein aus ber |>auptfad)e feibft ergiefter <Sr= 
Ioö be^anbeft , b. I). bei «onfurrenä mehrerer auf baSfelbe 
Cbjeft oerfid;erter ©laubiger lebiglidb nadj bem ^rinjip ber 
jeitlidjen Priorität oerwiefen werben, ©ie gegenteilige Slnfidjt 
fii^rt 3 u ber «onfegueitj, baff ein 9iad;pfanbgläubiger , wenn 
er allem Silage erhoben bat unb auf biefe «läge baS Unter- 
pfanb angegriffen wirb, trofc feines äurüdfteljenben 5Befrie= 
bjgungS^Elnfprudbs baS abfolut prbilegierte 3wgriffsredbt auf 
bie 5 iir 3eit feiner «läge uodb nic^t fällig geroefenen f^riid)te 
ausüben fönnte. ©Hefe «ottfegueitj ift jebocb nidjt oereinbar 
mit bem ©pftem beS ißfanb:©efe§eS, fpejieE ni<f>t mit ber 33e= 
flimntung bes 2lrt. 112 bes ipfanb=@efebeS, wonach, wenn bas 
Uuterpfanb infolge Einbringens eines EiacbpfanbgläubigerS an= 
gegriffen wirb, auS bem ©rlöfe oor aEeit ©ingen unb oljne 
Unterfd;eibung jroifcben bem @rlöS aus grüd)ten ober aus ber 
Sub|tanj bie »orgebenben ^fanbglaubiger befriebigt werben 
muffen. (S$ ift üielmel)r banoit auSjugeben, bafj für mehrere 
flfaubglciubiger, benen ein unb baSfelbe ißfanbobjeft oerbaftet 
ift, auch bie < ^3faub= unb SBefriebiguttgSmaffe einbeitlidb unb 
ibentifd; fein, unb nad) bent ©runbfaß bes jit. 2lrt. 112 oer= 
roiefen werben mufj. 

3ft aber biejeS ber $aE unb gehörte bienadb ber ©rlöS 
aus ben jur 3ett ber «lage-@rl)ebung ber öeflagten uod) 
Üel)enben 'grüäjteu in bie getneinfdjaftlidje ipfaitbmaffe, fo war 
bie ESenoeifung ber SMftrecfungSbebörbe, burd) welche mit 
■yintanjejjung ber im iflfanbvedjt oorgebenben «läger jener 
Gtl'ög ber üöeflagten jugewiefeu worben ift, gegen bie gefe$= 


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174 


6ntf(§eibungen beä OberlembesSgericfitS. 


liehe Drbnung oerftofjenb, unb erfcheint ^tcnad^ bet flägerifdje 
®rfa|}anfpru(h als begrünbet." 

©ntfdjeibung beS OberlanbeS=@erichtS (II. ßioilfenat) o. 
24. SDlärj 1887 in Sachen ©obnter'fche ßrben gegen 
Autenrieth- 


25. 

Aufteilung butd) bie $oft on einem onbern ®rt als bem in 
bet treffe bts Briefs bejeidjneten. 

3um AadjroeiS bet SBaljnmg bet ©erufung$förmli<h!eiten 
mürben in Sachen SB. g. o. 33. über bie 3uftellung beS in 
erfter Qnftanj ergangenen (©erfäumnis)4lrteils folgenbe Ur= 
funben oorgelegt: 1) eine Urlunbe beS 3 u ftelh*ngSbeamten in 
cgeilbronn, roonach berfelbe im Auftrag beS fl.’fchen AnroaltS 
einen mit ber 2lbreffe : „o. 33. ju Schaubecl" oerfeheneit, 
eine Ausfertigung bes Urteils entfjaltenben ©rief ber 5ßoft mit 
bem in § 177 6.©.D. oorgefcfjriebenen ©rfuchen übergeben 
hatte; 2) eineUrfunbe eines ißoftboten ju Stuttgart, roorin 
bcjeugt mar, baft ber unter 1) ermähnte ©rief, ba ber Ab re ff at 
in feiner SBohnung nicht anjutreffen geroefen fei, einer in ber 
gamilie bienenben erroachfenen Sßerfon, nämlich bem §auS= 
meifter 3-, übergeben roorben fei; 3) eine ©eurfunbung bes 
Stabtpolijeiamts Stuttgart beS Inhalts, baff o. ©. ju ber 
3eit, als ber unter 1) unb 2) ermähnte ©rief beffen &aus= 
meifter übergeben mürbe, eine SBohnung in Stuttgart inne 
gehabt h«^e; jugleicf) mürbe barauf hinsjeroiefen, bafj auch in 
bem Stuttgarter 2Ibref;bu<h o. ©. als in Stuttgart mohnhaft 
auf geführt fei. 

25er ©efl. o. ©. mar im Termin jur münblichen ©er= 
hanblung oor bem ©erufungsgericht (mie auch in erfter Qm 
ftanj) nidht oertreten. (£s mürbe ©erfäumniSurteil gegen ben= 
felbett erlaffen, inbem bie orbnungSrnäfeige 3 u ft e Hung beS in 
erfter $nftan$ ergangenen Urteils als nachgeraiefen angefehen I 


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A. in ©itulfadjen. 25. 


175 


mürbe auf grunb folgenber ©rtoägungen : burcfj bie oorgelegten 
Urhtnben fei als entliefen ansufebeit, bafs ber in $ ra 9 e fteljenbe 
©rief bem ©efl., roeil berfelbe jur 3®ü ber Sfafunft besfelbett 
ju ©djaubecf fidE) in einer SBoijnung in Stuttgart aufge= 
batten tyabe , nach Stuttgart nadjgefenbet roorbett fei. SDie 
©oft habe alfo — roa3 ibr burd) bie SDiinifterialüerfügung com 
20. Februar 1880 (2Bürtt. ©eridbtSbL 33b. XVH S. 130—131) 
nidbt nerroebrt geroefen fei, auch wenn ber ©rief feinen ©er= 
merf über 3tad)fenbung erhalten h&fo — in ©emäftbeit be$ 
§ 44 ber roürtt. ipoftorbnung »om 14. fDtärj 1881 (3teg.=©l. 
S. 21 ff.) gebanbelt, roo beftintmt ift: „£at ber Stbreffat fei= 
nen 2lufenthalt3= ober SBobnort oeränbert, unb ift fein neuer 
Stuf enthalte ober SBobnort befannt, fo roerben ibm geroöbm 
licfje unb eingefcf)tiebene ©riefe — nadjgefenbet." ©leidhgiltig 
fei, ob ettoa in Staubet! eine ©rfafcjuftellung gemäfj 
§§ 166. 167 G.ip.D. möglich geroefen märe; benn babutd), bafj 
ber mit ber 3ufteIIung beauftragte ©oftbote bie Sladjfenbung 
be3 ©riefs oeranlafjt habe, ftatt benfelben im SBeg ber <5n 
fahjuftellung jujufteHen, fmf> e berfelbe jebenfalld nid)t unge= 
fe^lich gebanbelt, fofern ed nach beit 2Jtotinen ju §§ 165—171 
ber (S.’fß.D. (§§ 158 — 164 be$ ©ntrourfd) roie nach bem 2Bort= 
laut ber §§ 166 — 167 G.^S.O. („faitn erfolgen") feinem oer- 
nünftigen ©rmeffen überlaffen geroefen fei, ob er oon ber @r= 
fajjjufteHung t»abe ©ebraud) machen roollen; unter Umftänben 
föntte allerbingsS bie tlnterlaffung einer Grfa&juftellung bem= 
jenigen, ber ben Auftrag jur 3«ftcBung erteilt habe, ©runb 
jur ©efdiroerbe geben (fo j. ©. roenn in $°*0 e biefer Unten 
laffttng eine Ototfrift oerfäumt toorben fei), nicht aber beim 
jenigen, an roelcben bie 3ufteEung ju erfolgen habe. 

(Der Umftanb, baß nadj § 177 G.iß.O. ber 3ufteIIung$= 
beamte ben ©rief ber ©oft mit bem Grfucben ju übergeben 
habe, „bie 3ufteßung einem ^oftboten be3 ©eftimmungS = 
ortd aufjutragen", laffe bie 3uftettung burd) ben ©oftboten 
eined anbern Drt», als be3 in ber Slbreffe beS ©riefs bejeid)= 
neten, nid)t alö auSgefd^toffen erfcbeinen. 2)enn im Sinn be3 
2lbfenberS fomtne e* nicht foroohl barauf an, ba§ bie 3 u ft e k 


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176 Sntfd^eibungen bea D6erlanbe8geri$tä. 

lung an bem in ber 21 b r cf f e genannten Drt, als bafj 
fie überhaupt — fei eS im 2 Beg ber 3 ufteHung an ben 2 tbreffa= 
ten in ißerfon ober im 28 eg ber ©rfatsjufteHung — erfolge, 
unb eS fei ba^er im Sinn beS SlbfenberS jeber Drt, roo eine 
folcfje 3uftcHung erfolgen fönne, als „23eftiminungSort" beS 
23riefS attjufeljen. ©S liege ja unter Umftänben im t)öd)ften 
©rab im Qntereffe ber juftellenben Partei, baff bie ißoft in 
ber SBeife, roie im »orliegenben f^aH, »erfahre, 5 . 58. menn eS 
fid) um 28al)rung einer Dlotfrift Ijanble unb ber Sübreffat am 
„SeftimmungSort" feine SBoljnung meljr Ijabe, fo bafj eine 6 r= 
fa^ufteHung bort nid)t tneljr rnöglid) fei; l)ier fei es offenbar 
im Sinn beS SlbfenberS gelegen, wenn burcf) fofortige Dtacfp 
fenbung an ben feigen SBoljnort beS Slbreffaten bie 3ufteHung 
innerhalb ber Dlotfrift nod) ermögtidjt roerbe. 

©ntfdjeibung beS DberlanbeSgeridjtS, II. Gioilfenat oont 
10. DJtai 1887 in S. SBeifj g. ». 23rüffeHe=Sc£)aube<f. 


26. 


$u § 164 ber (Eioilprojcßotbnung. 

®ie 2luSfteHuttg ber SßrojefjooHmadjt auf jroei 2tnroätte, 
reelle ba oorjufommen pflegt, roo biefe, oon benen ber eine 
bei bem fianbgeridjt, ber anbere bei bem DberlanbeSgeridjt 
jugelaffen ift, bie 2lnroaltSprapiS gemeinfdjafttidj betreiben, £)at 
fdjon mejjrfad) ©elegenljeit ju Söeanftanbungen ber gegen baS 
"Urteil erfter Onftanä erhobenen Berufung gegeben, inbem gel= 
tenb gemad)t rourbe, bie 23erufungSfcf)rift fei nic^t bentfenigen 
ülnroalt jugefteHt roorben, roeld&em fie nad) § 164 G.58.D. t)ätte 
äugefteUt roerben miiffen, unb eS fjaben fid) biefe 3 roe if«f 
bei ber nad) § 497 G.5f$.D. oon atntSroegen uoräuneljmenben 
Prüfung ber 3 i 6 äffigfeit ber Berufung ergeben. 

©S ftnben fid) jroei formen foldjer 58oHmad)ten , inbem 
nad) ber einen, olpte 23ejeid)nung ber Qnftanj, für roeldje ber 
eine ober ber anbere Stnroalt aufgefteüt roirb. 


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A. in ©mlfac^en. 26. 


177 


„9led)t3=2l. A unb 9ledjt$=9l. B famt unb fonberä er= 
mäd^tigt roerben, in ©adfen beä X gegen ben Y bie SRecfjte 
unb Qntereffen be$ Kläger^ ju oertreten", 
nad) ber anbern 

„ben 9tedjt$=2lnroälten A unb B famt unb fonberS ißro= 
jefeoollmadjt erteilt unb, inforoeit ber 9icdft3ftreit bei bem £anb= 
geridjt ju führen, ber erftere, inforoeit ber ifkojef? bei bem 
Cberlanbe$gerid)t ju führen ift, ber (entere jum iprojefsbeuoll; 
mäd)tigten befteüt roirb." 

8ollmad)ten ber erfteren Sfrt lagen oor in ben 8erufung3= 
fadjen SD7üIIer c. SJJüHer’f^e ©fieleute. Urteil beä 2ten ©e= 
natd be3 CberlanbeägeridjtiS u. 3. Eflärj 1881. ©traffburg 
c. SBeüer. Urt. bed 1. ©enat$ o. 27. ®ej. 1881. Sßeßel 
c. äßejjel. Urt. beü 1. ©enat$ o. 11. 2Jtärj 1887. ißfifterer 
c. £inbenmaijer. Urt. bed 1. Senate ». 17. ®ej. 1886. 

3n ben jroei erften 8erufung$fad)en mürbe feitenS be3 
8erufutig3beflagten eingeroenbet, bie Berufung fei unjuläffig, 
roeil bie 8erufung3fd>rift bem bei bem Sanbgeridft jugelaffenen 
2lnroalt, melier bie ©ad>e in 1. ^nftan} geführt l>abe, su= 
geftettt roorben fei, roäfirenb biefelbe bem nad) ber 8ollmad)t 
fdfon in 1. ^nftanj jum -}ko 5 ef 3 beooIlmäd)tigten befteUten, bei 
bem 8erufuitg3gerid)t sugelaffenen 2lnroalt l)ätte §ugeftetlt roer= 
ben füllen. ®ie ©inroenbung mürbe uerroorfen unb e3 ift 
bejüglicf) biefer jroei ©ntfcfjeibungen auf baä Söürttemb. @e= 
rid)tSblatt 8. 19. ©. 268 u. ©euff. 2lrdfio 8. 38 ©. 459 ju 
oerroeifen. 

3n ben jraei lefstern 8erufung3fad)en mürbe umgeleljrt 
geltenb gemalt, bie 8erufung3fd)rift fei bem bei bem Dber- 
lanbe£gerid)t jugelaffenen Slnroalt jugefteUt roorben, roä^renb 
fie bem bei bem i'anbgericbt sugelaffenen, melier bie Sadje 
in 1. geführt ()abe, Ifätte jugeftellt merben fotlen. 3n 
beiben gäEen mar bie KoQeftio=8olImadft bem Öegner mit ber 
Klage mitgeteilt roorben. 2)ie 8erufung mürbe al$ juläffig er= 
achtet, benn ber bei bem Oberlanbe^geridit jugclaffene 2lnroalt fei 
nad) ber 8ollmad;t für alle Snftanjen bi3 jur gänälicfjen ©r= 


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178 


6ntfd)eibungen beä Dberlanbeägeridjtä. 


lebigung bet ©adje, alfo aud) für bie jroeite Qnftanj als 
benoHmädbtigter aufgefteUt roorben unb ba er audj bei bem 33e= 
rufungSgericbt jugelaffen fei, fo f)abe if)m audb mit SBitfttng suge= 
fteUt roerben fömten. Qn ©acfien SBefcel c. SBefcel mürbe beigefügt : 
fftedbtS^SImoalt 8. notorifdb bei bem DberlanbeSgeridbt ju= 
gelaffen fei, fo fei bie üluffaffung ber VerufungSflägerin, roeldbe 
bie VerufungSfdbrift biefetn bei bem ^Berufungsgericht §uge= 
Iaffeneit 2lnroalt hatte jufteQen laffen, berechtigt gemefeit, baff 
jeber ber beiben Slnroälte behufs Vertretung beS ©egnerS bei 
bemjenigen ©eridbt als fßrojefjbeooUmädftigter befteHt fein fode, 
bei roeldfjem er gugelaffen fei. 

2Ba^ nun bie ermahnte groeite gorm bet Vollmachten be= 
trifft, fo mürbe burd) Urteil beS 1. Senate o. 14. ©eg. 1880 
in ©adjett ©dbmib c. ©lag bie Berufung gegen baS erftrich= 
terlidbe Urteil als unguläffig oerroorfen in einem galt, in 
meinem bei ben Sitten 1. Qnft. eine non bem Vellagten auS= 
gefteUte Vollmacht lag, roeldbe für baS Verfahren nor bem 
Sanbgerid&te bie bei biefent gugelaffenen StedbtSanroälte ©. 3B. 
unb 6. ©cf). unb für bie Rührung beS fftedbtsftreits nor bem 
DberlanbeSgeridbt ben bei biefent gugelaffenen Slnroalt 3Jt. 8. 
benollmädhtigte. ©ent Kläger VerufungSfläger mar aber in 
1. Qnftang mit ber KlagbeantroortungSfcfjrift eine mit ber oor- 
erroäbntcn nidfit übereinftimmenbe Vollmacht gugefteüt roorben, 
roeldbe ba^in gelautet batte: »inSbefonbere mirb, foroeit ber 
fRedbtSftreit bei bem 8anbgericbt Stuttgart gu führen ift, 9tedbtS= 
anroalt ©. 38., infomeit er bei bem DberlanbeSgeridbt ju fülj : 
ren ift, 9te<btS=2l. 3JI. 8. unb fRedbtS^Sl. 6. ©<$. gum ißrojefc 
benoHmädbtigten ernannt unb jeber ber beiben Staroälte crmädj= 
tigt, bei ben genannten ©ericf)ten bie bem 2lnroaltSgroang nicht 
unterliegenben iproge&hanblungen felbft norjuuefjmen ; beSgleü 
eben ift jeber berfelben befugt, bei allen ©eriebten, bei roeldbeit 
fie nicht gugelaffen finb, als Vertreter ober als Veiftanb beS 
gugelaffenen Slnroalts aufgutreten." Vei bem DberlanbeSgeridbt 
mar nur fRedbtS=2l. 3R. 8., nidbt aber 3le<^t<8-2l. 6. ©db- gu-' 
gelaffen. ©S mürbe angenommen, baff ber VetufungSflägeriftbe 


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A. in Sioüfadjen. 26. 


179 


SInroalt, roetdjer bie Aufteilung bet 33erufungsfcf)rift an 9ledjt3= 
anroalt 6 . ©dj. oeranlafjt fjatte, geraujjt fjabe, bafi legerer 
nid)t bei betn DberlanbeSgerid&t jugelaffen fet. @3 Ijabe bem= 
felben fomit als Sfnroalt II. Snftanj nid)t gugefteßt roerben 
fönnen. ©benforoenig fiabe bie Aufteilung an benfelben als 
Sfnroalt I. Anftanj erfolgen fönnen, weil fdfon in ber ißerfott 
beS 9ted)tS=2t. 2Jf. S. ein 2lnroalt groeiter Snftanj befleßt ge= 
triefen fei unb ber bie Aufteilung beroirfettbe Slnroalt bieS ge= 
roufft fjabe. 

Qn ber IBerufungSfadje 33ed c. 33ecf, Urt. b. 1. ©en. v. 
15. Oft. 1886, rourbe übereinftimmenb mit einem 93efc^Iufe in 
©ad»en ©ge unb ©pple c. ÜDtaHuf, unb im Slnfc^Iujs an bie 
©ntfcEjcibung beS 9teidjSgerid)t3 18. 14. ©.374: ,,©S liegt in 
ber fJtatur ber ©adje, bafj in § 164 ß.lß.D. uon bem ©efefce 
ein Seoollmädjtigter gemeint ift, beffen ©eftellung jum $ro= 
jefjbeoollmädftigten beS ©egnerS ber betreibenben ißartei burd) 
auäbriidlid^e ©rflärung ober flar erfidjtlid) fonflubente 2 lfte 
im ißrojefj funb getfjan ift", angenommen, ein fold) fonflu= 
benter 2 lft liege nodj nidjt barin, wenn ber 2 lnroalt erfter An- 
fang lebiglid) unb auSbrüdlid) nur 511 m Stadjroeis feiner ®e= 
oollmädjtigung in erfier Snfiang eine 33oHmacbt oorgelegt, be= 
gieljungSroeife bem ©egner mitgeteilt l>at, roeldje aud) fdion bie 
Sfegeidjnung eines SBeoottmädjtigten für bie jroeite Snftang ent- 
hielt; es ^abe baher bie Söerufungefd^rift bem 2 Inroalt 1 . Snft. 
mit SBirfung gugeftettt werben fönnen. ©S rourbe au3gefüfjrt: 
„®ie Sßlitteilung biefer SSoümadit fei beim beginn beS 5ßro= 
geffeS in 1 . Snfianj, alfo ju einem Aeitpunft erfolgt, in roet 
djem bie ©r^ebung ber Berufung nodj nidjt einmal in $rage 
geftanben, fomit nodj gar feine 33eranlaffung gur SefteHung 
eines SlnroaltS für bie groeite Snftanj oorgelegen fei ; fte £>abe 
bie ©rbringung beS nad) § 76 ©.iß.D. erforberlidjen 3tad)= 
roeifeS ber SetroQmädjtigung für bie erfte Snftang begroedt. 
Unter biefen Umftänben fei für bie fläg. Partei in ber 9Hit= 
teilung ber 23oIImad)t feine genügenbe fMttroetfung barauf ge= 
legen geroefen, bafi ber Seflagte ijjr burdj biefe föiitteilung 


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180 


Gntfdjeibungen beS DberlanbeSgetidflS. 


ben sunt oorauä für bie jtüeite 3 nftans befteflten $roseßbeoolf= 
mäd^tigten afä fofdjen oorgeftetft fjaben roolle." 

$ie in § 164 (S.fß.O. oorgefdjriebeite Speisenfolge ift eine 
l'treng einjufjaftenbe. |)ierausS roar su fdjfießeit, baß baä ©e= 
feß oorauifeße, ber betreibenbe 2lmoaIt müffe aucf) in ber Sage 
fein, beftimmt unb unsroeibeutig su erfennen, tu ent er suftellen 
ju iaffen fjabe. $a3 2Biffen unb SBiffenntüffen aber ift ein 
befjnbarer begriff. fann eine foldje Sollmadjt 5 . 33. bei 
©etegenljeit einer Sitte um 2lfteneinfid)t 5 U ben Elften erfter 
Qnftans gefommett fein. ®ie in einer 5totteftiD=SMmad)t su 
^rosepbenoEmäd^tigteu beftellten 2lnroäfte, benen eine Serufung>3= 
fcfyrift susufteHen ift, roefdfje alfo ben Serufung$beflagten oer= 
treten, fjaben feine Serattfaffung, etroaige 3u>cifel, roeldjem oon 
beiben sujufteHen fei, ju befeitigen. ©0 erfdjien bafjer gerecht' 
fertigt, eine «Steifet übrig taffenbe ©rffärung gegen fte au$-- 
Sulegen unb in bem bent Serufung^fläger günftigeren ©iitn 
aufsufaffeit. 2 Iucf) roirb fi<S fragen, ob nicfjt bie geftftettung, 
baß bie Seftellung eines SfaroaltS bem ©egner ni<f)t in genü= 
genber SBeife su erfennen gegeben roorbeit fei, eine tSatfädS- 
licf)e ift. 

6 $ fjat jebodb baS 9teid)Sgericf>t in ber gebauten Se= 
rufungsfacße b aS Urteil beS SDberfanbeSgericfitS aufgehoben unb 
bie Berufung für unjuläffig erflärt. 

Sei ber Sebeutung biefer grage, inSbefonbere für bie 
SBiirtt. SiedjtSanroäfte roirb biefe @ntf<f)cibuug beS 9tei<S^- 
geridjts 00 m 12. 2Jfai 1887 in 3ta(f)fte^enbem oeröffentlicfjt: 

„®iefe ÜJtacfiprüfung führte sur Aufhebung bes 3 ro if^en= 
Urteils unb folgeroeife aucf) beS ©nburteilS, ba bie 3uläffigfeit 
ber oon ber Klägerin eingelegten Berufung oerneint roerben 
mußte. 3roar roar bem Serufung-3getid)te barin beisutreten, 
baß ber in ber mit ber SerufungSfcßrift jugefteUten Sfbfdjrift 
ber 3ufteüung-3urfunbe oorfonimenbe Schreibfehler bie 3 u ftel- 
lung ber Serufung 8 fd>rift nidjt ungiftig madje *). ©agegeu 
hat bas Dberfanbesgericf)t burd) bie 3ufaffung ber Serafuitg 


1) uergL ©ntfäetbungen in Gimlfacfjen, S3anb IV. S. 433 ff. 


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A. in G.ioil{ac$en. 26. 


181 


gegen ben § 164 Stöfafc 1 ber ©ctlprosefforbnung »erflogen, 
ba bie SBerufungsfdjrift nidEjt bem com Seflagten für bie 23e= 
rufungäinftanj im Voraus beftellten ißrogefsbecoEmäditigten 
Stedjtäanroalt ©t. , fonbent bem besagten fßrogefjbeooE; 
mädjtigten erfter 3}rtftang, 3ted)t3anroatt ©. n, jugefteEt roor= 
ben mar. $>ie SBefteEung be3 fftedEjt^amcalt^ ©t. mar am 
12. EJtärg 1886 gefdjeljen burdf 2lu3fteEung einer gemeinfamen 
fdjriftlicfjen fßrogeffcoEmacbt für ifjn unb ben Stedjtäanroalt ©. 
II, bie oon bem testeten an bemfelben Sage ju ben ©erid)t3= 
aften be3 Sanbgeridjtö abgegeben rourbe, unb in welcher fpe= 
jieE beftimmt mar, bafs, inforoeit biefer 5tecf|t3ftreit beim Sanb= 
geriet Stuttgart gu führen fei, fRed>t3anroatt ©. II , inforoeit 
er beim Dberlanbe^geridft bafelbft gu führen fei, SKeciftsanroalt 
©t. ffirogefibeooEmächtigter fein foEe. $Dem SBortlaute gufolge 
cerlangt nun ber 2tbfa§ 1 beß § 164 ber (S.iß.D. al3 Voraus-- 
fefiung bafür, baff bie fHe<btsmitteIf<f)rift bem für bie t)öl)ere 
^nftanj com ©egner beftellten ißrogefjbecoEmäditigten gugefteEt 
roerben muffe, überhaupt roeiter nichts , als baff biefer eben 
be ft eilt fei, unb im ©inne ber (ficilprogeßorbnung gehört 
gut „SefteEung" beß ißrogeffbeooEtnächtigten nod) fetnesroeg» 
bie betreffenbe ERitteilung an ben ©egner. 2lber aEerbing$ 
fomrnt nach ber Etatur ber ©ad)e im roahren ©inne ber er= 
mahnten Sßrogefjcorfdhrtft nur ein foldjer fßrogefjbecoEmächtigter 
ber böseren ^nftang babei in Setradjt, con beffen SefteEung 
ber ©egner ober beffen $rojefjbeooEmäd)tigter roeife ober bod) 
roiffen müfjte 2 ). $ter jebod» muffte ber Hägerifdje ülnroalt 
erfter Snftang oon ber öefteEung be3 9ted)t3anroalts ©t. roiffen, 
ba it>m eine beglaubigte Slbfdfrift ber 2Mmad)t burd) ben 
Eted)t§anroalt ©. II fofort mitgeteilt roar; roenn er etroa bie 
ßd^tfieit ber Unterfd^rift beS Seflagten auf ber IXrfdjrift be= 
groeifelt unb infofern con ber 5ßoEniad)t noch feine fixere 
Jtunbe gehabt haben foEte, fo roäre eä feine ©ad»e geroefen. 


1) oergt. ©ntfdjeibungen in ©ioitlac^en, ab. XIV S. 351. 

2) oergt. ®ntf(f>eibungen in Kioitfo^en , ab. V 6. 360 , Sb. IX 
©. 347, Sb. XIV S. 350 f. unb ©. 374 f. unb ab. XVI S. 355. 

3a$rbtt$er b. Sßiürtteinbfl. 9ie$t3pflege. J. 13 


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182 


(Sntfcheibungen beä OberlanbeägerichtS. 


bie Urfchrift in ben ©erichtSaften einjufehen unb ftdj ©etoifr 
f)eit übet bie 6cE)tf)eit ju oerfdjaffen, beiieljungSioeife roeitere 
Slachtoeife ju oerlangen. 3*” übrigen fe|t bie Sioilprojejj: 
orbnuttg eben ooraus, baff ein 2lmoalt für bie jroeite Qinftanj 
mit ber in § 164 Slbfafc 1 oorgefeljenen SBirfung fdjon oor 
(Anlegung ber Berufung im SorauS befteßt toerben fönne; 
baf? biefe Sefteßuitg nidjt fdjon oor 33eenbigung beS Verfah- 
rens erfter 3nftan§ gefcheljen fönne, beutet bas ©efefc in feb 
ner SLBeife an ‘). SBenn aber bas DberlanbeSgerid)t in ber 
atfitteilung ber VoEtnadjt toäljrenb bes Saufet ber erften 
Snftanj noch feine genügettbe Jpinroeifung barauf ftnbet, baf 
ber Veflagte ber Klägerin bamit ben jum Voraus für bie 33 e= 
rufungSinftanj befteßten ^rojefebeooßmä^tigten als folgen 
oorgeftellt tjaben rooße, fo trifft bas besljalb nid^t ju, toeß 
eine folcfje befottbere Vorfteßung eben fein fortnefles ©rforber 
nis ber älnroaltsbefteßung, bej. feine gefefliche VorauSfefcmtg 
für bie Imoenbbarfeit ber Veftimmung beS § 164 Säbfafces 1 
ber ©ioilprojefjorbnung ift. ©S ^eifjt bafer bem gegnerifdjen 
Slntoalte erfter Qnftanj nid)t ju oiel jumut^en , wenn man 
oer langt, bafs er ftdj bie ihm, gleich oiel in meinem ©tabium 
bes ^ßroseffeö , jur Kenntnis gefommene Vefteßung eines 2lm 
toalteS für bie ettoaige VerufungSinftanj merfe unb bem etroa 
oon iljm oerfdjiebenen Vrosefjbeooßmädjtigten feiner Partei für 
bie jioeite Qnftanj rechtzeitig mitteile. 33ößig abroegig aber 
ift ber hintoeiS auf § 162 ber ©ioilprojefjorbnung, mittelfi 
beffen oon flägerifcfjer ©eite in ber ßteoiftonSoerhanblung bie 
9fotroenbigfeit oer 3ufteßung ber 2Ibfd)rift ber fraglichen Voß= 
macht an ben gegnerifdjen Inroalt ber VerufungSinftanj, 
als ben für bie hier in §rage fommenbe Snftanj oom ©egner 
befteßten iprojefjbeooßmächtigten , h<*t belegt toerben foßen. 
©nthielte baS ©efefs rcirflid) eine foldje Vorfdhrift, fo märe 
fte Töiberfinnig, roeil es ftdj hier um gäße Ijanbelt, too bas 

1) Sßergl auch bie ©ntfdjeibung beä SReidjägerichtS in ber Sache il 
224/85, mitgeteilt in ber Quriftifchen SBochenfchrift, 3aljrg. XIV S. 353 f , 
unb ferner (Sntfcheibungen beS SeidjSgerichtS in Gioilfachen, S3anb XIV 

©. 350 f. 


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A. itt GintHacfjen. 26. 


183 


betreffenbe fRedjtSmittel nodj gar nid^t eingelegt, folglich einer* 
feitiS bie ißerfon beS gegnerifdjen ^rojejjbeoollmädjtigten ber 
Ijö^ern Qnftanj nod) gar nid)t befannt gegeben, anbererfeits 
bie fjöljere Anftanj im eigentlichen ©inne überhaupt nodj nicht 
eröffnet ift. 2Btrfltdf)feit enthält nun aber baS ©efefc 
überhaupt nichts baoon, bafj eine Slbfdjrift ber SBottmadjt bent 
©egner p irgenb einem Anette pgeftellt werben müfjte — 
roie and) im oorliegenben gatte gar nicht eine Aufteilung, 
fonbern nur eine anberroeite fDlitt Teilung an ben gegneri* 
fdjen 2lnroalt ber erften Qnftanj oorgefomtnen ift — ; ja baS 
©efejs ftettt, roie fdfjon bargelegt, nicht einmal eine SRitteilung 
an ben ©egner als formelles (SrforberniS auf. Qnfofern 
fommt es jroar fpejiell auf bie Äunbe beS pftettenben ißrojefj* 
beoottmädjtigten ber f)öljern Anftanj baoon an, baff audj 
ber ©egner fäjon einen Sßrojejjbeoollmädjtigten für biefe 3fn= 
ftanj beftellt Ijabe, als jener bann giltig bie fRedjtSmittelfdjrift 
bem gegnerifdjen ißrojefjbeoollmähtigten ber oorigen Anftanj 
pftettt, roenn nicht nur er felbft ofjne feine ©djulb nod) nichts 
oon ber Seftettung beS gegnerifdfjen Seoottmäc^tigten für bie 
Ijöljere ^nftanj roeifj, fonbern audj feine Sßartei unb beren 
^rojeffbeoollmähtigter ber oorigen Anftanj erft fo fpät in bie 
Sage farnen, oon biefer ©eftettung p erfahren, baff es ifpen 
nicht als Sdplb angerechnet roerben fann, baff fie ihren ißro* 
Sefjbeoottmäditigten ber fjöljern Anftaitj noch nicht baoon unter s 
richtet hatten ; hieraus erflären fich bie ©ntfd)eibungen beS 
9leicl)SgeridjtS in ben ©ntfcfjeibungen in (Sioilfachen , Sanb V 
©eite 360 unb S3anb IX ©eite 347 ff. SUlein im gegeitroar* 
tigen gatte fann oon einer folgen ©adjlage gar nicht bie 
Siebe fein, ba bie hier in Siebe fteljenbe Slmoaltsbeftettuug fdjon 
unmittelbar nah bem 12. SJtärj 1886 bem llägerifdjen $Pro= 
jefebeoollmähtigten ber erften Änftans mitgeteilt roorben roar. 

©S ergibt fi<h alfo, baff es hier an einer gütigen 3nftel= 
luttg ber SerufungSfdjrift, roie fie burd) § 479 Slbf. 1 ber 
ßioilprojefjorbnung erforbert roirb, gefehlt l)at." 


13* 


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184 


Sntfcf)eibungen b ei Dbertanbeägerid)t3. 


C^ntfdjeibungen ks &■ CDbcrlaubcsgertctjts. 

B. in ©traffadjen. 

11 . 

I^ängi in ^riuatklagtfadjen btt Retijtsgiiltigkeit ber SfeteU 
lung bee Antrag« auf flrafrcdjtlidje Verfolgung (St.®.?. § 61) 
uon ber (ftljebuna einer fuläfftgen Vrioatklage ab? 

Vrteü uom 10. pärj 1886 gegen P. <8. uon P. (Jlr. 28). 

®er Sauer 0. uon SB. fjatte wegen einer gegen feine 
Ehefrau non ber Slngeflagten begangenen Seleibigung traft 
be3 ihm gemäf) § 414, 2lbf. 2 ber ©t.iß.D. unb § 195 be£ 
©t.©.S3. juftehenben felbftänbigen 9icd)t3 ißrioatflage erhoben, 
©in ©üfmeoerfud) war nicht jmifdhen ber Slngeflagten unb bem 
ißrioatfläger, fonbern jwifchen erfterer unb ber Ehefrau be$ 
lederen oorgenommen worben. ^Durd) Serufungäurteil ber 
©traffammer beä ßanbgerichtä $. würbe gemäfj § 259, Slbf. 2 
ber ©t.iß.D. baä Verfahren wegen 2Jfangel3 be3 nach § 61 
be3 ©t.©.33. erforberlidjen Strafantrags eingeftettt, inbem baS 
^Berufungsgericht ben ftattgefjabteu ©ühneoerfud) als einen 2IEt 
erflärte, welker ber S3orfd)rift beS § 420 ber ©t.Sß.D. nicht 
entfpredje unb für baS anhängige Verfahren ohne Selattg fei, 
unb auSfprad), bafj es ^tenacE) an einer Sebingung fehle, oon 
bereu oorgängiger Erfüllung baS ©efe§ bie 3uläfjigfeit ber 
ißrioatflage abhängig mache, fowie bafj, weil bie erhobene $rü 
oatflage unpläfjig, auch kr in ihr enthaltene ©trafantrag 
unwirffam fei. 

Sluf bie ffteoifion beS ißrioatflägerS erfolgte Aufhebung 
beS SerufungSurteilS unb .gurüdoerweifung aus folgenben 
©rünben : 

®ie SReoifton hat geltenb gemadjt, baS angefodjtene Ur= 
teil beruhe auf einer ©efeheSoerte|$ung, inbem bie oon bem 


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B. in ©traffadjen. 11. 


185 


norigen Stifter bem § 420 ber ©t.lß.D. gegebene auSlegung 
eine irrtümliche fei. hierin ift ber Angriff enthalten, baß bas 
93erufungSurteil in gotge biefer irrtümlichen auSlegung be3 
§ 420 ber ©t.$ß.0. ju einer gefefcroibrigen anroenbung be3 
§ 61 be3 ©t.65.33. gelangt fei. (53 rairb alfo bie Stenifion 
auf 93erleßung materiellen SiechtS gegrünbet, benn bie gefe$= 
ließen 33eftimmungen über ben ©trafnerfolgungSantrag bei 2ln= 
tragöbelilten finb nicht bloß projeffualer Statur, fonbern ge= 
hören, ba non ihnen bie Seftrafung abhängt, auch betn ma= 
terieHen Siechte an. 

®ie 2lnfchauung be3 oorigen Stichlers geht nun baoon 
au 3, baß im ißrinatllagnerfahren bie SteißtSgültigteit ber ©tel= 
lung beS ©trafantragS (Slntragö auf ©trafnerfotgung gemäß 
§ 61 be3 ©t.®.23.) non berfenigen ber $ßrinatllage, worin er 
enthalten ift, abhänge, ina3 barauf jurficijuführen ift, baß bem 
©trafantrag in jenem Verfahren eine felbftänbige Sebeutung 
nicht juerfannt wirb. ®iefe anficht bringt es mit ftch, im 
$rioatf£agoerfahten ben § 61 be3 ©t.©.58., obgleich bie 3Sor= 
au3fe|ungen eine« ©trafantragS an fich norliegen, al3 gemährt 
roeber in bem goß anjufehen, wenn bie ihn entßaltenbe $ri= 
natflage ben SBorfdbriften ber ©trafprojeßorbnung in ^Betreff 
ber (Srforberniffe biefer Älage nicht entfpricht, noch in bem 
$aß, tnenn einem nach SBorfcßrift be3 § 156, 2lbf. 2 ber ©t.Sß.D. 
geftellten ©trafantrag eine ^rinatElage erft nach Ablauf ber 
antragSfrift folgt. 

SJlan hat aber biefe, aüerbingS in ber Stedjtfpreehung 
mehrfach Jur (Seltung gelommene anficht nicht als bie bem 
©efeß entfprehenbe erfunben, ift nielmehr ju ber anficht ge= 
langt, baß jeber non beiben Ilten, ber ©trafantrag unb bie 
sprinatllage, felbftänbig ju beurteilen fei. 

2Bemt nämlich auch — maS ftch übrigens junächft auf ben 
$aH ber (Erhebung ber Sßrinatllage nach Ablehnung ber @r= 
hebung ber öffentlichen Älage feüenS ber ©taatSanroaltßhaft 
bezieht — für bie Sinnahme ber ©elbftänbigfeit jebes non bei= 
ben Slten eine erhebliche Sebeutung bem Umftanbe nicht 6ei= 
gelegt mirb, baß bei ber Beratung beS ©ntrourfs ber ©traf= 


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186 


©ntfdjeibungen beä Dberlanbe3gericf)t3. 


proje&otbnung mit bem bie fubfibiäre ©rioattlage ftatuierenben 
§ 335 beffelben bie hierin oorgefebene ©efriftung jener Älage 
oertoorfen mürbe, unb baß eg unterblieb, eine fold^e Söefrifturtg 
in bie ©eftimmungen beg ©efefceg über bie prinjipale ©rioat= 
tlage aufäunebmen *), fo ergibt fiel) bo<h aug ber roefentlichen 
©erfdjiebenbeit beg 3®edg eineg ©trafantragg pon bem einer 
©rioattlage bie Siotroenbigfeit , jebeit oon beiben Sitten felbfc 
ftänbig ju beurteilen, ©erf (hieben aber finb beibe Sitte info= 
fern, alg ber Strafantrag lebiglid» bejroedt, ben SBiHen beg 
Slntraggberedjtigten, bafs ein ©trafoerfabren eintrete, jurn Slttg-- 
brud ju bringen unb biebureb bie bei Slntraggbeliften erforber-- 
lid)e ©oraugfefcung beg ©eginng eineg folgen ©erfabreng ju 
perfd)affen, roäljrenb bie ©rioattlage ber toir fliehe ©eginn bet 
^Durchführung eineg ©trafoerfabreng, ein ber öffentlichen Silage 
entfpredjenber Slft ift, ihre (Erhebung ben ©intritt in ben ©traf= 
projefj felbft feiteng beg .ftlägerg alg ©rojeßpartei bebeutet. 

®iefe innere ©erfdjiebenbeit ber beiben Sitte ertlärt bie 
©erfd)iebenbeiten, bie jroifeben ben materiellen unb formalen 
gefefclicben ©orausfefcungen ber ©teEung eineg ©trafantragg 
unb benen ber ©rbebung einer ©rioattlage befteben, fo §. ©. 
binfidbtliih ber ©eredjtigung ju bem einen unb bem attberen 
Sitte überhaupt (§ 65 beg ©t.©.©.; § 414, Slbf. 3 ber ©t.©.D.), 
binficbtlidj ber SluffteEung eineg ©ertreterg burd) ben ©e= 
reebtigten (§ 418 ber ©t.©.D.), ber nur für bie ©rioattlage 
porgefdjriebenen oorgängigen ©ornabme eineg ©übnenerfutbg 
(§ 420 ber ©t.©.D.) unb ber gorm ber ©eltenbmadmng, 
melcbe bejüglidj beg ©trafantragg burd? § 156, Slbf. 2 ber 
©t.©.0., bezüglich ber ©rioattlage bureb § 421 ber @t.©.D. 
geregelt ift, roonad) für bie ©rioattlage bie (Srforberniffe einer 
Slnflagefctirift (§ 198, Slbf. 1 ber ©t.©.0.) aufgeftettt finb. 

hieraus folgt, baß ein in eine ©rioattlage getleibeter 
Strafantrag alg folcber roirffant fein fann, auch menn bie 
©rforberniffe einer juläffigen ©rioattlage nicht oorliegen, unb 

1) 3u uergl. SBürtt. ®erid)t86tatt ®b 20, ©.278- 283 unb Sntfä. 
beg SReidjgg. in ©itaffadjen ®b. 3, ©. 373 u. 374. 


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B. in ©traffodjen. 12. 


187 


es fanrt bagegen nid^t in Vetradjt fommen bie ©rroägung, bafj 
nadj Umftänben einem Später, gegen ben ein Strafantrag ge= 
fteüt ift, ein bis gegen baS (Snbe ber VerjäfjruiigSjeit fort= 
gefegtes Jägern mit ©r^ebung ber ißrioatüage empfinblicf) 
fallen Eann. 

®ie Sfofdjauung, auf roeldjer baS VerufungSurteil rut)t, 
baff nämlid) ein red;tSgiltiger Strafantrag beSljalb felfle, toeil 
bie (als projeffuale VorauSfefcung beS VeginnS eines ^riuat= 
tlagnerfaljrenS gegebene) Vorfdfrift über ben Süljneoerfudj 
nid^t eingefallen inorben, nerlefct alfo bie gefe&lidjen 33or= 
f Triften ber §§ 61 unb 194 beS St. ©.33. 

12 . 

$ft nadj bem ®obe bes Raters bie eljclidje Putter als ge= 
feljlidje Vertreterin bes |Unbes im Sinne bes § 65 bes St.ffi.B. 
anjufeljen? 

Urteil bes ferienfenats nam 20. Ituguft 1886 gegen 6. P. 

non <S. (Vr. 212). 

3)ie non ber SBittme Ä. 9tt. non erhobene ißrioab 
Hage betraf eine gegen ifre 16 Qafre alte eheliche 5£odjter 
begangene Veleibigung; baS beleibigte -Btäbcfen ftanb unter 
ber Vormunbfcfaft eines britten, ber fidj bei ber ßlagerljebung 
nidjt beteiligt fatte. ®aS auf ßinfteüung bes Verfahrens ge= 
mafj § 259 ber St-V-D. lautenbe VerufungSurteil eradjtete 
bie iprinatflägerin nidjt als bie gefefclidje Vertreterin ber Ve= 
leibigten. ®ie SRenifion ber ißrioatflägetin tnurbe uermorfen. 

2luS ben ©rünben: 

®ie SRenijton madjt junä<fft geltenb: ©egenftanb einer Vri'- 
natflage fei bie Verfolgung non Angriffen auf bie perfönlidjen 
Verfältniffe unb 3ledjtSgilter ber fDlenfdfen, ber S<f»u| ber 
Integrität non fieib, ©Ijre unb Sittlidjfeit ; bie 2Baljrnel)mung 
biefer 3 nt er eff en beS ÄinbeS liege nid)t nur nad) ber SRatur 
beS VerfältniffeS non 2Rutter ju Äinb mehr in bem SBillen 
ber 2Rutter, fonbern aud) meljr in beten SßirfungSlreiS , als 


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188 


Sntfdjeibungen bei Dberlanbelgen^tl. 


in bem 2BiÖen unb SBirfunglfreil bei Bormunbel. ®ie nach 
bei Baterl £ob junächft bet Kutter obliegenbe ©djußpflicht 
bet gütfotge für förperlichel unb jtttlichei SBoßlergehen bei 
Äinbel bebinge auch bie Berechtigung bet -Kutter, unabhängig 
non bem SBitten bei Bormunbel atTe^ bal oorjunehmen, mal 
in ben Äreil biefer Jürforgepfiidit naturgemäß fade, unb in 
benfelben falle bet ©cßuß gegen Angriffe auf bie ©h*e bei 
Äinbel. BQerbingl fpredhe bal ©efeß feinem SBortlaut nach 
bem Bat er bei unter feiner ©eroalt ftehenben Äinbel bie 
Befugnil jum Slntrag auf ©trafoerfolgung ju; el erf eherne 
aber „jroeifellol all eine Sücfe bei ©efeßel, baß biefel Becht, 
„roenigften! in bem § 195 bei ©t.©.B. nicht, im gaHe bei 
„Bichtoorhanbenfeinl einel Baterl nicht auf ben an beffen 
„©teile tretenben Präger belfelben präjifiert fei." ®ie 2lul= 
behnung biefel natürlichen Beätfl auf bie Kutter „erfdjeine 
„in Berüdftdjtigung belfelben natürlichen Berhältniffel, in bem 
„bie Kutter ju bem Jtinb flehe, all begrünbet." 

®iefer Bulfüßrung fteht nun jroar junächft ber § 380 
ber ©t.iß 0. infofern nicht entgegen, all bem materiellen Bed)t 
angehörenbe Bormen all oerleßt bezeichnet toerben, alfo foroeit • 
el fidh um ben § 195 bei ©t.©.B. ober um bie nicht bloß 
für ben § 414 ber ©t.ifS.0., fonbern überhaupt für bal Bed)t 
jur Stellung einel Bntragl auf ftrafrechtliche Berfolgung maß= 
gebenbe grage ber gefeßlichen Bertretung einel Kinberfäßrigen, 
foßin um ben § 65, Bbf. 2 bei ©t.©.B. haubelt. 

®ie Büge einer Berleßung bei ©efeßel burch Bid)t= 
anroenbuitg bei § 195 bei ©t.@.B. auf ben oorliegenben $aH 
rußt nun aber lebiglidj auf ber grunblofen BuffteUung einer 
oermeintlichen, in 2Birflid)feit, roie fidh oul § 65 bei ©t.©.B. 
ergibt, gar nicht befteßenben Sücfe bei ©efeßel. 

Bber auch ber teßtgebachte ©efeßelparagraph bietet für 
bie Bmtafjme, baß bie oenoittroete Kutter einel minberjährigen 
Äinbel bal Becßt habe, bie ftrafrechtliche Berfolgung roegen 
einer gegen ißr Äinb begangenen ftrafbaren ^anblung ju be-- 
antragen, feine ©runblage. $ie fyrage, roer gefeßlicßer Ber= 
tretet einel Kinberjäß eigen ift, beftimmt fi<h nach bem Sam 


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B. in ©traffadjen. 13. 


189 


besredjt- 5lun finb jroar nach bern in Württemberg geltenben 
Siebte ber ffltutter naterlofer minberjäbriger ßinber nid&t blofj 
an beren Vermögen, fonbern auch fiinfidjtlic^ i^rer perfönlidben 
Verbältniffe, namentlich roaS bie @rjie|ung betfelben anbelangt, 
Vefugniffe eingeräumt, aber leineSroegs bie ©efamtbeit ber= 
jenigen Vefugniffe, toelcbe im SRed^töIeben ju ber Vertretung 
ber itinber nach außen bienen, fonbern nur ein begrenzter 
ßreis non in ber #auptfadje anberen 3toeden, als bem be; 
Zeichneten, bienenben Vefugniffen, unb es ift unjuläffig, aus 
ber „Vatur bes VerbältniffeS non Vlutter ju Äinb", aus ber 
mütterlicben V flieht unb Verewigung zur ©rziebung ber Äin= 
ber baS non ber fKeoifion beanfpruhte 5RecE)t ber Wutter zur 
AntragfteHung ableiten zu roollen, ein Ved)t/ baS nom ©efeß 
einer anberen, im Allgemeinen non ib»n zur Vertretung beS 
minber jährigen ÄinbeS nach aufjen berufenen fßerfon, nämlid) 
bem Vormunb beff eiben eingeräumt ift. 


13. 

„Htnflänbt“, „Iforrn“ im Sinne bes § 193 bes St.®.?., 
feftffrllung betfelben. 

Straffenat, ürt. n. 23. Ptärj 1887 g. 1. Sd). in f. Hr. 80, 

non 1887. 

hierüber bot ft<b ber ©traffenat auSgefprodjen, roie folgt : 

„&ie eingelegte dtenifion richtet ficb gegen bie roegen eines 
Vergebens ber Veleibigung erfolgte Verurteilung bcS Ange= 
Wagten unb toirb auf Verlegung beS § 193 beS ©t.©.V. 
geftüßt. 

®aS VerufungSgeridjt bot feftgeftellt, bah ber Angellagte, 
ber mit bem VrinatfUiger einen diedjtsftreit gehabt, in rnelchem 
er non bemfelben ©CbabenSerfaß für oerbrannte £aberfä<fe 
geforbert, in einem Vrief an ben Antoalt bes VtiuotflägerS 
leßteren ber „£interfd)lagung" ber ©äde begidOtigt , bah er 
biemit in Vezieljung auf ben ißrtoattläger eine iTbotfadje, 



190 


@ntf$eibungen beä D6erlanbe3gerid}t§. 


welche betreiben »eräc^tlic^ ju machen geeignet tft, ohne bafs 
fie erweislich wahr wäre, behauptet, feboch biefe Steuerung 
jur Stu^fü^rung unb Sßerteibigung non Stedten — in bem 
genannten StedjtSftreit — getban ^abe. ©0 wirb fofort auS= 
gefprocben, bafj habet bie 2Ieuferung nur infoweit ftrafbar fei, 
als baS Sßorfianbenfein einer Seleibigung aus ihrer gotm ober 
aus ben Umftänben, unter welchen fie gefd)eE>en , betoorgebe. 
$ieS aber wirb aus foigenben ©rünben für jutreffenb erachtet. 
®aS SBort „|>interf<blagung" fei bie feftfteijenbe unb unjwei= 
heutige Sejeidjnung beS 33olfS für baS Vergeben ber Untere 
f^lagung. ®er ißrioatfläger werbe alfo tjiemit einer ftraf= 
baren ^anblung bejid^tigt unb jwar einer fotzen, welche nach 
ben Umftänben nicht E>abe in grage fommen fönnen. ©o gebe 
fdjon aus ben Umftänben, unter melden bie Steuerung ge= 
fcheben, baS SBorfjanbenfein einer Seleibigung beroor , ebenfo 
übrigens aus ber offenbar berouftermafen über bie 33ertei= 
bigung unb Ausführung oon Rechten ^inauögefienben, abfidjt= 
lieb beleibigenben gorm ber leuferung. 

®iefe SBegrünbung läfjt eine richtige Auslegung ber 35e= 
ftimntung, bafj eine jur Ausführung ober 33erteibigung oon 
Stedten getane Aeufjerung ftrafbar fei, wofern bas 5Bon 
banbenfein einer Seleibigung aus ber gorm ber Aeufjerung 
ober aus ben Umftänben, unter welchen fie gefächen, beroor= 
gebe, nicht erfennen. 2BaS pnächft bie Folgerung aus „ben 
Umftänben, unter welchen" bie Aeujjerung gegeben, betrifft, 
fo erbeHt febon aus bem SBortlaut beS ©efefceS, baff bi e ^ nter 
nur fofehe Umftänbe oerftanben finb, welche bie £anblung bet 
Aeufjerung begleiten, wie bie 2trt ber Sefanntmachung, 3 e >t 
ober OrtSoerbältniffe (SBorte beS württ. ©t.©.33. oon 1839 
Art. 290. 2lbf. 2). ®ieS geigt auch bie gufammenftellung ber 
„Umftänbe" mit ber „gönn" ber Aeufjerung, b. b- ber äuge-- 
ren ©rfcheinung ber Äunbgebung, ber Art beS Ausbrucfs im 
weiteften ©iitn beS SBorteS, bie ©leichfteUung beiber SKomente 
binfi<btti<h iE)rer rechtlichen ©rbeblichfeit, welche ©leichfteUung 
auf eine als oorbanben erachtete SBefenSgleichbeit berfelben 
binweist. S'iidjt ininber ergibt es fi<h aus bem ©inne beS § 193 


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B. in ©iraffa<$en. 13. 


191 


bes ©t.@.B., burdß weiten auSgefprochen werben foE, baß eine 
— Aicßtachtung futtbgebenbe unb als fofc^e non bem fi(f> 
Aeußernben erfannte Aeußerung gleichwohl bann, wenn fie 
Iebiglidj ju einem berechtigten 3toecfe r wie bem ber AuSfüb= 
rung eines Siebtes, gefcßiebt, um ber fRecßtmäßigfeit ißreS 
3wedeS willen ftraflos, baß fie nur bann ftrafbar fein fülle, 
wenn bie burcß biefen 3^ für bie Aeußerung gezogenen 
SeredbtigungSgrenjen bewußt iiberfc^ritten werben, alfo wenn 
mit ber getbanen Aeußerung nicßt blo§ jener rechtmäßige 3med 
nerfolgt, fonbern sugleidß mit bewußter fRedhtSwibrigfeit bie 
©ßre eines anbem angegriffen wirb, unb wenn bieS burcb bie 
Art unb SBeife ber Aeußerung einen erfennbareit AuS= 
brud gefunben bat. ©emjufolge fattn barin, baß, wie auf 
©runb tbatfäcßticber Beurteilung ber Sachlage angenommen 
wirb, eine Unterfcßlagung oon feiten bes ißrioatflägerS nach 
ben Umftänben nicht bat in grage fornmen fönnen, ein Um= 
ftanb, unter welchem bie Aeußerung gefdhab, ntdjt gefunben 
werben. UeberbieS befteßt ein äBiberfprudß jwifcben biefer An= 
nähme unb ber ^eftfteEung, baß ber Stngeilagte bie Aeußerung 
äur Ausführung unb Berteibigung oon Rechten getßan habe, 
fofern — wie nicht ju bejweifeln — angenommen ift, eine 
Unterfdjlagung oon feiten beS ißrioatflägers habe auch für 
ben Angeflagten nicht in g*age fornmen, oon ihm nicht 
einmal oermutet, felbft nicht als möglich gebacßt werben fön= 
nen, unter biefer BorauSfeßung aber nicht unterteilt werben 
fann, baß er, inbem er bennoch in Berfolgung feines 
AnfprucßS mit folgern Bejid)t gegenüber bem Anwalt fei= 
neS ißroseßgegners aufgetreten, bie ben ©egenftanb biefer An= 
flage bilbenbe Aeußerung „jur Ausführung eines SiedjtS" 
getban habe. $enn nur eine Aeußerung, welche ber ficb 
Aeußembe als eine berechtigte ©eltenbmacßung eines 9te<htS= 
anfprucßs anfießt unb aitfe^en barf, genießt ben ©cbuß beS 
§ 193 ; eine folcße Aeußerung liegt aber nicht oor, wenn ber= 
felbe an bie BJabrßeit ber ^fjatfacße, auf welche aEein ober 
wenigftenS wefentlidß er feinen Anfprud) ftüßt, nicßt einmal 
glaubt. 


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192 


Sntfdjeibungen beä Dberlanbeägeridjtä. 


5Die weitere 2Iufftettung, baft bie oon bem Stngeftagten 
bet bem 93eji<^t ber „$interfdtagung" gemähte jotm ber 
Steigerung eine offenbar bewufjtermafjen über bie SSerteibigung 
unb 2tuäfüt)rung oon Stedten Ijinauägeljenbe, abfidtlid betei= 
bigenbe fei, Iäfjt nidt erf ernten, b afj baä SBerufungägeridt 
Ejiebei oon einer bem ©inne beä ©efefceä entfpredenben 2tuf= 
faffung beä SBegriffä „gorrn", alä ber 2lrt unb SBeife ber 
2leu§erung — im ©egenfa$ ju beren burd ben $wecf flered^t= 
fertigten gntjalt — auägegangen ift. ©ine Segrünbung 
biefeä Sluäfprudä fefüt oollftönbig, fann aber nadj ber 33e= 
fdaffettl)eit ber Steuerung feineätoegä entbehrt toerben, unb 
bieä um fo weniger, atä ber 2tuäfprudf, bafj baä SBort „|)in= 
terfdlagung" bie feftftefjenbe unb unjweibeutige 23ejeid)nung 
beä SSolfä für baä Vergeben ber Unterf^tagung fei, in feiner 
2Beife bie 2tnna^me auäbrücft, bafc baä SBolf biefe 33e$eidnung 
bann unb nur bann gebraudje, wenn eä ftd^ mittetä berfetben 
einer befdimpfenben 2lrt beä Stuäbrudfä bebieiten wolle, 
unb bafj biefetbe, im oortiegenben gatte über ben itjren gn-- 
^ alt bilbenbett Söejid^t fnnauägeljenb, wirflid ein befdhnpfem 
beä ©epröge an fidj trage. 

&iernadj wirb bie erfolgte Slnwenbung beä ©trafgefefjeä 
burd baä geftgeftettte nidit gereditfertigt. ©benfowenig aber 
fann in ben gegebenen geftftettungen eine jureidenbe ©runb- 
lage für eine greifpredfjung beä 2tngeftagten gefunben werben. 
@ä ift bafjer baä Urteil, foweit eä burd Steoifton ange* 
fodtett ift, nebft fämttiden it»m ju ©runb liegenben geftftel- 
Iungen aufjuljeben unb bie ©ade infoweit jur anberweiteit 
SSerijanblung unb ©ntfdeibung an baä Serufungägeridt ju= 
rüdjuoerweifen." 


14. 

Ifällt ein ^ntiegeridjtsfdjmber , nieldjer mit einer bei bem 
3imt0gerid)t in üntrrfudjungsljaft befinblidjen JJerfon ben ?ei= 
fdjlaf ooUjieljt, unter ben § 174 bes 

Straffenat, BefdjI. u. 8. 3uni 1887. |lr. 141, o. 1887. 


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B. in ©traffac^en. 14. 


193 


„$>ie älnflagefdjrift [teilt ben 2lngef<hulbigten, roeM&er nach 
ben ©rgebniffen beS norbereitenben Verfahrens bringenb oer= 
bärtig ift, roährenb feiner JHenftftellung als ©eridhtSfdjreiber 
beS 2tmtSgeriihtS mit ber bamalS bei bemfetben in Unter= 
fuct)ungäf)aft geroefenen 3t. ©. non ®. ben Söei[cf)Iaf ooftjogen 
ju haben, junächft unter bie 3- 2 beS § 174 beS ©t.©.B., 
inbetn fie ihn, roeil er in bem gegen biefelbe eingeleiteten Vor= 
oerfahren bei beren gerid^tlid^er Vernehmung als Vrotofollfiihrer 
©icnfte geleiftet, als einen Beamten anfveht, ber gegen biefe 
^ßerfon eine llnterfudfjung ju führen gehabt habe. 2lHein biefe 
Sluffaffung roiberfpricht foroohl bem SBortfinne, als audh bem 
bejüglid) eines bloß bei ber BeurEunbung non UnterfudjungS* 
hanblungen mitroirfenben Beamten nid)t jutreffenben ©runbe 
beS ©efefceS, welches bei feiner ©trafbeftimmung non bem 
jmifdhen bem UnterfuchungSbeamten unb bem Befchulbigten 
beftehenben ©eroalts=, bejiehungSroeife 2lbhängigfeitSnerhält= 
niffe auSgeht, baS für ledere $erfon ein befonbereS ©chuf}= 
bebürfnis begrünbet. 

©obann finbet bie 2lnflage bie 3 - 2 beS genannten ^3a- 
ragraphen anroenbbar in ben SBorten „Beamte, welche in ©e= 
fängniffen befdhäftigt ober angeftellt finb, wenn fte mit ben 
in baS ©efängnis aufgenommenen ißerfonen ungültige £anb; 
lungen nornehmen." 2lu<h bie VorauSfefsungen biefer Beftim= 
mung finb in Beziehung auf einen 2tmtSgericf)tSfcE)reiber nid)t 
norhanben, roeil ein folget unsroeif eihaft ein in ©efängniffen 
angeftellt er, b. h- jü einem ®ienft an einem ©efängnis 
berufener, Beamter nicht ift, unb roeil nach bem ©runb unb 
3roecE beS ©efefceS unter ben in ©efängniffen befchäftigten 
Beamten nur folche oerftanben fein Eönnen, welchen , roenn= 
gleich blofj oorübergehenb, bie Verwahrung unb Verpflegung 
ber ©efangeneit einer ©efangenenanftalt ober bie Beauffi<hti= 
gung ber 3lnftatt übertragen ift, bie Beforgung folget ©e-- 
fdhäfte aber ju ben ©ienftobliegenheiten beS 2lnitSgeri<htS= 
fdhreiberS nicht gehört, mithin ein bienftlüheS Verhältnis bes* 
felben ju ben in baS amtSgerichtliche ©efängnis aufgenonu 
menen ißerfonett nicht befteht, unb fomit für ihn ber oom ©e= 


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194 


©ntfdjeibutigen bei D6ertartbe8geri$t3. 


fefc oorauSgefe|te Slnlajj jur Un}ucf)t mit biefert ißerfonen nid)t 
gegeben ift, rote bernt auch ber Slngefchulbigte nur burdj eigero 
mächtiges SBegnebmen ber ©efängnisfchlüffel ben gutritt ju 
ber (befangenen ficE> oerfcfaffen fonnte. 3)ur<fjauS ofjne ®e= 
lang hinfic&tüch ber Slnroenbbarfeit biefer Seftimmung auf bas 
angejeigte £hua beS Slngefchulbigten ift bie Stellung bes 2lmtS= 
geridhtsfchreiberS als eines Beamten beS ©ericljts, mit roelchem 
baS betreffenbe ©efängnis oerbunben ift, foroie ber Umftanb, 
bafj ben Slngefchulbigten bie ihm als ©erichtSfchreiber oblie= 
genbe ißrotoMführung in einem ©efängniSgelafi — unb fonftige 
}u feinem ©efdhäftSfreiS gehörige ®ienftoerrichtungen in anbere, 
als bie }ur SSerroahrung ber ©efangenen bienenbe Staunte beS 
©ebäubes, in welchem bie amtsgerichtlichen ©efängniffe ft<h 
befinben, führen tonnten. 

hiernach ift bie erhobene 33efcf)roerbe als unbegrünbet }u 
oerroerfen, unb hat bie StaatSfaffe bie Soften beS 3techtS= 
mittels ju tragen." 


15. 

Jliebftaljl ober betrug? 

Straffend ilrt. o. 8. Piirj 1882. H.S. g. % 5. u. (f. 
Mr. 42 o. 1882. 

©ic thatfäöhliche Sinnahme beS SJerufungSgeriditS ging 
bahin, ber Slngeflagte habe in ber geit oom 93tai bis um bie 
SJtitte SlooembcrS 1881 über acht Staummeter gehauenes Stock 
hol}, roelcheS £ol} er betn SRüller Ä. %. oott 33t. oerfauft unb 
fofort an ber Stelle, roo es im 2Balb aufgebeigt gelegen, über= 
geben gehabt, roiffenttidj rechtäroibrig }u feinem Vorteil oer= 
fügt, inbem er möglidherroeife bie Hälfte biefes $ol}eS }u 
eigenem S3erbraudh abgeführt, j ebenfalls uttb minbeftenS 
aber oier Raummeter »on bemfelben bem $. baburch endogen, 
baff er fie an einen ober }roei Slnbere, S3. u. Q., welche er in 
ben ©laubcn oerfefct, bafe biefeS £öl} fein Eigentum fei, oer= 


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B. in ©traffadjen. 15. 


195 


fauft fja&e, worauf biefe biefelben für ftcfj abgeführt haben. — 
®ie ©traftammer hat tn bem fraglichen ßanbeln bei 2lnge= 
Ragten einen SDiebfta^l gefeheti unb biefe 2luffaffung in fob 
genber SBeife begrünbet: ©eien biejenigen oier ^Raummeter 
ßolg, weldhe ber StngeRagte, um fie für ftdf) ju oerbraudhen, 
aul bem SSalbe fortgefdhafft, oon bem an $. oerfauften ßolge 
gemefen, fo habe fie ber ÜlngeRagte burch bie gebadete ßatib= 
litng in ber Slbfidht, ftdfj biefe frembe ©adbe redhtlmibrig gu= 
jueignen, bem roeggeitommen. ©oroeit aber bal oon bem 
SlngeRagten an %. oertaufte ßotj unter bem fpäter oon ihm 
an 33. ober an 3. oerfauften ßolge gemefen, tomme in ®e= 
tradfjt, bah ber SlngeRagte, um bal mit biefen abgefdhloffene 
33erfauflgefdhäft gum 33oIIgug ju bringen, benfelben bal an fie 
oerfaufte ßolj gu übergeben, foldhel baher, foroeit el nicht 
gu feinem ©igentum gehört, gunächfi in fein Vermögen gu 
bringen, b. h- fi<h jujueignen, unb gu bem ©nbe aul ber 33er- 
fügunglgetoalt bei $. in feine eigene ju bringen gehabt unb 
bieff baburdh gethan habe, bah er bei 33. ober bei 3 ., oon 
toeldjen ber ©ine ober ber Slnbere bei ßolgel burch beffen 
SBegnahme oon ber ©teile, roo el gelagert gemefen, unter 
Sluöfchliehung ber 33erfügunglgeroalt bei % fidh bemächtigt, 
all feiner Sßerfjeuge jtch bebient habe, monadh el rechtlich 
feine, in ber Slbftdht, fi<h biefel frembe ßolj redhtlmibrig 
jujueignen, gefdhehene ßanblung gemefen, burdh meldhe auch in 
biefem Jalle bal ßolj bem ©igentümer unb Inhaber roeg= 
genommen morben. 

®al 9teoiftonlgeri(ht bagegen hat aulgefprodfjen, bah bie 
(allein) für erroiefen erachtete 2lrt ber Verfügung über g.’l 
©igentum nicht ©iebftahl fei. ®ie 33egrünbung lautet fol= 
genbermahen : 

„©inen ®iebftaf)l begeht, roer eine frembe beroeglidhe 
©adhe einem SKnbern in ber Slbfidht roegnimmt, biefetbe fich 
redhtlmibrig jugueignen. SBefentlidf) ift alfo eine S^atigfeit, 
burdh tt»el<he bie ©adhe nidht nur bem ©eroahrfam bei bil= 
herigen 3nhaberl entgogen mirb, fonbern auch in ben bei 
®ieb! übergeht, unb, mit biefer Xhätigfeit oerbunben, bie 


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196 


ßntfcßeibungen beS DberlanbeägericßtS. 


recßtSroibrige Stbßdßt, burcß foldße Seßßergreifung bie ©adje 
fidf) jujueignen. ®ie in ben UrteilSgrünben gegebene ®ar= 
legung beS ©adßoerhatts aber, toonadß 95. unb 3 ., bejto. 
©inet berfelben baS betreffenbe $ol$ in gutem ©tauben als 
ißnen rechtmäßig oerfauft toeg= unb an fidß genommen, bieS 
alfo in ber 2lbfic^t, baS &olj fidh jujueignen, getfjan haben, 
fann nicht als feftgeftellt erflehten taffen, baß ber 2lngeflagte, 
inbem er bie ©enannten ober einen oon ihnen ju einer in ber 
eben bejeidßneten Stbfidht gefdhehenen 33efißnaßme oeranlaßte, 
baS fraglidhe £olj für fich habe »egnehmen taffen, fofern 
er fich ^ieburch nicht einmal für eine ganj furje $eit jn betm 
fetben in ein förderliches Söerhättni^ , roetdßes ihm thatfädhtidh 
bas pßjjßfdße Vermögen, barüber ju oerfügen, gemährt hätte, 
oerfeßt hat unb hat oerfeßen rooHen. liefet Stuffaffung fteht 
nicht entgegen ber in ben UrteilSgrünben enthaltene 2luSfprucß, 
ber 2lngeflagte habe baS fraglidhe $olj fidh jugeeignet unb ju 
bem ©nbe aus ber SBerfügungSgeroalt bes in feine eigene 
gebracht. 2)enn ^iernit ift nidht eine thatfädhlic^e $eßßeUung, 
fonbern eine ber Prüfung bes ffteoifionSgeriößtS untertiegenbe 
rechtliche Folgerung aus ber thatfächlidhen geftßeUung gegeben, 
geßlt es hiernach inforoeit an bem gefeßtidhen fBterfmal ber 
SBegnaßme auf ©eiten bes ülngeflagten, fo fann unerörtert 
bleiben, ob roirflidh unb jtoar ohne fRecßtSirrtum feine auf 3 U - 
eignung ber betreffenben Sache felbft gerichtete 2lbß<ht, beren 
Mangel gleich bem erfteren bie ©teHung ber SChat unter bas 
©trafgefeß über ben 3>iebftahl hindern mürbe, feftgeftellt iß. 
SJtuß bemgemäß bie Annahme, baß bie allein feftgefteHte Slrt 
ber redhtSmibrigen Verfügung bes Slngeflagten über — bem g. 
gehöriges $olj einen SMebftaßl barfteHe, als rechtsirrtümlich 
gelten, fo ift baS Urteil, foroeit es angefoeßten iß, als auf 
einer 93erleßung beS ©efeßeS burcß unrichtige Sfmoenbung bes 
©trafgefeßeS berußenb aufjußeben. UebrigenS ift, roeil in ben 
bieSfaHS oon bem ^Berufungsgericht für ermiefen eradßteten 
^hatfaeßen bie gefeßlidßen Stiferfmale beS Setrugs ooUftänbig 
ju ßnben ßnb, bie ©adße jur anbermeiten SBerßanblung unb 


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B. in ©traffadjen. 16. 197 

(gntfdjeibung über bie Slnwenbung beS ©efeßeS an bie Straf= 
fammer äurüctsuoerweifen." 


16. 

ftecßtmäßigkeit ber ^mteausübung bei bem getreten einer 
mit ffiiiitäroerbot belegten SBirtfdjoft betjufs beren Seuilton 
burrfj eine PilitärpatrouiUe ? — St.föJ. § 113. Jtbf. 3. 

Straf fenat, itrt. n. 9. 3uni 1886. H.S. g. 3. 3. ?3. in f. 
unb <6. üt. 164 n. 1886. 

SDie eingelegte Stenifion wirb auf Anfechtung ber Berur= 
teilung ber Angeflagten 2)?. 33. wegen SBiberftanbS gegen bie 
(Staatsgewalt befchränft unb auf Berleßung beS materiellen 
SRecijtS geftüßt. @S roirb geltenb gemacht, baß in ber bett 
©egenftanb ber 2Inf tage bilbenbett ©rflärung ber Angeflagten 
eine ftrafbare 2BiberftanbSt)anblung nicht ju erfennen fei, fo= 
fern fie »on berfelben lebiglicß in SBaßrung ihres &auSre<htS 
getljan worben, unb biefem im Str.©.Bu<h auSbrüd(id) aner= 
fannten Siedete gegenüber bie Amtsausübung beS mit ©ewalt 
bebroßten SRitgliebS ber bewaffneten 2Jtad)t nicht als eine 
rechtmäßige erfdheine. 

®aS Berufungsgericht hat in Beziehung auf bie gebachte 
2tnf<hulbigung feftgefteEt, baß bie Angetfagte am 25. ©ejjember 
o. !3ahrS 2tadhtS in ihrer 2Birt)<haft ju S. bem in ©erneim 
fdhaft mit einem Sergeanten mit Aeoifion ihrer mit 3Jti(itär= 
o erbot belegten SBirtfchaft beauftragten llnterofßjier S. beS 
XUanenregimentS — , um ihn in biefer bienfttidßen §anblung ju 
hinbem, mit ber &anb jum Schlage ausholenb, bie 2Borte 
jugerufen : 

„Sie haben hier nichts ju fchaffen! wenn Sie nicht 
machen, baß Sie hinauStommen, fcßlage ich 3haen eine Dßt= 
feige hin" (ober: „eins ins ©eficf>t") i 
— woburdh ße einem -fititgliebe ber bewaffneten Btadßt in 

3a$rbü$er t>. ffllirttembg. Sictytspflege. I. 14 


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198 


Sntfdjeibungen beä Dberlaabeägerichtä. 


rechtmäßiger äluäübung feinet 2)ienftes butch Bedrohung mit 
©etoalt SBiberftanb geleiftet ^abe. 

Sie 2lufftedung, baß bie 2luäübung beä Sienfteä, in toeU 
djem SBiberftanb geieiftet toorben, feine rechtmäßige geroefen, 
mirb oon ber 9teoifion bamit begrünbet, bafj roeber baä @ar= 
nifon3=$ommanbo £., nodE) baä ftotnmanbo beä genannten 9te= 
günentä, nod) irgend eine anbere militdrifctje Behörde befugt 
fei, baä bürgerliche £>auärecht gegen ben SBitten beä Berechtig* 
ten durch ©inbringen in beffen SBoßnung ober ©efchäftäräume 
ober durch Beranlaffung foldjen ©inbringenä ju alterieren, weit 
bie 3‘ oe< äe , toeldje bie militärifche Behörde mit einem 4?auä* 
oerbot oerfolge, alä lediglich baä biäjiplinarifche Berfjältniä 
ber SDlilitärperfonen angehend, biejenigen, gegen welche baä 
Verbot ergangen fei, nicht berühren, baß baher baä ohne ®e* 
netjmigung ber BMrtfchaftäinhaber erfolgte betreten ber Söohn* 
unb ©efchäftäräume betreiben oon feiten ber 3Jiilitärpatrouitte 
ein lüiberrecfitlidjeä ©inbringen unb inäbefonbere beren Ber* 
weilen gegen ben SZBillen ber berechtigten ein unbefugteä ge* 
roefen fei. 

Shatfädhüdh ift feftgeftedt , baß bie B.’ßhen (Sheleute ber 
Patrouille, alä biefe in bienftlichem 2luftrag behufs ber IRe- 
oifion ihre 2Birtfd)aft betreten gehabt, jugerufen haben: 

„fDiacht, baß 3h r fnnauäfommt, 3h* h a &t b« nidjtä ju 
fchaffen!" fowie baß auf bie Srohuitg hi« biefelbe fich ange= 
fdhicft habe, auä ber fBirtfdjaft fi<h ?u entfernen, ©in außer* 
halb ber ©renjen bienftlidjer Shätigfeit getegeneä Benoeilen 
ift fonadj nicht feftgeftedt. <g>infid)tlid) ber Berechtigung ber ftatt= 
gehabten bienftlidjen Shätigfeit aber fommt folgenbeä in Be* 
tradjt. Ser oon ber ÜRilitärbehörbc mit jenem äßirtfchaftä* 
oerbot unb folgetoeife auch ber mit bem in grage ftehenben 
bienftlidjen Auftrag oerfolgte 3roecf mar, roie aud) oon ber 
Sieoifiott anertannt roirb, bie ©rhaltung militärifcher Sisjiplin. 
Siefe ift aber eine g° r ^ erim 9 beä ©etneinmohlä, ihre 4>anb= 
habung im öffentlichen 9ted)te begrünbet, unb bie Bornahme 
einer folchen bienftlidjen ^anblung, welche alä ein hie?u not* 
joenbigeä Mittel fich barftedt, muff alä eine rechtmäßige 2tu3* 


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ß. in ©traffadjen. 17. 


199 


Übung bes DienfteS aneriannt werben; benrt es liegt folgen 
galleS ein befonbereS 33erEȊltniS oor, welches ben berufenen 
öffentlichen Organen ein 9ied)t oerleiht, in frembe 3Bot)n= ober 
©efcf>äftSräume einpbringen. 58 on biefer Slnfdjauung aus, 

weiche unjroeifel^aft auch bem ÖerufungSurteil ju ©runb liegt, 
fann nicht angenommen werben, baß bie erfolgte SInwenbung 
beS ©trafgefeheS auf fRechtSirrtum beruhe. Die eingeiegte 
Steoifion ift fomit als unbegrünbet ju oerwerfen, unb nach 
§ 505 SIbf. 1 ber ©t.$=D. finb bie Äoften beS ^Rechtsmittels 
ber Söefchwerbefü^rerin aufeuerlegen". 


17 . 

„ßerteiöigung im ßoroerfaljren “ ©ebtiljrcnorbnung für 
ßedjtsanwälte § 67. 70. (ßergl. 8. 55.) 

8traffenat 22. 3uni 1887. ß. 8. g. ßlj. Jt. in 8t. 
u. ©., wegen ßiebJtaljU u. n. ß., ßr. 151 o. 1887. 

SRechtSanwalt §R. hat wegen DurchftrichS feiner 2inred) : 
nung für „^C^ätxgfeit im Soroer fahren" S3ef<hwerbe erhoben. 
Die hierauf ergangene ©ntfdjeibung ift folgenbe. 

„Der bei ©rlaffung ber im § 199 ber ©t.^.D. oorge= 
fhriebenen Slufforberung jum SSerteibiger ber Slngefchulbigten 
SB. ©dj. unb SB. ©. oon SlmtSwegen beftelite SJefdjwerbefühter 
hat feine Slnrechnung oon 15 M. für „Dhätigfeit im 33oroer= 
fahren" bamit begrünbet, baß er oorßröffnung bes 
$aup to erfahtenS bie Sitten eingefehen, aus benfelben bie 
nötigen Stbfchriften habe fertigen laffen unb oon jenen beiben 
atngef chulbigten burch Unterrebung mit ihnen $nftruftion ein- 
gezogen habe. @r hat überbieS in feiner S3efchwerbef<hrift 
gegenüber ber Sinnahme ber ©trafiammer, baf? biefe |>anbi 
lungen iebiglich ben $wed ber Information jur Rührung bet 
93erteibigung im ^auptoerfahren gehabt, geltenb gemacht, baf; 
fein ©injiehen oon Qnftruftion ebenfowohi bie S3erteibigung ber 
Slngefchulbigten gegen bie ©röffnung beS £auptoerfahren3, wie 

U* 


jF 

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200 


©ntfdjeibungen be<8 D&erlanbeSgeridjtS. 


eoentuetl bie ©rmögliChung ber für bie Vorbereitung ber $aupt= 
oerhanblung nötigen Inträge jurn 3n>e<f gehabt habe. Site 
richtig anjuerfennen ift, baß bie angeführte SE^ätigfeit im Vor* 
»erfahren entroiCfelt morben, unb baß es hiebei beS VefChtoerbe= 
fiihrerS nächfte lufgabe geroefen ift, §u prüfen, ob er bie 
Vornahme einzelner Vetoeteerhebungen oor ber fpauptoerhanb; 
fung ju beantragen ober Sinroenbungen gegen bie Eröffnung 
beS $auptoerfahrenS oorjubrhtgen f)abe. ®a feboch biefe — 
raie nicht ju bejtoeifeln, — toirfliCh oon ihm oorgenommene 
Prüfung ju feineriei Anträgen, ©efudjen ober (Srflärungen 
geführt hat, fo fann im |>inblicf auf § 70 ber ©ebührenorfc 
nung für RechtSanroälte, ber funbgibt, baß ju einer Verteil 
bigung irgenb toelche auf SluSübung ober Verteibigung oon 
Varteiredjten ober auf SBahrnehmung oon ißarteüntereffen 
eines Vefcßutbigten gerichtete erlennbare SChätigfeit eines 
VerteibigerS erforbert roirb, foroie im föinblid auf ben 3 U: 
fammenhang unb ben ©eift beS ©efefceS nicht angenommen 
ro erben, baß oon feiten beS VeßhtoerbeführerS eine nach 3)taf- 
gabe beS § 67 §u oergütenbe Verteibigung im Voroerfahren 
ftattgefunben habe. 

®ie eingelegte VefChroerbe ift fonacß als unbegrünbet ju 
oerroerfen, unb ber Vefdjtoerbeführer hat gemäß § 505 3lbf. 1 
ber ©t.^p.D. bie Äoften beS Rechtsmittels ju tragen." 


VU. 

$ft gegen jjlerfonen, tneldje $ur Jeit ber Segeljung ber 
®l)at bas adjtjeljnte febensjaljr nodj nid)t nollenbet tjatien, 
bie (ffrlaffung eines amtsrid)terlidt|en Strafbefehls ftatttjaft ? 

3u gutäChtliCher Sleußerung über biefe ffrage oon bem 


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Sbljanblung. VII. 201 

St. ^uftijjninifterium aufgeforbert, fiat jtdj ber Strafsenat am 
19. Januar 1881 auägefprodjen rote folgt: 

„$te $rage ber Stattfjaftigfeit amt^geric^tlid^er Straf; 
befehle gegen ^erfonen, reelle jur geil ber Begebung ber ftraf= 
baren ^anblung baS 18te SebenSja^r nodf) nid^t ooHenbet Ratten 
— worüber roir uns pfotge be3 Rolfen ©rlaffeä t>om 21. oor. 
SJtonatä gutädjtlid) p äuffern traben — ift ©egenftanb ber 
Äontrooerfe unter ben SBerfaffern non Kommentaren unb £ef>r= 
büdfiern über ben beutfdtjen Strafprojefj. 

Söroe unb 2) alf e erftären bie ©rlaffung etneä Strafe 
befef)l3 gegen Sßerfonen, roeldEie pr 3eit ber fElfat 18te 
Sebenäjafir nod> nidfjt ooHenbet Ratten (St. ©.33. § 57), für 
unftattfiaft, roeit ba3 ©eridjt einen folgen 33efcfjulbigten oor 
fiä) fefien müffe, um beurteilen (feftfiellen) p fömten, ob er 
bei ber 3S|at bie pr ©rfenntniä itjrer Strafbarfeit erforber= 
lidje ©inficfjt befeffen fjabe. 2tu3 bemfelben ©runb wollen 
biefe Kommentatoren audfi ba§ Ungefiorfamäoerfaljren beä 
§ 231 ber St.Sß.D. gegen foldfje Sßerfonen nicEit plaffen 1 2 ). 
(3)ie gleite $rage fönnte wollt audlj erhoben werben bei bem 
33erfafjren be3 § 232, bei welkem ber SIngeflagte nicfjt oor 
bem erfennenben ©eridit, fonbern nur oor einem fommiffa= 
rifd^en Stifter }u erfdjjeinen fiat, unb bei bem 93erfafiren be3 
§ 319 ber St.$ß.D.). 

®er gleiten Stnfidtit ift S0teoe8 a ) unter folgenber 33e= 
grünbung : 

„2)a3 ©efeö geftattet, baf 3 ber 33ef<f)ulbigte, wenn infolge 
„feinet ©infprudfjä pr ^auptoer^anbtung gefdfjritten werben 
„mufe, in berfelben fiel) burd) einen 33erteibiger oertreten taffen 
„fann. ®a nun gegen eine ißerfon unter 18 Qafjren ein 
„Strafurteil nur erlaffen werben barf, nadfjbem oorfier bie 


1) 28 me, Kommentar gu § 447 9t. 4. 0. 874 unb gu § 231 
5t. 2. S. 596; Stalle, Kommentar gu § 447, 9t. 4. ©. 293 unb gu 
§ 231, 9t. 3. ©. 153. 

2) §ol$enborff, §anb6udj beS beutfdjen ©trafprogejiretfitS II. 
0. 387. 


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202 


2I6fjanblungen. 


„©trafreife berfelben gemäfj § 56 beö ©t.©.V. auSbrüdlicb 
„feftgefteHt roorbcn , belpfS Grmöglidpng biefer geftfteHung 
„aber bie Slnwefenbeit betreiben in ber ^auptoerbanblung er; 
„forberlicb ift, fomit ihre Vertretung burcb einen Vertcibiger 
„unftattbaft wirb; ba ferner ber ©trafbefebl felbft auf ber 
„VorauSfefpng ooHenbeter ©trafreife ruht unb ihm eine Unter- 
„fucbung beS ©eifteSpftanbeS beS Vefdjulbigten nidjt ooran= 
„gelten fann, erfcbeint ber Grlafi beSfelben gegen foldje fügend 
„lic^e fßerfon auSgefd)loffen". 

^Desgleichen ®o<how, „ber SteichSftrafprojef}" : 
„2luSgef<hloffen ift bie Grlaffung eines ©trafbefebls gegen 
„einen Vefdjulbigten, ber baS 18te i'ebenSjabr noch nic^t ootb 
„enbet bat, ba oor feber Verurteilung beSfelben feftgefteHt 
„werben muß, ob er bie pr Grfenntnis ber Straf barf eit einer 
„£anblung erforberticfie Ginfidjt befeffen bat, ober nicht." 

3n gleicher Stiftung, bodb weniger beftimmt briieft ft<b 
ber Kommentar oon Vombarb, ©. 325 auS: 

„gegen ^erfonen, welche pr 3ett ber X^at baS 18te SebenS- 
„jabr noch nicht ooHenbet batten (©t.S.V. § 57), wirb bie 
„Grlaffung eines ©trafbefebls nicht ftattbaft fein, weil baS 
„©eridjt in ber Siegel nur bei perfönlichem ©rfdjeinen toirb 
„beurteilen tonnen, ob ber Singeflagte bei Vegebung ber $Db at 
„bie pr Grfenntnis ihrer ©trafbarteit erforberliche Ginficbt 
„befafj." 

Stuf ber anbem ©eite ftebt ©cbwarse in feinen „Gr= 
örterungen aus bem beutfeben Strafprojeprecbt," wo ©. 5 
gefagt ift: 

„$er 3n>eifel gegen bie 3uläffigfeit (beS ©trafbefebls gegen 
„einen jugenblidjen Verbrecher) entftebt aus ber Veftimmung 
„in § 57 bes ©t.@.V., nach welker bie Veftrafung einer 
„noch nicht 18 $abre alten ißerfoit oon ber auSbrücflicben 
„geftftellung abhängt, baß ber Später bei Vegebung ber 
„ßanblung bie pr GrfenntniS ihrer ©traf barf eit erforberliche 
„Ginficht befeffen. SDiefe geftftellung fann nur auf eine genaue 
„Unterfudpng ber ^nbioibualitat beS S^äterS, ber Violine 
„ber 3: bat u. f. w. geftü^t werben, fie ift aber auch in ber 


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2U>Ijanblung. VII. 


203 


„Begrünbung beS ©trafbefehls unbebingt crforberli«^. SBenn 
„nun ber 3weck unb (Eharatter beS ©trafbefehls gerabe in 
„einer alsbalbigen, non norfjerigen (Erörterungen unabhängigen 
„©traffeftfehung beruht, fo gewinnt eS ben Slnfchein, baß bie 
„erwähnte grage ju »erneinen fei. Stilein eine oorherige 

„fummarifche (Erörterung ift weber bem SlmtSanwalte, nodh 
„bem SlmtSrichter gerabeju »erboten. Säht fich bie (Erkenntnis 
„ber ©trafbarfeit burdf eine Befragung beS £f)äterS ober 
„feiner Singehörigen, feiner Sehrer u. f. w. gewinnen — wo= 
„bei auf bie Statur beS Delikts unb bie üermutlidje Stuffaffung 
„berfelben bei einer jugenblichen ißerfon mit 3tü<ffid)t ju neh= 
„men ift — fo würbe eine folche Befragung wohl juläfeig 
„fein, (Ebenfo können auch Borbejtrafungen beS 2häterS, 
„wie einzelne Umftänbe ber Begehung felbft genügenben Stn= 
„halt gut geftfteßung ber „Erkenntnis" gewähren." 

©egen biefe Begrünbung wenbet X 0 <h 0 w a. a. D. 
9t. 8 ein: 

„©djwarge will hier ben ©trafbefehl julaffen, wenn bie 
„(Erkenntnis ber ©trafbarfeit oother feftgefteßt werben kann; 
„afletn baS foß nur burch ben Stifter unb für feben gaß 
„befonberS gefchehen, fo bah felbft Borbeftrafungen beS fügend 
„liehen Xh“terS bie geftftefiung ber Erkenntnis in einem neuen 
„gaße nicht erfefsen können." 

(Enbtid) bemerkt © et) e r, Sehrbuch beS gemeinen beutfehen 
©trafprogehrechtS, ©. 871. 9t. 7: 

„®ie Äontrooerfe, ob ein ©trafbefehl gegen einen jugenblichen 
„Berbrecher (§ 57 beS ©t.©.B.) juläfjig fei '), entfeheibet 
„gang richtig ber § 15 ber Baijr. 9)tinift. Bekanntmachung 
„oom 20. Slug. 1879, welcher fagt: gegen ifterfonen, welche 
„jur 3 eit ber Shat baS 18te SebenSjahr noch nicht ooßenbet 
„hatten, ift ein ©trafbefehl nicht ju beantragen, fofern nicht 
„etwa gerichtSkunbig ober nach ber Bef<haffenhcit ber ftraf= 
„baren .fjmnblung .... mit «Sicherheit anjunehnten ift, bah 


1) S)ocf>on>, «fteiepftr. $toje& ©. 274; 3ReoeS, ©. 387; 
© <t) tu ar j e, ©. 5. 


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204 


Stbfyanbtungen. 


„biefelben bie pr ©rfenntniS ber ©trafbarfeit ber betreffenben 
„fjanblung erforberlit^e ©inficbt befifcen." 

£iemit nicht im ©inflang fcbeint p fielen , wenn ©eper 
©. 673 über baS llngeborfamsoerfabren beS § 231 ber ©t.^.D. 
unter Berufung auf Söwe, ©. 596 (f. oben), bemerkt: 

„®aS llngeborfamsoerfabren ift unpläfiig, wenn ber 2lnge* 
„flagte pr 3^ ber ®b at baS 18te Qabr noch nid^t prücf= 
„gelegt batte (§ 57 ©t.©.23.), ba baS erfennenbe ©ericht 
„ben 2lngeflagten oor fid) fet;en muß, um beurteilen p fönnen, 
„ob er bei ber SCbat bie p ber ©rfenntniS ihrer ©trafbarfeit 
„erforberliche ©inficbt befeffen bube *)." 

®em 23orgetragenen pfolge wirb bie 3ulöfftgfeit non 
©traf befehlen gegen 23ef<hulbigte, toelcbe baS 18te SebenSjabr 
noch nicht ooHenbet batten, unter Berufung auf § 56 beS 
©t.©.23. aus bem ©runb beftritten, ba& ber Sticbter, ohne 
ben 23ef<hulbigten gefeben p haben, nicht beurteilen !önne, 
ob er bei Begebung ber ®b at bie pr ©rfenntniS ihrer ©traf= 
barfeit erforberliche ©inficht befeffen habe. 

§ 56 beS ©t.©.8. beftimmt, baff ein 2lngefchulbigter, 
meldber ju einer 3^it, als er baS 12te, aber nicht baS 18te 
SebenSjabr ootlenbet batte, eine ftrafbare ^anblung begangen 
bat, freipfprechen ift, roenn er bei Begebung berfelben bie 
pr ©rfenntniS ihrer ©trafbarfeit erforberliche ©inficht nicht 
befaß, b. b- wenn ber dichter nicht bie Ueberjeugung gewonnen 
bat, baff ber Slngefdbulbigte pr 3«ü ber ®bat biefe ©inficbt 
befeffen habe. 3“ beftimmen, auf welchem 2öeg ber Slicbter 
p biefer Ueberjeugung gelangen fönne unb foEe, roar felbfb 
oerftänblich nicht Aufgabe beS ©trafgefefsbucbs , fonbern ber 
©trafpropfforbnung p überlaffen. Qnbem bie leßtere in bem 
unmittelbaren SBerfebr beS ©ericbts mit bem Stageflagten eine 
wichtige ©rfeitntniSquette fab, bat fie als Siegel aufgeftettt, 
baff oor bem erfennenben ©ericht eine ^auptoerbanblung ftatt= 
finben unb ber 2lngeflagte hiebei anwefenb fein müffe a ). 2luS= 

1) 2)ie .tommentare oon SC ^ i t o unb SJoituS f preßen ftd) übet 
bie angeregte groge nic^t aus. 

2) St.Sß.D. 6ter Ubfänitt unb § 229. 


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Stbljanblung. VII. 


205 


nahmtroeife ift beftimmt, baff bei geringfügigen ©traffadhen 
bie |>auptöerhanbtung in 2tbroefenheit bet 2lngeflagten oor 
fid; gehen fönne, unb baß fogar offne .ffauptoerhanbtung roe= 
nigftent ein bebingtet, (oortäufiget, antizipiertet) Strafurteil 
autgefprodfjen roerben fönne, baff jroar nach 3 u f te: ttung biefet 
Urteilt ber Befdfulbigte eine Dauptnerhanblung »erlangen, baff 
er fid^ aber f)iebei burch einen Berteibiger »ertreten taffen 
fönne *). 

©er gefe^geberifc^e ©ebanfe, roeldher bem befonberen 
Berfajfren bei Strafbefehlen, roie auch bem Ungehorfamtoer= 
fahren bet § 231 ber ©t.ifB.D. ju grunb liegt, barf nicht 
barin gefunben roerben, baff — bem oberften ^rinjip bet 
©trafprojeffet juroiber — ein Bericht bet Befdhutbigten auf 
£erfteHung materieller SBahrtjeit jugelaffen ober fingiert roirb, 
fonbem barin, baff bei geringfügigen ©traffactjen, bei roeldfen 
bat Beroeitmaterial in ber Sieget fehr einfach ift unb bie 
redhtlidhe Beurteilung feine ©dhroierigfeit bietet, ein Bericht 
bet Befdfjutbigten auf perfönlidhe SSerteibigung oor bem er= 
fennenben ©ericht für ftatthaft ju erachten ift, fei et, baff ber 
Befdhulbigte bei ber ^auptnerhanbtung autbleibt, ober gegen 
ben ertaffenen ©trafbefeht feinen @infpru<h erhebt. 

3n fotdhen gälten täfft et fich, unbefchabet ber 
gorberung materieller 2B a h r h e i t , aut 9iücf= 
fichten ber praftifdhen groedmäfeigfeit rechtfertigen, oon ben 
gormen bet orbentlichen Berfahrent abjuroeidjen *). 

^ienach ift baoon autjugehen, baß bie ©trafproje&orbnung 
in ben gätten, in roetdjen fie »on ber Stnroefenheit bet 2ln= 
geftagten in ber ^auptoerhanblung abfieht, gteidhroohl ben 
Beroeit intbefonbere auch ber inneren ©hatbeftanbtmerf= 
male einet ©eliftt (Beroufjtfein ber Stedhttroibrigfeit, Borfaf}), 
für bereu Beurteilung bie Bernehmung bet ülngeflagten be= 


1) et.^.D. § 449 -452. 

2 ) 0 . befonberä SJtotine 3 um (Sntnmrf bet Strafprojejjovbnung 
§§ 375—880 (0. §§ 447-452) unb §§ 193-199 (©. §§ 229—235); 
Steoet a. a. D. 6 . 283 ff. 


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206 


2I6Ij unblutigen. 


fonber» fötberlid) ift, pläfjt. nun ba§ ©efe§ tiieoon 

bepglid) ber Verjianbeäreife be3 jugenblichen Vefdplbigten, 
welche ali ein allgemeine^ 3;^atbeftanb^merEmat ber ftrafbaren 
|>anblung beleihen aufpfaffen ift '), eine Sluänahme machen 
tooUte, ift nirgenbä amSgebrüdt. 3Ran rotrb aber bem ©efefc= 
gebet biefe Stbfid^t um fo weniger unterlegen bürfen, als fidj 
nid)t roirb behaupten taffen , toebet baf? bie Slmoefenheit be3 
SIngeflagten in ber ^auptuer^anblung oor bem erfennenben 
©ericht unb ber unmittelbare SBerfetjr mit bemfelben bie un= 
bebingt unb einzig fixere GrfenntntequeQe für beffen Seiftet 
reife bilbe, nod) ba§ e£ unmöglich fei, bem dichter ohne feine 
eigene 2Baf)tnehmung über bie ißerfönlichfeit be3 SIngeflagten 
bie genügenbe Ueberjeugung oon beffen ©trafreife p oer= 
fchaffeit. 

3mar mufe — ber oben angeführten Slnfidit »on ©dhtoarje 
entgegen — pgegeben roerben, bafe bie ©trafprojefj-'Drbnung 
bem Slmtöridjter bie VefugniS nid)t einräumt, ben Vefdplbigten 
oor fich p rufen unb p oernehmen, fomit burch eigene 2Bahr= 
nefpnung oon ber Verftanbe^reife beleihen ft<h Äenntniä p 
oerfdjaffen, nod) auch fonft ba$ ihm oom Slmtäamoalt über= 
mittelte Veroetöntaterial p oeroollftänbigen 2 ). Vielmehr ^at 
ber ülmtäridjter , roenn er Vebenfen finbet, bie ©träfe ohne 
■Ipauptoerhanblung feftpfefcen, bie ©acf»e pr ^auptoerhanblung 
p bringen. ©t.$.D. § 448, Slbf. 2. 

dagegen ift e§ bem Slmtäamoalt nicht unterlagt, oieU 
mehr ift er burdh bie Sinologie ber über bie Vorbereitung ber 
öffentlichen Älage, an beren ©teile ber Slntrag auf ©rlaffung 
be$ ©trafbefeh^ tritt, gegebenen Vorfchriften angeroiefen, p 
Vorbereitung biefeS SlntragS ©rmittelungen jeber pläfjigen 
Slrt oorpnehnten ober oornehmen p Iaffen unb ba$ ge= 


1) ju ttergl. Urteil beä SB. fiaffaüonSfjofä oom 13. SBtärj 1872. 
®. »I. V, ©. 241. 

2) ©t.^.D. § 447, 2U>fa$ 1; £5 me ju $ 447. SR. 8. ©. 874 unb 
ju § 248. 9t. 4c. S. 876; 9Jteoe8 a. a, D. <S. 892; 2)od)oro a. a.D. 
©. 274. 


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aibljanMimg. VII. 207 

fantmelte ©eroetSmaterial mit feinem Antrag Dem Amtsrichter 
oorplegen ‘). 

SBährenb nun im orbentlidjen ©erfahren ba3 ©ericht feine 
lleberjeugung über bie Schulb be3 Angeflagten aus bem 3u= 
begriff ber oor ihm oorgenomtnenen ©erljanblung fdföpft unb 
hienach ba3 ©nburteil fäEt, fteht bem Amtsrichter behufs ber 
©ntfdjeibung über ben Antrag beS AmtSanroaltS auf (Stlaffung 
eines Strafbefehle nur baS in biefem Antrag niebergelegte 
©eroeiSmaterial p ©ebot. ©ei bem einen roie bei bem anbern 
©erfahren aber ift bie Ueberjeugung bes Stichlers eine freie, 
an feine oom ©efefs oorgejeichnete ©eroeismittet unb ©eroeiS= 
regeln gebunbene. ®ieS gilt oon ben inneren, roie oon ben 
äußeren SEerfmalen ber ftrafbaren |>anblung. SBäre es richtig, 
baf? bie Ueberpugung beS ©erichtS oon ber ©eifteSreife beS 
Angeflagten pr 3^it ber ^h at an bie unmittelbare ©erhanb= 
lung mit bemfelben gebunben fei, fo roäre eä bei einem ©er= 
brechen, welches längere 3eü hinter ber ©erhanblung prücfc 
liegt unb in bie 3 e ü ber $ugenb beS Angeflagten fällt, nidht 
möglich, ben ©dhutbberoeis herpfteEen, ober aber fönnte ein 
jugenblicfjer Angeflagter baburd), baß er oon feinem Siecht, 
jebe AuSlaffung p oerroeigern, ©ebraucf) macht, bie $erfteEung 
beS SchulbberoeifeS »ereiteln ; benn ber bloße Anblicf beSfelben 
roirb roohl faum bap genügen, eine lleberpugung oon feiner 
©eifteSreife p geroinnen. Auch lehrt bie Erfahrung, bah ein 
furjer perfönlicher ©erfehr mit bem Angeflagten pmal oor 
gefeffenem ©ericßt unb oerfammeltem ©ublifum feineSroegS 
immer eine fixere GrfenntniSqueEe für ben ©eifteSpftanb beS 
Angeflagten ift, bafe oielmehr anbere ©eroeiSgrünbe geeigneter 
finb, bem Stichler bie ©eurteilung ber ©erftanbeSreife beS 2Xn= 
geflagten p ermöglichen. ®ahin gehört baS ber unteren ober 
oberen gefefstichen ©renje ftch nähernbe Alter be?S ©ef<hulbig= 
ten, bie Art ber ftrafbaren |>anblung, bie SJtotioe p berfelben. 


1) ©t.^.D. §§ 151, 152, 158, 159, 168, 171, 448; S^roarje, 
©rötterungen ©. 6; SReoeS, a. a. D. ©. 392; Söroe, ju § 448. 
91. la, ©. 875. 


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208 


2l6$anblungen. 


bie Umftänbe ißrer ©egeßung, etwaige ©orbeftrafungen, ©<buk 
unb anbere geugniffe. Äein ©efeß ^inbert ben Stifter, aus 
folgen ©eweiSgrünben feine Ueberjeugung fidh ju hüben. 

3um Schuß ber ©efdhulbigten, welche baS 18te £ebenS= 
fahr noch nicht »oEenbet Ratten, unb für eine forgfaltige ©rüf= 
ung it»rer ©eifteSreife not ©rlaffung gegen fte gerichteter 
©trafbefehle bietet baS ©erfahren felbft getoiffe ©arantien. 

5lach § 449 ber ©trafprojeßorbnung muß ber ©trafbe= 
fehl außer ber geftfe|ung ber ©träfe bie ftrafbare 4?anb= 
lung, baS angewenbete ©trafgefeß unb bie ©eweiSmittel be= 
jeichnen. 2IuS ber ©ebeutung beS ©trafbefehls als eines 
bebingten Strafurteils, welches unter Umfiänben in 5ted)ts= 
traft übergeht unb wenn es $ur fmuptnerhanblung Eomrnt, 
bie ©runblage berfelben bitbet, ift ju folgern, baß baS ©efeß 
unter „ftrafbarer ^anblung" nicht etwa nur bie äußere Shat 
unb beren gefeßlicße SJierftnale begreift, fonbern baß in jebem 
©injelfaE ber gefamte Shatbeftanb ber abjuurteilenben .föanb-- 
lung, fornit auch baS EJterfmat ber ©trafreife beS fEljäterS fefb 
gefteEt werben muß '). 

^ieburdh wirb ber dichter barauf hingewiefen, oor ©t= 
Iaffung eines Strafbefehls gegen jugenblühe fßerfonen beren 
©erftanbeSreife einer Prüfung ju unterstehen unb, wofern in 
biefer ©ejiehung noch «in B^eifel obwaltet, bie ©a<he sur 
^auptoerhanblung ju bringen. 

©benbaburdh ift auch bem SlmtSanwalt feine Aufgabe oor- 
ge^eichnet; er wirb bie ©riaffung eines ©trafbefehls gegen 
einen ©efdhulbigten unter 18 Sehren nur bann beantragen, 
wenn bie S£h at unb bi e ©erfönlichteit beS 2h®terS, über weldhe, 
wenn nötig, ©rmittlungen anjufteEen finb, nach feinem £>afür= 
halten bie Einnahme rechtfertigen, baß ber ©efdffulbigte bei 
©egeßung ber Sfhat bie jur ©rlenntniS ihrer ©trafbarteit er= 
forberlidhe ©infidht befeffen habe. gubem iß, ba ber 3lntrag 
auf ©rlaffung eines ©trafbefehls an bie ©teEe ber Stnflage 

1) SReoeS, a. a. D. S. 393, 401; 25n>e ju §449. 9t. 1. S.877; 
Somljatb ju § 449. 9t. 1 u. 2. ®. 826; Schroarje ©rörtetungen, 

e. io ff. 


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3tbE)anblung. VIII. 


209 


unb ber Hnflagefdjrift tritt unb baffer ben ©rfotberaiffen einer 
fd)öffengerid)tlid)en Slnflagefdjrift entfpredjen foU l ), ber 
Simtsanroalt angeroiefen, in bem Stntrag bie gefeblidien ÜJlerb 
male ber bem ängefdjulbigten jur Saft gelegten f£ljat, fomit 
aud) baS SJierfrnal ber ©trafreife Ijeroorjuljeben unb bie Se= 
roeiSmittel Ijiefür ju beäeidjnen. ©t.iß.D. § 198. 

SBir gelangen hienad) ju bem ©rgebnis, baff bie ©rlaffung 
amtSgerid)ttid)er «Strafbefehle gegen fugenblidje iperfonen an 
fid) ftatthaft ift, baf? aber forooljl non feiten beS SlmtSanroaltS 
bef>ufs feines SlntragS auf ©rlaffung eines Strafbefehle , als 
and) burd) ben 2lmtSrid)ter not ©rlaffung eines folgen bie 
geiftige Steife beS 93efdhulbigten nadj 3Jta§gabe ber §§ 56 
unb 57 beS ©t.©.S. einer Prüfung unterjogen toerben unb, 
falls biefelbe als oorffanben angenommen roirb, bies im 2tn* 
trag, bejieljungSroeife Strafbefehl 2luSbrud finben foH. 

©omeit uns betannt, ift bie Uebutig bei ben 2tmtSamualt= 
fchaften unb Amtsgerichten beS SanbeS f)inftd)tlid) ber Strafe 
befehle gegen jugenblidje ißerfonen eine oetfcfiiebene. ®ie 
AmtSanroaltfchaft unb baS Amtsgericht Stuttgart, ©tabt, nafj= 
men bisher feinen Anftanb, foldje Strafbefehle unb ^tnar in 
jahlreidhen fällen, (oorrtehmlidj gegen rüdfäHige Settier) ju 
beantragen, be^iefjunpSroeife ju erlaffen; es fdheint für biefe 
einfache Serfal;renSn>eife ein roirflidjes SebürfniS »otljanben 
ju fein, wie es benn häufig jjugenblidje ißerfonen ftnb, non 
beiten foldje ltebertretungen unb Setgehen (fforftoergehen) be= 
gangen werben, bei welchen ein funtmatifcheS Verfahren cor= 
jugSmeife am fjStafc ift". 


YIU. 

$ft äffentüdje Aufteilung amtsridjtcrlidjcr Strafbefehle ju= 

läßig ? 

1) 28roe, ©. 875. 9t. la; Somfjarb, ©. 824; ©d^toatje, 
a. a. D. ©.7; 3Jtet>e8, a. a. 0. II. ©. 392; ©eget, S. 872; 
® o ä) o » , ©. 274. 


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210 


2t6§anblungen. 


SSon bettt Ä. Quftijminifterium beauftragt, nach oorgäng-- 
iger 33ertieljmung ber ©traffammern ber Sanbgerichte, forme 
beS OberftaatSanroaltS ftch über biefe $rage gutachtlich ju 
äußern, hat ber ©traffeuat am 29. Januar 1881 angejeigt, 
baff er, mit ben oon feinem ^Referenten in bem angefd)toffenen 
SSortrag ausgeführten ©rünben einoerftanben, biefelbe oerneine. 

tiefer Vortrag lautet: 

„®ie bem ©traffenat jur (Srroägung gegebene grage ift 
bie grage nach ber rechtlichen 3uläffigfeit ber öffentlidhen 3«= 
fteHuttg amtSridhterlidher Strafbefehle in gorftrügefadjen unb 
tu anbern ©traffachen. SMefelbe wirb oon fämtlichen ©traf= 
fammern, foroie oon fämtlichen ©rften Staatsanwälten unb 
bem DberftaatSanroalte — im 2Befentli<hen aus ben gleichen 
©rünben — oerneint, unb Referent ift ju bem nämlichen 
©rgebniffe gelangt. ®ie ©rroägungen, roelche ihn geleitet haben, 
finb folgenbe. 

2>ie öffentliche 3ufteHung einer gerichtlichen ©ntfcheibung, 
auch bie eines amtsrichterlichen ©trafbefehlS, fommt nach § 37 
ber ©t.fß.D. in ÜBerbinbung mit § 186 ber S.^.D. nur bann 
in ffrage, roenn bie im weiteren ©imte ') als petfönlidje §u 
bejei^nenbe regelmäßige 3ufteEung als unthunlidh erfdjeint, 
nämlich wenn ber Aufenthalt beS 33ef<hulbigten unbefannt ift, 
ober roenn bei einer im AuSlanbe ju beroirfenben 3“ftellung 
bie Befolgung ber für biefe beftehenben 58orf<hriften unauSs 
führbar ift ober feinen ©rfolg oerfpricht *). 

(Sine Seftimmung barüber, bafj unb in roeldher SBeife 
Strafbefehle öffentlich jugeftellt roerben fönnen, ift in 
bem baS Verfahren bei amtsrichterlichen ©trafbefehlen regeln; 
ben 1. Abfhnüte beS 6. SuhS ber ©t.iß.D. nicht enthalten unb 
ebenforoenig im roürtt. gorftftrafgefeße Art. 23 ober in ber eine 
vereinfachte 3 u ftetlungSroeife betreffenben Quftijminifterialoerfüg: 
ung »om 9. ©eptember 1879, roährenb hiüfichtlich ber 3ufteIIung 
»on Urteilen, roelche auf ©runb einer fjauptoerhanblung 


1) Sergl. S.^.D. § 158, 166—169. 

2) ffiergl ©tfl.D. § 40, 320, 473, Slotiue 3. 140. 


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StBljanblung. VIII. 


211 


gegen Abroefenbc ergangen finb, bie ©t.^.O. in ben §§ 323 
unb 476 Seftimmung trifft. @S fragt ("ich nun, ob etrca bie€- 
falls bie §§ 320 unb 321 ober bet § 40 Stof. 1 ber 6t. $.0. 
jur Anroenbung ju bringen feien. 

$n Setreff ber § 320 unb 321, in benett bie Sorfdjriften 
über bie Sabung eines im ©inne beS § 318 als abroefenb 
geltenben Angeflagten s u r ^auptoer^anbfung in ben 
fällen, in melden nach § 319 auSnahmSroeife gegen einen 
Abroefenben eine Imuptoerhanblung ftattfinben tarnt, gegeben 
finb, fönnte eS fid) in Sejie^ung auf bie 3nftellung eines 
©trafbefefils bloß um eine analoge Anroettbung Ijanbelu. 
Allein eine fold»e märe nicht ftatthaft. ©ie müfjte als bie 
einer AuSnahntebeftimmung fc^on an fidh Sebenfen erregen, 
unb bieS um fo mehr, als hierin eine roeit bebeutenbere 21b- 
roeidjung oon ben ©runbprinäipien ber ©t.iß.O. läge, — nänv 
lid) pon benen beS AntlageprojeffeS mit »ollftänbigem redjfc 
lid>em ©ejjör beS Angeflagten unb ber 2Jtünbli<hfeit, — als 
in bem burch § 319 äugelaffenen ^ontumasialoerfahren gegen 
Abroefenbe. ®enn in legerem folgt auf bie öffentlich erlaffene 
fiabung eine &auptuerhanblung oor bem erfennenben ©eridjte, 
in welcher für ben Angeflagten ein Serteibiger auftreten tann, 
auch Angehörige beSfelben, ohne baß fie einer Sollmacht bt- 
bürfen, als Sertreter jujulaffen finb (§ 322), unb eine Se= 
roeiSaufnahme ftattfinbet, auf ©runb toeldher ein — öffentlich 
äujufteEenbeS (§ 323) — Urteil ergeht, gegen baS audh bie 
ebengenannten ^erfonen »on ben bem Sefchulbigten juftehenben 
StedhtSmitteln ©ebrauch machen fönnen (§ 324); ein ©traf= 
beft’hl aber, ber oft auf eine blofje SDenunäiation hin, höchftenS 
nach ftaatSanroaltfdhaftlidhen ©rmittelungen, unb ftets ohne oor- 
herige 3«inffung beS Sefcfjulbigten ober eines SertreterS beS- 
felben ju feiner Serteibigung erlaffen rairb ’), erlangt, wenn 
nicht binnen einer SBoche nadh ber 3 u ft e ß un 9 @infpru<h er= 
hoben worben ift, ohne weiteres bie äßirfung eines red)ts= 


1) nrgl. Serfjanbtg. ber 3t. in §al)n, bie getarnte« 

2RateriaIien ju ben 3teid)3jufti}gefe$en, 33b. III S. 1122. 


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212 Wbljanbtungen. 

fräftigen Urteil« (§ 450, orgl. mit § 449). 3ubem fann in 
jenem Verfahren blofj auf ©elbftrafe ober ©injiehung erfannt, 
burd) einen ©trafbefeht bagegen barf foroohl ©elbftrafe bi« 
ju 150 M. unb ©injietjung, al« aud) eine fjrei^eitsftrafe bi« 
ju fed)« SBodjen feftgefefct roerben. Stod) roeit bebenflichet 
aber märe eine analoge 2lnroenbung ber §§ 320 unb 321 auf 
bie 3 u fteEung eine« ©trafbefefil« an einen Slbroefenben in 
anberen, al« ben in § 319 bejeidjneten gäEen, — unb ju 
biefen anberen gäEen gehören, al« roattlroeife mit Freiheit«; 
ftrafen bebroht, fänttlidfe ffforftrügefachen *) — fofern in folgen 
©traffadjen nad) § 327 gegen einen Slbmefenben eine ^aupt= 
oerljanblung (unb Urteil«fäHung) nidjt ftattfinbet, unb lebiglid) 
eine einftmeilige 93eroei«aufnaf)me für ben gaE ber fünftigen 
©efteEung be«felben erfolgen fann, alfo ein Äontuntajialoer: 
fahren au«gefdjloffen ift. — Ueberbie« mürbe bie Slnmenbung 
ber a?orfd)riften be« § 320, burd) reelle nach ben 2B orten 
oon ©djroar je’« 2 ) ein äufierft roeitfdhroeiftger Apparat in 
Seroegung gefegt mirb, ju bem ©trafbefel>l«oerfaf)ren ni<$t 
paffen, ba§ bie EJlotioe burd) ben .ginroei« auf feine praftifdje 
3medmäfiigfeit empfehlen (©. 228), unb ba« oon einem 23er= 
treter be« 33unbe«rat« bei ber Beratung ber 9ieid)«iuftiä=.ßono 
mtffton für möglich ft glatt unb leidet fonftruiert erflärt, al« 
beffen Qmeü oon einem anbern 33unbe«rat«oertreter bie §ex> 
beifüljrung eine« raffen Siefultat« auf mögtidhft einfachem 
SBege angegeben mirb 9 ), unb ba« aud) ber Äommiffton«=33e= 
rieht al« ein oorjüglidie« unb beroährte« SJlittel ju thunlidhfier 
Slbfürjung be« Verfahren« in amt«rid)terlid)en ©traffadjen 
rühmt 4 ). 

2Ba« fobann bie grage oon ber Slnroenbbarfeit be« § 40 
2lbf. 1 für bie 3ufteEung oon ©trafbefehlen an Slbroefenbe 
betrifft, fo ergibt jtdj au« beffen ©teEung unter ben aEgemeinen 
Seftimmungen unb au« ber SlEgemeinljeit feiner Raffung, bah 

1) gorftfirafgefefc 2trt. 1, orgl. mit Strt. 7, 9, 12, 16, 17. 

2) £af)n a. a. D. ©. 1449. 

3) §aljn ©. 1122. 

4) ib. ©. 1589. 


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2lbljanblung. Vin. 


213 


berfelbe bie gortn ber 3ufteHung an ben Befchulbigten für 
alle 2lrten cjcri<f)tlid;er ©ntf Reibungen feftfegt, fomeit nicht, 
entroeber, rote j. 53. für bie Sabung 2lbroefenber jur .fpaupt- 
»edjanblung in ben gattm ber §§ 319 unb 473, etroa« S9e= 
fonbere« au«brüdlidh oorgefchrieben ift x ), ober auf bie ÜJticht 
anroenbbarfeit au« bent SBefen ber betreffenben Gntfcgeibung 
gefdhloffen roerben mufj. ©egen biefe üluffaffung fann man 
fid) mit ©runb roeber barauf berufen, bafj bie §§ 323 unb 476 
für bie 3“fießung be« Urteil« bie Inmenbung be« § 40 nodj 
au«brüdlich anorbnen — benn bie« erflärt fidh barau«, 
bafj in ben unmittelbar oorangegenben §§ 320 — 322, 473 
unb 474 für bie Sabung jur |>auptt>erhanblung unb legiere 
felbft befonbere Beftimmungen gegeben morben finb — , 
nodf) barauf, bafj ber § 40, inbent er unterfdgeibe, ob bie 
Sabung jur ^auptoerganblung einem Befdgulbigten nocl) nicht, 
ober ob fie igm fdjon normet jugefteUt geroefen, erfennen laffe, 
bafj er blofj für foldfje ©traffacgen gelte, in melcgen reget 
rnäfjig eine $auptt>erganblung ftattfinbe, — benn biefe Unter= 
fdgeibung ift nur gemacht morben, um für ba« $utreffen be« 
erfteren gatte« bie im erften 2lbfage, für ba« be« legteren 
bie im jmeiten 3lbfag bejeidgnete 3uftettung«roeife oorjufdjrei- 
ben a ), unb e« ftünbe ber SBortlaut be« erften 2lbfage« beffen 
Slnroenbung auf bie 3uftettung eine« Strafbefehl« feine«roeg« 
entgegen — , noch enblicg fann man fidh gegen jene 2luffaffung 
auf bie ©ntftehung«gefdhicgte be« § 40 berufen. $n biefer 
Besiegung fornmen, ba ber bemfelben entfpredgenbe § 33 be« 
©ntmurf« im fßlenum be« 9fteidjj«tag« bei ber 2. unb 3. Be- 
ratung nid)t ©egenftanb einer Erörterung mar 3 ), einjig bie 
betreffenben Berganblungen ber fftei<h«iuftij=Äommiffion in 53e= 
t racgt. EDie Jtommiffion hat bei ber 1. Sefuitg be« ©ntmurf« 
ben § 33 geftridhen auf benSlntrag be« Slbgeorbneten |>aucf, 

1) £ön>e, b. St.$.D. n. 1 ju § 40; Heller, b.@t?.D. n. 1 }U 
§ 40. 

2) Kot. S. 140. 

3) Stenogr. SBerirf)te über bie Ser^anblungen be« ifteicgätag«. 2. 2eg. 
$eriobe, IV. ©eff. 1876, 1. 33b. ©. 417, 2. 83b. ©. 957. 

3a$rbtt$a b. SBiürtteinbfl. Ke^tepflefle. I. 15 


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214 


ÄBtjcmb hingen. 


beit er bamit begrünbete, bafj er für benfelben ferne Anroen= 
bung fehe, nad)bem burdj § 273 ff. bie .fjauptoerhanblung 
unb UrteilSfällung gegen Abroefenbe auSgefchloffen fei, unb 
für bie Sabung ausgetretener 2Behrpftid)tiger befonbere 33e= 
ftimmungen erlaffen feien, — toä^renb ber Vertreter beS 33un-- 
beSratS c. AmSberg geltenb machte, bafj § 33 ftdö auf ganj 
anbere gäHe, als bie beS Verfahrens gegen Sibtuefenbe be- 
jie^e; unb in 2. fiefung rourbe ber Paragraph genta fj einem 
Anträge beS Abgeorbneten ©trucfmann in ber Raffung ber 
Vortage ohne Debatte roieber ^ergefteHt, nadjbetn $aucf er= 
flärt hatte, er fei nachträglich ju ber Ueberjeugung gelangt, 
bafj ber § 33 in jebem $aHe unb offne 9fücf{t<ht barauf, wie 
baS Verfahren gegen Stbroefenbe geregelt roerbe, unentbehrlich 
fei, ba bie 2tbroefen^eit auch erft nach ber 2iecf)tsftaft beS 
Urteils eintreten fönne ’). Aus bem Angeführten fattn nicht 
gefolgert werben, bafj § 40 gegenüber abroefenben Vefdfjulbigten 
int ©inne beS § 318 überhaupt nicht Anroenbung ftnbe; benn 
roenn man and) Anftanb nehmen toottte, jene Srflärung o. A m S- 
berg’S im ^ittblicf auf ben Inhalt ber juerft ermähnten 
beS Abgeorbneten |jaucf, melier burdf biefelbe entgegnet 
rourbe, einfchränfenb bahin auSjulegen, bafj § 33 ft<h auf am 
bere gäHe bejiehe, als auf bie Sabung non Abroefenben, 
auch »on abroefenben 2Bel)rpflidjtigen , jur ^auptners 
hanblung, fo hat bodj bie fragliche Abficht, bie Anroenb; 
barfeit biefeS Paragraphen auf Aufteilungen an Abroefenbe 
gänjüch auSjufcf)liefjen, fettterlei AuSbrucf im ©efefce gefunbett 
unb roäre fie beShalb roirfungSloS ; bie fpätere ©rflärung 
$ au cf ’S aber, welche jur SBieberherfteHung biefer Veftim= 
mung beS ©ntrourfs mitroirfte, geigt, bah berfelbe gerabe bie 
3uftettung an einen Abroefenben im Auge hatte. 

®S läfjt ft cf) auch fein ®runb benfett, roeshalb j e b e Am 
roenbung beS § 40 in Vejiehung auf 3 u ft e H un 9cn an im ge= 
fepchen ©inne abroefenbe Vefdjulbigte unftatthaft fein foHte, 
roahrenb bie Anroenbung beSfelbeit boch nicht blojj in ben 

1) $ahn, ©. 1160, 1441. [1518], 


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aiSfjcmbrirtg: Vrtl. 


2l5 


gättett ber §§ 323 unb 476, in roetctjen fte zufolge au§briicf= 
tiefer SBeftimmung hinftcfjtlich ber UrteilSzuftettung 5ßla§ greift, 
unb in bem t>ott ben 2Rotioen beifptelSweife angeführten gatte 
beS § 111 Stbf. 2 b. ®ntw. (= § 122 Abf. 2 beS ©ef.), 
fonbem auch in anberen fällen, j. 39. behufs ber Aufforberung 
eines Abroefenben jum @rf<heinen oor ©erteilt ober zur An= 
geige feines Aufenthaltsorts (§ 330), ober behufs ber 3uftel= 
tung beS Urteils an einen folgen auffer ben gatten ber §§ 323 
unb 476, etwa unter ben 33orauSfefcungen beS § 230 Abf. 2 
ober ber §§ 231 unb 232, (b. h- nienn ein zur ^auptoerhanb: 
lung oorfchriftSmäffig ©elabener nach 3 u fMuitg ber Sabung 
ein Abwefenber im Sinne beS § 318 geworben), ober behufs 
ber Sabung eines folgen 3 um Antritt ber Strafe (§ 489 
Abf. 3) ein SBebürfniS fein fann, für beffen 39efriebigung 
eben ber § 40 unb nur biefer gürforge trifft. — hiernach 
fragt eS ftd) nun, ob unb welche ©rünbe etwa in b e m 2B e f e n 
eines nach Sftajfgabe beS § 447 erlaffenen amtsrichterlichen 
Strafbefehls liegen, bie im gatte ber Unthunlidjfeit 
einer regelmäfjigen 3uftettung bie Anwenbung beS §40 
als unjuläffig erfcheinen laffen. SDer ©runb, aus welkem 
baS ®efe§, ungeachtet beS feinen 39eftimmungen über baS 
Verfahren ju grunb liegenben ©trebenS nach materieller 2Baf)r= 
heit, bem ©trafbefehl, gegen ben nicht rechtzeitig 6infpru<h 
erhoben worben ift, bie SBirfung eines rechtSfräftigen Urteils 
uerleiht, obwohl bie Strafbefehle erlaffen werben, ohne baff 
irgenb eine gerichtliche Unterfuchung oorljergegangen, ohne baff 
ber 39ef<hulbigte, wenn er nicht feftgenommen ober in |>aft 
war (§ 128, 115), ju rechtlichem ©ehör jugelaffen worben, 
möglicher Söeife fogar ohne baff er auch nur oon ber wiber 
ihn angebrachten Anzeige ÄenntniS gehabt hat, — ber ©runb 
hieoon ift nach bem flaren gnhalt ber ÜDtotioe (©. 228, orgl. 
mit ©. 181) bie Annahme, baff ber Angeflagte, inbem er ben 
gegen ihn ergangenen Strafbefehl anzufechten unterlaffen, z«= 
läffiger SBeife auf feine SBerteibigmtg oergid^tenb, fidj bei 
bemfelben beruhigt habe. Aur unter ber SorauSfefcung folchen 
33erzicf)tS fott ber Strafbefehl jene SBirfung haben; in 

15 * 


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216 


Stbfjanblungett. 


jebem ^attc — fagen bie SDiotioe (©. 228) — wirb betn Se= 
fc^ulbigtert ba§ rechtliche ©ef)ör gemährt, menn et ftch burch 
ben gegen Um ergangenen ©trafbetehl befd^roert unb in 
ber beftimmten j$frijl nach ber SSefanntmadjung beweiben ®im 
fprud) ergebt. SJiit Siücfficht hierauf ift im § 449 angeorb= 
net, baß bet ©trafbefehl eine ©eleßrung über ben ©intritt 
ber SßoIIflrecfbarfeit im ^aHe unterbliebenen rechtzeitigen 6tn= 
fprudjä mitenthalte, roa3 barauf funroeift, baß ba3 ©efeß ^er- 
fteflung ber ©emißheit, baß ber SJefdjulbigte Kenntnis non bent 
roiber Um erlaffenen ©trafbefehl erhalten ^abe, anftrebe, roie 
benn auch bie Sinnahme, baß ein SSefdjulbigter, ber gegen ben 
©trafbefeljl nicht ©infpruch erhoben, bei bemfelben fid) be= 
ruljigt habe, roegen be3 2Jiangel3 jener ©eroißfjeit offenbar in 
ber Siegel bann gänjlid) ungerechtfertigt märe, menn ihm ber 
©trafbefehl nicht im regelmäßigen SBege jugefteHt roorben mar. 
— ®ie betreffenben Sierhanblungen ber Sieichsjufti^Stommiß 
fion *) unb bie be3 Stei<h3tag3 *) ergeben unjroeifelhaft, baß 
bie bezüglichen 33eftimmungen be3 @ntrourf3 in feinem anberen 
©inne angenommen morben finb. — 63 erfcbeint auch be= 
adjten3roert, baß bie ©t.ißr.D. al3 Siegel beftimmt, baß gegen 
einen (auf oorfchrift^mäßige Sabung) auSgebliebenen Singe-- 
flagten, foroie baß gegen einen abroefenben Slngeflagten (§ 318) 
eine ^auptoerhanblung nicht [tattfinbe (§§ 229, 327) unb baß 
fie, abgefehen oon ber SSeftimmung im § 230 Slbf. 2, roonadb, 
menn ber Slngeflagte fid) au3 ber SSerßanblung entfernt, ober 
bei ber § ort f e & utt 8 einer unterbrochenen ^auptoerhanblung 
au3bleibt, biefe unter beftimmten 33orau3feßungen in feiner 
Slbroefenljeit ju 6nbe geführt roerben fann, unb abgefehen oon 
ben öeftimmungen über ba3 Verfahren gegen Slbmefenbe, roelche 
ftd» ber SBehrpflicht entjogen hüben (§ 473 ff.), eine |>aupt= 
oerhanblung bloß in geringfügigen ©traffacßen geftattet, 
nämlich beim Slu3 bleiben be3 Slngeflagten bann, menn bie 
ben ©egenftanb ber Unterfuchung bilbcnbe £hat nur mit ©elb= 


1) §a$n, ©. 1118 ff, 1425 ff. 

2) ©tenogr. Ser. a. a. D. ©. 560, 991. 


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Sl&fjanblung. VIII. 


217 


ftrafe, $aft ober ©injieEjung, allein ober in Vetbinbung mit 
einanber, bebroht ift (§231), unb gegen einen Ab nie fenben 
(§ 318) bann, wenn bie fragliche SEIjat nur mit ©elbftrafe 
ober (Sinjieijung, allein ober in Verbinbnng mit einanber, be= 
broljt ift (§ 319), bafs für bie Siabung jur .gauptoerhanblung 
in beiberlei fallen befonbere fdjitßenbe Vorfdhriftett gegeben 
finb (§ 231 Abf. 2, §§ 320, 321, § 473), unb bafe im 93cr= 
fahren gegen Abroefenbe bas Stuftreten eines VerteibigerS, fo= 
roie baS eines Vertreters in ber |>auptoerhanblung in befon= 
berer äßetfe erleichtert ift (§ 322, § 474). ^iemit märe es 
nun bod» rooljl unoereinbar, wenn berfelbe ©efefcgeber eine 
Slrt ber 3wf te üung oon Strafbefehlen guliefee, burd) roelche 
nicht ein ber Erfahrung gernäfi genügenber VadjroeiS ber er= 
folgten Uebergabe einer bejüglidjen Ausfertigung an ben $e= 
fdmlbigten, fei eS mittels Vehänbigung an ihn felbft, ober 
menigftenS an eine ber in ben §§ 158 u. 166 — 169 ber ©.iß.D. 
bejeidjneten Vetfonen, geliefert rairb, roenn er alfo auf grunb 
einer blofjen giftion beS Verzichts auf alle Verteibigung 
eine ohne jegliches rechtliche ©ehör erlaffene Strafoerfügung 
mit ber SBirfung eines rechtskräftigen Urteils auSftatten mürbe. 
@S läge hierin bie ftiUfchmeigenbe Aufteilung eines roeiteren 
ÄontumajialoerfahrenS im SBiberfprud) mit ber als Siegel ange= 
nommenen Vefeitigung beS HontumajialoerfahrenS gegen ab= 
roefenbe, bejiehungsroeife ungehorfam auSgebliebene Verbrecher 
(§ 327 u. 229). ©in foldjer SBiberfpruch märe um fo auffaEenber, 
als burd) einen Strafbefehl — raenn auch ©elbftrafe (anberS als 
in ben ffäEen ber §§319 u. 231) nur in einem beftimmten Jliajje — 
bod) nicht blojj ©elbftrafe unb .jpaft, fonbern audh ©efängniS in ber 
T>auer oon fedhS 2Bo<hen feftgefe|t merben fann (§ 447 Abf. 2), 
als ferner gegen einen Strafbefehl ein Antrag auf SBieber= 
aufnaljme beS Verfahrens überaU nicht ftattfinbet l ), unb als nach 
§ 47 einem ©cfudje um SBiebereinfehung in ben oorigen Stanb 
gegen ben Ablauf bet ©infprudjSfrift eine bie Vollftredung 
beS Strafbefehls hentmenbe VJirfung gefe|lid) nicht jutommt, 

1) SKotioe, ©. 219; 2 ö ro e, ©. 812 n. 2. 


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218 


Saijanblungen. 


auch bie Slnroenbung beS § 40 3lbf. 1 bei 3uftettung e i ne ^ 
Strafbefehls eine noch geringere ©ernähr, als bie be3 § 320, 
burtb welchen bie 2lrt ber 3ufteEung ber Sabung eines ab= 
roefenben 2lngellagten jur hauptoerhanblung befiimmt tuirb, 
bafür bieten würbe, baff ber Vefchulbigte non bem Inhalte 
jener für ihn nod) weit wichtigeren Verfügung wirtlich ßennfc 
nis erlange. — Rufserbem fpridjt für bie Ridjtanwenbbarteit 
beS § 40, bafj auch beffen 2lnwenbung in einem Verfahren 
fid) nicht empfehlen mürbe, roeld^eS, wie baS bei amtSrichter= 
liehen Strafbefehlen, auf tnöglidhfte ©infachheit unb Rafdhheü 
ab§ielt. 

®a bem SluSgefii^rten jufolge eine öffentliche 3ufleEung 
non Strafbefehlen roeber gemäfj § 320, noch gemäfj § 40 er= 
folgen fönnte, unb baljer bei bem fdjon ermähnten Rlaitgel 
einer bezüglichen befonberen Vorfdjrift e£ an einer gefe&lid&en 
gorm hiefür fehlt, fo ergibt fidj bem Referenten bie U n j w 
läffigleit einer folchen3uftellungäroeifefür 
Strafbefehl e,unbjroaringor ft r ügef ach e n, roie 
in anberen Straffadjen. 

©ine geroiffe Veftätigung bafür, bafj biefeS ©rgebitis ber 
Stuffaffung ber St.^.O. entfpricht, ftnbet Referent noch barin, 
baff fämtlidje ihm zugängliche , jur jeit ber ©rlaffung ber 
®.St.^5.D. in ©eltung geftanbene beutfche Strafprojeffgefetse 
nicht blofj bie Verbütbung beö Strafbefehls mit einer Ve= 
lehrung über bie Vebingung ber VoEftredbarteit beSfelben 
oorfchreiben, fonbern auch burch bie 3lrt, roie fie ft<h über bie 
erforberliche 3ufteEung beSfelben an ben Sefdjulbigten auS-- 
fprechen, beutlich tunbgeben, bajj fie eine öffentliche 3ufteEung 
auSfchliefjen. SBährenb bie Dlbenburgifdie St.iß.D. oon 1857 
im 3lrt. 382 nur aEgemein banon rebet, bafj bie Verfügung 
bem Vefdjulbigten jugefteflt roerbe, beftimmen baS ^reufj. 
©efefc uom 3. 2)iai 1852 im 2lrt. 124 lefcter Rbfah: „bie 
Verfügung mirb bem Vefdjulbigten in beglaubigter gönn 
jugefteüt", bie £annoöer’f<he reoib. St.iß.D. oon 1859 im 
§ 212 3- 4: „ber eine Verurteilung beS S3e§ü<htigten enb 
haltenbe Strafbefehl ift bemfelben in fdhriftlidjer Ausfertigung 


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2l6fjanblung. IX. 


219 


ju bebänbigen" ') , baä Baperifdbe 6inführungSgefe| jurn 
©t.©.B. oon 1861 2lrt, 75: „bie ©trafoerfügung ift bern Be» 
fd&ulbigten fc^riftlid; jujufteHen" *) , bie Babifd&e ©t.$ß.D. 
oon 1864 § 816 2lbf. 1: „ber ©trafbefehl muff bem Singe» 
geigten in ißerfon jugeftettt werben", bie ©ädififd&e reoib. 
©tip.D. non 1868 2lrt. 368a Slbf. 2: „Sie Verfügung, weldbe 
bem Slngefchulbigten &u bebänbigen ifi (oetgl. Strt. 13 Slbf. 4)" ic. 
2lrt. 13: „Befanntmad&ung ber ©ntfcheibungen", 2tbf. 4: 
„Sie Stbfdfjrift muff, wenn gegen bie ©ntfcheibung ein auf» 
fcliiebenbeS StedbtSmittel guläffig ift, bem Beteiligten felbft be= 
hänbigt werben. Bei anberit ©ntfdjeibungen fann fie in feiner 
Slbwefenheit audj einer oon ben ißerfonen jugefteHt werben, 
welchen, ftatt beä Beteiligten, eine Berfügung nach ben Be» 
ftimmuitgen ber bürgerlichen ^rojefjgefefce gültig be^änbigt 
werben fann". (Stach Slrt. 368a Slbf. 2 3 . 4 erlangt bie 
Strafcerfügung 9tedE)t3fraft, ber Berüchtigte binnen einer 
zehntägigen grift, con bem Sage ber 3uftellung an gerechnet, 
eine ©inwenbung bagegen nidht erhebt 8 ). 


IX. 

jlnr Auslegung oon § 10 bes Jieidjogefebes über ben Spiel» 
hortendempel, 00 m 3. 3uli 1878 (|t.«.R $.133). 

»on 

fjerrn Dberfinanjrat © t u m p f. 

3n ber SBirtfdjaft be£ ©aftwirtS unb Bierbrauers ©. ©. 
0 . & würben am 24. Slpril 1885 mehrere ©äfte betroffen, 

1) Sergl. ba? oorgefcffriebene gormular bei Seonljarbt, bie fjuflij» 
gefefcgebung beS ftgr. $annot>er, 33b. 1, S. 443—444. 

2) »ergl. SRinift. Verfügung, betr. SSorfdhriften für bie ©efdjäftsbe» 
Ejanblung in Ueberitetung^fatfien 00 m 26. Diai 1862 § 20 unb Formular 
V, VI, VH in ber Schrift „ba§ Strafoerfaljren im ft. »atjern. 3Rit 
minift. ©eneljmigung" ©. 178, 213--218. 

3) 2lud) füanrf, ©pftematifdje Sarftettung beS ®eutftf>en ©traf» 
oerfa^renä ©. 497 fpridjt oon »eljänbigimg ber Strafoerftigung an ben 
Ängellagten. 


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220 


Slfifjanblungen. 


roie ftc mit einem fogenannten ©aigelfpiet, roeldbel fie non ber 
Gfeefrau be3 ©. ermatten Ratten, fpielten. ®a3 ©aigelfpiel 
beftanb, mie bie3 bei biefem Sartenfpiel bie SRegel ift, au£ 
jroeimal je 24 harten mit 2 .gerjaffen. Stuf feinem bet bei= 
ben ^erjaffen mar ein Stempel ficfetbar. ®a3 Sameralamt 
erliefe beSfealb gegen ben ©aftroirt ©. einen ©trafbefcfeeib, in 
meinem e3 benfelben auf grunb non § 10 9lbf. 3 beä 9teicfe3= 
gefefee« über ben ©pielfartenftempel in eine ©elbftrafe non 
30 «% »erfüllte. @. rief gegen biefett ©trafbefdfeeib geri<bt= 
liebe ©ntfdfeeibung an. 3>a3 ©dböffengeridbt G. fpradfe burdfe 
Urteil nom 27. Januar 1886 ben Slngeflagten non ber 2ln= 
fcfeulbigung einer 33erfefelung gegen § 10 be3 9teicb$gefefee3 
»om 3. $uli 1878 frei au3 folgenben ©riinben: 

„$er 2lngeflagte Ijat ju feiner SSerteibigung »orgebracft, 
al3 er ba3 Sartenfpiel feinerjeit getauft feabe, fei baöfelbe 
mit einem ©tempel nerfefeen geroefen, allein biefer fei infolge 
be3 ©ebramfea ber harten unb ber jum ßroecf ber ^Reinigung 
norgenommeiten öfteren Slbroafcfeung berfelben oerfcfenmnben. 

9la<fe § 10 2lbf. 2 be3 9ieidb3gefefee3 oom 3. Quli 1878, 
betreffenb ben ©pielfartenftempel, roirb beffcraft, mer ber 33or= 
fdfjrift biefer ©efefeeS juroibet Sorten, roelcfee mit bem erforber= 
licfeen ©tempel nicfet oerfeljett finb, feilfeält, »eräufeert, »erteilt, 
erroirbt, batnit fpielt ober foldbe miffentlicfe in ©etoafetfant bat, 
unb nadb Slbfafe 3 werben beftraft SBirte unb anbere ißer= 
fonett, roeldbe ©äfte galten, wenn in iferen SBofenungen ober 
Sofalen mit ungeftempelten Sorten gefpielt unb nidbt nadbge^ 
miefett roirb, bafe bte3 ofene ifer SBiffen gefdbefeen fei. Um ben 
©inn unb bie Tragweite biefer liorfcferift beftimnten ju 
fönnen, b«t man ben 3me<f be3 ©efefeeä felbft ins Säuge ju 
faffen. 

$n biefer SBejiebuttg fcfereibt § 1 be§ ©efefees »or : ©piel= 
farten unterliegen einer narif SSorfcferift biefer ©efefeeä ju er= 
feebettben, jur SReicfesfaffe fliefeenben ©tempelabgabe, unb nadb 
§ 2 erfolgt bie Säbftempefung ber Sorten gegen bie Gntri<b= 
tung ber in § 1 noch be3 näfeern beftimmten Abgabe. (53 
banbeit ficfe alfo um eine fogenannte ©tempelfteuer, roonadb 


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3lbf)anblung. IX. 


221 


bie ©rljebung geroiffer Abgaben in ber gortn beS fogenannten 
Stempels geliebt unb jroar ift biefer Stempel ein eigene 
lidber Steuerftempel, roie ein foldjer auch in anberer gorm 
oorfommt. 

|jienadh will bas ©efefc benjenigen beftrafen, melier 
harten feilhält, oeräufjert u. f. ro. , bie nicht in ber oorge: 
fdEjriebenert SBeife abgeftempelt finb, unb bejügliclj reeller bie 
gefehliche Abgabe nie^t entrichtet roorben ift. ®a bie (entere 
bcjüglidb jebeS einjelnen Spiels nur einmal erhoben wirb, unb 
bie äbftempetung an bie ©ntridjtung ber Stempelfteuer ge= 
fniipft ift, fo ergibt fi<h, bajj bas ©efefj nur eine einmalige 
äbftempetung im äuge hat, unb benmach jeber Inhaber :c. 
eines Spieles nur oerpflidbtet ift, basfetbe einmal abftentpeln 
ju laffen. 

SBenn bas ©efefs bemnadb in § 10 oon Spietfarten fpridjt, 
welche ber SSorfdjrift biefes ©efefceS juroiber „mit bem er= 
forberlidhen Stempel nid^t oerfefjen finb" ober wie in äbf. 3 
beSfelben § 10 oon „ungeftempelten harten", fo fann es ba= 
mit nur foldhe harten im äuge hoben, Ijinftd&tlidb meld&er bie 
in § 1 oorgefdbriebene äbgabe nidjt entrichtet roorben ift, unb 
welche aus biefem ©runbe auch ben Stempel nidjt erhalten 
haben, nidjt aber fönnen foldje harten gemeint fein, welche 
ben oorgefdjriebenen Stempel gegen ©ntridjtung ber äbgabe 
erhalten hoben, auf benen aber biefer aus irgenb einem ©runbe 
nicht mehr fidjtbar ift. ®arauS folgt, bafj audh baS ©efefs 
nicht jebe Karte an fidh „als mit bem Stempel nicht oerfehen" 
betrachtet, welche ben teueren nicht ertennen läßt, fonbern nur 
eine foldhe, welche thatfädjlidh nicht gemäfj § 2 abgeftempelt 
würbe; m. a. SB. ber ©efefcgeber hat bei ben SBeftitnmungen 
in § 10 nur ben galt im äuge, wenn bie in § 2 angeorbnete 
äbftempelung nicht erfolgt ift, unb bie aJlögticfjfeit , bafj ein 
aufgebriicfter Stempel unfidhtbar werben tann, ^iebei gar nicht 
in ©rwägung gejogen. ®ie gegenteilige änfidbt würbe ju ber 
Aionjeguenj führen, bafj felbft bann, wenn binfidjMcb einer 
Karte, welche ben Stempel nicht mehr erfennen läfjt, ber S3e= 
weis geliefert würbe, bafj berfelbe urfprünglidfj aufgebrüdt 


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222 


Sl&lfanb lungen. 


war, bod) bie gefepcfie ©träfe einjutreten l)ätte, toeit e3 an 
bern formalen ©rforbernie ber ©idjtbarfeit be3 Stempel fefjlt. 
6s fann aber nid)t bte 2lbfid)t be3 ©tempelgefefceö al3 etne3 
©teuergefefce3 fein, ^infictitli^ einer unb be3felben ©egenftan= 
be3 eine hoppelte 33efteuerung ^ erb eiguf ii^ren ; ba aber bie 9lb= 
fiempelung oon ber ©ntridfjtung ber Abgabe abhängig gemalt 
ift, mürbe bie3 tfjatfädjlid) jutreffen. 

©ottacl) ift jur Stnroenbung ber Seftimmungen im § 10 
be3 ©efefse3 erforberliä) , baff bie Karten nidjt in ber sorgen 
fcf»riebenen 2Beife abgeftempeit morben finb, unb ift biefe %i)at- 
fadfe, ba ber Slngeflagte fie in 2lbrebe jiet)t, befonber3 feftju= 
fteHen. 

.ginftdjtlid) ber ^xaQe, ob ber Stngetlagte ba3 frühere 33or= 
Ijatibenfein be3 ©tempel3 nadjjuroeifen Ijat, um ©traflofigteit 
ju erlangen, föttnen nur bie geroöijntidfen ©runbfäfce über bie 
$8eroei3laft im Strafprozeß in Slnroenbung fommen. |>ätte ber 
©efeßgeber bie ©traflofigfeit be3jenigen, ber eine ©pielfarte, 
roelcfje ben erforberlidjen ©tempel nic^t ertennen läfft, feilfiali 
u. f. ro., baoon abhängig madjen motten, baff biefer ben 9tadp 
roeis füljre, bie Karte fei oorfdjrift3mäffig abgeftempeit morben, 
fo muffte biefe 2lbroeidjung oon ben fonft geltenben ©runbfäfeen 
im ©efefe felbft au3gefprodjen fein, mie bie3 u. a. j. 33. im 
fog. ®pnamitgefef$ (§ 9) gefdjelien ift, mofelbft bie ©traflofig= 
feit be3 S3efißer3 oon ©pnarnit :c. ausbrücflicf) burcf) ben, bem 
SBefifser obliegenbett 9tad)n>ei3 ber polizeilichen @rlaubni3 be= 
bingt ift. ©ine foldje Seftimmung hat ba3 ©pielfartenftempeb 
gefefc nid)t , unb jroar be3ljalb nid)t, roeil ba3felbe oon ber 
Stnnalpne au3gegangen ift, baff ber ©tempel nicht oerfdjroinben 
fönne. 

2Ba3 ben § 10 2lbf. 3 be3 ©efefceä betrifft, fo fjanbelt 
biefer oon bem gatt, roenn in ber Sßoljnung ober bem Sofale 
eine3 2Birt3 mit Karten gefpielt roirb, roelcße nicht if»m felbft, 
fonbern einer anberen* ^ferfon gehören, benn finb bie Karten 
©igentum be3 2Birt3, fo ift er fcffon au3 2lbf. 2 ftrafbar. 
®arau3 alfo, baß oon bem SBirt ber 9la<hn>ei3 geforbert roirb, 
baff er nicht gemußt ^abe, e3 roerbe mit ungeftempelten Karten 


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Slbßanblung. IX. 


223 


in feinem £ofal gefpielt, folgt in feiner SBeife, baß ißn aud) 
eine Veroeislaft bafür trifft, roenn er geltenb macht, bie harten 
feien oorfdjriftSmäßig geftempelt, benn ber 9ladjroeiS, baß eine 
Stempelung nic^t ftattgefunben habe, gehört jum gefeßlichen 
Xßatbeftanb ber ^anblung, reelle in § 10 mit ©träfe bebrofjt 
ift, unb baß biefer S^ßatbeftanb oorliege, ift bem Slngeflagten 
nadjjuroeifen. 

$iegegen faitn ber Umftanb nic^t in Vetradit fommen, 
baß ein folcher StadhroeiS unter geroiffen VerhäUtiiffen ferner 
ju führen ift unb bemnad) ber 3 roe ^ beS ©efeßeS teilroeife 
oereitelt toirb ; benn einmal iß eS ©adie ber Veroeisroürbigung 
im einzelnen gaH, ob ein Vorbringen ber gebauten 2Crt glaub= 
haft erfcßeint, unb fobann muß angenommen roerben, baß bas 
©efeß, wenn eö non ber Unoertilgbarfeit bei? aufgebrücften 
Stempeln auSging, bie Unoertilgbarfeit als burdjfüßrbar oor= 
auSfeßte, fonad) muß es als ©adße ber ©tempelftelle betrachtet 
roerben, ben ©tempel in einer SBeife anjubringen, baß berfelbe 
nicßt jerftört roerben fann. 

®aS ©eridjt hat nun mit 9fücffidht barauf, baß ein foldjeS 
gänslid>eS Verfcffroinben ber ©pielfartenftempel nadj ber ge= 
wohnlichen Vefdjaffenheit berf eiben forooßl überhaupt als burdj= 
aus mögtidj angefeheit roerben muß, als auch im oorliegenben 
galle eine angeftellte Vrobe bie Vicßtigfeit biefer Annahme 
ergab, einen roeiteren VeroeiSeinjug in biefem fünfte nicht für 
notroenbig erachtet, fonbern baS ©dmßoorbringen beS 3lnge= 
flagten hinfichtlidh beS VerfcßrombenS beS Stempels in befon= 
berer Venidfichtigung beS UmftanbS, baß es fid) um alte Äarten 
hanbelt, welche, roie ber Slngeflagte glaubhaft geltenb macht, 
f<hon öfters geroafdhen roorben finb, nicht als roiberlegt ange= 
fehen. 

|>ienadh fehlt es an bem objeftioen ©trafbeftanb ber in 
§ 10 beS ©efeßeS über ben ©pielfartenftempel mit ©träfe be= 
broßten |>anbtung unb roar bemgemaß auf greifprechung $u 
etfennen." 

©aS ©teuerfollegium, welches ficß auf grunb oon § 467 
ber 9leidhS=©trafprojeß=Drbnung ber Verfolgung angefcßloffen 


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224 


SUüjanblungen. 


hatte, erhob gegen biefes Urteil ^Berufung an bie ©traffammer 
beS M. 2anbgeridht$ D., wobei nicht btofj ber Antrag auf 33er= 
urteilung be3 2lngeflagten überhaupt, fonbern audfj ber weitere 
ülntrag gefteüt würbe, ben Slngeftagten wegen 23efi$eä non 
j w e i ungeftempelten Äartenfpielen in bie ©elbftrafe non sweü 
mal je 30 ÜH. ju oerurteilen, weil ttadh einem Sefchluf? beS 
S3unbeärats nont 1. Ütooember 1878 (f. Slmtsbl. beö ©teuer; 
foHeg. non 1878, ©. 149) bei einem ©aigelfpiel, wie bas nor-- 
liegenbe, jebe$ ber beiben ^erjaffe mit bem 9leidh3ftempel non 
30 ißfg. ju nerfehen gewefen wäre. 

Die ©traffammer b«t burcf) Urteil nom 19. Slpril 1886 
bie non ber ©teuerbef)örbe eingelegte Berufung für teilweife 
begrünbet erflärt, bemgemäfj baä fcfjöffengeridbittidje Urteil auf; 
gehoben, unb ben Slngef tagten wegen einer SSerfefjIung gegen 
ba§ ©pielfartenftempetgefejj in bie ©elbftrafe non 30 3JI. oer= 
urteilt, |>iebei ift bie ©traffammer non folgenben ©rünben 
ausgegangen : 

„1. gtmcidjft war als aufjer 3roeifef fte^enb ju erachten, 
baf? § 1 beS @efe|es nom 3. $uli 1878 nur eine einmalige 
Slbftempelung ber ©pielfarten gegen bie Abgabe non 30 ißfg. 
für ein ßartenfpiel non 36 ober weniger blättern unb non 
50 Pfennig für jebeS anbere ©piel norfchreibt. Der § 10 beS 
gebauten ©efefceS belegt ben Sefifc ober ©ebrauch non ©piel= 
tarten, weld&e ber SSorfd^rift beS § 1 juwiber nicht mit bem 
erforberlid&en ©tempel nerfehen finb, für jebeS ©piel mit ber 
©träfe non 30 SJfarf. |)ierau3 folgt mit red^tlid^er s Jlotwen- 
bigfeit, bafs in bem galle, wenn ber noHgültige ^Beweis erbradtjt 
norläge, bafi bei einem Äartenfpiele ber erforberli^e ©tempel 
urfprüitglidh norlfanben war, aber burcf) irgenb welken Um= 
ftanb nachgeljeubs unfenntlicf) ober nicht mehr fidhtbar geworben 
ift, bie Seftimmungen beS § 1 be^w. 10 bes gebadeten ©efe^el 
nicht gutreffen, ba eine hoppelte Sefteuerung beSfelben ©egen= 
ftanbeS nicht nur aus allgemeinen fRedfjtSgrünben, fonbern auch 
nach -Wafigabe biefes ©pesialgefefceS auSgefdhloffen ift. 

2. ©benfo felbftnerftänblich war bie auch auf e * ne % er: 
fehlung biefer 2lrt gebotene Slnwenbung beS allgemeinen ftraf-- 


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Äbljcmblung. IX. 


225 


projeffualifdhen ©runbfafseS, baf? bem Ingeflagten, foH er jur 
©träfe gejogen it)erben fönneit, ber StadhroeiS feiner ©erf<hul= 
bmtg ju liefern ift, ba eine gegenteilige, bie ©eroeislafl auf 
ben Slngeflagten fiberroäläenbe ©eftimmung in bem ©efefce nicht 
enthalten ift. 

3. ®iefer ©dfjulbberoeiS ift nun aucf) burdh bas ©rgebnis 
ber heutigen |>auptoerhanblung als noEftänbig geliefert ju er= 
ad^ten. £urdii bie ©utadhten ber einoernommenen ©a<hoer= 
ftänbigen, non benen inSbefottbere ber ^rofeffot Dr. ö. eine 
genaue Unterfuchung ber betreffenben Datenblätter mittels ber 
Soupe, foroie ©erfuche beS 9lbroafd[)enS ber harten mittels 
©aumrooEe unb ©eife angefteEt hat, ift in Uebereinftimmung 
mit bem flaren ©rgebniffe beS non bem ©ericht felbft norge= 
nommenen SlugenfdheinS als feftgefteEt ju erachten, baff an 
feinem ber beibeit fp erraffe je einmal ein ©tempel fidt) befanb, 
inbem in anbetracfjt ber überall unoerroifdhten garbe unb bem 
noch noEftänbig erhaltenen ©lanje, ber ©lätte unb Unoerfehrt= 
heit biefer harten es als fdhledjthin unmöglich etfannt roerben 
mufj, bah burch etroaigeS 2Baf<hen ober häufige^ ©enüjäen ein 
urfpriinglidh norhanbener ©tempel in foldher SEBeife ohne irgenb 
roelche erkennbare ©pur ober ©ubftanjbeeinträdhtigung hätte 
[offen getilgt roerben fönnen, eine Initahnte, bie baburdh nodh 
untrüglicher roirb, als es fidj um ; ro e i Datenblätter hanbelt, 
non welchen baS eine, rote bas aitbere baSfelbe ©ilb abfoluter 
Unnerfehrthelt barfteEt. EJlan fonnte baher nicht im geringften 
©ebenfen tragen, ben ©efdfjulbigten, ber ben Snoerb unb ©efifc 
biefeS DartenfpieleS in feiner Eßeife in Slbrebe fteEt, bieSfaES 
einer ©erfeljtung gegen ben § 10 2lbf. 2 beS gebachten ©e= 
fefseS für fchulbig ju erfennen. 

4. 2Benn nun aber weiterhin ber üffebeitfläger, geftüfst auf 
einen ©efdhlufe beS ©unbesrats nom 1. ©ooember 1878, ben 
Antrag gefteEt hat, bie für biefe ©erfehluitg gefe^lich ange- 
brol;te ©träfe non 30 hoppelt ju erfennen, fo fonnte man 
fid) nicht oeranlafjt finben, biefem Antrag ftattjugeben. ®aS 
fogenannte ©aigelfpiel befielt, mic burdh ben ©adhnerftänbigen 
6. im roefentlichen begutachtet mürbe, aus 48 Daten, roeld^e 


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226 


Slbljanbtunge«. 


in ihrer 3ufammengefjörigfeit unb gleichseitigen Venüßung nach 
Vtaßgabe ber beftehenben (Spielregeln ein für biefes Spiel 
notwenbigeS einheitliches ©anse bilbett, unb roobei ber Um= 
ftanb, baß je swei Harten non gleicher Vefchaffenljeit norf)an= 
ben ftnb, ebenfo unerheblich ift, tnie bieS bei bem fogenannten 
„Grabuge-Hartenfpiel" ber gatt su fein f cf) eint, welches „Hartem 
blätter berfelben garbe in nietfacher SBieberfiolung" enthält, 
unb besüglidj beffen in ber Vefanntntadjung beS 9teicijSfansler= 
amts nom 2. Vonember 1878 angeorbnet ift, baß nur eines 
ber norhanbenen gleichen nier 2lßblätter geftempelt werben fott. 

3)tan fonnte baher nur ben flaren SBortlaut bes ©efeßeS 
felbft bieSfallS für maßgebenb anerfennen, wonach gemäß § 1 
ein Spiel ton mehr als 36 blättern bie erhöhte Stempel: 
fteuer ju besohlen hat, im übrigen aber auf bie 3aßl unb bie 
Vefchaffettßeit ber einseinen Hartenblätter lebiglich fein ©e= 
wicht gelegt ift. demgemäß gelangte man su ber rechtliche« 
2lnf<hauung, baß im gegebenen gatte nur ein einiges su be= 
ftempelnbeS Spiel norlag unb mithin bie Verfehlung nach § 1° 
bes ©efeßeS auch nur ben einmaligen 2lnfaß ber angebrohten 
Strafe nach ft<h sieh en fanu." 

2SaS ben leßten ißunft betrifft, ben Slnfaß ber einfachen 
Strafe non 30 <%, anftatt ber hoppelten Strafe non 60 
fo hätte bie ©teuerbehörbe hiewegen nietteicht ttteoifton an baS 
VeichSgeridjt erheben fönnen, fie hat jeboct» banon Umgang 
genommen, bauptfäcfjlich aus bem ©runbe, weil materiell im 
norliegenben gatte eine Strafe non 30 Jfc genügenb fdjien. 

2BaS aber bie Verurteilung überhaupt betrifft, fo hatte 
bie Steuerbehörbe, nadjbem ber Sfageflagte ihrem Antrag ent= 
fprechettb in bie Strafe nerfättt worben ift, felbftoerftänblicb 
feinen Sttnlaß ein Rechtsmittel hiegegen s» ergreifen. ®leich : 
wohl unterliegen auch bie ©ntfcheibungSgrünbe ber Straffarm 
mer, foweit fie mit benjenigen bes Schöffengerichts in Ueber= 
einftimmung ftehen, nach Sttnficht bes SteuerfottegiumS erheb: 
liehen Vebenfen. 

®em Steuerfottegium ift gerabe bamalS ein ähnlicher gaH 
norgelegen, in welchem baSfelbe als Veßhwerbe^nftans — auf 


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Stbfjanbtung. IX. 


227 


eine gegen ben ©trafbefdjeib beS HameralamtS ©. erhobene 
33efc^roerbe — ju etitf (Reiben jatte. Riebet ift bas ©teuere 
foEegium non einer wefentlidj oerfcjiebenen Stuffaffung auS= 
gegangen. @S möge bajer geftattet fein, auej bie ©ntfcjeibung 
bes ©teuerfoEegiumS oom 7. SJtai 1886 ijier mitjuteüen : 
„©er § 10 beS ©efefceS über ben ©pielfartenftempel be= 
ftintmt in 2lbf. 2, baf? berjenige, melier ber Sorfdjrift biefeS 
©efefces juroiber Harten, bie mit bem erforberlidjen ©tempel 
nidjt oerfefien ftnb, erwerbe, bamit fpiele, ober foldje wiffent= 
Udj in ©ewaljrfam t>abe, für jebeS ©piei in eine ©träfe oon 
30 «% oerfaEe" unb weiter in 2lbf. 3: „bafj SBirte biefelbe 
©träfe oerwirft Ejabeit, wenn in itjren Sofalen mit ungeftem= 
pelten Harten gefpielt unb nidjt nadjgeroiefen werbe, bafj bieS 
ojne ijr SBiffen gefdjejen fei." 

Sei bem Sefdjwerbefüfjrer U. , weither SBirt ift , würbe 
nun am 9. gebruar b. $3. ein aus 48 Slättern beftejenbeS 
altes ©aigelfartenfpiet oorgefunben, welkes oon bem Se= 
fdjulbigten felbft, wie er jugibt, bes öftern jum ©pielen mit 
feinen ©äften benüfct würbe. 2Bie ber äugenfdjein ganj un= 
jweifelfiaft ergibt, trägt oon ben beiben §erjaffen beS ©piets 
in bem ^uftanb, wie fxe fid) jefät barfteHen, feiner aud) nur 
bie geringste ©pur eines Stempels, ©em SBortlaut naej ift 
bajer ber Sefdjulbigte ftraffäUig, fofern er Harten, welche 
nidjt mit bem erforberlidjen ©tempel oerfefien finb, wiffentlidj 
im ©ewajrfam gehabt unb felbft in feinem SBirtStofal mit 
foldjen Harten gefpielt jat. @r behauptet nun, bie Harten 
feien früher geftempelt gewefen, unb es jabe fidj ber ©tempel 
nur infolge einer im Januar b. QS. oorgenommenen Steini= 
gung mit Unfdjlitt oerwifdjt, er fei beSfjalb niejt ftrafbar. @S 
geigen nun aHerbingS bie Harten ©puren oon einmaligem ober 
öfteren Slbwafcjen unb Steinigen, unb eS wäre an ficj mög= 
licj, bie ißerfon, weldje nadj Angabe beS Sefcjulbigten beim 
Steinigen ber Harten bejülfticj gewefen fein foE, als $eugen 
bartiber ju oernejmen, ob bie Harten oor ber Steinigung einen 
©tempel gehabt jaben. SlEein baS ©teuerfoHegium jat ftcj 
niejt oeranlafjt gefejen, hierüber Seweis eingugielien : ©emt 


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228 


9l6£)anblungen. 


bas ©efe| bebroht nicht bie |jinterjiehung ber ©teuer, fon= 
bern bie ^^atfadje beä 93 e f i|e 3 »on harten, welche nicht 
mit bem erforberlichen ©tempel oerfehen finb, ober beä ©pie= 
lenes mit ungeftempelten Sorten. 

$iefe $h at f a( h e ift im oorliegenben galt gegeben, unb e§ 
b«t ber 33ef<hulbigte fid> bie folgen felbft ^ujufchreiben, roenn 
er ben ©tempel, falls ein folget je früher auf ben Sorten 
gewefen märe, butd) baS Steinigen ber Sorten fo »oHftänbig 
»erwifdht fyat, bafj nicht eine ©pur oon bemfetben mehr ficht 
bor ift. 

2Bürbe für ben fjfaH be§ StachweifeS, bafj bie Sorten 
früher geftempelt gewefen feien, ber 33ef<hulbigte frei gefpro-- 
dheit, fo hätte bieS bie weitere golge, bafj bie Sorten auch 
nicht eingejogen werben bürften, jo bafj nicht einmal bem 93c- 
fdjulbigten jugemutet werben fönnte, bie Sorten neu ftempeln 
ju laffen. ®enn bie greifpredjung würbe fich 
ebenboroufgrünben, bafj mit ber er ft en 21 b- 
ftempelung bet Sorten bie ©teuer b e j a h 1 1 
unb eine hoppelte ©ejahlnng ber ©teuer im 
© e f e | nicht oorgefchrieben fei. @3 m ü fj t e alfo 
bie fernere 33enü|ung b e <S fraglichen unge-- 
ftempelten ©aigelfpiels ;um ©pielen in bem 
SBirtSlofal beä 33efchutbigten gebulbet unb 
fo bem le|teren gerabe§u ein fjreibrief für 
eine im ©efe| »erbotene £ a n b l u n g erteilt 
werben. ®iefe Sonfequenjen fönnen ober nicht in ber Hb- 
ficht beS ©efeleä liegen. 

SDemgemäfj war bie 33ef<hwerbe beä U., wie gesehen, ju 
»erwerfen." 

Söeiter würbe bem Samerolamt }U erfennen gegeben: 

„25oä ©aigelfartenfpiel befteht au£ jwei Sartenfpielen 
mit je 24 Sorten unb je einem &erjajj. 2Benn nun auch 
baS „©aigel" genannte ©piel nur mit fämtlichen 48 Sorten 
gefpielt werben fann, fo fönnen bagegen anbere lanbeSübliche 
©piele, j. 33. ©ecf>äunbfe<haig, fdhon mit jebent einzelnen ber 
beiben aus 24 Sorten beftehenben Spiele gefpielt werben. 


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StBIjanbtung. X. 


229 


Der VunbeSrat hat bemnadß fdion am 1. 'Jtoo. 1878 befd)lof= 
fen, bafj jebe^ ber Beibett im ©aigelfpiel oon 48 Äarten oorhan= 
benen $erjaffe mit bem Steichsftempel oon 30 $fg. ju oerfe^en fei. 

Qn einer ©ntfdjeibung com 29. Dejember 1880 Bat baS 
SÄeidB^geridBt, III. ©traffenat, auSgefprocfjen, baß als ©piel= 
farten im ©inne bes ©efefceS »om 3. 3uli 1878 folcBe harten 
anjufefjen feien, mit melden irgenb eines ber gewöhnlichen Äarten= 
fpiele gefpielt werben Eönne, unb ber VurtbeSrat Bat ficB butch 
53ef<Blu§ oom 5. Quli 1882 biefer Definition angefdjloffen '). 

Da nun mit jebem ber beiben einjelnen Ä’artenfpiele, aus 
benen bas ©aigelfartenfpiel befteht, eines ber gewöhnlichen 
Äartenfpiele, 3 . 33. ©ecljSunbfechäig, gefpielt roerben fann, unb 
im uortiegenben galt feines ber beiben ^erjaffe geftempelt 
mar, fo märe hienach ber Vefdjulbigte wegen VefifceS oon jwei 
ungeftempelten Äartenfpieten mit ber ©träfe uon zweimal 30 •.% 
ju beftrafeit gewefen. @S fönnte [ich bafjer fragen, ob nicht, 
ba in bem ©trafbefdheib beS ÄameralamtS nur wegen ©ineS 
©piels bie ©träfe angefefct ift, ein weiterer ©trafbefcfjeib we= 
gen beS jweiten ©piels auSjufpredjen wäre. ©S fann jebod) 
hieuon nach Sage ber ©ache Umgang genommen werben, ba 
materiell eine höhere ©träfe als 30 «% für bie Verfehlung 
beS Vefdjulbigten U. feinenfatts angejeigt erfcljeint." 


X. 

$ann ber bttn Arbeiter ober Sienftboten bereits ausbe= 
jahlte |Lrbeits= ober jBienftloljn an bem Sag, an weldjem ber= 
felbe gefeßlid) oertrags= ober gewohnheitsmäßig ju entrichten 
mar, gepfänbet werben? 

§. 749 3. 1. iteidjsgefeh uom 21. Suni 1869 
betr. bie J5e|ihlagnal)me bes 3Ubeits= ober Sien(ttohns § 1. 

SSon 

SlmtSridhter ©ul 3 er in föeibenheim. 

3n einer gwangSuoHftrecfungSfadhe würbe auf gruitb eines 

1) SSergt. (Srtajs beS SteuerloU. 00 m 28. 3uli 1882 (SImtSBI. S. 280). 

3a$rbü$er b. fflttrttembg. Me^tspflege. I. 10 


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230 


Stbfjanblungen. 


SMftrecfungStitelS »ottt ©eridbtSüOÖjieber in ber 2IrbeitS= 
lohn eines gabrifarbeiterS, roelcber alle 14 ©age 3af)ltag bat, 
an einem folgen gepfänbet, nadhbem ber Arbeiter in ber 
brif benfelben bereits in Empfang genommen batte. 

®ie com Arbeiter gegen Meie fßfänbung beim SlmtSgeridht 
§. erhobene befchmerbe mürbe aus bem ©runbe uerroorfen, 
roeil ein non einem gabrifarbeiter in ©mpfang genommener 
Sohn ein pfänbbares Dbjeft bilbe. Radhbetn ber Arbeiter 
gegen biefe (Sntfdbeibung bie fofortige Sef^roerbe eingelegt bat, 
mürbe bie Sntfcfieibung beS SImtSgericbtS |>. als ungef erlich 
aufgehoben unb befagen bie ©riinbe: 

„®aS Amtsgericht $. bat bie oon bem ©cbulbner gegen 
bie ^fänbung feines Arbeitslohns erhobene ©inroenbuttg aus 
bem ©runb jurüdCgetmefen, raeil auf bie ißfänbung eines oorn 
©cbulbner für geleiftete Arbeit fdjon empfangenen Sohns 
bie 23orfd£)rift beS § 749 3- 1 ber S.^.D. ficb nicht beliebe. 
SDiefer (SntfcbeibungSgrunb beruht auf einer irrigen Stilllegung 
beS ©efefceS. 

Stadb § 749 3- 1 ber ©.fß.D. ift ber Sßfänbung nicht 
unterroorfen ber ArbeitS= ober ©ienftlobn nach ben S3eftim= 
mungen beS ReidbSgef. o. 21. Quni 1869, unb nach 
§ 1 biefes ©efefeeS barf bie Vergütung für Slrbeiten ber oor= 
liegenben SIrt erft mit S3ef<f)lag belegt roerben, nadhbem ber 
31 a g , an meinem bie Vergütung gefe^Iidh oertragS= ober ge= 
mobnbeitSmäfjig ju entrichten ift, ab gelaufen mar, ohne 
ba§ ber Seredjtigte biefelbe eingeforbert bat. 

Unter bem AuSbrucf „Vergütung" ift febon nach bem ge= 
roöbnlidhen Sprachgebrauch feineSrcegS nur eine ^orberung, 
fonbern ebenforoobt ein bereits empfangenes ©elbäguioalent 
ju uerfteben. ®af? aber auch i. ©. beS gen. ©efefseS unter 
ber „Vergütung" nicht nur ber rücfftänbige, fonbern auch ber 
an ben berechtigten auSbejablte Sohn begriffen ift, ergibt ftch 
aus ben berbanblungen bes Reichstages über biefeS ©efef}. 
©er § 1 beS ©efefses oerbanft feine jefeige Raffung mit AuS= 
nähme ber ©Chlufnoorte („ohne bafi jc."), roelCbe erft bei ber 
dritten ^Beratung im Reichstag hiujufamen, bem borfcblag ber 


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Slüljanblutig. X. 


231 


Äomntifjton beS ffteid&StagS. $n betn Seridht biefer Äommif= 
fion Reifet es: Sie Äommifjton fjabe fi<h oeranlafst gelegen, 
ben ^eitpunft ber SBefdhlagnahme nach jroci ÜDferfmalen ju 
charafterifieren, nämli<^ einmal nach ber bereite erfolgten SeifU 
ung ber Arbeiten unb ferner nach ber eingetretenen gäUigfeit 
beS Sohns. Ser lefctere 3 e iiP un ^ würbe ftreng genommen 
mit bem ÜDtoment jufantmenfallen, in roeldjem ber Sohn auS= 
bejablt ju merben pflegt, bodf) mürbe baS ©efe| ben grölten 
Seil feines SBerteS einbüfjen, roenit es bem ©laubiger, melier 
bie Vergütung mit 33efd)lag belegen roiU, ober bem SBoUftrecfer 
geftattete, mit bem bienftleiftenben ©chulbner gleichzeitig am 
3a|ltifdb ju erfd)einen unb ftatt beS ©djulbnerS ben bereiten 
Sohn in Empfang ju nehmen ober bie 2luSjahlung zu Derf)in= 
bem. 2luS biefem ©runbe fei ber StafangSpunft ber E?efutionS= 
fähigfeit auf ben nädhften Sag nach Slblauf ber Sohnperiobe 
o erlegt roorben '). 

Unb ber 8eri<hterftatter ber ilommiffion , 2lbgeorbneter 
SaSfer, fagte jur Erläuterung beS § 1 im 9tei<h3tag folgenbeS : 

„Sie Sfommiffion roünfdht anjuorbnen, ba| folc^e Söhne 
nicht mit 33ef<hlag belegt merben bürfen bis zu bem Sag nach 
ber gäüigfeit. SiefeS „9ftttbefchlagbelegtroerben" ift nach ber 
Ülbficht ber Äommiffton ibentifdj mit SMftrecfung ber Efe= 
fution bergeftalt, bajj ber erhobene Sohn auch nicht 
bei bem Arbeiter mit 23 e f <hl a g belegt merben 
barf, ehe ber Sag abgelaufen ift, an roelchem bie Zahlung 
beroirft roorben ift a ). " 

9iadf) bem SBorfchlag ber Äommiffion follte alfo bie Se- 
fdhlagnahme beS Sohns erft am Sag nach bem Wahltag, bann 
aber unbebingt juläffig fein. 

23ei bet britten Beratung beS ©efefceS im Reichstag 
mürben bann auf Antrag beS Ülbgeorbnetett DteichenSperger 


1) JJrudfadjen be8 SReidjStagS t>. 1869 Sb. III. <S. 587 u. neue 
Quftijgefefcgebung im fiönigteidj 20ürttemberg, Sb. IV. ©. 62 unten. 

2) ffiructfachen beS SReübätctgS d. 1869, Sb. II. ©. 910 (. u. 

16 * 


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232 


Slblj unblutigen. 


bcm § 1 noch bie jefeigen ©cfeluferoorte (ohne bafe zc.) beigefügt. 
£)urcfe biefe ©chluferoorte wirb beftimmt, bafe bie Sefdjtagnahme 
ber Vergütung nach bem 3lblaufe beS 3 a hftagS nur bann ju= 
läffig fein foE, roenn ber SSergütungSberedhtigte bie 33crgütung 
oon bem Arbeitgeber n i cfe t eingeforbert hat. 

Unter bem Ginforbem ift, mie fid) aus ber Siebe beS 
AntragfteEerS im Sieidjstag unjroeifelhaft ergibt, nur ber gaff 
ju oerftehen , roenn ber Arbeiter ben £ofen f o r b e r t , aber 
nicht erhält, benn bur<b bie ©cfeluferoorte beS § 1 foEt na<h 
ben ©orten beS AntragfteEerS SSorforge getroffen werben, bajj 
ber Arbeiter ni<fet »om Arbeitgeber abhängig, fonbern ben ge= 
fefeliifeen ©cfeufe fo lange geniefee, als er nicht felbft ju erfennen 
gegeben hat, bafe er bem Arbeitgeber Ärebit erteilen toiU, im 
bem er feinen Sohn am 3 a h^ag nicht einforbert ’). ,§at alfo 
ber Arbeiter ben £ofen am 3at)ltag geforbert, aber nicht er= 
hatten, fo ift bie Sefcfelagnafeme au<fe nacfe bem 3afeltag uro 
jutäffig, hat bagegen ber Arbeiter ben ßofen am 3afeltag nicht 
geforbert, fo ift bie Öefcfelagnahme feiner Sofenforberung oom 
3ahltag an juläffig. gür ben brüten gaH, roenn ber Arbeiter 
roie in ber oorliegenben Sache, am 3afeüag feine Vergütung 
geforbert unb erhalten hat, finb bie ©cfeluferoorte beS § 1 non 
feiner Sebeutung. 

®enn ba unter bem „Gittforbetn", roie gezeigt rourbe, 
ein oergeblicfeeS gorbern ju oerftehen ift, fo rooEte ber ©efeg- 
geber burcfe bie ©cfeluferoorte beS § 1 bie Unjuläffigfeit ber 
Sefcfelagnafente nur für ben gaE, roenn ber Arbeitet feine 3Ser= 
gütung oom Arbeitgeber noch ä“ befommen hat, nicht aber für 
ben gaE, roenn ihm bie Vergütung bereits auSgejafelt ifi, über 
benfenigen 3eüpunft hinaus erftreden, roelcfeer nach bem übrigen 
gnfealt beS § 1 mafegebenb fein foE. ÄeineSroegS aber fann 
barauS, bafe bie ©cfeluferoorte beS § 1 ohne 33ebeutung finb 
für ben gaE, roenn ber Sohn bem Arbeiter auSbejafelt rourbe, 
gefcfeloffen roerben, bafe überhaupt ber § 1 nur SSergütuitgS- 


1) SOergt. SDrudf. beä AeiefeätagS o. 1869, Sb. II. ©. 980; Sejolb, 
©efefegebuttg bed beutfcfjen Sfteic^ö Sb. I. ©. 118 — 120. 


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2U>f>anbtung. X. 


233 


forberungen, nidjt aud) aulbejaljlte Vergütungen betreffe, benn 
für btefe Folgerung fehlt el an jebem Anljaltlpunfte in ber 
@ntftet)ungjSgefd)i<f)te jener ©chluferoorte bei § 1, unb ba! 
©egenteil ergibt ficf) mit Sicherheit au! bem oben angeführten 
Äommiffionlberidht unb ben ©rläuterungen bei Veridjterftatter! 
im Sieidjätag. 

3)al (Srgebni! ber oorfteljenben Aulführung ift, baf? nidjt 
nur bie ißfättbung einer Vergütunglforberung, fonbern aud) 
bie ipfänbung einer aulbejafjlten Vergütung erft juläffig ift, 
nachbem ber £ag, an meinem bie Vergütung ju entrichten 
mar, abgetaufen ift." 

©egen btefe Aullegung bei cit. § 1 fpredjen fe^r geroidj- 
tige prattifdje ©rünbe. 35arf nämlich nicht allein ber noch 
aulfiehenbe Arbeitslohn, fonbern auch ber oom 2trbeiter bereitl 
eittfaffierte Sohn am Wahltag nicht befdjlagnahmt toerben, fo 
ift ber ©laubiger in feinem gntereffe ferner gefdjäbigt. 35er 
Arbeiter \)at eä bann in ber |>anb, ob er ben Sohn auf ben 
nädjften £ag feinem ©laubiger referoieren ober aber entstehen 
roiH. 35er ©laubiger hätte felbjl in bem gälte bal blofse 
Stadjfehen, roenn fich ber Arbeiter unter feinen Augen am 
Wahltag mit bem Sohn aul bem ©taub machen, ober benfelben 
auf bie empörenbfte Seife oerfdiroenben mürbe, nur bamit er 
nicht in bie fpänbe feine! ©laubiger!, refp. bei ©erid)t!uoll= 
jieher! fiele. 35er ©laubiger mürbe alfo in eine ganj fchlünme 
Sage oerfe|t, roeldje ohnehin einem Arbeiter gegenüber all 
feinem ©djulbner nicht günftig ift, infofern biefer in ber Sieget 
aufeer feinem Sohn nicht! befi^t unb fich gegen brohettbe 2ln= 
griffe feine! ©laubiger! auf biefen burcf) Vorfdjüffe, roeld)e er 
fich im Voraul oon feinem Arbeitgeber geben läfjt, fdjüfcen 
fattn. 2lnbererfeit! mürbe aber ben Arbeitern fetbft ein f<hledj= 
ter 35ienft erroiefen, infofern biefelben auf einen itrebit faum 
mehr rechnen bürften, auf welchen fie bei ihrer Vermögen!-- 
lofigfeit fo häufig angeroiefett finb. Selchen ©rfotg foüte fich 
auch ber ©läubiger »on einer groangSooIIftrecfung »erfprechen, 
roenn er roeifj, bafj ber ©erid)t!»olI$ieher beim ©dntlbner oor= 
gefunbene! bare! ©elb, roenn el für eben eingenommenen 


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234 


Stb^anblungen. 


Soßn erflärt roirb, nidht pfänben roirb, weil er eben bem ©elb 
nidf)t anfefjen fann, ob es fidh bamit fo, ober anberS »erhält. 

®iefe (Srroägungen geben Sttnlaß, roieberholt bie grage 
aufjuroerfen , ob benn bas ©efeß felbfl ju obiger Auslegung 
bes cit. § 1 jrüingt ; bieS erfcßeint jroeifelhaft, benn 

1. mag man auch auf gefcfjic^tlid^em 2Beg ju bem fRefultai 
fommen, baß ber ©efeßgeber mit bem ©djlußfaß: „ohne baß 
ber SBergütungSberedßtigte biefelbe eingeforbert l;at" nidht t>at 
fagen motten, baß ber § 1 nicht jur 2lmoenbung tommen fott, 
roenn ber SergütungSberedßtigte biefelbe eingeforbert fyat, baß 
er oielmehr entgegen bem Haren SBortfinn bamit hat fagen 
motten, baß ber § 1 uicfjt jur Slnroenbung fommen fott, roenn 
ber SBergütungSberecßtigte biefelbe „oergeblidh" eingeforbert 
hat, fo ift man aud) in biefem $att, infofern unter bem Sßort 
„biefelbe" nur bie oorauSgegangene Vergütung oerftanben fein 
fann, unb über biefelbe als einer immerhin noch auSftehenben 
Vergütung Seffhnmung getroffen roirb, ohne rueitereS geneigt, 
bie Vergütung im (Sinn oon SBergiitungSforberung auf jufaffen 
unb anjunehmen, baß ber ©efeßgeber baS SBort Vergütung 
nur ans bem ©runb gewählt ßat, um einen einheitlichen paß 
fenben 2lu3brucf für oerfdhiebenartige ©ntfdhäbigungSanfprüdhe 
aus SttrbeitSleiftungen ju h a ^ en - hierauf meist baS ©efeß 
felbft hin, inbem ju bem 2Bort „Vergütung" in Wammern 
beigefeßt ift: Sohn, ©eßalt, Honorar u. f. ro. 

2. ®ie (SntftehungSgefd&idhte beS § 1 bürfte eher ju bem 
©rgebitis führen, baß unter bie finguläre sBeftimntung beSfelben 
bie oom Arbeiter bereits in ©mpfang genommene Vergütung 
nidht fällt. 

®er SunbeSrat roottte, roie aus bem § 1 bes ©ntrourfs 
ju bem ©efeß betr. bie Sefchlagnahnte bes 3lrbeitS= unb 2)ienft= 
lohneS, foroie aus ben 3Jlotiocrt hieju henrorgeht, fogar ben 
noch nidht oerbienten Sohn ber fogenannten arbeitenben Waffe 
in geroiffem Umfang ber ^efdjlagnaljme unterwerfen, wogegen 
bie Äommiffion bes ftteicßStagS, roie aus bem ftommiffionS; 
bericht hevoorgeßt, rein aus fojialpolitifchen ©riinben biefen 
überhaupt oon ber Sefdhlagnahme ausgenommen roiffen wollte. 


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aifcfjanblung. X. 235 

Ser oerbiente Soffn füllte aber nach ber 2tbfid)t beiber gefe|= 
geberifcbett gaftoren ber 33ef<f)lagna(jme unterliegen. 

Sen 3«itpunft heg oerbienten unb barum ber 33ef<hlag= 
nannte unterliegenben Soljng beftimmte bie Äommiffton beg 
flteid&ätagg nach ben beiben SRerfmaten ber bereite erfolgten 
Seiftung unb ber eingetretenen gäUigfeit. 

Ser oerbiente 2oljn ift bemnach bag erft infolge ber effef= 
tuierten Arbeit erworbene, jur ©r^ebung fättige Kapital, unb 
erfdheint ba, wo bie Vergütung nach ber Statur bes Sienft= 
oerhältnijfeg erft nach einer Stnga^l oon Sagen ober SBodjen 
ja^lbar gemalt ju werben pflegt, alg 3 e ^P un ^ ber f§äHig?eit 
beg Äapitalg ber Slblauf ber Sohnperiobe, b. l> ber SRoment, 
in welkem ber Sohn augbesafflt p werben pflegt. 

Sann unb wann wirb aber ber Arbeiter abgehalten fein, 
in biefem Moment feinen Sohn in ©mpfang p neunten, bieg 
foE ihm nun nichtg f haben, inbem ber ©laubiger erft bann, 
wenn ber Arbeiter am 3at)ltag überhaupt feinen Sohn nid^t 
erhoben unb bamit aus legerem eine fapitalifierte ©<$ulb ge= 
macht hat, biefen für fiel) in Slnfprud) nehmen barf. 

Sag bie ftommiffion bes 3teid)gtagg mit ben SBorten beg 
citierten, feine Raffung ber ftommiffion oetbanfenben ©efefceg; 
Paragraphen 1: „unb nachdem ber Sag abgelaufen ift, an 
welkem bie Vergütung gefe|licli, oertragg= ober gewohnf)eitg= 
mäftig p entrichten war" nur ben eben angeführten ©inn 
oerbunben hat, erhcEt aug bem Sommiffiongbericht felbft, in= 
bem eg bort tjeifjt : „Ueberbieg würbe biefeg ©efefc ben größten 
Seil feineg SBerteg einbüflen, wenn eg bem ©laubiger, welcher 
bie Vergütung mit S3efc^tag belegen will, ober bem 23oEftre<fer 
geftattete, mit bem bienftleiftenben ©djulbner gleichseitig am 
3ahltifdh s« erfheinen unb ftatt beg letzteren ben „bereiten" 
Sohn in ©mpfang su nehmen ober bie ülugbeplflung su oer= 
hinbern." Ser Äommifflongbericht fpricht alfo nur oon einer noch 
nicht erhobenen, noch augftchenben Vergütung unb oernteibet 
eg, bie finguläre 'Mtimmung, welche er für erfteren treffen 
rniü, augsubehnen auf eine am 3affltag bereitg erhobene, jum 
©injug fällig gewefette Vergütung, welche fich burcl) bie 93efi§= 


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236 


2lb!)anMungen. 


nähme feitenS bes 2lrbeüerS in ben meiften fällen in befielt 
bareä non anberen in feinem Sfefijs beftnblidhen 23artnitteln 
nicht unterfdheibbares ©elb oerwanbelt hat. 

3. 3u biefer 2luffaffung pafft au cf) ber Inhalt beS § 2 
beS ©ef. betr. SSefdhlagnahme beS 2lrbeitS= uttb £)ienftlohnS. 
2Bäre audh bie 33efd)lagnahme ber in Gmpfaitg genommenen 
Vergütung nach § 1 beS cit. ©ef. am 3af)(tag uttjuläffig, fo 
fömtte nach § 2 2lbf. 2 ber Slrbeiter an biefem £ag auch nicht 
rechtsgültig über biefelbe oerfügen, was eine für ben Arbeiter 
nachteilige ©infchrcitthing enthielte unb beShalb ber ganzen 
ratio legis wiberfprecf)en mürbe. '2lbf. 2 beS § 2 beftimmt 
näittlidh: „Soweit nach biefen 33eftimmungen (b. fj- nach ben 
Seftimmungen beS § 1) bie Sfefcfflagnahme unguläffig ift, ijt 
audh jebe Verfügung burdf) Geffton, 2lnmeifung, 93erpfänbung 
ober burdh ein anbereS 9te<htSgefchäft ohne rechtliche 2Birtung." 

2lls ein rein ju gunften beS Arbeiters gegebenes jus 
singulare, als welches eS audh int Sinn be» ©efefceS fein fotl, 
erfcheinen § 1 u. § 2 beS ©ef. nur, roenn man non ber 2luf= 
faffung ausgeht, bah ^reburd^ ber Arbeiter blojj barin gefidhert 
werben wollte, bah er feine Vergütung für geleiftete 2lrbeü 
am 3ahltag unoerfürjt überfomme. 

4. 2ludh bie fH.G.fJJ.D. hat offenbar, non ber Slnftdht aus= 
gehenb, bah § 1 beS ©ef. über 23efdhlagnahme beS 2lrbeitS= 
unb ®ieitftlohnS nur 23ergütungSforberuitgen im luge habe, 
ben nadf) biefem ©efeg nicht pfättbbaren IrbeitS- unb ®ienft= 
lohn in § 749 unter bie ber fßfänbung nidht unterworfene 
„^orberungen" ohne irgenb einen S9eifah aufgenommen unb 
in § 715, welcher non ben ber fßfänbung nidht unterworfenen 
Sadhen f;anbelt , nidht etwa ben einfaffierten 2lrbeitS= unb 
Sienftlohn währenb ber £auer beS 3ahHagS, welcher ft<h als 
ein im 33efifc beS SdhulbnerS befittblidher ©egenftanb ebenfo 
gut, wie jeber ber in § 715 aufgeführten ©egenftänbe, bar= 
ftellen würbe, aufgeführt. 

2lnberS wäre es aud) nidht leidjt ju erflären, bah bie 
G.^ß.D. bes 2lrbeitS= unb SDienftlohnS nur in § 749 @rmäh= 
nung ttjut, währenb fte non bem 2>ienfteinfommen ber Dfh- 


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SlBljanblung. XI. 


237 


jiere, SDtilitäraräte 2 c. :c., je nadjbem bagfelbe nodj auSfteßt 
ober bereite bezogen ift, befonbere Seftimmung foroofjt in § 749, 
a(8 in § 715 b. ß.ip.D. trifft 1 ). 


XL 

Steljt itr in lanbredjtlidjer CfrrungenfdjaftsgcfcUfdjoft le= 
btnben (Sljefrau niäljrenb ber flauer biefer (Sefeüfdjaft l)tnfiiijt= 
lid) Ujres in ber gefeßltdjen öcrroattung bes (Sljemanns fleljcnben 
beroeglidjen Sonberoermbgetts ein bie Veräußerung ßinbernbea 
Vedjt im Sinne bes § 690 ber Veidjsriuilfrojeßorbnung ju? 

Son 

SRedjtSanmalt |)efj in Ulm. 

SMefe grage ift »on bem DberlanbeSgeridit abroeidjenb 
»on ben Srfenntniffen einzelner SanbeSgeridjte burcf) $erufung3= 
urteil oorn 4. ÜJtai 1882 beja^enb entfliehen roorben *). 


1) änmerlung bet SRebattion: 

güt bie Slnft<$t, bafj § 749 3- 1 bet ©.'ß.D. unb ba8 Seid&ägefefc oom 
21. 3uni 1869 ftd(j nur auf ben nod) auSfteljenben 2trbeit8= ober 
X)ienfttol)n bejieljen, fprid&t forooljl bie Stellung be§ citierten § 749 in 
ber Don ber 3 n,an 9 SDoIt f tre ä un 9 * n Sorberungen unb anberen Ser» 
mögenäredjie Ijanbelnben jtoeiten Abteilung besä erften Xitel« be8 jroeiten 
SKBft^nittS be8 achten Sud>8 ber ©.Sß.D. , roogegen bie erfte Abteilung 
toiefeS Xitel« fid) mit ber 3n>ang8ooüftrectung in förperlic^en ©adjen Be» 
fa|t, ju melden audj ba§ beim ©(Jjulbner oorgefunbene (Selb gehört 
(&.$.D. § 716 äbf. 2), al« audj ber ganje 3 rae( t jene« 3lei(fj8gefege8, 
melier baljin gefjt, ju »erfjinbern, bafs bie noc§ nicfjt oerroeriete unb nodj 
nidjt jum Kapital geroorbene 2lrBeit«fraft ju (Sunften eine« (Släubiger« 
in änfprudj) genommen roetbe, §u oergl. SJianb r g, cioitred&tl. 3n^alt 
ber 9Reidj8gefe$e, 3. 31. ©. 215; (Saupp, Komm. III, ©. 337; ©euffert, 
Br$. XL II, ©. 240 f. 

2) Soffer’ 8 3eitfd)rift, Sb. 25 ©. 68, uergl. audj baf. ©. 66 u. 
226, Sb. 24 ©. 66 u. Sb. 26 ©. 264. 


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238 


3(bE)anbIungen. 


9Jfir fdieint jeboc^ bie ©ntfdjeibung bei ft. Dberlanbe!= 
gericht! bebenflicf) ju fein, unb erlaube ich mir, bie ©riinbe 
biefer meiner unmaßgeblichen ülnfidjt, um weitere Erörterung 
ber grage berbeijufüßren, in s Jtacbfiebenbem auljufüßren. 

£a! ft. Dberlanbelgericht gebt einerfeit! baoon aul, baß 
bie in lanbrec^tlid^er Errungenfcßaftlgefellfchaft Iebenbe ©he= 
frau, bei gefeßlichen 23erwaltung!re<htel bei ©bemann! bin* 
ftcbtlidb ißrei ©onberoermögen! uneracßtet, unbeftritten Eigen= 
t ü m e r i n biefel leßteren bleibt. Slnbererfeit! nimmt basfelbe 
an, baß nach allgemeinen ciwilre d^tlidben ©runbfäßen ber 
©laubiger nur oom ©cßulbnet unb aul beffen S3er mögen 
Sefriebigung oerlangen fönne, welbalb ber in lanbrecßtlicber 
©rrungenfchaftlgefellfcbaft lebettbe Ehemann, wenn er auch in= 
folge feine! gefeßlicben 23ermaltunglre<htl jur Veräußerung 
bei beweglichen Sonberoermögen! ber ©ßefrau berechtigt fei, 
bennoch all ©chulbner gegenüber bem ©laubiger nicht 
ju einer folchen Veräußerung oerp flirtet fei unb baber 
auch im SBege ber gwanglooHftrecfung bieju nicht angebalten 
werben fönne. SD al ft. Dberlanbelgericht unterfteüt fobann, 
baß ber fRecßtlfaß, nach welchem ber ©laubiger bloB oom 
©cfjulbner unb aui beffen Vermögen Vefriebigung oerlangen 
fönne, unb welcher in ben §§ 1, 35 unb 37 ber ftonfur!orb= 
nung, fowie in 2lrt. 31 bei ©efeßel oom 18. 9Tugufl 1879, 
betr. bie 3roang!ooUftrecfung in unbewegliche! Vermögen, 2lul= 
brucf, Slnerfeitnung unb Veftätigung gefunben habe, auch ber 
Veftimmung in § 690 ber Eioilprojeßorbnung jugrunbe liege. 
®urdb alle! bie! Eommt ba! ft. Dberlanbelgericht in bem er= 
wähnten Urteile ju bem Stulfprucße, baB ber in lanbrechtfidjer 
©rrungenf<haft!gefellf<haft lebenben Ehefrau all Eigentümer 
rin ein bie Veräußerung hinbernbe! Siecht unb ber 2Biber= 
fpruch gemäß § 690 ber Eioilprojeßorbnung guftefje, wenn in 
einer 3mang!oollftre<fung gegen ben ©bemann ©egenftänbe bei 
beweglichen ©onberoermögen! ber Ehefrau in Angriff genommen 
werben wollen, refp. gepfänbet werben. 

2Wein meine! ©rächten! läßt fi<h aul bem materiellen 
©ioilrechte ein Stecßtlfaf} wie ber, baß ber ©läubiger nur aul 


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abfjanblung. XI. 


239 


bem Vermögen bes ©dbulbnerS iüefriebigutig oerlangen fönne, 
ni<fjt ableiten. materielle ©toilredjt beftimmt nur, 
bafj ber ©laubiger oon bem ©djulbner ©rfüCCung gemäfi bem 
3nf)alte feines gorberungöre<|teg oerlangen fönne; nirgenbs 
aber befagt es, ba§ ber ©djulbner nur aus feinem eigenen 
Vermögen erfüllen müffe. !Rad 5 bem materiellen SioiI= 
redete fann es unb mufj es bem ©laubiger gleicljgiltig fein, 
aus melden bem ©cbulbner redjtlid^ jugänglidEjen ÜDtitteln ber= 
felbe ifm befriebigt; inSbefonbere, roenn ber ©djulbner ©elb 
ju leiften Ijat, fann unb muff fidb ber ©laubiger begnügen, 
roenn bie 3al)lung i n einer 2öeife erfolgt, bamit berfelbe burdb 
Sßermifd^ung bes ©elbeS ©igentum erlangen, ober burd) reb= 
lid^en SBerbraucb beS ©elbeS ben SSermögenSroert fidb aneignen 
fann. 23 enn ber ©djulbner bem ©laubiger eine ©aifje leiften 
mufj, unb er fann ober will eine foldje nicht leiften, fo gibt 
bas materielle Sioilredbt bem ©läubiger unter Umftänben 
baS Stecht, oon bem ©dfjulbner anftatt ber ©ad&e ein ©elb= 
äquioalent 5U oerlangen. SBenit aber ber ©djulbner ©elb ju 
leiften ^at unb folcbes nidbt leiften fann, fo roeifj baS m a t e-- 
r i e 1 1 e ©ioürecbt für ben ©läubiger feinen anbem 9 tedf)tä= 
behelf, als juguroarten, bis ber ©cbulbner folcbes haben toirb *). 

Db, roenn ber ©cbulbner ju leiften fdttulöig unb oerur= 
teilt ift, aber freiwillig nicfjt leiftet, ber ©läubiger im SBege 
ber 3 tüa ^0 g ootlftre<fung nur aus beffen SBermögen 
Sefriebigung oerlangen fönne, ift übrigens gar nicht eine grage 
bes materiellen ©ioüredbts, fonberit eine fold^e, bie iljre 
Beantwortung aus ben Beftimmungen beS 6 i 0 i l p r 0 j e fj= 
r e db t e S ju fdjöpfen bat ; benn ber © i 0 i l p r 0 j e fj bat bie 
Aufgabe unb ben 3 ro ecf, rote beftrittene ober tbatfädblidb oer- 
le^te ^rinatred^te burdb bie baju beftimmten Organe ber 
Staatsgewalt flarjuftellen, fo audb burcb foldbe Organe bie 
$urdbfübrung ober £erfteliung berfelben nötigenfalls j w a n gS= 
ro e i f e ju beroirfen ; unb nur ©egenftanb bes B r 0 3 e fj r e db= 
teS ift es baber, ju beftimmen, ob, in roieroeit, unb in roel= 


1) ©. Söinbftbeib, Be^rB. 8b. II. § 342, § 261 u. § 266. 


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240 


Hbfjanblmtgen. 


eher SBeife bei SfoSführung biefeö 3roangeS 33ermögen ange= 
griffen unb jur SSerciufjenmg gebraut roerben barf, meldbeS 
bei bem Sdfulbner oorgefunben wirb. 

©S gibt benn auch ber g e m e i n r e cg 1 1 i dg e ©it>itproje§ 
in biefer 9iidgtung ausführliche Seftimmungen *). 

©ie meiften beutfdgen Sänbergebiete aber batten hierüber 
befonbere $rojef;gefege, unb fo auch namentlich SB ü r 1 1 e m= 
b e rg ein folcgeS in bem ©fefutionSgefeg »om 15. Styril 1825 
mit ben fpäteren tttooetten. SluS jenen S3eftimmungen bes ge= 
meinredbtlidben ©ioilprojefies unb ber früheren lanbeStedgtticgen 
ißrojefjgefege mag ficb nun roobl ber 9ledgtsfag ableiten taffen, 
baff ber ©laubiger im SBege ber 3n)angSoottftrecfung nur nom 
©dgulbner unb aus beffen S3ermögen S3efriebigung »erlangen 
fönne. 

Sittein biefe cioitprojefeualifcben S3eftimmungen in 33e= 
jiegung auf bie 3tt>ang^t>oHftre(fung foroogl beS gemeinen 
ttiecgteS, als ber einzelnen SanbeSgefeggebungen finb, roie über= 
gaupt alle früher in ©eutfcglanb beftanbenen cioilprojegualü 
fdben ©efege unb formen, famt unb fonberS bur<h bie 33or= 
fdbriften ber SteidgSciuilproj efjorbnung aufgehoben, 
foroeit bie ledere nid^t fetbft ausbrütflidg eine StuSnagme feft= 
gefegt bat, unb es ift bies ginfidgtlich ber 3n>angSüottftrecfung 
in baS bemeglidbe Vermögen nicht ber gall. 5Die 9? e i ^ 
cioilprojefjor bnung ift ein burcgauS neues ©efeg, fo baff 
jebe Ergänzung beSfelben aus ben bisherigen SanbeSgefegen 
oottftänbig auSgefdgloffen unb nicht einmal bie 93erroertung ber 
(egteren jur Auslegung ber ©unlprojefiorbnung ftatthaft ift*). 

©ie 3n>angSt>ottftre<fung in bas u n b e ro e g l i dg e 33er= 
mögen ift atterbingS in ber 91 e i dg S c i o i t p r o j e ff o r b= 
nung fetbft ber Regelung burdg bie SanbeSgefege oor= 
behalten, ©ben beshalb aber unb jumal, ba bie SanbeSgefege 
bei jener 9tegetung überall nicht gehalten waren unb finb, bie 


1) ©. Sa? er’ 3 Sorträge über ben gern, orbentl. ©ioilprojejj 8. Stuft, 
©eite 1107 u. ff. 

2) ©aupp, Sinüprojefiorbg. Sb. I, ©eite XXXIV. 


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9f6§anblung. XI. 


241 


für bie Sioilprojeßorbnung Ijinfidjtlid) ber $Beftim= 
mungen über bie 3 roan 93oollftre<!ung j n bag b e ro e g ti dj e 
Vermögen maßgebettb geroefetten ©runbfäße ju beamten, fo 
bürfte eg faum ftattfjaft fein, jur 2luglegung ber lederen 9 3e= 
ftimmungen bie Sanbeggefeße betreffenb bie ßroangänoUftrecfung 
in bag unberoeglidhe ©ermögen ijerbeipsie^en, unb bürfte eg 
baffer raofjl auch feine ©eacßtung »erbienen, felbft roenn bem 
roiirttemb. ©efeß t>om 18. 2luguft 1879, betr. bie3roangg= 
uollftredfung in unbemeglidheg Vermögen, bag 
^ßrin^ip ju grunbe läge, baß ber ©laubiger nur oom ©cfmtbner 
aug beffen Vermögen ©efriebigung nerlangen fönne '). 

2Bag bag ©erljältnig ber Steicffgfonfurgorbnung 
ju ber ßioilprojeßorb.nung f)infidf)tlidfj ber 3i»angg= 
oollftrecfung anbelangt, fo fommt in 93etrad£)t, baß bag 3wcmgg= 
öoHfirecfunggoerfaf)ren mütelft 2tngriffg einzelner ©ermögeng= 
fiüdle beßufg ber oollftänbigen ©efriebigung eineg ©läubigerg 
auf grunb beg non bemfelben gegen ben ©dffulbner ermirften 
©otlftrecfunggtitelg biefem feinem 3 roec f entfprec^enb in ben 
©eftimmungen ber Gioilprojeßorbnung natürlich nach 
gang anberen ®efidf)tgpunften Siegelung gefunben hat unb ftnben 
muffte, alg bag Äonfurgnerfaßren tnberÄonfurgorbnung, 
meldheg nach ben SHotinen fein progeßualifdheg ©erfahren, fon= 
bern eine ber freimütigen ©ericfjtgbarfeit angef) orige, ber Si= 
quibation einer faufmännifdhen gtmta ähnliche, unter riü)ter= 
lieber Slutorität fiel) ooHgiehenbe ülugeinanberfeßung beg feine 
Seiftungen einfteHenben Scfmlbnerg mit allen feinen ©laubigem 
ju bem 3 roe( *e fein foU, um, foroeit eg reicht, je nach ben be-- 
fonbereit Siedeten berfelben unb ber ©röße ihrer gorberungen 
ihre gleichmäßige ©efriebigung fjerbeijufüljren. SBenn baher 
bie $onf urgorbitung in ben §§ 1, refp. 85 u. 39 alg 
©egenftanb beg Konfurgoerfafjteng au-öbri'tcf lid^ bag bem 
Scfjulbner gehörige ©ermögen bezeichnet, unb bem= 
gemäß bie Slugfonberung ber ihm nicht gehörigen ©egenftänbe, 
unb ingbefonbere ber nidht ihm, fonbern feiner ©heftau ge= 

1) Siergt. @ E etut. @efe^ oom 15. »pril 1825, «rt. 47 mit iUrt. 33. 


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242 


2 b!jani) lungert. 


porigen ©egenftänbe oerfügt, fo fann hieraus nicht gefolgert 
roerben, ba& ber gleite fRedjtSfafc auch für baS 
ftrecfungSoerfahren ber ©ioilprojefjorbnung gelten 
muffe. 3m ©egenteile, ba bie ©ioilproje jjjorbnuitg in 
ihren Seftimmungen über bie 3 roan 9'3ooEftreclung es ver= 
meibet, für baSfelbe ben gleiten ©nurbfafc aufeufteEen, ben 
©egenftanb ber ^rocmgäooEftrecfung oielmehr in ganj anberer 
2Beife normiert, fo ift roo^l bie Annahme gerechtfertigt, baff 
bieS oon ben ©efefceSfaFtoren ab Sichtlich gefc^e^en ift, unb für 
baS 3 roan 9S»oflftTecfungSöerfahren *> er ©ioilprojeßorb: 
nung ein folget aEgemeiner Slec^tsfag nicht mafjgebenb ge= 
macht roerben rooEte. UeberbieS finbet baS 21 u S f o n b e r u n g S= 
recht ber ©betrau im ÄonfurSoerfahren gegen ihren (See- 
mann, roie bas ihr gemäfj § 44 ber Äonturlorbnung 
guftehenbe 3lbfonberungSre<ht, noch fpejieE feine roei= 
tere ©rflärung barin, baff gernäfs bem Swäe beS ÄonfurS= 
©erfahrend bie Ä o n F u r S o r b n u n g in § 14 bie 31 u fr 
einanberfejjung ber ehelichen © e f e 1 1 f d) a f t 
oorfdhreibt, unb baf? baher über bie SDauer beS ÄonFurfeS tem= 
porär baS gefe^liche 33erroaltungSrecht bei? ©h^ntanns fufpero 
biert bleibt, roährenb baS 3n>angSooEftrecfungSoerfahren bet 
©ioilpr o jefs orbnun g gegen ben ©bemann eine foßh e 
SBirfung überaE nicht fyat, oielmehr bie eheliche ©efeEfdhaft 
unb bas gefefsliche 3krroaltungSre<ht beS ©bemannS bezüglich 
beS ißermögens ber $rau mit feinen gefe^lichen folgen in 
Feiner SBeife alteriert 1 ). 

SBenn bie oorftehenben Ausführungen richtig finb, fo Fann 
unb muff bie grage, ob bei ber 3 t * , angSooEftrecEung in bas 
bewegliche 33ermögett ber ©laubiger nur oom Sdmlbner 
aus beffen Vermögen 33efriebigung oerlangen Fbnne, auS= 
fcbliefslich nach ben Seftimmungen berffteicbScioilprojefc 
orbnun g entfliehen roerben. ©ie hinüber majjgebenben 
Söeftimmungen berfelben finb in ben §§ 712 unb 690 enthalten. 


1) Sang, §anbb. b. $etf. StedjtS u. f. ro. § 55 Stote 2; Stieglif, 
bie Ronluräorbg. Seite 23. 


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2t6§anblung. XL 


243 


•JtadE) ber SBeftimmung in § 712 ber ©itulprojefjorb* 
nun g bilben ben ©egenftanb ber 3 TDan 9 goo] ttflre(Iung alle 
förperlidfjen Sachen, roel<§e fi<^ im@eroal)rfam beS ©c^nlb= 
nerS befinben ; unter ©eroaljrfam ift aber unbeftritten nur 
bie tljatfäcf)lid)e Qnnefjabung 0 erftanben ’). 

@4 fommt alfo bei beni SSodjug ber ißfänbung gegen 
einen ©djulbner $unä<ijft nitfjts barauf an, ob bie bei if)tn be= 
finblic^en ©ad(jen im ©igentum ober SRedEitSbeftj} be^fetben finb; 
bajj er fie im angegebenen ©inne im ©eroaljrfam tjabe, 
genügt, um fie pfcinben ju bürfen. 3tHein nadj ber 99eftim= 
mung in § 690 ber ©ioilprojefjorbnung fann ein 
dritter gegen bie groangäooHflrecfung SBiberfprudl) ergeben, 
roenn ijfnt fpnfidjtlid) bes gepfänbeten ©egenftanbeS ein bie 
5Ber äufjerung f)inbernbe£ 9ted)t juftetjt. 

^iernadb fann ber ©laubiger bei ber 3roang3oodftrecfung 
non bem ©djulbner 33efriebigung au« adern beroeglidfjen 33er= 
mögen »erlangen, roeldfjeS berfelbe tfjatfäc^lid^ inne Ijat, unb 
Ijinf idfj tlidE» beffen nidjt ein bie 58 eräufjerung l)in= 
b e r n b e ö 9te^t einem dritten jufteljt unb non bi e= 
fern gelteitb gemalt roirb. Db einem ©ritten ein 
foIdjjeS 9iecf)t juftefyt, ift nad) bem bürgerlufjen 9tedf)t ju be- 
urteilen. ©arroep, ©tn.:iproje|=Drbnung — 2lnm erlang ju § 690 
— fagt pr ©rläuterung ber Seftimmung bes § 690: baS 
^Jrinjip ift : roenn unb foroeit ber ©djulbner bie ©acfje oer* 
äußern fann, bann unb inforoeit ift bie 3 roan 9 ät, °ttftredfung 
juläffig. ©iefer 2tu3fprudj bürfte faum eine erfdjöpfenbe ©r= 
läuterung ber fraglichen SBeftimntung geben, ©enn ba bie= 
felbe ganj adgentein non einem bem ©ritten jufteljenben 
s JtedE»te fpridlit, fo iftfolcfje nicht blofj non einem bem ©ritten gegen* 
über bem ©chulbner, fonbem rooht auch non einem ifmt 
etroa gegenüber bem ©laubiger felbft juftefjenben fRedhte 
ju oerftehen, welches er etroa auf grunb eines befonbern 9tedfjt3= 
refp. SBertragSoerhältniffeS mit bemfelben geltenb machen fönnte. 
©benfo aber finb meines ©rad&tenS gäde möglich, in roeldhen 

1) SSetgl. ©ntf^eibungen beä 9teic§8geri^t8 8b. VIII, Seite 87. 


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244 


Stfiljanblungen. 


ber dritte ein if)m fonfi jufteßenbeS, bie Veräußerung f)in= 
bembeS Stecht wegen eines befonberen StechtSoerljältniffeS ju 
bem ©laubiger nid)t geltenb machen fann; man benfe §. V. 
an ben $ a H/ roo ber dritte als ©igentümer ber im ®e= 
wahrfam beS ©dhulbnerS befinblidhen ©achen biefe oor ber 
3wangSooHftredfung bem ©laubiger roegen beffen gorberung 
an ben ©chulbner in gefehlter SBeife 1 ) ju $auftpfanb be= 
ftettt hatte unb bie ©adfje in ©ewahrfatn beS ©dfjulbnerS oer= 
blieben mar. hieraus ergibt fidh jugleich, baß bei SBürbigung 
ber grage, ob nach bem bürgerlichen Siebte bem ©ritten 
ein bie Veräußerung ^inbembeä Stecht jufteßt ober nicht, nicht 
bloß baS StedhtSoerhältniS in betracht ju jiehen ift, in web 
ehern berfelbe ju bem ©egenftanbe ber 3 roan 0 güO HftTccf= 
ung fleht, fonbern audh baSjentge StedhtSoerhältniS, in roeldhem 
er in bem befonberen $all wegen jenes ©egenftanbeS ju bem 
©chulbner ober ju bem ©laubiger fteht. SJtan roirb 
alfo fagen muffen: bie groangSoolIftrecfung in baS im @e- 
roahrfam beS ©dhulbnerS befinblidhe bewegliche Vermögen iß 
ftatthaft unb ber ©laubiger !ann aus biefem feine Vefriebigung 
oerlangen, wenn unb foweit nicht nadh ben jmifchen einem 
©ritten unb bem ©chulbner, ober jmifchen einem©ritten 
unb bem ©laubiger beftehenben befonberen StedhtSoerhält-- 
niffen bem ©ritten baS Stecht jufteht, bie Veräußerung beS 
in Angriff genommenen Vermögens ju unterfagen unb 
burdh ju hebern, unb ber ©ritte biefes Stecht geltenb madht. 
$ienach gibt fomit ber Umftanb, baß bezüglich beS ben 
©egenftanb ber 3wangSoottftredfung bilbenben, im ©ewahrfam 
beS ©dhulbnerS befinblidhen beweglichen Vermögens einem 
©ritten baS ©igentum jufteht, für fich allein biefem 
©ritten noch nicht baS Stecht jurn 2Biberfpru<he gemäß § 690 
ber ©ioilprojeßorbnung. @S liegt an unb für fich aller-- 
bingS im ©igentume, baß ber ©igentümer über bie ©adfje oer= 
fügen barf, wie er will, unb baß ein Slnberer ohne ben SBiHen 
beS ©igentümerS über bie ©ache nicht oerfügen barf. 2lHeiit 

1) 33 erg t (Sinfüf)rungggefe§ jur ft'onlurSorbnurtg § 14 8l6f. 1. 


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Stbfjattblung. XI. 


245 


rechtlich ift eS nicht auSgefchtoffen, baf? in einzelnen gälten 
ber Eigentümer bennoch burdß ben SBiHen eines Slnbern in ber 
Verfügung über bie <Sad)e befdjränft roirb, ober äeitmeilig baS 
VerfiigungSrecßt über bie ©adje bem Eigentümer gänzlich ent- 
jogen unb auf einen SKnbern übertragen fein fann *). 

(Sä muß baßer, bamit ber dritte baS ermähnte 2Biber= 
fpruchSrecßt geltenb mailen fömte, noch baju fommen, baß ber= 
felbe troß ber unterliegenben befonberen 3ledht^t>er£>ättniffe 
jroifc^en ihm unb bem ©djulbner ober äroifcßen ihm unb bem 
©läubiger benfelben gegenüber rechtlich befugt ift, nermöge 
feines Eigentumsrechtes bie Veräußerung ber betreffenben 93er= 
mögenSobjefte $u unterfagen unb ju behinbern. 

2Benn ber ® ritte, obwohl er Eigentümer ber Dbfefte 
ber 3roangSooEftredung ift, nach bem bürgerlichen Siechte ben= 
noch megen ber roeiter unterliegenben befonberen SiecßtSoer; 
hältniffe roeber gegenüber bem ©cßulbner, noch gegenüber bem 
©laubiger ein bie Veräußerung jener Dbjette hinbernbeS Siecht 
geltenb machen barf, fo fann berfelbe auf ©runb feines Eigen; 
tumSrechteS auch nicht ben 2Biberfpru<h aus § 690 ber Eioil-- 
pr ojeßorbnung geltenb machen. 

Unb nun fomme ich mieber ju ber Hauptfrage jurücf, 
roelche ben ©egenftanb ber gegenwärtigen Erörterung hübet : 
ob ber in lanbreöhtlidjer Errungenfcßaftsgefellfchaft lebenben 
Ehefrau mährenb ber Sauer biefer ©efeUfdjaft hinfid)tli<h ihres 
in ber gefe|licßen Verwaltung beS Ehemanns fteßenben b e= 
ro e g l i dh e n ©onberoermögenS ein bie Veräußerung hinbernbeS 
Siecht im©inne beS § 690 ber Einilprojeßorbnung nt= 
fteht ? 

Siach ben oorfteßenben Slusfüfjrungen märe biefe grage 
ju oerneinen. 

3lu<h mährenb ber Sauer ber <$t>e unb ber Errungen; 
ßhaftsgefellfcßaft bleibt jwar bie Ehefrau Eigentümerin 
ihres ©onberoermögeits , allem gemäß bem beutfdjrechtlichen 
©pfteme ber ©ütereinheit ift ber Ehemann Haupt ber Eße 


1) SBinbfd^eib , o. a. £>. 93b. I, § 167. 

3a$rt>lt<$er b. SSttrttembfl. mw&täpflege. 1. 17 


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246 


Slbljanbtungen. 


unb be* $aufe$ unb übt al§ foldjeä nicht bloß beit Vefiß uttb 
bie unbefdjränfte Verwaltung be-i ©onberoermögenS ber ©he= 
frau au>J ’) , fonbern e§ ftefjt and) hinfidjtlich beä b e ro e g= 
lidheit ©onberoermögenä ber Gßefrau ihm unb nur ißm 
ba-i unbebingte unb freie Siedet ber Veräußerung ju, fo jroar, 
baß felbft eine ooit bem Seemann gegenüber ber Gßefrau 
pflidftwibrig oorgenommene Veräußerung bem dritten gegen* 
über unanfechtbar bieibt 2 ) unb ber Gßefrau hi e w e 8 en über* 
tjaupt nur einen Grfafcanfpruch gibt *). 

$ienad) fteßt ber in ber GrrungenßhaftSgefellfchaft (eben* 
ben Gßefrau, troßbem fie im Gigentum iijreö ©onberoermögenS 
bleibt, Jjinfid^tfid) ber beweglichen Veftanbteile beSfelben gegen* 
über ihrem Gßcmann ein Utecht, biefen an ber Veräußerung 
ju hinbern, nicht ju, roegen beS burd) bie Gingehmtg ber Gße 
unb ber Grrungcnfdhaft^gefeUfdhaft ätoifähen ihr unb bem Ghe- 
mann besüglid) i^reö ©onberoerntögenä gefdjaffeneit befonberen 
Uted)t§oerhältniffe3. Gbeit beofjalb fteßt berfelben aud) ein 
foldheä Utecht gegenüber bem ©laubiger nicht ju, wenn im 
3roang'SüoHftredung'Sn)ege gegen ben Ghemamt ihr beweglid)e3 
©onberoermögen in Ulngtiff genommen roorben ift. ©o toenig 
bie Ghefrau gegen ben ©laubiger ein Älagrec^t auf SBieber* 
herauägabe ober Grfaß h a & cn würbe, im gälte ber Ghentann 
an benfelben junt 3wecfe beffeit Vefriebigung Veftanbteile ihre-S 
beweglichen SonberoermögenS oeräußert hätte *), fo wenig hat 
fie ein Utecht, eine foldje Veräußerung im 2Bege ber 3wang«s* 
oottftrecfung 311 hinbern, fofern nur ber Ghemamt baS beweg: 
tidje ©onberoermögen in Verwahrung hat, wa$, wenn es in 
ber genteinfamen UBoljnung ber Gheleute oorgefunben wirb 5 ), 

1) SBürtt. Strdji» Sb. X, ©. 399; Sang, §anbt>. be« ^ßcrf. Stecßt« 
u. {. ro., § 49 Siote 3; SR oft), Sai)er. 6iDilrecf)t 2. Stuft. § 83, SRote 
74 u. 78. 

2) S a n g , a. a. D. Stote 7. 

3) ®t ein’« ©rbredft V. Stuft. ©. 219 u. f. 

4) ®. fjranle in Sufdj’« Seüfdirift für beutfc^en ©iuilprojefi 
Sb. V, ©. 222. 

5) ©aupp’ä Jtomentar Sb. III, S. 270. 


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Slbljanblung. XI. 247 

um fo meßr anjune^men ift, als ja ber (Seemann ben Vefiß 
beSfelben auSübt. 

Allerbings ift baS gefe{?li«be VerwaltungSredbt beS ©ße= 
mannS ^infid^ttic^ beS ©onberoertnögenS feiner ©ßefrau ein 
Ijödjft perfönlidieS SRed)t , baS berfelbe nicht als folcßeS oer= 
äußern ober auf einen dritten übertragen barf; allein biefer 
limftanb bilbet meines ©racßtenS fein redjtlicßeS &tnbernis, 
wenn ber (Seemann bas ißm binftdjtliih beS beweglichen ©on= 
berocrmögens ber ©ßefrau äufteßenbe freie VeräußerungSredjt 
bejüglicß einjelner Veftanbteile ober üfompleje besfetben im 
SBege ber Stelfoertretung burcß Auftragserteilung an einen 
dritten auSüben will; eS wirb woßl nicßt bejweifelt werben 
fönnen, baß ber ©bemann befugt ift, roie felbft in eigener 
Sßetfon einjelne ©egenftänbe beS beweglichen ©onberoermögens 
feiner ©ßefrau p oeräußern, fo aucß mit fotc^er Veräußerung 
einen dritten §u beauftragen unb ißm Vollmacht ßieju ju er= 
teilen. Aisbann fteßt aber auc^ rechtlich nid)ts entgegen, baß 
behufs 3roangSoeräu|erung eines ©egenftanbeS beS beweglichen 
©onberoermögenS ber ©ßefrau ber ©ericßtSooIIäießer in gefeß= 
lii^er Vertretung beS fdjulbnerifdjen ©ßemannS beffen SBiHen 
erfefct. 

9iadß all’ bem ftefjt ber in lanbredßtlidjer ©rrungenfcßafts= 
gefettfcßaft lebenben ©tjcfrau wäßrenb ber ®auer biefer ©e= 
feHfcßaft ßinficßtlidh ißreS in ber gefeßlid)en Verwaltung beS 
©ßemannS fteßenben beweglichen ©onberoermögenS im 3wangs= 
nottftredfungsoerfaßren gegen ben ©bemann ein bie Veräuße- 
rung besfelben J)tubernbeö Stecht im ©inne beS § 690 ber 
©iuilprojeßorbnung nicßt ju. 

Verriebene Äommentatoren ber Gioilprojeßorbnung 
machen jwar als auf einen in welchem bie ©hefrau oon 
bem SBiberfprucßSrechte beS § 690 ber Gi o i Ipr o j eßo rb= 
nung ©ebraudj machen fönne, auf bie Veftimmung in L. 30. 
Cod. 5. 12 aufmerffam. Allein abgefeßen baoon, baß ber 
©ßefrau nad) bem römifcßre<htli<hen ®otalft)fiem in Ve 3 ießuttg 
auf bie Verfügung über ißr 2>otaloermögen, beffen 3«tü<fgabe 
unb ©rfaß befanntlidß ganj anbere 9fedjte sufteßeit, als bies 

17* 


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248 


SbEjanb hingen. 


bei ber partifulären ©ütergemeinfhaft bezüglich bes beweglichen 
©onberuermögenS ber Ehefrau ber gaH ift, roie benn auch jene 
©efehesfteüe nur ben $aU beljanbelt, roenn ber ©bemann un= 
bered;tigterroeife bie Veräußerung eines ®otalgegenftanbeS nor= 
nehmen roill, ober bie ©laubiger beSfelben nah feinem 9lb= 
leben Sotalgegenftänbe angreifen wollen l ), fo fügen ©trud= 
mann unb Kod>/ EiuilproäefcD. , in ihrer Erläuterung ju 
§ 690 bei, bag bei ber ehelichen ©ütergemeinfhaft im gaüe 
ber .ßroangSooIIftredung gegen ben Ehemann bie Ehefrau baS 
SÖiberfpruhSreht nah § 690 nur geltenb machen fönne, f o- 
fern na^ ber partifularrehtlihen © e ft a 1= 
tung b i e f e S 3 n ft i t u t S berfelbetx überhaupt 
gegen Veräußerungen beä Ehemann« ein 2Bb 
berfprud^äred^t j u ft e h e. &iebei berufen fth bie an- 
gejogenen Kommentatoren auf eine Entfheibung bes Dber= 
lanbesgerihts in Samberg 8 ), roelhe einer in ©ütergemeinfhaft 
lebenben Ehefrau bei einer groangsoollftredung gegen ben Ehe= 
mann hinfidjtlih beS ©emeinfhaftSoermögenS baS 3BiberfpruhS= 
recht aus § 690 nur juerfanute, weil ätoar nach bem fränfifdhen 
Siechte ber Ehemann baS ®iSpofitionSreä)t über baS ©emein= 
fhafteroermügen habe, aber unter geroiffen VorauSfeßungen ber 
Ehefrau gegen nachteilige Verfügungen beS Ehemann» ein Eiro 
fpruhSrecßt, bie fog. reclamatio uxoria, juftehe, unb bie El)e= 
frau in bem entfhiebenen f^aEe rechtzeitig biefeö Sieht geltenb 
gemäht hatte. 

Siiht alfo megen ihres Eigentumsrechtes hat jenes 
©eriht ber Ehefrau baS 2Biberfpru<hSred)t aus bem § 690 
ber Gioilprojeßorbnung zugefprohen, fonbern roeil infolge eines 
ihr jugeftanbenen befonberen Slehtsbehelfes ber Ehemann bas 
au*fd)(ießli<he VerfügungSreht unb bamit bie Veräußerung*; 
befugnis oerloren hatte, unb bamit, roie fid) jenes ©eriht aus= 
briidte, baS außerbem latente EigentumSreht ber Ehefrau 
roieber in Slftioität getreten roar. 

1) ® inbf dj e 'b, $anb. »anb II. § 497, «Rote 12 u. § 498 
9?oie 1. 

2) aibgebrutft in 8 uf cf), Seitfdfrift f. ©ioilprojejj, S3b. III, ©. 187 u. f. 


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Slbfjanblung. XI. 


249 


3Weine0 2BiffenS liegt jroar eine ©ntfdjeibung beS s Jieic^ä= 
gerichts, welche bie oorroiirfige Streitfrage bireft geroürbigt 
batte, noch nicht oor; bagegen ift in ben ©ntfdßeibungen beS= 
felben (33b. XVI, ©eite 347 u. 348) ein galt abgebrucft, in 
roeldhem bas ttteidhSgericht mittelbar feine 2lnficf)t funbgibt. 
© eitn in biefem gatte mürben im 3roangSt)ottftrecfungSoerfahren 
gegen ben ©bemann gorberungSrecßte ber 4£^efrau ge^ 
pfänbet , berjelben aber bennocß non ben 9tidf)tern ber beiben 
Vorinftansen nnb oon bem Sieidfjsgeridjt bas SiberfpruchSrecbt 
aus bem § 690 ber ©ioilprojeßorbnung aberfannt, meil baS= 
jenige 9tedf)t, roeldßeS ber ©ßefrau an bem ©egenftanbe ber 
3mangSoottftrecfung juftunb, nach bem partikulären Hamburger 
e^elic^en ©üterredßte bie Veräußerung nicht ßinberte. 33ei ber 
Analogie jroifchen bem ©igentumSrecfit an einer körperlichen 
©ache unb bem 9ted£)te beS gnßaberS einer gorberung an 
biefer 1 ) ift eS klar, baß ^iena<h auch baS SieichSgeridljt er= 
achtet, baß nicht fcßon aus bem ©igentumSredbte bejüglid) beS 
©egenftanbs ber 3roangS»ottftredfung für fich bem ©ritten 
baS 2Biberfpru<hSrecht aus bem § 690 ber ©ioilprojeßorbnung 
jufomme, fonbern blofe bann, menn in bem befonberen gatte 
gemäß bett unterliegenben 9lechtS»erbältnifien ber ©ritte 
nach bem bürgerlichen Diedßte befugt ift, roegen feines ©igem 
tumS bie Veräußerung ju unterfagen, b. ß- ißm ein bie 
Veräußerung ßinbernbes Siecht jufteßt. 

SBenn ßienadß bie in lanbredßtlidßer ©rrungenfcßaftSgefeH= 
fdßaft lebenbe ©ßefrau roäßrenb ber ©auer berfelben bei einer 
3mangSt)ottftredEung gegen ben ©ßemann mittelft ißfänbung 
einer ju ißrem ©onbergute gehörigen beweglichen Sache ein 
bie Veräußerung ßinbernbes Siecht überhaupt nicht hat unb 
baßer ben SBiberfprudß aus § 690 ber ©inilprojeßorbnung mit 
rechtlichem ©rfolge nicht geltenb machen kann, fo ift ber llnu 
ftanb unerheblich, baß bie 3n>angS»ottftrec£ung gegen ben ©ße= 
mann aus einer ©ojialfcßulb beiber ©ßeleute erfolgt ift. 
©rheblidh fönnte ber tlmftanb nur merben, unb auch nur in 


1) ©ntfcßeib. be8 SleicßSget. 33b- IV, <S. 113. 


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250 


Hbljanbtungen. 


biefer Stiftung roar non bem Ägl. ßanbgericbte Ulm in einer 
©ntfdbeibung oont 10. guni 1881 J ) bie grage eoentueff an= 
geregt roorben, roenn man gegen bie Anficbt faft aller altern 
unb neuern JtecbtSlebrer mit 2BäcE)ter in ©arroep’S dttonatS; 
fdjrift, 53b. VIII., ©. 485 anne^men müfjte, baff bem ©be= 
mann baS Siedet jur Seräufjerung ber jutn Sonbergutc feiner 
©befrau gehörigen gabrois nur juftebe, falls biefelbe bureb 
baS gntereffe ber ©befrau, refp. ber e^elic^en ©emeinfebaft ge= 
rechtfertigt fei. Aisbann müfete alTerbingS jener Umftanb mit 
in betragt gejogen roerben, jumal, roenn feitenS bet ©befrau 
nicht geltenb gemacht roerben tonnte, baf? bem ©bemann anbere 
paffenbe Ob jette jur Tilgung ber in grage ftebenben Sozial; 
fchulb jur Verfügung fteben. 

Sa in einem mir oorgefommenen gatte ein ©eridbt, im 
SBefentlidben auf ben ©runb ber Ausführungen beS Ägl. Dber= 
lanbeSgericbtS ju beffen Urteil »om 4. SJlai 1882, ber in lanb= 
rechtlicher ©rrungenfdbaftSgefellfdbaft lebenben ©befrau baS 
2Biberfpru<h^recht beS § 690 berGioilprojefjorbnung 
au<b jugefproeben batte, als im 3mangSoottftrectuiigSüerfabren 
gegen ben ©bemann ein ©egenftanb beS@rrungenfd)aftS= 
»ermögenS in Angriff genommen roorben roar, fo füge ich 
hier noch an, baf? meines ©racbtenS, roaS bei ber Grrungero 
fcbaftSgefettfhaft oon bem beweglichen ©onberoermögen ber 
©befrau im gatte ber 3mangSt>ottftrecfung gegen ben ©bemann 
oorftebenb auSgefübrt ift, in »erftärftem -Waffe oon bem ©r= 
rungenfhaftSoermögen gelten muff. Senn roenn aud) an biefem 
bie ©befrau jur ^älfte ibeellen Anteil bat, fo ftebt boeb über 
baSfelbe bem ©bemann allein baS freie SerroaltungS= unb Ser- 
fügungSredbt ju, fo baff er bie b e ro e g l i db e n Seftanbteüe 
beSfelben unbebingt ohne jebroebe Stimmung ber ©befrau, 
unb fogar auch bie unbeweglichen Seile beSfelben ohne 
beren 3uftimmung beliebig »eräufjent fann, fofern es nicht jur 


2) »Ofener’ 8 3eitfd). Sb. 25, ©. 282. 


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äbljanblung. XI. 251 

Tilgung einer ißrioatfchulb, fortberrt jur Tilgung einer ©ojial- 
föulb gefchiefjt *). 

®aju fommt aber noch, bah, wie bei ber Kontrahierung 
non ©oäialfd&ulben burch ben ©bemann angenommen werben 
muff, bah er hiebei als Vertreter ber ©emeinfchaft gehanbelt 
habe, biefelbe Unterteilung auch ?'la{3 ju greifen hat, toenn 
er wegen einer ©osialfchulb gerichtlich belangt unb oerurteilt 
toirb. ®er jjieburch oom ©laubiger erwirfte 33oHftrecfungS= 
titel wirft baher, was baS ©rrungenfchaftSoermögen anbelangt, 
oon felbft aud^ gegen bie ©hefrau bezüglich ihres ibeeHen 
teils an berfelben s ). 

©S fann fomit, toenn gegen ben ©bemann bie 3wangS= 
ooüftrecfung in einen beweglichen ©eftanbteil beS ©rrungen= 
fdhafSoermögenS ftattfinbet, bie ©hefrau wegen ihres ibeeHett 
Anteils, weil fie fein bie SSeräufeerung hinbernbeS Stecht hat, 
einen 2Biberfpru<h aus § 690 ber ©ioilprojehorbttung nicht 
geltenb machen, unb wieberum namentlich bann nicht, wenn bie 
3mangSüoflftrecfung wegen einer ©osialfchulb eingeleitet ift. 

©S hatte- baS frühere ©pefutionSgefef} oom 15. Slprü 1825 
2lrt. 33 beftimmt: 

„Orbentlicherweife befteht bie ©pefution in einer 33er= 
fügung übet baS Vermögen beS ©djulbnerS. 

®iefe Verfügung barf fi<h auf bas Vermögen ber ©he= 
frau ober ber Kinber beS ©dfulbnerS nicht erftreefen ; es 
wäre bann, bah bie Schulb, wegen welker ©pefution erfannt 
ift, biefelben mit beträfe." 

®ie SJtotioe ju biefem ©efeg unb bie Äammeroerhanb= 
lung geben ju ber angeführten Seftinunung feinerlei ©rläute= 
rung, fie würbe ohne alle Semerfung nach bem Slntrage ber 
Königl. ©taatSregierung einfach angenommen. fDtatt wirb aber 
wohl nicht fehl gehen, wenn man annimmt, baff eben bamals 
fhon bie ©efefceSfaftoren baoon ausgingen, bah ein wegen 


1) Sang’S $erfonen*9tedjt u. f. to. ( § 51, 9iote 3; berfelbe, <3acf>en= 
r«djt § 12, 91ote 74; Stein, a. a. @, 225 u. 226. 

2) Stahl, im ©erichtSHatt, »b. XVIII, S. 169. 


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252 


Stöljanblungen. 


einer ©ozialfcljulb gegen ben (Seemann erroirfter 2Mftre<fung3= 
titel non felbft auch gegen bie Ehefrau roirfe, weil ber ©tje- 
mann ber gefehlte Vertreter ber ehelichen ©emeinföhaft unb 
SBerroalter be§ gefamten ehelichen Vermögens ift. $n obiger 
©efefcesbeftimmung unb biefer 9te<ht§anfchauung mag auch mit 
ber ©runb liegen, bafj früher nor Einführung ber 9t e i dj & 
cioilprojefeorbnung in SBürttemberg aus $Beranlaf= 
fung be$ 3 roan 9 ^ 00 ttftre<futtggt)erfa^renS gegen ben Ehemann 
3fnteroention§flagen ber Ehefrauen feiten ober gar nicht nor= 
tarnen. 

3um ©djluffe nodh bie SBemerfung, baff eä in mirt= 
fdjaftlicher,ginfi<ht auch «ne ©djäbigung be§ Ärebitä 
be§ |ianbelg: unb ©eroerbeftanbea in SBürttemberg bebeuten 
mürbe, roenn ber ©laubiger, um in ber 3® att g3oollftre<fung 
ba3 oorhanbene |mnbel-S-- unb ©eroerbeoermögen be§ ©<hulb= 
nerä, roelcheS in faft allen fällen jur Errungenfdhaft gehören 
mirb, in Singriff nehmen ju tonnen, ohne einen 2Biberfpruch 
non beffen etroaiger Ehefrau au3 § 690 ber E i o i l p r o z e jj= 
o r b n u n g befürchten ju müffen, immer gleichzeitig gegen bie 
beiben Eheleute Älage ju erheben unb 9Mftrecfung3= 
titel zu erroirten hätte. 


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XII. 

ßntfdjeiöuugen bcs (Olifrlflitbcsgeridjts. 

A. in Gioilfacbeit. 

27. 

Anrufung ber nmblidjtn Freiheiten oudj aufjerljnlb brs 
Itonkurfes. Morausfetfungen berfelben. 

Qm 2lnf<blufi an bie ©ntfcbeibung be$ t. 6i»ilfenat3 beö 
OberlanbeSgericbtä in Sadjen Ätnorpp c. Dbenlanb »om 
25. ÜDtai 1883 — »eröffentlid)t in SofdjerS Qeitfd^rift 33. 25 
S. 300 — bat fiel; ber 2. ©ioilfenat über bie »orfteljenbe 
grage auegefpro<ben, roie folgt : 

SSie »oit ber üJJeljrjabl ber nmrttembergifdjen 9ted)t$; 
leerer unb in ber roiirtt. 3ied)t'>fpred;ung anerkannt ift, b at 
bie ©befrau einen 2lnfpt - ud) auf Qulaffung ju ben toeiblidjen 
Areibeiten auch bann, wenn bie eheliche ©inbufse burcb ben 
jum Söeften ber eljelidjen ©efeUfcbaft, inäbefonbere auch jum 
.ftiüed ber 2lu$ftattung gemeinfcbaftlicber ftinber gemachten 
iSuftoanb »erurfacbt roorben ift 1 ), unb e3 mirb bie ©b e f tau 

1) ^ßfijer, Sterte u. SJerb. ber SBeiber II 154; 33oIleg,33. Sluff. 
S. 342, Kote 0; ©arme?, SJlonatöfdjr. 33 8, S. 74; ftUbel:§oI)t, 
Srbr. 5. Stuft. 6. 234 u 236; Körner, nmrtt. ^Srto.K. (SJlanuflr.) 
§ 166; Sang, ißerf. Ked)t, 2. Stuft. ©. 377; Äapff, eioürec^töfpr. 
®. 232; 2afet, 6mlrecf)täfpr. 11 ©. 56; Keuf fer, 3eitfd>r. 1 ©. 303; 
entfd). b. Dbertanbeög. in ©. Unorpp c. Dbenlanb. 

3af)rbüdieir b. übUvttembg. ilUdjtbpflege. I. 18 


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254 ©ntfcf)eibungen be8 Dbetlanbe§geri<f)i3. 

jener 9tecf)tSwohlthat nur bann oerluftig, wenn fie bie eheliche 
©inbuße oerfchulbet fjat, gleidjgiltig, ob ben Seemann an ber= 
felben eine SJHtfchulb trifft ober nicht. hieraus wirb non bet 
wiirttemb. 9ted)tSfpred)ung, wie aud) non oerfchiebenen 9ied)te= 
teurem mit 91ed)t ber ©runbfaß abgeleitet, bafj bie ©hefrau 
burd) bie genannte 9ted)tSwohlthat nicht bloß gegen bie nad)= 
teiligen F°l9 en ber SSermögenenerroaltnng beS ©hemannS, 
fonbern überhaupt gegen bie ihr aus bem 23eftehen ber ©r= 
rungenfchaftSgemeinfd)aft ermachfenben Nachteile gefd)üßt werben 
folte >). 

(Sine notwenbige .Honfequenj biefeS ©runbfaßeS ift es, 
baf? bie ©h e frau 9ied>t au f 3 u toff un 9 5 U *> en Toeib- 
lichen Freiheiten beanfprnchen fann, fobalb eine nicht burd) 
fie oerfdhulbete eheliche ©inbuße oorliegt, gleichgiltig burd) 
welche Umftänbe biefelbe herbeigeführt worben ift. SBillfürlid) 
ift eS, ju unterfcheiben, ob bie ©hefrau im ÄonfurS bes (£^e= 
mannS ober außerhalb beSfelben oon jener 9ted)tswohlthat 
©ebraud) macht, unb im ledern gal! bie ©emäfjrung beS 
DiedjtS auf bie weiblichen Freiheiten baoon abhängig ju machen, 
baf? bie ©inbuße burd) ^erfcßmenbung bes ©hemannS oerur- 
facht worben fei, innerhalb beS MonfurfeS aber ber Ehefrau 
jenes stecht ohne 9tüdfid)t auf ben ©runb ber ©inbuße ju 
bewilligen , wie bieS oon einigen ©cßriftftellern gefchieht a ). 
®enn aud) außerhalb bes ÄonfurfeS bebarf bie ©hefrau beS 
g(eid)eu ©cßußeS gegen bie für fie aus ber 6rrungenfd)aftS= 
gemeinfchaft etroacßfenben 3iad^teite. SJlatt hot baher in Über= 
einftinimung mit ber citierten früheren ©ntfcßeibung bes 0ber= 
lanbeSgerid)tS angenommen, baß ber ©hefrau, weldje an ber 
ehelichen ©inbuße feine ©djulb trägt, aud) außerhalb bes ,üon= 
furfeS bie dted)tSmohtthat ber weiblichen Freiheiten ol)ne 94ücf= 
fid)t auf bie Urfache ber ©inbuße jufteße. 


1) ftflbet«§ohI 1. c. S. 232 ; Sang, a a. D. 6. 373; Stömer, 

1. c.; Äapff, 1. c. S. 276; Ipufnaget, I S. 160; Xafet, 

9t eu ff er a. b. angef. Stellen; SSßürtt. 5lrcf)io 3). 17 S. 205. 

2) Sang, ‘ißerfonenSt. a. a. D.; Äübeü$of)t, a. a. D. S. 233. 


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A. in fetBilfadjen. 28. 


255 


©a [ich unbeftrittenermaften in ber ©rrungenföhaftSgefelk 
fdjaft eine ©inbufje ergeben f;at, an roeldjer bie Söcflagte feine 
©d)ulb trägt, fo ift biefelbe berechtigt, bie rociblidjen Freiheiten 
anjurufen. ®ie3 ^at biefelbe auch bei 2tbid)lufe bes SSermfr 
gen3abfonberung3oertrag3 mit ihrem ©bemann gethan. ©ie 
ift aber jur Anrufung jener SHedRsroohlthat auch nod) im 
oorliegenben SRechtSftreit befugt gemefen; benn burd) ben 5Äb= 
fchlujj jenes bie 2luflöfung ber Grrungenfdmftägefellfdhaft feft= 
fefcenben Vertrags ift bie Seflagte nicht gehinbert, gegenüber 
ben oorher eingangenen ©ojialfdjulben fid» auf bie fragliche 
Stechtäroobltbat ju berufen. 

©ntfdjeibung b. 2. Senate beä CberlanbesgerichtS in 
Sadhen ber Firma SK- u. SR. gegen bie ©hefrau be$ 
©teinbauerä Friebrid) in 3l*h°ien oom 13. ÜRai 1886. 


28. 

Steljt btin Setentor bie Spolienklage ju? 1 ) 

©er Kläger ftarl SR. in ©eggingen h at oon beni nach 
2lmerifa auSgemanberten F^bridj bafelbft eine SReilje 
von ©runbftücfen gepachtet, ©r glaubte, unter biefe gehöre 
auch eine jroifchen biefen ©runbftücfen liegenbe bem Sltidjarb 
$. gehörige Spargelle. Gr fyat biefelbe umgeacfert unb ange= 
pftanjt. ©er 33eflagte 3ofef Sßf. i)at biefe Spar^elle oon 
SRidjarb S8. getauft, fid) gegen ben SBiberfpruch be* .Kläger« 
in ben ©efifc berfelben gefegt unb biefelbe eingcemtet. ©er 
iöeflagte mürbe junt ©rfajs besS 2Bert« ber ffrüdßte an ben 
Äläget oerurteilt unb babei auägefprochen : 

©ie ©eridjtäpraji« h at in Grroeiterung ber ©runbfäfce 
be« SHömifdjen S)ied;t« über ba« interdictum de vi unb hn 
Slnfchluß an bie Seftimmungen be« fanonifchen SHed)t« bie 

1) 6. nun aud) Seuff. 2lr<$it> ©. 42 n. 99 S. 141. 

18* 


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256 


(Sntf Reibungen bee CbertanbeägericbtS. 


fog. ©polienflage als 9lechtSmittel jurn ©djuh auch beS De= 
tcntorS beroeglicher unb unbeweglicher ©achen, welcher bie De= 
tention in eigenem Sntereffe auSübt, 5 . $B. als ^achter, gegen 
jebe eigenmächtige ©ntfefcung aus ber Detention eingeführt *). 

liegen biefe ©erichtsprajis hoben fich' nun jmar oerein-- 
gelte gerichtliche ©ntfcheibungen namentlich aus älterer 3 e ü s ) 
unb nerfchiebene 9techtslet)rer s ) auSgefprochen, wobei übrigens 
bie unten in 9tote 3 lefctangefiihrten bie ©ewährung be* 
©chu^es gegen jebe eigenmächtige Sefifcentfefcung nicht als 
ungerechtfertigt erachten. 

Da nun aber ein entfcfiiebenes ©ebütfnis für bie 9IuS= 
befjnung beS SöefifcfchuheS auf bie §äüe eigenmächtiger ©nt- 
fehung beS in eigenem 3ntereffe Detinierenben aus ber Re- 
tention fpridjt unb ba baS Üanbredfit I tit. 23 § 7 mit ber 
bafelbft gegebenen, Definition ber exceptio spolii feine ber 
3uläffigfeit biefer 2luSbcf)nung entgegenftehenbe Seftimmung 
über bie Grforberniffe ber ©polienflage gegeben hot, fo ho* 
man feinen SHnftanb genommen, fich obiger auch com Steide 
gericht gebilligten ©erichtSprapiS anjufchliefjen. 

Urteil b. II. ©enatS beS 0.£.©erichtS in Sachen 3ofef fpf. 
o. Deggingen gegen Marl 9t. t>. ba »om 15. Dftober 1885. 


1) ©euff. Strcbin 8. 1 n. 224; 8. 2 n. 50; 8. 3 n. 56, 173; 
8. 5 n. 23; 8. 12 n. 241; 8. 24 n. 212; 8. 25 n. 7; 8. 26 n. 220. 
8. 31 n. 111; 8. 34 n. 274; 8. 37 n. 290; 8. 40 n. 96. ©ntfeb- b. 
tReicbSg. 8. 5. ©. 164; ©inteniS GioilS. 11 § 124 n. 48; Strnbts 
^anb. § 173; 8ru n 3, 8efibttagen S. 212 ff. ; © tob be, beutfeb- iprio 31 
(2. Stuft.) II @. 43 ff; Quering, ©rutib beS 8eftbf<bufje3 S 138; 
8i>br, Urteile beS SleicbSg. S. 37 ff. 

2) ©arroet), SJlonatfcbrift II ©. 181 ff.; $ufnagel, Slitteitungen 
1 ©. 104 ff.; ©euff. Streb« 8. 1 n. 225; 8. 3 n. 56; 8 22 n. 147; 
8. 26 n 220; 8. 37 n. 290. 

3) ©aoigng, 8efifc 6. Stuft. S. 619 ff.; ©euffert, $anb. §415 
n. 2; SOinbfcbeib, ^Jaiib. I § 162; Slonba, 8eftb, 3. Stuft. G. 
144 ff. 


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A. in ©ioilfadfien. 29. 


257 


29. 

£iegt eine 3nteqeffion oor, tuenn eint frau, roeldje eint 
Jorberung jebiert, ftd) für blefe forberung als Bürgin ljnft= 
bar rnadjt? 

Begrünbung bet ©tnrotnbung, eint Hrkunbe im Srrtum 
unteqeidjnet ju Ijaben. 

.3(1 ein Betrag, weldjen ber Gläubiger aus einer Bwangs* 
DoUftrcdtung ober im Itonkurs ertjält , nerljältnismä|ig auf 
Kapital unb linfen abjuredjnent 

Bejieljt fidj J*anbr. I l tit. 5 § 9 audj auf ben fall einer 
bloß tfiatfädjlidjcn llidjteinklagung nadj Jtblauf bes 3ab^ un 9 e ~ 
termins ? 


3n 93anb 14 ©. 363 bi3 372 be^s SBürttemb. 9lrd)iü’3 
non ©arwep ift bie 9led)tvfpredjung be$ oormaligen Ober; 
tribunals jufammengefteHt barüber, tnie bie Haftung be3 3^ 
benten für bie ©fite ber jebierten ^orberung auf^ufaffen fei. 
Drei jener ©ntfdieibungen fjanbeln oon ber §rage, ob in ber 
©ingeljung ber 9?erpflid)tung, für bie ©iite ber jebierten ^or= 
berung fjaften ju wollen, bejieljungiüoeife in ber Übernahme 
einer 93ürgfd)aft für biefetbe, eine ^nterjeffion liege, netnlid) 
oo 

bie ©ntfdjeibung o. ^ 1858 in ber 2ltion3fad)e ber 

Setljfaffe ©auingen c. üttinf, biejenige o. 8. iDtarj 1867, 
SBegerle c. 93ergcr, unb oom 9. 3Jicirj 1871, 33ed)Ier e. ißfau. 
3n biefen ©ntfdjeibungeit tritt ein oerfdjiebeiter ©tanbpunft 
3U Dage. s JJeuerbing$ tarn bie £-rage lieber jur ©rörterung 
unb ©ntfdjeibung : 


9lm 8. öttober 1875 E)at bie SBittroe 3lnna 99. non Saufen 
ber ©par= unb Söaifenfaffe 99illingen ©üter§ieler im betrag 
oon 1500 ,% oerfauft unb gebiert, weldbe fie an ben 9)led)a= 
nifer Sd). o. Saufen ju forbern f)atte. Diefe ©iiterjicler 
waren burcf) ben Ißfanbred&tSoorbefjalt auf ber oerfauften 
Siegenfdjaft unb bie 93iirgfd)aft eine'} $ofef 99. gefiltert unb 
an ©eorgii 1876 bis 1881 fällig. %\\ ber 3 e iH° n 'Jurtunbe 


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258 


©ntfcfjeibungen beä D&erlanbe§gertdjtg. 


madjte fid) bie 3ebetttin ffir bie abgetretenen $icler unb 3infen 
als 2Iürge unb ©elbftfdplbner oerbinblid), bi$ bie 3effionarin 
oottfommen befriebigt fein roerbe. 

3m 3af)* 1880 tarn ber ©djulbner 9J?edjanifer ©dj. in 
Äonfur». 23i3 baljin f»atte bie ©par-- nnb 2Baifenfaffe 23. 
meber einen 3* n ^ nod) ein 3^1 eingepgen. SJirttelft ber 
3roang‘Joottftrecfung in ba§ oerpfänbete ©runbftücf erhielt 
biefelbe 941 78 ^ unb aue benx Äonfurä be3 ©d). 

55 6 5/3|. 3m 3“f)r 1881 roar aud) ber 23ürge 3ofef 

23. oermögeneiloä geroorben. 

3m 3ß^r 1886 trat bie ©par= unb 2Baifenfaffe 23. 
gegen bie 3eberttin Sttnna 23. auf ©runb ber übernommenen 
23iirgfd)aft für bie ©djulb be§ ©d). mit einer Älage auf, in 
roeldjer fie .744 Jfy. nebft 3infen »• 1- 3am<ar 1883 an forberte. 
©ie tjatte ba^jenige, ma$ fte aus bem 23ennögen be§ ©dj. 
erhalten Ijatte, gunäd^ft auf bie rücfftänbigen 3*nfen unb fo= 
bann auf ba4 Kapital abgerechnet. 

die 23eflagte mad)te geltenb, e3 fei oon feiner ©eite bie 
Übernahme einer 23ürgfdjaftoon ihr oerlangt roorben; fie habe bie 
llrfunbe unterjeicfjnet, ohne p roiffen, bafj biefelbe eine foldje 
Grffärung enthalte, ©ie fjabe biefe ©rftärung, 23iirgin fein 
p motten, {ebenfalls nicht oor bem ©etneinberat ober einer 
^Deputation beSfelben abgegeben. 3» bem 23erfpredjen, für bie 
©üte ber ^orberung haften p motten, fei mehr nid^t enthalten, 
als? bafj ber ©chulbner pr 3 e ü ber 3 e ffl° n , äufjerftenfattS 
jur 3eit ber gättigfeit ber 3iüer foloent fei. die Älägerin 
habe be^balb p beroeifen, ba& ber ©djulbner fdjon batnals 
ja^lunglunfä^ig geroefen fei. diefetbe ^abe ihren 23erluft 
burd) 'Jtadjläffigfeit im 23eitreiben ber gorberung felbft oer- 
fdjulbet. diejenigen ißi'Ojente, melche bie Älägerin im 3mangS= 
uoUftrecfuugSoerfahren unb im AtonfurS beS ©<$. erhalten 
habe, miiffen auf bas Kapital unb bie 3mfen oerhältniSmäfng 
uerredpet roerben, in welchem gall bie reftlidje Atapitalforber= 
ung eine crljeblidj fleinere fei. ©itblid) föipe bie .Klägerin 
gemäfj ^anbr. dl). II tit. 5 § 9 3infen oom 1. 3anuar 1883 
au uid)t beanfprudjen. 


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A. in ©itnlfadjen. 29. 


259 


Sie ßinilfammer beS £anbgerid)ts flu 9t. f)at bic Seflagte 
jur Bejahung non 744 ■% »erurteilt , bagegen bie Klägerin 
mit ihrem 3infenanfprudh abgeroiefcn. Siefelbe ging banon aus, 
bie Parteien haben bie Übernahme einer Söürgfc^aft burdj bie 
Seflagte beabficf)tigt. |)ienacb fei eS erforberlid) geroefen, 
bie görmlichfeiten ber ^nterjeffion ju roabtert. Sah bieS 

aber gefchehen fei, fei beroiefen. 3* n fen fönne Klägerin 
nach ber angeführten Stelle beS Sanbredhts nicht nertangen. 

Sie gegen baS Urteil beS £anbgerid)ts erhobene Berufung 
mürbe fluriidgeroieien, biefeS Urteil aber auf bie 3tnfd)lief?ung 
ber Klägerin bahin abgeänbert, baf? berfelben auch bie 9 e fa rs 
berten 3* n f en juerfannt mürben. 

©riinbe : 

I. Sie Settagte beftreitet, baf? fie fich ber Klägerin gegen- 
über für bie abgetretene ^orberung als Bürgin unb ©clbft= 
fchulbnerin haftbar gemacht habe. 2lUein biefelbe hot flugegeben, 
baf? fie bie über bie 3 e ?Üon aufgenommene Urfunbe unter= 
jeichnet hot- ,§ieburch ift nach § 381 (S.ifS.D. ooHcr Seroeis 
bafiir erbra^t, baf? fie ber Klägerin gegenüber bie in ber 
Urfunbe enthaltene ©rftärung, fomit audh bas Besprechen, 
für bie 3feler unb 3fnfen als Bürgin unb ©elbftfdhulbnerin 
haften jit roollen, abgegeben hat. SGßifl bie Seflagte behaupten, 
fie fei ifter ben bejcicbneten 3 n halt ber Urfunbe im Irrtum 
gemefeit, fo hat fie bieS tbatfädhlidb flu begrünben unb flu be= 
roeifen. 9l!Iein fdjlüffige Shatfadben finb hiefür non ber Se= 
flagten nidf)t angegeben roorben. Sa fie lefen fann, fo genügt 
hieju bie Behauptung, es fei ihr non feiner ©eite bic Ser= 
biirgung angefonnen roorben, nicht, unb ba fie nirf;t geltenb 
machen fann, es fei ihr bie 9Jtöglid)feit beS SurdjlefenS ber 
Urfunbe entflogen geroefen, ebenforoenig bie weitere Behauptung, 
baff fie ben gebrudten BürgfdhaftSoermerf überfehen habe. 

Ser Umftanb, baf? fid) in feiner Äunbgebung ber Klägerin 
ein .fMnroeiS auf eine Berbürgung bet Beflagten finbet, er- 
flärt fidh burd) bie gleidje >Jlad)läffigfeit, mit ber bie @infor= 
berung ber 3mfen unterlaffen roorben ift, unb bie Untätig-- 
feit ber Beflagten barauS, bah fo lange feine Slnfprüd&e au 


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260 


©ntfdjeibungen beS Dbettanbeggeticbtä. 


fic erhoben würben. 305äre fobann auch nnjunefjnteti, baf? bic 
bie Verbürgung ber Beflagten enthaltenbe ©teile ber Urfunbe 
uon bern fßfanbhilfabeatnten unb ber Unterpfanbsbehörbe über; 
feiert worben fei, fo wäre bie3 nidit auch für bie Beflagte 
bewiefen, ba i^r in ben oorangegangenen Verhanblungen bas 
Verfangen ber Klägerin, bafs fidf) bie Beflagte ju nerbiirgen 
habe unb ber Inhalt ber ju unterjeichnenben Urfunbe jur 
Kenntnis gefontmen fein fanit. ©egen bie Beflagte aber 
fommen ihre in I. 3nftanj abgegebenen ©rflärungen in Be= 
trac^t, roornad) fie nicht beftritten hat „baf? fie fid) in ber 
3effionSurfunbe für bie abgetretenen 3ieler als 'Bürge unb 
©elbftfdfulbnerin haftbar gemacht habe", bejiehungSweife „baß 
fie bie Bürgfd)aftSurfunbe mit ber barin enthaltenen Bürg= 
fdjaftSerflärung unterfchrieben höbe." Hieraus geht in Ver: 
biitbuug mit bem weiteren Vorbringen jebenfalls fo oiel her= 
oor, baf? fie felbft in I. ^nftanj bie Behauptung, fie habe 
bie Urfunbe in UnfenntniS ihre^ Inhalts unterjeid&net , auf: 
jufteUen nicht gewillt war. 

Hienaä) fann baoon, baf? ein Vernein für bie leßtange; 
führte fEhatfadte uorhanben fei, nicht bie Siebe fein. 

II. 2)ie 'Beffagte hat am 8. Oftober 1875 burd) Unter; 
jeidpiung ber 3effion^tirfunbe ber Klägerin gegenüber bie @r= 
fläruug abgegeben, „baß fie fi<h jugleid) für bie abgetretenen 
Siefer unb $infen als Bürge unb ©elbftfdjulbner ,ju haften 
uerbinbe, bis bie 3 e ffionarin ooflfotnmen befriebigt fein merbe, 
ju welchem ©nbe fie auf alle ©inreben unb SluSflüchte, nament- 
lich ber Vorausflage unb Teilung hi^rnit wohlbebächtig 
oerjidhtc." 

©5 ift nid)t ju bejweifeln, baß bie Parteien bei bem 
Verfauf einer gorberung neben ber eigentlichen Stiftung, 
3effion bcrfelben, noch eine Siebenleiftung bebingen fönnen, 
roeldje fie wollen, ©ie fönnen bie gefeßliche Haftpflicht beS 
VerfäuferS einer fyorberung für bas Beftehen berfelben er; 
weitern in eine Haftpflicht für bie ©üte biefer ^orberung 
unb fie fönnen biefer Haftung eine ©eftalt geben, roeldje fie 
wollen, entweber biejenige einess ©arantieoerfpredjenS, ©ernähr; 


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A. in ©ioilfadjen. 29. 


261 


leiftungSoerfpredjenS für bie ©iite ber Jforberung, ober biefeS 
Serfpredjen roieber in bie f?orm einer Sürgfdiaft fleiben. Unb 
im j^atte eine* ©eroährleiftungSnerfpredjen* fann ber fßer= 
pflichtete haften 311 rootten erflären für bie 3ahlung3fähigfeit 
bee ©djulbner3 pr 3 eit beä Serfaufä ber gorberung, pr 
3eit ber ^ättigfeit ober auch pr 3^it be-S beliebigen Ginpgä 
burd) ben ©laubiger unb et fann roeiter »erfprechen, wenn 
3 al)lung nicht erfolge, auch ohne norgängige 2lu3flagung be-3 
©<hulbner$ jaulen p motten. 

©3 ift ferner ridjtig, baf? je nad) ber ©eftaltung biefer 
Serbinblidjfeit oerfchiebene rechtliche folgen eintreten fönnen, 
roofiir auf bie Sluäführung in ©arroet)’3 Slrdno Sb. 14 ©. 369 
oerroiefen roerben fann. 

Sittein e3 fann nicht anerfannt roerben, baß bie ©nt= 
Reibung, ob eine ^nterjeffton »orliege, banon abhängen foll, 
ob ein felbftänbigeS ©eroä^rleiftung^nerfpredjen eingegangen 
roirb, burch roeldjeä ber Serfprechenbe fidh »erbinblidj macht, 
bem ©laubiger ba§ Qntereffe ber nicht erfolgenben £eiftung 
p erftatten , ober ob bie accefforifche SerbinbUchfeit einer 
Siirgfdiaft'jleiftung übernommen roirb. ©iefe Sllternatioe bedt 
fid) mit ber fixaQe, ob eine Qnterjeffion norljanben ift, nicht- 

©aß auch burch bie Übernahme einer felbftänbigen Ser= 
binblichfeit eine ^nterjeffion oorgenommen roerben fann, geht 
nicht allein auä bem gatt ber tacita intercessio, fonbern in^ 
befonbere bemjenigen be3 Mandatum qualificatum heroor, bei 
roeldjem ber ttftanbant erflärt, für ba-Jjenige haften p roollen, 
roaä ber ttflanbatar für ben ©ritten aufproenbett haben roerbe. 
©3 roirb auch nicht p beftreiten fein, baß, roenrt Qemanb eine 
ftforberung gegen einen bebrängteit ©djulbner auffauft, um 
biefem p helfen, biefe $orberung an ben ©laubiger um bie= 
ielbe ©utnme roieber nerfauft, unb fich gleichseitig für bie 
©iite ber ^orberung haftbar erflärt, hier eine Qnterpffion 
oorliege. SlnbererfeitS fann eine förmliche Sürgfd»aft eingc= 
gangen roerben unb hoch ba§ Sorhanbenfein einer ^nterjeffion 
au-5gefd)loifen fein f. I. 13 Dg. 16. 1, quod tum aecidit, 
quum mulier prima facie quidem alienam, re vera autem 


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262 6ntfd|eibungen beS Oberlanbeggerid&tS. 

suam obligationem suscipiat, ut ecce, si pro fidejussore sno 
intercedat. 

.Öienadf faim e§ auch nicht barauf anfommen, roeldje 
91u3briicfe bie Parteien geroä^tt haben, ob fie oon Übernahme 
einer .ßaftung ober einer SMirgfchaft gefprodjen haben, 2 tu§; 
brücfe , bie io oertnifdht fein fönnen, baß häufig nidßt er= 
fennen roäre, roa3 beabficßtigt rootben ift. 

Ser begriff ber gnterjeffion fe|t oorau§, baß bie frembe 
Scßulb in frentbem unb nidf)t im eigenen gntereffe übernommen 
roirb, unb roenn aucf) bie§ jum Seil beftritten roirb, fo fommt 
bod) bie gorniulierung, bie grau müffe eine frembe 33erbinb= 
lidjfeit übernommen haben b. h- eine SSerbinbticfjfeit, roeldhe 
ihr nicht bloß formal, fonbern auch materiell fremb fei, regele 
mäßig auf bas ©feiere hinau». ÜDfateriefl fremb ift ihr eine 
33erbinblidf)feit, reelle nicht ißr, fonbern ba$ Qntcreffe eine«? 
Stnbern betrifft. 2 ?on einer gnterjeffion fann bann nidf)t bie 
3tebe fein, roenn bie übernommene 3Serbinb(idt)feit nur ben 
eigenen Vorteil förbern foff. 

Sie Streitfrage, ob bie frembe SSerbinblidhfeit auch at£ 
frembe übernommen fein müffe b. t). ob bie interjebierenbe 
grau gehofft ^aben müffe, f«f>on mit ber Zahlung ber fremben 
©d^ulb oerfeßont 5 U bleiben, ober nur feinen Schaben au» 
ber iöiirgfdhaft ju haben, ift (jieoon unabhängig. 

gäEe, in welchen eine eigene, nur fdfjeinbar frembe fßer= 
binblidjfeit übernommen roirb, finb enthalten in 1. 3, 1. 13, 
1. 17 § 2 erfter gaü, 1. 25 unb 1. 27 § 2 Dig. h. t. , in£= 
befonbere ftimmt ber in festerer ©efeßeSfteEe entfdhiebene im 
roefentlidhen mit bem oorliegenben überein, gür biefe gälte 
roirb aber in ben DueEen gefagt, baß ber begriff einer gn= 
terjeffion au3gef<hloffen fei f. 1. 3, 1. 17 § 2 Dg. h. t. »in- 
tercedere non videtur« »non omnimodo midierem pro parte 
socii videri intercessisse dicebat « 

Saß bie Seflagte nur fcheinbar eine frembe, in 2£abr-- 
heit aber ihre eigentliche Sserbinblichfeit übernommen unb nur 
ihre» eigenen fßorteilö roegen fich oerbürgt hat, ift erroiefen. 

211 $ bie SBef tagte bie fragliche gorberung au bie Mlä- 


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A. in ©Unfällen. 29. 


263 


■germ »erfauft l)at unb fie ftd; für biefelbe oerbürgte, 
banbeite eS fi<b in feiner SBeife um baS Sntereffe beS ©diulbs 
nerS ©dfj. Ein folc^e» ift nicf)t einmal angebeutet. ©3 follte 
beinfelben fein ifrebit oerfc^afft ober prolongiert roerben. SDenn 
es mar bemfelben fd(jon ber Äauffdbitting für ben erfauften 
2ldfer angeborgt unb es waren bie 3 a ^I un 9 gtcrm i ne für biefen 
Äauffdbitting fdfion feftgefe&t. 

3?ielme|r f)at ficf> bie iöeflagte burdfj 3Seräuf;erung ber 
erft nach unb nadf) in mehreren fahren fälligen $ieler felbft 
bares ©elb oerfd^affen motten, unb sroar, inbem fie ficb als 
^Bürgin unb ©elbftfdjulbnerin haftbar machte, in höherem S8e= 
trag, ate wenn fie bie gorberung ohne i^re eigene 33ürgfdbaft 
oerfauft hätte. Qnäbefonbere, nadf)bem fie fiel) als ©etbffc 
fdljulbnerin oerbinblid) gemacht ^at, ift baS 23erbältnis mate= 
riell fein anberes, als wenn fie ein ^Darlehen oon ber $lä= 
gerin gegen ißrooifion aufgenommen, bafiir bie ihr gegen ©d). 
gufteJjenbc f^orberung als Sicherheit beftettt, unb bebungen 
batte, baS Darlehen fei frübeftcnS in dtaten bis ©eorgii 
1876 — 1881 suriidäubejafjlen. 

®a nach bem StuSgefüljrten baS 9$orbanbenfein einer 
Snterjeffion ju oerneinen ift, fo finbet aud) 2lrt. 5 beS ©e= 
fefseS oom 21. ttltai 1828 feine 2lmoenbuitg. 63 ift oon bem 
oormaligen Dbertribunal unb bem DberlanbeSgeridfjt ftets 
baran feftgebalten roorben, baff baS roürttembergifche 9tecl>t 
an bem Segriff ber Unters effion, roie er fid) aus bem gemeinen 
3ted)t ergibt, nidt)ts geänbert ^abe. s Jtur bie SluSnabmen, in 
welchen trob bes $8orbanbenfein3 einer ^nterjeffion aus be^ 
fonbern ©riinbeu ber ©dbub bes Sctm. Vellejamun nic^t ge= 
mährt mürbe, finb befeitigt. ©ine anbere Stuffaffung gel;t 
au<b ni<J)t aus ber in ©arroep’S 9lrd)io Sb. 15 ©. 160 an= 
geführten ©ntfdbeibung beS oormaligen DbertribunalS beroor. 
©S ift hier bie Sfebe oon ber ^nterjeffion animoAdonandi 
ober gegen Sejablung. ®ie g-rage, ob in biefen gätten, in 
meieren eS ficb in ber 3ttjat oon einem ©intreten unb einer 
.Hrebitgeroäbrung für einen Ülitbern banbeit , ber begriff ber 
^nterjeffion ausgefdbloffen ift, ober ob eine ber ermähnten 


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264 


©ntfdjetbungen beä DBertanbeägeric^tS. 


2lu«nabmen nortiegt, ift ohne Bebeutung für bie (Sntfäjeibung 
be« nortiegenben ©treit«. 

£>ienad) erfcbeint bie Berbinbtidjfeit, weldbe bic Beftagte 
in ber Urfunbe uom 8 . Oftober 1875 übernommen ()at, für 
bie ©dbutb be« SJtecbanifer« ©d>. al? Bürgin unb ©elbftfcbulb= 
nerin fünften 511 wollen, auch ohne CSinfjaltnng ber in 2lrt. 5 
ber oorerwätmten ©efefce« norgefdfjriebenen gorm al« giltig. 

III. ®ie Berufung«flägerin behauptet, auch notn ©tanb= 
punft be« ©emäbrleiftung«t>erfpred)en« au« märe bie .«tage 
tiicEjt begriinbet unb biefe« Berfpredben fei haften« bahin ju 
üerfteljen, fie wolle für bie ©üte ber ^otberung 3 ur 3 eit ber 
3effton, eoentueli jur 3 e ^t ^äHigfeit berfelben haften. 
9lEein roie biefe-S Berfpredben ju »erfiefjen ift, bie« beftimmt 
ficf) nach ber getroffenen Übereinfunft. Bun hat ftdb bie Be= 
ffagtc ofjne irgenb eine 3 eitbefdjränfung unb unter Bericht 
auf bie (Sinrebe ber Borau«flage für gebadite 3^fcr unb 
3 infen haftbar erflärt, bi« bie 3 «ifionarin nottfommen be; 
friebigt fein roerbe, atfo nid>t bloß für bie 3 «it ber 3 Hfton 
ober bie fyätligfeit ber 3 ieler, fonbern bi« sur Bejahung ber= 
felben. ©aburdf, baff für bie Schutt» be« G^riftian ©db. 
Termine feftgcfetjt waren, nor bereit 2 lblauf bcrfetbe nicht 
follte belangt werben fönnen, war nidbt au«gebriicft, baff biefe 
3«eler nadb Berfluft ber Jrift eingesogen werben follett, unb 
ebenfowenig ergab fidt) bie« barau«, baft bie ^orberuitg an 
eine mit 3 i«le™ ^anbetnbe .«affe abgetreten würbe, benn auch 
biefer tonnte e« unter Umftiinben »orteilbaft erfdbeinen, ba« 
.«apital fteben 311 taffen, üßotlte bie Beftagte nur bi« 3 U 
einem gewiffen 3 e itpunft haften, fo hätte fie bie« ausbriicfen 
fotlen. dpienadb ift bie 2Iu«tegung, welche bie Beftagte ber 
non ihr übernommenen Berpflid)tung gibt, eine 3 U enge, unb 
e« fällt bamit auch bie weitere Folgerung, bie Ätägerin fei 
fadjfällig, wenn fie nidbt erweife, bah bie 3 ic ^ er fd)on 3 ur 
3 eit ber 3 efftoit ober wenigften« ber $ältigfeit uneinbringlich 
gewefen feien, weg. 

IV. £ie 5 ra 9 e / ab t>em ©laubiger auch non bcmjenigeu, 
ber fidb at« ©elbftfchulbiter unter 33erjicE)t auf bie ©inrebe 


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A. in Sioüfadjen. 29. 


265 


ber SSorauäflage »erbinblich gemacht hat, bic ©inroenbung ent; 
gegen gehalten roerben fotm, berfelbe fömte burdß eigene ©<hulb 
bie Allagen gegen beit ©cßnlbner be$iehung?roeife beffen Bürgen 
nicht mehr mit »oller SBirffamfeit abtreten, bebarf nicht ber 
©ntfcheibung. 2lu<h wenn man »on ber Bejahung berfelben 
auägebt, fo fann bod) eine bem Selbftfchulbnerbiirgen gegen; 
über ju »ertretenbe fjaljtläffigfeit nicht fcßon in ber bloßen 
weiteren Slnborguttg gefunben roerben, fonbern e§ bebarf be3 
33eroeifeÄ , baß ber ©laubiger Atlage gegen ben ©djulbner 
unterlaffen bat/ troßbem baß er bie Berfdjlechterung ber Ber; 
mögenSoerhältttiffe be$ ©chulbnerä ober bie 2öert$abnahme 
ber »orbanbenen roeitern Sicherheiten fannte. ©in foldber 
Beweis aber ift »on ber Beflagten nicht geliefert. (©ies roirb 
nun auf grutib ber »orliegenben ©hatfachen roeiter auSgefiihrt.) 

V. ©ie BetufungSflägetin roill nunmehr baSjenige, mag 
bie 6par= unb SBaifenfaffe SS. burd) bas .groangSuollftrecfungS; 
»erfahren gegen ben ©cßulbner ©d). unb aus beffen ÄonfurS 
erhalten hat/ anberS »errechnen unb jroar gleichmäßig auf 
Kapital unb 3infen. 2lüein ju einer foldßen 'Berechnung ift 
bie Berufungsflägerin nicht befugt.“ ©S roiberftreitet bies bem 
©runbiaß ber 1. 101 § 1 l)g. de sol. unb 1. 35 Dig. de 
pign. actione, roornad) ber ©laubiger, ber ba$ ifSfanb »erlauft, 
abrechnen fann, roie eS ihm am günftigften ift. Slußerbem 
ift ber ©läubigerin burd) bic 3roangs»ollftrecfungSbehörbe auch 
nicht erflärt roorben, baß ber berielben pgeroiefenc Betrag 
gleichmäßig auf Alapital unb 3m$ entfalle, ©ie fann baßer 
ber gefeßlidjen Siegel gemäß bas ©rhaltene auf bie 3* n f en 
juerft anrechnen, ©aS ©leicße gilt auch bezüglich beteiligen 
Betragt, welchen bie Klägerin au« bem Atonfurfe beS ©dß. 
erhalten hat. $n biefem ift auf bie ©efamtforberung jebeS 
©laubiger-? ben aitbern ©läubigern gegenüber ein geroiffer 
iprojentfaß entfallen, ©arauS folgt aber nicht, baß ber 
©läubiger bas ©mpfangene in eben biefem Behältnis auf 
Älapital unb 3infen ju »errechnen habe ’). ©ie Behauptung 

1) SJergl. Seuffert, »tcßio süb. 1 @. 199; m. 1» @. 160. 


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266 (Sntfdjeibungeit be$ £)8erla«be?gerid|t8. 

fobann , bie .Klägerin muffe fid> aud) biejenigen Sahiwngen, 
welche fie au« bem Vermögen be« ©djulbner« ©et), auf bie 
3iufeu erhalten tjabe, ber Veflagten gegenüber in ©emäffheit 
oon &anbrccf)t II tit. 5 § 9 auf ba« Kapital anredjnen Iaffen, 
ift fd)on be«halb ju oerroerfen, weil bie hier getroffene Ve= 
ftimmung be« Sanbredit« im oorliegenben gaU überhaupt 
feine 2lnroenbuitg finbet. 

VI. Sie .Klägerin finbet fid) burdj ba« erftricfjterlidhe 
Urteil infofern befd)roert, a(« berfetben bie oerlangten 3infen 
oom 1. Januar 1883 an abgefprodhen morben finb. ®ie 33e= 
flagte beruft fid) für ihre Behauptung, baff bie Klägerin feine 
3infen anjufpredhen l)abe, auf bie angeführte 33orfdhrift oon 
£anbr. Seil II tit. 5 § 9. 2IUein hier ift wie fidh au« bem 
SBortlaut be« ©efe£e« mit Beftimmtheit ergibt, oorau«gefefct, 
baff bem ©dfjulbner oon bem ©täubiger eine SBorgfrift erteilt 
worben ift. Senn bie golge, baff ber 33ürge bem ©läu^ 
biger weiter nid)t, al« ba« Kapital ju befahlen oerhaftet, 
rnirb baran gefnüpft, -„baff ber .frauptf djulbner bei bem ©läu= 
biger weitere Silation unb griftung au« g eb r a d) t," unb 
oon einem „3uioiffemnad)en ber prorogierten ober erftredften 
3eit" fann nur bann bie fftebe fein, wenn bie ©rftrecfung 
ber urfprünglid) bebungenen 3 e ü auf einer Vereinbarung 
be« ©laubiger« unb ©djulbner« beruht. Safür aber, baff 
ber ©dpilbner ©dh- bei ber ©par= unb SBaifenfaffe 33. weitere 
Silation unb Stiftung au«gebracht h a &e, ftnb oon ber Be= 
flagteu feine Sh at fad£)en oorgetragen roorben. @« liegt nicht« 
oor, al« baff bie Klägerin oerfäumt hat, einen ©d)ritt gegen 
ben ©dhulbner ©ch- }u thun. Jpienad^ hat bie Beflagtc aud) 
für bie riicfftänbigen 3iufen ju haften, roeld)e bie .Klägerin 
oom 1. Januar 1883 an oerlangt. 

Urteil be« I. Gioilfenat« be« Dberlanbe«gerid)t« in ©achen 

V. c. £eih= unb ©parfaffe 33. oont 12. Quli 1887. 


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A. tn SiuilfadjetT. 3Ö. 


267 


30. 

^orausfegungnt brr (ÜJtridjtsflänbf ber SS 686 u. 29 brr 
(üiinlproftfjorbnung. 

©ine in (Saftet anfäfeige girma erroirfte im Januar 1 887 
gegen eine in Berlin anfäffige $irma ein uoUitrerfbareS Urteil 
ber .Wammer für ^anbelsfaegen bes &anbgericgt3 ju fDiainj 
auf Beaaglung oon 3000 »%. 'Jlacgbem im Sluftrag ber (Sa= 
fteler ftirma ber berliner girma gehörige ©egenftänbe au 
SRainj gepfänbet roorben roaten, fdjtoffen bie Parteien im 
gebruar 1887 einen Vertrag Berlin ab, in meinem bc= 
ftimrnt nntrbe, bafe bie Berliner girma ber (Safteier geroiffe 
Stiftungen ju machen bube, bas ermähnte Urteil ber |)anbel$= 
lammet ÜWaina foroie bie auf grunb beöfelben erfolgte -^ifänb- 
ung aber in traft bleibe. 9iadg ber Behauptung ber Berliner 
girma foll babei roeiter oereinbart morben fein, bafe bie 
©afteler gitma gegen bie im Beitrag genannten Stiftungen 
ber Berliner girma ÖOn weiteren 3roang3oollftrec!ungsmafe= 
regeln gegen legiere abaufegen fidj oerpflidhte. 211s nun bie 
(Safteier girma im 3)tära 1887 auf ©runb btä Urteile ber 
.panbelsfammer au 3JJainj SBaren ber Berliner girma in 
©tuttgart pfänben liefe, erhob legtere bei ber ©iüitfammer 
bes Sianbgericgtä ©tuttgart Allage gegen bie (Safteier girma 
mit bem 2lntrag: bie Befl. au oerurteilcn, anauerfennen, bafe 
fie nic^t berechtigt fei, bie BwangSoollftrecfung in bie au ©tutt^ 
gart gepfdnbeten ©egenftänbe ber .«litt, ooraunehmen. Die 
Klage mürbe auf ben awifdgen ben B^teien im gebruar ab= 
gefcgloffenen Beitrag, bie 3uftänbigleit Slanbgericgtä ©tutU 
gart auf § 29 ©.B-D. geftügt. 

Die Betlagte l;at bie proaefeginbernbe ©inrebe ber Un= 
auftänbigteit bes angerufenen ©eridgts oorgefegiigt. Diefe 
©inrebe mürbe oom Cberlanbeägericgt für autreffenb eraegtet 
aus folgenbeit 

©riinben : 

Bnbem Älin. behauptet, bie oertragsmäfeige Borausfegung, 


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268 


®ntfd)eibungen bes Dberlanbe8geri$t§. 


unter welcher bie Söeft. ftc^ üerpflidfjtet Ijabe, weitere 3 roangs= 
oollftredungSmajfregeln gegen bie Älin. ju unterlaffen, fei 
eingetreten, macfjt fie eine Ginwenbuttg gegen bie ©tattljaftigfeit 
ber in Stuttgart »orgenotnmenen 3roatigei)oUftredung geltenb. 
$>a$ S>erfat)ren in betreff folget Ginwenbungen will bie (iitriU 
propfforbnung erfcf)öpfenb regeln. ®ie SNotioe ju bett §§ 
668 . 685—689 be$ Öefe&es (§§ 617. 634—638 be4 Gut 
wurf3) geben ben ©inn beb ©efefjeb in biefer Stiftung ju= 
treffenb wieber. 3n benfelben ift gefagt: „SDie richtige 
Sbeljanblung ber ooit bem ©dplbner in ber 3 ro a n 93 t>oll= 
ftrecfungbinftans geltenb ju madienben Ginwenbungen ift ein 
bringenbeb Sebürfnib — . SDie Ginwenbungen betreffen enU 
weber bie formelle ober materielle 3 uläffigfeit ber 3 ro “” 9 ^ : 
oollftredung." Stadjbem fobann pnädjft bie Ginwenbungen 
gegen bie Grteilung ber Siottftrecf ungdflaufet (§ 668 G.^.D.) 
erörtert finb, wirb aubgefiifjrt, baß bie Ginwenbungen „gegen 
ben SDiobub ber SMftredung ober bab 33erfa^ren beb ©erid^tb* 
ooUjiefjerb", welche „auf einer angeblichen Verlegung ber für 
bab tUolIftredung4»erfaf)ren gegebenen S3orfd)rift burd) ben 
©erid^oolljie^er berufen", oor bab Slot Ift r e du ng b g e= 
ridjt gehören, bie Ginwenbungen bagegen, „welche ben burd) 
bab Urteil feftgeftellten Slnfprucf) felbft betreffen", weil „oon 
materieller Siebeutung", oor bab i)lro 3 efegeric^t. 

Ge finb alfo in § 685 G. S |ID. bie Ginwenbungen gegen 
bie formelle, in § 686 biefenigen gegen bie materielle 
3 uläffigfeit ber 3 Ioan 9 ^oHftredung be^anbelt ; ber Ülubbrud: 
„Ginwenbungen, welche benSlnfprudh fei b ft betreffen", 
foll nur ben ©egenfafc gegen bie „Ginwenbungen, weldje bie 
21 rt unb SBcife ber 3 rcang*i)ollftredung betreffen" 
bezeichnen unb ift gleid)bebeutenb mit „Ginwenbungen, welche 
bie materielle 3 idäffigfeit ber 3 roangboollftredung betreffen" '). 
Sille Ginwenbungen gegen bie ©tatt^aftigfeit einer 3ro a,l 9 5s 
oollftredung, welche nidjt unter bie §§ 668 unb 685 G.ifi.C. 


1) SSrgl. bie Sommentare jur 6.^.0. »on ». 3BiImoro$lg unb 
Seop (4. Stuft.) u. Seuffert (3. Stuft.) je bei § C86. 


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A. in ©iöitfadjen. 30. 


269 


fallen, ftnb unter § 686 ju fubfuntieren. ®ie mit ber »or= 
liegenben .HIage gegen bie ©tattffaftigfeit ber non ber Stell, 
in Stuttgart betriebenen ißfänbung erhobene ©inroenbung 
ift foniit im Sinn beS ©efefces eine ©inroenbung gegen 
ben Slnfprud) felbft: ber ©d&utbner, bie Klägerin, 
madjt mit ‘berfelben geltenb, baf? ber Slnfprudi ber Stefl., 
roemt er audj an fiel) fortbauernb ,fu 9lecf)t beftefit, bod) in 
Jyolge ber jroifdfen ben Parteien getroffenen SSereinbarung 
nid^t tnefft als »oll ft redbarer befielt. ®ie Sachlage ift 
int gegenwärtigen 9ted)tsftreit feine anbere, als wenn ein 
©d»ulbner gegen bie ifjm gegenüber eingeleitete ^roangsoolb 
ftreefung bie ©inroenbung »erbringt: ber ©laubiger fjabe ifpn 
nadj SSerfünbung beS Urteils ffinfidftlid) bes in grage fte^en- 
ben SlnfprudfS ©tunbung geroäfirt; aud) eine geftunbete 
gorberung bleibt in £raft unb troßbem ift bie ©inrebc ber 
©tunbung unbebenflid) als ©inroeubung gegen ben 2ltifprudj 
felbft im ©inn beS § 686 ©.if>.D. su bebanbeltt '). gft aber 
ber ©runb, auS roeldfem Min. bie ©tattffaftigfeit ber im 
Stuftrag ber Sefl. in Stuttgart gegen fie oorgenommenen 
ißfänbung beftreitet, als ©inroenbung, meldfe ben burd) baS 
Urteil feftgefteüten Slnfprud) felbft betrifft, anjufeffen, fo fantt 
übet bie Mage jebenfaHS bann, wenn mit berfelben bie ©in= 
fteHung ober Stuffjebung ber begonnenen .groangSoollftredung 
tferbeijufi'tffren bejroedt roirb, nur bie .Hammer für löanbelS; 
fadjeu beS SanbgeridftS ju 2)tainj als „^rojefjgeridft erfter 
^nftanj" im ©inn beS § 686 ©.iß.D. entfdjeiben (§ 707 ©. s fi.D.). 

(@S roirb nun auSgefüffrt, baß bie erhobene Mage auf 
Sluffjebung ber in Stuttgart oorgenommenen ipfänbung geridftet 
ift, unb Ijierauf fortgefa^reit:) 

SBenn aber aud) je auf bie »orliegenbe Mage ber § 686 
©.iß.D. feine Slnroenbung finben follte, fo roäre für biefelbe 
bo<f> fein ©eridjtsftanb in ©tuttgart begrünbet. Gin anberer 


1) SSergl. bie Jtommentare jur 6.^.0. oon®aupp,D. SBilmoroäti 
u. fieot) (4. 9lufl.), Seuffert (3. 2lufl.) ( Sti:uttmann*ßod) (4. Stuft.) 
je bei § 686. 

^atyrbüdjer b. SBürtiembfj. bftecf)töpftege. J. 19 


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270 


Sntfcfjeiburtgen be« Dbertanbeögeticfit«. 


®ericf)t«ftanb al« ber be« § 29 ß.^.D. ift groeifello^ in Stutt- 
gart nicht gegeben, aud) ber be$ § 32 6.^.0. nicht, ba biefe ©e-- 
feße«befthnmung fidh auf fdjulboolle Verlegungen »ertrag«* 
mäf 3 iger Verbinblid)feiten nicht besiegt. 2lber aud) ber be« 
§ 29 G.5ß.O. trifft nicht ju, roenn man aud) bie ftlage al« 
Älage auf geftfteHung be« Vefteljen« ober auf (Srfiillung be« 
Vertrag« uom 28. gebruar 1887 auffaffen rooEte. Denn 
für eine berartige Klage ift nad) § 29 ß.iß.D. juftänbig ba« 
©erid)t be« Drt« „roo bie ftreitige Verpflichtung ju erfüllen 
ift" b. f). ba« ©erid)t be« Drt«, an meinem ber Vertrag, 
um ben e« fid) ha n beit, beäro. — bei jmeifeitigen Ver= 
trägen — biejenige nertrag«mäfeige Verpflichtung, roelcfje in bem 
betreffenben 9ted^t«ftreit Streitgegenftanb ift, erfüllt werben 
muß '). Streitig ift im gegenwärtigen 9ted)t«ftreit bie an* 
geblid)e nertrag«mäf 3 ige Verpflichtung ber Veil., oon weiteren 
3wang«ooUftreclung«maf?regeln gegen bie ftlin. abjufehen. 
gür biefe Verpflichtung befteht nad) bem Inhalt be« Vertrag« 
ein beftimmter @rfüEung«ort außerhalb be« allgemeinen ®e= 
rid)t«ftanb« be« Verpflichteten nicht. Qft aber für eine »er* 
tragsmtäftige Verpflid)tung ein beftimmter 6rfüEuug«ort nach 
bem Vertrag nid)t gegeben, fo wirb ein foldjet auch nicht 
nachträglich baburd) gefdjaffen, b a § — uitb an bem Drt, ro o 
ber Verpflichtete feiner Verbinblid)feit juroiber gehanbelt hat. 
Slud) ber jufällige Llmftanb änberl hieran nicht«, baß berjeitige, 
ber bem Vertrag juroiber gehanbelt hat, oerpflichtet fein 
mag, am Drt ber 3wwiberl)anblung ß e n 3*0tanb, roie er nor 
ber Vertrag«»erleßung beftanb, roiberhetäufteEen (alfo im oor* 
liegenben $aE ber llmftanb, baß bie Freigabe ber gepfänbeten 
VSaren in Stuttgart ju erfolgen hätte). Denn Erfüllungsort 
eine« Vertrages ift eben ber Drt, too nach bem Inhalt be« 
Vertrag« bie im Vertrag feftgefeßte Seiftung ju er 
folgen hat, nicht berjenige, roo bie au« einer Verlegung 


1) ®rgt. @aupp, Jtommeniar jur 9tnm. It ju § 29; 6nP 

ftf)eibungen beä 9t.@. in ©ioilfadjen III nv. 107 ©. 385; nr. 118 <5. 
414—15. 


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A. in ©ioilfodjen. 31. 271 

b e<3 93ertr ag§ entfpringenbcn $er bin b lid» f ei t e tt 
}u erfüllen finb. 

Urteil be3 I. (Sioilfenatä be$ D.S.töerichtö ooin II. ^o- 
»ember 1887 in Sachen 3X g. 51. u. 2ß. 


81. 

Sie <ßrunblo|igkeit einer Jlrreflonlnge ift jnr legrünbung 
eines ötrfatjanfprudjs nidjt geniigenb. 


3>ie erhobene Slage auf Schabenserfah roegen ungerecht; 
fertigter Sttrreftanlage mürbe, foroeit fie fid) auf fdjnlb^afte 
Herbeiführung ber le|teren ftiihte, abgeroiefen, roeil ein 5<er= 
fchulben be$ 5}eflagten nicht uorlag, roobei bie weitere Jvrage, 
ob jur Söegriinbung biefer ©rfabpflidü biifer 23orfa(3 (dolus) 
erforbert roerbe, ober aber ein Herfehen (culpa) genüge, ba= 
hin geftettt bleiben lonnte *). 

Soraeit ber ISrfaßanfprud) fcblechthin auf bie ©rwirfung 
eines ungeredhtfertigten 3lrreftc3 gegriinbet tourbe, mürbe ber= 
felbe au* folgenben (Srünben uerrootfen : 

Söenn man auch in Sanbredjt XI. I Xit. 79 § ult. bie 
5Befthnmung finben roiH, bafe ungeredjtfertigte ärreftanlage für 
ben hieburch oerurfachten Schaben erfahpftid)tig madje 2 ), fo ift 
bod) biefe 51eftimmung burch ben 2lrt. 843 ber roürttemb. 
(Sioilprojefjorbnung uon 1868, roelcher bie ©rfahpflübt oon 
einer fdjulbhafter SBeiie erfolgten Herbeiführung be§ SlrrefteS 
abhängig macht, abgeänbert roorben uitb burd) bie biefeit 2lrt. 
843 aufhebenbe ©eftimmung beS Slrt. 34 be$ roürtt. 2lu*= 
führung3gefehe3 jur iHeichScioilprofefiorbnung nicht mieber in 

1) »gl. 8udj!a unb 8ubbe, ©ntfdfeibungen be§ DberappeUation3= 
geridjtö ju 9toftodf, 58b. 2 ©. 223 ff.; 2>etn6urg, ^Janb. 33b. 2 S. 
347; ©aupp, ©.$ D. 5Bb. 3 S. 472; Seuffett, 3lrt$. 8b. 38 91r. 
290 unb 8b. 40 91t. 20. 

2) 9B ädjter, loilrttemb. 5}}ru>atred)t 8b. 2 ®. 360 bei 9tmu. 9, 
gäbet unb ®$lofsbetget, SanbredjtSafien ®. 115, 283. 

19 * 


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272 


©ntfdjeibungen beä CbertonbeSgerii^tl. 


Äraft getreten S)ie SteichScioilprojehorbnuttg fjat biefe 
$rage als bem bürgerlichen Stedjte angehörig nicht entfliehen 2 ), 
unb es ergibt fich iitSbetonbere biefe Verpflichtung nicht aus ben 
©eftimmungen über ©rojehfoftenerfaf} , namentlich nicht aus 
ber nach §.©.£). § 808 auf ben Slrreft entfprechenb ansu= 
roenbenben ©orfchrift beS § 697 2tbf. 2 bafelbft, roorttach für 
ben galt, bah ber Slrreft als unredjtmähig aufgehoben mirb, 
ber Slrreftfläger bem Slrreftbeflagtcn bie burd) ben Strreft ner- 
urfachten .Höften etfegen hot, weit auch biefe ©efttmmung 
auf ben <£rfaf5 anberroeitigen, in go%e bet Slrreftanlage ein= 
getretenen ©chabenS feine Stnroenbung finbet 3 ). ®aS hienach 
mahgebenbe bürgerliche Stecht enthalt nicht bie ©eftimtnung, 
baff bie ©eranlaffung eines ungerechtfertigten SlrrefteS für fich 
allein erfafspfluhtig macht. 25er Slrreftfläger barf »ielntehr 
bei ber bem (Berichte obliegenben ©erbinblichfeit, gefteUte 2ln= 
träge ju prüfen unb auf fie nur bann einjugehen , meint fte 
(ich als redjtlid) unb faftifd; begrünbet barftellen, roie jeber 
anbere SlntragfteUer erroarten, baS ©erid>t roerbe feinem 9ln= 
trage nur bann ftattgeben, roenn Derfelbe begrünbet fei. ©nt= 
fpricht aber bas ©ericht einem unbegriinbeten Slntrag, fo 
folgt barauS noch feineSroegS, bah ber Slntragfteller roiben 
rechtlid; gehanbelt höbe unb beShalb erfahpflidüig fei. 3 10ar 
befteht bei ber Slrreftanlage bie eigentümlichfeit, bah bie ju 
fichernbe gorberung, foroie ber Strreftgrunb nur glaubhaft ge= 
macht, nicht entliefen ju roerben braucht, unb bah bie (Snt= 
fdjeibuttg ohne oorgängigeS ©ehör beS ©egnerS erfolgen famt. 
Slllein roenn auch biefer Umftanb einen 9Jtihbrauch biefeS SiechtS; 
behelfS erleidjtert, fo genügt bodj biefe Stüdficht nicht, benje^ 
nigen, welcher einen Sir re ft oeranlafjt, abroeichenb oon ben 
bei anberen gerichtlichen Anträgen geltenben ©runbfäfcen fd)on 


1) @aupp, ß.^.D. 8b. 3 ©. 471 änm. V. 

2) §af)n, Siateriatien gut 6.^5. D. 6. 475, ©ntfd)eibungen bcd 
9teid)Sgerichtg 8b. 7 ©. 377-378. 

3) £> a fj n , fllaterialien gut <L$.D. <S. 197. 


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A. in ©ioilfadjen. 32. 273 

im gaHe ber grunblofen Anlegung beweiben wegen be3 Ijie* 
burd) oerurfac^ten ©djabenS perantroortlid) ju machen '). 


32. 

Siebente ©eflamtntsfotm. 

3|t tfl rrforberlidj, baß bei biefer form bas ®eflament 
oerfdjloffen ben JJeugen jur Solennifation übergebea wirb? 

®er 33auer Qoß. ®. 2Jterj oon ©. ljat in einem am 26. 
3uli 1884 »or 7 beugen errichteten Seftament über feinen 
Jiadjtafj ju gunften feiner ©ßefrau oerfügt, ©eine ©eiten= 
nerroanbten, roeldje neben feiner ©ßefrau Snteftaterben be§= 
felben gewefen mären, ßaben baä £eftament angefodjten. ®ie 
ßioilfammer bes 2anbgerid)t3 ju Ulm bat bem ßlagegefud) ge= 
mag erfannt, inbem biefelbe baoon auSgieng, baä £eftament 
fei nichtig, roeil ber ^eftator bie Xeftament^urfunbe nicht cor 
ben 3 eu sen unterfdjrieben ßabe. 2Ilä £eftament nach ber 
fiebenten gorm Eönne baSfelbe nicht aufrecht erbalten roerben, 
roeil bag Xeftament ben geugen «id)t nerfdjloffen jur ©olennis 
fation übergeben roorben fei. 3 1 11 legerer 33eäiej)ung roar 


1) ugl. Saper, I^eotie bet fummarif<hen Sßrojeffe § 29. Sudjfa 
unb Subbe, @ntfcf)eibungen beö DberappellationSgerichtä ju Sioftocf 
Sb. 2 ©. 223 f ; Seuffert, 3lr<hio 33b. 38 33t. 290, Sb. 40 33t. 20, 
©ntfdfeibungen be« 33eicf)ögerid)t§ Sb. 7 3lt. 116 ©. 377 f. 

©ie gegenteilige 3lnfid)t tnirb nettreten non ben bei Sudjla unb 
Subbe, ©ntfdjeibungen eit. ©. 239 angeführten älteren ©djriftftellern, 
ferner non Sri eg leb, (Einleitung in bie Ifjeorie ber futnmar. 3ßrojeffe 
1859 ©. 364 ff., fjeufer, älnnalen ber Quftijpflege in Äurheffen Sb. 
11 ©. 661 f., SRerlel, über Slrreft 1880 ©. 189. 

Über bie allgemeine Srrage, in tnie roeit man burdf bie Seranlaffung 
gerichtlicher fWafsnahmen, an roelche ftch für bie ©egner fdjäbliche folgen 
Inüpfen, nerantmortlich tnirb, ju uergL görfter^ßcciuä, ^Breufi. ^8ri= 
natredjt 3tufl. 4 Sb. 1 ©.333; ©ernburg, Sreufs. ißrioatrecht Stuft. 3 
Sb. 2 S. 853; (Sntfdf). beä 8ei<h3gericht§ Sb. 11 33r. 111; ©euffert, 
?trcf|. Sb 35 9?r. 12 u Sb. 37 S3r. 359. 


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274 


©ntföeibungen be3 Dbertanbeägericfitä. 


ba$ 0berlanbe3gericht anberer 2lnfic^t. Sie Klage umrbe ba= 
her abgetoiefen. 

©rünbe : 

1) Sie .»läge, welche baf>in gebt, bafe ber 9iachlafi be3 
Säuern Johann ©eorg 9Kerj in ©. nad) ben ©runbfäßen ber 
Snteftaterbfolge unter ben Parteien ju »erteilen fei, ift an 
fidb begrünbet, ba bie Kläger unbeftrittener fDlafjen bie nädbftett 
tjefe^Iicfjen (Srben be3 genannten ©rblafferä finb. 2öenn bie 
Seflagte bem 2lnfpru<h ber Kläger unter Berufung auf ba$ 
Seftament be3 Qohann ©eorg 3J?erj oom 25-/26. $uli 1884 
entgegentritt, fo bat fie jnnäd^ft bie formelle ©iltigfeit be3= 
ielben, foroeit fotche beftritten wirb, ju beweifen. Sinb übrigens 
nach ber über bie (Srridjtung be3 SeftaincntS aufgenommenen 
llrEuitbe bie gefe^lid;en förmlich feiten beobachtet roorben, fo 
ift es Sache ber Kläger, wenn fie bie formelle ©iltigfeit bce 
Seftaments beftreiten, ben ©egenbeweiS gegen bie 9tichtigfeit 
bc3 ^n^altö jener Urfunbe ju führen, fowie eine oon ihnen 
behauptete materielle Ungiltigfeit be3 Xeftaments barjutljun ')■ 

2) Sa3 Seftament be$ oerftorbenen Säuern Johann 
©eorg 3Jferj oon ®. ift nach ber Seurfunbung be$ ©rblafferS 
in bemfelben oon einer oertrauten fßerfoit ju Rapier gebracht, 
oom ©rblaffer felbft gelefen unb unterjeichnet, fobann ben oon 
ihm erbetenen 7 3eugen, unter welchen fich ber Schultheiß 
unb s Jtat3fd;reiber oon ©. befunben hat, mit ber ©rflärung 
oorgelegt roorben, „baff biefe oon einer oertrauten ifßerfon oer= 
fafjte unb oon ihm burchgelefene Schrift, welche er in ©egen- 
mart ber Beugen unterfchrieben unb befiegelt tyabe,“ feinen 
lebten SBillen enthalte, hierauf ift oon ben 3 eu 9 en nach DOt; 
gängiger Sefragung bes Grblaffer* über feine 2öillen$freiheit 
über oorftehenben Hergang bei ber Seftament3erri<htung im 
ülnfchluf} an bie SeftamentSurfunbe eine Solennifationsurfunbe 

1) Sßinbfdjieib, ^Saitb. III § 615 bei 9t. 4-6; ©inteniö, ßb 
oilredjt III § 190, SMdjter, nmrttemb. Ißr.St. II, 660 bei unb in 9t. 21, 
lüiirttemb. OlrcfiiD XIII, 421 ff.; Sfofdjer, äeüW 1 - Sb. XII S 246; 
Seuffett, Mrdj. I, 95 3- 8, IX, 314; ju uergl. entfdj. beS 31®. 
VIII, 172. 


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A. in ©ioUfacfjen. 32. 


275 


aufgenommen, foldfje unter Seibrüdung ber Siegel unterjeidbnet 
unb mit bem ^eftament in einen mit ben Siegeln ber 3 eu 9 en 
oerfcbloffeneit Umfcblag gebraut roorben. 

|>ienacb fteHt fid^ baS fEeflament als ein oor 7 3eugen 
errichtetet , fomit als ein Ißrioatteftament bar, unb jroar als 
ein fdbriftlicbeS, ba auSroeiSlid) ber SolennifationSurfunbe ber 
Qnbalt bes SEeftamentS ben 3«ugen oom ©rblaffer nidf)t miinb= 
li<h eröffnet roorben ift. 

3) darüber, in welcher gorm baS fdjriftlid^e ißrioat= 
teftament oom ©rblaffer errietet roerben roollte, bat bie 33e- 
ffagte feine Seljauptung aufgefteUt. 55>o<h weist bie 3 u 3 i e = 
hung oon 7 3eugen, foroie bie SBemerfung in ber Solenne 
fationSurfunbe, ba& ber ©rblaffer baS teftament als oon ibm 
in ©egenroart ber 3 eu 9 en unterfd>rieben unb befiegelt erflärt 
I;abe, barauf l)in, bafi gimäcfjft baS gemeinrechtliche fdfjriftlidje 
^rioatteftament oom ©rblaffer beabfid)tigt geroefen fei. ®ie 
görmlic^feit biefeS XeftamentS befteht namlid) barin, ba§ ber 
©rblaffer baS oon ibm felbft gefchriebene ober oon einem 
Mbetn oerfaf 3 te teftament ben oon if»m 3 U biefem 3 w«<J « s 
betenen 7 3 eu 9 en mit ber ©rflärung, bafi baSfelbe feinen 
lebten SBillen enthalte, oorlegt, unb falls er baS teftament 
nicht eigenhänbig gefcbrieben unb fold)eS im SEeftament be= 
merft bat, in ©egenroart ber 3 eugen unterfchreibt ] ). 

®ie llnterjeidntung bes SEeftamentS butdb ben ©rblaffer 
oor ben 7 3eugen roar baber im oorliegetiben galt jur 23eo= 
badbtung jener Jeftamentsform notroenbig, ba baSfelbe nicht 
oom ©rblaffer niebergefdirieben roorben ift. $urdb bie oon 
ben 3 eu 9 en über bie ©rricbtung bes fraglichen lEcftamentS 
aufgenommene Urfunbe ift nun jroar, roie fdbon ber oorige 
Stiebtet bargelegt bat, ber 33eroeiS, bafi ber ©rblaffer baS 
Xeftament in ©egenroart ber 3 eu 9 en unterzeichnet habe, nicht 
geführt. Mein gleidjroobl fann oon ber ©rbebung bes bies= 
falls oon ben Setlagten mit ben XeftamentSjeugen angetretenen 

1) 1. 21 pr., 28 §11. 6, 23, 91ei<l)3notariatSorbnung »on 1512, 
II § 7, (@mimngfjauS, corp. jnr. germ. I, 133). 


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276 ©ntfdjeibungen beS Dberlanbe§gericf)t8 

Beroeifeö Umgang genommen roerben, roeil bei bet (Srridjtung 
beä XeftamentcS, rcie fid) au$ bem golgenben ergeben roirb, 
eine anbere gorttt alä bie bed gemeinrechtlichen fd)riftlid)en 
Sßrioatteftamenta, beobachtet roorben ift. 

4) Söenn auch bem unter 3) Bemerften jufolge bie 2Xb= 
fic^t be$ ©rblafferä bet Parteien junäcbft auf bie ©rrichtung 
eineä gemeinrechtlichen f<hriftltchen ißriuatteftamentS gerichtet 
geroefen unb bem Xeftament nicht bie Miaufel beigefügt ift, 
baf? ba^felbe auf jebe 2trt aufrecht erhalten roerben iolle, 
(f. g. clausula omni meliore modo), fo b fl t bo<h auf ber 
anbertt ©eite ber ßrblaffer in feinem lebten äBiHen nicht ju 
ertennen gegeben, baß er benfelbett gerabe nur in jener gorm 
errichten roolle, unb e-j fann bei ber Siechtäunfunbe be3 ©rb= 
lafferS auch nicht unterftellt roerben, baf? er nur eine beftimmte 
Xeftamentsfortn im 2luge gehabt habe. @4 ift baher, ba ba= 
non au^ 3 ugehen ift, bafe ber ©rblaffer ein gültige^ Xeftament 
habe errichten wollen, anjunehmen, bah beffen eoentueüe 2lb- 
fid)t bahin gegangen fei, baä Xeftament in beteiligen gorm 
ju errichten, in roeldjer baSielbe ju Stecht beftehen fann ')• 

Xie Prüfung ber grage ob, baS Xeftament in einer 
anbern gorm ate in ber be$ gemeinrechtlidien fchriftlichen 
Briuatteftamentä , gültig errichtet fei, ift nicht etroa barum 
auSgefchloffen, roeil bie sbef tagte bejüglich jener gorm feine 
Behauptung aufgefteflt hat. Xenn bie ermähnte grage ift 
eine Stechtafrage unb baher ber Stifter bei bereit Beantwortung 
nicht an ba$ s J5arteioorbringen gebuttben. 

Xaf? nun juitächft bie f. g. fedjote Xeftamentsform, 
welche baritt befiehl, bafi ber ©rblaffer fein f<hriftlid)e$ 'Jki 5 
oatteftament uor bem Slotar ober gefchroorenen Schreiber unb 
5 3e»gen, im Übrigen in ber gorm be4 gemeinrechtlichen 
fchriftlicheu ißrioatteftamentd errichtet 2 ), int oorliegenben gall 
bann nicht gewahrt ift, wenn ber ©rblaffer feinen lebten 

1) SBei^baar, roürftemb. ^5. 9t. II § 706, $ol)l 5 ßübel, (Srbredjt 
(5. 21.) ©. 44, roürttemb. 3tr$. XI, 104, XIII, 181, XXII, 348. 

2) Söürttemb. ätrcf). XVII, 216, XXII, 346. 


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A. in ßioilfadien. 32. 


277 


äBillen nicht oor jenen Soleunitätnperfonen unterzeichnet hat/ 
ergibt fi<h aun bern über bie görmlichfeiten ben gemeinrechtlichen 
fchriftlichen ifkioatteftamentn ©emerften. dagegen fittb bei 
bem in Siebe jlehenben Deftament bie ©orfdjriften ber f. g. 
7. Deftamentnform beobachtet roorben. Diefe Deftamentnform, 
welche burch einen fonftanten ©eridhtngebraud) in SBürttemberg 
eingeführt roorben ift, befteht in ber Uebertragung ber ©runb= 
fä^e ber zweiten unb britten lanbrechtlichen Deftamentnform 
(Üanbr. III, § 5 unb 7) auf bie mtjftifchen ©rioatteftamente 
(l'anbr. a. a. 0. § 12). cfMenach ^at ber (Erblaffer ben feinen 
lebten SBiüen enttjaltenben fchriftlichen Sluffag, welcher ent= 
weber gemäß ben ©eftimmungen ben Sanbr. III, § 5 abgefaßt 
ober oon bem (Erblaffer unterzeichnet ift, bem Slotar ober 
gefchworenen Schreiber ben Drtn (bem Slatnfdhreiber) unb 
5 oon ihm erbetenen $eugen m *t ^ er (Sttlärung, baß ber 
3luf|aö feinen legten ilöillen enthalte, oorzulegen unb htemit 
bie ©itte an jene fperfonen zu oerbinben, über bie (Errichtung 
ben Deftamentn eine Itrfunbe aufzunehmen, worauf fobann 
foldhe nach oorgäitgiger Befragung ben (Erblaffern über feine 
SBillennfreiheit oon ben genannten ©erfonen aufzunehmen unb 
unter ©eibrücfung ber Siegel zu unterzeichnen, auch mit bem 
Deftament in einen oerfchloffetten llmfchlag zu oerbringeit ift '). 

Sticht wefentUch ift bei jener Deftamentnform, bafj ber 
(Erblaffer fein fchriftlichen Deftament bem Slftuar unb ben 
$eugen oerfchloffen (oerfiegelt) oorlegt. $war heißt en im 
fianbr. III, 3 § 5, baß ber (Erblaffer fein Deftament mit feinem 
eigenen ober einen 3 eu gen Sieget zu oerfchließen unb alfo uer- 
ichloffen oor ban gefeffene ©ericht zu bringen habe. Ülltein auf ber 
anbern Seite ift nach £anbr. III, 3 § 7, wo oon ber (Errichtung 
bess fdhrifttichen Deftamentn oor einer gerichtlichen Deputation bie 
Siebe ift, banfelbe offen ober oerfchloffen bicfer Deputation zu über= 

1) Jtapff, 6iüilred)t4ü>tüd)e ©. 113 ff., 127 ff. 3tote a), S atro eg, 
StonatSförift VIII, 161, 152, fcufnagel, 3Ritt. I, 121 f., Soffer, 
3eitf<f>r. IV, 139 ff., XII, 11 ff., Sollet), 38 Sluffiifce ©. 4 ff., ©.420, 
Stegfd)er, roürttemb ^Jcioatrecgt 111 § 649, SRömer, ©rbredjt § 212, 
§of) l *itü bei, ©rbrec^t (5. Stuft.) @. 56 f. 


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278 


@ntfc^eibuTtgen beS Oberlanbe8g«id>t8. 


geben, ©esgleicgen famt baS mtjftifc^e ißrioatteftament nach 
ßanbr.lll, 3 § 12 oerfiegelt ober unoerfiegelt an bem britten Ort 
hinterlegt werben. GS ift baher bie angeführte Stelle in ßaitbredü 
III, 3 § 5 bahiti auSjulegen, baff ber ©rblajfer, wenn er ben 
Inhalt feines fdjriftlichen XeftamentS oor ben SolennitatS= 
perfonen geheim gehalten wiffen woEe, baSfelbe oerfdjloffen 
3 U übergeben, bejiehungSweife ooräulegen habe, baff es alfo 
in fein belieben geftellt fei, ob er fein Xeftament oor ber 
Solennifierung uerfc^liefeen woEe ober nicht, .fjieoon geht 
aud) bas Sanbr. III, 2G § 2 bei ber Errichtung fchriftlicher 
JtobijiEe aus, foferit bafelbft beftiinmt ift, bafe, wenn jemattb 
ben Inhalt feines Eobijiüs t>or ben beugen unb 2lnbern oerborgen 
haben rnoEe, er foldjen auf einem ber SBege, auf toelchcm 
bie Xeftamente „befcf)toffen" nad) Slustoeis ber im 3. Xitel 
getroffenen 93orfd)riften gemacht werben „mögen", oerorbnen 
möge, gür oorftegenbe 3luffaffung fpriöht oornämlich auch 
bet 3roed ber Xeftamentsförmlichfeiten, welcher barin befteht, 
bap bie ©djtheit beS legten SBiEenS beS ©rblaffers aufser 
Zweifel geftellt wirb. Xiefer 3>®ecf wirb aber bei ber ©r= 
rid)tung eines XeftamentS nach ber 7. $orm ooEfommen er= 
reid)t, wenn ber ©rblaffer ben SolennitätSperfonen fein in 
ber oben erwähnten Sßeife fchriftlid) abgefafjteS Xeftament 
mit ber ©rflärung oorlegt, bag baSfelbe feinen legten SBiEett 
entgälte, unb wenn über biefen Vorgang eine SolennifationS; 
urfunbe aufgenommen, auch niit berfelben baS Xeftament 
in einen »erfdjloffenen Umfcglag gebradjt wirb, Riebet ift eS, 
wie iitSbefonbere oon bem S\. Obertribunal in mehreren Gnt= 
fdjeibungen angenommen würbe, g!eid)giltig, ob baS Xeftament 
bei jener Vorlegung oerfdjloffen ober unoerfd)loffen ift , ba in 
legterem fyaE bie SolennitätSperfonen, Junta! fofern fie fich 
©infidjt oon bem beS legten ÜBiEens beS ©rblafferS 

oerfdjaffen fönnen, minbeftenS in gleid)em ÜDiage bie lleber- 
jeugung oon ber Wemiühed biefeS SßiflenS ju erlangen in ber 
ßage fitib, als wenn bas Xeftament ihnen in uerfdjloffenem 3u= 
ftaub oorgelegt wirb, unb ba bie dEöglichfeit einer rcdjts= 
wibrigen älenberung bes ^haltS bes offen porgelegten Xefta; 


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A in Giuilfndjen. 33. 


279 


mente ebenfo, mie bei bem oerfchloffen oorgelegten $eftament, 
burch bie Verbringung be§ Xeftamente in einen oerfchloffenen 
llmfchlag feitene ber Solennitiiteperfonen oerhinbert roirb *). 

in Siebe fte^enbe Seftttment entfpridjt baher benjenigen 
Vorfchriften, roelche nach bem ülucsgeführten jur ©rrichtung 
eine3 Seftamente nach ber 7. ^orm roefentlich finb, fofent 
felbftoerftänblicf) ber Umftanb, bah 7 3 eu 8 en unb nicht bloß 
5 neben bem 9iatef<f)reiber jugejogen morben finb, ate ein 
ÜJieijr gegenüber ber erforberlichen ^örmtid^Eeit nicht in $Be= 
tracljt fommt. SBürbe fobann auch bie nach ber Urfunbe über 
bie SCeftamenteerricbtung bem ©rblaffer in ben SJlunb gelegte 
(Srflärung, bafi berfelbe b ad £eftament in ©egenmart ber 
3eugen unterfchrieben unb befiegelt fyabe, nicht bem mähren 
©achnerhalt entfprechen, unb mürbe man annehmen, bah hie* 
nicht blofe ein für bie ©ültigfeit beä Xeftamente nach Slanbr. 
III, 3 § 15 unerhebliche^ Verfehett ber Solennitäteperfonen 
in $rage ftehe, fo hätte bo<h Jener Umftanb foroenig, ate bie 
Verfdjiebenheit be-? ®atunte ber £eftatnente= unb ber Solenni- 
fationSurfunbe einen ©inftufe auf ben Siedjtebeftanb be3 ^efta- 
ntente, roeil über bie ©d&theit ber llnterfchrift be3 ©rblaffer$ 
unter bem £eftament, unb bariiber, bah ber 2lft ber ©rrich= 
tung beä leßtern, abgefehen oon ber Unterseichnung be$ Xe- 
ftamente burch ben ©rblaffer oor ben 3«ugen, in Uebereins 
ftimmung mit bem Qnhalt ber Solennifationsurfunbe oor fich 
gegangen fei, fein Streit unter ben Parteien herrfdjt. 

®aö ‘Jeftament be* oerftorbenen Vauern 3oh«nn ©eorg 
SJierj oon ©. ift baher formell giltig. ®aher ift bie Klage 
abjuroeifen. 

Urteil beä II. ©ioilfenate beä Dberlatibe*gerichte oom 

21. ajfai 1885 in Sachen ber SBittroe Varbara s Dter,f 


1) Jafel, EiDilredjtSfprücbe II, 242 f., Soffer, geitfcfjrift XII S. 
15 orgl mit ©. 4 u. 10, ;u »gl. Solleg, 33 Sluffiifce ©eite 415 9t. c, 
(Sriefinger, Momtn. V, 43, Hufnagel, Stitt. II, 701. (änberer 
Slnficfü finb, aber ohne Stngabe oon (Srünben : Hufnagel, Diitt. I, 
120 ff., Regfcher, nnirttemb. $r.9t. III § 649; 3tömer, erbrecht § 212, 
$ohl=R übel, erbrecht (b «.) o. 56 f.) 


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280 


©ntfdjeibungen beä Dberlanbeägerid&t«. 


»on ©. gegen ben Jauern Johann ©eorg 2Ker$ »on 
unb ©enoffen. 


33. 

Sie nod| %. 3 u. 51 bes Sfanbgtfehes uerpfänbeten be= 
roeglidjen Jlugeljtfrungcn »on Smmobilien bleiben hinjtdjtlidj ber 
Iroangsuollllrediung im allgemeinen beroeglidje Sadjen unb finb 
nur gegenüber betn llnterpfanbsgläubiger als unberoeglidje $adjen 
anjufeljen. 

Ter Sömenroirt Johannes S. in SBlaubeuren fjat am 
3. Januar 1883 bent ^»ofbäcfer 3ticbarb 31. in Ulm, fotuie 
Sinei weiteren ©laubigem feine Siegenfdjaft unb jugleicb in 
©emäfibeit beä 21. 3 unb 51 bes ^faitbgefegeä alä beiuegliche 
$ugebörungen feine $ieroorräte »erpfcinbet. 2lm 5. 2tpril 
1884 bat bie ff-irma St. u. 23. in 2lug3burg für eine ihr 
gegen ben Söioemoirt $oh. S. juftebenbe gorberung, bie ba= 
mal* oorbanbenen, im 93eft|je be3 Sdbulbners ©. befinblichen, 
®ier»orräte pfänben laffen. Tie Unterpfanbägläubiger haben 
gegen bie pfänbenbe güma illage nach § 690, eoentuell § 710 
ß.$.D. erhoben. Sie haben behauptet, e$ ftebe ihnen an 
bem ©egenftanbe ber 3rcangg»oHftrecfung ein bie 33eräu§er= 
ung hinbernbe>j 9le<ht ju, eoentuell: fie haben einen 2lnfpru<h 
auf oorjugötoeife ©efriebigung au* bem (Srlöfe, auch fei bie 
iflfänbung, al* an einer unbeweglichen Sache erfolgt, untoirf= 
fam. Tie Seflagte h«t bie* beftritten unb bie Unterpfanb*-- 
beftellung o. 3. 3an. 1883 auf grunb be* ©efefseö oom 21. 
Quli 1879 angefochten. 

Tie ßioillamtner be* Sanbgericbt* h at bie Allage ab? 
nach § 690 (L^.sD. begrünbet erachtet. Tiefen Urteil mürbe, 
foioeit baburd) bie 23eUagte für fcfjulbig erfannt morben ift, 
bie bei bem l'ötuenroirt Johanne» S. in ©laubcuren am 5. 
2lpril 1881 ju ©unften ber 'lleflagten gepfänbeten 9400 lüter 
Sbier oon ber ^fäubuitg freijugebeit, bahin abgeänbert, ba§ 


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A. in Sioitfacfien. Bä. 


281 


bie ©eflagte ben 2lnfprud() ber Kläger auf oorpgSroeife Sie: 
friebigung au3 bem ©rlöfe biefe3 Ster*? anjuerfennen Ijabe. 
3m Uebrigen rourbe bie Berufung ber Seflagten gegen ba$ 
erftrichterlidie Urteil prüdgetmefen. 

©rünbe: 

I. ©er »orige dichter ift ba»on au3gegangen, baf? ben 
Klägern als Unterpfanbogläubigern gegen bie s .ßfänbung »ott 
beweglichen 3 u 9 e &örungen , welche ihnen gemäfj 2t. 51 be» 
^fanbgefebe>j al3 ©adjgefamtljeit mit einer unbeweglidien 
Sache »erpfänbet finb, nicht ein 2lnfprud) auf »orjug$roeife 
33efriebigung nadf ÜBlafjgabe be» § 710 (S.iß.D. , fonbern ein 
2Siberfpru<h*recht im Sinne be3 § 690 ber ©inilprojefjorbnung 
pflege, roeil bem Unterpfanb*gläubiger gegenüber bie beweg; 
liehen 3ugel)örungen al3pm unbeweglichen Vermögen be3 Sd)ulb= 
ner^ gehörig anpfeheit feien unb bie tbatfädjlidje Trennung 
ber 3»9eljörungcn uom unberoegtidjen Skrmügen beä Sd)ulb= 
nerS burd) ififänbuitg unb SSeräufferung einen ©ingriff in feine 
Siechte barftelle. äUein wenn aucf) bem ^Sfanbgläubiger gegew 
über bie uerpfänbeten beweglichen 3 i' 9 ef)örungen alö pm un* 
beweglichen Vermögen be£ Sdhulbner» gehörig attpfchen finb, 
fo !ann hieraus nid)t abgeleitet werben, baff bem Unterpfand 
gläubiger ein SSiberfprudfäredjt nach § 690 @4.0. jufte^t; 
benn nad) biefer Sleftimmung fomutt bem ©ritten, welcher 
an bem ©egenftanb ber 3 roan 9'3»oUftrecfung ein bie Sier: 
äufeerung tjinbernbes Stecht ^at, ber 9Biberfprudj gegen bie 
3wang$»olIftrecfung p, mag ber öegenftanb ber 3roang$= 
»ollftredung eine bewegtidje ober unberoeglidje Sache fein, 
©ntfcheibenb für ba£ 2Biberfprud)^recf)t beS § 690 @4.0., 
ift uielmejjr, ob baä ben Klägern jufteljenbe Unterpfanbärecht 
als ein bie Sßeräufferung l)inbernbeö Stecht im Sinne bes$ 
§ 690 @4-0. anpfeljen ift. ©afj bieä aber nicht ber gaU 
ift, ergibt fidf aus ber Sieftimmmung b t$ § 710 @4-C>., 
roornach ein ©rüter, welcher fid) nicht im hefige ber Sache 
befinbet, ber ifjfänbung berfelbeit auf ®runb eine» Sifanbrechts 
nicht wiberfpredjen fanu. ©a nun bie Kläger fidj jur 3^it 
ber )|>fänbung beei Sierss nicht im ©efifce beleihen befanben, 


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282 (Sntfdjeibungen beS DbetlanbeSgert^lä. 

io fanit benfelben gentäfi § 710 (S.iß.O. auf ©runb ihres 
HnterpfanbSredhtS nic^t ein 2BiberfpruchSrecht nach § 690 
(Liß.D. , fonbern nur ein Slnfpruäj auf oorjugSweife ^efrie- 
bignng aus bem Grlöfe beS gepfänbeten SÖicrS juftetjen. 

II. 4pienad) fönnten bie Kläger als UnterpfanbSgläulüger 
ber ißfänbung gemäfj § 690 ß.ip.D. felbft bann nid)t wiber= 
fpredjen, roenn bie nach 3Jlaf?gabe beS 31. 51 beS ißfanbge; 
fefceS mit einer unbeweglichen Sache »erpfänbeten beweglichen 
3ugehörungen rücffichtlich ber 3 tuau 9SBoUftrecfung überhaupt 
al$ jum unbeweglichen Vermögen beS Sdjulbners gehörig am 
jufehen wären. 

dagegen wäre unter biefer SSorauSfefcung bie ißfänbung 
beS 33ierö als unftatthaft unb als ein rechtlich unwirffamer 
2lft ju betrachten, ba eine ißfänbuitg non unbeweglichem 3Ser= 
mögen redjttid) unjuläffig ift (ß.iß.D. § 708). 

SUlein biefe 2?orauSfefjung trifft nicht ju: bie nach SRaffgabe 
beS 31. 51 beS ^fanbgefefceS mit einer unbeweglichen Sache 
oerpfänbeten 3 u 9 e hötungen finb nid)t rücffichtlich ber 3roangS? 
noUftrectung im allgemeinen, fonbern nur bem UnterpfanbS; 
gläubiger gegenüber als ju bem unbeweglichen Vermögen beS 
SchulbnerS gehörig anjufehen, unb es folgt baher aus ben 
s -8eftimmungen beS ^fanbgefeheS nicht bie Ungiltigfeit ber 
fßfänbung foldjer mit einer iliegenfchaft oerpfänbeter beweg; 
lieber 3 u 9 c f)önmgen. 

SDaS 'Pfanbgefefs enthält in 3lrt. 3 bie Söeftimmung : 
„©egenftanb ber UnterpfanbSbefteHung finb unbewegt 
liehe Sachen unb Siechte, welche ben Immobilien gefe£= 
lieh gleichfontmen. 

Slufferbem tonnen bewegliche ®inge, welche 3ugehör-- 
ungen non Immobilien finb, fo lange fie biefe Grigenfchaft 
haben, oerpfänbet werben." 

fDantit ift swar auSgefprochen, baß auSnahmSweife auch 
bewegliche Sachen als Unterpfanb beftellt werben fönneu, 
unb es folgt hinaus, bafj bem ipfanbgläubiger an ben ucr; 
pfänbeten beweglichen Sachen biefelben Siechte juftetjen, welche 
ihm an ben mitoerpfänbeten unbeweglichen Sachen auf grunb 


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A. in ©inilfac^en. 33. 


283 


feinet Unterpfanblredhtl jufommen; baß alfo inlbefonbere 
ber 3 n)a,, g3üerfauf ber oerpfänbeten beweglichen 3 u gehöt ; 
ungen jum 3™ecf ber 33efriebiguttg bei llnterpfartblgläubigerl 
in berfelben Steife utib nach ben gleichen SBorfdhriften oorge= 
nomnten roerben muh, wie ber 3 n)an 9^ t>er ^ au T con unbewegt 
litten Unterpfänbern unb baf? bent s $fanbgläubiger bezüglich 
ber oerpfänbeten beweglichen 3ugehörungen biefelben Siedete 
auf SBefriebigung aui bem ©rföfe juftehen, wie bezüglich ber 
oerpfänbeten Immobilien. 

®agegcn fann aul ber 33eftimmung bei 31. 3 bei ipfanb= 
gefetjei nicht abgeleitet werben, unb el ift auch fonft nirgenbl 
beftimmt, baff bie nach 3Jia§gabe bei 31. 51 bei fßfattbg. oer; 
pfänbeten beweglichen Sachen burd) bie fBerpfänbung and) 
in anberen ^Beziehungen unb im allgemeinen ihre ©igenfehaft 
all bewegliche ©adjen oerlieren, unb redjtlid) all unbewegt 
lidhe Sachen zu betrachten feien. Vielmehr weilt nicht 
nur ber SSortlaut bei fßfanbgefefcel in 3lrt. 3 oergl. 
mit 31. 51 eod. barauf hin, bah bai ©efeh baoon aulgeht, 
bah bie beweglichen 3ugehörungen tro(s ber Unterpfanblbe= 
ftellung im Slllgemeinen bewegliche Sachen bleiben, fonbern 
biel ergibt fidh inlbefonbere auch baraul, bah nach bem ff$fanb= 
gefefc bie mitoerpfänbeten unbeweglichen 3 u 9 e ^örungen 
oerpfänbet bleiben, wenn fie auch aufhören, 3ugehörungen 
ju fein, währenb bie beweglichen 3 u 9 e hörungen aul bem 
^fanbnepul auitreten, fobalb fie aufhören, Sugehöntngen ber 
unbeweglichen Sad)e ju fein, mit welcher fie oerpfänbet würben, 
eine Unterfcheibung, welche offenbar barauf beruht, bah ba! 
©efefs bie mitoerpfänoeten beweglidjen Sachen ber SBerpfänbung 
ungeachtet bod) uod) all beweglidje Sachen anfieht. 

©benfo finben and) bei einem H>ri» l i©erfauf oon oer= 
pfänbeten beweglichen 3 u 9 e ^örungen — wozu ber ©d)ulbner 
bei SSerpfäitbung oon Sadjgeiamthciten z- 33. einem SBaren- 
lager berechtigt ift — nidjt bie iBorfdjriftcn bei Üiegenfd)aft!= 
gefe^el, fowie bie itorfdjriften über bie gerid;tlidje ^nfinuation 
bei Steräufserung oon Immobilien Slnwenbuitg, fonbern fie 
werben ber SBerpfäubung ungeadjtet all beweglidje ©adjen be* 


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Sntftfjeibungen beS ObertanbeSgericfitä. 


£84 

banbeit, unb es finbet auf fie bie SBeftimmung beS 31. 16 
2 lbf. 1 beS ^fanbentroidlungSgefebeS rücffid)tlicfi beS ©igen; 
tunt'jerroerbS foroie bie ©runbfäße über bie ©rfifcung »on be= 
«geglichen ©acbeti Slnroenbung ’). ©inb aber bieitad) bie mit; 
uerpfänbeten beweglichen 3 ugef)örungen nur bem llnterpfanb*; 
gläubiger gegenüber als jum unbeweglichen Vermögen beS 
©d)ulbner3 gehörig anjufeben, roäbrenb fie im allgemeinen 
beroeglidje Sachen bleiben unb red^tlidf» als fol<he ju bebanbeln 
finb, fo fönnen biefelben and) rüdfidbtlid) ber 3 roatigSBo(lftred= 
ung nur bem UnterpfanbSgläubiger gegenüber als 511 m unbe- 
roeglicben Vermögen beS SdjulbnerS gehörig angefeljen unb 
behandelt roerben. 

$iemit ftel)t aud) nicht im SSiberfprud) , roenn in ben 
ÜKotioen 511 bem ©efefc »om 18. 2lug. 1879 betr. bie 3rc>ang*= 
»oUftrecfung in bas unbewegliche Vermögen gefagt ift, 2 ), e* 
habe fich längft bie ^$raris bahnt feftgefteHt, baß, was bejiig- 
lid) ber SSerpfänbung jum unbeweglichen Vermögen *u jäfjlen 
ift, in gleicher SBeife aud) bejiiglid) ber 3roangSt)olIftred'ung ju be= 
urteilen fei. Senn bie beweglichen 3 u 0 el)örungen ju einer unbe- 
weglichen Sache finb auch rüdiidjtlid) ber 2>erpfänbung regelmäßig 
nidjt jum unbeweglichen, foitbern jum beweglichen Vermögen ju 
jählen unb in ber gönn eines gauftpfanbeS ju oerpfänben unb nur 
auSnahmSweife fönnen fie in Ükrbinbung mit ber unbeweglichen 
£>auptfad)e ©egenftanb eines Unterpfands fein. (SS roirb ba= 
her durch bie erwähnte 33emerhtng in ben fDlotioen 51 t bem 
©efeß oorn 18. Slug. 1879 gerabe beftätigt, baß bie beweg; 
lieben 3 u 9 e ()bnmgen rüdficf)tlid) ber 3 raai, 0 ' ?ü °flf t ?e<fung im 
allgemeinen unb regelmäßig nid)t als ju bem unbeweglichen 
Vermögen gehörig anjufeben unb ju bebanbeln finb, fonbem 
nur in foroeit, als fie ©egenftanb eines Unterpfands finb unb 
als folche in 25etrad)t fommen. 

1) 33ergl, SBädjter, nrnrtt. $rio.3t. 33. II. S. 222 3tote 42 unb 
6. 249. 

1877 

2 ) Stergl. bie Serf). ber Kammer ber 316g. 0 . 3 . lg7y 1. 33eilagen6 
2. 216t. S. 465 ju Stri. 1-3. 


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A. in SiDtffadjen. 33. 


285 


2lud) au3 ben 93eftimmungen ber Ginilprojefjorbnung 
fann nid)t abgeleitet werben, baß bie fßfänbung beweglicher 
3ugel)örungen unftattfjaft fei, wenn biefelbeit mit einem Untere 
pfanb-^red^t behaftet finb. Senn batan, baff nad) § 757 (Lip.D. 
nad) ben Sanbeägefefcen &u beurteilen ift, welche ©adjen in 
2lnfet)ung bet gwangSooEftredung jum unbeweglichen 5>er= 
mögen gehören, fann bie$ nicht abgeleitet roerben, weil beut 
angeführten gufotge bie mitoerpfanbeten beweglichen 3uge= 
Rötungen nach SBürttemb. Siedet nur beitt Unterpfanb»gläubiger 
gegenüber ate unbewegliches SSertnügen gelten, im Uebrigen 
aber unb bem Sritten gegenüber rüdfidjtlici) ber 3wangStioH= 
ftreduitg als bewegliches Vermögen ju betrauten finb. GS 
ergibt fic^ melmehr bie ©tatthaftigfeit ber ^fänbung »on oer= 
pfänbeten beweglichen ^wg^örungen aus ben Söeftimmungen 
ber §§ 708 u. 712 G.ffS.D. Senn t)ienadb finb aEe im ®efih 
beS ©ctjulbnerS befinblichen beweglichen förperlichen ©adjen, 
mit aEeiniger auSnal)me ber in § 715 eod. aufgeführten, 
©egenftanb ber ißfänbung. Ob einem Sritten ein iflfanbrecht 
ober ein fonftiges 9lecf)t an bem ©egenftanb ber ipfiinbung 
jufte^t, fommt hiebei nicht in öetradjt, oielme^r barf ber ©e= 
tid)tät)olliiel)er bie ^fänbung aud) bann nicht unterlaffen, roenn 
oon britten ^ßerfonen ober uon bem Sdjulbiter für biefe an 
ben im ©eroaljtfam beS ©djulbnerS oorgefunbenen ©egen= 
ftänben anfpriiche erhoben werben *) ; unb gerabe be^^alb, 
weil bie ^fänbung ot»ne Stiidfidjt auf etwaige 9ted)te Sritter 
an bem ©egenftanb ber ißfänbung oorgenommen werben muff, 
ift burd) bie 23eftimmungen in § 690 u. 710 6.i]S.ö. ben 
Sritten ein Mittel $um ©chu£ unb jur SBa^rung ihrer Steckte 
gegeben. 

Sem angeführten zufolge ift bie ju ©unften ber Se^ 
tlagten bei bem Siowenwirt 3ol)amteS ©. am 5. 2lpril 1884 
erfolgte ißfänbung ber 9400 £iter 23ier ab? giltig unb ftattlfaft 
anjufeheu; eS ftefjt aber ben Klägern auf grunb i^re-S Unter= 
pfanbsred)ts itadj Sltafjgabe beS § 710 G.ip.0. ein Slnfprud) 

1) uergt. b. Sßtirtt. ®ienftann>. für bie @eric§t§»olIj. § 67. 
ja()r6üd)et b. SUUrttembg. !Ke$t3pfIege. I. 20 


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286 (Sntfcfieibungen beS DberlcmbesgeridfitS. 

auf oorjugSroeife Sefriebigung auä bem (Srlöfe be3 gepfänbeten 
SöierS ju. 

®ie3 roirb roeiter auägefübrt unb bie auf ba§ 2lnfed)tung3= 
gefefc geftüjjte ßinrebe jurftcfgetoiefett. 

Urteil b. II. ©en. beä DberlanbeegeridjtS n. 20 3too. 
1884 in ber SerufuitgSfacbe ber Jirtna ©t. u. S. in 
2lugsburg gegen ben ^ofbäder 3tid)arb 3t. in Ulm unb 
©enoffen. 


34. 

Steljt btr Antrag eines Pfanbgläubigers auf Jlnorbnung 
ber JmangsooUlIreduing in bas iljm oerpfäitbete unberoeglidjr 
Vermögen ber tfrljebung ber ^fanbklage gleidj? 49 JJiff. H 
bes ^fanbgefeijes. 

®er Sauer ißeter 3R- t>on SDunntngen bat am 27. ©ept. 
1883 bem Sierbrauer 3>atob 3W. unb bem ißrioaticr 3Jtagnu* 
2 W. n. ba für beren $orberungeit an ibn ein Sfanbredjt auf 
feiner Siegenfdjaft beftelft. $ür biefe gorberungen batten bie 
©laubiger fd)on am 10. ©ept. 1883 SoUftrecfungSbefeble er- 
roirft, roeldbe bem ©cbulbner am 10. Dftober 1883 jugefteUt 
morben finb. 2lm 9. 2J?ai 1884 nmrbe auf ben 2tntrag ber 
ißfanbgläubiger »oit biefetn ‘Sage unb auf grunb ber gebauten 
Sollftreclung'Jbefeble non bem 2lmt$gericbt 3t. bie 3TOang$üofl= 
ftrecfung in ba3 unberoeglicbe Scrmögen be$ '}>eter 3Jt. be^ 
fdbtoffen unb ber ©emeinberat gu ®unningen al-j SoUftrechmg?- 
bebörbe bamit beauftragt. ®iefer Sefdjlufi ift bem Ißeter 3)t. 
am 11. 3)tai jugeftellt morben. 2lm 17. 9)tai 1884 liefen 
groei anbere ©laubiger, ber ®arlebenSoerein S. u. ©tepban 33., 
roeldie gegen fßeter 3)t. SollftredungSbefeble erroirft batten, 
ben ©rtrag ber bem Sierbrauer Safob 3)t. unb bem SDtagnul 
3)1. oerpfänbeten Üiegenfcbaft pfänben unb e3 mürben biefe 
grüdjte am 16. Quni uerfteigert. ®ie SollftredungSbebörbe 
311 ©unningen l;at am 23. 3Jtai baes fänitlidbe unberoeglicbe 


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A. in (Sttnlfadjen. 34. 


287 


Vermögen be3 Bieter 3W. pnt 3nHUtg3üerEauf beftimmt imb 
einen 23erroalter ber ©runbftiide beftellt. infolge jener <Pfän= 
bung ber $riidjte erhoben bie Unterpfanb^gläubiger gegen bie 
pfänbenben ©laubiger Klage nad) § 710 E.Sß.D., roeldje ben 
öeflagten am 18./19. $uni pgefteHt mürbe. 

©egen bie Klage malten bie ^effagten u. a. geltenb: 
bie EioilprojefjD. f)abe in § 714 ba3 ißrinjip aboptiert, baff 
bie ftefjenben grüßte, iuforoeit fie gepfänbet roerben fönnen, 
überhaupt p ben äJtobilien unb nid^t ntefjr p ben Immobilien 
ju regnen feien, fpieburd) fei bae> ^artifularredd abgeänbert. 
^iad^ 21. 49 be3 SBiirttemb. Sßfanbgefejjeä fobann erftrede fid^ 
bag tpfanbredjt be3 UnterpfanbSgläubigerä auf biejenigen 
griid)te, roelcbe pr 3«ü ber Erhebung ber ^ßfanbftage noch 
nidjt abgefonbert getoefen feien. $>ie ^Jfanbflage fei aber erft 
am 18./19. 3uni erhoben roorben, roenn man überhaupt in 
ber Klage bes § 710 eine ^ßfanbflage finben molle. 3 ur 3 e it 
ber Erhebung biefer ^ifanbflage feien bie grüßte fdjon ab= 
gefonbert geroefen. Stad) früherem fließt l»abe atterbiitg3 bie 
®3>ulb= ober 5pfanbflage oor ber Sd»ulbflagbef)örbe erhoben roer= 
ben fönnen. Shinmefjr fei bie Einleitung ber 3mang3oolIftredung 
ganj ofpe ©dplbflage möglich auf ©runb irgenb einer ooll= 
ftreefbaren Urfunbe. Stunmefjr rniiffe unter ber ^ßfanbflage 
bie t)tjpotl)efarifd)e Klage oor bem orbentlidjen Stifter oer= 
ftanben roerben. Eine foldje fei oor ber Trennung ber grüdjte 
ni^t angeftellt. ®ie oon ben Klägern fd)on im September 
1883 erhobene üJia^nflage fomme nidjt in Setrad&t, benn bie 
SSerpfänbung fei nad) ber Erlajfung ber SSollftrecEungsbefeljle 
erfolgt. ®er 2lft oom 9. u. 11. fDlai 1884 fei ganj bebeu= 
tunggloS. 

Eä rourbe bem Klagegefud) getnäff erfannt. 

©rünbe : 

'Jiad^ 21. 49 be$ ^faubgefe^eä umfafjt ba3 Unterpfanb^ 
rec^t bie natürlid)en griicfjte , roeldje pr 3eit ber Erhebung 
ber Scbulb= ober Sßfanbflage noch nidjt abgefonbert roaren. 
biefen SSorfd^riften über bie Siebte be^ |»jpotl)efargtäu= 

20 * 



288 ©ntf^eibungen be8 D&erfanbe?geridjR 

biger^ ift burch § 714 (S.^.D. niöfjtg geänbert worben *). 

®ie Slnficßt, baß unter ben 3Borten beg 31. 49 „sur 3*it 
ber Srljebung ber ißfanbflage" bie (Srßebung ber ßrjpotßefa^ 
rifc^en Älage not bem orbentlidjen dichter oerftanben werben 
muffe, fann nicht gebilligt roerbeit. ©er Entwurf beg ißfanb: 
gefeßeg s ) ßatte ju § 51 gelautet „bie natürlichen grücßte, 
welche beim ©intritt ber gerichtlichen Verfolgung bei Unter: 
pfanbgredhtg noch nicht abgefonberl waren". 3” ben ©äßen 
beg 2tugfchuffeg war biefer § 51 baf)in formuliert: „auf bie 
jur 3 e 'i ber (Srßebung ber ißfanbflage oorhanbenen *)". 3n 
bem 3lntrag VIII ber Äommiffion ber Äammer ber 2lbgeotb= 
neten würbe bieg bahin abgeänbert „auf bie jur 3eit ber 6r= 
hebung ber ©dhulb: ober ißfanbflage oorhanbenen". ©er 
©eridjt ber Äommiffion bemerft ^ieju : „eine anbere Verän= 
berung besieht ficß barauf, baß eg nicht gewöhnlich ift, gegen 
ben ©chulbner felbft, welcher im ©cfiß ber »erpfänbeteit ©acße 
ift, eine ipfanbflage anjuftetten, ober bie ©djulbflage befonberä 
als ^fanbftage ju bezeichnen". |>ienacb fann lein 3 roe *f e l 
bariiber hefteten , baß mit biefer ©djulbflage auch bie Älage 
auf SBejahlung liguiber ©chutbforberungen, 31. 9 beg 6jefu= 
tionggefeßeg, gemeint mar, mit welcher nach 21. 32 biefeg ©e= 
feßeg bie (Srflärung oerbunben werben fonitte, ber ©laubiger 
oerfange feine ©efriebigung aug bem oerpfänbeten ©ute. 
(Sbenfo fonnte gegen ben britten ißfanbbefißer bie Älage auf $e- 
rauggabe beg ipfanbg bei ber Drtgobrigfeit erhoben werben, 
wenn hierüber fein ©treit beftanb. 31. 9 eod. ^pieraug folgt, 
baß bag ^Jfanbgefeß in 31. 49 unter ber ißfanbtlage nicht bloß 
bie hvpothefarifche Älage oor bem orbentlicßen dichter oer: 
ftanbeit hat. ®ie grage, ob an bie ©teile ber ©cßulbflage 


1) SBilmoroSlp, Komm. j. ©iotl^B.0. ©. 849; ©trucfmann= 
Kodj, ©. 770; ©euffert, Komm. ©. 852; ©aupp, III ©. 274 II; 
3Jtanbrp, cioilr. Qnl). ©. 382; ©tiegliß, Komm. j. Konf.D. S. 284. 

2) 39eitagen6onb ju ben SBerlj. b. Kammer b. Stbg. ». 1823/24 S. 16. 

3) eod. ©. 182. 


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A. in £ioiIfa$en. 34. 


289 


bie ÜJtahnflage getreten fei 1 ), bebarf nidf>t ber ©ntfcheibung, 
ba eä bem ©inne bei 21. 49 bei ifJfanbgefe^el entfpridht, baff , 
ber 2tntrag auf 2lnorbnutig ber groangloollftrecfung in bal 
unberoeglidhe Vermögen ber ©rtjebung ber ißfanbflage gleich 
ju achten ift. 

21. 14 bei 2lulführunglgefe|5el jur 9teidblfonfurlorbnung 
oom 18. 2lug. 1879 beftimmt: „ber 21. 113 bei ißfanbgefe&e! 
oom 15. 2lpril 1825 roirb burcb nachftehenbeit 2lrtifel erfe^t : 
ber ißfanbgläubiger fann bie ©ejahluttg ber roäljrenb bei 
ßroangiooHftrecfungloerfahrenl auftaufenben gmfett <*ul bem 
reinen ©etrag ber grüchte »erlangen, roeldhe na<h 2lbjug ber 
Soften aul bem ihm oerpfänbeten ©egenftanb bejogen roerben". 
&tenach tann ber ©fanbgläubiger »etmöge feinel ifjfanbredhtl 
bie roäf>renb beeSroangäooEftredEungäoerfo^renö 
bejogenen grüßte für bie mährenb belfelben auftaufenben 
ginfen fetbft bann in 2lnfprudj nehmen, roenn bie ©er$inl= 
lidlfeit ber gorberung nicht im Unterpfanblbudh eingetragen 
ift. ®ie ©orfdfjrift biefel 2lrtifet! fe|t nid^t ooraul, ba§ non 
bem ißfanbgläubiger normet eine ißfanbflage nor bem orbent= 
licken 9tid)ter erhoben rnorben ift. lim fo mehr muß er biefe 
grüchte für bie gorberung felbft, bejiehungltneife bie ginfen 
baraul, für roeldhe bal Unterpfanblredht befteHt mürbe, in 2tn= 
fprueh nehmen tonnen. @1 ift anjunehmen, bah eine ben 
2lrtifeln 13 unb 14 bei ©efefcel nom 18. 2lug. 1879 ent= 
fprechenbe (Srgänjung bei 21. 49 3fff- 3 u. 4 bei s }lfanbge= 

?e$e! belhalb nidht für erforberlidh angefehen mürbe, meil ber 
2tntrag auf 2lnorbnung ber .ßromigloollftrecfung all ber @r= 
hebung ber ^fanbtlage gleidhfteljenb betrautet mürbe. .gaben 
bie Ätäger hjienad; am 9. SJtai 1884 bie ^fanbflage erhoben, 
fo geht ihr Unterpfanblredht an ben grüßten bem s ^fänbungl- 
pfanbredht ber ©eflagten, raelchel nid^t früher all am 17. 2Jtai 
entftanb, »or. 

Urteil b. 1. ©en. b. Oberlanbelg. n. 19. 3Jtai 1885 in 

©achen bei ©ierbr. gafob 2Jt. ». Slunningen u. bei 

1) 5. Sang, Sachenrecht 8. 2 S. 347 «Rote 8. 


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290 


Sntfc^eibungen beö D6erlanbedgerid)t8. 


ißriuatierö 5Jtagnu3 2Jt. o. ba gegen ben ©arleßenö= 
oerein S. u. ben Säuern Stephan SB. 


35. 

iöirb burdj eine in einem öflFcntlidjen Iflnß oorgenommene 
tbrnbarbeit einem |lad)barn eine (Quelle abgegrabeti, fo mirb 
ßieburd) ber Unternehmer nidjt fdjabenscrfnßpflidjtig. 

©ureß bie ‘Jneferlegung beS Utefenbacßö, roelcße bie 
Stabtgemeinbe Stuttgart ßat oorneßmen taffen , ift eine auf 
einem 9tacßbargrunbftücf entfpringenbe Quelle uaeß ber Se= 
ßauptung ber Kläger oerfiegt. ®iefe erhoben besßalb 2ln= 
fpriieße auf (Srfaß beS ißnen ßiebureß jugegangenen Scßabens. 
®ie Klage ift abgeroiefen roorben. 

©rünbe: 

ÜDie Kläger fließen aueß abgefeßen oon einer oertragS= 
mäßigen Serbinblicßfeit ber Seflagten ißren Slnfprucß batauf, 
baß bie ledere nicßt befugt geroefeit fei, bie ben Klägern ge= 
ßörenbe Quelle absugraben unb baß baßer biefelbe erfaßoer= 
binblicß fei. ®er 'Jlefenbacß als immerfließenbes SBaffer ßabe 
ben (Sßarafter als öffentlicher gluß. Qeber, ber an einem 
öffentlichen $Iuß ober 53acß in Sejießung auf ben natürlichen 
Sßafferlauf ober in |>iitfi<ßt ber ©eftaltung, roie fie bas $aßr 
uorßer oorßanben geroefen fei, Slenberungen oorneßme, ßabe 
für ben Schaben einjufteßen. ®ie 1. 1 § 6 Dig. 43. 13. fage, „jum 
Nachteil ber Slnrooßtier biirfe ein ffluß nicht forrigiert roerben". 

@4 fann unterfteüt roerben, ber Jtefenbacß ßabe ben 6ßa= 
rafter eines öffentlichen ©eroäfferS unb es fann ber urfäcßlicße 
3nfainmenßang beS SerfiegenS ber Quelle mit bent tiefer; 
legen beö SacßbettS als oorßanben angenommen roerben. 
®enttocß ift bie hierauf gegrünbete Klage ju oenoerfen. 

©ö ift ä>oar richtig, baß bas ^nterbift »ne quid in flu- 
mine publico« :c., auf roeldßeS bie Kläger fieß berufen, nießt 
bloß bann jutrifft, roenn eine Störung in ben mit betit ©emein= 


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A. in ©ioüfadjen. 35. 


291 


gebrauih in Söejiehung fteßenben fJtechtäoerhältniffen »ortiegt. 
(Sä ift bieö einer bet 2lnweitbung3fälle be3 QnterbiftS, allein 
er erf«höpft fein 2lnwenbung3gebiet nicht. Sielmehr ift ba&= 
felbe au«h bann gegeben, wenn eä fidf nid)t um Seeinträchth 
gung unb Drbnung be3 ®emeingebrau«h3 , fonbern barum 
ßanbelt, baß bur«h eine Seranftaltung in einem öffentlichen 
Jfluß baä ißritmteigentum eines 9ia<hbarn befdjäbigt roirb *). 

2lllein bie SorauSfeßungen beS 3nterbift3 finb na«h an= 
berer 9ii«htung nicht oorhanben. 

9tadh ben Seftimmungen beS 13. Titels beS 43. 39u«h3 
ber Digeften »ne quid in flumine publico fiat , quo aliter 
aqua fluat , atque uti priore aestate fluxit« , muß bur«h bie 
in ober an bem gfußufer ober Flußbett norgenommenen 93er= 
änberungen unb Seranftaltungen bewirft fein, baß ber gluß 
anbers fließt unb baß eben burch biefeS aliter fluere beS 
SBaffer^ ber Dtadjteil unb ©«haben, um welchen es fi<h hanbelt, 
herbeigeführt wirb ober worben ift. Dies ergibt fich aus 
1.1 § 3, 1. 1 § 8 u. 9. Di g. h. t. »ac per hoc aqua ra- 
pidior fit cum incommodo accolentium«. (Sä fommt nicht 
auf baS Vermehren bei? SBafferS allein an, obwohl fn^wh 
ein aliter fluere ßerbeigeführt wirb, fonbern baS SBaffer muß 
burd) bie SBetmeßrung reißenber werben ober eine anbere 
Sticßtung erhalten unb baburcß ©«haben jufügen. 

Das ^nterbift finbet ßienach ftatt, wenn bur«h baS 2lb= 
graben einer Duelle mittelft eines in einem öffentlichen §luß 
errichteten SBerfS bem gluffe noch meßr äßaffer jugeleitet 
unb baburdj bewirft wirb, baß ein Dtacßbar bur«h bie reißen- 
bere Strömung, bas Ueberlaufen ober bie oeränbcrte gtichtung 
©cßaben leibet. 'üDaSfelbe ift aber auSgefcßloffen, wenn bur«h 
biefes 3uleiten feine berartige f«häbli«he SSeränberung beS 
SBafferlaufS bo^^beigefüfjTt worben ift. 

Demgemäß fann fi«h berjenige 9la«hbar beSfelben ni<ht 
bebienen, welchem bur«h bie in bem gluß oorgenommene 93er* 


1) 1. 1 § 1 Dig. 1. c. »vel mutatus alveus vicinis aliquam in- 
juriatn afferat f. autf) 1. 1 § 3 eod. 


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292 


©ntfdjeibungen be8 Dberlanbe3gerid)i3. 


ättberung eine Duelle abgeleitet wirb; benn ber ©djabeu er= 
folgt hier nicht burd) ba3 ÜBaffer unb beffen oeränberten i.'auf, 
fonberit burd) bie ßutjiefjung be3 2Baffer3, bas bemfelben 
bisher jugefomtnen ift *). 

2lu3 bem 2Iu3gefül)rten ift aud) ju entnehmen, toie bie 
ÜBorte ber 1. 1 § 6 cit. >neque enim ripae cum incommodo 
accolentium mnniendae sunt« , 311 uerfteljen finb. Diefer 
Saß wirb bttrdf) ba3 bemfelben unmittelbar SBorangeßenbe er; 
läutert unb erhält baburd), wäßrenb er allgemeiner lautet, 
feine richtige iöegren^ung. Die ermähnte ©teile fagt in ifjrent 
3 ufammenf)ang : ,, s Jtaci) ber Meinung einiger fönne bicfcm 
3nterbift bie Ginrebe entgegen geftellt werben, ba3 SBerf ge= 
fd)el)c be$ Uferfd)itße3 wegen, ba3 fjeifjt, biefelben feien ber 
2 lnfid)t, ba3 ^nterbift finbe nid)t ftatt, wenn jwar eine ülrbeit 
oorgenommen werbe, weldje bewirte, baß ba3 SBaffer anbers 
fließe, biefe Slrbeit jebod; bes llferfcf)uße3 halber erfolgt fei. 
2lllein bie3 fei nidjt ridjtig, benn ber Uferfdjuß biirfe nicht in 
einer 2 Beife erfolgen, baß bie 9tad)barn Staben leiben." 
Die3 tann in SBerbinbung mit bem SBoraugehenben nichts am 
bereS ßeißen als: ber Uferfdmß biirfe nicht in einer SBeife 
erfolgen, baß ber ÜBafferlauf jutn s Jiad;teil ber v Jtad)barn x>er= 
äubert werbe. 2 lucß l;ier ift baö aliter fluere als Urfadje bes 
©djabenS oorausgefeßt. 

E)iach bem bisherigen ift bie oon ben Älägern bejeidbnete 
Mlage itid)t sutreffenb. Da e3 jebodj nicht auf ben tarnen 
berfelben antommt, fo ergebt fid; bie $ ra 9 c , 0 & nicht burd) 
bie oon ben Älägern geltenb gemachten EE^atfad^eit ein aitberes 
s Jted)t3mitte( begrünbet wirb, burd) weldjes bie Äläger ©d)a 
benserfaß erlangen tonnen. 

Die SBetlagte foll burdj baS Dieferlegen ber Soßle be* 
9lefenbadj3 bas SBerfiegen ber Duelle oeranlaßt hoben, fomit 
burd) ein behufs ber Unterhaltung, bejiel»ung3weife S3erbejie= 

1) ©. ßieju itodß ). 1 § 1, 1. 4 Dig. eod. unb Untergebner, 
<£cf)ulbuert)ältniffe 4)b. 2 S. 193; §ei]nbacf) in SöeiSfe’S 9ted)t$Iejifon 
«b. 5 ©. 590. 


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A. in Sioilfac^en. 35. 293 

ning ber Ufer in einem öffentlichen S3ad)e oorgenommene« 
Sanwefen. 

©ie Duellen be« römifdjen SWec^to enthalten ben ©runb= 
fa(5, bau ber Machbar, welcher au« einem oon femanb an 
einem öffentlichen Sah oorgenontmenen Uferbau ©«haben be- 
fürchtet, biefen Sau oerbieten fann, fofern ihm nicht bie cautio 
damni infecti gefteUt toirb. ©. 1. 1 Dig. 43. 15 de ripa 
immienda. (5« ift bie« ein 2lu«fluj3 be« allgemeineren ©a(5e«: 
wer überhaupt in einem öffentlichen gluf? ober an ben Ufern 
be«felben ein Söerf errichten will, hat ben Stachbarn auf Ser= 
laugen wegen brohenben ©«haben« itaution ju leiften *). ©ie« 
gilt auch oon öffentlidjen S3egen a ). 

(£« fann bahin gefteUt bleiben, ob nach heutigem Stecht 
bie Kaution, beäiehungsweife ber ©haben«erfa(3, geforbert 
werben fann, auch wenn ber ©haben fhon eingetreten ift 1 2 3 ); 
ebenfo bebarf bie j$rage nicht ber ©ntfheibung , ob niht ba« 
Serlangett ber Kaution au«gefhloffen ift, weil e« fih um ein oon 
einer öffentlichen Zktjörbe unternommene« Sauroefen tjanbelt 4 ), 
ober in welch’ anberer SBeife bie ©runbfähe be« römifhen Sledjt« 
eingefhränft finb ; benn ber 2lnfpru<h auf Seiftung ber Kaution 
ift auch bei einem an einem öffentlichen bluffe ober Siege er» 
rihteten äßet! nur bann begrünbet, wenn e« fid) um bie ©e= 
fal)r eine« daninum injuria datum hanbelt, niht aber, wenn 
ber Stahbar mit bem Serluft eine« nur jufällig genoffenen 
Sorteil« bebroht ift. 

3u biefer letzteren Kategorie gehört ber Stadüeil, welher 
bem ©runbeigentümer burd) 3lbgraben einer auf feinem ©runb; 
ftiicf entfpringenben Duelle jugeht. ©er ©runbeigentümer 


1) ©. 1. 7 Dig. 39. 2 u. 1. 15 § 2 Dig. eod. 

2 ) 1. 15 § 8. 9 Dig. 39. 2. 

3) ©Iüct, $anb. 33. 39 u. 40 ©. 627. 633; $effe, 9ted)t«»erf>. 
©. 96 ff. 107; ©euffert, 2trct)io 33. 33 ©. 308; ©arroet), 21rd)iD 
33. 6 ©. 151. 

4) ©euff. 3trctii) 33b. 24 n. 37; .fjeffe 1. c ®. 339.340; ©lücf, 
‘fSanb. 1. c. ©. 662. 


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294 


©ntfdieibungen be§ Dberlanbeägeritf)tS. 


crroirbt burd) bie ^atfadie allein, bah baS SBaffer feiltet bet 
Duelle burd) ©afferabern jugefloffen ift, fein 3fed)t auf baS 
33eftef)enbleiben biefeS $uftanbs. ®ie3 ift für bie cautio 
damni infecti fpejiell auSgefprodfen in 1. 24 § 12 Dig. 29. 2 
unb 1. 26 Dig. eod. 

4>ierauS folgt, baß felbft, roenn es geroifs ift, bah burd) 
einen in einem öffentlichen glüh oorgenommenen Uferbau bie 
Duelle beS 9fad)barn abgegraben roerbe, ber fiebere roegen 
biefeS ihm brohenben ©Habens feine Kaution oerlangen fann 
unb fomit auch bei eingetretenem ©djaben feinen ©d)abenS= 
erfafc ; unb eS ergibt fid) ber ©a§, baff bem Eigentümer eines 
^rioatgrunbftiicfS, welcher auf feinem Eigentum in berechtigter 
SBeife gräbt, berjenige glcid)ftef)t, welcher in einem öffentlichen 
glüh ober SBeg in befugter ©eife ein Sauroefen oornimmt. 
SBeibe finb einem fJiad)barn, welchem baburch eine Duelle 
abgegraben toirb, feinen ©rfafc fchulbig, weil fie nur uon ihrem 
Siecht ©ebraud) machen unb roeil fie nicht in bas Stecht beS 
ÜJtadjbarn eingreifen, fonbern ihm nur einen Vorteil entgehen, 
ben er thatfnd)lid) genoffen h fl t 1 )- 

2luS eben biefent ©rmtbe fann aber auch bie Squilifdhe 
Klage nicht ftattfjaft fein, roeldje ebenfalls ein damnum inju- 
ria datum oorauSfefjt unb fi<h nach biefer Stiftung ooit bem 
Verlangen ber cautio damni infecti nur baburch unterfcheibet, 
bafj bie ledere ben gaH eines noch nicht erfolgten ©(haben* 
oorfieljt, roährenb bie erftere jur ©üljne beS geftifteten ©dfabenS 
bient 2 ). Demgemäh fann fi<h auch 1. 2 Cod. III 35 nicht 
auf ben oorliegenben gaH bejiehen, wie auch bie oon ben 33e; 
rufungSflägern angeführten ©efeheSftetlen unanroenbbar finb. 

Die negatorifdje Klage finbet nicht ftatt, roeil es lieh oon 
feiner gmmiffion in baS Eigentum ber Kläger unb feiner gm 

1) 6. f)teju 1. 1 § 12, 1. 21 Dig. 39. 3; Sang, ea$enred)t [ S. 
155; @lücf, ^anbetten 53. 39 u. 40 Seil 2 ©. 51. 52; §effe, 1. c. 
©. 32 ©. 192; ©armen, »rdjio 8. 14 ©. 252. 8 15 S. 361. 3Ro» 
tine u. Äommiffton86eri($t jur 8auorbnung: 8 ift er, 8auorbnung 6. 

503 ff. 

2) 1. 7 § 1 Dig. 89. 2. 


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A. in ©ioilfadjen. 36. 


295 


anfprudinabme eines baS teuere befdjränfenben StedjtS ßanbelt, 
unb roaS bie fonfefforifdje Älage betrifft, fo fteßt biefe jioar 
bem Seruitutbereditigteu , toeldier bie servitus aquaeductus 
an einer Quelle fiat, gegen Sieben ju, ber ifjn an ber Seitung 
beS SBafferS Jjinbert *). Mein ber an einer Quelle binglidj 
Seredjtigte bat fotoenig, toie ber ©igentiimer ber Quelle felbft, 
oon raelebem ber erftere fein fRedßt ableitet unb ber ifjm nid)t 
meljr 9tedit übertragen tonnte, als er felbft Ijat, einen ©rfa{5= 
anfprudß gegen ben 9tad)barn, weiter biefe Quelle burdß 
©rabett auf feinem ©igentum jum SSerfiegen bringt. 

Sie actio aquae pluviae arcendae |anbelt nur oom 
fRegenroaffet 3 ), unb es ift biefelbe ebenfalls nur bann ftatU 
fjaft, wenn baS s Jtegennmffer jugeleitet, nicht aber roentt es 
roeggeleitet rairb s ). 

Ser $att ber 1. 1 § 12 Dig. 39. 3, jroeiter ©ab, liegt 
aber jroeifellos nidit oor. 

|iiena<b erroeist fid) ber fo, roie oben angeführt, begrünbete 
©rfabanfprud) ber Kläger als nic^t ftidbbaltig. 

Urteil beS I. ©ioilfenats beS $. DberlanbeSgericbtS oom 
28. Oftober 1887 in ber SJerufungSfadje beS Hermann 
•Reuner oon Serg u. @en. gegen bie ©tabtgemeinbe 
Stuttgart. 


36. 


(Seridjtsfianb bes 8 24 ber |ler ©injelkaufmann 

l)at an bemjenigen ©rt, an roeldjem er unter einer liirma ein 
fjanbclsgefdjäft betreibt, otjne biefen ©rt als ittittelpunkt fei= 
ner ßäuslidjen ober gefdjäftlidjen flertjältniffe juin regelmäßigen 
Aufenthalt ?u nehmen, Keinen löoljnßß im redjtlidjen Sinn. 


1) 1. 10 § 1 Dig. 8. 5 

2) 1. 1 § 15 Dig. 39. 3. 

3) 1. c. %. 3 S. 135. 152 224; §effe, I. c. ©. 189; 
KeidjSgeritf)«. (SntfdS). SB. 17 S. 120; 1. 1 § 12 Dig. 39. 3. 


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296 Gntfdjeibungen beä D&erlanbe8gericf)t3 

Sie im |janbel0regifter für ©injelfirmen in fflanensburg 
eingetragene #irnta gilialmafdjHnenfabri! non ©fd&er, ©pi 
u. Sie. in Dtaoendburg, beren 3nf>aber (Sari n. ©onjenbacl) 
auf Sddojj $uona0 Kanton 3 U 9 nto&nt, erljob bei ber GioiU 
fammer beS K. SanbgeridfitS ju Staoenäburg gegen 2eon ©onti 
in SJ}ari§ Klage uitb begrünbete bie 3uftänbigfeit biefeä @e= 
ridjtä bamit, bafe ber ^ellagte jufolge Urteile eines franjb^ 
fifdjen ® erid^ts eine ^orberung gegen n. ©onjenbad) als 
„Gigeutiinter be0 3*oeiggefc^äftS ber ■äJtafd&inenfabrif ©fcfyer, 
2Bpfj u. (Sie. P Siauen^burg" bpfifce, biefe g-irma tf>ren 
©ifc in festerer ©tabt l;abe unb ba^er n. ©onjenbad) ba= 
fetbft ein pjeiteä, faufmännifd&ed Somijil Ijabe, roe0f)alb ber 
©erid)t0ftanb bes § 24 ©a| 2 erfter galt ber G.5ß.£). bei 
bem angerufenen ©erid&t jutreffe. 

Sie Klage raurbe roegen Unjuftänbigfeit be$ ©eric^ts ab= 
geroiefen aus folgenben 

©rünben : 

Sie 3uftänbigfeit be<3 2anbgeridf>t0 9tanen§burg jur $Ber= 
tianblung unb ©ntfd&eibung be0 oorliegenben 9tedjt3ftreitd roirb 
nur auf ben § 24 ber G.iß.D. geftüfct. Ser ©eridjtSftanb 
biefeS § ift gegenüber bem in Seutfcfjlanb nidfjt bomiplierten 
23eftagten begrünbet, roenn teuerer in bem üöejirf be$ ge= 
nannten ©eriditä Vermögen befigt ober jur 3 e 't ^ er Klag- 
erfjebung befeffen Ijat. 2110 folcfteS Vermögen bejeidinet bie 
Klägerin bie bem Seflagten burdl) Urteil bed £anbel0gerid)t0 
be0 ©einebepartementä in $ari3 nom 19. 9tooember 1884 
juerfannte ^orberung, roeldje nad£) bem SBortlaut biefeS llr= 
teils gegen „©onjenbacf), ©igentümer bed 3 i® e t 99 e f^öft 0 ber 
SJJafdnnenfabrit ©fcfier, 2Bpfj u. ©ie. 3 ür *^ P Stanenäburg" 
gerichtet ift. Sejsterer 23ermögen0befifc mürbe nun aber nadf) 
§ 24 ©. 2 ber G.Sß.D. nur bann bie 3uftänbigteit beS 2anb= 
geridfjtS 9taoen0burg begriinben, roenn ber ©cf)ulbner ber be= 
jeidfoneten g-orberung feinen SBofntfifc in bem ©prengel biefee 
©eridjta f)ätte. Senn baff in legterem ©prengel etroa eine 
©adje fid) befinbe, roeldje für jene gorberung jur ©idjerljeit fjafte, 
t)at bie Klägerin nicjjt behauptet. Unter bem SBoljnfij} beä 


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A. in ©iöilfadjen. 36. 


297 


©djulbnerS ift ber cioilredjtlicbe SBolmfifS, b. ff. berjenige Ort 
ju oerfteljen, melden berfelbe als SDtittetpunCt feinet fjäiiS: 
liefen ober gefdiäftlidien 33erf)ältniffe jutn regelmäßigen 2luß 
enthalt genommen f;at. Db nun baS befagte Urteil bes fran- 
jöfifc^en fpanbelSgericbtS gegen bie ißerfon bes Äarl oon ©oro 
jenbad) auf ©djloß 'üuonaS Äanton 3^9/ melier unbeftrittener 
SRaßen ^nljaber ber flägerifd^en $irma ift, ober gegen bie 
leßtere gerietet ift, erfc^eint als unetßeblidj. Denn bie girma 
eines ©injetfaufmannS ift nadj 3lrt. 15 beS $.©.$. ber Siame, 
unter meinem er im fjanbel bie Unterfdjrift abgibt unb bie 
©efd&äfte betreibt, nid)t bie Sejeidinung beS non bemfelbeti 
betriebenen ^anbelSgefdwftS. ÜeßtereS bilbet, auct) toenn es 
oon feinem ^nßaber unter einer girma geführt roirb, fein 
befonbereS oermögenSredjtlidieS ©ubjeft, älinlid) rote bieS nad) 
2lrt. 111 beS $.©.$}. bei ber offenen |>nnbelSgefellfd)aft ber 
gall ift. älielmeljr ift bei bem oon einem (Sinjelfaufmann 
unter einer girma geführten ^anbele'gefd^äft baS eingige 
5Red»tSfubjeft berfelben beffen Qnßaber, ba eine pßtjfifdje ifJerfon 
nur e i n SBermögeti fjaben fann '). 

hieraus ergibt fid), baß baS oon einem Sinjelfaufmann 
unter einer $irma geführte ^anbelSgefdjaft nid»t, roie bies bei 
bem ^anbefSgef($äft einer offenen £anbelSgefetIfd)aft nad) 
Slrt. 86, 87, 111, 2lbf. 2 beS £.©.$. u. § 19 ber G.iß.Ü. 
ber Aall ift, einen befottbern SBoßnfiß ßat, ba jur SLBaljl eines 
folcßen ein aiecßtsfubfeft notioenbig ift. SBielmefir fann man 
bei einem oon einem Ginjelfaufmann betriebenen £anbel$ge= 
feßaft nur oon einem 9öof)nfiß beS ©efd)äftSinl)aberS bie Siebe 
fein. $at legerer feinen äßoßnfiß an einem anbern Ort, als 
an bemjenigen, an roeldjem fein ©efdjäft betrieben roirb, fo 
ift an biefem Drt für ben ©eftßäftSinßaber fein jroeiter 2ßoßn= 
fiß im red&tlidjen ©inn begrünbet, oielmelir tjat er an benv 
felben nur feine Siieberlaffung im ©inn beS § 22 ber 2 ). 

Denn baS ©efeß fennt feinen SBo^nfiß an einem Drt, 

1) 6nti«$etb. beä 91.0.$.®. III, 411, IX, 105 f., X, 105 f., XV, 
176, XX, 35 f., Sntfö. be« 9t.@. XVI, 17. 

2) SB ad), |ianbb. bet ©io.Sptoj. I, 402 bei 91. 14. 


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298 


6ntfd)eibungen beS C6erlanbe8gerid)t§. 


ruelföen Qemanb nur jum SDtittelpunft feiner gefcbäftlicben 
X^ätigfeit gemalt ofjne bafelbft jugleicb aud) feinen re= 
gelmäffigen Slufentbalt ju nehmen. Joieoon gebt aud) ber cit. 
§ 22 au», melier einen befotiberti ©ericbt^ftanb ber 2tieber= 
laffuitg im ©egenfaß ju bem allgemeinen ®eridbt»ftanb be» 
2Bobnfibe3 in § 13 ftatuiert. 2lu<b bie 3)lot. $u § 22 be= 
fagen, ber ©eridjtäftanb be»felben fei bem Forum domicilii 
nadjgebilbet, baä ©tabliffement toerbe, roa3 bie auf beffen ©e= 
fd)äft3betrieb bezüglichen Klagen anlange, bem 2Bof)nfifc gleich 
geartet *). 

.pteitad) mürbe im oorliegenben JaB ber ©eridftäftanb 
bes § 24 ber 6.^.0. nur bann zutreffen, roenn ber Inhaber 
ber flägerifcben girma, Karl oon ©onjenbadb, nid)t blofs feinen 
©efd)äftöbetrieb, fonbern aud) feinen regelmäßigen 2Iufentl>alt 
im Sejirf be$ Üanbgerid)t3 Vaoen^burg mürbe ober 

menigftenä jur 3eit ber Klagerbebmtg gehabt hätte. Von ber 
Klägerin roirb aber nunmehr anerfannt, baff oon ©onjenbad) 
in ber Sdbroeiz rooljne unb fidb nur in oorübergebenber äBeife 
in Slaoensburg aufbalte. 

Urteil beä II. ©ioilfenate beä D.2.=@erid)t3 oom 15. 2)e= 

jember 1887 in Sachen ©fcbet, SlSpfj u. Sie. gegen ©onti. 


37. 

Jletentioneredjt bes f auflpfanbgläubigrrs. 

Vei ber Verteilung beä VacblaffeS be3 am 3. September 
1880 in 11. oerftorbenen ißrioatierä 2lnton Sd). oon ba unter 
beffen ©läubiger mürbe oon ber Veflagten — ber ©emerbe= 
banf in U. — , melier Slnton S<b- für eine 2öecbfelfdjulb oon 
2500 3R. ein gauftpfanb an einer ibm gegen ©eorg 9i. oon 
U. juftebenben unterpfänblid) gefieberten gorberung oon 3250 3)f. 
befteUt l;atte, ein Vetention^redbt an biefetn gauftpfaub toegen 
einer meitern SBedbfelforberung oon 3000 3J l. nebft 3^/ 

1) $abn, SJtater. II, 153; ©aupp I, 72. 


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A. in ®ioilfa<§eit. 3?. 


299 


roeldie bie ©eroerbebanf an Inton ©cf;, ju machen hatte, gel= 
tenb gemacht, $)ie Kläger, roelche gleichfalls als ©laubiger 
bei ber Verteilung beS 9tad;laffeS beS 2lnton ©cf), aufgetreten 
mären, beftritten biefeS 9tetentionSred)t unb erhoben gegen bie 
Veflagte Älage auf 9lberfenttung beSfelben unb Verurteilung 
ber Veflagten jur Verausgabe beS nad; ®edung ber burd; 
baS $auftpfanb gefieberten gorberung ber lederen frei roer- 
benben 9teftS ber oerfauftpfänbeten gorberung an bie Verladern 
fchaftSmaffe beS Slnton ©<h. 

®ie Älage mürbe in jmeiter 3nftan$ abgeroiefen. 

©riiitbe : 

9ta<b ber 1. unica cod. 8. 27. fteljt bem ipfanbgläubiger, 
meldjer fich in bem 33efi| beS ^fanb-ObjettS befinbet, an biefem 
ein 9letentionsredjt gegenüber bem oerpfänbenben ©djulbncr 
megen feiner unoerficherten gorberungen an ben lederen ju. 

®iefeS 9tetentionSred)t roirb in ber raürttentbergifd;en 
^Jfanbgefehgebung nid;t ermähnt. 

3mar beftimmt ber 9lrt. 95 9lbf. 2 beS i))fanbgefe( 5 eS, 
bah ber UnterpfanbSgläubiger, roenn ber Verpfänber jugleich 
ber ©chulbner ift, aufjer bem ^all einer Äonfurreitj »erlangen 
fann, baf 3 er auch in 9lnfef)ung beSjenigen, roofür baS Unter= 
pfanb nicht hoffet, namentlich wegen älterer 3in3rüdftänbe 
unb megen ber Äoften (91. 54 u. 55) fogleich aus bem ©rlöfe 
ber ©ache befriebigt merbe. 9tun finb unter bemjenigen, roo= 
für baS Unterpfanb nicht hoffet/ wenn man erroägt, bah eS 
ungeroöhnlich märe, mit biefem 9tnSbrud anbere unoerficherte 
gorberungen überhaupt ju bezeichnen, unb bah als oorjugS: 
roeife Seifpiele beSjenigen, mofiir baS Unterpfanb nicht haftet, 
ältere 3in3riicfftänbe unb .Höften aufgeführt toerben, nicht alle 
unoerficherten gorberungen, fonbern nur bie unoerficherten 
Steile bejiehungSmeife 9lcceffionen einer ifffanbforberung ju 
oerftehen '). 9lllein bah burch jenen 9lrtifel nicht ein be= 
fchräntteS ^Retentionsrecht im ©inne ber 1. un. cit. hot bc= 

1) SBeiä^aar, §anbb. b. roiirtt. 1ßrio.9t. 11. 147; 23oneg,Eom< 
mentar I. ©. 323 ff. ; Seeg er, Eom. I. 6. 297.; Stömer, roürtt. 
UnterpfanbäS. S. 215. 


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300 Sntfdjeibungen b*3 D6erlanbe3gericl)t3. 

griinbet tnerben jollen, erhellt einmal barau«, bafe ber ange= 
fiifjrte Slrtifel nur non einem Slnfprud) auf iBefriebigung 
fprid)t unb biefer fid) roefentlid) non jenem Stetentiondredbt 
unterjdjeibet, fofern (entere« nur jur ©idjerung ber jyorberung, 
megen roeldjer retiniert roirb, bient, unb bem Stetinenteu nid)t 
bie ^Befugnis nerleiljt, ©efriebigung au« ber retinierten ©adie 
ju nerlangen, e« märe bentt, bafj biefelbe ju gunften jener 
gorberung im SBege ber 3roang«ooHftredfung neräufjert mürbe 1 2 ). 
Sobann ift ein 9tetention«red)t au« bem 2trt. 95 2lbf. 2 aud) 
barum nid»t abjuleiten, meil ber bafelbft bem ißfanbgläubiger 
eingeräumte Slnfprud) oljne StiidEfidjt auf ben ©efifc be« llnter= 
pfanb« feiten« biefe« ©laubiger« $taf) greift *). 

Stimmt man näntlid) aud) an, baff ber ©runbfafs be« ge= 
meinen Stedjt«, bafj ber ißfatibgläubiger im galle ber Sticljfc 
befriebigung feiner fälligen gorberung mit ber f)ppotf)efarifd)en 
Älage ben $Befi$ be« ißfanbobjeft« beljuf« 33ornal)me ber 
SBeräufjerung berfelben nerlangen fönne 3 ), in SBürttemberg 
mit ber SJiajigabe gelte, baj) biefe SSeräujjerung burd) bie 
Dbrigfeit ju gefd^e^eit Ijabe 4 ), unb nid)t, bafj non einem 2ln-- 
fprnd) be« ünterpfanb«gläubiger«, meinem ber iBerpfänber 
ben $8efi£ be« Unterpfanb« nid)t freiroiHig eingeräumt l;at, 
auf biefen 33efij5 barum nid)t bie Siebe fein fönne, meil bie 
iBeräujjerung burd) bie Dbrigfeit norgenomnten roerbe 5 ), fo 
ift boc^ ber ißfanbgläubiger, meinem ber SSerpfänber ben 23e= 
fifc be« Unterpfanb« nidfjt iiberlaffen l;at, bann nidt)t Sefi^er 
be« legieren geroorbett, roenn ber iPerpfänber ba«felbe freimillig 
neräufjert. SDaf? aber aud) in biefem gall ber ^fanbgläubiger 
ben if»nt in 2lrt. 95 2lbf. 2 eingeräumten Slnfprud) I)at, ergibt 
fid) barau«, bafj unter bem @rlö«, non roelcfjem biefer Slrtifel 

1) ®olbf<§mibt, §anbet«redjt I. 3. 986. ©ntfdj- b. 9)eidj$g. 
VIF, 37. VIII. 83. 

2) Solle?, a. a. D. 8. 329; 9)ta?er, ßomm. Fl. 3. 33. 

3) fflinbf djeib, ^ßanb. I. § 234. 

4) Kötner, a. a. D. 3. 7. 8. 203. 

5) Solle?, a. a. D. <3. 323. 325.; Sang, 3ad)enre<$t II. 3.137 
n. 1. c. 


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A. in Giottfacfien. 37. 


301 


fpric^t , bcr nad) bem uorangegangeiten Slrtif'el 94, melier 
audj oon ber freiwilligen Veräußerung burd) ben (Eigentümer 
beä UnterpfanbS t;anbelt, erhielte @rlö§ ju nerfte^en ift. 

Ebenfowenig läßt fid) au$ bem 2 lrt. 255 beö $fanbge= 
fegeä entnehmen, baf? bem ^auftpfünbgläubiger ba^ Stetem 
tiomSrccht nur wegen ber 3 infen unb Soften juftehe. ®enn 
biefer Slrtifet fe^t ben Umfang ber Haftung be$ gauftpfanb* 
abweidienb non ben Seftimmungen ber 2lrt. 53—55 batjin 
feft, baß ber fyauftpfanbgläubiger au3 bem Erlö3 be§ $auft= 
pfaubg Vefriebigung nidE)t bloß ber oerfidjerten |iauptfumme, 
fonbern aud) aller bebungenen ober VerjugSjinfen unb ber 
ißrojeßfoften nerlangen fönne ‘). 

Sßenn nun aber aud) t)ienac^ baS roürttembergifdie fßfanb= 
rec^t bes StetentionsredhtS be3 ipfanbgläubiger$ wegen feiner un= 
oerfidierten gorberungen feine Erwähnung ttjut, fo folgt tiierauö 
nicht, baß biefes Stetentionärecht in SBürttemberg überhaupt nicht 
mehr gelte. 3 roar ift baä fpfanbredjt umfaffenb unb unab= 
hängig »om gemeinen 3tecf)t geregelt worben. Allein fjteburd^ 
wirb, wie fidj aus bem 2 trt. 260 bes ißfanbgefehe3 ergibt, bie 2 ln* 
wenbung be§ gemeinen Sted)t3nid)t au*gef<hloffen, foweit ba3felbe 
nicht mit ben allgemeinen ©runbfäfien unb ben befonberen 
Veftimmungen beä württemb. ißfanbred)t3 im SBiberfprud) fteht. 
2lu<h benterfen bie SJtotine junt Entwurf be3 ^fanbgefeßeä, 
baß bie SJtaterie non ben gauftpfanbern in einem Stbfchnitt 
habe erlebigt werben fönnen, weit nach Seftfejjung beS 33egriff$ 
unb 2 Befen$ be3 fyauftpfanbs nur bie barauS fich ergebenben 
2lehnli<hfeiten unb Verfchiebenljeiten beö gauftpfanbä unb beS 
Unterpfanba ^eraudsu^ebert gewefen feien, alle übrigen 
gemeinrechtlichen Veftimmungen aber einer 
au*brücflidjen Söieberholuitg n i d) t beburft 
hätten*). 

.fpierauä ergibt [ich, baß {ebenfalls bie Seftimmungen beä 
württemb. Sted)t3 über baS gauftpfanbred)t burd) baS gemeine 
Stecht 511 ergänzen finb. 

1) SBoIIep, a. a. 0. II. <3. 591. 621; gBeiSlfaar, a. a. D. §. 660. 

2) SJerlj. Der Sommer b. 2(bg. 0 . 1823/4 III. aufserotbl. $eil.§eH- ©. 76. 

Oaljrbildjer b. StHirttemftg. Sledjtopfleoe. 1. 21 


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302 


©tüfdjetbungeti be<S Obertanbe?gericf)t3. 


Die Unterlaffung ber Siegelung be3 9ietention§redf)t3 be§ 
fpfanbgläubigerä wegen feiner unuerficfjerten fvorberungen in 
bem ^fanbgefeß erflärt fid) jur ©enüge babutcß, baß biefeS 
Siedet ein ätn^ffufj be-5 93efiße3 be3 fpfanbobjeftS feiten^ jene* 
©laubigere ift, ba3 fpfattbgefeß aber roeber in ben 2lrt. 90 — 95, 
roeld^e oon ben Siebten be-3 fßfanbgtäubigerd unb be^ »er= 
pfänbenben ©dmlbneriS ßanbeln, nocß in bem 2lbfct)nitt über 
bie gauftpfänber, abgefeßen non ber nereinjelten Sßorfdßrift 
beä 21. 254 2lbf. 1, Seftimmungen über ba3 burdß ben SBefi^ 
be£ ^fanbobjeft^ feitenS beS ^fanbgläubigerä begrünbete 
SiedfftäoerßältniiS enthält. SBielmeßr befdßränft fi<f> jene3 ©efeß 
bei ber 33eßanblung bed StedßtSoerßältniffeä be3 fßfanbgläu- 
bigerS ju bem Sterpfänber barcuf, ba^ Siedet ber 58efrie= 
bigung be-3 erfteren au3 bem fßt'anbrecßt ju regeln. Der SJiangel 
non öeftimmungen über ba>3 Siedet be§ SBefi^e^ be* ^ßfanb- 
gläubiger^ an bem SSfanbobfeft ßat audß nidßt etroa bariit 
feinen ©runb , baß ba3 fjSfanbgefeß biefen Sfefiß ßat auä- 
fdßließen roollen. Denn e3 ift nic^t abjufeßen, warum ber 
SBerpfänber bem Unterpfanb^gläubiger ben SBefij} beS Untere 
pfanb§ nicßt foüte einraumen bürfen. gür bie Sntfteßung 
be3 gauftpfanb^ aber ift bie Uebergabe be3 23efiße§ be3 ^fanb; 
objeft3 an ben ^fanbgläubiger roefentlic^. 

Daö fJtetentionäredßt be3 fßfanbgläubigerä, melcßeä auf 
ber ©rroägung beruht, baß e3 nom Sdßulbner ungehörig märe, 
bem ©laubiger bie $nneßabung eine3 ©egenftanbs ju ent= 
jießen, ber im fyatte ber 3roang3oo Uftredung jur öefriebigung 
bienen tonnte *), fte^t nun mit ben allgemeinen ©tuttbfäßen 
be3 roürtt. ^fanbred^t^ nic^t im SBiberfprucß. Denn ba ba$= 
felbe nadß ber 1. un. cit. gegenüber bem nadßfteßenben s fJfanb= 
gläubiger nidßt geltenb gemacht werben faitn, fo ift bie 5Dlög= 
licßfeit einer ÄoUiffion jroifdßen bem burcß ba§ s 4$fanbrecßt be-- 
grünbeten binglid;en Sledßt unb bem bloß perfönlicßen ÜRcdßt 
auf ben Sefiß einer Sacße au^gefdßtoffen. ©benfowenig ift 

1) Sernburg, ^ifanbre^t II. 3. 107; §aßn, aKaterialUn FV. 
3. 200. (Siotioe jur ÜonfurSorb. § 40.) 


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A. in Gitnifadien. 37. 


303 


baS 9ietentionSrc<bt mit beit befonbercn 33eftimmungen bes 
^fattbgefebeS unoereinbar. ÜDentt was bie 2Irt. 95 2lbf. 2 
unb bie 3lrt. 255 biefeS ©efefces anlangt, fo ^anbetn bie= 
felbett, roie fcfjon bemerft, non bem 2lnfprud; bes Sßfanbgliiu= 
bigerS auf öefriebigung aus bem (SrlöS beS ijifanbobjeftS. 
6s fann baber barauS, baß biefet Slitfprucb oom ißfanbgefeg 
nur bejiiglid) ber ißfanbforberung unb ber in jenen 2trtifetn 
bejeicbneten Slcceffionen berfetben äugelaffen mirb, nicht ge= 
folgert roerben, baft jenes ©efejj bie ©eltenbmacbung eines 
einen anbetn 3roed oerfolgenben befdjränfteren fRecbtS wegen 
berjeuigen $orberungen, auf welche ficb ber genannte 2lnfprucf) 
nicht erftredt, b<*fo auSfcbliefjen wollen. SBaS ittSbefottbere 
bie 33eftimmung beS St. 254 2lbf. 2 anlangt, baft ber $auft= 
pfanbgläubiger oermöge feines ißfanbredjtS blof? beanfprucben 
fönne, bafj, wenn ber 3 <*bl un 0 st e nnin eingetreten ober ein 
ÄonfurS gegen ben ©djulbner erfannt worben fei, er aus bem 
©rlöS bes ißfanbeS befriebigt werbe, fo foll mit bem SBorte 
„btofi" nur auf ben 2tbf. 1 'Be^ug genommen werben, welcher 
bem gauftpfanbgläubiger baS Stecht ber iöenübung bes $auft' 
pfanbS obne auSbrüdliche (Einräumung beSfelben nicht sugeftebt. 
Sticht aber foHen bamtt bie weiteren aus bem SBefijs beS gauft- 
pfanbS ficb ergebenben Sterte bem gauftpfanbgläubiger abge= 
fprodjen werben, ba ja ber cit. 2lbfa|5 2 nur ben 2lnfprud) 
beS ©läubigerS auf öefriebigung aus bem gauftpfanb be= 
banbett. 

^ienadh ift baS gemeinrccbtlidje StetentionSrecbt beS ißfanb= 
gläubigerS, jebenfaßs beS gauftpfanbgläubigerS, um welchen 
es fich im oorliegenben Stecbtsftreit banbett, wegen feiner un= 
oerfidberten gorberungen auch im wtirttemb. Stedjt noch in 
©eltung ’). 

2. ®ie ©eltenbmachnng beS StetentionSretfjtS beS ißfanb= 
gläubigerS ift burch ben SBefij} beS ipfanbobjefts bebingt. gor= 
berungen fiitb nun aßerbingS an unb für ficb nidfjt ©egen* 
ftanb beS Sefi^eS, ba bie Kontinuität beS 9ted)tS SSebingung 


1) ju »ergl. SBÜttt. Sinh- ». XVI, ©. 239. 

21 * 


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304 (Sntfdjeibungen beS DberlanbeägericfitS. 

bet Sefibfcibigfeit ift, gorberungen aber mit ihrer Seitreibung 
ertöfcben. 2Ulein nad) 2lrt. 248 be3 Sfaob0 e i e h e 3 oertritt 
bei Serfauftpfcinbung einer gorberung bie ©inbänbigung ber 
teuere beroeifenben Urfunbe, atfo be§ '^fanbfd)ein$ ober ber in 
©rmangtung eines folgen gemäjj 2t. 25 beS ^fanbCSntOef. 
auSgefteEten Urfunbe bei einer unterpfänblid) gefieberten gor= 
berung bie ©teile ber förpertidben Uebergabe. ©urd) ben Se- 
fib jener Urfunbe wirb fomit baSjeitige SerbiiltniS beS §aufU 
pfanbgliiubigerS ju ber fyorberung ^ergeftellt , meld)eS beim 
gauftpfanb an einer förpertidjen ©adbe bie Uebertragung be$ 
SefigeS berfelben an ben ©laubiger begrünbet. ©agegen ift 
bie 23enad)rid)tigung beS ©cbutbnerS be<S Serpfiinber» natb 
21. 248 nur jum 3roecf ber ©icberung beS gauftpfanbgfäubigerS 
gegen eine roirffame 3<if>t Hll 9 jenes ©<f)utbner| au ben Ser* 
pfanber, nid)t aber jur ©ntftebung beS f^auftpfanbs notroenbig. 
©aS ÜSerbäitniS beS 3?auftpfanbgläubigerS ju ber oerfaufb 
pfänbeten 3f or berung, roetcbeS burd) bie Uebergabe ber bejeicb^ 
neten Urfunbe begriinbet mirb, ift bienacb im ©inne beS Sfonb= 
gefegeS ein bein Sefib in ber Sßirfung gleicbftebenbeS. ©ie 
bie gorberung beroeifenbe Urfunbe aber hübet, wenn fie aud) 
an fid) feinen SermögenSroert t)at unb bie ^orberung nic^t 
repräfentiert, nad) bem ©efe (3 einen ©egenftanb beS Sefifce* 
unb bamit aud) beS 9tetentionSre<f)tS *)• Sölit ber 2luSiibung 
beS 3tetentionSred)t3 an jener Urfunbe mirb batjer äugleidb 
eine tl)atf«d)lid)e ^errfd^aft über bie gorberung unb bamit an 
biefer ein bem 9tetention3red)t in ber 2Birfung gleich fom- 
ntenbeS 2iedbt geltenb gemad)t. 

©er gutäffigfeit beS DtetentionSrecbtS an einer oerfauft- 
pfänbetert gorberung fteijt ber Umftanb nic^t entgegen, baf 
ber ©rittfdjulbner bem gauftpfanbgläubiger nad) Sefriebigung 
ber oerficberten gorberung berfelben nidbt ntebr für ben Se^ 
trag feiner Sdjulb aufjufommen b«t/ ba jenes -Jtetentionsrecbt 
burd) baS bem Sefijs entfpredbenbe Serbältnis bes Sf ß ob- 
glaubigerS $u ber oerfauftpfänbeten ^orberung bebingt ift, 

1) ©ntfe^eib. b. 9teidjäD.§®. 8. III. 6. 159. 8b. VI. S. 198. 


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A. in 6it>ilfad)en. 38. 305 

foldje^ aber, wie auSgefiifjrt, fortbauert, fo lange ber festere 
bie bie ^orberung beweifenbe Urfunbe in £äitben fjat. 

Sem 2luögefüt)rten gufotge ftefjt ber Veflagten an ber 
tt)r uon 21nton ©cf). oerfaufipfänbeten ft-orberung ein 9teten= 
tionSrecfjt wegen beS nod) riidftänbigen VetragS ifyrer %or- 
berung gegenüber ben Klägern ju, roesi^aib beren Älage ab- 
juweifen mar. 

@ntfdt)eibung bes 2ten Senats beS OberlanbeSgeridW o. 
11. Dftober 1883 in Sachen ber ©ewerbebanf U. gegen 
ben Vanfier Q. 6f>r. & non ba unb ©enoffen. 


38. 

Steljt einem (Gläubiger, roeldjem bas ^ntcilsredjt feines 
Sdjulbners an einer ungeteilten (frrbmaffe iiberroiefen morben 
ift, bas Jtedjt ju, liadjljolung ber Ofoentualteilung ju »erlangen? 

Ser Utjrenmadier 3acob V. non Sd)m. mürbe burd) llr= 
teil ber Straffammer in 9t. o. 5. 9to». 1886 wegen SSer- 
letnmg ber 2i'el)rpf(id)t su ber ©elbftrafe non 600 5Dt. et>en= 
tueH einer ©efängnisftrafe, unb jur Vejal;lung ber ftoften 
oerurteitt. Sic StaatSanmaltfdf)aft beS Saubgeric^tS, welker 
nad) St.fß.D. § 483 bie in ©emäfjfieit beS § 495 eod. nad) 
ben Vorfd)rift en über bie Vollftrecfung ber Urteile ber Git>iU 
geriete erfolgenbe VoDjiefJung ber erfannten ©elbftrafe ob= 
liegt, ermittelte, baf? ber Verurteilte IjinterfälligeS Vermögen 
befifce. 2luf Slblebeit ber 9Jtutter bes 3facob V. war laut llr= 
funbe oom 24. Februar 1864 bie (Srbfdjaft oon bem SBitmer, 
bem Vefd)werbefiif)rer unb bem Pfleger feiner fedjs bamals 
fämtlid) minberjäfjrigen Kinber angetreten unb es war weiter 
mit ©eneljmigung beS SBaifengeridjtS uereinbart worben, baf? 
bie Goentualteilung oerfdjoben werben folle, bis irgenb ein 
Verewigter 2lntrag auf beren Vornafnnc ftellen werbe, in 
wcldjem feilte ^ cr Teilung berjenige Vermögensftanb ju ©runbe 
gelegt werben folle, meldjer fid) bei beren Vornahme eta,ebe. 


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306 


©ntfd)eibungen besä Dberlcmbeägeri(f)t3. 


2Iud) itmrbe Riebet bejüglid) beS VerffigungSredjtS beS über- 
lebenben ©Regatten beftimmt, baff bem SBitwer ein unbe- 
fdiränfteS ®iSpofitionSred)t über baS Vermögen jufteljen foUe. 

Stuf 2lntrag ber ©taatSanwaltfdjaft würbe burd) Vefdjluf? 
beS 2tmtSgeridjtS su 9t. ju ©unften ber ©taatsfaffe wegen 
ber biefer juftefyenben gorberungett baS bem ©djtdbner gegen 
feinen Skater angeblicf» erbredjtlid» juftefjenbe Slnteitörec^t an 
bem 9tad)laf3 feiner 9Jtutter, weldfer fid) im ungeteilten Vefig 
beS latere befinbet, gepfänbet unbefdjabet beS lebenSlänglidien 
Verwaltung** unb 'JtufsnieffungSredjtS bes SDrittfdntlbnerS. 3u; 
glcid) würbe ber ©taatSanwaltfdjaft ber bejeicfinete 2lnfprud) 
auf ,0bt)e beS betrag*? ber fyorberung jum Ginjug iiberroiefen. 

©egen biefen Vefdjluft ift feine Vefdjwerbe erhoben. 

£ie ©taatSanwaltfdjaft hat hierauf bei ber $Eeüung-jbe= 
Ijövbe ben 2lntrag geftellt, bie aufgefdjobene Goentualteilung 
über ben !Tfadt)lafj ber SOJutter beS Qacob 33. nadjjufjolen. 
®iefer Antrag würbe abgelehnt, wogegen fid) bie ©taatSanmalt* 
fdjaft befdjwerenb an baS Stmt^geric^t ju 9t. menbete, welche* 
aud) ben Vefchtuff ber fEeilungSbehörbe auftjob unb biefelbe 
anroieS, bie Goentualteilung oorjunehmett. Stuf weitere Ve- 
fdjwerbe bes Vaters beS h at Hd) baS DberlaitbeS- 

geridjt, inbent ei auf feiner früheren Stuftest befjarrte, folgenber-- 
mafren ausgcfprodjen : 

9fad) bem Inhalt ber Verfügung beS 2lmtSgerid)tS ju 9t., 
gegen beren ©ittigfeit eine Gintoenbung nid^t erhoben wirb, 
ift baS 9ted)t beS ©djulbners 3afob 33- auS ber ©emeinfdjaft, 
roeldje swifdjen ihm unb feinen 9Jfiterben an ber unterteilten 
im ftatutarifdjen 'Jtiefjbrauch unb in ber Verwaltung feines 
VaterS beftttblidjen Grbfdjaft feiner Vtutter beftetjt, mit Giw 
fd^lufi beS if)tn an feinen Vater sufteljenben 2lnfptud)S auf 
2tuSeinanberfetjung unb Verausgabe beS if)m bei bereinftiger 
Stuftöfung ber ©emeinfdjaft jufonttnenben 2InteifS auf gruub 
beS § 754 ber Gioilpro$ef;orbuuug mit ber 2Birfuttg gepfänbet 
worben, baf? ber ©dtulbner (fafob V. nidjt tueftr berechtigt 
ift, über biefen 2Iuteit junt 3tacf)teil feiner ©Iäubigeriu $u oer= 
fügen unb baff feinem Vater uerboten ift, ihm biefen 2lnteil 


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A. in ©u>i[facf)en. 38. 


307 


auSjyufotgen. ®urch bie gleichzeitig oerfügte tleberweifung 
biefeS SlnteilSred&tS an bie ©läubigerin jum (Sinjug ift teuere 
ermächtigt worben, fid^ aus bent bur<h biefe ^fänbung be= 
griinbcten ißfanbredjt an biefem 2lnteilSre<hte für ihre ©elb= 
forberung Vefriebigung 3 U oerfdiaffen unb ju biefem Vehufe 
bas bent .Qafob 33. jufte^enbe Siecht auf SluSeinanberfefcung 
bes gemeinfchaftlichen SladjlaffeS auSjuüben. 3« biefem Siecht 
auf Sluseinanberfejjuitg ift auch baS Siecht auf Slachholung ber 
©oentualteilung inbegriffen, meil leitete eine wenn auch uit= 
oollftänbige SluSeinattberfelJung bilbet unb, wie überhaupt bie 
SluSeinanberfefmng, bie Verfolgung bes überroiefenett SlnfpruchS 
ju ermöglichen ober roenigftenS ju erleichtern geeignet ift. 

3>abei ftefjt ber Ausübung bes Siedhts auf Slachholung 
ber ©oentualteilung nicht, mie ber Vefdjwerbeführer geltenb 
macht, bie angebliche ©igenfdjaft biefem Siechte als eines hö<hft= 
perfön liehen im SBege. ®er 2 lnfpru<h auf biefe 2 lrt ber $ei= 
lung ift tielmehr nicht anberS, als ber auf Siealteilung ge= 
richtete, ber Ausübung nach in ber 2 Beife übertragbar, baf? 
ber ©laubiger, welcher ben ^eilungsanfprud) feines ©djulbners 
ausübt, nicht mehr Siechte geltenb machen faitn, als feinem 
<5<hulbner pftehen unb fi<h bie ©inreben aus beffen ißerfon 
gefallen laffeit muff. biefe Uebertragbarfeit fpricht auch 
ber ©runbfah, wonach im ber ©röffttung bes .tionfurfes 
über einen ÜJliterben bie Vornahme ber aufgefchobenen @oen= 
tualteilung non bem .Uonfursoerwalter oerlangt werben fann '). 
dagegen liegt in bem oerwanbtf<haftlid)en Verhältniffe jwifdjen 
bem £interfaH*erben unb bem iiberlebenben ©begatten fein 
©runb zur Slusfchließung biefer Uebertragbarfeit, wie fchon 
baraus hernorgeht, baff ber |>intetfallSerbe nach Sanbr. Sh- 
1Y. tit. 15 § 3 feinen Slnteil an ber ©rbfdjaft ju oeräufjern 
berechtigt ift , unb in biefem $alle bet neue ©rwerber als 
Teilhaber in bie ©rbgemeinfehaft mit bem Siebte, bie Seilung 
ju nerlangen, eintritt. ©benfowenig bietet ber Inhalt ber 

1) Stieg Hb, Äommentar j. Ronl.D. 6. 320 Stnmerl. ; 93 r e i t= 
ting, ©tunbjüge beä RonfurSrecbtS S. 86 3tnm. 2; Bofdier, 3eitfc^r . 
». 18, ©. 233, 21. 20, S. 267. 


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308 ©ntfdjeibungen beö Cberlanbeägeriditä. v 

Uebereinfunft oom 24. gebruar 1864 einen 2lnf)altspunft bafür, 
baß mit ber 23eftimmung, burd) welche bie fUacßholung ber 
©ocntualteilung oom Verlangen eines ^Berechtigten abhängig 
gemacht wirb, bie 2luSübnng biefeä 3ted)ts auf bie junädift 
berechtigten fDtiterben befdhränft fein folle, ba mit biefer Raffung 
ber Uebereinfunft nur ber regelmäßig eintretenbe galt ber 
2lusiibuitg biefes 9ted)ts burd) einen ber ’Jtächftberedjtigten 
93erüdfid)tigung gefunben hot. 

3ft bi ena $ bie ©läubigerin burd) bie ftattgehabtc Ueber= 
meifung junt Verlangen ber 9ia<hbofung ber ©oentualteilung 
an unb für fi<h berechtigt, fo treffen im »orliegenben gall bie 
ÜBorauSfeßungen berfelben 3U, weil e3 inSbefonbere aud) nach 
21. 36 3ifh 1 be4 'Jtot.@ef. ber 9lad)weifung einer ©efährbung 
be3 Vermögens burch ben nußttießenben ©heflatten nidßt bebarf. 
Jpienach k. 

©efcßluß b. 1. ©ioilfenafcS be» OberlanbeögeridBS oom 
3/27. Februar in ber Sefdjwerbefache bes Johann 33. 
oon Sdjro. 


flrntfdjetiitingen öes ©bcrlanbcsgcridjtB. 

B. in ©traff ach en. 

18. 

JSut Auslegung bes %tt 5, Jtiff. 3 bts i’anbesgrfrhes, brtr. 
bit Aufhebung brr befreiten (6erid)tsftänbe oom 17. 3tug. 1849. 

Straffenat , Sefdjluß o. y a n _ 1888 ’ 9 f 9 tn IH. 
oon <S. $um. 4. o. 1888. 

T'as ft. 2lmt4gerid>t !g. hatte am 30. 2lug. 1887 gegen 
beit jum aftioen .pecre gehörenben güfilier ©h- 2)t. oon ©. 


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B. in ©traffad&en. 18. 


309 


unb gegen fünf ^erfonen bürgerlichen ©taubes einen ©traf= 
befehl gemäfj § 360, 3iff- 11 be$ 91.©t.©.2f. unter ber 93e= 
fd;utbigung erlaffen, baß fie (am 2C. 2 c. ju 2C. 2C.) burd) Qofjlen 
unb ©d;rcien ungebiif)rlid)eriüeife rufjeftörenben 2ärm erregt 
haben. 3 u folge 6i nfpr ud)3 ber 5 letztgenannten ißerfonen fanb 
gegen fie am 13. ©ept. 1887 oor bem ©d)öffengerid)te ju £. 
bie .fjauptoerhanblung ftatt, reelle mit ihrer Verurteilung 
wegen jener Uebertretung enbigte. ©päter erfolgte bie 3 U - 
ftettung beS ©trafbefehts an ben $üfilier 61). 2J1., roeldjer nun 
gleichfalls Sinfpruch erhob. ©rft nach jener 3 u f tc fl un 9 trat 
ju Xag, baff 6h. 9)?. fd)on jur 3 e 't ber £h°t jum aftiocn 
§eere gehörte, roorauf baä 21mtsgerid)t fid; für unjuftänbig 
3 ur Slburteilnng beS 61). 2)1. erflärte, inbetn es unter Sejitg- 
nahme auf fein Urteil oom 13. ©ept. 1887 baooti auSging, 
ba& jeber ber Slngeflagten „für fi<h eine felbftänbige lieber- 
tretung" begangen l)abe unb baß beSfmlb gegen 61). 2)1. bie 
militärgerichtliche 3 u f*änbigfcit begrünbet fei. £a bas Äom= 
tnanbo be$ SlegimentS, roeld;em 6t). 2)1. angeprt, ber 2lnfi<ht 
beS SKmtSgeridtfes fich nicht anfdjlofj, gelangte gemäß 2lrt. 3 
beS ©efetzes jur Ausführung ber 91.©t.iß.0. oom 4. 211ärj 
1879 bie 6ntfd)eibung biefes ©treits über bie 3uftänbigleit 
an ben ©traffenat beS St. OberlanbeSgerichtS, toeld;er unterm 

i <> i qqq bürgerliche ©encpt als juftanbtg jur 

4. vjan. loo8 

Verljanblung unb 6ntfd)eibung ber gegen ben güfilier 61;. 2)1. 
anhängigen Straffad)e erflärte. $iebei fprad) fi<h ber ©traf= 
fenat bal;in auS: 

91ad) bem Qnl;alt beS arnt'j richterlichen, gegen fämtlidhe 
Sfefdhulbigte am 30. Aug. 1887 erlaffenen ©traf befehle im 
3ufammenl;alt mit ben oorauSgegangenen 6rhebungeit, meld;e 
auf ein gemeinfdjaftliche^, mefentlid; burd) bie Wemeinubaft 
lid;teit rul;eftbrenb mirfenbeS, in fohlen unb Schreien be^ 
fteßenbes ftanbeln fänttlicher Vefd;ulbigten fünroeifen, ift nid;t 
ju bejtoeifeln, baft bas Amtsgerid;t bei bem ftrafredjtlid;cn 
6infd)reiten gegen 6h- 2)1. nnb bie fünf anbern, bem bürgen 
liehen Stanb angel;örenben 23efd;ulbigten eine gemeinfd)afts 


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310 


®ntfd}etbungen beö Dberlanbeägericfitä. 


ltd) oon ißnen allen ausgefüßrte Uebertretung ber bejei<ß= 
neten 2trt angejeigt gefunben ßat (9t.©t@.S3. § 47), toonadß 
fie fämtlidß befdjulbigt roaren, ficß au ber nämlichen Strafbaren 
$anblung beteiligt ju tjaben. Jpieburd) rourbe gemäß 2lrt. 5, 
3iff. 3, be3 ©efeßeS, betrcffenb bie Aufßebung ber befreiten 
©ericßtsftänbe oom 17. Aug. 1849 bas bürgerliche ©eridßt 
in Anfeßung aller Vefcßulbigten jum Verfaßren unb jur ©nb= 
entfcßeibung juftänbig. 33ei biefer 3uftänbigfeit müßte es, 
toas bie nocß nicht erfolgte Aburteilung be$ ©ß. 9Jt. anbe= 
langt, aucß bann fein Verbleiben ßaben, toettn anjuneßmen 
märe, es fei auf beit ©runb be3 weiteren, nacß ©tlaß be3 
Strafbefeßte ftattgeßabten VerfaßrewS baä fcßöffengericßtlicße 
Urteil oom 13. ©ept. 1887 oon ber (in SBirflicßfeit übrigens 
in bemfelben nicht jum Ausbrud gelangten) Aitfcßauung aus= 
gegangen, baß jeber ber bamals abgeurteilten fünf Angeflagten 
„für ficß eine felbftänbige" Uebertretung begangen ßabe. 


19. 


1. Sirtb in ber llroiftonsinftnn^ neue lürtueiserßebungen 
über bie redjtjeitige Stellung bes Strafantrags juläfftg? (St.|lr.<0. 
S 376. § 260.) 

2. (Genügt ?ur Uegrünbung ber (finftelhing bes Uerfaßrens 
gemäß § 259 ber St.^r.W, bie f eftftellung bes Snjtanjridjters, 
baß bie (finßaltung ber ^ntragsfrift (§ 61 bes St.tö. U.) nidjt 
entliefen fei? 

Urteil bes Straffenats oom 18. 3annar 1888, g. 11. S. in Hl. 

®ie oon ber lebigen Q. 9t. in 91t. gegen bie Gßefrau 
be3 3- ©• baf. am 19. Auguft 1887 eingereidjte ißrioatflage 
batte beleibigenbe Aeußerungen sum ©egenftanb, toelcße bie 
Angetl. gegenüber ber 9)i. ©. unb ber 9 )t. 2B. in 91t. getßan 
ßaben follte uttb oon toelcßen ber ißrioatflägerin bureß leßtere 


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B. in ©traf fachen. 19. 311 

Beugin längere 3 e ‘* üor ©r^ebung ber ^rioatflage ÜJlitteilung 
gemacht worben mar. 

TaS Urteil I. ^nftan§ hatte auf Einteilung beS Ver- 
fahrens wegen »erfpäteter Stellung beS Strafantrags gelautet, 
ba bie 3 e W0in 2B. in ber |»auptüert;nnblung auSgefagt hatte, fie 
habe bie fraglichen erften 9Ritteilungen ber -^rioatflägerin fpäte- 
ftenS am 16. 17. ober 18. 9)fai 1887 gemad)t. Tie ^Berufung 
ber s ^rioatflägcrin tourbe »erroorfen, inbem ber VerufungS= 
ric^ter ausführte, baf? 3 mar bie B eu 0i n 9B- in II. Buftanj 
il)re 2lugaben geänbert unb nunmehr jene -Mitteilungen in 
eine fpätere B e i* (®nbe Mai ober anfangs Quni) »erlegt 
habe, baff aber biefe neue 2IuSfage »erbäd)tig erf^eine unb 
bafs beshalb nicht als ertoiefen ju erachten fei, bafj bie Mit= 
teilung wirflich ju einer fpäteren als ber in I. Bnftanj feft= 
geftellten Beit ftattgefunben habe. Tie s Jie»ifion, Darauf fufienb, 
baß ber 9le»ifionSrid)ter bei Prüfung beS Strafantrags an 
feine Scljranfe gebunben fei, beanspruchte bie Vornahme um= 
faffenber tl;atfächlicber Erhebungen »or bem 9ie»ifionSgerid)t über 
Beit unb Inhalt jener Mitteilungen ber Beagin 2B- an bie V r *' 
»atflägerin, unb machte euentuell rechtsirrtümliche 2lnwenbung 
beS § 61 beS St.Ö.V. geltenb. Tie Steoifion mürbe »ermorfen. 

2lus ben ©riinben : 

1) Ta bie gef etlichen Veftimmungen über ben Strafantrag 
nicht auSfcbliefUid) projefjualer Matur finb, fonbern jugleich bem 
materiellen 9ied)t angehören, fo fteht einer Meoifion, welche fidt) 
auf Verlegung jener Veftimmungen ftü^t, ber § 380 ber St.^r.D. 
nidjt im 2Bege. Tie Meoifion geht nun aber weiter baoon aus, 
bafc bas Meuifionögerid)t bie *vrage, ob ber Strafantrag red)t= 
jeitig geftellt fei, ohne j e b e Einfdhränfung ju prüfen 
habe, unb tritt bafür, bah bie Straffammer mit Unredjt bie 
Zugaben ber oor ihr oernommenen Beugen, fpejiell ber M. 
2B. fo, wie gefchehen, feftgeftellt unb gemiirbigt habe, VemeiS 
an burd) Vorlegung »on Vriefen unb Benennung »on 3eugen, 
unb 3 war teils neuer, teils ber fd)on gehörten, beren wieber= 
holte Einuernahme beantragt wirb. 

MUcrbiitgS hat nun ber 3ieoifionSrid)ter bie g*age, ob 


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312 


Gntfdjeifeur.geu beS DberlanbesgentfjtS. 


ein wirffamer Strafantrag oorliegt, felbftänbig auf grunb ber 
Sitten 5 U prüfen. SDiefe VefugniS ift jebod£> feine unbegrenzte. 
©S fte^t it)r gegenüber baS non beut ©efe| bem Qnfianzrichter 
Ztigemiefene Stecht ber freien VeweiSwiirbigung. — 3»« »or^ 
liegenben $aH gebt aus ben Sitten b er °OG bafs ber Strafe 
antrag am 19. Slug. 1887 gefteHt ift. SBann bie Slngeflagte 
bie fraglichen Sleufterungen getban unb mann bie StntragSs 
berechtigte bieuon burch bie 3eagin SB. Kenntnis erlangt bat, 
tonnte nach Sage ber Sache nur aus bem Qubalt ber 3eugem 
auSfagen, alfo auf bem SBege ber ^Beweisaufnahme erhoben 
werben. ®ie hiebei oon bem 3 n ftaHzridjter a uS bem 3»nbe= 
griff ber Verhanblung geköpfte freie SSürbigung ber Slngaben 
unb ber fperfönlicbfeit unb ©laubwiirbigfeit ber 3 eu flen ijt 
ber 'Nachprüfung in ber Steoifionsinftanj gänzlich entriicft unb 
es ift restlich unjuläfeig, tjiebei zwifdjen bettjenigen SluSfagen 
eines 3 eugen, welche ficb auf bie £h a tf ra 9 e , unb benjenigen, 
bie fid) auf bie tbatfädjlicben VorauSfefjungen beS Strafan-- 
trags beziehen, z» unterfcbeiben. SBenit alfo ber oorige Stifter 
auf grunb beS GrgebniffeS ber VeweiSaufnabme angenommen 
hat, es fei nicht erwiefen, bafe bie erfte Mitteilung ber 3 eu 9‘ n 
SB. an bie fprioatflägerin fpäter als am 18. Mai o. 3- ftatt- 
gefuttben habe, fo finb in betreff biefer t>on bem ^nftanzricbter 
auf feinem eigenften ©ebiet in unanfechtbarer SBeife getroffenen 
thatfädblicben geftftellung neue Beweiserhebungen in ber Sie; 
mftonSinftanz gefegfidh unftatthaft. 

2) ©inen StedhtSirrtutn aber laffcn bie Grmägungen ber 
Straffammer nicht erfennen. inwiefern ein Verftoft gegen 
§ 61 beS St.©.33. barin liegen foH, bah bas ©ericbt bie ©im 
rebe oerfpäteter Slntragftellung barauf allein h*a für begrünbet 
erachtet habe, weil nicht erwiefen fei, baff bie ermähnte Mit 
teilung fpäter als 18. Mai erfolgte, ift nicht erfinblich, ba ber 
SlerufungSricf)ter zur ©infteUung bes Verfahrens gelangen muhte, 
wenn er bie Ueberzeugung, bah ber Strafantrag rechtzeitig ge= 
ftellt fei, nicht gewinnen tonnte. 


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B. in otraffacfien. 20. 


313 


20. 


feftneßmung jum JJnicdt btt llerljiniierung »on flerijtsoer= 
Übungen. 

Srrtum bfs einem Uollltreduingsbramtrn in bft rrdjtmößigru 
Ausübung feines Hintes tUibcrftanb füeiflcnben bejiiglid) brr 
ilcdjhnnßigkfit brr Jlnitsßanblung. 

ptjugnaljmt auf bie (£ ntfdjribungsgrünbc brr friiljrren inltniij. 
§§ 113. 223 a bts St.iü.S. §§ 112. 127. 266. 380. 
brr St.p.b). 

|lrt. o. 27. ;&prtl 1887 gegen 3. Sp. uon £. Ilutn. 113 

«. 1887. 

$ie 9ieoifion beS 2lngef tagten betraf feine Verurteilung 
wegen je eines VergeßenS beS ©iberftanbS gegen bie ©taatS-- 
gewalt unb ber Äörpernertcgung (§§ 1 13 u. 223, a beS©t. 63. 33.). 

9iadfj ben geftftetlungen beS angegriffenen VerufungSurteilS 
lag folgenbcr ©acßoerßalt nor. Qm |>aufe beS 2tngeE(agten 
3 U 2. waren mehrere ©adßeu, bie feinem nidjt bei ißm wot;= 
nenben Vater gehörten (Viel), SBagen nnb anbereS), unterge= 
bradjt. Qn 5°*0 e eines ©treiteS mit feinem Vater fteltte ber 
Stngeflagte jene ©adf)en auf bie ©trage, was erfteren neran= 
anlajite, potijeilict)e |fi(fe anjurufen. £ro {5 ber 33emiißungen 
eines auf bieS ßerbeigefommenen ^otijeibienerS ließ ber 2lnge= 
ftagte fid) nid)t bewegen, bie ©aeßen wieber in fein |iauS aufju= 
nehmen. 2EIS nun eine ©djroefter non it>m hierüber ißm Vor= 
würfe madjte, ging er mit einer gaffbaube auf fie loS ; ba= 
jroifeßen tretenbe 9iad)barn nerfjinberten aber eine 2J7ifjt;anb= 
lung berfelben. SiefeS ©ebaßren beS 2tugef(agten erregte bie 
©ntri'tftung ber ganzen 3iad)barfd)aft nnb nerantafste einen 
grof?en 3»iammentauf non Vtenfd)en. 9iad) Eur^er 3eit ging 
ber Slngeflagte mit einem ©ecfelgtaS non feinem .pauS aus 
auf bie ©trage an einen Brunnen, wo er mit 3* '-3., einem 
noit benen, wetetje feine ©djwefter gegen ifjn in ©djug ge= 


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314 


Sntfdjeibungen be§ ObertnnbeSgericfitS. 


nommen Ratten, einen 2öortroed)fel anfing, in beffen Verlauf 
er ba3 ©tag in einer Entfernung non etrna 10 Stritten nach 
bcm unter feiner |>au3t[)üre fte^enben V. roarf, fo baß 
(euerer non bem am X^iirpfoftcn jerfdjellenben ©la$ geftreift 
unb am ©djeitel leidet nerrounbet mürbe uub infolge biefer 
Verlegung ein ooriibergehenbe? Uebelfein beEam. ©in im 
jroifc^eu mieber herbeigeEotnmenet ^olijeibiener, 33., nahm nun 
„jur 2 Bieberf)erftellung ber non bem 2 lnge£lagten (inbem er 
„baö Vieh feine? VaterS beljarrlid) au§ feinem ©tatte au& 
„fdjlofj unb es auf offener ©trafie fielen taffen wollte) ge^ 
„ftörten öffentlichen Drbnung'' unb jur Verhinberung meiterer 
ju befürd)tenber ©eroaltttjätigfeiten be§ aufgeregten 9lnge= 
f tagten, roie bie non if)m gegen feine ©djinefter unb gegen 
ben Vachbar begangenen, ben SIngeElagten auf ber ©trafie feft. 
Se^terer roeigerte fid) aber, ohne fd)riftlid)en Haftbefehl §olge 
ju teiften, unb mehrte fid) burd) ©toßen unb ©plagen u. f. in., 
al£ ber ifiotijeibiener V. |>anb an il)n legte unb mit ^itfe 
britter itfn abjuführen fich anfdjicfte; enblid) gelang e3, ben 
2 lngeflagten in ben Ort3arreft ju tragen. 

2>ie Venifiott machte fehlerhafte 2lmoenbung bes? ©traf: 
gefe^e? auf ben feftgeftettten ©ad) 0 erl)alt gettenb, inbem fie 
bezüglich ber Verurteilung roegen ber gegen V- begangenen 
Äötpernerlehung namentlich bie mangetnbe ^eftftettung beä Vor 
f a $ e 3 unb l)infid)tliä) ber Verurteilung megen SÖiberftanb* 
gegen bie ©taaüSgeroatt unter Slnberem rügte, baff bie §§ 113 
unb 59 be3 ©t.©.V. oerlefct feien, roeit ber 2lngef tagte , roie 
ihm non bem Verufungeririf)ter nicht nerroorfen roorben, feine 
^■eftnehmung für eine gefefsroibrige gehalten, unb roeil nicht 
erfichtlid) fei, roorauf fid) thatfädi)lich bie geftftellung griinbe, 
bah bie geftnehmung aud) 3 u r Verhütung roeiterer 
21 u s f ch r e i t u ti g e n be*? 2 lngeflagten erfolgt fei, roährenb 
eä gemäh § 266 ber ©t.ffß.O. — bei bem feitens bes 2 lnge- 
flagten erfolgten Veftreiten ber VedftmähigEeit ber 2lmt3au3= 
Übung — einer folchen thatfädjlichen geftfteilung beburft hätte. 

®a<? Obertanbeägericht f)o& ba? Urteil ber nötigen Qn* 
ftanj, foroeit es bie Verurteilung be3 VngeElagten roegen Äör: 


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B. in Straff adjett. 20. 


315 


pernerlegmtg betraf, unb t)inftdf)tlid) ber erfannten ©efamt- 
ftrafe auf unb wieg inforoeit bie ©a<he jur anberroeitcn Ver= 
hanblung unb ©ntfcfjeibung juriicf, roogegen bie Renifiott in betreff 
ber Verurteilung roegen SBiberftanbS gegen bie ©taat-Sgeroalt 
nermorfen mürbe. ®ie ©riinbe beS RenifionSurteilS befagen 
roaS bie Verurteilung rnegen bes lederen Vergehens anbe= 
langt u. 21.: Qn bem VerufungSurteil ift bie rechtlich ni<f>t 
ju beanftanbenbe unb auch nicht gerügte $eftftellung ju fiitbeit, 
baf? ber 2lngeflagte einem in Ausübung feinet SlmteS befind 
liehen VoUftrecfungSbeamten, bem ^oltjeibiener V., unb am 
bereu fjiebei jur Unterftügung beSfelben äugesogenen iperfonen 
burdh ©eroalt Sßiberftanb geleiftet fjabe , unb jmar um ben 
Vollzug ber uon jenem Veamten bef«f>loffenetx ^eftne^mung 
beS Rngeflagten su nerhütbern. 3>aS VerufungSurteil nimmt 
ferner an, jene RmtSauSiibung fei eine rechtmägige geroefen, 
foroogl roaS bie ihr }u grunb liegenbe Riagregel ber geft= 
netjmung beS Rngeflagten an fidf>, als was bie 2lrt unb SBeife 
ihrer Durchführung betrifft. Rnbelangenb nun ben in erftcrer 
$infid)t angeführten ©runb, baff nämlidh bie geftnehtnung jur 
SBiebertjerfteßung ber non bem Rngellagten geftürten öffent= 
liegen Drbnung unb jur Verljinberung ju befürdgtenber ®eroalt= 
tlfätigfeiten beSfelben erfolgt fei, fo lann bie auf angebliche 
Verlegung beS § 266 ber ©t. s p.D. toegen mangelhafter that- 
fächlicher Vegriinbuug biefer geftfteHung geftügte, bie Ver; 
legung einer Rechtsnorm über baS Verfahren geltettb machenbe 
Rüge ber Reoifion im fnnblicf auf § 380 ber ©t.^.D. eine Vea<h= 
tung nicht ftnben. Die norberridhterlidhe 2lnnahme felbft aber, 
bag bie auS ben gebadjten ©rroägungen erfolgte jyeftnehmung 
an fich eine recgtmägige ImtSauSübung getoefen fei, ift jebem 
falls infofern frei non RedhtSirrtum, als fic nott ber 2lnfcf>au= 
ung auSgeht, bag bie ©orge um Rufrechterhaltung ber öffent= 
lidgen Drbnung unb ebenfo bag bie begrünbete VeforgniS ber 
Verübung non |>anblungen, roeldf)e eine ftrafbare Verlegung 
ber Rechte (Sinjelner enthalten mürben , ben mit jener ©orge, 
bejiehungsroeife mit ber ^anbhabung bes ©cgugeS bes i)3ub= 
lifumS gegen ftrafbare RechtSnerlegungen betrauten Drganen 


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316 


Sntfd)eibungen be§ 06erlanbe$geri<ht3. 


ber ißoligei b ae fRed)t gibt unb bie Pflicht auferlegt, benje= 
nigen feftgunebmen, melier bie öffentlid^e Drbnuitg ftört ober 
non welchem ftrafhare Verlegungen ber Sterte 2lnberer gu be= 
forgen finb, wenn biefe ffeftnehmung als eine gum 3wed ber 
2Iufre<hterhaltung ber öffentlichen Drbnuitg, begiehungSweife 
gum Scbu& ber bebroljtcn Siedete ©ingelner geeignete unb er= 
forberIicf;e iDiaftregel erfdjeint. ©in fRechtSirrtum ift aber auch 
barin nidjt gu finben, bnü baS VerufungSurteil, inbem eS ben 
Voligeibiener V. als einen mit ffunftionen ber gebauten 3lrt 
betrauten ipoligeibeamten anfiefjt, in bem feftgeftellten ©adp 
nerfjait bie ^Rechtfertigung feiner SOiaferegel ber ffeftnetjinung 
bes 2lngeflagten beShalb gefunben l)at, tneil fie gur Verhüt; 
berung gu befiirchtenber ©ewaltthätigfeiteu beufelben gegen 2tn= 
bcre, alfo gur Versilberung nott bie 9ted)te ülnberer ner- 
lefcenben flrafbaren |ianbtungen gefchal). @S lann bafjer ba- 
SngefteHt bleiben, ob aufierbem eine bem 2lngeflagten gur 
fcaft faüenbe Störung ber öffentlichen Drbnung in bem, was 
bie geftftellungen be? VerufungSurteilS als foldie begeid»nen, 
gu finben unb ob and; bieS als bie <f c ftnehmung rechtfertigenb 
angufehen fei. 

gutreffenb unb aud) oon ber fReoifion nicht beanftanbet ift 
ferner bie 9lnfd)auung bes oorigen SRidjterS, bajj bie gebuchte 
ÜRaftregel eines (bent ipoligeibiener V. oon einer t)orgefe|ten 
MmtSfteöe fdjriftlid) erteilten) Haftbefehle nicht beburft habe, 
unb aud) barin t) at er nicht geirrt, baff er einen etwaigen 
Irrtum bes 2lngcf(agten in biefer Stiftung für bebeutungsloS 
anfal), ba ttad) ber richtigen, oon bem DberlanbeSgericht roieber- 
l)olt (g. V. am 13. ®egemb. 1882 — gu »ergl. SBürtt. 
©er.Vl. Vb. 21, S. 59) auSgefprodjetien 3lufid)t baS Verouf?t= 
fein bes Xi)ätere oon ber fHcchtmäjngfeit ber 2lmtshanblung 
nicht gu ben Xhatbeftanbemertinalen beS Vergehens bce§ 113 
bee St.Ö.V. gehört '). 

1) 3u oergl. aud) Urt. b. Straff, b. D.£'.@ Stuttgart oom 12.35ej 
1885 gegen 3B. S. oon : ©egen ben wegen SßiberftanbS gegen bie 
Staatsgewalt gemäfi S 113 beS St.® 33. oerurteilten Slngetlagten war 
feftgefteüt, baß er in feiner üöoijnung burd) iarmenbed Streiten mit 


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B. in Strafferen. 20. 


317 


2BaS aber bie Verurteilung tuegen eines Vergehens ber 
uorfcihlichen .ftörperoerlehuug int Sinne beS § 223 a beS 
St.©.V. anbelangt, io roar bie ffteoifion non Srfolg, benn — 
fo fahren bie ©rünbe beS SteoifionSurteilS fort — baS Ve= 
rufungSurteil entbehrt ber erfotberlichen thatfädjlichen ©runb= 
tage, infofern £batfaä)en nid^t angegeben ftnb,. in melden ein 
norfäglidheä Verühen jenes Vergehens unb eine ber in 
§ 223 a beS St.©. 8. bejeid^neten Qualififationen einer nor= 
fä^Iid^en .ftörperoerle( 3 ung ju finben wäre. 3» festerer jgin; 
fic^t ift namentlich ju etioiigen, baj? bie in ben ©traf jumeffungS= 
grünben beS VerufungSurteilS enthaltene ©emerfung non ber 
„©efährlidhfeit ber |janblungSroeife" beS 2lngeflagten feineS= 
roegS einen ber in jenem Paragraphen enthaltenen gälle becEt. 
— 3tnar fagt baS VerufungSurteil, bafe bie ^auptnerhanblnng 
jroeiter ^nftanj „im 2B e f e n 1 1 i dh e n" biefelben thatfächlidjen 
geftfteHungen, roie bie ^auptnerhanblung erfter ^nftanj, ergeben 
habe. Slllein eine berartige nicht burdhroeg, fonbern nur jum 
Xeil auf bie geftftetlungen einer früheren Qnftanj bejug net>= 
menbe ©egrünbung ift unjuläßig, ba fie ^roeifeln barüber 
9taum gibt, ro e l <h e ^eftfteüungen bes früheren 9tid)terS es 
finb, bie ber ©erufungSridhter für roefentlich erachtet unb fich 
angeeignet hot. ®ie in bem VerufungSurteil gegebenen, allein 
in betracht tommenben ©rütibe ftellen alfo nicht aujjer 3 roe if e 4 


feiner Stjefrau baä Sinfdjreiten oon Potijeifolbaten oeranlajjt unb trof> 
Sermarnung unb SHnbrotjung mit Sinfperren burd) erneute« Schreien unb 
Stürmen Slanbal erregt hotte, worauf er in feiner SßoEjnung burch bie 
^olijeifotbaten feftgenommen unb in ben OrtSarreft abgeführt mürbe, 
wobei er ffiiberftanb leiftete. Sie Steoifion be« Ängefiagten würbe »er* 
morfen, inbem angenommen würbe, bafi bie ^olijeibeamten burch bie 
ben JfeftfteDtungen jufotge oon bem Ängetlagten bewirtte Störung ber 
öffentlichen Drbnung unb ben oon ihm gegen bie bejügtichen 9lnorb= 
nungen ber juftänbigen Beamten bethätigten Ungehorfam jur ©rgreifung 
oon 3 TOan 0 gma 6 regeIn unb ju gemaltfanter Abführung beö Stngetlagten 
oerantafst unb berechtigt waren. Sergl. ferner Sntfch- b. 9t.@. in Straff. 
Sib. III, S. 185 (II. 11. 1. 81.); ebenbafelbft S3b. IV. S. 101 (111. 13. 
4. 81). (». b. Sinf.) 

3abtbüd)er b. ffilirttembj. Rechtspflege. I. 22 


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318 


©ntfrfjeibungen beä Dbetlon besgeridjtä. 


ob bie als erroiefen erachtete« Shatfadjen ben 3$at6eftanb bes 
gebadeten Vergehens becfert '). 


21 . 


Pirk IJtrltkung einer ftedjtsnorm über bns flerfaljren ge= 
rügt, nienn bie Iteoifion |id) barau^ ftüijt, bafj burtf) bas Urteil 
bie Slage nidjt erfrfjöpft werbe ? 

§§ 263 u. 264 b! $t.f?.®. 

Urteil o. 5. (Okt. 188? geg. %. P. o. tt. wegen peleibigung. 
llum. 169. o. 1887. 

llebereinftimmenb mit ber 2luffaffung ber Auflage hatte 
baS Urteil erfter ^nftanj ben 2lngeflagten roegen jroeier 9?er- 
gefjen ber 33eleibigung im Sinne beS § 186 bes ©t.Q.iB. ju 
©träfe oerurteilt, wogegen baS auf bie Berufung beS 2lnge= 
{'tagten ergangene Urteil jmeiter Qnftanj auf greifprechung bes 
2lngeflagten lautete. ®aS 33erufungSurteil hat nämlich jroat 
als feftgeftellt angenommen, baß ber 9(ngetlagte in ben beiben 
ben ©egenftanb ber Slnftage bilbenben 91eußerungen in s öe= 
jie^ung auf ben einen ißrioatfläger unb bie @t;efrau beS an= 
beru eine fEliatfadje §anblungen berfetben behauptet habe, 
welche geeignet fei, biefelben in ber öffcntliäjen Meinung Ijerab: 
Sumiirbigen, es fiat aber abroeidjenb oon bem Urteil erfter 3n= 
ftanj als erwiefen angenommen, baß bie behauptete fEhatfadje 
wahr fei. 


1) Sßieberfjolt fcfton ift bie in 33erufung$urteiten oorgelommene 33e* 
grünbung : baft ba$ 35erufungSgerid)t mit ben ^eftftellungen beS SRidjterS 
erfter Qriftanj „in ber §auptfact)e", „im SBefentlitfjen" einoerftanben fei, 
oon bem ©traffenat be$ ObetlanbeS®. für unjutägig ertlärt roorben, 
fo: Itrt. o. 27. 3an. 1886 geg. 3Jt. K. o. ®. roegen Unterf$tagung, o. 
22. ®ej. 1886 geg. 3t. ©. o ®. roegen 33eleibigung, o. 26. Ott. 1887 
geg. 3Ä. ®i o. £. roegen SSeleibigung. 3 U oergl. aud) Slnnalen beö 
D.S.®. SreSben S3anb V, ©eite 387 (19. 12. 83.); ffintfö. b. 9t.@ in 
©ioilf. 33b. III, ©eite 434 (I. 12. 2. 81.). (3t. b. ©inf.) 


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B. in ©traffadjen. 21. 


319 


2)ie 9tet>ifion ber s fkit>atfläger rügte Verlegung beo§ 192 
bes ©t.©.V. burd; 9lid)tanroenbung unb filmte bxefe 9tiige 
bnmit ju begriittben, baß, wenn aud) ba3 ©ericht bie non bem 
2 lngeElagte:t behauptete 3^f)atfad^e als maßr angenommen habe, 
31 t prüfen geroefen märe, ob nicht nach § 192 be3 ©t.©.V. 
in bem Verbreiten biefer fEhatfadje nach ben llmftänbeit be3 
oortiegenben Jalleä eine Veleibigung liege; bem Jhatbeftaube 
be3 angefodjtenen Urteile 3 ufolge habe ber Slngeflagte 3 toei 
ißerfonen gegenüber „ohne febe Veraitlaffuttg" bie at* roahr 
angenommene 5Eh at l ac ^^ behauptet, e§ fei aber gar nicht ab- 
3 ufehen, „roelchen anbern 2 lnlaß" 3 U biefer Verbreitung ber 
Slngeflagte gehabt habe, menn e3 nicht ber geroefen, feine 
©d)ntähfud)t 3 U befriebigen unb „bie ^rioatfläger" (foDL heißen 
ben einen ißrioatftäger unb bie ©hefrau bes anbern) an ihrer 
©hte ja fchäbigen, b. h- JU beleibigen. 

®ie 9teoifion rourbe au$ folgeitben ©riinbeit ncrroorfett: 
@3 ift außer ^^eifel unb auch »an ber Stemfion nicht 
beanftanbet, baß bie Bestellungen bes angefodhteuen Urteile 
bie Slnroettbung be$ § 186 beä ©t.©.V., auf roelchen bie er= 
hobelte Slitflage gerichtet ift, auäfddießen. 2 lber aud) bie 2 ln= 
roettbung be§ § 192 in Verbinbuttg mit § 185 be-3 6 t.©.V. 
3 U begrünbcu ift ber gegebene ©adfoerhalt nicht geeignet, in- 
bent berfelbe roeber eine über bie einfache SBiebergabe einer 
Wahrnehmung hinau-jgehenbe gorm ber $unbgebung, nodj 
irgeitb roelchen außerhalb be -3 Vereins ber .Ü'unbgebung gele- 
genen Umftanb feftftellt. ®en 9)tangel einer foldfen ^eftftellung 
oerfennt auch bie Steoifion nicht; fie rügt nielntehr gerabe 
biefen SÖJangel, inbem fie offenbar geltenb machen roiü, bafj 
eine crfchöpfenbe Prüfung be$ ©achoerhaltä nicht ftattgefunben 
habe unb baß eine folche 3 U ber fyeftftelluitg eiltet nach ber 
'Jluffaffung ber 9ieoifiou bie Slbficßt, 31 t beleibigen, beroeifeitben 
Veroeggrunbe» ber Viitteilung be» 2lngeflagteit an bie bejeidj^ 
neten ifkrfonen geführt haben roiirbe. 

3n Wirflichfeit ift fomit bie 9tiige ber 9?etnfion nicht 
barauf 3 urücf 3 uführett, baß ber feftgeftellte ©adfoerhalt bie 
2 lnroenbung be3 ©trafgefeßeä rechtfertige, fonbern barauf, baß 

22 * 


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320 


Sntfdjeibungen be$ Cberlanbeägetic^tS. 


ba3 Berufungsgericht fidj unjuläffigerweife auf bcn in bet 
9Inflage ijeroorge^obeiten ©efidftSpuntt befchränEt, alfo bie 
§§ 263 u. 264 bet ©t.^ß.O. »erlebt fjabe, womit fic^ bie 9te= 
oijton auf eine fotc^e 9te<ht$norm über baö Verfahren ftiifct, 
beren Verlegung gegenüber einem in ber VerufungSinftanj er= 
laffenen laubgeridjtlichen Urteil nach § 380 ber ©t-V-D. nidjt 
geltenb gemalt werben fann. 


22 . 

Jlagboetgeljcn: lallroilb. Sdjonjeit. (Sinjüljung bes <6r= 
mehre. St.<(5.8. §§ 292, 293, 295. 

Straffennt 1/8. Icbr. 1888. ».». g. % S<tj. in K. i!r. 21 

o. 1888. 

©egen 31. 3<h. in 9t. hatte bie ©traffatnmer in 9t. als 
VerufungSgeridjt wegen mehrfach erfdjwerten QagboergehenS 
(©t.©.V. §§ 292 unb 293) auf ©träfe unb neben berfelben 
in ©emäjj^eit beS § 295 auf ©injiehung beS |mnbeS unb bes 
©cwehrS, welche ber VngeElagte bei bem unberechtigten oagen 
bei fidh geführt hatte, ertannt. 

2lls feftgeftettt mar anäufehen, bafs berfelbe am 1. 3uni 
1887 oon feinem eigenen ^ctgbgebiet aus, auf welchem er fid) 
mit ©ewehr unb Jöunb jur Qagb ausgerüftet bewegte unb 
welkes er felbft nicht »erlieg, feinen |>unb jur ^)agb in bem 
angrenjenben fremben 3,agbbejirC (einem 2Balbe) nach einem 
oon bemfelben aufgefpiirten äöilbe oorfä^lich benügt habe. 

ferner war feftgefteüt, bah ber 3lngeflagte feinen 14 jäh* 
rigett ©ohn bem fmnbe auf baS frembe ^agbgebiet nachfchictte, 
wo berfelbe eine oerenbete dtehgeijj faitb, bie er auf ©eheijj 
feines VaterS behufs ber Slneignung in beffen ^agbgebiet 
ocrbrachte. 

®as Berufungsgericht erblicfte hier»* jugleid) eine Ver- 
legung ber ©dfonjcit. (§ 293 u. &. V.0., btr. bie .j>ege,$eit 
beS SBilbeS, oom 30. ^uli 1886, § 1. A. nr. 4). 

®ie 9teoifion rügte bie 9lnwenbung biefe-S (SrfdjroerungS: 


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ß. in ©traffadjen. 22. 


321 


grunbeS als redjtSirrtümlid» unb machte außerbem unter 2tn= 
berem geltenb, bafj auch bie ©injiehung bes ©ewefirS gegen 
baS ©efejj nerftoße. 

®aä Steoifionsgeridljt ^ob baS Urteil ber Straffammer, 
unter 2lufredf)terbaltung ber ißm jugrunbe liegenben ^eftftel- 
lungen, auf unb nermieS bie Sache jur anberweiten Verhanb= 
(ung unb ©ntfdjeibung an bas oorige ©erid^t juriicf. 

Stue ben ©ri'tnben: 

„®ie 9tüge ber 9tecifion begiigtid^ ber ©injiehung beS ©e= 
wehrS gef)t feßl. ®ie Slnwenbung beS § 295 fefct nichts weiter 
porauS, als baß ein Qagbnergchen begangen würbe unb baß 
ber Später jur 3eit ber Verübung beSfelben einen ber in bem 
§ be^eichneten ©egenftänbe bei ficß geführt hat. ®ies trifft 
im norliegenben gaE nicht bloß bejüglid^ beS .'punbeS ju, mit 
welchem ber 2lngeflagte auf bem fremben ^agbgebiete gejagt 
hat, fonbern auch bezüglich beS ©ewehrS, baS er ju biefer $eit 
nid)t etwa abgelegt hatte. ®aß er fetbft mit biefem ©emehr 
baS frembe ©ebiet betreten buben müßte, ift für bie 2lnroenb= 
ung beS § 295 ebenfowenig erforberlid), als bie non ber 9te= 
pifion »ermißte geftfteEung, baß er baS ©emehr gebraudjt 
habe, ober aud) nur, baß er wiEenS ober etwa in Vereitfd&aft 
gewefen fei, oon ber Schußwaffe gegenüber bem aufgefpürten 
2Bilb über bie ©renje hinüber ©ebraucß ju machen. 

^Dagegen fann in ©inem weiteren fünfte ber Eteoifion 
ber ©rfolg nicht oerfagt werben. 

£)er oorige 9tid)ter hat nämlidh fdhließlich angenommen, 
baß baS bem ülngeflagten jur Saft faEenbe Qagboergeßen ein 
erfcßwerteS im Sinne beS § 293 beS St.©.V. fei, unb par 
in boppelter 'Beziehung, fofern basfelbe erftens in einem SBalbe 
unb jweitenS währenb ber gefehlicßen ©dhonjeit (5t. V.D. btr. 
bie ^egejeit beö SBilbeS, oom 30. $uli 1886, § 1. A. 9?r. 4) 
begangen worben. 2)ie Sinnahme beS erfteren @rfd)merungS= 
grunbeS ift nicht ju beanftanben unb aud) non ber Veuifion 
nicht angefochten ; er trifft iitSbefottbere audh bejitglid) ber Df= 
fupation ber als gaEmilb aufgefunbenen 9tehgeiß ju, ba biefer 
2lft, wie als feftgefteEt anjufeljeu ift, ftd) burd) baS Verbringen 


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B22 


©ntfcfjeibungen beä 0&erlanbe8geruf)t3. 


be§ 2Bilb3 aus bem jum fremben ^agbgebiet gehörigen 2Balb 
auf baä $agbgebiet be3 Slngeflagten coüäogen feat. 

dagegen berufet bie Sfanafeme be3 jroeiten SrfcferoerungS; 
grunbeS auf SRedjtürrtum. ®enn bie 33eftimmuixgen über bie 
.^egejeit, innerhalb weldjer SBilb weber erlegt nocfe gefangen 
merbett barf, oerlefet berjenige nidfet, ber ein ofene fein 3utfeun 
oerenbete>3 SBilb finbet unb jur ,£janb nimmt, unb e$ fanu 
bentgemäf? ber @rfcfewerung3grunb ber Vegefeung eines 3 a ‘lb= 
ocrgcfeenS wäferenb ber ©dfeonseit auf einen biofeen 2lft ber 
2lneignung »oit AaHroüb feine 2lnwenbung finben. 

2WcrbingS fällt nun bem 2lngeflagten aud) aufeerbem ttod) 
ein 3iad)fteHen auf bem fremben 3agbgebiete jur Saft. SlUeiit 
um ifen in biefer dticfetung ber Verlegung ber ©dfeonjeit fdjulbig 
finben ju fönnen, feätte eS ber ^eftftellung beburft : entroeber, 
bafe er gerouftt feabc, ba-s oon ifem cerfolgte SSilb fei eine 
Vefegeife, ober bocfe, bafe er auf 2Bilb fdfeledfetroeg, ofene 9lürf= 
fidjt auf bie am 1. 3uni für einzelne ©attungen beftefeenbe 
©dfeonjeit, gejagt feabe. 


23. 

finbct § lßO, Safe 1 bts ßer.JJerf.fö. JUrotnbung auf 
Befdjrocrben icrgtn Bcrrofigfrung ber Hedjtsljtlfc in Brfiefeung 
auf Jthtc ber Strafoollltreikung? 

Strf.Senat 8. ftbr. 1888. ö.$. gegen <ß. fr. il. in St. iue= 
gen Betrugs. Br. 43 oon 1888. 

®a3 2lmt3gcricfet ©t. featte gegen ©. gr. 3i. oon ©t. 
eine breitägige ©efängniSftrafe wegen VetrugS erfannt unb 
um beren VoHftrecfung baö 2tmt^gerid)t £>., roofelbft 9i. fidi 
in ,j>aft befanb, angegangen. Sefeteres lernte bas Grfucfeen 
mit bem Hinweis barauf ab, bafe bemfeiben feine beglaubigte 
2lbid)rift ber llrteilsformel, fonbern nur ein „2lu3jug in ber 
ftorm eiltet ©trafbefefelS" angefdjloffeu geroefeit fei. 

3luf bie nunmefer uon bem erfud)enbeit ©erid)t gegen baS 
2lmt'jgerid)t fgi. wegen Verweigerung ber 9led)tSfeilfe in ©e= 


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B. in ©ttnffadjen. 23. 


323 


tnäfsljeit beS § 160 beS ©er.58erf.©f. bet bent DberfanbeSge* 
rieht erhobene ^efdjroerbe mürbe basfelbe ba^tn belieben, 
bafe ber ©traffenat jur Entfcheibung fjierübcr nid)t juftänbig 
fei, ba — abgefeljen baoott, baff junt 3rcecf bet ™ 3*age 
ftebenben ©trafoollftrecfung nidE)t baS Amtsgericht $., fonbern 
bie ©taatSanroaltfdhaft am Ä. Sanbgeridite bafetbft um bie 
Ausführung ju erfuchen gemefen märe (®er.93erf.©f. § 164) 
— ber § 160 biefeS ©efefceS nur auf Erfudhen um 3ie<htS; 
hilfe in Sejiehung auf r i <h t e r l i ch e A m t S h a n b t u n g e tt 
im eigentlichen ©inn Anroenbung fittbe, roähreitb bie 
©trafoottftrecfungSbehörben, unb fomit auch, im $alle bes§483, 
Abf. 3 ber ©t.ifteO., bie A m t S r i df) t e r lebiglidh als Organe 
ber Quftij oerroaltung tf;ätig unb 3JteinungSoerf<hieben= 
heiten auf biefetn ©ebiete (abgefehen oon ©t.)ßr.D. § 490 — 93) 
oor ben ®ienftauffichtsbehörben jum Austrag ju bringen feien. 


24. 

|tann bit Stnntsnnwnltfdjnft j u <$ u n ft r n 1 1 n t g J5 1 u= 
gen litfdjwerbt wegen ju niederer ^eftfchung feiner föebiiljren 
erheben ? $trf.$I.<<:). §§ 346. 338 ; ffieb.©rbnnng fiir JJeugen tc. 
§ 17 . 

Straffenat. Bcftfjluß o. 25. San. 1888. il.S. g. 3. Sd). o. H. 
wegen Betrugs. jtlr. 261 n. 1887. 

3n ber ©traffadfe gegen $. ©df). o. 3t. wegen ^Betrugs 
hatte bie ©taatSanroaltfdhaft 3t. gegen ben 33efdf)luf3 ber ©traf= 
famtner beS Ä. SanbgeridfjtS bafetbft, betr. bie ^cftfe^ung ber 
©ebührett bes in bejeidhneter ©adje als 3 eit 3 e in amtlicher 
(Sigenfchaft oernommenen ©djultheifjen ©. o. .U., 33efd)roetbe 
an ben ©traffenat beS DberlanbeSgerichtS erhoben. 

©iefelbe mürbe als unjuläffig oerroorfen. 

Aus ben ©riinben: 

®ie oon ber ©taatSanroaltfdhaft erhobene 3)efd)toerbe ftellt 
fidh, roie in Ermanglung einer auSbriicflidhen Erffärung f)ter- 


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324 ®ntfc$eibungen beö Oberlanbeägeridjtö. B. in öttaffat^eru 23. 

über aus ber ganzen Sachlage ju entnehmen ift, als lebigticb 
j u © u it ft e n beS burd) ben angefodjtenen Vefd&lufi in feinem 
VermögenSintereffe betroffenen $eugen eingelegt bar. 9iun 
finbet gegen bie geftfefjung oott 3 eu 9 e ngebii^ren in ©trof= 
fadjen nad) § 17, 2lbf. 3 ber ©ebiibrenorbnung Vefdjroerbe 
nach 9Jtaf?gabe ber §§ 346 — 52 ber ©t.ißr.0. ftatt, unb siunr 
fann nach ber allgemeinen Veftimmung beS § 338, 2lbf. 2 ber 
©t-V-D- über bie 9ted)tSmittel bie ©taatSamoaltfdhaft oon 
benfelben auch j u ©unften b e S Vefchulbigten ®e= 
braudb machen. 

2luS biefer Veftimmung ift jebodf fein allgemeines Stecht 
ber ©taatSanroaltfchaft abjuleiten, 51 t ©unften einer j e b e n 
Vcrfon, welcher bie ©t.ißr.D. in irgenb einer Stiftung ein 
^Rechtsmittel gemährt, legeres an bereu ©teile ju ergreifen, 
iuSbefonbere alfo auf ©ruttb beS § 346, 2lbf. 2 in allen ben= 
jenigen fallen, in welchen beugen u. f. m. gegen 93efcf)lüffe 
unb Verfügungen, looburdb fie betroffen merben, Vefcbwerbe 
erbeben fönneu. Vielmehr hanbelt eS fidb im uorliegenben #all, 
b. h- in einem beS § 17 ber ©ebiibrenorbnung um eine 
Verfügung, welche baS ©trafuerfahren als folcheS nidbt be= 
trifft, unb es führt meber baS ©efefs felbft noch bie grunb= 
faßliche Stellung ber ©taatSanroaltfchaft ju einer 2luSbef)nung 
ber Veftimmung beS § 338, 3lbf. 2 auf berartige #äfle. 


IHitteihmgen bes Iforftnnös ber JUnialtshnmmer. 

^efd)IU|fe bes IJorflatibs ber ^niunltskaiiimtr betrefenb bie 
ben fHitgliebrrn besfelbtn obliegenbeit yflidjten(iijl.©.§49,3.1). 

Stad) § 49 3 . 1 ber 9t.2l.0rbng. fommt bem Vorftaub 
bie üluffidjt über bie Erfüllung ber ben ÜDlitgliebern ber 2 liu 


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Mitteilungen beS SorfianbS ber SinroaitSfammer. 325 

maltsfummer obüegenben Pflichten fowie bie 2luSiibung ber 
ehrengerichtlichen ©trafgeroalt ju. 

Von ben anfangs jientlid) äat;Ireid;ert, allmählid) aber ftd; 
verringernben Vefdpverben habe» feit bem 33eftef)en ber 2ln= 
tvaltsfanimer verhältnismäßig nur wenige ju einer ehrengericht= 
ließen 2 lburteilung geführt, bagegen fatn eS nicht fetten vor, 
baß berartige Vefdjmerben bem Vorftanb non 2luffid)tSroegen 
2 lnlaß boten, bem betreffenben 2 lnroalt eine SJtißbilligung 
feines Verhaltens auSjufprechen unb 3 toar roarett bieS vor= 
jugSroeife gölte, in welchen ber Vorftanb jioar objeftiv eine 
Verfehlung gegen ben § 28 ber 9t.2l.Drb. annahm, von einer 
ehrengerid)tlid)en Vehanblung aber wegen mangelnben fubjef= 
tioen 5£hatbe|'tanbs Umgang nahm ; in anberen gäHen mar es 
weniger eine Vftiä)toerleßung, als SJtangel an Vaft in Stuf; 
faffung unb ©rfüüung ber VerufSpflidjten, toeldje gerügt mürben. 

2Jfit ©rnuidhtigung beS VorftanbS foHen nun in nachfte- 
henbem einige berartige Vefcßlüffe, welche oon allgemeinem 
gntereffe fittb unb fid) jur 9tad)achtung für bie ÜJtitglieber 
ber Slnmaltfammer eignen, ausgemählt unb oeröffentlid&t roerben. 

I. 3 U bem Verte Ijr beS 2lnmaltS mit ben ©e = 
r i ch t e n unb Veßörben mögen folgenbe gäHe einen Veitrag 
liefern : 

1) ©in Verteibiger hatte nach Veenbigung eines ©traf; 
Verfahrens ein in bemfelben ni<ßt 3 um Vortrag gelangtes 
2lftenftücf (bienftlidter Verist ber ©taatSanwaltßhgft an baS 
fDtinifterium) in ber V re if e »eröffentlidjt unb ju feiner 9tecf)t= 
fertigung fid) auf ben § 17 beS ißreßgefeßes unb außerbein 
barauf berufen, baff es für ben Verteibiger, als folgen, fein 
Amtsgeheimnis" gebe. ®er Vorftanb erfannte hingegen: 

„baff es s 45f£id;t beS 2InmaltS gemefen märe, bie inbisfrete 

„Vcniifcung eine* 2lftenftücfs oon oertraulichem ©harafter 

„ju unterlaffen unb 311 oerhüten." 

2 ) gn einem anberen ©troff alle hatte ber Verteibiger 
bei bem ihm geftatteten perfönlichett Verfehr mit bem ver- 
hafteten 2lngefd)u(bigten einen privaten Vriefroedjfel beSfelben 
mit feiner ©hefrau vermittelt. fVer Vorftanb erfannte; 


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326 Mitteilungen beö Siorftnnbe ber Slnroaltsfammer. 

„bat? eine entfcbiebene ÜRi&biHigung einer berartigen 
„lleberfdjreitung ber Sefugniffe bes SBerteibiger^S aueju= 
„fprecben fei". 

II. Stuf bie Stellung bes fftedbtSanroaltS ju 
feiner Partei besiegen fidb nadjfte^enbe 23efcblüffe: 

1) Gin Stnroalt batte in fein SBoflmad&tSformular bie 
Älaufel aufgenommen, baf? er na<b Grlebigung ber Sadbe bc= 
fugt fein folle, bie Sitten ju faffieren. 23om SSorftanb mürbe gerügt : 

„baff biefe Älaufel im 2Biberfprucb mit ber burdb § 32 
„ber SR.2l.iD. üorgefdjriebenen Pflicht jur minbeftens 
„öjäbrigen 2lufberoabrung ber Sitten ftebe tmb baff es 
„nid)t juläffig fei, ficb oon biefer 9?erpffid;tuTtg burdb einen, 
„jumal generellen SBerjicbt ber Sßartei entheben su laffen." 

2) Gin Slnroalt bat fidb bei SBeootlmädbtigung jur Grljebung 
ber HJrioatflage oon ber Partei bie uoHeit ©ebübren auch für 
ben gall fdbriftlicb jufidbern laffen, baf? bie Partei ficb beim 
©iibneoerfudb ober fonft 3 U einem SBergleidb ober filageoerjidbt 
berbeiliefie. ®er SBorftanb fpradb feine aftifibiHiguitg hierüber 
auS unb ertlärte eine berartige, bie freie Gntfcbliefiung ber 
Partei befebränfenbe Gonoentionalftrafe, 31 t bereu 9tedbtfertig= 
uitg fidb ber 2lnroaft auf ben § 93 bet Sft.2l.iD. berufen batte, 

„als unftattbaft unb mit ber ÜBürbe bes Slnroalts nid)t 
„ocreinbar." 

3) Gin Slnroalt batte in berfelbett SftecbtSfacbe gleichseitig 
ben Sdbulbncr als SB e f l a g t e Partei unb ben §auft= 
pfanbgläubiger als ^üteroentiondfläger oertreten 
unb biebei ÜRamenS beS ©eflagten bem Slnfprudb beS letzteren 
ftattgegeben. Seine ^Rechtfertigung, baf? biefeö Verfahren im 
Qntereffe unb im Sinne beiber Steile gelegen fei unb lebiglid) 
Grfparung boppelter dtoften be 3 roedt habe, mürbe 3 mar in 
tbatfäd;licber S? ejie^ung als «ollftänbig glaubhaft, in redjfc 
lieber ®e 3 iebung aber als unsutreffenb erfannt unb 

„eine berartige ^Bereinigung sroeier einanber fremb 
„gegeniiberftebenben ißarteirollen als unter allen Umftän= 
„ben anftöfeig unb unftattbaft be 3 eidbnet". 

4) oit einem ebrengcricbtlidb abgeurteilten gälte batte ein 


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SBefdjliiffe bei Sorftanbs ber Sltraaltäfammer. 327 

SInroalt feinet Partei bcn bebenflidjen Slot gegeben, ben 33efifc 
einer angeblich gefdjenften (£rbfd^aft^fad)e ju oerheitnlicben, 
um tjieburc^ einen non ©eiten ber (Srben brol;enben Rechts^ 
ftreit auf bie oermeintlicb einfachfte SBeife abjufchneiben. 3 U 
feiner Rechtfertigung madjte er, rnaS ihm and) geglaubt tourbe, 
geltenb, baf$ er oon bem Redjtsanfprud» feiner Partei auf bie 
ftreitige ©adje iiberjeugt geroefen fei, unb bafe er beShalb, fo= 
roie überhaupt gruttbfählich fi<h nicht als oerpflichtet eradjte, 
auf bie Slnfprüche ber ©egenpartei RücEftcht ju nehmen, oiel= 
mehr gehe er baoon aus, bafe ein Rnmalt riidfichtSloS jebeS 
erlaubte Rtittel su ©unften feiner Partei unb ju Ungunften 
ber ©egenpartei an^umenben habe. 

3n ben (SntfcbeibungSgrünben beS ehrengerichtlichen Straf- 
urteils h^fet es hinüber wörtlich: 

„biefeS ©djuhoorbringen ift falfd) unb oerrät ein auf= 
„fallenb gröbliches SSerfennen ber SöerufSpflicht eines 
„SluroaltS; berfelbe barf in SBahrung ber wirf= 
„liehen ober oenneintlichen $ntereffen feiner Partei nicht 
„eine redhtlid) ober fittlicö oerroerftiche, ber Sichtung, bie 
„fein SBeruf erforbert, umoürbig madjenbe ^anbluitg be- 
„ gehen, unb roenn er es unterläfet, eine folche im $n-- 
„tereffe feiner Partei ju begehen, bient er entfernt nicht 
„pflichtmibrig bem $ntereffe ber ©egenpartei, follte biefe 
„aud) oon ber Unterlaffung einen projeffualifcben ober 
„einen anberen Vorteil haben, baher auch bie Berufung 
„auf ben § 356 ©t.®.$}. oöHig unbegrimbet ift". 

5) SBährenb in oorftehenben fällen baS (Sinfdjreiten beS 
SforftanbS teils bnrd) bie ©taatSanwaltfchaft, teils burd) ^artei- 
befdpoerben oeranlafet mar, fah fidh ber Storftaub fiirjlid) in 
ber i'age, fid> über baS 3?erhältnis oon Rechtsanwälten ju 
Sßinfeltonfulenten oon RmtSroegen auSjufprechen, 
itachbem ju feiner ÜBahrnehmung gelangt mar, bafe einzelne 
Slnroälte — oorjugSroeife im amtSgeridjtlicben, teilmeife aber 
auch im lanbgerid)tlichen Verfahren — fid) burd) ©ub- 
ftitutiouS:f8oIlma<ht offenfunbiger fog. Rechtsagenten als ^ro; 
jef;beoollmäd)tigten legitimieren, 


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328 ÜIRitteitungen beä S3orftanbS bet StnnmltSfammet. 

$er Veriditerftatter bejeidmet in feinem ^Referate ein bet= 
artiges Verhältni? ab? anftößig, ba? 2lnfehen de? ?Red)t?am 
walt? naci) außen gefährdend unb nad) innen eine llnterorb= 
nuitg be?felben unter bie Qnftruftionen bes Sßinfelfonfulenten 
mit fid) bringenb. 

$er Vorftanb trat biefer Stnfidjt bei unb faßte ben prim 
jipieH au?brüdlid) jur Veröffentlichung beftimmten Vefcßluß: 
„baß bie Slnnaßme non ©ubftitutionen burd) fog. 9led)t?= 
„agenten, Äommiffionäre unb äßnlidje SBinfelabnofaten 
„mit ber SBürbe be? 9tedjt?anwalt? unnereinbar erfdjeine, 
„unb baß im ^alle t>on 3«roiberbanblungen eine Verweis 
„fung nor ba? ©ßrengericbt in ©rwägung ju sieben märe." 


XU. 

jtur ^aternitäteklage. 

SBon 

|»errn fRed>t?anwalt 2 e brecht in Stuttgart. 

'Jtadhfteßenbe Unterfucßung ift oeranlaßt tnorben burd) 
folgenben 9ledht?falt: 

©ie lebige Sl. flagte in Verbittbung mit bem Pfleger 
ihre? unehelichen Äinbes gegen V. als angeblichen Vater 
be? ftinbe? auf fReicffung non Alimenten unb auf ©enug= 
thuung wegen ©nt^iehung ber 3ungfräulidjfeit. Vei ber erften 
mündlichen Verhandlung jog fie den 2(nfprudj auf ©}enug= 
thuung jurüd und erflärte , daß fie fid) am Vrojeß nid)t 
mehr beteilige. £er Vertreter ber Äläger benannte fobann 
die 9Rutter de? Äinbe? al? 3 eu 0t n - 

2lu? diefem Sacßnerhalt find jwei fragen enoachfen: 

1) 3 ft der Pfleger da? Minbe? (bejiehungsweife der Vater 
ber (i}efd)iuäd)ten) für fich allein berechtigt, die Älage auf 
fReidnmg der Alimente ju erheben? 

2) Manu die SRutter al? 3 e ugin über bie exceptio plu- 
rium nernommen werben? 


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ßebrecbt, jur ^aternitätäflage. 329 

Qm gufammentiang mit biefen fragen mag bie weitere 
erörtert roerben: 

3) 3ft bie ©ibe^ufdjiebung an bie -Uiutier über bie ex- 
ceptio plurium ftatttjaft ? 

I. 

®ie erfte ber geteilten fragen ift 0011 ^ em »ormaligen 
Dbertribunal in einer (Sntfdjeibung ooni 20. 9Wär§ 1866 ') 
bejaht roorben. SDiefer Slnfidjt ift Üang, s 4>erfonenred)t II. 
Stuft. ©.561 offne weitere Segrünbung beigetreten. 2tud) 0 a u p p 
in feinen (ungebrucften) Sortefungen über ba« Söürttenib. ifkiuat= 
redjt fdjliefjt fict» berfelben unter Berufung auf bie „‘fkarüS" unb 
unter Sejugnatpne auf bie erwähnte (Sntfdjeibung bes> Ober; 
tribunalä an (wätjrenb er in feinem Kommentar jur SioiU 
projefjorbnung Sb. II ©. 386 bie 3ti$tigteit ber Slnfidjt ba- 
f)in gefteUt fein läfjt). ®efjgleid)en t»at bie ÜJtajorität be$ 
©eridjtäfiofiS Tübingen in einer (Sntfdjeibung oom 30. Slpril 
1867 bie gefteltte grage befaßt *). 

dagegen ift fie oon ber 9Jiinorität be» ebenetwiiljnten 
®erid)tst)ofä> s ) unb oon 2Beijfädet 1 2 3 4 ) oerneint worben. 

®ie ledere Stnfidjt ift bie richtige. 

1) 9iad) Strt. 28 3iff- 1 2lbf. 1 be« ©efetse* über bie 
prioatredjtlidjen folgen ber Serbredjen unb ©trafen oom 5. 
©eptember 1839 ift ber Sater eine« unef)elid)en Äinbe« oer; 
pflichtet, bem Hinbe Sltimente ju gewähren, ber SDtutter be£- 
felben bie (Sntbinbungs?;, Sauf; unb Seerbigung«foften ju erfefjen. 

&aut Ülbfag 2 ber $iff. I fann bie .itlage auf Steidjung 
ber Sttimente 

„nur entweber oon bem Sater bet ©efdjwäditen ober oon 
einem für ba« une^etic^e Äinb beftetlten Pfleger, in beiben 
fällen in Serbiitbung mit ber 2Jlutter, fatt« biefe nod; 
am iSeben ift, ertjoben werben." 

1) ®. fBürttemb. 9lrd)io »b. IX.©. 51 f , ®b. XIV. S. 159 f. 

2) ©. Hufnagel, 9Jiitteilungen au« ber ijkaji« ber äöürttemb. ©i-- 
Dilgeric^te, neue golge ©. 714 f. 

3) eodem ©. 711 f. 

4) 2Mrtt. ®eric§t«blatt ®b. XIX. 0. 128 f. 


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Sbfjanbluiig. X I f. 


330 


21 b f a ^ 3 beftimmt: 

„§iebei fann her fieberen als Mitbeteiligten ein ßib 
jugefdjoben ober auferlegt roerben." 

®er SBortlaut be3 jroeiten Slbfagee fprid)t in müglichft 
beutlicfjer SBeife auö, bafj ber 23ater ber (Sefchroächten ober 
ber Pfleger be* SUitbe» nic^t für fiel) allein, fonbern nur „in 
33erbinbung mit ber Mutter" flogen fönne. 

ülitberer 2lnfid)t mar freilich baS Obertribunal bei feiner 
oorermafjnten ßntfdjettmng oont 30. Märj 1866. ߣ fagte: 
„ber SBortlaut beä StbfajseS 2 ftefjt nic£)t entgegen, fofern 
ba3 Sßort „nur" nicht jroifdjen ben Sßorten „in beiben 
fällen" unb „in 33erbinbung mit ber Mutter", fonbern 
oor bem Söort „entroeber" fteljt unb baher mo^l blojj 
hat auSbriicfen foHen, baff bie filage nicht oon ber Mutter, 
fonbern nur oon bem 33ater ober bem Pfleger bes ÄinbeS 
erhoben roerben fönne, inbem bae Sßort „nur" in feiner 
©teHung in bem Slbfab 2 nid^t notroenbig noch auf bie 
2Borte „in SSerbinbung mit ber Mutter" ju beziehen ift." 
2Bai3 hier über bie Sebeutung beä 2Bortec5 „nur" ge- 
jagt ift beroeift gar nichts. ©tünbe ba^ SBort „nur" nicht 
in bem ©efejse, fo roäre baS Slefultat bejüglid) ber in Siebe 
ftefyenben grage genau baSfelbe. CSntfc^eibenb finb bie SBorte: 
„in beiben fvällen in Serbinbung mit ber Mutter". 

2)iefe SBorte roerben in bem Urteile beS Dbertribunal* 
unbcrü<ffid)tigt gelaffen, ©ie hätten nach ber oon bem Ober; 
tribunal oertretenen Slnfidjt gar feinen ©inn, roährenb fie 
nach unferer 2lnfid)t beftimmen, bafj 23ater unb Pfleger nicht 
allein, fonbern nur mit ber Mutter flagen fönnen, unb biefe 
Sluffaffung roirb noch beftärft burcb ben fi<h an jene ätforte 
aitfc^liefsenben 3 , °if'henfab : „fatt* biefe noch am i'eben ift." 
®iefe 2ßorte finb fd)led>terbingci nicht anberS ju erfläreit als 
baf)in, baft jroar in bem gaHe, roenn bie Mutter bereite ge= 
ftorben ift, ber SSater ober ber Pfleger je allein flagberechtigt 
finb, bafj aber im anbern gälte bie Mutter ber Silage bei; 
treten inufj. 

2 ) Sie ermähnte Obertribunaleutfcheibung behauptet roeiter, 


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SeBredfjt, jur ^aiermtätSftage. 


381 


bafj bie @ntftel)ung3gefcl)id)te be<3 Abfajjeä 2 ber 
nom Dbertribunal nerteibigten Anfidfjt nidjt entgegenftefje. Sir 
finb umgefel)rt ber Meinung, baß au3 ben Quellen be3 3lrt. 28, 
3iff. 1)/ rote fte bei $ n o p p ©efe§ über bie prinatred)tlid()en 
folgen :c. ©. 249 ff. jufammengefteHt finb, bie Untjaltbarfeit 
jener Anfidl)t ebenfo fidler ju erroeifen ift, roie aud betn Sort- 
laut be3 ©efejseä. 

Eer Regier ungäentrourf (Art. 19) fjatte nur 
beftimmt , baff ber 9)ater be3 unefjclidfjen &inbe$ b i e f e m 
Alimente ju reifen, ber Mutter bie @ntbinbung3=, £auf= 
unb 33eerbigung3foften ju erfefseit fiabe. Eariiber, ro e r auf 
Steigung ber Alimente ju flagen Ijabe, tnar im ©ntrourfe nid)t3 
norgefeljen. 

Eie Äommiffton ber .Kammer ber Abgeorbneten bearo 
tragtc bagegen folgenbe 23eftimmung: 

„'Eie «läge fann nur non einem fiir ba3 unef)elidf)e Äinb 
beftellten ißfleger in 33erbinbung mit ber Mutter, melier 
als Mitbeteiligter ein ©ib aufgetragen inerben fann, er= 
Ijoben roerben". 

2)ei ber erften Beratung biefe3 Antrages (in ber 25ten 
©ifcung) fpracben fid) oerfdpebene Abgeorbnete gegen benfelben 
au3; fte befürroorteten, baff, roie bisfjer, bie Mutter 
allein flagberedjtigt fein folle. Aud) non ben 33erteibigerit 
beS ÄommiffionSantragS mürbe nid)t mit ©ine m Sorte ba- 
non gefprodjen, beut Pfleger allein, unter AuSfd&lufj ber Mutter, 
baS Älagredfjt ju geben — roie beim eine foldfje Stnfic^t mit 
bem Sortlaute be3 Antrags nict)t nereinbar geroefen märe. 

©o fagte ber Abgeorbnete o. 3roergern, eS fei jroccf; 
ntäftig unb notroenbig, Pfleger bei Aufteilung ber .Ulage auf= 
juftellen „unb ber ©efd»roädfjten au bie ©eite j u 
gebe n". 

3ugleid) (teilte biefer Abgeorbnete baS Unteramenbement 
„Eie .«läge fann nur non beut 35 a t c r ber ©efdjroädjten 
ober non einem für baS unefyelidlje fiiitb beftellten Pfleger x". 
©r begrünbete baS Amenbeinent bamit, bafj ber ilater ju= 
nädjft bie ‘’fiflidjt habe „feiner Eocfyter beijuftetie n". 


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332 


?I6I)flnMuitg. XU. 


SBenn nun laut bcm 2>erhanblung3protofoH ber ißräfibent 
erffärte, er roolle ba3 2 lmenbement bes 2 lbgeorbneten o. 3 roer: 
gern jur 2 lbftimmung bringen, 

„roortiQ^ bie Mage nur oon bem beftellten Pfleger ober 
bem 33ater ber ©efdjroächten erhoben roerben fattn" 
unb roenn er im Verlauf ber ©ifcung bie grage ä ur 2 lbfKm= 
mung braute: 

„(Soll ber 23ater ber ©efchroächten ober ein für fie ju 
beftellenber Pfleger bie Mage ju ergeben haben?" 
fo mar biefe f^ragftellung nach bem ©ang ber 2 ?erl)anblung 
nid)t forreft. ®enn abgefetjen oon ber (tjte^er unerheblichen) 
Unrichtigfeit, oon einem Pfleger „für f i e" b. h- bie 3Jiutter 
ju fprechcn, roährenb es fich um einen Pfleger für baS Mnb 
fjanbelte, fo toar bie $rage auch barin ungenau, bafj fie ba§ 
■JJJitflagrecht ber SDtutter, roeldjeä in bem Eintrag ber .Üorro 
miffion, foioie in bem 2 lmenbement beS 2 lbgeorbneten o. 3 roer= 
gern enthalten toar, gänjlid) ignorierte. Offenbar hat ber ^ßreb 
fibent biefe$ Magredjt ber 2ftutter lebiglich um befjroiHen nicht 
jur 2 lbftimmung gebracht, roeil er ber (richtigen) 2 lnfid)t mar, bah 
baSfelbe oon feiner ©eite beanftanbet roorben fei, unb bafj 
es fid) nur noch barum banbette, ob neben ber SJZutter auch 
bem SSater, resp. Pfleger ein Magred)t 3 U geroähren fei. 

3 nbem bie Äatnmer jene grage beS ißräfibenten „burd> 
2 lfflamation" bejahte, wollte fie biefelbe in bem ebengebadjten 
©inn bejahen, alfo feine3roeg3 ben $ 8 ater, bejiehungätoeife ben 
Pfleger allein jur Magerhebung legitimieren. Taf? bem fo 
ift, ergibt fid) mit aller ©id>erbeit aus ber $ortfe( 5 ung ber Sera= 
tung in ber 28ten ©ijjung ber 2 lbgeorbnetenfammer. 

©in 2 lbgeorbneter fteHte bie $rage: 

„SBeitn bie IDiutter beK unehelichen Mnbeä geftorben ift, 
fo roirb ber bc3 MnbeS bie Mage auch allein 

anfteHen fönnen"? 

2tn biefe f$frage fniipfte fid) eine ^Debatte bariiber, ob, 
roie ber 'ßräfibent bie $™ge präjifierte, bie ÜJtuttcr genö= 
t i g t roerbeit tonne, fich in iverbinbung mit bem 23ater ober 


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Sebrerfit, jur ^aternitätSflage. 


333 


Pfleger p feßen. Über btefe grage äußerte fid; ber 93crid>ter= 
ftatter ber Hommiffion (». ©meliit) folgenbennaßen: 

„®ie BJutter, roenn fie am fiebert ift, muß fiel) notrocnbig 
anfcßließen ; benn fie ift eS ja, bie baS .ftinb p ernähren 
ßat unb unmittelbar babei beteiligt ift, roenn ba$ Hinb 
feinen Klater ßat". 
hierauf erflärte ber iß r ä f i b e n t : 

„äßenn biefe-S ber (Sinn ber Kammer mar, fo märe bie 
Stelle fo ju faffen : baß bie genannte .Klage nur »ott 
einem für baS nne^elidje Hinb beftcllten Pfleger ober »ott 
bem Bater ber ©efdjroäcflten, in b e i b e it $ ä 1 1 e n in 
Serbin buitg mit ber 3)1 u 1 1 e r , roenn fie nodj am 
Heben ift, angefteHt roerben fönite". 

Unb nun tjeißt es roeiter im ißrotofoll: 

„$ie Hammer erflärt fid» ßiemit einoerftanben". 

Sottad) t>at bie Hammer in unproibeutiger 2Bcife ben 
Sinn ißrer Slbftimmung bafjin interpretiert, baß es jur @r= 
ßebung ber Htage, fofern bie 3)lutter nodj am Heben ift, beS 
Beitritts biefer 3Jtutter notroenbig bebarf. 

®er roeitere Verlauf ber Beratungen mar folgenber: 

2llS ber Befcßluß ber 2lbgeorbnetenfammer ber Hommiffion 
Oer Hammer ber StanbeSßerren unterbreitet mürbe, tabelte 
bie Hommiffion, baß nadj ber gaffung beS Beidjluffe* ber 
Bat er, bejießungSroeife Pfleger als ^auptfläger p be- 
trauten märe, roäßrenb bod) bie 3)lutter, „roeldßer bie ßrnälj; 
rungSpfticßt obliegt, bie rechte unb eigentliche Hlägerin" fei; 
bemnad) müßte ber oon ber Ülbgeorbnetent'ammer befcßloffenc 
3ufaß umgefeßrt unb ber ©roßoater unb ber Pfleger beS 
HinbS als 2R i t f l ä g e r aufgefiißrt roerben ; bie Hommiffion 
fei übrigens ber änfießt, baß ber ganje 3 u faß nid^t in baS 
oorliegenbe ©efeß, fonbern in bie s ßro$eßorbnung gehöre unb 
beantrage fie baßer bie 2lbleßnung beS 3 u f a ß e 3. 

Bei ber Beratung biefeS Eintrags in ber erften Hammer 
erflärte ber SlegierungSfomtniffär ,bie 2lbgeorbnetenfammer ßabe 
ben »oit ißr befcßloffenen 3 u f fl ß nießt als einen projeffualifcßen 
betrachtet, „fonbertt beabfidßtigt, eS folle ber Btutter fiir fid) 

Jaijrbüfier b. SBürttembfl. !Ret4t3pflefte, 1. 23 



334 


äU^anbtung. XII. 


aUeiS Klagred)t abgefprodien roerben unb biefelbe nur immer 
ittVerbinbung mit bem Pfleger ober©roff= 
»ater be0Kinbeä flagenb auftreten fönnen", 
übrigens fei er (bet fWegierungsfommiffär) in materieller 
Sejieljung mit bem 2lntrage ber Kommiffion auf Streifung 
einoerftanben. 3luf feinen Slntrag erflärte fid) bie Kammer 
ber StanbeSfjerrn gegen ben Vefdjluß ber 2lbgeorbnetenfammer: 
„reell, infofern biefe Veftimmungen nur als 9iorm für baS 
Verfahren oon bergleidjen Klagfadjen beigefügt fein füllten, 
biefelben in bie 'ißtt^efjorbnung gehören mürben, unb roeil, 
fofern, roie es fdjeint , bie ülbfidjt bajjin gegangen roäre, bie 
fraglichen Veftimmungen als Vefd>ränfungen beS KlagredjtS 
felbft beijufügen, bie Kammer ber ©tanbeSfierrn biefe 2lnfid)t 
felbft ntd;t teilen fönne, inbem bie ÜDlutter, roeldfer bie (£r= 
}ief)ungSpflidjt obliegt, roeldje alfo and) bie bamit oerbunbenen 
Koften p tragen hat, allein alsbieroahteKlägerin 
e r f d) e in t jc.". 

SDiefer Vefdflufe gelangte pnächft an bie Kommiffion ber 
2lbgeorbnetcnfammer. Sie Mommiffion beantragte, es fülle 
bie Kammer auf intern ©tanbpunft beharren, in ©rmägung, 
ba§ „nidf>t bie fDtutter beS KinbeS bie roaljte .Klägerin fei, 
fonberit baff bem Kinbe felbft pnächft gegen ben Vater bie 
Klage auf 2llimentation pflege unb bafj bie ßlefefje für eine 
angeineffene Vertretung beS KinbeS bei biefer Klage p forgen 
haben". 

Vei ber Beratung biefeS 2lntragS im Plenum ber 2lbge= 
orbnetenfammer erflärte ber s 45räfibent : 

„Unfere Kammer l;at befditoffen, bag eine Klage nur am 
geftellt roerben fanit nicht oon ber ©efdpoädjten allein, 
fonbern oon bem Vater berfelben ober bem Vortnunb beS 
KinbeS, aber in bciben fällen in Verb in b= 
u n g mit ber 2)i u 1 1 er , faES biefe am Seben ift 
$ie Kammer ber StanbeSherren roiE es aber bei bem 
befte^enben Sterte laffen ac.". 

2!ad)bem ber 2lbgeorbnete Knapp erflärt hatte, nad) 2luf 


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SeBred^t, jur IjäaternitätSftage. 335 

faffung ber 2lbgeorbnetenfammer ftelje bem $ i n b e ba3 
.(tlagrecfyt ju, erroieberte ber ütbgeorbnete ©utbrob: 

„2Benn bem Äinbe ba* £'lagrecf)t guftefjt , fo fc^eint mir 

nidft bie üterbinbung mit ber Hiutter notroenbig ju fein , 

me»^alb idf) barauf antrage, biefe SSerbinbung in bem 
©efcfce roegjutaffen". 

hierauf entgegnete ein anberer Slbgeorbneter : 

„3ur f5 e ft^ a ^ tun 9 b er fa£tifct>en 93erl)ältniffe ift eä aber 
l;ö<ä)ft notroenbig, baff bie ÜJtutter ba fei". 

Sei ber fofort erfolgenben Slbftimmung rourbe ber ftom= 
miffioroJantrag angenommen unb bamit ftillfcfjroeigenb ber2tn= 
trag non ©utbrob abgelebt. 9Jtel)rere Stbgeorbnete ftimmten 
motiuiert ab: 
fo ©utbrob: 

„SBegen ber ©cE»roierig£eit ber SSerbinbung ber 3)Zutter 

unb be§ Pflegers, 9t e i n ! 

(Sammete r: 

„®ie 33erbinbung mit ber SJtutter fdjeint feljr roefentlid) 
äu fein; benn fonft roitrbe e$ fid; bie betreffenbe s 4Jerfon 
fet>r bequem machen unb ben Pfleger fdiicten. 3 a!" 
Sie Alammer ber ©tanbeslierren acceptierte nunmehr ben 
33efdE)lufj ber 2lbgeorbnetenfammer unb rourbe berfelbe sum 
©efefc. 

9lngefid;t-S biefer Entftejfung3gefdE)id)tc be3 2lrt. 28, 3ifi- 1 
be3 ©efefjeö erleibet eä nid^t ben geringften 3tt>eifel, baf? nad) 
bem ^Bitten ber gefe^gebenben $aftoren ber 2tnfd)lufi ber 
9)tutter beS unefjelidjen $inbe$ an bie Atlage auf 9teid)ung 
ber Alimente notroenbig ift, unb baff ber 9>ater ber @e= 
id)roäd)ten ober ber Pfleger be3 ßinbeS nur in bem #all 
allein t'lagen fönnen, roenn bie 9)tutter nid)t nte^r am 
Ücben ift. 

©onad) ift bie crfte ber im Eingänge biefer Erörterungen 
geftellten fragen 3 U verneinen. 

II. 

®er Stnfddufj ber 9)tutter an bie Atlage auf Steigung ber 
Sllimente ift aber nidE)t etroa fo ju beulen, baff bie 9)tutter 

23* 


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336 


Stbfjntiblung. XII. 


nur in foweit legitimiert crfdjcint, als eS fid) um SUimente 
für bie 3 e ü »or 3 u ft c H im 9 ber Slage, um, „non iljr oorfd)ufe= 
weife geleitete Sllimente" 1 ) tjanbett. Söcire bie^ ridjtig, fo 
märe nidfjt ju begreifen, warum bie ÜJlutter in allen fällen 
initflagen muff, alfo and) bann , wenn nur künftige 9Ili= 
mente eingeflagt werben wollten, llnb bocf) macht wcber baS 
©efefi nad) feinem SBortlaute einen berartigen llnterfdjieb ; 
itocf) gibt bie ©ntfteljungSgefdjidjte beS 9lrt. 28 ben leifeften 
SlnljaltSpunft für foldje lluterfdjeibung. 

III. 

3ft nad) bem unter I. SluSgcfüfjrten bie in erfter Sinie 
gefteÜte $rage ju nerneineit, fo ergibt ftd^ hieraus uon felbft 
bie Verneinung ber jweiten unb bie Vejafiung ber britten 
f$rage. 3u biefem ©rgebniffe gelangt man, gleidjuiel weldje 
non ben beiben möglichen Monftruftionen über bie projeffna^ 
lifd)e Stellung ber fDiutter man für bie richtige hält. 

2)ian fann nämlid) entweberbanon auSgehen, baf? bie 3)iutter 
in bem ifkojeffe fraft eigenen 9ted)tS mitflagt, ober baoon, b af; 
bie Vtutter neben ihrem Vater, bejw. neben bem Pfleger beS 
MinbeS als (jweite) gefehlte Vertreterin beS ßinbeS flogt. 
SBeldje biefer beiben Sluffaffungen bem ©efe£e ju ©runbe liegt, 
ift nicht ganj unzweifelhaft, bie &öfung hat aber für bie uon 
uns geteilten fragen feinen praftifdjen 2Bert. ©eljt man 
nötnlid) baoon aus, baff ber SDfutter baS ttlagrecht fraft ei= 
genen 91ed)tS guftefjt , fo ift fie felbft als Vrojefjpartei ju 
betrauten. 2llS foldje fann i£>r einerfeitS ber ^aupteib juge= 
fdjoben, bejiehungSweife auferlegt werben 2 ). SlnbererfeitS fann 
fie nicht als 3 eu 9 in oernommen werben. 

^Betrachtet man aber bie VJutter als gefefclidje Vertreterin 
il;reS MinbeS, fo fann ifjr ber ©ib auferlegt werben, nidjt 
weil ber gefefclidje Vertreter bie Partei felbft ift, wie © a u p p 
1. c. § 414 fagt, (bagegen (S.V-O. § 50 unb 435), fonbern 
wegen ber ausbriidlidjen Veftimmung ber 6.V-0. § 435. Ta^ 


1) f. ©aupp, Jtomnientar I. S. 199; Hufnagel, 1. c S. 716. 

2) {. ©.^.D. S 414. 


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£e£>red)i, jut ^SatermtätSftage 337 

gegen ift e3 ntd^t jufäfftg, bie 2Hutter qua gefeglidje Ver= 
treterin al3 3 eu 9 ' n S 11 »ernennten *). 

3roeifelgaft ift bie Gntfcgeibung, roenn man bie Stellung 
ber 2 )tutter bagin auffaüt, bafi biefelbe nur jur Verfolgung 
ber oott igr oorfdiufiroeife geleifteteu Alimente legitimiert er-- 
adjtet ift. (f. oben 3iff- H.) Von btefein Stanbpunfte mag 
man ju bent ©bluffe gelangen, bafs bie SRntter für b i e f e n 
SCeil ber eingeflagten Alimente Partei, fomit eibeö=, aber nid^t 
äeugniefäffig, baff fie aber bejüglid;' ber f ii n f t i g e n 2 lli= 
mente eine britte ißerfon, fonadj seugniS;, aber nicf)t eibe3= 
fällig ift. ®ic Unleiblidjfeit eiltet berartigen (ErgebniffeS biirfte 
einen roeiteren ©ruitb für bie Unriditigfeit jener fcgon unter 
3 iffer II roiberlegten Üluffaffung bilben. 

SBenn nun aber, roie in bem §alle, ber ben 2 lnlajs ju 
biefen (Erörterungen gegeben l^at, ber Pfleger be3 ÄinbeS 
(resp. ber Vater ber Vtutter) juerft in Verbinbung mit ber 
ÜJtutter flagt unb bie legiere im ilaufe be3 ^rojeffeS 3 uriict= 
tritt, bann roirb bejüglid) be3 roeiteren projeffualen Verfahrens 
bie Frage praltifd), in roelcger Stellung bie Vtutter am ^ro= 
jeffe „mitbeteiligt" roar. 

Sft bie Vfutter als Vertreterin igres ÄinbeS anjufegen, 
in ber 2 ßeife, baff in bem 2 llimentenpro§efie legteres fraft 
©efegeS jroei Vertreter gat, nämlid) feine SJtutter unb aufeer= 
bem entroeber feinen Pfleger ober ben mütterlichen ©rojjoater, 
fo fehlt e3 bem Atinbe mit bem Vtoment be3 StüdtrittS feiner 
ÜJiutter an ber gefeglicgen Vertretung. Sßenn nun im Fort- 
gang be3 ißt 03 effe 3 ber ©rojjoater ober Pfleger weiter oer= 
hattbeln roill, fo ift berfelbe jur Verganblung nid)t mehr be= 
fugt. $a3 Äinb ift nicht »ertreten unb e3 muff auf 3ln= 
trag bes Veflagten burcg VerfäumniSurteil bie Allage abge= 
roiefen roerben. 

3 ft bagcgen bie 3D?utter als -Blitflägerin fraft eigenen 
Dted)t3 3 U betradjten — roaS roogl richtig fein roirb — , fo 
bleibt ba3 ßinb nach roie oor gefeglid) oertreten unb es fann, 

1) f. @aupp, 1. c. ©. 247; SBilmotöäfi, Kommentar jurG.tß.D. 
Stnmerfungen ju § 338 u. 350 ff. 


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338 


Slbljanblung. XII. 


wofern ber ©roßoater ober ber Pfleger fortoerhanbelt, ein 
VerfäumniSurteil gegen bas Äinb nicht erlaffen roerben. 3lttein 
bie Älage ift materiell abjuroeifen, meil baS Äinb für fich 
allein nidfjt aftiü legitimiert ift, fonbern nur in Verbinbung 
mit ber ÜJtutter. 

IV. 

2 f?enn man im ©egenfab 3 u oorfteljenber Ülusfiihrung 
bie (Eingangs biefeo aiuffage^ in erfter ilinie geftellte grage 
befallt, menn man fomit ben Vater ber ©efchwädjten ober ben 
Pfleger bes .s'iinbeö beredfjtigt fjält, otjne, ja gegen ben SBillen 
ber fDiuttcr auf Steigung oon Alimenten 31 t Hagen, fo roirb 
man bezüglich ber Beantwortung ber jroei anbern fragen zu 
unterfdbeiben haben, ob ber Vater, beziehungSweife ber Pfleger 
allein fingt ober in Verbinbung mit ber ÜJtutter. 

1 ) gm erfteren gall fann ber EDfutter ber ©ib nid)t auf= 
erlegt roerben, rocil fie roeber Partei nod) gefehlte Vertreterin 
einer Partei ift. ülus bemfelben ©runbe ift es juläffig, fie 
als Zeugin 511 oernehmen '). 

2) gin anberit gfall finbet in beiberlei Beziehungen bas 
©egenteil ftatt, eben roeit bie EDfutter als fßrozefzpartei , bc= 
Ziebungsroeife als gefehlte Vertreterin ber Älagpartei ju be= 
tradjten ift. 

3) SBcnit bie ÜJtutter juerft mitflagt, nachträglich aber 
Zuriicftritt, fo ift fie uon nun an als eine bem ißrozeffe frembe 
fßerfoit ju betrachten, ©onad) fann ihr ein Varteieib nicht 
Zitgefdioben ober auferlegt werben, dagegen fteht nichts ent 
gegen, fie als 3 «ugin 5 U »ernehmen. 

gn ben zu l ) unb 3) erwähnten gäHen entftehen übrigens 
noch bie weiteren fragen : 

a) ob bie ÜJtutter beS 3 L *ugniffeS fid) entfdjlagen fann? 

b) ob fie eoeittueU unbeeibigt zu oernehmeit ift? 

®ie grage ad a) ift zweifellos zu bejahen — nicht wegen 
§ 348 3iff. 3 unb § 349 ßiff- 1 ber G.V.O. — beim nach 
§ 350 3iff- 3 fann in ben fällen, roeldje burch bie angeführten 
Veftimmungen getroffen finb, baS 3 eu gniS nidit oerweigert 

1) fo audf Öaupp ©.tß.D. II. 3. 386. 


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2ebrecf)t, jut $aternität8flage. 


3B9 


roerben über Sfjatfacfjen, roelche bie burd) ba? gamilienoer; 
^ättniS bebingten a?ermögen?angelegenheiten betreffen; rooljl 
aber roegen ber 23eftimmung be? § 349 3*ff- 2. 9?ach ber= 
felben tann ba$ 3 cu 9 n ^ oerroeigert roerben über fragen, 
bereu Seantroortung bem 3«ugen jur Unehre gereift. ®iefe 
23eftimmung ift aber burd) feine 2lu?nahme eingefdjränft. 

2Ba? bie 5 ra 9 e a( f b) anlangt, fo finb nad; § 358 3iff- 3 
in ÜSerbinbung mit § 313 3*ff- 3 unb § 349 3*ff- 2 ber 
G. S $.D. unbeeibigt ju oernehmen foroohl bie aiSjenbenten einer 
Partei, al? biejenigen ^erfonen, roelche unb ioroeit fie über 
fragen oernommen roerben, beren Seantroortung ihnen jur 
lineare gereift. 9lu? biefem hoppelten ©runbe ift bie 3Jtutter 
als 2 Jtitflägerin im ailimentenprojeffe unbeeibigt ju oernej;men. 
®a? ißrojeffgeridit fann jebod^ tiad) bem lebten 2 lbfa§ be? 
§ 358 bie nachträgliche ©eeibigung berfelben anorbnen. 

9fad> bemjenigen ^rojeffrechte, roelche? jur 3 e tt be? <Sr= 
fdieinen? be? ©efefce? über bie prioatredhtlid)en folgen ber 
aSerbredjen in ©eltung roar, burfte bie SRutter in bem 2 Uü 
tnentenprojef; als 3 eu 9 * n nicht oernommen roerben. ©ie roar 
roegen if>re$ a*eriuanbtfchaft3öerhältniife? 3 U bem Äinbe eine 
unfähige 3 eu 9 tn *)• 2 lllein e? fonnte ihr, roenn fte bem 
'fßrojeffe nicht beitrat ober fid) nachträglich juriidsog, auch ber 
.ffaupteib nic^t auferlegt roerben. 2 )enn bie aSeftimmung in 
2lbfaß 3 be$ 3lrt. 28 3iff- 1 be? ©efefce? über bie prioatrechU 
liehen folgen jc., nach meldet ber ©efd;roäd;ten al? „SRitbeteU 
ligter" ein Gib jugefdjoben ober auferlegt roerben fann, bezieht 
fid; felbftoerftänblich nur auf ben fyatt, roenn fid) bie fDiutter 
roirftid) am ^Srogeffe mitbeteiligt. 

®amit rocirc freilich ber p r a f t i f di e 2 Bert ber exceptio 
plurium naheju auf v JluU rebujiert. s Jta<h ber s Jfatur ber 
Sache fann ber 29eflagte in ben ro e i t a u 3 m e i ft e n gäHen 
bie a?orau3fehungen ber exceptio burd; nicht? beroeifen al? 
burch ben Gib ber ©efchroädhten. äüenn nun biefe al? 3 eugin 


l)f. 33erner>Scf)äfer, baS Verfahren in bürgerlichen Sireit= 
fachen ©. Z <2 


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340 


Slb^anblung. XIII. 


überhaupt nidjt oernommen, alfo aud) nid^t beeibigt toerben 
b u r f t e unb roemt fie sngleid) be3 s ^iarteieib-S fidj baburd) 
entlebigen fonnte, baß fie ifjren ©ater ober Pfleger allein 
ohne il;re SRitroirfung flagen lief?, fo mußte bie exceptio 
maitgelnben Setoeifeä b a ^ ier jurücfgetuiefen merben. 3ft nun 
aber anjunebmen, baß jettet ©efeß oon 1839 bie ermahnte 
©eftimmung über ©eeibigung ber 2JJutter aufgenommen hätte, 
menn bie -Dhitter bie ©eftimmung nach freiem ©elteben illu= 
forifd; ntadjeit fonnte ? ©eroiß md)t. Unb bie3 fpridjt toieber 
bafiir, baß bie SUimeittenflage nid^t erhoben werben fann olpte 
SDlitbeteiligung ber ÜDtutter. 


XIII. 

lieber bie und) außen befleljenbe gefeblidje Haftung Ueiber (fftje= 
gatten fitr Sopalfdjulben ber lanbredjtlidjen (£rrungcnfdjafts= 

gefellfdjaft. 

SBon 

Cberamtärid)ter $reif). o. 2B äd)ter = <SpittIer in Stottenburg. 

SBäßrenb bie ©rimbfäße über bie 3lbgrenjung ber ©ojiaU 
unb Sottberfd;ulben, fotoie über bie 1)ccfung beiber au3 betn 
eßelidjen ©efamtoermögen unb feinen oerfdpebenen 33eftanb- 
teileit für ba3 interne, jtoiidien ben ©begatten felbft ftattfim 
benbe ©erbältnis im großen unb ganjeit als feftftebenb am 
gefeben toerben bürfen, befiehl bii'ßdjtlid) ber Haftung für bie 
© 05 ialfd)ulben ttad) außen eineioeitgebenbe ÜReinungSoerfdbiebew 
beit, ©alb nad) ber fJSublifation bes brüten roürttembergifcben 
Saubredjts ju Zaqe getreten '), bat bie Äontrooerfe eine un 
mittelbare ©ntfdjeibuug im äßege ber ©efeßgebuitg bis beute 
nid)t gefunben, unb e$ wirb bal;er ber ©erfud) eines ©eitrag* 

1) SOlit ber fofort )u ertoäfjnenben Siffertation oon 33 e f o l b , f. ©. 
341 9lote 2. 


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2Büdjter=©pittler: Haftung beiher ©Regatten. 341 

ju berfell'en um fo etjer geftattet fein, al* bie ^ran-J ’) jur 
Söfung ber grage oertiältntemäfjig häufigen yCnlaf? bietet. 

I. T'afi ber © l) e m a n n für bie Sojjialfdjulben ft e 1 4 
in e r ft e r 9 t e i l) e auf b a ö © a n j e tjafte, ntirb al3 ein 
©afi be$ roürttetnbcrgifdjen 9ted>t3 otjne nähere Segriinbung 
angeführt oon Neubauer, baä in SDeutfc^tanb geltenbe 
eljelidje ©iiterredjt, ©. 118 nad) Itote 54. 

©erfelbeti 2 tnfid)t fdjeint — abgefetjen oon bem ^atte 
einer befonberen gegenteiligen ©rflärung be$ ©jjemannS — ju 
fein d. ©arme 9 int SBttrtt. 2trd)iü, Sb. XVII, @. 429 
bei unb in 9iote 13. 

ferner tnag ^iel;er gejault merben 3 e it* cr / ^aubbudj 
ber freiroilligen ©eridjtsbarfeit , Sb. II. § 1044, 2. Stuft. 
©. 677, roetdfer (in einer Anleitung jur Stieberfdjrift oott 
©djulbfdjeinen für gemeinfcfjafttidte ©arlefjen ju etjelicfjen 
3 toe<fen) oon einer ben ©fjetnanu aud) otjne au^brücftidje ©r= 
flärmtg treffenbcn Samtuerbinblidjfeit offenbar au-igetjt, oI;ne 
fid) über bereu Sorau3fe(nmgen unb Qntjatt nätjer ausjufpredfeu. 

II. sieben ber auf bie .fjälfte ber ©osiatfcfjutb befdjränften 
prinjipalen Haftung beiber ©Regatten taffen f u 6 f i b i ä r, b. f). 
für ben ber Unjutängtid^feit be$ bem anbern ©tjegatten 
gehörigen Sermögenä, jebeti ber ©begatten ober roenigftenS 
ben ©bemann aud) für bie anbere Jpätfte Ijaften Sefolb, 
©briftopb, Fase, disputationum, Tübingen 1629, disp. ad partera 
quartam iur. municip. Wiirtt. ©. 9, § 28 2 ), 9tei)fd)er, 

I 

1) SßaS bie Stedjtfpredjung beS oberften 2anbe3gericf)t3 betrifft, fo 
befianbelt baS im 28ürtt. Slrdjio 8b. IV. ©. 426 ff. abgebruefte Ur» 
teil beö oorntoligen Obertribunalä oom 26. DItober 1860 ben 9tedjts= 
juftanb feit ©infüljrung beä ^Jfanbentroicflungägefe&eS nur für ben gaH 
ber roirJticf) erfolgten 3ulaffung ber ©fjefrau ju ben roeiblidjen greilfeiten. 

2) Sefolb ift ber einjige Sertreter biefer SRidjtung, melier nic^t 

nur ben ©fjemann, fonbern aud) bie ©Ijefrau fubfibiär Ijaften taffen roiU. 

3)er oon ifjm nufgeftetlte ©afj: »sed si debitum sit counnune et ex 

modo dicta causa inümlidj ju efjelicfjen yroetfen) contractum, tune, si 
inaritus nil liabeat in bonis, in solidum uxor tenetur« fjanoelt fogar 
birelt nur oon ber Haftung ber ©Ijefrau. SUfein in bem burd) bie £f)efe 
SefolbS tjeroorgerufenen iDleinunggfampf ift ber auäbrüdlid) befprodjene 


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342 abbanblung. XIII 

roürtt. '^riontre^t, 33b. III. § 564 bei 9tote 12 unb 13 ’), 

gaH ftetö alS ein blofieS 8eifpiel aufgefafjt roorben , ogl. §od) ft etter, 
Annot. 1. 3lufl. (1735) 6 292; S'auterbach, dies. de aere alieno 
etc. § 55 ©. 45; Jpatppredjt, Vol. Nov. III, Cons. 69 9tr. 210; 
Tübinger ftonfilien, Collectio nova, Vol. III Cons. 295 9tr. 8; 
©melin, diss. de obligatione uxoris etc. §§ 23—25, unb bieä geroif; 
mit Dollem Stecht, bo 8efolb reobl faum ber Meinung fein fonnte, e§ 
treffe bie auSIjilfSroeife Serbinblicbfeit nicpt ebenfo auch ben (Seemann, 
©afj 8ef olb nic^t ettoa eine blofje Setlungseinrebe, fonbern eine eigent» 
liehe Subfibiarität ber Haftung für bie Hälfte ber Sdjulb als norhanben 
annahm, ergibt fchon ber SBortlaut beS ooit ihm aufgefteHten ©afceS. 
©ie ftontrooerfe loitb bemgemäjj auch ° on Saut erb ach »• o. Ort ba= 
hin formuliert: »si nullus adeeset conjugalis acquaestus et unus 
ex conjugibus, verbi gratis maritus , nulla plane aut ad 
suam aeris alieni partem sol vend am non sufficientia 
habet vel relinquit bona, ne pars altera verbi gratis uxor, suf- 
ficientia possidens bona, tot um hoc aes alienum ab utroque con- 
jugum eontraetnm ex propriis bonis solvere vel supplere 
cogatur?« 

1) ©ie h»e* gebrauchten SBenbungen: bet ®h ei «ann habe „IjilfS» 
roeife" für baö ©ante einjutreten, er müffe bie ©ojialfchulb „nötigen» 
faHS" mit feinem eigenen 8ermögen oertreten — fpredjeii fchon einiger» 
maßen bafür, baß auch Stepfdjer eine eigentliche Subfibiarität im Sluge 
hat. ©oferne allerbingS (in llebereinftimmung mit ber SanbrechtSfteHe 
IV., 4, § 2) an bie ©pipe bet ©ah geftellt ift, baß bie ehelichen ©djulben 
junächft auS ber ©rrungenfehaft ju bejahten feien, lönnte man geneigt 
fein, jene SluSbrücfe lebiglich auf ben gaH ber Unjulänglichfeit ber 6r= 
rungenfehaft ju beziehen. Allein bann müjjte man annehmen, Stegfeber 
tooHe bie ©befrau mit ihrem eigenen, nicht jut ©rrungenfehaft gehörigen 
Vermögen überhaupt nicht haften laffeit, roährenb er boch felbft für ben 
gall ber Unjulänglichfeit ber ©rrungenfehaft bie hälftige Haftung jebeS 
©begatten ooranftellt. UeberbieS ergibt fich aber auch auS ber bei Step» 
f ch e r a. a. D., Stote 12 ju finbenben 8ejugnal)me auf bie gegenteiligen 
SluSführungen oon ©riefinger, flommentar 8b. VII, ©. 239 unb 
SB eis haar, roürtt. § 159, bajs Stepfeber eine fubftbiäre 

Haftung beS ©bemannS gegenüber ber ©befrau, unb jmar nicht etwa im 
Sinne einer bloßen ©eilungSeinrebe , auffteHen roollte. ©enn bie ge» 
nannten beiben ©cpriftfleller befaffen fich “• a ■ D. gerabe mit bet juerft oon 
8efoIb (f. © 341 Stote 2) angeregten grage. ©rief in ger fagt: „wenn 
auch einer ber beiben ©begatten feine fjiilfte ju bejahten nicht im ©tanbe 
märe, fo ift ber anbere ©begatte beSmegen boch nicht fchulbig, für 
feinen ©atten ju bejablen". SB ei S haar brüeft ftch für benfelben gaH 


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3Bächter=Spittler: Haftung beiber ©Regatten 348 

Dtto, D.SErib.Siat, Sntrcurf eines ©efefeeä über bie et)elicf)e 
©i'itergemeinfcfjaft, § 70 unb ®egriinbung fyieju ©. 1 01, 102 *) 
unb l'atig, ^erfonen;, ^amilien= unb 3lormunbfd)aft3redE)t, 
2. Stuf l. ©. 369, 9iote 19 ju § 53 a ). 

noch cfiarafteriftifc£)er baf|tn auS: „e 8 erwach ft hieraus für ben ®läu= 
biger fein Siecht fich beSljalb an ben anbern Satten ju galten". SBenn 
alfo 91 e 9 f er gegenüber biefer SluSbrucfSroeife nicht etwa bie ‘üetiaupt- 
ungen ©riefingerS unb SBeiSljaarS beSljalb für unjutreffenb er= 
Hart, weil ber Seemann non §aufe auS für bie ganje 'rfiulb in solidum 
hafte, fonbern feinen SBiberfprud) in bie oben angeführten Sorte fleibet, 
fo fann hierin nichts anbereS af 8 bie Slufftellung gerabe be 8 non 0 rie= 
finget unb SB e i 8 h a a r nerneinten SiedjtSfaheS, foweit bie Haftung be 8 
(5!) ernannt in Frage fomrnt, gefunben inerben. 

3 u bemerfen ift übrigens, baji Siepfcher bie SJiitmirfung be 8 ®f)e= 
mannS bei Kontrahierung ber Sdjulo uorauSfept. 

1 ) Siefer im großen unb ganjen auf gijierung beS beftetjenben 
StedjtSjuftanbeS berechnete ©ntrourf fann als SluSbrucf ber Ueberjeugung 
feines SSerfafferS auch de lege lata unbebenflid) angefehen werben. Set 
norgefchiagene § 70 tautet : „Ser ©bemann ift iiberbieS (b. h- neben 
ber Haftung ber „©emeinfchaft") bei ben oertragStnäjjigen ©ojialfdjulben 
auShitftich filr ’8 ®anje nerbinblich". SttterbingS erhebt ftcfj auch hier 
auf ben erften 8 lid ber Qineifet, ob nicht gefagt werben null : junächft 
ift bie Schulb aus bem norhanbenen gemeinfchaftlichen '-ßermögen ju 
berfen, reicht bieS nicht ju, fo ift barüber hinaus bie ©befrau gar nicht, 
ber ©bemann bagegen fiir’S öanje nerbinblich- SUIein, bah bieS nicht 
bie Stuffaffung beS ©nttnurfS toar, ergibt fich auS beffen übrigem Inhalt 
unb ber beigegebenen Söegriinbung, fo j. 8 . auS § 156, wo atS SBirH 
ung ber roeiblichen Freiheiten unter Sejugnafime auf Slrt. 68 
beS ^ßfanbentroicftungSgefeheS beftimmt ift, bah bie ©b c f rnu ben ®emein= 
fchaftSgtäubigern nur bann, wenn fie fich felbft nerbinblich gemacht, unb 
nur auShtlfSroeife hafte, ferner au 6 ber Semerfung ber üDiotioe 6 . 163 
(ju § 159), bah oh ne Slnrufung ber weiblichen Freiheiten baS ganje 
Vermögen ber ©hefrau, nicht btoh ihr ©inbringen, für bie ©ojialfdjulben 
nerhaftet märe, ober m. a. SB., bah bie ©hefrau, wie nach beftehenbem 
Siecht aufser Streit ift, für bie ©ojialfdjulben eben jur fjälfte perfön= 
lieh haftet. 

2 ) i.'ang, welcher in ber jweiten Sluflage feinen ©tanbpunft ge-- 
änbert hat (f- unten 3*ff- III.) fpricht hier nicht gerabeju auS, bah bie 
Haftung beS ©hemannS für ben Slnteit ber ©hefrau nur bann eintrete, 
wenn biefe nicht bejahten fönne. UebrigenS erflärt er bie ooit ihm nun= 
mehr befämpfte, in ber erften Sluflage geteilte entgegengefefcte Slnficht 


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344 


Slbljanblung. XIII. 


III. $ebe a u cf) nur fubfibiäre Haftung be$ 
<5f)emann3 für bie ©d»ulbf)iilfte ber ©Ijefrau, unb ebenfo um= 
gelehrt, roit'D o e r it e i tt t ooit $ o cf) ft e 1 1 e r, annotationes 
ad ius provinc. Wflrtt., iEeit IV. iEit. 4, § 2, 1. Auflage, 
©. 292; ©riefinger, Sanbred)t3Eomtuentar 33b. VII, ©. 
239 bei Diote s. (ju ogl. aucf) ©. 244 bei 9iote h.) ; 9t ein- 
fi a r b t, Sanbrecfitäfommentar 33b. III, (4. £eil) <3. 73, Seljre 
oom ©ant, 93ei(. I, (©. 274) § 17 bei 9tote 2; 3Bei3ljaar, 
roiirtt. ifkioatredit, § 159 nadj 9tote d, 3. 2lufl. ©. 172; 
33ierer, roürtt. ^3rioatrec^t, 33b. III, § 228, ©. 27. 28; 
Sang, ißerfonenredü, erfte Stuftage, ©. 296, § 53, 
9tote 19; D o fj I (©tein u. Äübel), roürtt. Erbrecht, § 202 
3ufa§ II, 4. Stuft. ©. 228; aud) ißfijer, 9tedjte unb 33er= 
binblidfofeiten ber SBeiber, 1. ^Ceit, § 122 ©. 242 — 245, fdfjeittt 
auf bemfelben ©tanbpunfte ju fielen, roenngleidj Ijier auf bie 
grage ber Haftung be« 9Jtanne3 nic^t näljer eingegangen roirb. 

®en brei im 33i3l)erigen erroäljnten Sluffaffungen fteljt 

IV. bie 3lnfid)t berjenigen ©djriftfteder gegenüber, roeldje 
betjufö 33eantroortung ber fjftage i e na $ ^ er ©ntfteljungSroeife 
ber ©ojiaIf(|ulb unterfdjieben roiffen rooden. SDiefelben ftim= 
men für ben $-ad gemein famer ©ingeljung ber ©c^ulb 
burd) beibe ©fjeleute fämtlid) baljin überein, bajj jeber ©atte 
(non ber ©oentualität ber Slnrufung ber roeiblicfjcn greifjeiten 
felbftuerftänblidj abgefef>en) nur für feine §älfte Ijafte, roo= 
gegen, fad3 ber ©ijemann (ober aud) nad) einigen ber nadj- 
genannten gdjriftfteder, fad# bie ©tjefrau) allein fontra; 
tjiert f)at, bie ©otibar^aft b e s* ©fjemannä eintreten 

bocf) nur auf biefen galt, „in roetcfjem bie grage befonber« praltifd^ roerbe", 
für eine juriftifdje Unmögli$leü. Unb aufierbem ergibt fttf) au« ber »on 
Sang im Sejt (a. a. D. bei 9tote 19) gleidjlautenb mit ber erften Äuf= 
läge uorangeftellten Siegel ber Haftung beiber ©Regatten für bie Hälfte 
ber Sojialfdmlben, bajj er eine prinjipale ©olibarfjaft be« ©bemanne« 
nidjt im Sinn Ijaben lann, ba Ipeburd) bie juerft au«gefprod)ene Siegel 
für ben ©bemann toieber in äöegfalt läme, roogegen eine fubfibiäre Samt- 
»erbinblid)feit be« SJlanne« nicf)t nur mit jener Siegel fid) ganj rootjl 
»erträgt, fonbern eine »on Jpnufe au« »orfjanbene Teilung ber prinjipalen 
©aftbarfeit fogar begriff«gemä& uorau«fe(st 


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® 8 chter=©pittler: Raffung beiber ©^eflaiiett. 


345 


foQ. $ie Vertreter biefer 5TJ)eorie finb: Sauterbad), 
diss. de aere alieno in societate conjugali contracto solvendo, 
fEüb. 1669, §§ 55. 56. 64; ©melin, diss. de obligatione 
uxoris ad solvenda debita a conjugibus contracta , moto 
imprimis super bonis mariti concursu creditorum, Tübingen 
1785, § 23 bei 9iote h. § 24 bei 9fotc q. '); Bolle»), 
breiunbbreifiig fHuffäfse, ©. 293— 296; Betrachtungen, ©.277. 
278; ©ntrourf einer Stmt-iinftruftion, SJiotiue ©. 1 1 8 ; 9ted)te 
rtnb Berbinblidjfeiten roürtt. Bürger, 1. 2lufl. § 108, 3lnnt. a4, 
©. 205. 2. Stuft. § 140, Sinnt, c, ©. 238. 239 2 ) ; 9t 5 m er, 
Botlefungen über roürtt. ^rinatredjt, ÜJIffr. § 165; 9Jtaro 
b r i), Borlefungen über roürtt. 'Jkioatrecht, 9Jtffr. § 89 B. III.; 
© tie gli h, Kommentar jur 9teid)3fonfur3orbnung, ©. 235. 236. 
®en getneinfani f ontratjierten ©ojialjcbulben nterbeti bamt 
auch biejenigett ©Oäialfdjulben gleidjgeftellt, roeld^e unabhängig 
»om SBillen ber <£l;egatten , B. burch ©ef<häft3führung 
eineä dritten, entftanben finb. 

Beoor nun an bie Prüfung biefer nerfdjiebenen Slnfidt;ten 
gegangen roerben tann, finb folgenbe allgemeine Betnerfungen 
norau^jufchicfen: 

1. SBenn non ber gefehlten Haftung ber ©begatten 
für bie ©ojialfchulben bie Siebe ift, braudft barauf nicht näher 
eingegangen ju roerben, baf? unb unter roelchen Borau-Sfehungen 
foroohl ber ©bemann, al$ auch bie ©befrau oermöge pofüioer. 


1) Sine beutfche Uebertragung biefer Siffertation enthält ber 2tn= 
hang’ , äur' , 5 Stuflage ber © nt e l i n ’fdfen Drbnung ber ©lau- 
biger: „Sott ber Serbinblidjleit einer ©fjeftau jur Se;af)Iung ber bei 
bent ©antprojefj über baä Sermögen if)reö ©^ettiattu« eingeflagten 6 d)ul’ 
ben". f bafelbft § 18 bei Sote g (S. 737), § 20 bei Slote y (S. 742). 

2) Slllerbingg pflegt Sollet), fo ä* non Sie 9 fd) er a. a. D , 

tton Sang a. a. D., als Autorität für bie Sinnahme einer auänahmS» 
lofen ©otibarf)aft be3 ©fjemannä citiert $u roerben. SUlein bei näherer 
Setracfitung jeigt ficf), bajj S 0 1 1 e 9 ju ben Snljängern einer ber oben 
unter I u.-II befprodjenen Sichtungen nicht ge)äf)lt roerben barf, worüber 
neben ben im Jejt angeführten Schriften SolIep’S auf bie roeiter 
unten ju citierenben SBerle beSfelben SerfafferS Sejug *u nehmen ift. 


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346 


9lbbanblung. XIII. 


fei e3 nun auäbrücflicber ’) ober ftillfdbweigenber, 3BiUen3et= 
flärung U;re Haftung für eine bie eheliche ©efcHfcbaft ange^enbe 
©djulb auf ba$ ©anje berfelbcn erftredfen 2 ), ober, bafe unb 
unter welchen sBorauäfe^ungen bie ©ijefrau — mittelft 2ln= 
rufung ber weiblichen greibeitcn — fidf» bet Haftung für eine 
beftefienbe ©ojialfdbulb fogar gegen ben SBillen beä ©läubigerS 
unb be$ (Seemannes nachträglich wieber entiebigen fann. 

2. ©benfo ift oon ber gegenwärtigen Unterfudbuitg aue>= 
pfcbeiben biefenige Haftung, welche ben fontrabierenben ©J»c= 
gatten als Äontrabenten in folcben gälten trifft, wo ber fojiale 
©fjarafter ber ©d)ulb bent itertrag^gegner gegenüber nicht 
junt älusbrucf gebracht worben ift. ®enn aus ber Haftung, 
welche in biefem galle ben fontrabierenben ©atten als folgen 
trifft, fann auf bie Haftung beiber @b e 0 Q tt en für eine aus= 
gefprodjenermafien -Namens ber ehelichen ©efellfdbaft fontra= 
bierte Sdjulb in feiner Sßeife gefcbloffen werben 3 ). 

1) Sei ber ©befrau farm wegen beS ©rforberniffeS ber QnterjeffionS* 
form natürlich nur eine auöbriicftic^e 9BiHenSerflärung in fjrage fommen. 

2) ©elbftuerftänblicb tann bie Haftung beS einjelnen ©begatten 
burcb Vereinbarung mit bent Vertragsgegner auch befcbränft roerbeti. da- 
gegen märe bie VertragSbeftimmung, baß für eine ©ojiatfcbulb ber eine 
©begatte gar nicht haften fotte, eine contradictio in adjecto, unb mürbe 
eine Vereinbarung be3 QnbaltS, bah „blofj bie ©rrungenfebaftSgefellfcbaft 
oerbinbticb werben folle" (»gl. VMirtt. 2lrcbit> Vb. XVII, ©. 429 Kote 13), 
wohl babin aufjufaffen fein, baff beibe ©begatten in bem für ©ojial- 
fcbulben burcb bie ©efefje biSpofitio beftimmten Verhältnis bie perfönlicbe 
Haftung übernehmen. Senn als ein befonbereS, »on ben ©begatten »er 
fd)iebeneS SledjtSfubjeft ift bie ©rrungenfcbaftsgefellfcbaft bis jeyt nicht 
anerlannt unb auch wohl nicht anjuerlentten. 

3 ) ©elbft wenn man bie ©runbfäbe ber actio inatitoria auf biefen 
gall anmenben will, worauf fpäter noch jurücfjufommen ift, lann »on 
einer Haftung beS nicht fontrabierenben ©atten auS bem Äontraft, 
fall® biefer lefctere ausfd)liefilicb auf ben Kamen beS fontrabierenben 
©atten abgefcbloffett würbe, nur in bent Salle bie Kebe fein, wo auf baS 
eheliche Verhältnis irgenbwie Veäug genommen worben ift. 
I. 1 § 9 D. 14,1 SBinbfcbeib, § 482 Kote 9 u. Kote 14 c. Grifft biefe 
VorauSfefcung nicht ju, fo ift eine Haftung beS nicht fontrabierenben 
©atten überhaupt nur unter bem ©efidjtSpunft ber Verwenbung ju fon= 
ftruieren. Ser fontrahierenbe ©atte muh aber in biefem gatle aus bem 


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2ßäd)ter=St>ittIer: .fjaftung beiher ©Regatten. 347 

3. ©rtblicf) ift bie grage, auf roelc|e äüeife Soäialfdjulben 
entfielen fönnen, |ier nur inforoett ju berühren, als gerabe 
an bie @ntfte|ung3roeife ber ©c|utb bie »or|anbenen ©egen= 
fä§e ber SC^eorie unb etroaige 9tec|t3bilbungen angefniipft 
laben. @3 ift ba|er nur beiläufig ju erroä|nen, baß neben 
bem gatle au3briidlid)er &ontra|ierung einer Sojialfclulb burci» 
beibe ober einen ©|egatten 9ianten3 ber e|clic|en 0efeHfc|aft 
bie fßraji3 eine fojiate Verbinblidjfeit in3befonbere auc| nad) 
ben ©runbfä|en ber Verroenbungsflage ’) entfte|en läßt, o|ne 
bafi |iebei eine Sejugnalme 2 ) auf ben e|elic|en 3 TOe( f ^ et 
©djulb beim Vertragsabfdjiufi geforbert mürbe 3 ). 

Unterfudjt foll nur roerben bie Haftung ber @|egatten 
für eine ©ojialfd|ulb a 1 3 f o t df> e , alfo für eine ©djulb, 
bereit foäiale ®igenfc|aft feftfte|t, fei e3 roeil bie Verroenbung 
äu e|elic|en 3n>Mfen barget|an ift, ober meit beibe G|egatten 
getneinfant fontra|iert |aben |2trt. 3 be3 fpfanb;©rgänäung3= 
gefege3], ober roeil einer berfelben ober ein dritter in be- 
fugter Vertretung ber e|elic|en ©efellfdjaft bie ©c|ulb 9lamen3 
ber lederen gemalt |at. 

®aß |infidjtlic| ber fo oerftanbenen Haftung ber @|e= 
leute audj na<| äugen non je|er bie Veftimmung be3 roürtt. 
£anbred)t3 *), Zeit IV. ^it. 4. § 2 jum 2lu3gang3puntt ge= 

flontratt unter allen llmftänben auf baS ©anje ber ©djulb haften, unb 
e3 ift fpefür bie fojiale Statur ber [enteren uöuig gleidjgiltig. 

1) »gl. Sollep, 33 Sluffä^e S. 292. 296. SBürtt. 2trchi» 33b. 
XXI, ©. 243 bei Stote 1. 

2) roie bieS nad) gemeinem Stecht geforbert roerben miifite. »ergt. 
90B iitb fc^eib § 483 bei unb in Stote 5. 

3) ©eroöhnlid) roirb geteert, eä fomnte barauf an, ob bie ©djulb it;rer 
Statur nach ben fojialen 3roe:t an fidj trage, unb biefer galt neben ber au3= 
gefprodjenermafien für bie eheliche ©efelljchaft erfolgten ätertragSfdjliejjung 
befonbero aufgeführt (fo g. 33. bei Sang, ißerj St. § 53 B. 11.2 b. a. ß.). 
Sltlein biefe foaiale Statur ber ©djulb tann nur entroeber als Qnbijium 
für bie bei beiben Kontrahenten obroaltenbe 31 b fiel) t ber Segtünbung einer 
©ogialfdiulb, ober aber unter bem ©eftcfjtäpunft ber SSerroenbungätlage 
in Betragt fommen. 

4) darauf, bafj baS britte Sanbrecht »ont Qaljre 1610 ben®runbfafc ber 
hälftigen Säerteilung ber ©ojialfdjulben jroifdjen beiben ©freuten im 


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348 


SIbbanblung. XIII. 


nommen raorbcn ift, fann nidjt SBunber nehmen. Unmittel- 
bar freilid) ift l;ter nur gejagt, bafe bei Trennung ber (Sfje 

gälte be? Mobe? eine? Ehegatten neu eingefübrt bat, unb bafs be?balb 
mit ben Seflimtnungen ber beiben erften Sanbred)te non 1555 unb 1567 
nicht nie! ju beroeifen ift, bat Sang, 1. Stuft. ©. 296, gegenüber ber 
Semerlung non 9tet)fcber, roürtt. ^rioatrecbt § 564 9tote 13, mit Stecht 
bingewiefett. SlHein e? biirfte ber Sollftänbigfeit wegen boct) non Qntereffe 
fein, bie betreffenben Seftimmungen be? erften unb jroeiten Sanbrecbt? 
lurj anjufüt)ren, unb jroar bie? um fo inel)r, weil bie Prüfung biefer 
Seftimmungen ergibt, bajj fie auch für bie Slnnaljme einer etwa nor 
bem britten Sanbredjt gefeblidf) beftanbenen Sotibarffaft be? ©bemanne? 
für bie ©ojialfdjulben, ober überhaupt für bie Slnnabme einer oorroie- 
genben Haftung be? ©bemanne? im ©egenfap jur ©tiefrau nicht ben 
ntinbeften Slnbalt bieten. 

Ma? erfte Sanbrecbt beftintmt, (unb jwar ohne Unterfcfieibung , je 
nacfjbem ber Wann ober bie grau juerft ftirbt unb je nad)bem gemein* 
fcbaftliche Sittber, bejro. Me?jenbenten be? Serftorbenen oorljanben finb, 
ober nicht), baf „alte Sebulben, fo in wäbrenber ©be burd) beibe ©I je* 
teute gemacht, au? famentbafter unterteilter ©rbfebaft allenthalben am 
erften bejaf)(t werben folten", (f. 9t epf eher, ©ef. Sammlung 33b. IV. 
©. 371 9tote 556). 3u biefer gefamten unoerteilten ©rbfdjaft gehört 
nach bem erften Sanbrecbt bie ganje ©rrungenfehaft. ©ine ©efellfebaft?* 
teitung würbe auf ben ab intestato erfolgten Mob eine? ©begatten über* 
haupt nicht oorgenonunen (ogl. 2ßä elfter, württ. Sjkioatrecbt , Sb. I. 
©. 247 bei Stote 6), unb hienach war e? ganj lonfequent, auch bie 
Saften ber ehelichen ©efeüfchaft junächft bem 9tad)lafs (nicht bem ner* 
ftorbenen JJtanne al? bem ©bemann, fonbern ganj ebenfo auch ber 
oorber oerftorbenen ©befrau) jujufcheiben, womit freilich bie lieber* 
wäljung auch ber gefamten ehelichen ©inbufie auf ben Staeblafj (f. 9B ä eb= 
ter, a. a. D., ©. 429 9tote 4 am Schlup) unb bentjufolge bie Meclung 
ber au? ber ©rrungenfehaft nicht ju tilgenben ©ojialfchulben lebiglich 
au? bem ©onbergut be? oorber oerftorbenen ©begatten noch nicht ge* 
rechtfertigt, unb eine Seftimmung über bie ©chulbenhaftung für ben gall 
ber Itnjulänglichteit be? 9iacl)Iaffe? überhaupt nicht gegeben mar. 

2)ur<h bie Melioration oom 31. Wärj 1558 (Siepfeber, ©ef. S. 
Sb. IV. ©. 157 — 159) würbe ba? erfte Sanbrecbt baf)in erläutert, ober 
oielmehr (ogl. 2öäcf)ter, a. a. D., ©. 247 9tote 6., ©. 254 9tote 13) 
abgeänbert, bah Salle linberlofer ©he auf ben Mob eine? ©begatten 
junächft bie ®efellfchaft?teilung oorgenominen, unb bemgemäjs bie halbe 
©rrungenfehaft bem Ueberlebenben oorab jugefchieben, alfo nur bie anbere 
Hälfte al? Seftanbteil be? 9iacf)laffe? angefehen werben follte. Miefer 
©runbfap würbe burch ba? jroeite Sanbrecht mit ber gleichen Sefdjränlung 


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9 B 8 djter 5 ©pittIer : Haftung beibet ©Regatten. 349 

burcf) ben £ob eines Ehegatten bie »ott bciben Eheleuten ge= 
malten ©Bulben, foroeit bie Emmgenfdjaft ju tfjrer ®ecfmtg 
nidjt auSreidje, jur .§älfte aus bem eigenen Vermögen jebeS 
©Ijegatten bejaijtt roerben follen. Mein in Ermanglung jeber 
anberroeitigen lanbredjtlidjen 33eftitnmung mar eS junädjft fetjr 
natiirlicf), baö jener <Sa§ »on jefjer ganj allgemein ') fiir bie 
Verteilung ber ©Ojiaffäjulben im internen Verhältnis beiber 
Ehegatten jur 2(nroenbung gebraut roorben ift. Unb aud) 
fiir bie Haftung nach aufjen ift bie Slnroenbbarfeit bes £anb= 
rechtSfafjeS, roeldjer ohne weiteret jur Verneinung jeber So= 

auf ben galt finbettofer ©Ije aboptiert, gletcljroofjl aber beftimmt, (f. 
Stepfd&er, ®ef. ©. ©b. IV. ©. 369, ©.372) bafj bie Sdjulben, foroeit 
fte au? ber ©rrungenfdüaft niefit gebedfl roerben lönnten, au? be? oer= 
ftorbenen ©Ijemanne? beim, ber oerftorbenen ©Ijefrau eigener anberer 
SSerlaffenftfjaft ju befahlen feien. ^nforoeit blieb e? alfo bei ber ©es 
ftimmung be? erften Sanbredjt?, unb bie ^rage, ob bei Unjulftnglitfjteit 
be? 9tad>taffeS jur Sedtung ber Sojialftfjulben ber iibetlebenbe ©begatte 
al? folget haften fottte, rourbe audfj jefet nidjt geregelt. ©emerfenSroert 
ift nodj, baf? ber ©rfa(;anfprucf) be? ©erftorbenen wegen einer an feinem 
©onbergut erlittenen ©inbufje aucf) nadj bem jroeiten Sanbrettit oon bem 
iiberlebenben ©fjegatten nidjt etwa hälftig ju betten ift, fonbern baf) bei 
UnsuK* n 0 bd)teit ber Grrungenfcfjaft biefe ©inbufie eben einen 3lu?fall an 
ber ©rbfcfjaft bilbet. (»gl. SBäcfjter, a. a. D., S. 278 9iote 42). 

®ap fotoofjl ba? erfte mie ba? jroeite 2 anbred)t bem oerftorbenen 
©fjegatten offne llnterfcfjieb jroifcfjen Wann unb grau bie au? ber Gr= 
rungenfcfjaft nidjt ju bedtenben Sojialftfjulben jufrfjeibet, f iibjrt übrigen? 
9tetjfdjer, roürtt. 9jkioatredjt S 564 9lote 10, felbft an, unb toentt er 
gleidjroofjl auf ben § „9Sann nämlidjen" ic. be? jroeiten (toie e? ftatt 
„baö erfte 2 anbredjt" a. a. D., Diote 13, fjeifjen mufj) 2anbrecf)t? ©ejug 
nimmt, unterliegt er offenbar nur burdj ein ©erfeljen bemfelben Dtijjs 
oerftänbni?, in roeldje? f(fjon bie ©ifengrein ’fdje Relation jutn 4. SCcit 
be? 2anbredjt? (f. Söürtt. 2anbrecf)t?aften S. 479 unb äßädjter, 
©rioatredjt a. a. D., S. 428, 9tote 4) oerfallen ift. 

1 ) 2 )aj? ber SBortlaut be? § 2 ju eng ift, ergibt eine ©ergleidjung 
mit S 3, roonadfj bie oon einem ©fjegatten gentadjten Sdjulben nur 
unter getoiffen weiteren ©orau?fefcungen al? ©onberfdjulben befjanbelt 
roerben follen. darüber, bafe (junäcfjft fiir ba? interne ©erf|ältni?) aUe 
Sojialfdjulben unb nur bie ©ojialftfjulben (f. ©riefinger, Kommentar 
©b. VII. ©. 235, 9tote g, ©. 244 bei 9tote h) unter ben § 2 fallen, 
beftefjt benn aucfj Ijeut^utage fein Streit. 

^a^cOiiiber b. SOitrUemtio. Dte^tspflcgc. I. 24 


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350 


9(6fjanbtung. XIII. 


libarhaft führen mürbe, (f. oben 3*ff- HI) an fid) »on feinet 
bcr brei 9iid;tungen I II u. IV bcanftanbet. 3SteImef»r läuft, 
foroeit bte Vertreter ber teueren eine Slegriinbung ihrer 2ln= 
fid;t überhaupt für erforberlid; Raiten, biefelbe eben entroebcr 
barauf hinaus, bafj ber £anbred)tSfah für geroiffe GntftehungSs 
arten ber ©oäialfdjulb burd) bie ©runbfäfce beS gemeinen 
9ied)t3 ntobifijiert merbe, (oben 3*ff- IV) ober baff berfelbe, 
fei eS burd) bie roürtt. ^ßfanbgefe^gebung (oben 3iff- I u. II), 
fei eS burd) ©eroof)nheitSred)t , im Sinne einer mehr ober 
roeniger roeitgehenbeit Solibarhaft beS ©h^ntanneS abgeänbert 
morben fei. 

A. 2BaS nun bie 3uhüf en ahnie beS gemeinen Siebte 
anlangt, fo fönnen gerabe bie gemeinrechtlichen ©runbfäfje ber 
Sojietät, auf meldje in*befonbere i'auterbad) feine 9lnfid)t ge- 
ftüfct f>at, nad) ber ^eute tjerrfc^enben unb roofjl richtigeren 
Sehre für ben ©tanbpunft ber oben unter IV angeführten 
©chriftfteller nid^t mehr oerioertet roerben. Sauterbad), unb 
anlehnenb an feine ®iffertation bie fpäter anjufüfirenben ©ut= 
achten ber Tübinger Quriftenfafultät gehen mit ber älteren 
gemeinrechtlichen ©oftrin baoon au 1 ?, baff jroar mehrere ge= 
meinfam fontrahierenbe ©efellfchafter nach '• 11. § 2 I). 45,2 ’) 
nur nach Kopfteilen haften / baff bagegen im gälte ber Gin= 
gehung einer ©efellfchaftsfchulb bur<h einen ©efeUfcbafter oer= 
möge ber ©runbfähe ber inftitorifchen Klage 2 ) an unb für 
fich bie Samtoerbinblichteit fomohl für ben @efd)äftsführer, 
als für bie burd; ihn oertretenen anberen ©efellfd;after be- 
grünbet fei. ®er fo gefunbene 9fed)tSfah roirb bei feiner 
Uebertragung auf bas 9Serh«ltnirS ber tanbrechtlicben ©rrungcm 
fdjaft'Sgefelifd^aft atSbann nur inforoeit angeioenbet, als bie 
©chranfen ber gnterjeffion bieS julaffen, unb fo gelangt ein 
S^eil ber Vertreter ber wiertett Slnfidjt ,iu einer ©olibarljaft 
beS GhemanrteS nicht nur für ben gall ber Kontrahierung 
burd) biefen felbft, fonbern aud) für ben gall beS 33ertrag& 

1) ngl. [;ieju aud) i. 44 § 1 I». 21,1., I. 4. pr. D. 14,1. 

2) I. 13 § 2, 1. 14 D. 14,3. 


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9Bäd^ter=<£pittrer : Haftung Beiber ©Regatten. 351 

abfcbtuffeS burdb bie G^efrau. ©iefer flanken Sbeorie wirb 
aber nom ©tanbpunft be§ heutigen gemeinen 9ted)te3 ber 
Voben entgegen, fofern bienad) oermöge bes fßringipg un= 
mittelbarer ©teEoertretung and» bei ber ©ogietät au€ einem 
nantenä ber ©efeEfcbaft bureb einen ber ©efeEfcbafter abge= 
fchtoffenen SRed^tSgefc^äft alle ©efeEfcbafter nur ju ihrem ©e= 
fettf<b>aft-Santeil b a f ten ')• 

B. Sie mürtt. fßfanbgefefjgebung hat, wie bie§ 
auch nicht im Vereid) if)ter Aufgabe tag, eine biret'te Veftim= 
mung über bie ©ebutbenbaftung wäbrenb be§ VeftebenS ber 
©rrungenf<haft3gefeEf<haft nicht getroffen. Unb auch mittelbar 
tonnen bie oon if;r aufgefteEten ©ruitbfäbe nicht, mie bie§ non 
ben Vertretern ber erften unb gweiten Dichtung gum Seit ge= 
fchiebt, für eine ©otibarbaft bei? ®b emartne ^ oerwertet werben. 
Sab bieä 

1) bei bem 3lrt. 68 be3 i|ßfanbentmicf[ung3gefe()e3 oom 
21. 3Jlai 1828 gunäcbft feinem SBorttaute nach nidjt ber gab 
fei, ift fefjon oft beroorgeboben worben. Slltein auch bie 9tn= 
nähme, ber ©efejjgeber b^e f)i er ftiEfchweigenb eine, etwa ge= 
wobnbeit-Srecbtlidj beftebenbe, aflgemeitte ©otibarbaft be-5 (S'be= 
mannet (für ben JaE, baff ein (Srruugenfd)aft3oergid)t ber 
Gbefrau nicht oorauägegangen wäre) fanftioniert, .finbet in 
ber Gntftebung3gefcbicbte be§ 2lrtifet3 feinen geniigenben 2tn= 

1) Slinbfdjeib, ^anbeften, 5. Auflage, § 407 9lote 7; Jtiibel, 
im roürtt. 2(rdjio, Sb. XL ©. 6 ff., XI?. <3. 317 ff.; 3Bftcf)ter, SJ5an= 
betten, H. Seit, 1881, § 177. II. C. 2. b. ©. 311. UeBrigen ift ju 
bemerten, bajj fdjon bie 2lnroenbung ber für bie rßmifcfiredjtlicf)e 3o= 
jietät geltenben @runbfäfce auf bie ©rrungenfdjaftßgefeUfcfjaft nidjt un= 
BebenftidE) ift (ogl. hierüber Sang, tj 46, 9iote 4), unb bafi, felbft beren 
2lnn)enbbarfeit augegeben, ber lontraljierenbe ©begatte teineSroegS bie 
SiecfitSfteUung eines blojjen institor Ijat, feine SertretungSBefugniS uieü 
mef|r Beim ©Ijemann auS bem SerioaltungSredjt , Bei ber ©Ijefrau (ber 
Siegel nadj, alfo foroeit fte nieftt .fjanbelSfrau ift) auS ber Sdjlüffelgeroatt 
abgeleitet roerben mufi. 23ie neueren Vertreter bet werten Slnfubt, f. j. 
S. Slanbrtj a. a. D., Stieg lifc a. a. O., grünben biefelbe ebenbarunt 
auef) nic^t mehr auf eine unmittelbare 2lnroenbbarteit jener Safce beä 
römifcfien 9tecf)t3. 

24 * 


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352 


Slbfjanbluttß. XIII. 


haltöpunft. ®ie gebrucfteit Materialien ber ©tänbeoerfamm; 
lung ’) geben über ben ©inn unb bie £ragn>eite beö 2lrt. 
68 nur fe^r fpärlirfjen äuffdilufj, unb eö barf bie3 rooljl bem 
Umftanb jugefdjrieben werben, baff ber Söortlaut beS Slrtifelö 
flar unb unjroeibeutig erfdjeinen mochte. ®ie '-Beranlaffung 3 U ber 
üöeftimtnung lag aber jroeifello^ lebigtic^ in bem Seftreben ber 
©efefjgebung, für ben guH ber Slnrufung ber roeiblicfien gteü 
feiten (unb ber baburd) im internen SSerljältniä bebingten 
Ueberroäljung aller ©ojiallaften auf ben ©bemann) bie Se= 
freiung ber ©^efrau aud) oon ber Haftung gegenüber bem 
©ritten foweit ab? möglich burchjufüljren 2 ). 

1) 3« »ßl. 35er f). ber Kammer ber 21 bg. non 1828. 1) ®e- 
fefceSentnmrf (2lrt. 52.) 2. a. o. Beil.fjeft, ©. 145. 2) 32ote beS Fuftiv 
2)lin. an bie Sorberatungöfommtffioii, baf. ©. 122. 3) Bericht biefer 
Kommiffion, 4. a. o. Beil.^eft, ©. 214. 4) ©ifjungSprotofoll oont 81. 
aiiär.) 1828, §eft VII. ©. 1827 — 1829. 5) 3ufatnmenftellung ber Se= 
fölüffe jum ^rotoloH nom 1. 2lpril 1828, bafelbft ©. 1867. 6) K. We= 
flript hierauf oom 1. 2lpril 1828, bafelbft ©. 1899. 7) 2lntrocrt4abreffe 
ber Kammer oom 2. 2IpriI 1828, bafelbft S. 1915 f. unb fßrotofoll ©. 1909. 

2) 35gl. ©arme p, SJtonatäfcbrift 3b. VIII. ©. 57., 2Biirtt. Street» 
3b. IV. ©. 427; 3 olle p, Kommentar jur fflfanbgefebgebung 3b. II. 
©. 642. 643. 3b. III. ©. 1275—1278. äöenn Bo Ile p (Rom. 3b. III. 
©. 1275. 1276) in bem 2Irt. 68 unb namentlich in beffen ©dblufjfab 
eine 2Iner!ettnung ber oon ihm früher aufgeftettten ©runbfäfce erblidft, 
fo ift bie4 nicht fo ju oerftehen, als ob feiner 2luffaffung nach bie 2ln-- 
nähme einer fdjon urfprünglich oorhanbenen, bem ©bemann ftiUfdpoeigenb 
obtiegenben ©olibarhaft bem 2lrtifel jugrunbe läge. 3ie(mehr befchöf 
tigen fiefj bie »ott BoIIep a. a. D., ©. 1275 Jtote 2 jitierten 2lbf)anb- 
lungen beleihen ©c^riftftetterö, beren 2luffaffung er nun jur (Geltung 
gelommen glaubt, gerabe mit ber (frage, wie bei fSuflöfung ber ©rrungen- 
fchaft4gefellfchaft burd) bie renuntiatio acquae-<tiis ein Rlagrecht beö @o= 
jialgläubigerS gegen ben ©bemann auf baS ©anje ju lonftruieren fei. 
Unb toähretib ber 3erfaffer in ben Betrachtungen, ©. 277. 278, 
oon bem ©afce auöging, bafj ohne auebrüdliche ltebernabme ber ©o!i> 
barhaft burch ben ©bemann bei gemein fchaftlich tontrabierten So- 
jialfcpulben ber ©laubiger ein folcbeö Klagfunbament, auch »ach 2ln* 
rufung ber weiblichen Freiheiten burch bie ©beftau, fo wenig aU 
oorber habe, mar oon ihm fpäter in ben breiunbb reijjig 2tuf* 
fäpen, ©. 303 — 307, ber 3erfud) gemacht roorben, basi Klagerecht be4 
SojialgläubigerS auf bacS ©an je für ben Fall ber Anrufung ber »eib* 


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3Mdjter--8pitt(er: Haftung beider ©(jegatten. 


353 


2 ) 2tuc£) ber 3trt. 23 2Ibf. 8 beS ißfaubgefeße-S fann für 
bie oben unter I u. II ermähnten 2lnfdjauungeti nidfjt oer= 
roertet werben. ®entt, wenn Ijier auSbriicflicfj gefaßt ift, ba§ 
bnrdj ben Gljemann auf einem iljnt jugeljörigen ©ut für eine 
gemeinfcfjaftlidje ©djulb befteüte Unterpfanb erftredEe fidj 
audj oljttc befonbere Grflärung auf bie ganje ©cfjnlb, fo 
barf barum feineäwegS bie Slnerfennung einer juoor fdfjon 
beftanbenen ©olibarljaft be3 Gfjemann-S bem ©efefsgeber unter; 
fteHt werben. SMeltnefjr war ber Ijier auägefprodjene ©aß 
fdjon oor Grlaffung beS fpfanbgefeßeä bamit begrünbet worben 1 ), 
baß bie Sßerpfänbung, foweit fidj um bie ©djulbljcilfte ber 
GIjefrau Ijanble, als» entweber oon bem Gljemann namens ber 
Gljefrau ober oon biefer mit GinmiKigung be$ Gfjemanneä oor; 
genommen anjufefjen fei. SSiH man aber nidjt anneljmen, 
bafj ber ©efeßgeber, ber oon ber petfön lidfjen Haftung 
be* Gljemann* unmittelbar überhaupt nidßt fpridjt, biefe nadj 
ben ©runbfäßen über bie Serpfcinbung einer fremben ©adje 
mit Ginwilligung bc* Gigentümer« 2 ) jebeitfaH* juläffige 2 ln=- 
fdjauung ju ber feinigen gemalt tjabe, will man oielmefjr ben 
2 lrt. 23 2 lbf. 3 be3 ^ßföef. (wie bie* allgemein gefdjieljt) 
baljtn oerfteljen, baß in bem Ijier oorgefeljenen $aHe bie 
llebetnafjme andtj berperfönlidjen$aftungfür 
b a * © a n 5 e burdj ben Gljemann präfumiert werben 

liefen greifjeiten auS ber Statur ber ©ntfagung beö StcguäftS 
t^eoretifdb ju begrünben. Sie Slnftellung biefeS Serfudje, ber burdj 
Steinfjarbt, Sehre oom ©ant, a. a. 0. ©. 274, bemängelt roorben Mt, 
märe aber ganj iiberflüfftg getoefen, roenrt Solle 9 oon ber Slnttcitjme 
einer fdjon urfprünglicf) »orfjanbenen ©amtoerbinblidjteit beö ©EjetnannS 
für alle ©ojialfdjulben (jätte auägefjen rooüen. SBaS bie Sinfidjt sU 0 U 
I e 9 ’S über ben ©influfs beS 9lrt. 68 beS ißfanbentroicflungSgefeheS auf 
bie ffrage b er gefeplidjen fjaftbarfeit ber ©fjeleute für bie ©ojialfdjulben 
mar, ergibt fidj übrigens am beutUe^ften auö bem oon ifjtn in feinem 
fiommentar Sb. III. ©. 1284 bei unb in Stote 4, ©efagten. 

1} Sgl. SoUetj, Sefjre oon öffentlichen Unterpfänbero, S. 129. 
13Ü, unb Ijieju auch Jtommentar Sb. I. ©. 165. 

2) ©. 9trt. 6 2lbf. 1 beS ißfanbgefeßeS unb für baS frühere Stecht 
Spllep, Sehre oon öffentl. Unterpfänbern § 39 S. 61 ff. 


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354 


Sloljanblung. XIII. 


folle, fo beftätigt gerabe bie 2lufftellung einer folgen s präfum 
tion alij ein Slusnahntegefeb bas Sßorhanbenfein einer Siegel, 
roonach ber (Seemann (in thesi) nicht fotibarifct), fonbern nur 
jur ,£älfte für bie gemeinfd;aftlichen ©djulben haftet ’). 

3) ©her geeignet jur Unterftiibung ber Stofidjten 3*ff- 
I u. II fdjeint auf ben erften SIlicf bie 58eftimmung in Slrt. 9, 
2lbf. 1 u. 2 be« ^fanbentroicf lungsSgef ege» , fofern hier be= 
fonbcr« ausgefprochen ift, baf; eine © he fr au ohne au-y- 
b r ü cf l i d) e ©rflärung für eine mit bent ©bemann gemeim 
fchaftlich Eontrahierte ©d;ulb nicht auf bas ©anje hafte, uitb 
man fich uerfucfit fühlen Eünnte, nermöge be« Schluffen auf 
bas ©egenteil anjunehmen, baf? bei bem ©heutann eine bt- 
fonbere biesfallfige ©rflärung nicht nötig fei. SlUein, baf) lefe- 
teres nicht ber ©inn bes Cüefe^c-S ift, ergibt fich einmal bar= 
au«, baf; ba« ©rforbernis ber au^briicf fidjen ©rflcirung riicf- 
fidjtlid; ber ©hefrau im 3ufammenhang mit ben neu geregelten 
görmlichfeiten ber Snterjeffion aufgcftellt ift, unb fobann auf 
bas SBeftimrntefte baraus, baf? ber ausgefprochene SlechtSfab 
nicht nur für ©hefrauen, welche mit bem ©bemann, fonbern 
für alle grauen, bie mit einem Slnbern gemeinfchaftlid) fon= 
trahieren, gilt, Senn, baf; baS ^fanbeutroicfluugSgefeb in 
'-Beziehung auf gemeinfam übernommene Skrbinblidjfeiten nicht 
b u r dj bie ©he unb bie ©rrungenfcbaftSgefellfchaft m i t= 
e i n a u b e r » e r f n ft p f t e r 5p e r f o n e n an bem oben 
(bei Siote 1 ®. 350) ermähnten gemeinred;tlichen ©runbfafj nicht« 
änbern, baf? es alfo nicht etwa ganj allgemein Qeben, ber mit 
einer ^rauen«perfon gemeinfd;aftlid; fid; einem Sritten obli 
giert, ohne SBeitcreS auf bas ©anje haften laffen miU, be^ 
barf feiner Shisfübrung. Shif ber anbem ©eite ift aber eine 
SluSlegung, moburch ber 2lbf. 2 bes 2lrt. 9 einen roeitergebenben 
Inhalt als ber 9lbf. 1 besfelben erhielte, fdjon burcf) bie Raffung 
bes ©efefjes au^gefdjloffen. 

C. J-ür bie Sinnahme eines © e m o b n b e i t S r e d) t e S 

1) Sebiglid; befjufS Sfefeitigung biefer, feiner eigenen Se^re ungiin« 
feigen Sluäleguttg ber fraglichen ©efefceöfteUe befdjäftigt fidj benn aud) 
9t et; {eher, a. a. D., § 564 9iote 12, mit berfelben. 


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SBnchter=6pittler : Haftung beiber ©Regatten. 355 

in ber uortiegenben SEtaterie !önnte nur allenfalls ju gunften 
ber liierten 2tnfid)t geltenb gemadjt roerben, bafj in ber jroeiten 
|>älfte beS fiebjeljnten unb ber erften §älfte beS adfjtjefjnten 
3aljrl)unberts bie 9tecf>tSgutacf)ten ber Tübinger 3uriftenfaful= 
tat *) ben Stanbpunft ber £auterbad)’fdE)en ©iffertation ein* 
genommen unb in fonftanter ^rapiS feftge^alten Ijaben *), mie 
benn aucfj non 9t 6 tu er, a. a. D. bie 2luSbilbung eines ©e* 
rooljnfieitSrecfiteS 3 ) im Sinne ber Solibarliaft beS aEein fort* 
tratjterenben (SfjematmeS auSbriicfli<$ bezeugt roirb. luf ber 
anberen Seite feljlt es aber bodl) aud) nidljt an gegenteiligen 
^eugniffen 4 ) unb Grgebniffen ber EtedjtSfpredjung 6 ) aus fpä* 
terer $eit, unb mufete fdion ber Umftanb, bafj bie 9)teinungS= 

1) Diefe StechtSgutaditen hüben nacf) SB ächtet, roürtt. 9ßrio«tred)t, 
39b. 1. 6. 669 nafyeju bie einjige ©rlenntniäquelle für bie ^raji« jener 
IfSeriobe. 

2) gerbinanb ß^riftop^ §arpprecht, Sonfultationen Vol. 
Nov. Pars III (1713) Cons. 69 Sir. 208—213 (oom 26. SJiärs (1710); 
Cons. 70 Sir. 55— 58 (oom 25. Slug. 1711); Consilia Tübingen- 
si a, Collectio nova Sb. 1— III (1731 u. 1732); Vol. I. 30 Sir. 66 
(oom 13. Sion. 1688) 48. Sir. 3. (oom 29. SJiai 1695); II. 47. Sir. 18. 
42. 44 (fpejieU für bie SoIibarf)aft be« allein tontra|ievenben ®h ej 
manne«) ; III. 295 Sir. 23 (oom 2. 3uni 1682). 

3) SBenngleid) ber 2lu«gang§punft biefeS angeblichen ®eioohnheit«» 
rechte« nach heutiger gemeinrechtlicher Theorie laum mehr roirb feftge* 
halten roerben fönnen (f. o. ©. 351 Siote 1), bliebe immerhin ju ertoägen, 
bah eine 3iecht«anfchauung, «reiche un« oermöge be« gortfchreiten« ber 
SBiffenfchaft al« unrichtig erfcheint, barum noch nicht als irrig im Sinne 
ber 1 39 D. 1,3 betrachtet roerben muh, unb bah felbft eine entfchieben 
irrtümliche theoretifche Jlonftruftion unter llmftänben bie Unterlage für 
bie SluöbÜbung eilte« gütigen ®erPOhnI)eit«recht«fahe« abgeben !ann. 
(ogt. SBinb fcfjeib, $anb. § 16 Siote 3.) 

4) So bezeugt Sode p, 33 aiuffäfce S. 294, bah bie oon ihm aller* 
birtg« belämpfte ^Sraji« feiner Seit geneigt roar, bie ©ojialfchulben burch* 
roeg, auch toenn oom SJiann allein fonfraljierf, jtoifchen Wann unb grau 
gteichmäfjig ju oerteilen. 

5) Sßgl. .fjufnagel, SJlitteilungen, 33b. II. © 219 ff, too in einem 
©rlenntni« be« St. ©ericht«hof$ Tübingen oom 30. 3uni 1846, übrigen« 
ohne nähere 33egrünbung, gejagt ift, bah ber ©bemann, folange bie 

leiblichen greiljeiten nicht angerufen roerben, für bie Sojialfchulben nur 
jum hälftigen SInteil oerbinolicf) fei. Sobartn ba« ©. 341 Siote 1 oben an* 


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356 


Slbhanbluitg. X 111. 


üerfd)iebenE)cit in ber i'itteratur bi3 jur ©tunbe untermmbcrt 
fortbefteljt, ber (Sntroidflung einer auf bie lleberjeugung red)t= 
lieber -Jlotroenbigfeit gegriinbeten gleichförmigen Hebung im 
hödhften ©rabe ^tnberlid) fein. 

üöleibt aber nad) allem bisherigen nur bie Sabl jtmfcben 
ber brüten unb inerten 2lnfid)t übrig, unb h Qt bie erfterc ohne 
allen 3roe'ifel baS gefdjriebeue 2ied)t auf ihrer ©eite, fo mirb 
man fidj bei ben ber Slnerfennung eines ©etoohnheitSredjtS 
im ©inne ber oierteu Dichtung eutgegenfiehenben bebeitfen 
mit ben unter 3iff- HI. genannten ©chriftftellern für bie Ver- 
neinung j e b e r © o l i b a r h a f t, and) b e 3 © h e nt a m 
tt e 3, entfdjeiben muffen '). 

geführte Urteil beä uormaligen St. DbertribunalS oom 26. Dftober 1860, 
2S3ürtt. 2lrcf)i» 23b. IV. <S. 420 f., wo für baS ältere, nor ©rlaffung 
beä IjJfanbentwicflungögefeljeS geltenbe Stecht bie Siegel ber hälftigen 
Haftung beiber Regatten ol)ne ©rwähttung einer Sluönahme aufgefteUt ift. 

1) ®iefe3 ©rgebniS Ijat für bie ^rajiS feineSwegS fo mifjlidje 
Konfequeitjen, als bieö auf ben erflen S3licf ben 2lnfchein haben mag, 
©enn bei gemein}^ aftlid) fontraf)ierten ©ojialfcfiulben ift in ber ©hat 
nicht abjufetien, was ben mitfontratjierenben ©ritten ju. ber StorauS: 
feßung berechtigen follte, „bah ber Hi arm (ogl. Sang II. Stuft. ©. 369) 
als £aupt bes ftaufeS jebenfaUS für bie (ganje) ©djulb hafte". Slud) 
ift ber ©ritte ja nicht geljinbert, biefe etwaige Slorausfeßung baburch, 
bah fi* laut werben Iaht, jur SlertragSbeftimmung ju erheben. Kon* 
trahiert aber ber ©bemann allein, fo wirb in ben bei weitem meiften 
gällen mit bem fojialen Schulbiier!)ältniS ein jweites £<hulboert)ältniS 
tonfurrieren (f. o. ©. 340 3tote 3). Kauft j. 33. ein nach württ. Sanbrecht 
»erheirateter Jüeinljänbler in eigenem Hamen unb ohne ©rmäbnung feiner 
ehelichen SBerhältniffe 2öein, fo ift ja wohl jujugeben, baß biefeS 9tetljt3= 
gefchäft nach bem regelmäßigen 23erlauf ber ©inge jur ©ntftehung einer 
Sojialfchulb führen wirb. 2(ber eS geht boch gewijj ju weit, wenn 
Stellet), 33 2luffäße, 6. 291, bie grau in biefem gälte fchon aus 
bem Kontra ft für bie jjälfte ber Sdjulb oerbinblich werben läßt. 
S!on ber fyrage ber Sieroeiölaft unb namentlich in concreto erfor- 
berlichen UmfangS ber SJeweiSfüfjrung lann hier abgefehen werben. 2tber 
bie rechtSerteugenbe ©hatfache für bie 33erbinblichfeit ber grau ift bo<h 
in bem gebachten gälte nicht ber fiontraft, fonbern einjig unb allein bie 
©fjatfache ber SJermenbung. .fiat beifpielSweife ber t$f>emann ben ge* 
tauften 'Sein bel)ufa ©tlgung einer Sonberfdjulb einem ©ritten fofort 
an ^JahlungSftatt gegeben, jo wirb wohl fein ©ericht bie ©hefrau jur 


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SBftdjtet'-Spittler : Haftung beiber ©Regatten. 


357 


Dbroofjl Ifietnit bct§ Sterna ber gegenwärtigen Erörterung 
erfdiöpft ift, biirfte ee> nidft unangemeffeit fein, im 2tnfd)luf? 
an biefelbe auch nod) ber ®urd)fiit;rung ber oorftefjenb ent= 
nudelten ©runbfäfce im SMftrecfungSüerfaljren einige furje 
^etnerfungeit ju mibmen. ^»iebei mag bie feJjr fd)roierige grage, 
ob ber Sojiaigläubiger, foiueit e3 ftd^ um bie ®d)ulbf)älfte ber 
Ehefrau ^anbclt, gegen biefe ober gegen ben Ehemann al3 
ben Vertreter ber ErrungenfdjaftägefeUfdjaft ju flogen hat '), 

3abluttg ber .£>älfte beS JiaufpreifeS oerurteilen. 2luf ber anberit Seite 
roirb ber ©bemann ber auf baS ©anje gerichteten KaufSllage, auch wenn 
ber ffiein in ba§ ßrrungenfchaftSoermögen übergegangen ift, geroift nie= 
malS mit ©rfolg entgegenhalten Jönnen, baft er ja leine eigene, fonbern 
nur eine ©ojialfthulb lontrahiert habe. Ulan niufs fich, um baS SerftältniS 
richtig ju burchfchauen, nur auf ben ©tanbpunlt beS ©egenfontrahenten 
[teilen, ber gereift in ben feltenften fällen biefer 21 rt barum, ob ber 
Säufer oerheiratet ift, ober ooüeitbS um fein eheliches ©üteroerbältnis 
auch nur im minbeften ftch fümmern roirb, unb bem ebenbeSftalb roeber er= 
laubt noch jugemutet roerben fann, aus ber — lebiglich für ben ffiinge* 
roeihten erfichtlicften — „gefeUfchaftlichen Statur" beS KecbtSgefctjäfteS ben 
©djluft ju jieften, baft er es bei ©ingeftung beS SertrageS nicht mit bem 
©ftemann allein unb für’S ©anje, fonbern je hälftig mit biefetn unb ber 
©ftefrau ju thun habe. Sa nun ein auSbrücflicher SertragSabfcftluh na= 
menS ber ehelichen ©efellfcftaft burch ben ©hentann allein praltifcft gereift 
nicht häufig ift (ogl. SBiirtt. 2lrcftio Sb. XXI ©. 24.3 f.), fo roirb ber 
allein fontrahierenbe ©bemann allerbingS thatfächUch faft immer in so- 
liclam haften, aber bieS auS ©rünben allgemeiner Slatur, roelcfte mit 
ben partifularrechtlicften ©runbfäften über bie Haftung für ©ojialfchulben 
lebiglich nichts ju thun haben. — ©ine folche Konlurrenj jroeier ©cbulb* 
oerhältniffe hat rooftlauch ©riefin g er Somm. Sb. IV.©.1 142f.,int 2fuge. 

1) Saft gegen bie ©rrungenfdjaftSgefeUfchaft als folcfte nicht gellagt 
roerben fann, ift rooftl fetbftoerftänblich. 2Birb gegen 2)lann unb frrau 
in bemfelben ^ßrogeffe gellagt, fo roirb bie Serbinblicfjleit beS Urteils 
feinem ganjen önftalte nach für ben als Partei beteiligten ©bemann 
faurn in 3n>eifel gejogen roerben. Söie aber, roenn ber ©laubiger burch 
irgenb welche Umftänbe oeranlaftt ift, bie ©djulbbälfte ber CSfjefrau in 
befonberem ^rojeffe ju oerfolgen? Stuft berfelbe hier ben ©bemann auf 
Sulbung ber SroangSooUftrecfung in baS feiner Serroaltutig unterioorfene 
Sermögen ber ©befrau mitbelangen? (Sgl. ©au pp, Komm. j. ©.$.0. 
8 51 Sem. V. 1., 3eitfdjrift für freimütige @e richte barleit 
Sb. XXVIII. S. 169, auch ?fijer, im SBiirtt. 2lrchio Sb. XX. ©. 27 
9!ote 9.) Stau roirb ber Sejaftung biefer [frage rooht nur baburch entgehen 
lönnen, baft man alle befchränlenben SJirlungen beS ehemännlichen Set= 


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358 


Slbfjanblung. XIII. 


nur beiläufig ermäfjnt roerben. dagegen fann nidf|t unerörtert 
bleiben, in u>eld)e Söeftanbteile be3 efjelidhen ©efatntoermögenS 
bie 3?oliftrecfung einet Sosialfdfjuib ftattjufinben f)at, ba je 
tiad) Sieantroortung biefer ^rage ba$ praftifcfie ^Jntereffe an 
betn Umfang ber perfönlidfien Haftung ber ©fieleute mef)r ober 
weniger juriicftritt. 3unäcf)ft fönnte man baran benfen, baß 
in erfter Sinie bie oorfjanbene ©ruttoerrungenfcfjaft ba§ ©fe= 
fution^objeft barftelle, unb erft bei Unjulänglidhfeit berfelben 

roaltung«rechte« auf ba« ©ebiet ber ©adjlegitimation oenoeift unb ben 
©bemann fd>led)tf)in für uerbinblüb erflärt, bie Sßoüftrecfung ber gegen 
bie ©h e f tau ergangenen Urteile in bas feinem ©eroahrfam unb feiner 
Serroaltung unterworfene Sermbgen ber ©fiefrau ju bulben. SJlit ber 
Stedjtbanfchauung, baf} geroiffe Setträge bet ©fiefrau, reelle biefelbe ohne 
ben Seemann abgefd^Ioffert, gleichwohl gütig, aßet roäßrenb ber (Sße nicbt 
noUftrecfbar feien (SB ätztet in ©arroep’8 SOionatfc^rift S. V. ©. 419 
ff.), ift biefe äluffaffung allerbing« nur oereinbar, roenn man bie aus 
foldien Vertragen erftrittenen Urteile mit einem ffiorbeßalt erlaffen will 
Offne 3mang liefee ficff bagegen bie oorgefchlagene Siegel mit ber ffaffung 
be« § 712 ber S.^S.D. uereinigen. ®enn ber ©aff, eine beroeglidfe för= 
perlidje ©ad|e müffe, um ber ^fänbung offne SBeitere« jugänglidf ju 
fein, im ©eroaffrfam be« ©cßulbner« fid) beftnben, ift bodf feffr cum gra- 
no salis ju oerftefjen. 3ft j. S. gegen einen entmünbigten ©eifteölranfen 
ein Urteil ju oollftrecfen , fo roirb ber ©eroaljrfam an beffen Vermögen 
ber Siegel itadf burdf ben Sormuttb au«geübt roerben. Obgleich aber be= 
lannten ©runbfäßen jufolge ba« Urteil nidft auf ben Slamen be« Sor= 
ntunbe«, fonbern auf ben ber beoorntunbeten Partei abgeftellt fein roirb, 
»ermag bocß ein SBiberforudf be« Sormunbe« ber nadf § 712 berß.fS.O. 
ju beurteilenben Sfänbung geroifj nidft hinberlicß ju fein. @8 fann auch 
nicht eingeroenbet roerben, baff e« fid^ bei bent angeführten SBeifpiel um 
bie Scrtretung einer projefsunfäfjigen fßartei hanble, eine projeffualifche 
Sertretung ber (S^efrr.u burdf ihren Slann aber nach § 51 bet © $.D. 
au«gefdfloffen fei. $enn bei bem ©eroahrfam be« § 712 ber G.fJ.D. 
hanbeft e8 ftdf nidbt um eine pro«ffualif<he gunltion, fonbern um ein, 
jroar mit geroiffen Stecßtsroirlungeti oerfnüpfte«, an ftth “ber rein tßab 
fachliche« Serhältni«. ®ie 2lu«iibung ber Retention ift ein rein aufser= 
gerichtlicher 3lft ber SermögenSoerroaltung , unb roenn Iraft gefeplic^er 
Sorfdjrift für geroiffe ^erfonen (gleicfjoiel au« welchen ©rünben) bie Ser= 
mögen8oerroaltung unb bamit bie SlermögenSbetention einer anberen 
Serfon juftefft, fo muh bie 25etention biefer festeren offenbar fo beßaro 
beit roerben, al« würbe fie burdj bu« Sermögenöfubielt (ben oerurteilten 
©cßulbnerj unmittelbar au«geübt, 


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3Öäcf)ier=©pittler: Haftung beiber ©Regatten. 359 

bie beiberfeitigen Sonbergüter in grage fomnten. ®te Ijiefiir 
allein in S9etrad)t 3 U jteljenbe ianbredtjtsftelle, SCeü IV. SCit. 4, 
§ 2 fpricf)t jebodj), wie fdjon ermähnt, non einem ganj anberen 
gälte, ber ftügung ber ©dtjulben beim £obe eines Ehegatten, unb 
in Ermanglung anberroeitiger pofttioerSeftimmungen muff bafier 
bie Siegel gelten, bafj bcr Slnfprudjj bes perfönlicfjen ©läubigerS 
eben auf 33efriebigung aus bent SSermögen beS ©cfiulbners, 
ol)ne Unterfdjeibung ber S3eftanbteile biefeS Vermögens, ge= 
rietet ift. 2l(S ©egenftanb ber SSoUftrecfung ergeben fiel) t»ie= 
nad; für bie ©d>ulb^älfte jebeS Ehegatten nad) Sßaljl beS 
©läubigerS, unb natürlich audfj nebeneinanber : 

a) baS ©onbergut bes betreffenben Ehegatten, 

b) fein ibeeHcr SCixteil an ben einj einen ©tiiefen ber 23rutto= 
errungenfdEjaft. 

SBerbett bie f)iebur<Jj gezogenen ©djranfen überfdjritten, 
fo muff ') bem in feinem Siedjt oerleßten Ehegatten, unb jroar 
bem ÜDtanne gerabe fo gut roie ber grau, bie fllage nad; *) 
§ 690 ber E.fß.O. 3 ) jufteljen. EbenbeStjalb roirb aber bcr 

1) rnufe, fofern bie 3roedbeftimmung jebeg ^rojefigefeheS bod) in 
lebtet Jionfequenj bie ffl e 1 1 » i r ! I i <h u n g beg materiellen Siebtes ift, 
unb eine Sluglegung beSfelben, burd) welche bag materielle Stecht in fein 
©egenteil nerteljrt roirb, ebendeshalb ohne jroingenben ©runb nicht ftatri 
finben barf. 

2) „nach" § 690 ber ©.iß O., aderbingg nid)t in bem Sinne, als fei 
ber materielle filagegrunb in biefer ©efefceSbeftimmung ju fucf)en. Siel= 
mehr ift eg offenbar bie ©igentumSllage , mit welcher ber ©begatte ihm 
gehörige SermögeuSftücle , bie für eine ©cfjulb beS anbern ©atten ge= 
pfänbet (im Siegenfchaftgoollftrecfunggoerfahren jum Verlauf beftimmt) 
ftnb, nach Sorfcffrift beg § 690 ber ©.iß D. fjeraugoerlangt. (ogl. hieju 
iß f ijer, in ber Qeitft^r. für freiroiH. ©erblt. 8b. XXIX ©. 99). 

3) Sgl. }unäd)ft Qeüf^*- f* freiwill, ©erblt, Sb. XXIII. 
©. 298 ff., Sb. XXIV. ©. 66 ff., XXV. ©. 66 ff., 226 ff., fobann bie 
Slbhanblung im 2. §eft biefer 3eitfd^rift, oben ©. 237 ff., welche 
abroei(f)enb oon ber ©ntfcfieibung beg Ä. DberlanbeSgericfitS auch ber ©hefrau 
bie 2iSiberfprucf)g!lage uerroeigert. 2)afs ber t? 690 ber ©.iß.D. nicht bucf)= 
ftäblicf) oerftanben roerben barf, bariiber f. ©aupp, Komm, Sb. III. 
©. 211. 25ie bucfjftäbliche Sluglegung rottrbe baju führen, baft bie 26iber= 
fprudjsllage ber ©hefrau, abgefehen oon bem galt ber Sollftrecfung in 
ihr unbewegliches ©onbergut, nur infotueii ^lag greifen lönnte, als fie 


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360 


2lbhanblung. XIII. 


Sojialgfäubiger loofjt baran tljun, bie betben ©d^uf bEjälftcn 
ftet$ gteidfjcitig roenigftenä pr fßoUftrecfung ju bringen, ba er 
anbernfaUe, foroeit bie @rrungenf($aft in grage fommt, ge- 
nötigt ift, fid) an lauter, rneift feiner ober gar itidjt ocrfäuf- 
lidje ibeeUe (SigentumSljälftcn }u galten ‘pf- 
auch au&erhalb bea Itonfurfes bie weiblichen greiheüen antufen fann. Senn 
nur infoiweit oermag fte ben (Seemann an einer Sernufjerutig roenigftena 
ifjtea Beweglichen ©onbergutea ju hinbern. SUIein auch bie 2(uölegung, roo= 
nach baä riecht bea äBiberfpruchaflägera ben Serciujserungäalt alä einen 
redjtawibrigen (wenngleich nicht recfjtaunwirlfamen) foH erfcheinen taffen 
miiffen, ift immer noch ju eng. Steö wenigftena bann, wenn man baa 3Bort 
oom ©tanbpunft bea Sdjulbnera bei einer freiwilligen SBeräu&erung oerfteht, 
unb nicht oom ©tanbpunft bea ©läubigera, behufa beffen Sefriebigung ba» 
Sollftrecfungaobjeft oeräufiert werben foll. Ser S 690 ber ©.^5.0. ift 
offenbar im 3ufammenf)ang mit § 712 unb § 710 2lbf. 1 auagulegen. 
Sen in lefcterer ©efefKafteHe genannten, ju einem Sffiiberfpruch gegen 
bie Sollftretfung nicht fiiljrenben 9ted)ten finb in § 690 ber (S.S-D. folche 
9techte gegenüberfteüt, welche gwar auch Bie ißfcinbung, alfo ben Seginn 
ber 3'aangaooUftrecfung, nicht auafchliefjen lönnen, oermöge beren aber 
ber brüte berechtigte ben Fortgang ber Soll ft red ung, bie 
Serciufserung ber gepfanbeten (auagewähtten) Dbjefte ju h i n b e rn 
oermag. SBeldhea biefe Sted)te feien, will bie ©.ip.D. nicht teftimmen, 
fie hat nur bie negatioe Seftimmung (in § 710 2lbf. 1) gegeben, bafc 
^Sfanb* unb ffiorsugaredjte ohne gleichseitigen befigj ber Sache ju 2 ln 
fteUung einer SBiberfpruchatlage nicht berechtigen follen. Qm übrigen 
muff hier baä materielle i'anbearedjt entfcheiben, unb nach biefein haftet, 
wie ju jeigen oerfucht würbe, feber ©h e 0 atte perfönlich, bamit aber auch 
fein Sermögen, nur für bie ©älfte ber ©ojialfdjulb. 

1) Sgl. ©aupp, Äomtn. Sb. III. @ 270, Sem. I. a. ©. 


XIV. 

Beitreibung ber (ßeriiiftshojtrn. 

Son 

0berlanbei5:©erid)t^rat % e t; e r a b e n b. 

ber Straffadje gegen ben früheren gabrifanten unb 
jefeigen gat>vrfbireftor $. ' n 3t* M bie (Straffammer be$ £anb; 


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Segerafcenb: Beitreibung ber öerid^täfoften. 


361 


geriete bern burdj redfitsfräftige-j Urteil oom 1. 2Jtärj 1884 
roegen einfachen Sanferutts }u adjtmonatliclier ©efängnisftrafe 
unb jurn ©rfaß eines £eil-3 ber Köllen beS Verfahrens, fotoie 
jur Sejafdung ber Äoften ber Unterfud)ungsf)aft unb bes 
©trafooHjugs oerurteilten Slngeflagten am 11. SWooember 1884 
burdj ©rteilung eines 3ahlungSbefef)tS bie Auflage gemadjt, 
bie if)tn jugefdEiiebenen Äoften im befretierten betrag einfdf)lief?lidj 
ber ©eridhtSgebüfir innerhalb ber grift oon jtoei 2BocE)en bei Ver= 
meibung ber 3roangSoollftredung Q11 baS Kaffenamt beS ßanb= 
geridjts ju bejahten. ®a biefer Sluflage nidjt nad&fam, 
|ld) oielntefir gegen bie Vollftrecfung beS 3<J()fang3befel)tS unter 
Berufung auf feine SRittellofigfeit unb auf bie Seftimmungett 
beS fHeidhSgcfefseS oom 21. ^uiti 1869, betr. bie 33efc^lag- 
naljme bes 2lrbeits= ober ©ienftloljnS, oerroaljtte, fo f;at bie 
©traffammer burcl) Sefd)luf? oom 5. SDejembcr 1884 unter 
Serroerfung ber erhobenen ©injpradfie angeorbnet, baß bis jum 
Setrag ber befretierten Koftenforberung ber auf 8000 3Jf . p. 
3abr fid; belaufenbe ©efjaltSanfprudf) beS ©cfjulbnerS bei bem 
gabrifanten JE., foioeit er ben QaljreSbetrag oon 1500 2)1. 
iiberfteige, gepfänbet unb ber ©erichtSoolliieher mit bem Vollzug 
biefer Slttorbnung beauftragt fein foHe. 

©egen biefe VoIlftredungSoerfiigung unb bie 2lnorbnung 
ihres VolljugS fiat namens bcS SRedjjtSanroalt £. sofortige 
Sefdjmerbe an ben ©traffenat beS CberlanbeSgeridfjtS eingelegt 
unb in berfelben unter ^Berufung auf bic Seftimmungen bes 
angeführten 5Heid)3gefefse3 oom 21. $uni 1869 bie Aufhebung 
bes ^fiinbungSbefdiluffeS ber ©traffammer beantragt. 

®er ©traffenat l)at am 11/18. gebruar 1885 ben Ve= 
fd)luß ber Straffammer oom 5. ©ejember 1884 „inforoeit 
berfelbe nidjt bloß bie Verfügung ber 3'uangsoollftrerfung (bie 
©rlaffung eines Vollftred'ungSbefelitS) enthält", mögen Unjm 
ftänbigfeit ber ©traffammer aufgehoben unb ber lederen bie 
giften jur Seforgung bes Söeiteren juriiefgegeben. 

.£>iebei ging ber ©traffenat oon folgenben ©rioägnngen 
aus: $ie oon bem Sefdpoerbefüfjrer an ben ©traffenat er= 
1; ob eite Sefd^merbe fei nad) 2lrt. 13 uergl. mit 21. 5, 2lbf. 2 


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362 


Slbfjanbtung. XIV. 


unb 21. 6 be-S ©efefce? oom 18. 2Iug. 1879, betr. bie 3roang?- 
ooUftrecfung wegen öffentlich rechtlicher 2lnfpriiche unb § 701 
G.iß.D. ftattt)aft. Sie 3“rtänbtgfeit ber ©traffantmer jur 
Grlaffmtg be? 3 a htuug?befehl? unb jur Verfügung bet 3roaug?:= 
ooflftreCfung beruhe auf 21. 10 u. 11 bei? ermähnten ©efefce?. 
3>t ber Quftijminiftcrtaloerfügung oom 25. SKärs 1881, bett. 
bie 2khanblung ber ©ericht?foften in bürgerlichen 9te<ht?= 
ftreitigfeiten unb im ßottfur?oerfahren *), §11, 2Xbf. 3 unb 
in ber Suftijminifterialoerfügung oom 22 . 3Mrj 1882, betr. 
bie 33el)anblung ber ©ericfjtfoften in ©traffadjen 4 ), § 36, 
2lbf. 2 fei au?gefprochen, baff bie ^Beitreibung ber ©erid)t?= 
foften im 3u>ang?roege unter entfprechenber 2lnroenbung be? 
©efefce? oom 18. 2lug. 1879, 21. 10 — 13 auf ©runb einer 
Verfügung be? betreffenben ©ericht? erfolge. 2$on weiteren 
burcfj 3uftijbel)örben ergehettben (feboCh burch 3ufti}behörben 
nidjt au?fd)lief?liCh erfolgenben) ©ntfCheibmtgen über öffentlich 
reChtlidje 2lnfprüd)e feien in ben SJlotioen ju 21. 10 — 13 be? 
©efefce? angeführt : bie (teil? ben ©eriChten, teil? anbent Qu- 
ftijbehörben obliegenben) ©portelanfäfce, ber nach 21. 2 3*ff- 2 
be? ©efe^e? oom 16. Sejember 1876 über bie 2>erroaltung?= 
recf)t?pflege oon ber Sienftauffid)t?behörbe be? öffentlichen 
Slechner? unb Äaffenbeamten ju erteilenbe, naCh ber ©röffnung 
oollftrecfbare 2lu?fpruCh 8 ), unb bie al? Orbnung?ftrafen ju 
erfeitnenben ©elbftrafen 4 ). Ser $tei? ber ber ©ntfdjeibung oon 
^uftisbehörben unterliegenben öffentIid)=redjtliChcn 2InfprüChe fei 
hietnit niCht erfChöpft, weitere 2lufjählung fei jebod^ nic^t er= 

1) SBürtt. ©eri^täblatt 8 . 19 ©. 49 ff. 

2) ffiürtt. ©ericfjtäblatt 8. 20 S. 182 ff. 

3) oergl. Suftijminifterialoerf. t>om 4. Üiärj 1883 betr. ba? Raffen* 
unb SRethnungäioefen bei ben ©eridjten. Sßürtt. ©eridjtsblatt 8 . 21, 
©. 97 ff. § 10 9lbf. 4. 

4) bejüglidj ber Drbnungäftrafen unb 3 ro «ng3mitte[ , infoweit fte 
nidjt nad) Stafigabe ber 9teu§§iuftijgefebc ju oollftreden finb, unb bej. 
ber ®iS}ipIinarftrafen oergl. Verfügung ber Siiiüfterien ber 3uftij unb 
ber ginan.cen p. 21. Stärj 1882 betr. bie SoUftrectung ber oon ben 3u= 
ftijbetiörben oerfiigten SSermögenäftrafen unb juerlannten Bufjett, roilrtt. 
©erichtSblatt B. 20 S. 142 ff. § 24. 27 unb 28. 


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(Jfe^erabenb : Seitreibung ber ©eridfitSfoften. 363 

forber(id). 2U3 jur Stabführung ber SMftredung juftänbig 
fei in Stbf. 1 beS 21 . 12 beS gebadeten ©efe^eb biejenige S?er= 
roaituugSbehörbe be 3 eid)net, bereu ©ntfd)eibung ju »ollftredeit 
fei. ©er Slbfafj 2 füge jebodj bei „bie nicht bent ®eparte= 
ment beS Qnnern anget)örenben 3?erroa(tung3befjörben f)aben 
mit ©rroirfung beä SSofljugs ihrer ©ntfcheibungen l 2 ), fotueit 
berfelbe nid;t burd» 2 lnmenbung ber 2Imt3= ober Strafgemalt 
beroirft roerben fann, ben DrtSoorfteher ju beauftragen , ober 
rooferit es ficf) um anbere als bie in 21. 3, 2Ibf. 3 genannten 
SMftredungSarten hanbelt, an baS Siegirfbamt fid) juroenben". 
3 fn ber beftrittenen unb oon ber ^rayib oerfchieben beant= 
roorteten fvrage, ob auf bie $uftiäbehörben unb fpejieü bie 
©ericbte, inforoeit bie lederen nebenbei als 23erroaltung3be= 
hörben ©ntfcheibungen über öffent(id)=red)tiid)e Slnfprüd^e er= 
taffen, ber 2 lbfa (5 1 ober ber 2 Ibfa§ 2 beS 21 . 12 anjuroenben 
fei *), nermöge ber ©traffenat bie 2 litroenbbarfeit beS 2 Ib= 
fa^eb 1 nicht anjuerfennen. 3 n>ar befagen bie ÜDlotioe 3 U 
Slrt. 10 : ber 2 tuSbrud „iBerroaltungSbehörben" in 2 lbf. 1 
biefeb Strtifelb bezeichne ben ®egenfa |5 ju ben Berichten unb 
21 erroaltunge>gerid)ten, begreife alfo inSbefonbere bie ginanjs, 
6 ifenbahn= unb fßoftbehörben in fid); jroar befagen ferner bie 
Sliotioe ju 21. 12 unter iBerroeifung auf 2(. 14 beS ©fefu- 
tionbgefeheb 0 . 15. Slpril 1825 unb auf 21. 30 Stbf. 2 ber 
9tooelle ». 13. 2co». 1855, bie SBorfdjriften beS ©ntrourfS 
ftimmen mit bent bisherigen 9ted;t überein ; unb es feien ©riinbe 
nicht erfidjtlid), roeShalb bie Quftifbehörben in ben ißefugniffen 
jur 2 luSführung ber SSoüftrecfung ihrer ©ntfdjeibungen über 
öffentlid)-red)ttid^e 2 lnfpri'td)e ben bem ©epartement beS $nnern 
angehörenben SBerroaltungsbehörben nicht gleiö&geftellt, foitbern 
jur 2 lngehung beS SejirtSamtS , tnorunter im £inblid auf 
2(. 3 2lbf. 1 u. 4, 21. 6 Stbf. 1 u. 21. 10 Stbf. 1 beS ©e-- 
fefseS nur baS Dberamt, nicht gugleid) auch baS 2ImtSgerid)t 
»erftauben roerben tonne, genötigt fein follcu, jumal ba roie= 

1) Bergt. SBürtt. S. 23 ©. 283 ff. 

2) »ergt. ffliirtt. @ericf)t«&latt S. 19 ©. 187 ff. S. 20 ©. 100 ff. 
unb ©. 412 ff. 


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364 


Stbfjanbtung. XIV. 


herum bie 3 u |fönbigfeit be3 Dberamt3 in beu gälten be3 
21. 3 2lbf. 4 imb 5 be3 ©efeßes burd) bie 3uftänbigfeit be>3 
2lmt3geridE)t3 befd>ränft fei. 2IIIein nadj bem oben Semerften 
Ijanble e3 fidj nidjt nur um 6 ntf<$eibungen ber ©eridjte, fon 
bern aud» um (£ntfd>eibungen anberer guftijbebörben über 
öffentlid)=red)tlid)e 2 lnfprüd;e, unb teilweife fei ber ©egenftanb 
ber ©ntfcfjeibung fowol)l ber ©eridjte, al3 aucf) ber anbern 
guftijbefjörben eine unb biefetbe 2 lrt non öffentlidj=redjtlidjen 
2 lnfprüdjen. 9Jlit 2 iotwenbigfeit fallen bie anbern QufH 3 be= 
Körben al3 SerwaltungSbefjörben vermöge be>3 Haren 3ßort= 
laut3 be3 2 Ibf. 2 beö 21 . 12 unter biefen 2 lbf. 2 , unb bei bem 
ffflangel irgenbweldjen 2lntjalt3 in bem ©efeße erfcfjeine e3 
nidjt als ftattfjaft, 3 wifdjen ben ©eridjteu, fomeit fie al» Ser= 
waltung3beljorben funttionicren unb ben übrigen gufti 3 oer= 
waltung3beljörben in ber SBeife ju unterfdjeibeu, baff bie ©e= 
richte unter ben 2 lbf. 1 be3 2 Irt. 12 geftellt roerben. §ienacb 
l;abe bie ©trajfanimer be3 fcanbgeridjt3, nacfjbem fie gegen 
ben in bem Sefreturbefdjlug für ja^lung3fä^ig erflärten Se= 
fdjwerbefüljrer ben 3a*)lung3befef)l ofjtte ©rfolg erlaffen gehabt 
Ijabe, fid) barauf p befdjrätifen gehabt, bie 3roang3oollftrecfung 
ju befdfjliefjen unb wegen ber ©rroirlung be3 Soll 3 ug 3 , weldjer 
im 2 öege ber ipfänbung ber ©eljalt3forberung be3 Sefdjwerbe= 
fiiljrer3 erfolgen follte, fid) an ba$ Dberamt ju roenben ; bie 
oon ber ©traffammer felbft 311 m Solang gebrachte fpfänbung 
ber ©eljaltsforberung unb beren Ueberroeifuttg an ba*3 &'affen= 
amt be3 i'anbgeridjt» fei wegen Unsuftänbigfeit ber ©traffammer 
mit s Jiid}tigfeit beEjaftet. 

2lm 4. s Hlär 3 1885 fjat tjierauf bie ©traffammer be3 
Saitbgeridjts auf ©runb be3 21. 12 be3 ©efefje-3 0 . 18. 2tug. 1879 
bie Sollftrecfung be3 gegen g. am 11. 'Jloo. 1884 erlaffenen 
3al;lung3befel)l3 oerfügt unb gemäß 21 . 12 2 lbf. 2 beff. @e= 
feße3 ba3 Oberamt D. erfudjt, bie 3roang3ooflftredung eiit= 
3 uleiten. ®a3 Oberamt ift biefem (£rfud)en nadjgefommen, 
inbem e3 bie ©efjaltsforberung be3 g., foweit biefelbe ben 
Setrag oon 1500 2J?. iiberfteigt, pfäitbcte. ©egen biefen bem 
©djulbuer g. jugeftellten ' 4 >fäitbung- 3 befd)lui 3 Ijat beffen Seo 


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getjerabenb : 'Beitreibung ber @erid^t«tofien. 365 

treter ©efcbroerbe an bie 5t. ÄreiSregierung erhoben, in roeldier 
er bie ^uftänbigfeit beS öberamtS beftritt. Sie Ä. 5treiS* 
regierung, raelche non ber Slnfidft ausging, biefe 3uftänbigfeit 
fei nicht begrünbet, roanbte fi<h an baS 5t. 3Jlinifterium beS 
Innern unb biefeS feftte ftd) mit betn 5t. guftijminifterium ins 
'-Benehmen. 

ifefstereS beauftragte baS ißtenum bes DberlanbeSgeridjtS, 
uubefdjabet ber greifteit ber ©efe&eSauSlegung im einjelnen 
gall, ficb über bie grage, ob baS ©efefc oom 18. Slug. 1879 
betr. bie gumngSooUftrecfung megen öftentlich=rechtliiher 3ln= 
fpriicfte 91. 10—13 auf bie jmangsroeiie 'Beitreibung ber ©e= 
ricfttSfoften in Straffacften, foroie ber ©erichtSgebüftren unb 
©portein in (Sioitfaäjen unb in Sachen ber nicht ftreitigen 
©erichtsbarfeit überhaupt anmenbbar fei, unb im gälte ber 
Bejahung ber grage barüber, ob hiebei auf bie ©erid)te als 
guftiänertoaltungobehörben ber 21 bi. 1 ober ber Slbfah 2 beS 
©efefseS atijuroenben unb lehtern gatts, roel<he ©ehörbe bei 
ber 3rcmigSoolIftrecfung roegen gerichtlicher ©ebühren, ©por= 
teln unb .Höften als baS „SBejirfSamt" im ©inne bes 9lbf. 2 
beS 21. 12 ju betrachten fei, fi<b gntadhtlid) ju äußern. 

SaS ißlenum bes OberlanbeSgcrichtS h at ftch in feinem 
©utaihten oom 15. 2to». 1886 bent 5t. guftijmiuifterium gegen* 
über bahin auSgefpro<hen : 

1) baf? bie ©orfd)tiften beS 21. 10 — 13 bes oben ange= 
führten ©efefceS aud) auf bie »on ben ©eri<hten in ihrer Gigen* 
fchaft als SuftijoerroaltungSbehörben getroffenen „Gntfdjeib* 
ungen", ju roeld&en inSbefonbere ber 2lnfah ber an bie Staats* 
taffe ju entrid&tenben ©porteln unb ©ebiihren in ©ad)en ber 
ftreitigen, mie in Sachen ber uidhtftreitigen ©erichtsbarfeit, 
bie geftftellung ber an bie ©taatstaffe ju erftattenben 2luS= 
lagen, inSbefonbere ber UnterfuchungSfoften, fomie ber Unter* 
haltungSfoftenbeiträge ber ©efangenett gu rechnen feien, 2ln= 
roenbung finben. 

2) Saft bie genannten ©ntfd)eibungen ber ©erid)te in 
ihrer ©igenfchaft als ©erroaltungSbeftörben unter ben 2lbf. 2 
beS 21. 12 bes ©efefjes gu ftellen feien unb 

Jai)rbU$er 6. ICiiurltembg. iHecptspflege. I, 25 


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366 


2l61janbfung. XIV. 


3) bafe bie ©eridjte als Berroaltunggbehörbcn mit ber 
SJtobiliarpfänbung nach 31. 12 3lbf. 2 ben Drtgoorftanb ju be= 
auftragen, mit ber gorberunggpfättbung aber bag nach § 729 
G.^S.D. juftänbige 9lmtögerid)t alg Bejirfgamt ju befaffen haben. 

Oie ©riinbe roaren: 

3u 1) bag Gfefutionggefeh oom 15. Stpril 1825 hatte 
bie Gyefution megen öffentli<^=rect)tlic^er 3lnfprii<he in 3t. 13 
bi§ 16 unb 3t. 22 befjaitbelt. Jpienad) ift ben ginanjbeamten 
geftattct, bie ©taatgeinfiinfte mittelft Ginlegung non ^reifer 
felbft beijutreiben. 3# biefeg Gpefutiongmittel nicht attroenbbar 
ober nid)t jureichenb, unb auch bie f>ilfe ber Drtgobrigfeit 
nicht roirffam, fo haben jtdj „hinfichtlich ber öffentlichen ©dpf 
bigfeitcn jeber 3Irt bie f. ©taatgfmanjbeamten jur Beroirfung 
ber roeitern ejefutioen 9)?aftregeln an bag Oberamt unb in 
höherer ^nftanj an bie Ä. Äreigregierung ju roenben". |jin 
fichtüch ber oott ben Dberämtern unb oon ben 3tmtggericf)ten 
einjujiehenben „öffentlichen ©chulbigfeiten" — unb folcfje eri= 
ftierten bamalg jebenfaUg in ber ©eftalt »on Sporteln — 
enthielt bag ©efefc feine Beftimmung. Gbenfo oerhielt eg fich 
mit ber Grefutiongnonelle »om 13. -Ron. 1855, roelche in 3t. 30 
befagt, „bie Beftimmungen ber oorftehenben 3lrtifel finbeu auf 
bie Beitreibung öffentlich-rechtlicher gorberungen analoge 3tn 
roenbung, jebod) treten bei folgen an bie ©teile bcg Dberamtg; 
richterg ber Oberamtmann". 

®ag allgemeine ©portelgefe£ u. 23. 3uni 1828, burdj 
roelcheg namentlich bie Sporteln in bürgerlichen Stechtgftreitig-- 
feiten geregelt mürben, beftimmte in 3t. 2 „bie ©portein roerben 
irt bem ^Departement, in beffeit ©efchäftgfreig ber ©egenftanb 
berfelben einfehlägt, burdj bie nach ©efe^en unb Berorbnungen 
juftänbige Behörbe angelegt". 3Ber biefelben einjujiehen habe 
unb wie biefelben beijutreiben feien, ift in bem ©eiefce nicht 
gefagt, bagegen ift in § 7 ber Qnftruftion jur Bolljiebung 
biefeg ©efeheg oom 21. gebruar 1829 (fRegbl. ©. 77) oor 
gefchrieben, ben Bejirlgämtern (b. i. — cf. § 2 — Dberamk'= 
gerichten, Oberämtern, Stameralämtent) liege ob: bie Grhebuug 
ber an fie oou ben höheren Stellen auggefdhriebenen Sporteln, 


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getjerabenb : Beitreibung ber (^erirf)tS!often. Bfi7 

fobaitn ber 2lnfag unb bie (Strebung ber Sporteln in ben 
ihrem (Srfenntnis unb ifjrer Verfügung untertiegenben fällen, 
(sileidf» ermaßen ift aud) in ber Qnftruttion ju iBefjanblung bes 
SportelroefenS bei ben Oberamtsgerichten o. 2. 3)?ai 1831 be= 
merft, bie Oberamtsgerichte ^aben teils felbft Sporteln anju= 
fegen unb einsujiegen, teils bie oon Zögeren iöegörbert an fic 
auSgefcgriebenen Sporteln 511 m ©injug ju bringen. 

Sllfo aud) bei (Srlaffung beS SportelgcfegeS rourbe baooit 
ausgegangen, baf? burd) Sefcblug ber ©erid)te fold)e öffentlich 
rechtliche Sdjulbigfeiten entftegen unb bat"? bie burd) 33efd)lufi 
ber (Berichte entftanbenen »on ben (Berichten jum ©injug §u 
bringen feien. ®ie ßroangSoollftredung biefer öffentlichred)t= 
lieben 9lnfprüd)e erfolgte, trog beS 9JlangelS befonberer hiefür 
geltenber gefeglicher Slorfdjriften, ogne Stnftanb. 3Jlan beburfte 
aud) befonberer Sforfdgriften nicht, ba als felbftoerftänblid) an= 
gefegen rourbe, bafe bie ©eridjte oon ber ihnen bei ber 
ftreduitg gerichtlidber Urteile jufommenben ©croalt aud) bei 
ber SBoEftredung jener öffentlich-rechtlichen 2 lnfpriid)e ©ebraud) 
mad)en, unb ba bie ©erichte bei ber ÜUolIftredung biefer 2 ln= 
fpriiebe baSfelbe Verfahren beobachteten, roie bei ber 33oHftredung 
oon Urteilen unb fid) inSbefonbere in beiben fällen ber ©e- 
meinbebef)örben als ber Organe ber 3roangSooUftredung be= 
bienten. 

®ies änberte fid), als burd) baS 2tuSführungSgefeg *ur 
hioilprojegorbnung bie ©refutionSgefege o. 1825 u. 1855 aufjer 
Kraft gefegt mürben. s JJuit roar, roie in ben iDlotioen ju bem 
am 12. 3uli 1878 ben Stänben übergebenen Gntrourf eines 
©efeges über bie ^roangsoollftredung unb ben Slrreft roegett 
öffenttid)=red)tlid)er fyorberungen ausgefügrt rourbe ')/ eine 
neue Regelung ber 3>oangSoolIftredung aud) auf bem ©ebiete 
beS öffentlichen DtedjtS nicht ' ju umgehen, unb jroar roar biefe 
ifleuregulierung auch für bie SBolIftredung ber oon ben Wericgten 
in ihrer (£igenfd)aft als 93erroaltungSbel)örben erlaffenen Üiet 
fügungen notroenbig, benn bie iöetnerfung bet 9Rotit)e, baji 

1) Bert). b. St. b. Slbg. o. 1877/79 1. Beilagenb. 2. Slbt. <3. 484. 

25 * 


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S68 


2l5fjanblung XIV. 


bic 3ro<*ngäooIIftrecEung auf gruttb oollfiredbaret , bem ©tau; 
biger oont ©ertd^tsfd^vciber au$gel)änbigter ©d&ulbtitel im Ver- 
roaltungäoerfahren nicht anroenbbar fei, trifft bei beit oon ben 
©erid)ten al3 VenDaltungäbehörben getroffenen Verfügungen 
ganj ebenfo ju, roie bei Verfügungen ber VerroaltungSbehörbcn. 

®afj nämlich ben ©eridjten, melden nach § 4 be3 ©in- 
fitf)rung$gefebe3 jurn ©V®. ©efdhäfte ber Suftisoerroaltung über- 
tragen roerben bürfen, aud) jeßt mie früher, ja fogar in größerem 
Umfang als früher, foldie VenoaltungSgefchäfte übertragen 
ftnb, bebarf feiner 2fu3füf)rung. £>er 3tnfaß ber an bie Staate 
faffe ju entric^tenben Sporteln ober ©ebiibren, bie geftfteUung 
ber an bie ©taatsfaffe ju erftattenben 2lu3lagen, unter melden 
in^befonbere bie Unterfudhungäfoften, foroie bie Unterhalte 
foftenbeiträge ber ©efattgeneit in Vetradit fontmen, erfolgt, 
roemt unb fotoeit biefe ©efchäfte ben ©eridjten jugetoiefen finb, 
burd) biefelben in ifjrer ©igenfdjaft als 3uftijoerroaltung3be- 
hörben. ®aß ba$ ft. Suftijminifterium befugt roar, biefe ©e= 
fd)äfte ben ©eridjten aufjutragen, rote bieä mittelft ber »er- 
fchiebenen in biefer Stiftung ergangenen Verfügungen gc= 
flehen ift, fann nicht bejioeifelt roerben. 

®a$ ©efeß ootn 18. 2tuguft 1879 regelt bie 3 TOart g^= 
»ollftredung roegen öffentlich restlicher 9lnfprüd)e in brei 91b.- 
fdjnitten, oon betten ber erfte oon ber Vollftredung oerroal- 
tungSrichterlicher Urteile, ber sroeite oon bem ©djulbflagoer- 
fahren roegen öffentlich-rechtlicher gorberungen, ber britte oon 
ber VoUftreduitg ber ©ntfcheibungen ber Verroaltung-Sbehörben 
hanbelt. liieher gehört nur biefer britte StbfSnitt. 

Um ju jeigett, oon roeldferlei ©nfdheibungen e3 fidj hanbelt, 
führen bie 9Jfotioe eine Weihe oon Verroattung'Saftcn auf, 
roelche unter btefen SCeil be$ ©efeöeä fallen. ®er ftommiffiotte 
bericht ber ftatntner ber 3lbg. bemerft in jutreffenber 9Beife : 
©ine erfcfjöpfenbe 2tufjählimg aller in Vetracht fommenber 
Vcrroaltung'Jafte ift bei ber Vielfeitigfeit be$ öffentlichen ®icnfte3 
ielbftoerftänblid) nicht möglich. ©ntfdieibenb für bie 9lnrocub-- 
barfeit ber oorliegettben Veftimmungen ift ba-3 Vorhanbeufeiit 
einer abminiftratioen ©ittfdheibung, Verfügung, ober Auflage, 


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geyetofcenb: Beitreibung ber ©eridjtäfoften. 


369 


bei weiten fiel) bie Verwaltung auf bern ihr nach bert befteljenben 
©efe^en überlaffenen ©ebiete bewegt, Ijinfidjttiif) reeller bur<h 
bie ©efefcc einer VerwaltungSbeliörbe bie enbgiltige @ntf<heibung 
jugewiefen ift, unb welche namentlich nicht ju ben BerwaltungS= 
richterlichen (Sntf^eibungen naih ben Veftimmungen beS ©e= 
fegeS b. 16. ©ejember 1876 2t. 10 — 12 gehören. 

2BaS h^r angeführt ift jur (Sharafterifierung ber unter 
bie Slrt. 10 — 13 beS ©efebeS faEenbeit ©ntfcheibungen, trifft 
nun noEftänbig ju bei ben genannten non ben ©ertöten in 
ihrer ©igenfchaft als VerwaltungSbeljörben getroffenen @nt= 
fcheibungett. ®afj bie Ülrtwenbbarfeit beS ©efe|jes auf bie= 
felben nicht barum Berneint werben barf, weil bie ^Benennung 
ber Vehörben fich nach ber ihre Hauptaufgabe bilbenben unb 
ihre SteEung in ber Vehörbenorganifaüon beftimmenben Xfyä-- 
tigfeit richte, unb barum bie ©erichte innerhalb beS Greifes 
ber ihnen iibertniefenen nidht richterlichen ©efdjäfte nicht als 
VerwaltungSbehörben aufgefafjt unb bejeichnet werben bürfen, 
ift nicht su bejweifeln; wenn bas ©eriä)t eine Verfügung in 
feiner ©igenfchaft als VerwaltungSbeljörbe trifft, fo ift biefe 
Verfügung ein VerwattungSaft unb bas ©eridjt war als Ver= 
waltungSbehörbe thätig ; ob bieS in ber Vejeichnung beS 33e= 
fcfjluffes ju Xage tritt ober nicht, ift gleidhgiltig. 

Süchtig ift aEerbingS, baf? baS ©efe| fein Slugenmert 
nicht auSbrüdlid) auf biefe feitenS ber ©erichte ergangenen 
VerroaltungSafte richtet. $Der ©erichte, als mit ber ©rlaffung 
oon Verwaltungsaften betrauter Vehörben, gefchieht weber in 
bem ©efefce noch in ben SEotinen nodh in bem JtommiffionSs 
berichte eine ©rwähnung unb unter ben non ben SEotinen ge= 
nannten Veifpielen finbet fich feines, welches nur auf bie ©e= 
richte Vejug hätte. SCEein barauS folgt nicht, bafj baS ©efeh 
auf biefe Verfügungen feine Slnwenbung finbe. ®aS ©efeb 
briicft fich ganj aEgemein aus; bie SEotiue fagen „ber 2luS= 
brucf Verwaltungsbehörbcn bezeichne ben ©egenfa§ $u ben 
©erichten unb VerwaltungSgerichten." ®afc barunter uerftanben 
ift, „ju ben als ©erichten unb Verwaltungsgerichten fungie* 
renben Vehörben" oerfteht fich Bon felbft, unb eS wirb niemanb 


s 

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370 


SU>hcmblung. XIV. 


bie Äreisregierungen als Sfermaltungsbehörben auSfd)liefien, 
weil btefelben auch 3>ermaltungSgerichte finb. @S bemerft auch 
bie Äommiffioti ber Kammer b. 3lbg., ber (Sntmurf nerftehe 
unter 3>ermaltungöbel)örben fätntlidje ben nerfchiebenen ®epar- 
tementS augehörigen 33ermaltungsbehörben. £)ienach ift nidjt 
aitjune^meu, bafs bie gefebgebenbeu $aftoren bie ©eridjte als 
SBermaltungsbehörben ooit ber allgemeinen 3$orfd)rift beS 31. 10 
I;aben ausnehmen wollen, unb es liegt fein ©runb 511 einer 
einfchränfenben SluSlegung biefer ©efeheSbeftimmung nor; es 
ift nielmehr bie allgemein lauteitbe Sforfchrift auch allgemein 
ju oerfteheit unb bemgemäR auch auf bie beni Söortlaut 
nach barunter fallenben ©ntfcheibungcn, welche bie ©erichte als 
$5ermaltungSbel)örben treffen, ju bejiehen. 

,£>iegegen fönnen ©riinbe, welche bem Stabium ber Ster; 
hanblungen über ben ©efejjesentmurf im Schöffe ber Stegierung, 
bcuor biefclbe bamit nor bie Stäube getreten ift, angehören, 
nicht in 33etrad)t fommen, benn es h Q t bie befdjränfenbe 3luS= 
leguitg meber in bem ©efetjeSentmurf, noch ben 3Jtotinen, noch 
ben ftänbifdfen 3>erhanblnngen SluSbrutf gefunben. 

3u 3*fffi r 2 ) hat fich bas Plenum beS Dberlanbesgerichts 
ber ©ntfcheibung beS Straffenats unb ber 3}egrünbung beS 
bejifinen Seils biefer (Sntfdjeibnng, baf? nämlid) bie 3 uftänbig= 
feit ber Straffammer pr gorberungSpfänbung nicht begriinbet 
geroefen fei, angefdjloffen, weil ber 3lbf. 1 beS 3lrt. 12 burd) 
ben 3lbf. 2 eingefdirünft werbe unb tneil biefent äßortlaut gegew 
über ©riinbe aus ber GntftehungSgef<hid)te beS ©ntrourfs unb 
aus bem SBorftabium beSfelben im Schöffe ber dtegierung nicht 
maffgebenb feien. 

3u 3iffer 3) mürbe ausgefiihrt : ber 3lrt. 12 roirb in ben 
fDiotinen ') lebiglid.» bamit motioiert, baff er mit bem 
b e ft e h e n b e n s Jt e ch t ii b e r e i n ft im m e, als welches bie 
3trt. 14 beS ©yefutionSgefefceS nom 15. 3lpril 1825 u. 3lrt. 30 
3lbf. 2 ber 3tonelle nom 13. 3too. 1855 angeführt werben. 
Siefe ©efe&esbeftimmungen würben in ber Slttmenbung auf 

1) »ergt. auch Kommiff. Ser. b. Kammer b. 216g. ju 2lrt, 12. 


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geyerabenb: Beitreibung ber ©eridjtstoften. 371 

©eridjtsfporteln nad) ihrem bloßen SBortlaut unabmeislidb ba|in 
geführt haben, bajj bie OberamtSgericbte bie »on ihnen ju 
»erredjnenben ©portein — im ©egenfaß ju ben bett $ameral= 
Ämtern jurn (Sinjug ju iibergebenben ©portein ber Ijöfieren 
©eridßte — mit |jilfe ber Dbernmter beijutreiben gehabt hätten, 
roas in ber ca. 50jät)rigen ©eltungSjeit beS allgemeinen ©porteis 
gefe^ee niemals gefcßeben ift unb »on ben Bebörben beS ®e= 
partement beS 3mtern fid^erlid) auch nie gugegeben morben 
fein mürbe; oielmeljr haben auf grunb beS § 7 ber ©portelins 
ftruftion o. 21.gebruar 1829 ftets bie OberamtSgeridjte in ber 
bafelbft § 2 aud) ihnen beigelegten ©igenfdjaft »on 33 es 
jirfSämtern bie in it;re ©portelrecbnung aufgenommenen 
©portein felbft epefutiuifdb beigetrieben, begiebungSroeife in ei= 
genent 9teffort bureb bie ihnen untergebenen DrtSbebörben bei= 
treiben laffen. 2)ieS ift ber 3uftanb ß ei g 1379 (, e . 

ftanbenen 9tecf)tS, melier nad) ben 2Jloti»en unb bem Äonu 
tniffionSberidE)t in 31. 12 beS ©efeßeS »om 25. 3lug. 1879 fjat 
aufred)t erhalten roerben roollen, unb an roeldjem 31 t rütteln 
»on niemanb beabfic^tigt morben ift. 3 ft bieö richtig, fo ftimmt 
fogar bie 3tidbtanroenbbarfeit beS 31. 12 3lbf. 1 auf bie ©e= 
ridjte mit bem beftebenben ßuftanb, meldjjer erhalten roerben 
füllte, infofern roof)t überein, als bie erehitioifcbe Beitreibung 
»on gorberungen bes öffentlichen 9tedf)tS burdf» ©eridjte ^ö^erer 
Drbnung, inSbefonbere bie Beitreibung »on ©portein bureb 
baS Cbertribunal unb bie ©eridbtsböfe nach ben beftebenben 
(Sinrkbtungen, roottadb fold)e Jyorberungen »on jenen teils an bie 
BejirtSgericbte, teils an bie Äameralämter auSjufdbreiben maren, 
nicht Ijat »orfommen tonnen, unb anbererfeits bat bie 3lner= 
tenmmg fortbauernber ©refutionSgeroalt ber BegirfSgeridbte 
(3lmtSgeri<bte) für bie in ber Quftijoerroaltung erroadbfenben 
gorberungen beS öffentlichen 3tecbtS ihren gefeßlicbeit 3luSbrudt 
in bem Söort BegirtSamt gefunben. SlllerbingS ift baS 
29ort BejirfSamt in anbern ©teilen beS ©efeßeS in ans 
beretn ©inn, im ©egenfaß jum SlmtSgeridjt gebraucht morben, 
g. B. 31. 3 31 bf. 1. 2. 3. 5. 3lrt. 6 3tbf. 1, 31. 8 3lbf. 2; bieS 
binbert aber nicht, baS Sßort Bejirfsamt in 31. 12 im meitern 


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372 


Stbljanblung. XIV. 


©tun ju uerfteben, wenn bie ültaterie bet 91. 1—9, 21bfd;nitt 
I u. II be§ ©efe^eS, eine ganj anbere ift, unb nad) ben un= 
jweifelbaften (Srflärungen bet gefeßgebenben gaftoren gerabe 
btefer 91rtifel ben DtecbtSjuftanb nach bem GpefutioiiiSgefefce 
unb bet 9iooelle l;at aufredbt erhalten foilen, unö wäbrenb bet 
©ellung biefer ©efefce bie Vejirfögericbte tiacf) 50jäf)tiget ißrariS 
unb bet geltcnben Verorbnung als VejirfSämter neben ben 
Dbcrämtern guftänbig gewefen, unb als foldje auch, wie aud) 
fonft in Verorbnungen unb Verfügungen — inSbefonbere in 
ber Qnftruftiou jum ©portelgefe|j oom 21. Februar 1829 
§§ 2 unb 7 — auSbrücflid) bejeidjnet worben fiitb. |>ienacb 
haben bie ©eri<f)te in ihrer Gigenfdbaft als ^Jelretur- Ve= 
Körben für ©eridjtSfoften mit ber SJlobitiarpfänbung nach 91. 12 
9lbf. 2 ben DrtSoorfteber ju beauftragen, mit ber $orbetungS= 
pfänbung aber baS nach § 729 6.^.0. juftänbige 2lmt3gerid)t 
als VejirfSamt 51 t befaffen, wcibrenb wegen einer Smmobiliar; 
jwatigSüoUftrecfung an baS nadb § 755 (Liß.D. juftänbige 
9lmtsgericbt a I S © e r i d; t ohnehin alle VermaltungSbehörben 
einfd^liefjlicb ber ©eridite ficb ju roenben haben unb fdbon aus 
§§ 729, 755 ß.ip.D. firf) ergibt, baß auct) ein 2Imtögerici>t als 
®efreturbe^örbe nicht eo ipso VejirfSamt im ©inne bes 
91. 12 9lbf. 2 unb juftänbiges 9lmtsgericbt im ©inne 
bes 9lrt. 3 9lbf. 5 ift, fonbern beiberlei ftompetenjen nur ju-- 
fällig bei jenem jufammentreffen fömten. 

®as Ä. ^uftijminifterium tjat fidb mit ber gutachtlichen 
9leußerung bes DberlanbeSgericbtS einoerftanben erflärt unb 
bat bieoon bem $. 9Jiinifterium bes Ämtern unb ber ©traf= 
fammer beS SanbgericbtS Kenntnis gegeben. ®aS ft'. 3)iini- 
fterium bes Innern befdjieb bemgemäß bie ft. ftreiSregierung, 
worauf bie leistete am 25. 1887 bie angeführte ober= 

amtlidje Verfügung wegen ünjuftänbigfeit best DberamtS aufhob. 

Nunmehr befcbloß bie ©traffantmer bes Sanbgerichts, baS 
9lmtSgeridjt ju D. jur pfänbung ber ©ehaltsforberung beS %. 
ju neranlaffen. STaS 9lmtSgeridf)t ju D. faßte herauf ben 
Vefcbluß, bie ©ehaltsforberung beS bis jum Vetrag ber 
ftoftenjdjulb bei bem 2 )rittfd)ulbner ju pfönben, unb es würbe 


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getjera&enb: ^Beitreibung bet ©ericf|töfoften. 


373 


biefer ®efd)Iu{j bem SDrittfchuIbner utib betn ©chulbtter ju= 
geftellt. fMegegett erhob nun legerer roieberunt fofortige S3e- 
fcfjroerbe bei ber ©ioilfammer be? Sanbgeridht?, in roelcher get= 
tenb gemacht mürbe, $. fei feine im ^Brioatbienft bouernb 
nngeftellte Ißerfott im ©inne be? § 749 2tbf. 3 @. S 4$.D.; fein 
Cfiefjalt fei oielmefjr nad) § 749 3iff- 1 (S. s -p.D. ber Ißfänbung 
nicf)t untermorfen. 

2lnt 18. 2)Jai 1887 fjat bie Gimlfamtner be? Sanbgericht? 
bie 23efd)merbe bei? g. gegen ben amt?gerichtlid)en 23efd)luf? 
oerroorfen, ba g. ab* bauernb angefteHt su betrachten fei. fy. 
erfjob hierauf meitere 23efd)roerbe bei bem l. ©ioilfenat be? 
Dberlanbe?gerid3?. T'iefelbe mürbe burd; Söefdjluf? t>om 12. 
3uli I. 3- jurücfgeroiefen, roeil mit Vornahme ber ißfänbung 
ber ©ehalt?forberung be? g. ba? 2lmt?gericht D. al? 33ejirf?= 
amt im ©inne be? 21. 12 2lbf. 2 cit. jit beauftragen gemefen 
fei. 2luf biefe 3roang?oollftre<fung fei burcb 21. 13 be? ge= 
badhten ©efefce? ber 2lrt. 5 2lbf. 2 be?f. al? anroenbbar er= 
flärt roorben. 9ta<h 21. 5 2lbf. 2 fei über bie 23efd}merbe 
megen 2tuträgen, ©inmenbungett unb ©rinneruttgen, roeldhe bie 
2lrt uitb äBeife ber 3rcang?»oUftrecfung ober ba? bei berfelben 
ju beobachteube Verfahren betreffe, enbgiitig uon ber .ttrei?- 
regierung ju entfdjeiben, meitn bie Öefdjroerbe gegen ba? 23e= 
jirf?atnt gerichtet fei. @? fei I;icnad; eine 2lefd)merbe gegen 
ben ^efdhluf? ber ©iuilfammer be? Üanbgeridjt? , meldje bei 
finngeinäffer 2lnroenbung biefer 23eftimmung an bie ©teile ber 
Srei?regierung ju treten höbe, nnftatttjaft, ba bie 'öefdjmerbe 
lebiglid) 2lnträge ber ebenbejeidjneten 21rt jum ©egenftanb 
habe unb nur bie 2trt ber 3 , oong?t)oIIftredimg betreffe. 

2lud) h^bei beruhigte fich nicht, fonbern roanbte ficf) 
mit einer meiteren 23efd)merbe an ba? 9ieid)?gericht. ®iefe? 
uermarf bie 2fefd)roerbe in ©rroiigung, baff ba? nad) ben i'anbe?= 
gefefjen fich regelnbe ©injiehungm’tfahren ber ©erid)t?fofteu 
roeber ber Süoridjrift be? § 4 ©Ä@. unterliege, nodh über; 
haupt ju benjenigen 2lngelegenheiten gehöre, für roeldje ba? 
3teid)?gerid)t uerfaffung?mä| 3 ig juftänbig fei. 


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374 


ätb^aublung XV. 


XV. 

3Ut. 14 öts |ü ii r 1 1 emb. ? o r (1 fl r a f 9 t f t b t 6 uom 
2. Beptcmb. 1879. 

Heber bie '-üefugnü ber ißriuatforftbebienfteten 
ju '-8 e f d) I a g n a l) nt e n gemäß 2lrt. 14 bei 3Bürtt. gorjb 
ftrafgefebei t>. 2. September 1879 tjat fid) ber I. ©traffenut 
bei 9leid)igerid)tei in einem Urteil 00m 23. Januar 1888 
auigefprodten. S3ei ber 2Bid)tigfeit biefer bie Sluilegutig einer 
lanbeiredjtlidjen 39cftinimung betreffenden Gntfdjeibung fieljt 
fid) bie Siebaltion »eranlafst, aui berfelben golgenbeimitjuteilen: 
!>l. $). t). U. mar burd) Urteil ber gerienfammer bei R. 
üanbgeridjti, .£>. uom 1. ©ept. 1887 001t ber Slnllage einei 
Sßergefieni bei SBiberftanbi gegen bie ©taatigeroalt — § 117 
bei ©t.©.S8. — freigefprodjen roorben. ©ai 9leid)igerid)t 
erfannte auf bie 9teoifum ber ©taatianmaltfdjaft auf Ütuf- 
Ijebung biefei Urteili nebft ben bentfelben jugrunb liegenben 
t£)atfäd)lid)en ?5eftftellimgen unb ^urüctüerroeifung. 

Gi lag folgenber ©adjoerlfalt oor: ber Ülngeftagte mürbe 
in einem äBalb bei ^ re ^ errn von ©• von bem 2Balbfd)üßen 
Sd)., melier uon bem genannten $reil)errtt für feinen 3ßalb- 
befib ali 9ßalbfd)üß angefteUt unb ali foldjet gentäfe 9lrt. 29 
bei ÜBiirtt. gorftftrafgefeßei »om 2. ©ept. 1879 oon bem 
2lmtigerid)t beeibigt morben ift, betreten, ali er fid) eben mit 
einer ©radjt entroenbeter, auf einem fogen. 9iejf (eine 2lrt uon 
©ragforb) gelabcner ©treu entfernen rooHte. ©d>. forberte 
ben ifpn perfbnlid) betannten Slngeflagten junädjft truf, bie 
©treu im äBalbe ju laffen, unb legte, nadibem bet Slngeflagte 
nad) anfänglichem ©träuben bai 9ieff mit ber ©treu abgelegt 
hatte, ohne ei übrigeni toi $u laffen, feine ^>anb auf baifelbe 
unb ertlärte il)m, ©treu unb 9teff gehöre jeßt ilpn, ber 2lm 
geflagte fönne nad) $aufe gelten. Slunme^r oerfudbte ber 
3lugeflagte bem 2Balbfd)ü(sen bai Sleff ju entreißen, unb t>er 
fe^te bem Sd)., meldjer bai 91 eff feft^ielt, mit ber gauft einen 


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SBürtt. gorftftrafgefefc. 


375 


©tof) auf bie Sfruft, baff biefer rücfting-5 ju ©oben fiel unb 
baS Aeff loSlaffen muffte. ©l)e fid) ©S- wieber ergeben tonnte, 
nahm ber Angeflagte baS Aeff an fid) unb oerlieff mit bem= 
felbett, nadjbem er juoor bie ©treu auf ben ©oben geworfen 
hatte, ben äßalb. — 35aS Qnftauägeridjt hatte angenommen, 
ber nid)t als JpilfSbeamter ber ©taatSanwaltfSaft anjufehenbe 
2i>albfd)üfc ©d). fei ju ber Sßegttafnne bes AeffS nid^t befugt 
gewefen, habe alfo niSt in reStmäfciger Ausübung feines 
Amtes ober AeStS geljanbelt, es feien meber §§ 94 ff. ber 
A.©t. s -ß.D. nod) Art. 14 bes Söürtt. ^orftftrafgefeges jur iton= 
ftruierung eines bem ©d). juftehenben AeSts auf bie Öefdjlag- 
nahme ju oermerten, wogegen bie Aeoifion geltenb machte, bafe 
aud) bie beeibigten Jjlrioatforftbebienfteten auf ©rutib beS Art. 
14, Abf. 1 bes gorftftrafgefe|jeS ©efSlagnaljme ber ju 33e= 
geljung eines gorftbiebftaljls gebrausten ober beftimmten äßerf= 
jeuge bereStigt feien. 

®aS AeiS^geriSt führt nun auS: „®iefer AeStSanfiSt 
ber ©taatSanwaltfSaft ift entgegen ben Ausführungen beS $n= 
ftanjgeriStS beippfliSten, benn, weitngleiS baS SBürtt. gorft= 
ftrafgefefc Art. 14 im ©egeufafs ju bem ©reuffifSen oom 15. 
April 1878, nad) beffen § 15 bie jum gorftbiebftatjl gebrausten 
ober beftimmten üöerfjeuge eingejogett werben tu ü f f e u, nur 
beftimmt, baff biefe ©egenftänbe eingejogen werben föttnen, 
fo trifft boS alles baSjettige, was in bem Urteil bes Aeid)s= 
geriStS oom 20. Aoueittber 1884 (©ntfSeibungen tc. ©anb XI, 
©eite 321) in ber AiStung, baf? bie oom ©efefs angeorbnete 
©injiehung unb ©efSlagnahme ooit oornljereiit illuforifd) würbe, 
wenn ber SBalbeigentümer unb bie oon il;m befteUten gorft; 
auffeljer niSt aud) jur ©efdjlagnahnte biefer ©egenftänbe bei 
bem ooit iljnen auf ber $hat betretenen fyorftfreofer bereStigt 
wären, ausgeführt worben ift, in gleiSer 9Beife auS für bie 
oom SBürtt. ©efefe allerbingS nur fafultatio jugelaffene ©in= 
jieljung ju, welSe in ihrer (Sttbwirfung ebenfo in bie Üuft ge= 
ftellt wäre, wenn niSt ber iflrioatwalbeigentümer unb bie oon 
ihm befteUten ©Sufcperfonen bie ©efugnis hätten, jur ©iSerung 
ber oom Aidjter nad; ©efunb ber Umftänbe unb feinem ©r= 


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376 


Slbljanblung. XV. 


meffen p erfennenben ©njielpng jener ©egenftänbe biefelben 
bei ^Betreten bes fEtjäters fofort in befSlag p nehmen. @s 
ift benn auS biefe auS ber 2lnorbnung beS 2lrt. 14 beS gorft= 
ftrafgefe^e^ fiS oon fetbft ergebenbe 93efugniö bes SBalbeigen- 
tiimers unb feiner beftellten ©Sufcperfonen bei ber ^Beratung 
bes ©efefceS in ber Kammer ber 2lbgeotbnefen mm ben 23er= 
tretet» ber Äönigl. ©taatsregierung, ben ©taatSminiftern ber 
$uftij unb ber ginanpn, 

— ißerfjanblungen ber SBürtt. Kammer ber 2lbg. oon 

1877—79, IV. «protofofibanb, ©eite 2321 u. 2376 — 
roie aud) unmiberfproSen oon einem 2lbgeorbneten (3Jio^l) 
(— äiertianblungen eod. ©eite 2374 — ) auSbrüäliS arterlannt, 
unb beSfjalb in ber Verfügung ber $. gorftbireftion oom 30. 
©ept. 1879 § 5 ben ^orftfdiujsbienern aufgegeben morben, 
bie pr 33egefpng eines gorftbiebftaf)lS gebrausten ober be= 
ftimmten SBertjeuge bem auf ber fEIjat betretenen abpneljmen, 
be^to. p oertoaljren, um bem ©eriSte bie ©njiefiung ber= 
felben p ermögliSen, toop ber ißriüattoalbeigentümer unb 
feine beftellten 2tuffel>er gemäfj iljrer aus bem begriff i^reS 
9iecf)tS abpleitenben befugniS unb besro. berpftiStung, alle 
jur ßrreiSung bes groedeS beS gorftfSufceS erforberliSen 
•Öanblungen oorpnefjmen, gleichfalls als berechtigt anperfennen 
finb. Qnbem IjiernaS ber iprioatroalbfSü$e ©S- p® befSlag= 
nafjme oon p begeljung eines fforftbiebftafjls beftimmten ober 
gebrausten SBerfjeugen beim betreten bes fEljäterS auf frifSer 
fEIjat für befugt anpfeljen ift, fo fjat er fiS, roenit, roaS näljer 
feftpftellen, ber befSlagnalftute ©egenftanb unter bie Kategorie 
ber in 2lrt. 14 beS fforftftrafgefe^eS genannten, p begcfjung 
eines ^orftbiebfta^ils gebrausten ober beftimmten 
SBerljeuge gebraSt roerben lamt, in reStmäf 3 iger 2luS= 
Übung feines 2lmteS uttb 9ieStS befuuben unb ein if»m hierbei 
geleifteter 2ßiberftanb unterliegt ber ©trafbeftimtnung beS § 117 
bes ©t.S.b." $. 


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Sitterarifdje 9Tnjeige. XVI. 


377 


XVI. 

ßittcrarifdjc ^Injcigc. 

Danbbud) bes Hedjtsljilfetjfrfnljitits im Seutfdjen $eidj utili 
gegenüber betn ^uslanii. Uon ferbtnnnl» Pöljm, (flber= 
lanbtsijEridjtsrot in iliirnberg. I. Setl: 9lccf)t<äl)Ufe in 
bürgerlichen SiedEfteftreitigfeiten unb in Jtonfur'Siacfyen, 
1886 (289 ©eiten). II. Seil: «Rechtshilfe in Strafe 
fachen mit ©achregiftet für I. n. II. Seit, 1888 (331 ©ei» 
ten). ©rlangen, Vertag uon f)3alnt unb ©nfe. 

®er erfte ®eil beä SOSerlä befdfäftigt [ich mit ben allgemeinen ©runb» 
fäfcen übet bie ©eroährung bet Rechtshilfe in bürgerlichen Rechtäftreitig» 
leiten unb in Äonfuräfadjen im Verlehr jnnfcfjen ben beutfdfen ©erichten 
unter einanber unb jioifchen biefen unb ben auSlcinbifcfjen ©erichten, fo= 
noie mit ben befonberen Veftimmungen über einjelne hiebei jur Sprache 
lommenbe ^rojejfmaterien }. 8. bie Veroeiäaufnahme unb bie 35ott= 
ftreefung auSlänbifctfer Urteile, daneben erftredt fid) baä 355er! auch auf 
bie Vorfcffriften über bie projefjrecht liehe Stellung ber Stuälänber unb 
ben RechtSoerfehr mit bem äluälanb im Allgemeinen , roobei namentlich 
bie örtliche ©erichtäjuftänbigleit, bie ^rojefjfähigleit, bie Vertretung oor 
©ericht, bie Sicherheitäleiftung für ^5rojefiloften, baä Atmenrecht , foroie 
auch bie örtliche Jperrfchaft ber ©efefce in Vejug auf VeroeiSfragen unb 
bie Ermittlung beä frentben Redjtä erörtert »erben. 3n einer befon» 
bem Abteilung »erben bie gunftionen ber beutfehen it'onfuln in Vejug 
auf ben Redhtähilfeoerfehr unb bie beutfdje Stonfulargerichtäbarfeit be» 
hanbelt. Slm Schluß ftnb angereiht Rotijen über ©erichtäoerfaffung unb 
355irlungälrei3 ber ©eridjte einer 3teihe uon auälänbifchen Staaten. Ent» 
fprechenb ber ®arftellung beä erften 2eilä enthält ber jroeite ®eü bie 
allgemeinen unb befonbern Veftimmungen über bie Rechtshilfe in Straf» 
fachen. 3 u 9leich wirb bie räumliche §errfcf)aft ber Strafgefefje, bie ört» 
liehe 3 u fiänbigleit ber ©erichte unb ber Beamten ber StaatSanroaltfchaft, 
bie UnterfudfungShaft ber AuSlänber, bie Süherheitäleiftung berfelben 
für bie Äoften, baä Verfahren gegen Abioefenbe, bie Vollftrecfung unb 
roeehfelfeitige RHtteilung t>on Strafurteilen , bie Einrichtung ber Straf» 
regifter, bie Auäiueifung ber Sluälänber u. bgl. behanbelt. ferner ift 
ber roefentliche Qnhalt ber internationalen Verträge über bie Rechtshilfe 
in Vejug auf ben Schuh »on Stierten ber Sitteratur unb Äunft, ben 


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378 Sitterarißße ftnjeicje. XVI. 

gegenfeitigen SRarfen-, 'IHufter*, girmen* unb ^atentfrfiub unb in Sejug 
auf gorft*, gelb*, giftetet* unb gagbfreoel ic., bet internationalen Stßiff* 
faßrMalte, ber internationalen ftonoention betreffenb Maßregeln gegen 
bie Keblauä unb beS yoHfartelS mit Defterreid) bargeftellt. Ülußer ben 
$orfd)riften über bie gunltionen bet beutfdjen Sonfuln in Straftaten 
werben fobann nodj bie Seftimmungen über bie £d)ußgewalt be3 beut* 
fcfien 9leicf)0 in ben Scßutjgebieten berfelben wiebergegeben. 3lm Sdflufi 
finben fid| eine Steiße oon 9iact)trägen unb ßufäßen }u bem erften unb 
jweiten Deil be$ $anbbucf)§. Da§ ganje SSer! jeic^net ftd) ßienat burd) 
große iHeicßßaltigteit be8 Stoffä auS, meldet mit großem gleiß, mit 
Sadjfenntniä unb Sorgfalt bearbeitet ift. Die einjelnen Duellen unb 
indbefonbere bie jaßlreitße Sitteratur, au« welchen bie DarfteUung ge* 
ßßäpft ift, finb an ben betreffenben Stellen genau angegeben, fobaß bie 
unmittelbare Information leicßt bewerffteüigt werben fanit. DaS öanb 
bud) erfd)eint fomit ald eine oerbienftoolie Slrbeit, welche jebem ißral- 
titer, ber fuß mit ben einfcßlägigen gragen }u befdfäftigen tjat, empfohlen 
werben fann. 


ömrfjtigting. 


S. 16 Sinie 11 oon unten ftatt „älerfäufer" „Säufer". 

„S. 149 Sinie 2 oon oben bei 9lote 1): Der Qnßalt ber 9iote 1) 
ift bem Dejt Beijttfeßen". 


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jUjJljabettfdjcö Bßdjrcgiftcr. 

(Die &<ify(cn bedeuten bie Seiten.) 


«. 

flbfonberungSrecht be« 'Pfanbgläu* 
biger? im fionfurfe 23. 

— ber ß^efrau 242. 

flccept eine« auf bie girma gejo* 
gelten 2Bedjfel« burch ben »ro= 
fünften, meldet ben gleiten 9!a= 
men filmet, wie bie uon ihm ner* 
iteiene girma, of)ne einen bie 
iftrofura anbeutenben 3“f a b *fl 
im 3 roe UeI für bie girma er* 
folgt 163. 

Actio aqttae pluviae arcendae, 
iflte »orauSfefeungen 295. 

9lfteneinfid)t, nachträgliche, be« 9Je- 
benfläger« 76, be« freigefproche* 
nen 2lngeflagten 77. 

2llimentation«i>erbinblicl)feit bet 
e^eftau unb ber Äinber gegen* 
über bem Seemann, bejro. 
»ater 3. 

Sllimentenftage gegen ben außer* 
ehelichen »ater 328. 

2llimente, recfitUc^te Statur be« ®r* 
fafcanfprudj« eine« Drtsarmen* 
perbanb« für geleiftete 3. 

2lbficht ber ©rfaßleiftung 35. 

Sllternatioe Obligation, f. SBaßl* 
recht 124. 

2lmt«gericht«fchreiber, Seifdjlaf be«= 
felben mit einer Unterfud)ung«= 
gefangenen fällt nit^t unter 
St.®.». § 174, 3. 192. 

2lmt«rict)terlicbe Strafbefehle , f. 
Strafbefehl 209. 

Anfechtung oon 9tecf)t§hanblungen, 

120 , 121 . 

— »enachteiligung«*2l6fi(ht 38. 

— 3ft bie l »ena(hteiligung«:flbficht 
au«gef(h!offen burch ben llmftanb, 
bah ber ©lüubiger burch ben 


Kauf ber lebten oerfiigbaren Sa* 
dfert be« Schulbner« nicht mehr 
erlangt unb ben übrigen ©läu* 
bigern nicht mehr entjogen h fl t» 
a!« roa« er mittel« 3 voan fl^ üe ' : 
fauf« hätte erreichen unb ben 
©laubigem entziehen fönnen ? 38. 

Angeflagter, 9ied)t be« freigefpro- 
eßenen auf Afteneinfichi juin 
3n>ect ber Anjetge eine« »er* » 
brechen« gegen einen in ber 
Sache »ernomtnenen 3 eu 9* n 77. 

Slnmelbung oon SBarenjeichen nach 
bem 'Ularfenfchuhgefeh. Sticßter* 
erlöfdfen be« burch biefelbe er* 
langten Siecht« im galt bet Un* 
terlaffung ber Anmelbung ber Slen* 
berung ber girma unb ber »ei* 
beßaltung be« 3et^e«ä für bie 
geänberte girma. Siachßotung 
biefer Anmelbung. 133. 

2lnn>alt«gebühren , Pflicht jur ®r= 
ftattung berÄoften, inSbefoitbere 
ber 2lnn>alt8gebfthren im ©nt* 
münbigung« = »erfahren wegen 
»erfchwenbung 43. 

AnroaltSfammer, Silitteilungen be« 
»orftanb« 86. 

— »efchliiffe be« »orftanb« betref* 
feitb bie ben Alitgliebern be«* 
felben Obliegenheit Pflichten 324. 

2lquilifcf)e Älage 139. 

— ber obligatorifd) berechtigte ift 
ju berfelben regelmäßig nicht Ie= 
gitimiert 137. 

Arbeitslohn, ifSfänbung be« bereit« 
auSbesaßlten 229. 

Armenamoälte, »eiorbnung ber am 
Siß eine« 2lmt«gericht« roohnen* 
ben nicht bei bemfelben jugelaf* 
fenen ÄechtSanroälte al« 2t. in 
amtSgerichtlichen ^rojeffeit 86. 


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380 


SttpijabetifcheS ©achregifter. 


Slrreftanlage, gut Begriinbung eines 
@rfahanfprud)3 ©runblofigfeit ber 
21. nicht genügenb 271. 

Strjneien, unentgeltliche 2l6gabe bet 
bent fjanbel nicht fteigegebeneit 
Slrjneien ohne polijeilicpe 6r-- 
laubniS ftrafbar 69. 

2lufentl)aItSort , bie ®hefrau teilt 
nicht ben ©erichtSftanb beS 2luf> 
enthaltSortS beS ©bemannt 42. 

hluöeinanberfehungSoerfafjren bei 
erblofen überfchulbeien Serlaffen= 
fchaften 93. 

2luslagen, notwenbige, beS Hieben» 
UägerS in 2. Qnftanj finb nicht 
bem Slngetlagten aufjubiirben, 
wenn biefelben butch eine nur oon 
bet ©taatSanroaltfchaft, wenn auch 
gu ©unften beS leiteten, ohne 
©rfotg eingelegte Berufung ent» 
ftanben finb 52. 

Auslegung eines lebten äßillenS ; 
eine nicht in bet Stbficht beS Xe» 
ftatorS liegenbe Bebingung gilt 
als nicht beigefügt 7. 

2lu3fdjant, unlonttolliette SBeinein» 
läge eines äßirtS, fällt nicht MoS 
bann unter 2lrt.5Ö beS38irtfchaft3= 
abgabengefebeS, wenn fie jum 
3roect beS SluSfdjantS erfolgte 66. 

2luSfonberungSanfpruch beS Ser= 
läuferS an uon auswärts über» 
fenbeien unb an ben Käufer ab- 
gelieferten SÜJaren 16, 158. 

— auf eine SiebenoerficherungSs 
fumme 32. 

— ber ©b e f tou 242. 

SB. 

Beamte, 2lmtSgerichtSfchreiber tein 
Beamter im Sinn beS b 174 3- 
2 u. 3 ©tr.ö.B. 192. 

Bebingung bei Srbeinfefcung , bie 
nicht in ber 2lbficht beS (Srblaf-- 
ferS liegenbe gilt als nicht bei- 
gefügt 7. 

befreite ©erichtSftänbe , jur 2luS= 
legung beS 2lrt. 5 3 - 3 beS ®ef. 
oom 17. 2lug. 1849, betr. bie 
'Aufhebung ber befreiten ©erichtS» 
ftänbe 308. 

Beleibigung, llmftänbe unb gönn, 
©t.®.B. § 193, ©. 189. 

Berufung , 3 ul äff'gteit ber Be» 


fdfroerbe gegen bie Stblelfnung 
beS 2lniragS ber ©taatSanwalt» 
fchaft, bie Berufung eines in ber 
tjjauptoerhanblung nicht erfchie-- 
nenen, bejw. nicht nertretenen 
2tngellagten fofort ju oerroerfen. 
2lnroenbbarleit beS 5 40 2lbf. 2 
Str.Sßr.O. auf bie Sabung eines 
2lngeflagten jur §auptoerhanb= 
lung oor bem BerufungSge» 
rieht 72. 

Befchlagnatjme beS Vermögens, Ber* 
fiiguitg unb Bolljiefjung berfelben 
auch nach eingetretener StechtS» 
traft beS Urteils. Unjuftänbig* 
leit beS Strafgerichts jur Ber* 
fiigung ber Boltjiehung einer 
oon ihm angeorbneten Bermö» 
genSbefchlagnahine 57. 

— Befugnis ber ^rioatforftbe- 
bienfteten ju Befchlagnahmen ge» 
tnäfi 2lrt. 14 beS gorftgef. oom 
2. ©ept. 1879, 374. 

Befchroerbe gegen bie Ablehnung 
beS 9lntragS ber Staatsanwalt; 
fchaft, bie Berufung eines in ber 
.fiauptoerljanblung nicht erfchie» 
nenen, bejtu. nicht oertretenen 
2tngellagten fofort ju oerwetfen, 
juläffig 72. 

— § 160 ©ah 1 beS ©er.Berf.0ef. 
finbet nur älmoenbuitg auf Be» 
fchwerben wegen Berweigerung 
ber iftechtshilfe in Beziehung auf 
richterliche 2tmt3fianbiungen im 
eigentlichen ©inn, nicht aufBfte 
ber ©trafoollftrecfung 322. 

Betrug ober ®iebftahlV 194 fg. 

BetrugStlage , ©ubfibiarität. Ser; 
minberung beS BermögenS jur 
Begrilnbung beS Betrugs im 
cioilrechtlichen ©inn nicht unbe» 
bingt notwenbig 5. 

Bewegliche ©achen, bie oerpfänbeten 
beweglichen 3 u 9 e ^örungeit oon 
Immobilien bleiben h'nfichtUd) 
ber 3»t>angSoollftrec!ung bewegt, 
©achen unb finb nur gegenüber 
benUnterpfanbSgläubigern als uit* 
bewegliche Sachen anjufefjen 280. 

Beweiserhebungen in ber HteoiftonS» 
inftanj über bie rechtzeitige ©tel* 
lung beS Strafantrags unftatt» 
haft 310. 



AtpfjabetifcheS 

Sürgfdjaft bet eine gorberung je= 
bierenben grau für biefe gotbe= 
rung im eigenen gntereffe ber 
grau feine gnterjeffton 257. 

©. 

Cautio damni infecti nur bei 
ber ©efaßr eines damnum in- 
juria datum 293 fg. 

S. 

Damnum injuria datum, nur im 
gall eineä folgen cautio damni 
infecti unb bie aquilifdje Stage 
juläßig 293 fg. 

Setentor, bemfetben fteßt, wenn er 
bie Setention im eigenen gnte= 
reffe auSübt, bie ©polienflage ju 

255. 

Siebftafjl ober Selrug? 194 fg. 

SienftbarfeitSrechte , öffentlicher 
©tauben beS ©üterbucßS in SBe= 
jug auf bie Enterbung bereits 
befteßenber S. auf ©runbftücfen 
dritter 156. 

®ienfttot)n , fSfänbung, f. ArbeitS= 
loß» 229. 

SiSpofitiort über uon auswärts 
überfanbte Staren junt 3meä ber 
Prüfung ber Srauchbarfeit feine 
eigentumsmäßige 20. 

e. 

©ßefrau , ©ericßtSftanb berfetben 
nic^t am Aufenthaltsort beS©f)e= 
mannS 42. 

— berfetben ftet>t roäfirenb ber 
Sauer ber ©rrungenßhaftSgefelD 
fdjaft fein bie Veräußerung t)in- 
bernbeS 9tecf)t im ©inn beS 
S 69u ©.ißD. bejiigl. itjreS in 
ber Verwaltung beS ©ßemannS 
fteßenben SonbetDermögenS ju 
237. 

— bagegen 359. 

— Vollftrecfung wegen ber ©cßulb= 
hälfte ber ©hefrau in biefeS 
Vermögen 357. 

©begatten, .Haftung beiber für ©o= 
jialfdjulben bet laitbrechtlidjen 
©rrungenfchaftSgefellfchaft nach 
außen 340. 

©igentumSerwerb burch ©teltoep 
tretet, gm Zweifel ift ber 3BU-- 

^uljtMlt^et b. fflütttembfl. aiedjtSpflege. 


©acßregifter. 381 

ten beS Empfängers entfcheibenb 
166. 

©igentumSübergang bei 3Barenfen= 
bungen non auswärts erfolgt 
nicht burch bie bloße Abnahme 16. 
©infriebigungen bei ©ijenbaßnen, 
VorauSfeßung für bie Anlegung 
berfetben 147. 

©intieferung in baS Arbeitshaus 
im ©inite beS llnterftüßungS* 
wohnftßgefeßeS 82. 
©ingelfaufinann, Söohnfiß beSfelben 
nicht an bentjenigen Ort, an 
welchem er nur fein ©efchäft be= 
treibt, ohne bafelbft regelmäßigen 
Aufenthalt ju nehmen 295. 
©injiehung beS ©ewefjrS bei gagb= 
»ergehen. Sie Anwenbung beS 
§ 295 beS ©tr.S.V. feßt nichts 
weiter »orauS, als baß ein gagb= 
»ergehen begangen würbe unb 
baß ber Sßäter jur ßcit ber 
Verübung beSfelben einen ber 
in bem S bejeicßneten ©egen= 
ftänben bei ficfj geführt hot 320. 
— ber junt gorftbiebftahl beftimm= 
ten ober gebrauchten SSSerfjeuge 
fann burch Srioatforftbebienftete 
gefcheßen 374. 

©ifenbahnen, ©ericßtSftanb bei Rla= 
gen auS § 1 beS §aftpflichtge= 
feßeS gegen bie S. @eneralbiref= 
tion ber ©. am Ort ber Eifern 
baßnftation weber nach S22, noch 
nach 8 32 S.iß.D. begrünbet 12. 
©ntmiinbigungSoerfahren wegen 
Verfdjwenbung, Pflicht gut ©r= 
ftattung bet Soften, inSbefonbere 
ber Anwaltsgebühren trifft ben 
Unterliegenben 43. 
©ntfcßeibungSgrünbe , Vejugnaljme 
auf bie ber frühem gnftatij „im 
2Befentlid)en", „in ber 6aupt= 
fache" unjutäffig 313. 
©rbeinfeßung unter einer Sebing* 
ung , roeldje nicht in ber Abficßt 
beS ©rblafferS lag, gilt als nicht 
beigefügt 7. 

©rblofe überfcßulbete Verlaffenfchaf-- 
ten, Verfahren bei Auseinander^ 
feßung berfetben 93. 
Erfüllungsort eines Vertrags nicht 
berjenige Ort , an welchem bie 
auS einer Verleßung beS Ver- 

r. 26 


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382 


AlphabetifcßeS Sacßregifter. 


tragS entfpringenbe Berbinblidj» 
feit ju erfüllen ift 270. 

©rrungenfthaftSgefellfehaft , lanb» 
rechtliche, bie ©ßefrau hat mäfj= 
renb ber 2>auer berfelben fein 
Steift im Sinne beS S 690 G.B- D. 
wegen ihres in ber ehemännlichen 
Benoaltung fteljenben ©onber» 
oerntögenS 237. 

— bagegen 352. 

— Haftung beiber ©Regatten für 
Sojialfcfjulben nach außen Mil 

— 3wang3ooUftreclung wegen ber 
©chulbhälfte ber ©ßefrau 3. r )7. 

©rfaßanfprucß eines DrtSarmenoer» 
banbS für geleiftete Alimente ge» 
genüber non ben AlimentationS» 
»erpflicßteten, recßtl. Slatur beS» 
felben 3 

— Sur Begrünbung eines folgen 
©runblofigfeit einer Arreftanlage 
nicht genügenb 271. 

©rfaßleiftung non Alimenten. Ab» 
ficht ber @. aufS ben Umftänben 
gefolgert 35, 

©rfaßjuftellung 175. 

©nentualteilung , Anfprucß eines 
(Gläubigers, welchem baS Anteils» 
recfjt feines ScßulbnerS iiberroie» 
fen toorben ift, auf Aacßholung 
ift juläßig 305. 

&• 

gabrifgebäube, Biitoerpfänbung ber 
oorßanbenen BJaren als gewill» 
führte Sßertinenjen mit bem g. 
suläffig 22, 159. 

gallwilb , ber ÖrfdjroerungSgrunb 
ber Begebung eines Qagboer» 
geßenö wäßrenb ber ©djonjeit 
finbet auf einen bloßen 2lft ber 
'Aneignung uon g. fein« Bnwen» 
bung 320. 

gauftpfanbgläubiger , SietentionS» 
rec^t nach roürttb. Siecht juläffig 

29h, 

geftnefjmung jum Qwecf ber Ber» 
hinberung oon AecßtSoerleßungen 
fleht ben Organen ber ^Jolijei 
ju 313. 

geftftellungSflage, negatiue, Statt» 
ßaftigfeit berfelben 29. 

girma, 'Jüchtübertragbarfeit beS an» 
gemelbeten SEarenjeicßenS auf eine 


anbere g., ©infdjränfung biefeS 
©runbfaßeS, f. Slatfenfcßuß 133, 

gluß, Abgraben einer Duelle burch 
©rabarbeit in einem öffentlichen 
glüh oerpflichtet nicht ;um ©<ha- 
benöerfaß 220. 

gorm, bei Beleibigungen, St.@.B. • 

§ 193. ©■ 139. 

gorftrügefacßen , Unjuläffigfeit ber 
öffentlichen Aufteilung amtSticß» 
terlicher Strafbefehle 210. 218. 

gorftftrafgefeß, württb., o. 2.©ept. 
1879, ©. 324. 

grauen, Anrufung ber weiblichen 
greiheiten auch außerhalb beS 
ÄonfurfeS, BorauSfeßungen ber» 
felben 253. 

— gnterjeffion ber 3ebentin liegt 
nicht oor, wenn fie ficf) für bie 
abgetretene gorberung im eige» 
nen gntereffe oerbürgt 237. 

greiheiten, weibliche, Anrufung auch 
außerhalb beS ÄonfurfeS, Bor» 
auSfeßungen berfelben 253. 

griicßte einer SKeßreren oerpfän» 
beten Sache hoffen }unäcßft bem 
beoorrechteten ©laubiger, nicßt 
bemjenigen , welcher oor ber 
Abfonberung juerft bie Stßulb» 
ober Bfanbflage erhoben hot 138. 

— baS ^fanbredßt beS Bfanbgläu» 
bigerS umfaßt auch bie i>«r 3 e ‘ l 
beS 3lntragS auf Anorbnung ber 
gwangSoollftrectung noch nicht 
abgefonberten g. 286. 

< 5 . 

©eneralbireltion ber ©ifenbaßnen, 
©erichtSftanb bei fllagen auS § 1 
beS $aftpflicf)tgefeße3 , f. ©ifen» 
bahnen 12. 

©ericßtSfoften, Beitreibung 360. 

©ericßtSfcßreiber beS Amtsgerichts, 
©tr.S.B. § 174, f. Beamte, S. 

192. 

©erichtSftanb beS S 22 u. 32 ber 
6.B.D., f. auch ©ifenbaßnen 12. 

298. 

— ber ©hefrau, f. auch Büfett!» 
haUSort, 42. 

— beS § 24 ber ©.B-D-, f. ©in^eU 
faufmann 295. 

— ber §>3 686 u. 29 ber S.Sß.D., 
BorauSfeßungen 267. 


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2llphabetifcheS ©adfregifter. 


383 


ÖerichtSftanb beä 2lrt. 5 3*ff- 3 beä 
ganbeSgef. o. 1 73lug. 1 849,betr. bie 
2luft)ebung bet befreiten';(5}erichtS= 
ftänbe 308. 

ßleroährleiftiingSoerfprechen beä 3 e " 
benten 264. 

öeroehr, ©injiehung Bei Qagbuer» 
geben, f. ©injiehung 320. 

©ruben, SchabenSerfab roegen 2ln= 
Bringung berfelben bei einem'Un* 
fall 142, 144, 140, 148. 

©iiterbud), öffentlicher Ölmt&en in 
Vejng auf bie ©rroerbung bereits 
befteljenber $ienftbarfeitSred)te 
auf ©runbftücfen dritter 136. 

& 

ßoftpftichtgefefc , (SJerichtSftanb bei 
Stagen auS § 1 beä fjr, f. auch 
©ifenbahnen 12 

ßanbeläregifter, f. Marlenfchub 133 

§egejeit, bie Veftimmungen über 
über bie ß. oerlebt berjenige 
nidjt , ber ein offne fein 3uti)un 
oerenbeteS SBitb ftnbet unb jur 
ßanb nimmt, f. a. fjallnjilb 320. 

ßunbe jur 3agb, f. ©injiehung. 

& 

Sagblfunbe, f. ©injieljung. 

3agboergeIfen, f. ffrallroilb, ®injietj= 
ung, ßegejeit 320. 

3mpfgefeb, Uebertretung, 2Bafjl ber 
3eit ber 3 m Pf un 9< mehrmalige 
Veftrafung einer ißerfon in einem 
3abr. Veftrafung nach 31 bf. 1 
unb 2 beä § 14 ©. 62. 

3nformatiopfanbf(beiti, Stegrefjflage 
gegen bie Unterpfanbäbejförbe 
roegen unrichtiger ©cbäfjung beä 
Vfanbobfeftä. Unterschieb jroi= 
fchen ber Schälung in bem 3: 
unb früheren ©dfäfjungen 149. 

Snterufurium, f. 3 , °tf c h en ä* n f e 169- 

3nterjeffion ber 3ebentin, f Vürg« 
fchaft 252. 

3rrtum bei Unterzeichnung einer 
Urfunbe 2 32. 

— beä einem VoHftrecfungSbeam= 
ten JBiberftanb geiftenbeit bejiig« 
lieh ber Vedftmäfiigfeit ber 2lmtä= 
hanblung für ben Xlfatbeftanb 
beä § 113 ©t.Q.V. unerheblich 
313. 


3ugenbliche Sßetfonen, ©tattffaftig* 
feit amtSrichterlidfer Strafbefehle 
gegen 200. 

ft. 

ft aufmann, SEBohnfifc, f- ©injelfauf= 
mann 293. 

ftinber,2UimentationSoerbinbIicf|!eit 
gegenüber ben ®ltern 3, 

— oermögenärechtliche Verpfüdft.- 
ungen minberjähriger, beren Va= 
ter noch am geben ift, ohne 3u 
ftimmung beä Vormunbä ungül 
tig 134. 

— ®ie eheliche Mutter ift nicht ge= 
febüdfe Vertreterin beä Sinbä im 
©innc beä § 63 beä ©tr.®.33. 

187. 

ftobijitte, fchriftliche , fbnnen oom 
©rblaffer betrugen oerfchloffen 
ober offen tcorgelegt roerben 278. 

ftörperoerlebung im ©inne beä 
©tr.ö.V. § 223a S. 71, 312. 

— ©rfatjanfpruch beä mittelbar Ve= 
fdfäbigten 139. 

SoHeftio 5 Vollmacht für jroei 21 n= 
roälte, 3“fteHung nach § IM 
®.$D. 126. 

ftommifftonäre , ©ubftitutton ber 
Stedftäanroälte burch ft. unange= 
tneffen 327. 

ftonfurSanfpruch 120, 121. 

Soften, geftftettung unb ;roangS= 
roeife Veitreibung ber ft. ber 
Parteien im SJJrioatflageoerfahren 
unb ft. beä 9lebenflägerä 88. 

— Pflicht jur ©rftattung ber ft. 
im ©ntmiinbigungSoerfahren roe= 
gen Verfdfroenbung 43. 

— ©tfafc ber notroenbigen 2luä= 
lagen beä 9tebenflägerä in 2. 3n= 
ftanj, f. 2luSlagen 32. 

Softenpunft, ©ntfdfeibungen über 
ben ft., roelche im 3 ro bngSB 0 lU 
ftreefungäberfahren ergehen, un= 
terliegen ben allgemeinen Vor-- 
fchriften ber ®.$.D. über bie 
Vtojejjfoften , foroeit foldfe für 
bie 3roangäooDftredung nicht be= 
fonbere Vorschriften gibt 29. 

ftunftroollefabrif, Verpfiinbung ber 
Vorräte an VSollroaren mit bem 
gabrifgebäube , f. Jabrifgebäube 
22, 169, 


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384 


Vlphabetifcfteä Sadjregifter. 


Kurator bei erblofen überfchulbeten 
Verlaffenfdjaften 94, 105, 106, 
108, 113. 114, 1217122, 

S. 

Vabung, jur hauptoerhanblung oor 
bem SJerufungögerid)!, f. Verrn 
fung 72, 

Sanbatme, in ^ilfsbebürftigem Au= 
ftanbe au3 einet Straf: , Kran: 
len-, Veroal|r = ober §eilanftalt 
entiaffen 80. 

SebenSuerfidjerung ju ©unften einer 
©hefrau. gortbauer ber ©he bis 
jum Job bes Verfeuerten Slot» 
auSfetjung für ben Slnfprudj ber 
©hefrau auf Vejaf)lung ber 2e: 
benSoerficherungSfumme 3L 

Legate iin gemeinfchaftlidjen Jefta; 
mente ooti ©begatten finb nicht 
oertrag3mäj?ig binbenbe Veftim: 
mungen ju ©unften dritter 10. 

i'etjtroiüige Verfügung, SluSlegung, 
f. Vebingung L 

SH. 

Viängelanjeige bei SBarenfeubungen 
»on auswärts. Vebeutung ber 
Verfäutnung rechtjeitiger 3H liL 

Starfenfc^ut), f. Slntnelbung, girrna. 
®ie auf bie ©intragung berg-ir« 
men im tpanbelSregifter ficfj be= 
giefjenben Veftimtnungen bee 2)i.@. 
finben leine Vnmenbung auf bie 
in § 2Ü ermähnten SBarenjeidjen 
133. 

■Dtinberjährige, oermögenSrechtliche 
Verpflichtungen tninberjähriger 
Kinber, f. iiinber 154 

9Jiutter afö gefehlte Vertreterin 
beä KinbeS im Sinne be$ § 65 
beä Str.©.V., f. fiinber 187. 

9t. 

9iachlafclurator, f Kurator, 

9!acf)pfanbgläubiger , Slnfprud} auf 
bie grüßte, f. grüßte 173. 

9tebenfläger , nadjträglidje 9llten= 
einficfyt 711 

9tebcnflage,geftftellung unb jroangS= 
roeife Veitreibung ber Koften, f. 
Koften 88, 

— ©rfafc ber notroenbigen 3lu$: 


lagen jweiter Anftanj , f. 31 uSj 
lagen 52.' 

Utieberlaffung, ©erichtSftanb 228. 

0 . 

Obligation, alternatioe, f. 3Baf)lreeht 

121 . 

Deffentlidje Aufteilung amtSrichter= 
lieber Strafbefehle, f. Strafbe-- 
feljl 222, 

DrtSarmenoerbanb, rechtliche 9latur 
beS ©rfafcanfpruchS für geleiftete 
Sllimente gegenüber oon ben2lli= 
mentationSoerpflichteten 3. 

». 

Pächter, f. J)etentor 255. 

ipaterniiätSltage ift oon bem VP* ; 
ger be§ unehelichen KinbeS ober 
bem Vater ber ©efdjroächten nur 
in ©emeinfdjaft mit ber Viutter 
anjuftellen 328. 

Vertinenjen, f. Augehörungen, 22, 

159, 282. 

Vfänbung be$9lrbeit3= ober2)ienft: 
lohnS, f. Arbeitslohn 229. 

— beweglicher Augehörungen oon 
Ammobilien, f. bewegliche Sachen 

282. 

Vfanbgläubiger, Vbfonberungöredji 
im Konlurfe 23. 

— Siecht auf bie grüdjte einer Viel): 
reren uerpfänbeten Sache, f. 
grüßte 168. 

— Verpfänbung beweglicher Auge= 
Ijörungen oon Qmmobilien , f. 
bewegliche Sachen 280. 

— Slntrag auf AwangSoollftrecfung 
in baS unbewegliche Vermögen, 
f. griiehte 28(1 

— VetentionSrecht, f. gauftpfanb: 
gläubiger 398. 

iflfanbllage 300. 

— Anfprud) auf bie grüchte 28(1 

— bei einer '.Mehreren oerpfänbe; 
ten Sache, f. g-rüchte 169. 

— Antrag auf AraangSooUftredung 
in baS unbewegliche Vermögen, 
f. grüßte 286. 

ifjfanbfchein, Jiegrefitlage gegen bie 
UnterpfanbSbehörbe wegen um 
richtiger Schälung beS S$fanb= 
objettS, f. Anformatiopfanbfchein 
149. 


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3Up$o6etif<f|eä ©adjregifter. 


385 


Rillen, unentgeltliche Abgabe, f. 
Arjneien ÖSL 

iflrioatforftbebienftete, Befugnis ju 
Befcftlagnahmen, f. Befchlagnahnte 

374, 

ißrioatflage, SJittroe nicht gefeftlidje 
Bertreterin i^red MinbS, f. Sin* 
ber 1B2. 

^rioattlageoerfafiten , geftftellung 
unb jroaitgSroetfe Beitreibung ber 
Sofien ber Parteien 88. 

— ©ühneoerfuch unb ©trafantrag. 
®ie ÄecfttSgiiltigteit ber Stellung 
beS ©trafantragS in ^Srioatflag* 
fachen hängt nidht oon ber Grfte* 
bung einer juläffigen HJrioat* 
(tage ab 184. 

'JSrioatteftament , gemeinrerf)tlid)cS 
fcftriftlicheS 275. 

Brioatroalbfcftüften, Befugnis ju 
Befd)Iagnaf)men, f. Befchlagnahnte 

374. 

^rolurift, SBechfelaccept, f. Accept 

133. 

^roteft, Art. lfi, Abf. 2 SB D. fegt 
nicht blofj einen formgerechten, 
fonbern auch einen gültigen SfJro* 
teft »orauS 163, 

ifltojeftfoften , ©ntfcheibungen im 
Jtoftenpunlt, roelcifte im ^roang^ä 
»ollftredungSoerfahren ergehen, 
f. Jtoftenpunlt 29. 

iprojeftoollmacht, auf jroei Anwälte, 
3ufteltung, f. RollettiuuoUmadjt 
176. 

c. 

Quelle, Abgraben burch ©rabarbeit 
in einem Stuft, f. gluft 290. 

9t. 

Süechtsagenten , ©ubftitution oon 
9tecfttSanroälten burch 9t., f. Äom* 
miffionäre 327. 

9tecl)tSanroälte, bie am Sift einest 
Amtsgerichts mohnenben nicht 
bei bemfelben jugelaffenen 9t. 
finb jur Uebernahme einer Ar* 
menanioaltfchaft in einem amtS* 
gerichtlichen ftrojeft nicht uerbun* 
ben SIL 

- 3uftellung bei Sotteftiu^rojeft* 
»oltmacht, f Solleftiuuollmacht 
176 


StedjtShüfe, § llilt Saft 1 beS ©er.* 
Berf.@. auf Befcftroerben roegen 
Benoeigerung ber 9t. in Bejah- 
ung auf 2ltte ber ©trafuollftred* 
ung nicht anroenbbar 322. 

9!ecfttSioofttthat beS gnoentarS 33 

bis 97, 101, 102 , 104, 105, 110 , 

117. 118, 1 19. 9t. ber weiblichen 
Freiheiten auch aufterhalb beS 
JtonlurfeS 2r>3. 

9tegreftftage gegen bie UnterpfanbS* 
beftörbe megen unrichtiger ©cftäft* 
ung beS SflfanbobjeftS. Urfäct)= 
lieber 3 u fa>i«ne»hang jroifchen 
biefer unb bem Schaben beS 
ißfanbgläubigerS. Sefttercr hot 
bie 9tichtigfeit ber Schäftung ber 
UnterpfanbSbehörbe nicht ju ton- 
trotlieren 149. 

9tetentionSrecht beS gauftpfanbgläu * 
bigerS , f. gauftpfanbgläubiger 

298. 

9teoifion barauf geftüftt, bnft burch 
baS Urteil ^>ie Klage nicht er* 
feftöpft roerbe, nicht begrünbet 3 18. 

SReoifionSinftanj, neue BeroeiSerfte* 
bungeit über bie rechtzeitige ©tel* 
lung beS Strafantrags , f. Be* 
meiSerhebungen 310. 

— 3ur Begriinbung ber ©infteU* 
ung beS BerfaftrenS gemäft § 2ü9 
©t.^J.O. genügt bie geftftellung 
beS 3nftanjrichterS, baft bie ©in* 
ftaltung ber AntragSfrift nicht 
enoiefen fei 310. 

©. 

©aeftgefamtfteit , Unterof anbSbeftel* 
luitg, j. gabrilgebiiube 22 

©djabenSerfaft nach bem aquitifchen 
©efeft 133. 

— Anfprudf beS mittelbar Befehä* 
bigten 139 ; 

— roegen ©runblofigfeit einer Ar* 
reftanlage, f. Arreftanlage 27 1 . 

— Abgraben einer Quelle burch 
©rabarbeit in einem Stuft, f. 
Stuft 23Ü 

©djäftung beS tpfanbobjeltS , ipaf* 
tung ber UnterpfanbSbehörbe 
roegen unrichtiger , f. 9tegreft* 
(tage 143 

Sdjonjeit, f. .fjegejeit, gallroilb, 
Sagboergeften 320. 


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386 


älpfjabetifdjeS Sadjregifter. 


©elbfthilfeoertauf.beiSpejifilationS* 
lauf m 

©icherungSmafsregeln, ©d)abenSer= 
faß bet Unterlaffung 139. 
©ittlichfeitSoerbrechen, f. SlmtSge= 
richtSfchreiber 192. 
©onberuermögen bet ©hefrau, bie 
Sßeräufierung ^inbernbe? jfetfft 
auä 690 bet ©.$ D., f. ©hefrau, 
©rrungenfchaftSgefeUfdj. 237, 359, 
©ojialfcöulben , nach aufien be= 
ftebjenbe Haftung beibet ©Regatten 
für ©. bet lanbtedjtlidjen ©t= 
rungenfchaftSgefeUfchaft 340. 

— SloUftrecfungSDerfahren wegen 
bet ©chulbljälfte bet ©hefrau 357. 

Spietfartenfteinpel, jur SluSlegung 
beS § lü beS 91.(1. uom 3. Quli 
1878 übet bem ©. , SluSlöfdjen 
beö Stempels, ©tempel bei ©pie= 
len mit je 2 Harten oon gleitet 
Sefchaffenheit 219. 

©polientlage beS JJetentorS, f. 3)e* 
tentot 255. * 

StaatSanroaltfchaft, bie Seftimmung 
beS § 338 Slbf. 2 ©t.^.D., nach 
meldet bie ©t. oon bcn StecfjtS« 
mittein auch ju ©unften beSSe-- 
fchulbigten ©ebraud) machen lann, 
ift nicht auS,;ubehnen auf eine 
Verfügung, welche baS ©trafoer= 
fahren als foldjeS nicht betrifft, 
wie § 17 bet ®ebiilfren--Drbnung 
für 3eugen ic. 323. 
StaatSfmanjoermaltung, ®ericfitS= 
ftanb bei Klagen auS § 1 beS 
§aftpfIicf)tgefefceS , f. ©ifenbah* 
nen 12. 

©telloertreter, ©igentumSerroerb, 
f. ©igentumSerroerb 166. 

Stiefel als gefährliches SBetfjeug 
im ©inne beS ©t ®.39. § 223a. 

©. 21 . 

Strafantrag in $rii>atflagefachen, 
f. iprioatflageoerfahren 184. 

— 9teue Beweiserhebungen über 
bie redftjeitige Stellung in ber 
SReuifionSinftanj , f. SeroeiSerfje-- 
bungen unb StemfionSinftanj 310. 

©trafbefehl, amtsrichterlicher, gegen 
^erfonen unter 18 fahren ftatt= 
haft 200. 

— Unjuläffigteit öffentlicher 3 U ' 
ftellung 202, 


©trafooUftrerfung , § ISO ©ah 1 
beS ©er.Berf.®. auf Befchroerben 
roegen Serroeigerung ber SteehtS- 
hilfe in Bejiehung auf Sitte ber 
©t. nicht anroenbbar 322. 

©ühnenerfuch in ^rioattlagefachen, 
f. ^riuattlageoerfahren 184. 

%. 

XeilungSbehörben, Verfahren bei 
SluSeinanberfetsung erblofer übet= 
fchulberter Serlaffenfchaften 23. 

Xeftament, Auslegung, ©rbeinfeR- 
ung unter einer Bebingung, welche 
nicht in ber Slbfidjt beS 2efta= 
torS lag, f. Sebingung 2. 

fEeftamentSform, fechSte 276. 

— fiebente, nicht erforberlicf) bie 
oerfchloffene Uebergabe beS %t> 
ftamentS an bie 3 e ugen 273. 

Xrabition bei SBarenfenbungen oon 
auSroärtS begrünbet baS ©iqen* 
tum beS Käufers nur im yall 
ber ©mpfangnahme mit ber 3lb= 
ficht beS ©igentumSerroerbS 18. 

n. 

Ueberfchulbung erblofer SSerlaffen- 
fchaften 93. 

Uebertretung beS QinpfgefegeS, f. 
Qmpfgefeh 62. 

UeberroiefeneS SlnteitSredjt bei 
©djulbnerö an einer ungeteilten 
©rbmaffe, Slnfpvudj beS ©läubi= 
gerS auf Nachholung ber ©oen= 
tualteilung.f . ©oentualteilung 305 . 

UmftänbebeiBeleibigungen,@t.©.B. 
$ 193. ©. 182. 

Unbewegliches Vermögen, Berpfäm 
bung beweglicher 3 u 9 e( )örun= 
gen, f. bewegliche ©achen 280. 

— Slntrag eines SßfanbgläubigerS 
auf 3 roan 9öooUftrectung in baS 
ihm »erpfänbete, f. fruchte 286. 

UngefjorfamSDerfahren 2LL 

— gegen jugenbliche ^lerfonen, f. 
jugenblidje ißerfonen 201 , 204. 
205 - 

Unterhalt, ©rfafcleiftung , f. SUi= 
mente, ©rfafcleiftung 35 . 

Unterpfanb, Sinfprueh auf bie grüdjte 
einer Mehreren »erpfänbeten 
Sache, f. grüßte 168. 


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Älpljabetifcheä Sadjregiftet. 


387 


ItnterpfanbSbehörbe , Segrefsllage 
megen unrichtiger Schäftung be« 
ißfanbobjeltS , f. Siegrejjftage 
149. 

UnterpfanbSbefiellung an beioeg» 
licften Sachen al« 3 u S e ^örungen 
oon gmmobilien , f. beroegticEjc 
Sachen 280. 

— an Karen mit ben gab tilge» 
bäuben, f. gabrilgebäube 22, 159. 

UnterftüftungSn>obnfih,2anbarme80. 

llnterfucfjung non auSiuärt« über» 
fenbeter Karen 19. 

UnterfuchungSbeamte, 3 t. ®.8.’§174, 
f. 3lmt«geri<ht«fchreiber, Seamte, 
193. 

8 . 

Saterfcfmft, Klage roegeit aufterefte» 
lieber, f. ^aternitätStlage 328. 

Serlaffenfcffaften, Sefjaitblung über = 
fchulbeter erblofer 93. 

Sermächtniffe in einem gemeinfehaft» 
liehen £eftamente oon ©begatten, 
f. Legate 10. 

Sermögenäbefchlagnahine , f. 8e» 
fcftlagnaftme 57. 

Serpfänbung oon Karenoorräten 
mit bem ' gabrilgebäube, f. ga= 
brilgebäube 22. 159. 

Serfchtoenbung , Pflicht jur ©rftat» 
tung bet .« offen im ©ntmünbi» 
gungSoerfaljren toegeri 58., f. ©nt» 
münbigungSoerfahren 43. 

Serteibigung im Soruerfahren, eine 
foldffe enthält ber nach ©inreich» 
ung ber Stitllagefdjrift oom Ser» 
teibiger geftellte Antrag , einen 
Ängefchulbigten aufier Serfolg» 
ung su feften, unb bie gleicffsei» 
tige ©rliärung, bejügl. ber üb» 
rigen ängefdhulbigten eine« 2ln= 
trag« fief) ju enthalten, biefe SEfjä» 
tigteit rechtfertigt baljer bie @e= 
bühr ber §§ 67 u. 72 9t.S.®.0. 55. 

— 3)iefe ®ebühr wirb nicht be= 
grünbet bureb bie ©inftcht ber 
Slten oor ©röffnung be« ®aupt= 
»erfahrend , Fertigung oon 2lb= 
febriften au« benfelben unb ©in» 
jieftung ber Snftrultion oon ben 
Sngefcftulbigten , menn hierauf 
feine Anträge, ©efuefte ober ©r» 
tlärungen erfolgt finb 199. 


Serjug be« ©laubiger« bei alter» 
natioer Obligation, f. Kahlrecht 
124. 

Sollmacht, berKiberruf bet f<f»rift= 
liehen jur Kenntnis be« brüten 
Kontrahenten gelangten Soll» 
macht fann, folange ber (entere 
biefen Kiberruf nicht erfahren 
hat , oorn Sollmachtgeber nicht 
geltenb gemacht merben 1. 

Sollmachtgeber, Kiberruf ber Soll» 
macht, f. Sollmacht. 

Sorausfeftung, ©cbeinfeftung auf 
ben galt be« Sorabfterben« bei 
©rblaffer« nottoenbige S. 9. 

Sormunb, oermögenöreeftttiefte Ser» 
pflidjtungen minberjähriger Äin» 
ber ohne ßicftümnung be« S., f. 
ft'inber 154. 

Sorräte Don Karen, Serpfänbung 
mit bem gabrilgebäube, f. ga» 
brilgebäube 22, 159. 

Soroerfahren, ©ebiiljren be« Ser» 
teibiger«, f. Serteibigung 55, 199. 

SorjugSroeife Sefriebigung nach 
§ 710 ber ©.iß.D. fteht ben Un» 
terpfanbSgläubigern auf ben ©r» 
lös au« ben mit ber oerpfänbe» 
ten öauptfadje oerpfänbeten be= 
roeglichen 3ugel)örungen ju 280. 

2S. 

Kaffe im Sinne beS St.®. 8. § 
223a ift nicht ein jurn Stoßen 
mit feiner Spifte oerioenbeter 
Stiefel 71. 

Kahlrecht beS ©läubigerS bei alter» 
natioer Obligation geht im galt 
be« Serjug« beSfelben auf ben 
Schulbner über 124. 

Karen, SuSfonberungSanfpruch be« 
Setläufer« an oon auSioärt« 
überfeitbeten unb an ben Käufer 
ab gelieferten Karen 16, 158. 

— Unterpfanbäbeftellung an K. 
al« 3ugehörungen ber gabrilge» 
bäube, f gabrilgebäube 22, 159. 

Karenoo träte , Serpfänbung mit 
bem gabrilgebäube, f. gabril» 
gebäube 22, 159. 

Karenjeichen , ©rlöfcfjen be« burch 
Snmelbung erlangten Siecht« bei 
Slenberung ber girma. K. au«» 
länbifcher ©eioerbetreibenber , f. 


s 

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388 MIpbabetifcbeS 

Mnmelbuttg, {Jitma, 'Dlarfenfebuß 

133. 

SBafferlauf, Slenberungen , f. fyluß 

290. 

Süecbfel, yiccept eineö ^roluriften, 
f. Mccept 163. 

— $roteft, f. ^Sroteft 165. 

SBeiblicbe Sreibeiten , Slnrufung 

autf) außerhalb beä ,ttonfurfe3 
253. 

SBeineinlage, unfontrollierte, eine® 
SBirtS fällt nicht bloß bamt unter 
9lrt. 50 beä SBirtfcbaftSabgaben* 
gefeßeä, tuen» fte jum 3roe<f beS 
Muffchantö erfolgt 66. 

Sßerfjeug, gefäfjrltdjeS , im Sinne 
beä St.©.S3. tj 223a ift nicht 
ein junt Stoßen mit feiner Spiße 
nerwenbeter Stiefel 71. 

Sßiberfprucb gegen 3’ Dan 9® D °tt ; 
ftrecfung , f. auch »orjugäroeife 
SJefriebigung, ©befrau 166, 237, 
280, 359. 

SBiberftanb gegen bie Staatsgewalt 
liegt oor, wenn einer Diilitärpa* 
trouille, bie eine mit ifülitiiroer- 
bot belegte SBirtfcbaft bebufö beten 
Steoifion betritt, Söiberftanb ent* 
gegengefeßt wirb 197. 

— 3rrtum bejiiglicb ber 3ieebt* 
mäßigfeit ber 9lmtäl)anblung, 
f. Qrrtum 313. 

SBinfelfonfulenten, ©ubftitution ber 
3letf)täanioälte burcb SB. nicht 
angemeffen 327. 

SBirtfifjaftSabgaben , unfontrollierte 
SBeineintoge, f. SBeineinlage <;6. 

Sßobnfiß , ©ericbtäftanb ber <5f>e= 
frau, f. ©befrau 42. 

— beS ©inselfaufmannS an bem 
Drt, an welchem er ein £>an-- 
belSgefdbäft betreibt, f. ©injel* 
faufmann 295. 

SBollwaren , Serpfänbung mit ben 
Sabrifgebäuben, f. gabrifgebäube 
22, 159. 

3 - 

3effton, Haftung für bie ©iite ber 
Sorberung 264. 

3eugen, 'äefctiroerte ber StaatSan* 
nmltfcfmft roegen ju nieberer geft= 


Sadjregifter. 

feßung ber ©ebiibren, f. Staatei' 
anroaltfcfiaft 323. 

3ugei)örungen einer Siegenfdjaft, 
llnterpfanbbeftellung , f. S a i> r 'l= 
gebäube, bewegliche Soeben 22, 

159, 280. 

3uftänbigfeit bei ©inroenbungen 
egen oie SttNwgänollftrecfung 
67. 

3uftellung burcb bie IJ? oft an einem 
anbern Drt als bem burcb bie 
'llbreffe bec ‘-Briefs bejeidjneten 
174. 

— Unjuläffigfeit äffentlidjer 3- 
amtSricbterlidjer Strafbefehle 20;i. 

SroangSuerfauf, 3roifcbenjinfe 160. 
f. 3roifcben}infe. 

3roang3oollflrecfung, Verlauf ber 
lebten »erfiigbaren Soeben an 
einen ber ©laubiger um wert* 
entfpreebenben ^SreiS unter Muf- 
reebnung feiner gorberung be* 
bufö Mbroenbung ber btobenben 
3- 38. 

— Sßiberfprueb gegen 3 » f- SBiber= 
fprueb- 

— Suftänbigfeit bei ©inroenbungen 
gegen bie 3- 267. 

— in bewegliche 3«Jgebörungen oon 
Immobilien, f. bewegliche Sa* 
eben 280. 

— Slnfprucb auf uorjugSroeife 34e 
friebigung na<b § 710 ber ©.$JD. 

280 

— Mn trag beö $fanbgläubiger$ 
auf Mnorbnung ber 3- in baS 
unbewegliche Vermögen, f. Sriicbt« 
286. 

— gegen ©begatten roegen Sojial* 
jcbulben 237, 357. 

3wangSooUftrecfung§oerfabren,©nt< 
febeibungen über ben Äoftenpunft. 
welche int 3- ergeben, f. floften- 
punft 29. 

3wifebcnjinfe bürfen bei Bejah- 
tung einet noch nicht fälligen, 
ju mebrigerem als bem gefeß 
lieben ober lanbläufigen 3<n^f u 6 
oetjinSlicben S or benmg mitteiß 
3roangSuerfaufS ber für bieje 
Sorberung oerpfanbeten liegen* 
febaft außerhalb KonfurfeS nicht 
abgejogen werben 160. 


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